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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausstärken bis ausstehen (Bd. 1, Sp. 983 bis 985)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausstärken, roborare, firmare:

als wie ein junger löw, im fall der seine knochen
im maule, seine mahn auf beiden schultern merkt,
und alle viere sieht mit klauen ausgestärkt.
Opitz 1, 14;

das wankende herz ausstärkend. J. Paul Fibel 40.
 
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ausstatten , instruere, ornare,
1) allgemein, einen mit gaben, eigenschaften, rechten, vollmachten ausstatten: die kirche hat die gelübde mit verheiszungen unsichtbarer belohnungen und überirdischer vorrechte ausgestattet. Gotter 3, 66;

verlangst du wohnung, mitten in der stadt?
geräumig, heiter, treflich ausgestattet.
Göthe 9, 280;

dieser mensch ward nach und nach bekleidet und bis auf uhr und dose equipiert und ausgestattet. 18, 287; dasz dieser mann von unserm alten treflich ausgestattet worden war und seine zeit nicht umsonst zugebracht hatte. 20, 262; der liebhaber wolle es (das fest) diesmal ausstatten. 24, 265; mit einem frisch bereicherten repertorium kamen wir wol ausgestattet nach Lauchstädt. 31, 148.
2) besonders, die kinder zur heirat ausstatten, dotieren: er stattete in demselben jahr sohn und tochter aus; dasz der teufel ihm vorgenommen habe zu freien und kinder zu zeugen, damit er dieselbige in der welt ausstatten und mit den menschen befreunden möchte. Schuppius 841.
 
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ausstattung, f. instructus, apparatus: die ausstattung eines hauses, kleides, buches, kindes; da die natur dem menschen vernunft gegeben hat, so war das schon eine klare anzeige ihrer absicht in ansehung seiner ausstattung. er sollte nicht durch den instinct geleitet werden. Kant 4, 296; die natur hat die thierische ausstattung (des menschen) knapp abgemessen. daselbst.
 
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ausstattungsweise, adv. jene verehrung des widerwärtigen, verhaszten, fliehenswerthen geben wir einem jeden nur ausstattungsweise in die welt mit, damit er wisse, wo er dergleichen zu finden hat. Göthe 22, 26.
 
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ausstäuben, pulverem excutere, dann auch, was das folgende, investigare: steubeten und spüreten unerschrocken alle tritt und spuren aus. Garg. 228a.
 
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ausstäubern, investigare, was aufstäubern, und zumal von jagdhunden, welche stäuber heiszen: die stäuber pflegen alle graben und hecken auszustäubern;

David. wie wird sich denn das land von dieser blutschuld säubern?
Gibeon. wir wollen diesem haupt, das uns sucht auszustäubern
ganz wider red und recht, so springen auf den leib,
dasz von dem stamm nicht zweig, nicht wurzel überbleib.
Gryphius 1, 560;

[Bd. 1, Sp. 984]


wenn ich meinen hauswalter (pediculus) in seinem lager ausstäubere, so mag ich ihm den hals brechen, das musz ein ander bei seinen peinigern wol bleiben lassen. Weise kl. leute 204. die ältere schreibung ist aussteubern, w. m. s.
 
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ausstäupen, virgis caesum urbe expellere, ausstreichen: drei diebe wurden gestern ausgestäupt. bildlich für ejicere, abrogare: was aber die fabel anbelangt, ist ein ungegründeter, ausgestäupter alter schlendrian. irrgarten 142.
 
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ausstäupung, f. ihr verbrechen aber aufs wenigst die aussteupung verdienet hätte. Simpl. 2, 376.
 
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ausstechen , expungere, excidere, effodere,
1) einen reiter ausstechen, aus dem sattel stechen, wie ausheben, dann auch allgemein seinen gegner verdunkeln, übertreffen, verdrängen: den andern nach möglichkeit zu übervortheilen und auszustechen. Wieland 7, 366;

zwar ists ein sehr kleiner triumf, so eine häszliche braut
durch ihre reize auszustechen. 5, 137;

ein heiliges gebet sticht hundert ochsen aus.
Rachel 39;

sie ist der inbegrif aller vollkommenheiten, und die niedliche schwester war ein für allemal ausgestochen. Göthe 21, 166; sie stach alle weiber durch ihre schönheit und ihren witz aus. Klinger 1, 394; du bist nun ausgestochen.
2) einem die augen ausstechen, aus dem kopf stechen: mhd.

wan im hât diu girescheit
diu ougen der bescheidenheit
ûʒ gestochen, daʒ ist wâr. welsch. gast 14081.

nhd. aber die philister griffen in und stochen im die augen aus. richt. 16, 21; das ich euch allen das rechte auge aussteche. 1 Sam. 11, 2; aber Zedekia liesz er die augen ausstechen. Jer. 39, 7. 52, 11; stach den vögeln die augen aus. Garg. 129b; sticht den zeislin die augen aus. 185b.
3) rasen, torf ausstechen; spargeln ausstechen; teiche, graben ausstechen:

sorgt, die gräben fleiszig auszustechen.
Göthe 5, 245.

butter mit dem löffel aus dem topf ausstechen: wenn ich mir butter aussteche. Göthe 16, 39; austern ausstechen.
4) gläser, flaschen ausstechen, austrinken, ausleeren, vielleicht vom öfnen, aufstopfen, aufpfropfen entnommen oder lieber fortsetzung der bedeutung 1, wie es auch heiszt einer flasche den hals brechen: lasz uns noch eins (noch ein glas) ausstechen:

er siehet frölich zu, wird eines ausgestochen,
das muth zu reden macht.
Opitz 1, 62;

die gläser wurden wichtig ausgestochen. ehe eines mannes 95; als der abend herbei gekommen, auch manches gläsgen wolschmeckender wein ausgestochen war. 225; so ein weitläuftiges mühmchen bei einem alten hagestolze auszustechen, bei gott, Finette, das würde eben so wenig sünde sein, als, Lotchen soll leben!, als ein glas wein auszustechen. Lessing 2, 550; haben doch lang nicht beisammen gesessen, lang keine flasche miteinander ausgestochen. Göthe 8, 28.
5) die kürschner nennen ausstechen, wenn sie die wamme aus dem balge schneiden; metallarbeiter stechen scheiben aus, kupferstecher ihre platten; lautenmacher stechen den boden der laute oder geige aus, wölben ihn aus.
6) wäscherinnen stechen die spitzen aus. bilder oder muster werden ausgestochen; er stach ihm mit seiner spitzen zunge ein schönes bild der höfe aus. J. Paul uns. loge 2, 42.
7) einen tag ausstechen, praefigere diem: was inzwischen mich bewog, den heutigen tag dazu auszustechen, war hauptsächlich der gestrige. J. Paul jubels. 185; vergeblich hatte seine schwester vorgeschlagen, etwan den vierten oder fünften markttag zu seinem glanz- und gasttage sich auszustechen. komet 2, 65.
8) intransitiv, ausstechen f. hervorstechen, excellere: was für ein strebender mensch und ausstechender vater ist unser redliche Caspar. Hamann 7, 407. gehören dahin auch die folgenden bedeutungen des part. ausgestochen: mein herr hatte einen ausgestochenen essig und durchtriebenen funken zum page neben mir. Simplic. 1, 97;

ein seemann, stark von knochen,
rasch wie sein element, in reden kurz und rund,
plump von manier, und gar nicht ausgestochen,
grosznasigt überdies und gröszer noch von mund.
Wieland 10, 219?


 
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ausstecken, erigere, nnl. uitsteken, zeichen, fahne ausstecken: also werden sie auch das fenlin nicht auf den mastbawm

[Bd. 1, Sp. 985]


ausstecken. Es. 33, 23; vor dem herbest ist ein jarmarkt zu Diedenhoven und steckent sie ein wimpel usz. weisth. 2, 239; strohwische auf der wiese ausstecken;

das frewlin steckt ein zeichen aus.
Uhland 740;

sie war an schönheit reich,
an vielen gaben hold, der Rehen zu vergleichen
der weisen künstlerin, ein ausgestecktes zeichen
der angewandten zucht.
Fleming 133;

die fahne der freiheit öffentlich auszustecken. Möser 2, 192;

und aus den wolken, blutig roth
hängt der herrgott den kriegsmantel runter,
den kometen steckt er, wie eine ruthe,
drohend am himmelsfenster aus.
Schiller 324b;

mit rosen hat er ausgesteckt
dein stilles schlummerhaus.
Uhlands ged. 153;

der weg von der rechtschaffenheit zur tugend bezeichnet sich durch thaten, um ihn zu finden, musz man sich diese zum leitungszeichen ausstecken. Klinger 12, 219; sie haben sich nicht einfallen lassen, dasz das ziel ihrer hemühungen so kurz sollte ausgesteckt werden. Kant 3, 233. in anderm sinne sagt man, bohnen, kartoffeln ausstecken, aufs land stecken, aussäen, pflanzen.
 
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ausstehen , in mehrfachem sinn
1) ausstehen, aussteigen, e navi egredi, ähnlich dem abstehen descendere equo:

in die insel Sagena kam,
da stund man aus in gottes nam.
H. Sachs I, 171d;

seither ich von dir gescheiden, an dem britannischen port ausgestanden bin. Galmy 347; sei ausgstanden vom schif ietzund. Ayrer 462b. ebenso auch ausstehen aus der beisze. weidwerk 2, 34b und vom fallit werdenden schuldner: ausstehen, austreten und in die freihung sich begeben. Frankf. ref. II. 27, 9 (vgl. DWB aufstehen 10); ausstehn, aus dem kloster treten: wer nicht mehr bestehn mag, der mag dann ausstehn. Garg. 284. ausstehen bei gericht, austreten, bei seite gehen. s. DWB ausstand 4.
2) ausstehen, in publicum prodire, hinaustreten, feil stehn:

und wer dann nicht mehr solcher gestalt
bestehn mag, der mag dann ausstehn,
und darnach wider herbei gehn. Garg. 284a;

selbst des nachbar gastwirts müh,
der vordem in fremden landen
als ein doctor ausgestanden,
war vergebens bei dem vieh.
Gellert 1, 67;

de la Popepiere war auf den landtag gekommen, um als marktschreier auszustehn. Klopstock 12, 296; es würde uns alle empören, ein erbstück eines geliebten vaters, das wir nur unserm kostbarsten schranke anvertrauen, plötzlich in der schmutzigen judengasse öffentlich ausstehn zu sehn. Tieck 4, 268; ich wollte als student mit einer gastpredigt ausstehen. J. Paul lit. nachl. 4, 84; jene deutschen mystiker und romantiker, welche wahrlich nicht spärlich in allen sogar schlechtesten taschenbüchern und romanen ausstehen. komet 1, xx; die schildwacht steht zwei stunden aus; der kaufmann steht mit seinen waaren aus und die waaren stehen aus. bergmännisch, erzadern stehen aus, gehen zu tage.
3) ausstehen, vom gelde, s. DWB ausstand und DWB ausständig: es steht noch viel geld aus; der gröszte theil seines vermögens stand im land aus und war nicht sogleich einzuziehen. ausstehen, von andern sachen, im rückstand, rückständig sein: acht und zwanzig stimmen waren gesammelt. Dorias und die seinige standen noch aus. Schiller 155;

das gröszte steht noch aus! 559.

ausstehen, aufgeschoben, ausgesetzt bleiben, anstehen: die entscheidung möge zum morgenden tag ausstehen. Niebuhr 2, 395; doch soll die vollziehung bis zum 14 juli für Paris ausstehen und drei monate für die provinzen. Dahlmann fr. rev. 330. vgl. DWB ausstellen 9 und aussetzen.
4) transitives ausstehen, aushalten, ertragen, sustinere, perpeti, sowol von personen als sachen, vgl. DWB unausstehlich, ausgehend von einem sinnlichen beharren im stand, wie aushalten im halten: die predigt ausstehn, stehend aushören, sich während des gottesdienstes nicht niedersetzen. wiltu nicht gleuben, so fare imer hin und erfare es, du wirst mit uns bald ausgepocht haben, es ist aber einer, der dir deinen trotz wol kann ausstehen. Luther 6, 226b; das kein unglück so grosz ist, es sei geistlich oder leiblich, das ich nicht künde ausstehen und überwinden. 6, 345a; mein trotz sol iren trotz ausstehen, das weisz ich für war. 3, 116; dasz ich solche mühe auf mich nehmen und ausstehen müssen. Schweinichen 3, 43;

[Bd. 1, Sp. 986]


gleichwol hat er stark augen, die ein puf ausstehn (einen puf aushalten). Garg. 241b;

mut und stärk alles auszustehen.
Weckherlin 364;

nach ausgestandner zucht. 253;

zweimal ist es in der weile,
dasz sie (die stadt) aus hat müssen stehn
Hercules geschosz und pfeile.
Opitz 1, 214;

gott hat nun ausgestanden
was auszustehen war.
Fleming 14;

das gold steht feuer aus.Veit duldet alle flammen,
eh er läszt gold und sich mit willen thun von sammen.
Logau 3, 2. zug. 40;

Choerilus hat sich verbunden auszustehen einen streich
immer und von jedem verse, der der kunst nicht fiele gleich. 3, 7, 94;

wobei ich ziemliche furcht seiner ungnade ausstehen musz. pers. rosenth. 1, 32; mit einander gutes und böses auszustehn. 3, 9; ungemach und unlust von jemand ausstehen. 5, 14; einen ehebrecher strichen die Egypter mit ruthen aus und gaben ihm tausend streiche, konte er dieselben ausstehen, so möchte er weiter fortlaufen. Schuppius 513; eiserne köpfe, welche etwas ausstehen, vertragen und dasjenige, was sie gefasset haben, behalten können. 597; kleine vöglein haben grosze gefährlichkeit auszustehen. 837; so eine kurze faste wird noch auszustehen sein. Weise kl. leute 15;

wärst du so klug, die kleinen plagen
des lebens willig auszustehn,
so würdest du dich nicht so oft genöthigt sehn,
die gröszern übel zu ertragen.
Gellert 1, 181;

er steht den schmerz nicht aus, er überwältigt ihn.
Zachariä 1, 179;

nein, ich kanns nicht ausstehn. Gerstenberg Ugol. 63; einige aufrührer werden verwiesen, viele andere stehen züchtigungen aus. Schiller 834; nach allen prüfungen, die ihr ausgestanden habt. Göthe 14, 196; schon bei tafel hatten wir manches auszustehen, denn einige männer hatten stark getrunken. 19, 279; wer weisz nicht, was ein lied auszustehen hat, wenn es durch den mund des volkes eine weile durchgeht! 33, 205; da kommt der winter wieder und mir ists als wollt ich ihn wol noch einmal ausstehen. an fr. v. Stein 1, 70; sie konnte ihren herrn vater nicht eher ausstehn, bis er u. s. w. Klinger 1, 168; nein gnädger herr, sie kann ihn nicht ausstehn. Tieck 3, 203; in einem solchen falle, wenn man niemand von der gesellschaft ausstehen kann. J. Paul Tit. 2, 32; das unglück der erde war bisher, dasz zwei den krieg beschlossen und millionen ihn ausführten und ausstanden. dämmerungen 55; stand ihre kopfschmerzen aus. Fibel 21. Unterbleibt der geläufige acc., so wird das verbum wieder intransitiv: der kranke steht viel (schmerzen) aus; der junge steht im künftigen jahr aus, hat seine lehrjahre ausgestanden; er schafte einen ladendiener ab, dem succedierte der fast ausgestandene junge. maulaffe 25. Doch darf man sich auch ein an sich intransitives ausstehen = persistere, perdurare denken, bei welchem kein acc. zu ergänzen ist: dasz man nit verzage, sondern man stehe unserm herrn gott aus und bete (halte ihm aus, halte ihm stand). Luthers tischr. 232b; und damit ihr an ewer sawern arbeit umb ewer unerzogner kindlein willen lenger taweren und ausstehen konnet. Mathesius 146b.

 

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