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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausstecken bis ausstellung (Bd. 1, Sp. 984 bis 987)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausstecken, erigere, nnl. uitsteken, zeichen, fahne ausstecken: also werden sie auch das fenlin nicht auf den mastbawm

[Bd. 1, Sp. 985]


ausstecken. Es. 33, 23; vor dem herbest ist ein jarmarkt zu Diedenhoven und steckent sie ein wimpel usz. weisth. 2, 239; strohwische auf der wiese ausstecken;

das frewlin steckt ein zeichen aus.
Uhland 740;

sie war an schönheit reich,
an vielen gaben hold, der Rehen zu vergleichen
der weisen künstlerin, ein ausgestecktes zeichen
der angewandten zucht.
Fleming 133;

die fahne der freiheit öffentlich auszustecken. Möser 2, 192;

und aus den wolken, blutig roth
hängt der herrgott den kriegsmantel runter,
den kometen steckt er, wie eine ruthe,
drohend am himmelsfenster aus.
Schiller 324b;

mit rosen hat er ausgesteckt
dein stilles schlummerhaus.
Uhlands ged. 153;

der weg von der rechtschaffenheit zur tugend bezeichnet sich durch thaten, um ihn zu finden, musz man sich diese zum leitungszeichen ausstecken. Klinger 12, 219; sie haben sich nicht einfallen lassen, dasz das ziel ihrer hemühungen so kurz sollte ausgesteckt werden. Kant 3, 233. in anderm sinne sagt man, bohnen, kartoffeln ausstecken, aufs land stecken, aussäen, pflanzen.
 
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ausstehen , in mehrfachem sinn
1) ausstehen, aussteigen, e navi egredi, ähnlich dem abstehen descendere equo:

in die insel Sagena kam,
da stund man aus in gottes nam.
H. Sachs I, 171d;

seither ich von dir gescheiden, an dem britannischen port ausgestanden bin. Galmy 347; sei ausgstanden vom schif ietzund. Ayrer 462b. ebenso auch ausstehen aus der beisze. weidwerk 2, 34b und vom fallit werdenden schuldner: ausstehen, austreten und in die freihung sich begeben. Frankf. ref. II. 27, 9 (vgl. DWB aufstehen 10); ausstehn, aus dem kloster treten: wer nicht mehr bestehn mag, der mag dann ausstehn. Garg. 284. ausstehen bei gericht, austreten, bei seite gehen. s. DWB ausstand 4.
2) ausstehen, in publicum prodire, hinaustreten, feil stehn:

und wer dann nicht mehr solcher gestalt
bestehn mag, der mag dann ausstehn,
und darnach wider herbei gehn. Garg. 284a;

selbst des nachbar gastwirts müh,
der vordem in fremden landen
als ein doctor ausgestanden,
war vergebens bei dem vieh.
Gellert 1, 67;

de la Popepiere war auf den landtag gekommen, um als marktschreier auszustehn. Klopstock 12, 296; es würde uns alle empören, ein erbstück eines geliebten vaters, das wir nur unserm kostbarsten schranke anvertrauen, plötzlich in der schmutzigen judengasse öffentlich ausstehn zu sehn. Tieck 4, 268; ich wollte als student mit einer gastpredigt ausstehen. J. Paul lit. nachl. 4, 84; jene deutschen mystiker und romantiker, welche wahrlich nicht spärlich in allen sogar schlechtesten taschenbüchern und romanen ausstehen. komet 1, xx; die schildwacht steht zwei stunden aus; der kaufmann steht mit seinen waaren aus und die waaren stehen aus. bergmännisch, erzadern stehen aus, gehen zu tage.
3) ausstehen, vom gelde, s. DWB ausstand und DWB ausständig: es steht noch viel geld aus; der gröszte theil seines vermögens stand im land aus und war nicht sogleich einzuziehen. ausstehen, von andern sachen, im rückstand, rückständig sein: acht und zwanzig stimmen waren gesammelt. Dorias und die seinige standen noch aus. Schiller 155;

das gröszte steht noch aus! 559.

ausstehen, aufgeschoben, ausgesetzt bleiben, anstehen: die entscheidung möge zum morgenden tag ausstehen. Niebuhr 2, 395; doch soll die vollziehung bis zum 14 juli für Paris ausstehen und drei monate für die provinzen. Dahlmann fr. rev. 330. vgl. DWB ausstellen 9 und aussetzen.
4) transitives ausstehen, aushalten, ertragen, sustinere, perpeti, sowol von personen als sachen, vgl. DWB unausstehlich, ausgehend von einem sinnlichen beharren im stand, wie aushalten im halten: die predigt ausstehn, stehend aushören, sich während des gottesdienstes nicht niedersetzen. wiltu nicht gleuben, so fare imer hin und erfare es, du wirst mit uns bald ausgepocht haben, es ist aber einer, der dir deinen trotz wol kann ausstehen. Luther 6, 226b; das kein unglück so grosz ist, es sei geistlich oder leiblich, das ich nicht künde ausstehen und überwinden. 6, 345a; mein trotz sol iren trotz ausstehen, das weisz ich für war. 3, 116; dasz ich solche mühe auf mich nehmen und ausstehen müssen. Schweinichen 3, 43;

[Bd. 1, Sp. 986]


gleichwol hat er stark augen, die ein puf ausstehn (einen puf aushalten). Garg. 241b;

mut und stärk alles auszustehen.
Weckherlin 364;

nach ausgestandner zucht. 253;

zweimal ist es in der weile,
dasz sie (die stadt) aus hat müssen stehn
Hercules geschosz und pfeile.
Opitz 1, 214;

gott hat nun ausgestanden
was auszustehen war.
Fleming 14;

das gold steht feuer aus.Veit duldet alle flammen,
eh er läszt gold und sich mit willen thun von sammen.
Logau 3, 2. zug. 40;

Choerilus hat sich verbunden auszustehen einen streich
immer und von jedem verse, der der kunst nicht fiele gleich. 3, 7, 94;

wobei ich ziemliche furcht seiner ungnade ausstehen musz. pers. rosenth. 1, 32; mit einander gutes und böses auszustehn. 3, 9; ungemach und unlust von jemand ausstehen. 5, 14; einen ehebrecher strichen die Egypter mit ruthen aus und gaben ihm tausend streiche, konte er dieselben ausstehen, so möchte er weiter fortlaufen. Schuppius 513; eiserne köpfe, welche etwas ausstehen, vertragen und dasjenige, was sie gefasset haben, behalten können. 597; kleine vöglein haben grosze gefährlichkeit auszustehen. 837; so eine kurze faste wird noch auszustehen sein. Weise kl. leute 15;

wärst du so klug, die kleinen plagen
des lebens willig auszustehn,
so würdest du dich nicht so oft genöthigt sehn,
die gröszern übel zu ertragen.
Gellert 1, 181;

er steht den schmerz nicht aus, er überwältigt ihn.
Zachariä 1, 179;

nein, ich kanns nicht ausstehn. Gerstenberg Ugol. 63; einige aufrührer werden verwiesen, viele andere stehen züchtigungen aus. Schiller 834; nach allen prüfungen, die ihr ausgestanden habt. Göthe 14, 196; schon bei tafel hatten wir manches auszustehen, denn einige männer hatten stark getrunken. 19, 279; wer weisz nicht, was ein lied auszustehen hat, wenn es durch den mund des volkes eine weile durchgeht! 33, 205; da kommt der winter wieder und mir ists als wollt ich ihn wol noch einmal ausstehen. an fr. v. Stein 1, 70; sie konnte ihren herrn vater nicht eher ausstehn, bis er u. s. w. Klinger 1, 168; nein gnädger herr, sie kann ihn nicht ausstehn. Tieck 3, 203; in einem solchen falle, wenn man niemand von der gesellschaft ausstehen kann. J. Paul Tit. 2, 32; das unglück der erde war bisher, dasz zwei den krieg beschlossen und millionen ihn ausführten und ausstanden. dämmerungen 55; stand ihre kopfschmerzen aus. Fibel 21. Unterbleibt der geläufige acc., so wird das verbum wieder intransitiv: der kranke steht viel (schmerzen) aus; der junge steht im künftigen jahr aus, hat seine lehrjahre ausgestanden; er schafte einen ladendiener ab, dem succedierte der fast ausgestandene junge. maulaffe 25. Doch darf man sich auch ein an sich intransitives ausstehen = persistere, perdurare denken, bei welchem kein acc. zu ergänzen ist: dasz man nit verzage, sondern man stehe unserm herrn gott aus und bete (halte ihm aus, halte ihm stand). Luthers tischr. 232b; und damit ihr an ewer sawern arbeit umb ewer unerzogner kindlein willen lenger taweren und ausstehen konnet. Mathesius 146b.
 
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ausstehlen, expilare: die groszen gewaltigen erzdiebe, die nicht eine stad oder zwo, sondern ganz Deudschland teglich ausstelen. Luther 4, 402b; kommen alsdann mit den edelen zigeunern, stelen und henken das land aus. Garg. 227a; du willst noch einmal nach S. Lüne marschieren und ganz verarmt vom blassen engel, den dein ausgestohlnes herz nicht vergessen kann, den zweiten abschied nehmen. J. Paul Hesp. 3, 42; und es gieng ihm durch die seele, seinen ausgestohlnen freund so sehr an freunden verarmt zu sehen. 4, 19.
 
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ausstehlich, ferendus, erträglich: soll unser hexameter ausstehlich werden. Herder 1, 219.
 
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ausstehung, f. perpessio: nach ausstehung viel kummer, mühe und sorgen. Schweinichen 1, 243.
 
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aussteifen, rigidum facere: ein kleid aussteifen; eine wand, ein gebäude aussteifen.
 
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aussteigen, escendere: ans land aussteigen (s. DWB ausstehen 1); vom wagen aussteigen; sind schon alle ausgestiegen?; der dieb musz zum dachfenster ausgestiegen sein; wie meine zweite welt, auf die meine seele ausstieg. J. Paul Hesp. 1, xxvii; Viktor will am ersten pfingsttag vor der sonne aufbrechen, um am dritten wieder zurückzukommen, wenn sie in Amerika aussteigt. 3, 176; wo aber stieg denn das gröszte kriegerische, das römische volk, welches jahrhunderte lang

[Bd. 1, Sp. 987]


weniger im blute watete, als auf dem blute schifte, endlich aus? dämmerungen 58; blühet gelblich an einem groszen oben aussteigenden kolben. Hohberg 2, 43a.
 
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ausstellen , proponere, disponere, exponere, nnl. uitstellen.
1) eine preisfrage ausstellen, aussetzen: die frage war eine der ausgestellten und ich buhlte um den preis. Herder 20, 69.
2) einen schein, wechsel, pass, eine quittung, vollmacht, urkunde, ein zeugnis ausstellen, ausfertigen.
3) ausstellen, aushändigen, herausgeben: allein die briefe musten sie zuvor alle ungelesen ausstellen. Schweinichen 1, 214.
4) das land, den acker ausstellen, bestellen: hatte unterdessen mein land ausgestellt. Schuppius 119.
5) wachen, posten ausstellen; die ausgestellten wachen wieder einziehen.
6) waaren zur schau ausstellen; bilder, gemählde ausstellen; eine leiche zur schau ausgestellt.

mancher meinet, ehr und würde scheine nicht an ihm hervor,
wann sie nicht steh ausgestellet auf der hoffart berg empor.
Logau 2, 5, 47.


7) fallen ausstellen, den mäusen, den vögeln, dem wild, dem feinde. weidmännisch, die sau ausstellen, absperren.
8) ausstellen, blosz stellen, aussetzen: die satyre ist feindeseligen urtheilen ausgestellt. Rabener 1, 92; der satyriker wird die laster tadeln, ohne der öffentlichen beschimpfung die person des lasterhaften auszustellen. 1, 93; und dessen, dasz die masse der schale keine composition, sondern echter, natürlicher stein sei, konnte der besitzer auch höchstens nur versichert zu sein verlangen, wie auch sich wirklich versichern, wenn er sie mit der gehörigen behutsamkeit einem feuer ausstellte, dem keine composition ohne nachtheil an klarheit und farbe widerstand gehalten hätte. Lessing 8, 497; die meisten begnügten sich über die neuerungen den kopf zu schütteln und zu beklagen, dasz eine so ausgemachte sache vorwitzigen untersuchungen ausgestellt werden sollte. Wieland 6, 281; sich dem urtheil des Paris auf Ida auszustellen. 10, 91; sich einer gefahr ausstellen. Klinger 5, 183.
9) ausstellen, tadeln, aussetzen: einem mängel ausstellen. Opitz Arg. 2, 435. Lohenst. Arm. 1, 160;

er stellt mit höchstem fleisz die kleinsten mängel aus.
Gryphius;

was gibts aufs neu denn an ihm auszustellen?
Schiller 335b.


10) ausstellen, weiter hinausstellen, aufschieben (vgl. DWB ausstehen 3):

herr Karamell hatte den alten ruhm der Scythen,
von welchen er landsmann war, behauptet wie ein held,
doch vortheil davon zu ziehn, blieb diesmal ausgestellt.
Wieland 5, 11.


 
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aussteller, m. eines wechsels, dator syngraphae.
 
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ausstellig: etwas ausstellig machen, tadeln.
 
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ausstellung, f. expositio: bei der ausstellung seiner ersten versuche gibt die jugend einem jeden verfasser ansprüche auf billige beurtheilung. Gotter 1, v; man sollte aber doch in diesen tagen eine ausstellung belieben, wo die dreijährigen fortschritte der bravesten zöglinge mit vergnügen zu beschauen und zu beurtheilen wären. Göthe 22, 163. s. DWB kunstausstellung, DWB weihnachtsausstellung. ausstellungen machen, tadeln.

 

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