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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zielort bis zielscheibe (Bd. 31, Sp. 1094 bis 1096)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zielort, m.: der ... die gebenedeite jungfrau zum zielort ihrer entbindung gefhret K. R. v. Greifenberg andächt. betracht. (1678) 417; zielpunkt: zielort ihres (der wissenschaft) fluges Lagarde deutsche schr. 50; ort einer

[Bd. 31, Sp. 1095]


briefanschrift, empfangsort: Jos. Ponten im Wolgaland 20. —
 
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zielpalme, f., bildlich palme, deren blatt den sieger am ziel krönen soll: Jean Paul w. 20/23, 115; 24/26, 101 Hemp.
 
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zielpfahl, m., pfahl am ende einer lauf- oder rennbahn: welcher ... mit solcher gewalt an die vorgesetzten zielpfähle anlief, dasz er rücklings ins wasser fiel Ziegler asiat. Banise (1689) 255; W. Jordan Ilias 500 (23, 337); turngerät (s. zielring): Kregenow-Samel gerätkunde 109. —
 
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zielplatz, m., scheibenstand: das ist doch auf erden nie in wissen gestanden, welcher der Saturnus oder Mars sey auf erden, der des obern gestirns scheiben der zielplatz sey Paracelsus op. (1616) 1, 363a Hus.; endplatz der steine eines unterhaltungs- oder gewinnspiels: eine gewisse art menschen ..., welche ihr gröstes plaisir darinne suchen, dasz sie rothe und weisze steine auf einer tafel rangieren und nach gewissen satzungen heben und versetzen, welche die vielen oder wenigen augen zweyer beinerner würfeln vorschreiben, bisz diejenige parthey, welcher dieselben gewogen sind, dasz sie die erste ihre steine auf den bestimmten zielplatz in die ordnung stellet, ein gewisses stück geld davon krieget, welches ihr die andere auszahlen musz disc. d. mahlern 1 (1721) Pb.
 
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zielpunkt, m. , stammt aus dem 17. jahrh.; übertrag. für grenz-, endpunkt:

hier ist der grenzstein aller macht,
der zielpunkt alles strebens
A. Gryphius bei
Campe 5, 865a.


1) real der punkt des ziels, das schwarze im ziel, der punkt, auf den man zielt; bildlich: es scheinet ..., diesmal habe Lazius nahe am zielpunct getroffen Valvasor ehre d. herzogt. Crain (1689) 2, 241; für ein nivellierinstrument: L. Chr. Sturm entdeckg d. nivellir. (1715) D 1a; der zielpunkt des signals und die axe des theodolitfernrohrs haben die gleiche höhe Lueger lex. d. techn. 4, 789; in der schiesztechnik: fleckschusz (ist) der schusz, der im zielpunkte einschlägt v. Alten handb. f. heer u. flotte 3, 747; die lage des visierpunktes zum zielpunkte heiszt abkommen, vgl. ebda 1, 27; ferner wie ob.: rasch, auch ohne genauen zielpunkt, den erlösenden schusz! Cl. Viebig schlaf. heer 1, 136; jedoch sollen die leute in den gruppen nicht allzu eng zusammengestellt werden, um dem feindlichen feuer keinen leicht zu treffenden zielpunkt darzubieten Wilhelm I. militär. schr. 2, 205; auf die perspektive bezogen: wer zuerst im bilde auf seinen horizont die zielpunkte des mannigfachen spiels wagrechter linien bannte, erfand das princip der perspective Göthe 48, 203 W.; richtungs- und endpunkt eines angriffes, angriffsziel: jedes einzelne gehöft war der zielpunkt einer truppe Jer. Gotthelf ges. schr. 15, 227; general v. Kirchbach bezeichnete ... seiner avantgarde Fleigneux als zielpunkt der weiteren bewegung Moltke ges. schr. 3, 90; endpunkt einer reise: Jung-Stilling s. schr. 2, 409; der zielpunkt war das ewige Rom G. Keller ges. w. 6, 250; häufig; sonst noch: zielpunkt ihres (der reiher) stoszes J. A. Naumann naturgesch. d. vög. 9, 8; auffällig: zielpunct, absehen mikpunt, mikijzer op een bus, roer Kramer hochnidert. dict. 2, 276b.
2) sehr beliebt als ersatzwort für das einfache ziel in dessen anwendung auf praktisches handeln und geistiges streben; ausgegangen ist dieser gebrauch von fällen wie: das heilige grab Abrahams zu erobern und sich dadurch einen ziel-, stütz- und mittelpunct für das ganze unternehmen zu verschaffen Göthe 7, 169 W.; dem zu grunde liegenden antrieb als dem anfangspunkt und dem beabsichtigten erfolg als zielpunkt Schleiermacher I 3, 12; das unruhige leben verrückte immer wieder stand- und zielpunkt Fr. Schlegel in: deutsch. mus. 2, 399; ausgangs- und zielpunct Hebbel I 11, 343 W.; das ziel, der zielpunkt ist ... auch der mittelpunkt Schelling II 2, 319; haupt- und zielpunkt Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 4, 3; sodann ohne diesen anlasz und anhalt: ein zielpunkt eures spottes Lavater phys. fragm. (1775) 1, 171; zielpunkt derselben (der guten laune) G. Freytag ges. w. 7, 284; zielpunkt seines zornes Justi Winckelmann

[Bd. 31, Sp. 1096]


2, 1, 104; nun kam Frohauf in seiner rede endlich auf den zielpunkt Jean Paul 27/29, 260 Hemp.;

auch er (Herder) selbst hat sich gesteckt den hohen zielpunkt,
in dem einklang mit natur und mit der wahrheit
Knebel literar. nachlasz 1, 41;

der schlusz der geschichte einer jeden kunst ist nicht einfach das ende, sondern der zielpunkt, die bestimmende seele des entwicklungsganges Vischer ästhet. 3, 2, 265; der zielpunkt unserer bemühungen, die praktische selbständigkeit des rechts Jhering geist d. röm. rechts 2, 1, 20; künstler zu werden, mochte wol damals schon mein zielpunkt geworden sein Laube ges. schr. 1, 175; der ... zielpunkt menschlicher bildung Lotze mikrokosm. 1, xiii; staatsmänner mit festen zielpunkten G. Freytag ges. w. 1, 155; Ranke s. w. 26, 431; Gutzkow ges. w. 8, 219; die zielpunkte, welche ihre grosze politik sich für die nächste zukunft gesetzt hat könig Ludwig v. Bayern an Bismarck in dessen ged. u. erinn. 1, 376; mit adjektiven: meine literarischen zielpunkte (1844) Minckwitz an L. Tieck 2 (1864) 354 Holtei; der sittliche zielpunkt (der arbeit) W. H. Riehl deutsche arb. 30; atheistische zielpunkte C. Flaischlen Mart. Lehnhardt 94; mit recht bekämpft Heynatz antibarb. 2 (1796) 668 die miszbräuchliche verwendung von zielpunkt, wo man mit ziel ebensoweit reichen kann.
 
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zielrechnung, f.: zeit- und zielrechnung allg. deutsche bibl. anh. 37/52, 417. —
 
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zielrichtig, adj.: zielrichtiges bestreben: Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 5, 469. —
 
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zielrichtung, f., fachsprachlich: in der seeschlacht ist blendendes sonnenlicht in der zielrichtung nachteilig v. Alten handb. f. heer u. flotte 2, 101; Lueger lex. d. techn. 3, 326; 6, 536; forsch. u. fortschr. 11, 174; übertrag.: gerade die furcht der sozialdemokratie ... hätte zu gröszten anstrengungen eben in dieser zielrichtung (hebung aus dem sozialen elend) führen müssen Ad. Hitler m. kampf 52. —
 
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zielring, m., ring auf den zwei scheiben am zielpfahl für lanzenwurf: Kregenow-Samel gerätkunde 110.
 
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zielrohr, n.
1) scheibenbüchse, büchse zum zielschieszen: mit den zyllroren ... ein schieszen ... gehalten (1585) Baseler chron. 1, 187 Visch.-St.; die hakenbüchsen ... seind ... in die zimliche weite den zil- und andern starken handrohren nit fürzusetzen Fronsperger kriegsord. 82a; handrohr, handgeschütz, hacken, büchsen, toppelhacken auf böcken, zielrohr Fischart Garg. 316 ndr.; ein gut geradt zielrohr, das ein schlosz hab mit abschlagenden stanglin (1586) Frankfurt. zunfturk. 1, 477; Görres hist.-lit. blätt. 33, 956; zielröhre, pirströhre Jan Rebhu (d. i. Joh. Beer) ritt. Spirid. (1679) vorr. a 2b; die stadt hatte damahls ... in die 8000 büchsen ... ohne der bürger ziehlröhre Curicke d. st. Danzig hist. beschr. (1688) 198b; allg. haush.-lex. 2, 61a; Zschokke s. ausgew. schr. 34, 32; Dentzler 364a; Schmeller-Fr. 2, 1114; Unger-Khull 651a; H. Fischer 6, 1203; schweiz. id. 6, 1238.
2) verkürzt für zielrohrrohr der lauf der zielbüchse: von wegen der zilbüchsen halb, deren krumen löuffen und gerisznen zilroren (1576) schweiz. id. 6, 1238.
 
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zielscheibe, f.
1) im eigentlichen sinne die scheibe, auf die man zielt und schieszt, auch wirft; dafür älter blatt; belege: ein pfeil ... fehret ... vom bogen ... zu der zielscheibe W. Bütner dialectica teutsch (1588) 76b; 2 zilschyben ze machen (1596) schweiz. id. 8, 58; H. Fischer 6, 1204; Schmeller-Fr. 2, 1114; Schöpf 829; (siebenbürg. 1745) A. Scheiner hohelied Salomonis 2, 44; Campe 5, 865a; ein bild als zielscheibe: Raupach dram. w. ernst. gatt. 16, 55; (soldatengruppen sollen) nicht durch ... zu enges zusammenstehen dem feindlichen feuer eine erwünschte zielscheibe darbieten Wilhelm I. militär. schr. 2, 303; zielscheiben für steinwürfe Ritter erdk. 13, 430; die zielscheibe für bambusspeere wird aus stroh hergestellt Kregenow-Samel gerätkunde 110; übertrag. für eine grosze nase Hentrich Eichsfeld 2.
2) sehr geläufig übertragen: diese (die religion) war die zielscheibe, wonach der papisten eigentliches absehen gerichtet

[Bd. 31, Sp. 1097]


war Lairitz palmwald (1686) 287a; bes. zielscheibe des witzes, des spottes u. a.: Langbein s. schr. 31, 68; personen, welche sich Behrisch zu zielscheiben seines witzes erlesen hatte Göthe 27, 139 W.; Varnhagen v. Ense tageb. 5, 273; Droysen Äschylus 529; zielscheibe ihres ... spottes Raupach dram. w. kom. gatt. 1, 49; die zielscheibe böser zungen Chamisso w. 1, 376; zielscheibe ihres hasses Justi Winckelmann 2, 2, 439; auch: nun stehst du recht als zielscheibe unsrer königlichen gerichtsbarkeit Shakespeare 8, 145; die zielscheibe der politischen complotte Mommsen röm. gesch.4 3, 183.

 

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