| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||
ausstopfen bis ausstrecken (Bd. 1, Sp. 988 bis 990) | |||
| [Bd. 1, Sp. 989] raum ausstopfte. best. des m. 330; alle herlichen zustände der menschheit, als sie endlich lebendig in seiner brust erschienen, konnt er sie besonnen ergreifen, regieren, ertödten und gut ausstopfen für die eisgrube der künftigen erinnerung. Tit. 2, 124. 1) bei den fechtern, den ersten stosz thun: der gegner hat noch nicht ausgestoszen; er darf nur einmal ausstoszen. 2) dem fasz, kessel den zapfen, den boden ausstoszen: wol, nun kann der gusz beginnen, 3) einem das auge, den zahn ausstoszen: er stiesz sich unvorsichtigerweise an einem vorragenden ast das rechte auge aus; die balgerei endigte nicht ohne ausgestoszne zähne; drumb gib den gfangnen bruder (ructum) los, 4) einen ausstoszen, aus der stube, dem haus, dem land jagen, von sich fortjagen: stosz den hund aus! Garg. 87b; ich wil sie nicht auf ein jar ausstoszen fur dir. 2 Mos. 23, 29; das du sie solt ausstoszen fur dir her. 23, 31; und wil fur dir her senden einen engel und ausstoszen die Cananiter, Amoriter. 33, 2; wenn ich die heiden fur dir ausstoszen und deine grenze weitern werde. 34, 24; in disem allen haben sich verunreiniget die heiden, die ich fur euch her wil ausstoszen. 3 Mos. 18, 24; wird sie aber eine widwen oder ausgestoszen. 22, 13; und der herr ewr gott wird sie ausstoszen fur euch. Jos. 23, 5; da aber das weib Gilead im kinder gebar, stieszen sie Jephthah aus. richt. 11, 2; das ubel ist gröszer, denn das ander, das du an mir gethan hast, das du mich ausstöszest. 2 Sam. 13, 16; stosze sie aus umb irer groszen ubertrettung willen. ps. 5, 11; auf das ich euch ausstosze und ir umbkomet. Jer. 27, 10; aber die kinder des reichs werden ausgestoszen in das finsternis hinaus (goth. usvairpanda in riqis). Matth. 8, 12; es kam fur Jesum, das sie in ausgestoszen hatten (þatei usvaurpun imma). Joh. 9, 35; nu wird der fürst diser welt ausgestoszen werden (usvairpada ut). Joh. 12, 31; welche gott ausstiesz vor dem angesichte unserer väter. apost. gesch. 7, 45; und sollten uns nu heimlich ausstoszen? 16, 37; ins elend ausgestoszne gattin! 2, 488; ich bin ein gegenstand der zwietracht. es ist billig, dasz mich die gesellschaft ausstosze. 3, 99; der das weib von sich ausstöszt, die sich ihm ganz geopfert hat. 2, 220. Vormals bedeutete ausstoszen (wie ausschieszen) aber auch in gutem sinn aus der menge sondern und erwählen: Jacobum hett er uszgestoszen. post. 2, 28; das besunder volk gottes, das gott uszgestoszen und erwelt hat vor allem volk. 3, 102. 5) zornige worte, unbesonnene reden ausstoszen; man stöszt oft aus im zorn, was man nie vorgenommen. stosz aus allen zorn auf die trewlose haiden! [Bd. 1, Sp. 990] momenten unentbehrlich sind, nicht geschätzt, vielmehr verworfen und ausgestoszen worden. 17, 409; die heilige liebe, die nach und nach das fremde durch den geist der reinheit, der sie selbst ist, ausstöszt und so endlich lauter werden wird wie gesponnen gold. an Aug. Stolberg 8; das meer stöszt alle unreinigkeit, das bier die hefen von sich aus; ein strom, der sich ergieszt, unbekümmert, woher die gewässer ihm zuflieszen und wohin er sie ausstöszt. 3, 194; diese idee stöszt eine menge von praedicaten aus. 2, 444. 6) den fleischern ist, ein kalb, einen hammel ausstoszen, die haut des geschlachteten thiers durch stoszen ablösen. den hutmachern, einen hut ausstoszen, ihn auf der form zurichten. den buchbindern, ein buch ausstoszen, die scharfen ecken des bandes abstoszen. den gärtnern, die wege und gänge ausstoszen, sie mit dem stoszeisen reinigen. 7) intransitives ausstoszen ist ausbrechen, hervorstoszen, erumpere und galt zumal von kräutern und gewächsen: wann aber gemelte gesetzte pflanzen anfahen auszustoszen oder auszuschlagen. 288, obschon es leicht ist einen acc. beizufügen: aloen, deren etliche in unserer anwesenheit etliche schuh hohe stängel ausstieszen. Arm. 1, 672. figürlich, der kaiser verbisz seinen schmerz eine zeitlang, aber die mehr verhehlte als unterdrückte bitterkeit kochte beständig in seinem herzen, bis sie mit voller gewalt ausstiesz. 3, 294. mhd. hiesz ûʒ stôʒen, zur see ausfahren, auslaufen, von lande stoszen. pass. K. 469, 54. nicht dies die sonne, deren licht 1) die finger, hände, arme, füsze, beine, zunge ausstrecken: nu aber, das er nicht ausstrecke seine hand und breche auch von dem bawm des lebens. 1 Mos. 3, 22; denn ich werde meine hand ausstrecken und Egypten schlahen. 2 Mos. 3, 20; strecke deine hand aus und erhasche sie bei dem schwanz. 4, 4; und da der engel seine hand ausstreckt uber Jerusalem. 2 Sam. 24, 16; wenn ein land mich verschmehet, so wil ich meine hand uber dasselbe ausstrecken. Ez. 14, 13; ich aber streckte meine hand aus wider dich. 16, 27; strecke aus deinen arm. Jud. 9, 9; und Jesus strecket seine hand aus (goth. ufrakjands handu). Matth. 8, 3; strecke deine hand aus. 12, 13; wenn du aber alt wirst, wirst du deine hende ausstrecken und ein ander wird dich gürten. Joh. 21, 18; das wir mit brünstiger hitze und, wie ir tölpische wort lauten, mit ausgestrackter lust sollen auch also uns tödten. 3, 61b; die mit ausgestrackter lust das leiden Christi bedenken. 3, 73; da er zwo oder drei meil kame, da stund er auf die straszen und streckt beide arm aus, einen gegen s. Jacob, den andern gegen seinem dorf. schimpf und ernst 254; langer ausgestreckter hals. weidwerk 2, 56b; mähet mit ausgestreckten armen. Garg. 257a; der käfer streckt sein fühlhorn aus; wer die zung auf hohn ausstrecket, 2) abstractionen: deine sorgen ausstrecken (erstrecken, ausdehnen). 726; wenn ich dann mein sein und fühlen ausstrecke. nov. kr. 2, 240; macht, gewalt, herschaft ausstrecken: [Bd. 1, Sp. 991] einst war seine (des meers) gewalt noch ausgestreckter. 3) sich ausstrecken, ausdehnen. denn s. Gregorius spricht, das göttlich liebe gegen sich selb nicht bestehen kan, sondern sie musz sich ausstrecken zu einem andern. 1, 50b; die ebene streckt sich stundenweit aus; und lasz dem bauch sein rechten gang, sondern mit wachsendem schwang
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