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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
austoben bis austrägerei (Bd. 1, Sp. 999 bis 1001)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) austoben, desaevire:

e schaft sich eine mit mutwill krank,
umb das si sich etwas gelob
und irem fürwitz noch ausztob.
Folz bei
Haupt 8, 540;

halt dich, bisz du ausz getobst. fastn. sp. 385, 36;

die angst, die dich gequält, hat endlich ausgetobt.
J. E. Schlegel;

der erdbeherscher wilde heeresgluten,
die in der welt sich grimmig ausgetobt.
Göthe 13, 71;

einen austoben lassen; die jugend musz austoben, wie der most; der krieg hat noch nicht ausgetobt; ausgetobt in der jugend, macht im alter stille leut. Fr. Müller 1, 279.
 
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austochtern führt Stieler 2638 im sinne von nomen filiae perdere an: wenn der sohn todt ist, hat die schnur ausgetochtert. s. ausvettern.
 
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austollen, debacchari, desaevire: wir wollen heute einmal austollen, haben recht ausgetollt.
 
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austönen, plene sonare und conticescere: es ist ja nur die alte klage, fuhr der geistliche hervor, die Petrarka schon bis zur ermüdung geführt hat, die Dantes erbitterung vielfach austönt. Tieck nov. kranz 3, 21; um aus unserer brust die erhabene erscheinung wieder auszutönen. 4, 90; siehe ebenso töne am längsten tage meine seele aus. J. Paul Hesp. 3, 240; der gesang tönt voll aus.
 
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austönig, personans, volltönig.
 
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austonnen, im bergbau, einen schacht austonnen, inwendig mit bretern und holz bekleiden.
 
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austraben, tolutim exire, nnl. uitdraven: das pferd musz ordentlich austraben; das pferd austraben lassen; auch von menschen für auslaufen:

so sie (die mägde) des nachtes hunger leiden,
und fil des dags darum ausdraben
dohin, do sie ir pulschaft haben. fastn. sp. 794, 2.


 
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austrag, m. perductio ad finem, exitus, transactio, litis sententia, urteil, dem folge gegeben wird, ein im 15. 16 jh. sehr gangbares wort, dem schon ein mhd., ja ahd. ûʒtrac entsprechen könnte, obgleich belege mangeln; den bei Haltaus 86 angezognen lassen sich viele beifügen: zu usztrage komen. Magdeb. weisth. 28; zu rechtis usztrage komen (a. 1452) 36; zu rechtlichem austrag laufen. not. ordn. von 1512 eingangs; gewillkürte austräg (pl.). landfr. von 1521 §. 2; die sach zum austrag verthädingen. daselbst zu eingang; weil ich und mein vorvordern aber solcher irrung nit zu ausztrag und rue kumen mugen. Chmels Maximil. s. 365; und wer denselben (den geist gottes) hat, die sollen demselben ein ausztrag geben (folgen) und den geist nit erlöschen. Keisersb. omeisz 17d; in der zeit als Christus Jesus hat wellen ein ustrag geben (folge geben, leisten) den dingen die do von got beschlossen seind gesin in ewigkeit. post. 1, 34; das man die ding, so si verordnet hand, vollstreck, inen einen ausztrag geb und on verziehen auszricht. parad. der selen 57; der austrag der gerechtigkeit. sch. der penit. 121; seinem zorn einen austrag

[Bd. 1, Sp. 1000]


(ein ende) geben; da schemt sich der richter und gab der sach ein austrag (sprach das urtheil). sch. und ernst cap. 82; durch einen der nachfolgenden austrag. Luther 3, 106; den austrag gegen einander nemen und geben. 3, 106b; welcher dasselb hernachmals zum austrag und ende wird bringen. 5, 43a; hat die k. maj. den handel eigner person mit samt den reichsständen richtiger zu fördern gelegener geachtet und eilet damit zum austrage. Melanchthon 4, 93; er mocht aber des austrags nit erwarten. Stumpf 2, 38b; ich wafnet mich in willens meiner gelübd ein austrag zu geben (sie zu erfüllen). Hugo Schapler 28; wir werden der sachen ein end und kurzen austrag geben. Aimon c; nun wolte ich mich der pferde bis zum austrag der sachen nichts mehr anmaszen ... so wolt ich zu recht gefraget haben, ob sie der wirt nicht bis zu austrag der sachen mit ordentlichem futter und wartung zu unterhalten schuldig sei? Schweinichen 1, 215 und gleich darauf: bis zu endschaft der sachen; nun aber, dasz ich in den ceremonien ein austrag (ende) mache. Paracelsus 1, 115a; ich weine darumb, dasz dieser sach nicht ein austrag wird gemacht. Kirchhof wendunm. 408a;

da sich zu meiner lieb austrag
musz ein dreifacher freitag finden.
Weckherlin 798;

dann pflegte der fünfte zu kommen und sie auf einmal zu vergleichen, indem er bis zu austrag der sache den gegenstand in verwahrung nahm. Wieland 6, 39; kein theil der streitenden parteien will seinen gerechtsamen etwas vergeben und der austrag der sache wird auf einen anderweiten termin verschoben. Musaeus 4, 102; es kam zum gütlichen austrag der sache. 4, 151; so würden die Ardeater nicht zu Rom austrag über den besitz der öden mark von Corioli gesucht haben. Niebuhr 2, 291. austrag steht auch nicht weit ab von vertrag, da was vertragen ist zugleich ausgetragen, verabredet heiszen kann. Im deutschen recht wurde aber der pl. austräge zumal auf schiedsrichterliche entscheidungen angewandt und dadurch dem ausdruck eine fast persönliche bedeutung verliehen. austräge, mlat. austregae, sind gekorene oder bestehende schiedsmänner (arbitri), die einen streit zu güte oder recht austragen; nach Ducange soll austregae bereits in einer urkunde von 1218 bei Ludewig rel. mss. 1, 212. 237 enthalten sein. adliche erbschaften, wobei sie die stelle der austräge vertreten mochten. Möser 1, 54; der gang der deutschen denkungsart, welche die austräge liebte. 2, 164; die austräge der ebenbürtigen. Göthe 26, 125;

wenn dich Antonio beleidigt hat,
so hat er dir auf irgend eine weise
genug zu thun, wie du es fordern wirst.
mir wär es lieb, du wähltest mich zum austrag. 9, 164;

würdigen sie mich zum austrag, schiedsrichter oder advocaten anzunehmen. Tieck ges. nov. 2, 263. höchst undeutsch und barbarisch aber sind die wortbildungen austrägal, austrägalrichter, austrägalgericht, austrägalinstanz.
 
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austragen , ahd. ûʒ tragan (Graff 5, 497), nnl. uitdragen.
1) exportare, efferre, egerere, aus dem haus, stall, aus dem kasten, gefäsz tragen: den todten, die leiche austragen; etliche aus inen waren uber das gerete des ampts, denn sie trugens gezelet aus und ein (vulg. ad numerum enim et inferebantur vasa et efferebantur). 1 chron. 10, 28;

trag wir ein vollen seckel,
und ein lären wider aus.
Uhland 533;

er tregt mir mein nachtfuoter aus. fastn. sp. 305, 18;

ir sprecht der trag die pfrünt aus. 649, 13;

mein man tregt mir das nachtmal aus. 771, 4;

du hast mir meine pfenbert tragen aus. 657, 34;

du tregst mir meine kleider aus.
H. Sachs I, 525b;

ich verspil mich oft bis ans hemd,
austrag ich kleider, bett und zin,
das geht oft als an galgen hin.
II. 2, 6d;

ein gutes ros hat mein herr,
dem musz ich den mist austragen. fastn. sp. 563, 28;

wie das gesind in ihres herrn tödlichem hinzug anfiengen auszutragen, zu stelen, zu ketschen. Garg. 68b; brot, semmeln austragen, die briefe austragen. das bad austragen oder ausgieszen ist gleichviel mit ausbaden (oben sp. 827):

wolan so muostu sbad usztragen. trag. Joh. K 2;

das weib msz das bad ausztragen. Scheit grob. R 4; der unschuldig trägt das bad aus. Simpl. 2, 390; ich gedachte, dasz der ohne dem zornige und erschrockene fürst uns das bad würde austragen lassen. Felsenb. 4, 468. man sagt auch, das kind mit dem bade austragen, wie ausschütten.

[Bd. 1, Sp. 1001]



2) austragen, in vulgus efferre, unter die leute tragen, ausklatschen: sondern suchen etwas, das sie lestern mügen, gehen hin und tragens aus. ps. 41, 7; wenn ich ein solcher were, wie sie mich schenden und austragen. Luther 1, 58a; weil wir an dem sind, das wir nicht allein den unnützen lügnern antworten, so mich in diesen stücken austragen, sondern auch gerne den Jüden dienen wolten. 2, 243a; die mich mit meiner vertraweten jungfrawen Catharina von Bore austragen und berüchtigen. 3, 150b; der fromme Joseph hat sie (seine brüder) nicht ausgetragen, noch ein böse geschrei von inen gemacht. 4, 196b; wo dir ein unnütz maul fürkompt, das ein andern austregt. 405a; wenn du deinem nehesten ubel redest, die leute austregest und verleumbdest. 5, 377a;

und sind gut gspilen alle sander,
doch bald sie kummen von einander,
einander sie denn auch austragen.
H. Sachs I, 453b;

dasz sie es nicht gethan, das wil ich nicht austragen,
weil ichs nicht weisz, so möcht ich die unwarheit sagen.
Werders Ariost 4, 65;

viel besser, du bist fromm, läszt böses von dir sagen,
als dasz du böse bist und läszt dich fromm austragen. pers. rosenth. 2, 18;

ein mitgeselle, der nur ein wenig mangel an mir gewahr wird, verlässet mich wol und träget mich aus. pers. baumg. 10, 5; mit lästerworten austragen. Opitz Arg. 1, 230; versorge das gesinde wol, sonst. wirst du unter den leuten ausgetragen. Weise kl. leute 373; es konnte nicht fehlen, die geschichte, das geheimnis wurde in der ganzen stadt ausgetragen.
3) austragen, perferre, zu ende tragen: die frau trug das kind nicht ganz aus, brachte es zu frühe zur welt; ein ausgetragenes kind, reifes; die kuh trägt im nächsten monat aus; ich habe kraft, mein leiden auszutragen. Klinger 5, 358;

ich habe schon seit manchen langen tagen
nicht genossen, nur das leben so ausgetragen.
Göthe 13, 102.


4) austragen, transigere, decidere, schlichten, ausmachen, zu ende bringen, in dem schon bei austrag erörterten sinn: ausgetragen und ausgerichtet. weisth. 3, 484; ob wir sprüch und vorderung zu einander gewonnen, sollen die ausgetragen werden nach der abred. Chmel Maximil. s. 85;

richter und schopfen, ir solt sitzen,
und hort uns zu mit klugen witzen,
was man vor euch hie habe zu klagen,
das ir uns das wolt recht austragen. fastn. sp. 154, 23;

man hat heut noch mer sach auszutragen. 647, 18;

das er dem richter dank musz sagen,
als reht sol man im sein sach austragen. 704, 10;

heut werden komen zu gericht
die kinder Israel entwicht
und ir hendel vor mir austragen.
H. Sachs III. 1, 33b;

dasz sie ihre händel mit der faust austragen. Philand. 1, 601; das er die irrung vor den jüdischen rabinen zu Frankfurt austragen wolle. Ayrer proc. 2, 5; bist du ein rechtschaffener kerl, so nim ein gut pferd, ein gut schwert, ein gut paar pistolen und komm an den und den ort, da wollen wir uns vertragen und die sach austragen. Schuppius 316; Paulus wolte seine sache bei dem kaiser austragen. 594; wie gemeine klagen ausgetragen und gerichtet werden sollten. Niebuhr 2, 45.
5) austragen, ertragen, betragen, efficere, conficere: es trägt nur ein paar thaler aus; das wird viel austragen; i. f. gn. hätten die wolle noch nicht verkauft, darum sie, was sie austrüge, noch nicht zu wissen machen konnten. Schweinichen 1, 363; über 487 th. nicht austragen. 1, 367;

das jagen ein unnöttiges ding heiszen,
welches den kosten nicht austrag.
Ayrer 326a;

eure reichshändel tragen doch wenig aus. mägdelob 56; ein oder zwei worte auf und ab werden nicht viel austragen. causenmacher 78; 300 pfund austragen. unw. doct. 916;

der alte disputiert, stellt tausend schwache gründe,
nach sykofanten art, er denkt, die menge trägts aus,
vor seine meinung her.
Wieland 4, 60;

da es nicht wenig für die künftige wirksamkeit der apostel in ihrem berufe austragen muste, wenn sie davon recht fest überzeugt wurden. Plank gesch. des christenth. 1, 306.
 
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austräger, m.
 
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austrägerei, f. klatscherei.

 

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