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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zielboot bis zielfehler (Bd. 31, Sp. 1077 bis 1092)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zielboot, n., bei wettfahrten das am ziel verankerte boot: Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 870. —
 
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zielbrunnen, m., grenzbrunnen: (st. Gallener Rheintal 1431) weist. 5, 207.
 
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zielbüchse, f., scheibenbüchse (s. teil 8, 2393), scheibenrohr (s. teil 8, 2394), gleich zielrohr; belege von 1516 an bei H. Fischer 6, 1200 f.; unterschieden von anderen handfeuerwaffen: allerhandt geschlecht der handtgeschütz ... als zielbüchsen, birszbüchsen und halbe hacken Fronsperger kriegsord. (1564) 14a; nach dem schweiz. id. 4, 1007 wurden um 1560 zielbüchsen mit langen rohren und reisbüchsen (s. ebda 1005), das kriegsgewehr, unterschieden; in welchem (schieszen) der, so mit dem doppelhacken oder feldstücke, wie auch der, so mit der ziel- oder bürschbüchsen die meinste schüsz hatte, jeder ein schön pferdt und ein gemästen ochsen gewannen W. Hartmann Augsburg. chron. (1595) 182; Megiser annal. Carinth. (1612) 1474; mnd. teelbusse Schiller-Lübben 4, 521a; sclopica fistula Stieler 258; Kramer teutsch-ital. 2, 1462a; Dentzler 364a; Aler 2, 2248b; Frisch 2, 476a; Campe 5, 864b; Schmeller-Fr. 2, 1114; Uhland schr. 5, 315; dazu zielbüchsenpulver, n.: das kleine zündt-, birsch- oder zielbüchsenpulfer Fronsperger kriegsb. (1578) 1, c 2a.
 
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ziele, f., das zielen: Bischoff dialektgeogr. v. Calbe u. Zerbst 65; blinzelnde person: Müller-Fraureuth 2, 704b, s. unt. zielen I A 2 a β.

[Bd. 31, Sp. 1078]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zieleiche, f., eiche als grenzbaum; weithin sichtbar: ein besonders groszer und starker mensch ist ein kerle wie eine zieleiche H. Fischer 6, 1201. alte zeugnisse: wann einer ein zileych oder marck ... schwegt, abheuwe oder versturt (Saar 1560) weist. 3, 754; die mal- oder zielaich bei Buck obd. flurnamenb.2 307.
 
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zielen, verb.
gemeingerm. mit ausnahme des nord., mit zwei sich nicht deckenden formen und bedeutungen auftretend: got. gatilon erlangen, erzielen, andtilon jem. anhangen, sich jemandes oder einer sache annehmen, afränk. zilôn, aber altobd. zilên, as.-ags. tilian, afries. tilia (ên-klasse). da im got. nicht das perfektivische und trans. gewordene gatilon, sondern andtilon die ursprüngliche intrans. bedeutung bewahrt, läszt sich das got. mit dem ahd. und ags. zu der bedeutungsgruppe nach etwas eifrig streben, trachten, studere, niti, intendere, conari, moliri zusammenfassen. der anderen gehört das as., afries. und nach ausweis von eorðtilð, f., agricultura, tilia, m., colonus auch das ags. an; sie hat die bedeutung land bebauen, erzeugen. nur die erste bedeutung läuft der von ziel parallel. der teil 4, 1, 4, 7060 unternommene versuch, eine sinnliche grundbedeutung von zielen aus der anwendung auf den ackerbau (bedeutung II) zu erschlieszen, befriedigt nicht; vielmehr sind eine intrans.-trans. doppelreihe sich etwas zum ziel setzen und zum ziel setzen und eine rein trans. reihe etwas zum ziel bringen anzusetzen: die erste ist von dem substantiv ahd. zil abgeleitet, die zweite tritt bereits in dem adjektiv got. gatils und *tils, ags., afries. til sowie in dem germ.-finn. tila (s. ob. ziel) ausgeprägt auf, indem zum ziel bringen sich leicht in die bedeutung etwas passend machen überführen läszt; s. auch teil 3, 1094. den trans. zweig der ersten doppelreihe belegt eine einzige, vielleicht zwei glossen für die ahd. zeit, in der mhd. steht er in vollem wachstum. der zweiten reihe ist das freilich unsichere salfränk. *tillis das eigene land im gegensatz zum salland entsprossen (lex salica edict. Chilper. 409 Hessels). verbalnomen ist ahd. zila, f., studium, genus (Graff 5, 658). während bereits in der mhd. periode die bedeutung zeugen, erzeugen, züchten, aufziehen im obd. auftritt, sind die bedeutungen streben, zielen, bestimmen, in welche sich die intrans. reihe des obd. zerlegt, dem nd. fremd geblieben; spätmnd. telen zielen, aus dem süden entlehnt, hat sich nicht gehalten und keinen zugang ins ndld. gefunden; in den heutigen nd. mundarten gilt das schriftsprachliche zielen in diesem sinne.md. lautregel senkt den stammvokal zu -e-: czelen zeugen, generare (nordripuar. 14. jahrh.) Mone anz. 8, 493; zelen Burk. Waldis Äsop 3, 24, 23; 3, 61, 14 K.; gezelt (gezeugt) Mathesius Sarepta (1571) 31b; zöhlen, zehlen (zeugen) Heyden Plin. (1571) 194 f.; gezehlet Steph. Isaak s. leb. 107 R.; doch bieten die heutigen fränk. mundarten an Rhein und Mosel zillen: Follmann 558a; Bertrang Areler ma. 443; Christa Trier. wb. 224a; lux. wb. 504b; vokalkürze, im infinitiv, partizip und gelegentlich auch an anderen formen durch -ll- kenntlich, überdauert die mhd. zeit. orthographische besonderheiten wie bei ziel. die berührung mit dem gleichbedeutenden ziegeln (sp. 913 und teil 16, 416) hat keine etymologische verwandtschaft zur ursache; die ausgabe von 1597 des arzneibuchs von Wirsung ersetzt ziegeln durch zielen: s. 9; 40; 525. in die nhd. schriftsprache gehn nur die bedeutungen I A 1 a und 2 über. die Schweiz gebraucht in einigen landschaften den nachkömmling des mhd. *zâlen nachstellen als ersatzwort: Bühler Davos 1, 215; E. Wipf ma. v. Visperterminen im Wallis 33; K. Schmid ma. d. amtes Entlebuch 59.
I. sich zum ziel setzen, zum ziel setzen. diese formeln drücken die erschlossene bedeutungsgrundlage der intrans.-trans. gruppe, welche von dem denominativen verbum ausgeht, aus. ihr intrans. teil beherrscht die ahd. und ags. überlieferung, der zweite ist nur durch einen oder vielleicht zwei ahd. belege vertreten, aber doch als alt und ursprünglich anzusprechen.
A. die intrans. teilgruppe umschlieszt die älteste und die jüngste, als einzige von allen älteren zu allgemeinem gebrauch in die nhd. schriftsprache übergegangene bedeutung.

[Bd. 31, Sp. 1079]


in ihr herrscht die bedeutung I 1 des grundworts ziel, d. h. end-, zielpunkt.
1) bedeutsam stimmt zu der vorstellung ziel von ziel I 1 der begriff des strebens und sich bemühens der ahd. und ags. zeugnisse. wenn der ihnen nach idg. brauch zustehende genitiv des ziels (s. Behaghel syntax 1, 564) in mhd. zeit in einem sinnlicheren zusammenhang angewendet wird (s. a und 2 a α), so liegt der schlusz nahe, diesen genitiv des ziels als die ursprüngliche konstruktion auch des konkreten zielens auf einen gegenstand anzusetzen.
a) nach etwas eifrig streben, trachten, eilen, sich um etwas bemühen; ahd. seit beginn der schriftlichen überlieferung vielfach bezeugt, vgl.: contendere cilen, zilen Steinmeyer-Sievers 1, 94, 6; nititur zilet, conamur zilemes, conantur cilent Graff 5, 656; moliebatur zileta 657, mehrfach; mit abhängigem infinitiv: pibot cotes tatim tagalihhin zilee erfullen (praecepta dei factis cotidie studeat adimplere) Benediktinerregel bei Steinmeyer ahd. sprachdenkm. 206b; 276b; manage zilotun ordinon saga (multi conati sunt ordinare narrationem) Luk. 1, 1 Tatian 1, 1; mit genitiv des ziels: stilli sculun cilen (silentium debent studere) Benediktinerregel bei Steinmeyer ahd. sprachdenkm. 248b; hwanta des siu inwerthlihho ist brinnanti ira za zilenne (quia quo ardenter intus ad sua satagit) Monseer fragm. 29, 30 H.;

thie zuene es wola zilotunjoh wola iz merotun
Otfrid IV 7, 75;

iltun sie tho harto sarsines thionostes thar,
thes zilotun se io thuruh not:sie hogtun gerno wio er gibot IV 9, 16; IV 36, 17;

auch mit reflexivem genitiv, wobei die bedeutung sich beeilen, eilen hervortritt:

druhtin, quad er, zilo thin,oba thu ginadon wili min
Otfrid III 2, 19; IV 9, 11; III 17, 44;

thie jungoron iro zilotun,in koufe in muas tho holetun II 14, 11;

so zilot iwer hera sar II 14, 48.

diese bedeutung bereits alt, gesichert durch das lat. contendere der glossenvorlagen (s. ob.) und durch die variante zilenten der glosse: adnitentem ilantem Steinmeyer-Sievers 1, 4, 20. das mhd. genitivzeugnis für die bedeutung zielen s. I A 2 a α. im mhd. tritt ein sich ziln sich erstrecken, eine richtung nehmen in beschränktem umfange auf, das vielleicht an den ahd. gebrauch anknüpft:

und daz der strît sich zilte
gein dem her mit maneger hurte
Wolfram Willehalm 28, 8;

aldâ sich strîten zilde jüng. Titurel 4027; 5578.


b) die bedeutung streben nach lebt nach ersatz der genitivdurch eine präpositionalkonstruktion, allmählich seltener werdend, bis in die neueste zeit fort; die infinitivkonstruktion, im ahd. noch selten, wird häufiger:

vil hôhes topels er doch spilt,
der an ritterschaft nâch minnen zilt
Wolfram Parz. 115, 20;

ahtzic küngen ist gezilt (80 könige streben nach)
ûf die selben rîchait
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 13 504;

unter ... brullenden lewen ..., die alle ... zielen, das sie uns zureiszen und fressen Luther 28, 163 W.;

hab auch schon alleweil gezielt,
folgends acht gülden zu erlangen jedermanns jammerklage (1621) E 1b;

ich wil in ruh
immerzu
nach dem himmel zielen
Rist Parnasz 689; 423;

weil dann alles lieben fhlet,
himmel, erd zur liebe zielet Königsberger dichterkreis 201 ndr.;

alle regung und bewegung der welt zielt und strebt nach der begattung J. J. Chr. Bode Montaigne 5, 183; Chr. Ew. v. Kleist 1, 235 S.; Brentano ges. schr. 2, 511;

und ich zielte, mir mit meinen münzen
einen weg in ihren schlaf zu bahnen
Rückert ges. poet. schr. 1, 333;

in voller bedeutung noch bei Stieler: zielen etiam est moliri, conari, contendere, elaborare, eniti 2617. auffällig die ruhekonstruktion

[Bd. 31, Sp. 1080]


bei Seuse: Christus ist ... der natúrlich sun, wan sin geburt zilet in der natur, aber ... únser geberunge heiszet ein widergeburt, wan si zilet in einförmikeit siner nature 355 B.; underscheid ... enzwúschent dien menschen, die da zilent uf ordenlicher einvaltikeit, und etlichen, die da zilent ... uf ungeordneter friheit 327 B. den übergang zu 2 vermitteln belege mit ausdrücken, die auf das mitwirken des auges hinweisen:

gein allen tugenden er mit râme zilde jüng. Titurel 1109;

mancher scharf ziehlet,wie er uns stiehlet
bald einen kusz ohn unsern dank
Voigtländer oden u. lieder (1642) 29, 4.


c) obd. sprachgebrauch knüpft an die ahd. bedeutung eilen nach einem orte an, wenn er zielen für reisen, gehn, ziehen oder gehn wollen setzt:

von Spanhain auch dar zilde (zog dorthin)
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 16 912;

im alter die haar grau oder weisz ... erinnern ... die menschen ..., dasz sie hinab zum grab und zum todt zilen Äg. Albertinus hirnschleifer (1664) 47; dasz der Schwed ... auf die Schärnitz zihle v. Brandis tirol. adler (1678) 223; dieselbigen landschaften, dahin sie (die zugvögel) zielen J. Prätorius winterflucht (1678) 395; bisz ihr an das ort, nach welchem ir zihlet (reisen wollt), würdet hinkommen disc. d. mahlern 2, 110; der dorthin (in die kolonie) zielende Römer Niebuhr röm. gesch. 2, 379; Stifter s. w. 4, 1, 275; Hans zielte ... niederwärts seiner gemse (die er geschossen hatte) zu Jak. Schaffner meisternov. (1936) 345; s. hierzu Heynatz antibarb. 2, 668. möglich scheint hier der anschlusz des bewegungsvorganges des zur tiefe stürzenden wassers: wasser, das alles über den hang ... niederrann und zu der tiefe zielte Stifter s. w. 2, 250; auch im folgenden beleg, wenn dessen pfeilvergleich nur auf die geschwindigkeit des wassers zielt:

in groszer meng
sie (die quellen) mit gedräng
wie pfeil vom felsen zielen
Spee trutznachtigall 26 B.;

selbst dann bliebe der eindruck des pfeilschnellen eilens, wenn, wie im folgenden fall, das zielen miszbräuchlich noch auf den schon fliegenden pfeil bezogen würde:

wie die pfeil vom bogen zielen
lief er (der bach) ab auf nasser meil
A. v. Arnim w. 13, 169;

zutreffende belege für einen zielenden pfeil s. 2 a β. sinnvoll auch auf die in einer reise geschehende vorwärtsbewegung und auf wege, die diese vermitteln, angewandt:

von dem forsthaus ab, wohin die reise zielte
v. König gedichte 208;

wo sein weg auch hin mag zielen
Brentano ges. schr. 2, 448;

Stifter s. w. 2, 356; nicht anders von fenstern, von denen man auch sagt, sie gehn auf die strasze: wessen fenster auf die heerstrasze zielen Scheffel ges. w. (1907) 1, 180, wenn auch hier der vergleich mit augen (s. u. 2 a β) nahe läge. auf eine bewegungsvorstellung geht nach sp. 1022 auch der begriff des sich erstreckens von geländeteilen zurück, daher denn zielen in folgendem beleg wohl begründet auftritt: die berg und wäld fahen gemeinlich in gebirgen an und schweifen herumb in ein cirkel wider in sich selbst, zilen und neigen sich all uff Behemer berg und wäld S. Franck Germ. chron. 455a. hierfür gelegentlich reflexive konstruktion: der Taurus trage viel und neue namen, nachdem er sich ziele abentheur (1656) 20.
2) zielen als ein schätzen der entfernung, ein richtung nehmen und auf beides die für schusz, wurf oder schlag aufzuwendende kraft abmessen und einstellen.
a) in eigentlichem sinne.
α) konkret: die alte genitivkonstruktion noch an einem mhd. beleg übertragenen inhalts erkennbar:

dîner hœhe und dîner breite,
dîner tiefe antreite
wart nie gezilt anz ende
Wolfram Willehalm 2, 1.

den vorgang des konkreten zielens, die tätigkeit von auge und hand, die verschiedenen arten, mit denen das geschosz

[Bd. 31, Sp. 1081]


oder die waffe bewegt werden, u. a. beschreiben einige belege, vgl. beim schieszen:

ich mösz, ich zihl, mein pfeil schwing ich (sagt der tod)
Meichel Bidermanns Cenodoxus (1635) 145 F.;

grobkorn heiszt beim zielen das überragen des korns über die kante des visiers v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 392; jetzt vollkorn, das gegenteil ist feinkorn, richtig gezielt wird mit gestrichenem korn; auge, zwei punkte am gewehr und der zielpunkt sollen eine gerade linie bilden, vgl.: wenn einer zwei absehen auf einer büchsen und das orth, dahin er zielet, in ein aug fassen musz L. Zubler kurz. bericht (1607) 14; es zielt einer zu nieder, zu hoch oder zu seythen ..., dasz der schusz nicht zutrifft Lehman flor. polit. (1662) 2, 777; sprichwörtlich vom schalk mit ungewöhnlicher fähigkeit im zielen:

aber wer sich kan zur seiten lenken ...
und kan vor beiden augen zilen,
der schalkheit underm htlin spielen
Burk. Waldis Äsop 2, 187 K.;

collimare manum et oculos mit den henden und augen zylen oder auf das schwartz sehen und faaren Frisius dict. 247a;

wer scharf nur zielt nach korn und knopfe,
der trift: so sagt ein alter reim
J. H. Voss s. ged. (1802) 6, 238;

er ... legte an und zielte deutsche sag. 1, 200; das ausrichten eines geschützes: so es zu hoch oder zu niedrig gezielet stünde, werden die stell- oder richtkeilen mehr oder weniger untergesteckt oder zurückgezogen v. Fleming teutsch. sold. 63; wurfgeschosse:

mit scharfer blitzender lanze
zielen die Troer, es starret der schild des helden von speeren
grafen zu Stolberg ges. w. 11, 179;

J. H. Voss Odyss. 408 B. (ges. 22, v. 265); Schiller 11, 277 G.; 14, 41 G.; stein: J. G. Forster s. schr. 2, 128; sicher gezielt kam ein pantoffel durch die luft gewirbelt P. Alverdes pfeiferstube 47; kegelkugel: zielte vorsichtig, gab der kugel besonderen nachdruck — und sieben kegel lagen am boden Melch. Meyr erz. aus d. Ries 3, 284; von streichen und schlägen, auch stöszen: Moscherosch insomn. cura 11 ndr.; mancher thut wie ein scheler fechter, der zielt zum kopf und schlägt auf die arm oder fsz Lehman flor. polit. (1662) 2, 777; er entblöszt seine brust, sie zielt mit dem degen nach ihm Shakespeare 9, 25; ungewöhnlich vom sprung:

sie (die unsterblichen) gaben muth dem löwen ...,
... dem tiger
zielenden sprung und dem rosse feuer
grafen zu Stolberg ges. w. 5, 26;

ebenso ungewöhnlich für das abmessen von entfernung, lage und güte von stand- und haltepunkten an der bergwand: Tscharner als führer ... ertastete halte, schlug stufen in den fels, rechnete und zielte Jak. Schaffner meisternov. 331; seltene fälle des zielens, mit einem fernrohr: Eichendorf s. w. 3, 232; mit dem wasserstrahl des schlauches einer feuerspritze: Karmarsch-Heer. techn. wb.3 5, 638. das wort steht oft für sich, da es genügend begrifflich bestimmt ist: er ... hat seinen bogen gespannet und zielet psalm 7, 13;

also hab ich gezielt vor zeiten
und traf ein hasen von weiten
H. Sachs 17, 196 K.-G.;

zu psalm 58, 8 setzt er einen reflexiven dativ hinzu:

mit iren pfeylen zilens in bei
Wackernagel kirchenlied 3, 65b;

es treffen nicht alle, die da zielen Stieler 2617; mit bestimmendem adv.: gut zielen Diefenbach gl. 613a;

doch will ich rathen, ziele gut, dasz du
den apfel treffest auf den ersten schusz
Schiller 14, 357 G. (Tell III 3);

und nacha werds summer,
und na hoaszts fei zieln,
da werd wohl der rehbock
sei gwichtl verspieln
Karl Stieler ged. 4, 59 Recl.;

G. Keller ges. w. 6, 248; wohlgeziehlte schüsse unterr. üb. d. bau d. gewehrs (1813) 58; die richtung wird durch präpositionen bestimmt; das altgebräuchliche zu ist im nhd.

[Bd. 31, Sp. 1082]


selten: ein bogen trifft nicht allzeit alles, wozu er zielt Petri d. Teutsch. weiszh. 2, S 8a; übertrag.:

gut gespiel
ziehlet auch zum ziel
Lehman flor. polit. (1662) 3, 135;

vorwiegend auf und nach: wenn ich gewust hette, das so viel teufel auf mich gezilet heten, als zigel auf den dechern waren zu Worms, were ich dennoch eyngeritten Luther 15, 214 W.;

mich deucht nit anderst warhaftig,
als ob er gleich zielet auf mich
H. Sachs 17, 161 K.-G.;

die welt voll räuber wer,
die in einem busch verborgen hieltn
und auf reisende leute zieltn jedermanns jammerklage (1621) C 1a;

wohin, wonach, worauf zielet er? Kramer teutsch-ital. 2, 1461c; er zielt mit der büchse auf den vogel Steinbach 2, 1091; auf einen zweck zielen Apinus gl. n. (1728) 131; auf etwas zielen intendere aliquid Frisch 2, 476a;

ihr (der preuszischen krieger) bestes wild ist ein tyrann,
drauf zielen alle mann für mann
Schenkendorf ged. (1815) 44;

das sie (die musketiere) recht nach dem ziel zielen Amos Comenius janua (1644) 218; nach etwas zielen Kramer teutsch-ital. 2, 1461c; Frisch n. dict. 688; er zielte nach einem hirsch Stahl gewehrgerecht. jäg. (1762) 122; Adelung2 4, 1710; selten in, aber regelmäszig ins schwarze:

mein freund, ins schwarze zielt ein jeder,
doch trifft es nur der rechte mann
M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 203;

danach übertragen ins blaue in unbestimmte ferne, d. h. nur ungefähr: die gewagten worte zielen ... ins blaue Jac. Grimm kl. schr. 3, 6; sonst noch am platze bei einem ungefähren zielen in eine menge menschen: (ich) kehrte ... meine büchse gegen den feind und zielte in ein recht dichtes gedräng Göthe 43, 100 W.; ungewöhnlich der akkusativ der richtung, entstanden aus einem objektsakkusativ einer trans. verbindung etwas ins auge fassen: ein vogelrohr, das alles trifft, was ich ziele kind.- u. hausmärch. (1812) 2, 135; ebenso ungewöhnlich der objektsakkusativ für das geschosz: eine erbse, die ich ihm mit einem blaserohr in die perücke ziele Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz 292. waffe und geschosz werden in der regel mit der präposition mit erbunden: welcher mit einem pistol nach einem ... kater zielet A. Gryphius Horribil. 90 ndr.; mit dem spisze auf was zielen Steinbach 2, 1091; mit der büchse zielen Frisch 2, 476a; Tieck schr. 9, 253;

und vettern, kinder eines vaters, zielen.
mit dolchen zielen sie auf ihre brüste
H. v. Kleist 1, 13 Schm.

buchungen: mnd. telen in späten denkmälern s. bei Schiller-Lübben 4, 521b; brem. wb. 4, 638; dirigo ich ziel Alberus n. dict. gen. f f 3b; zylen, absähen wie die schutzen collimare Maaler 536a; Decimator thes. (1608) 265; nomencl. lat.-germ. (1634) 559; Stieler 2617; Kramer teutsch-ital. 2, 1461c; Ludwig teutsch-engl. 2591; u. a.; auch in den maa. das sprichwort behandelt meist den zusammenhang von zielen und treffen, z. b.: gut zielen ist gut, aber treffen gilt Wander 5, 582.
β) in freier oder bildlicher, übertragener verwendung; zunächst wird die waffe oder das geschosz in der hand des schützen und streiters als zielend bezeichnet: wir ... stehn als unter eitel buchsen und spieszen, da sie alle auf uns zielen Luther 34, 2, 396 W., nicht sicher, da sie auch auf die feinde gehn kann;

ein kalter mörderstahl zielt dir nach dem genicke
Henrici ged. 1, 214;

wie er dem schwerdt entweicht, das hitzig nach ihm zielet
Joh. El. Schlegel w. 4, 33;

kein ort, der schutz gewähren kann,
wenn meine flinte zielt
Franz v. Schober bei
Böhme volkst. lied. d. Deutsch. 448;

G. Freytag ges. w. 5, 207; so auch der pfeil, solange er noch in der gewalt des schützen ist:

nicht stummer kann der pfeil vom bogen zielen
Cl. Brentano ges. schr. 6, 281;

[Bd. 31, Sp. 1083]


der bewegte gegenstand ist ein boot:

mit weichem sand
sich öffnet eine kleine bucht, er zielt
hinein, den sand mit knirschen unten fühlt
Paul Ernst kaiserb. 3, 1, 132;

ähnl. übertrag. Lohenstein Agripp. v. 334; fachsprachlich: fichiren heist, wann ein stück schief zielet und an einen ort schief anschlägt Apinus gl. n. (1728) 222; verständlich beim blitz: häuser ..., nach welchen der blitz zielt U. Bräker s. schr. 2, 187; dichterisch:

doch umsonst die küsse zielen,
seine lippen nicht belebend
Cl. Brentano ges. schr. 3, 318.

vom stosz einer schlachtordnung: das mittel der armee ... spitzte sich in form eines kegels vornen zu und zielte gleichsam auf des feindes trennung Ziegler asiat. Banise 670, schon zu 2 b α überleitend; der richtung einer armee: die rote armee ... ziele ... auf Ostpreuszen Aug. Winnig heimkehr 153. sodann treten elementare oder abstrakte subjekte, z. t. mit neuartigen waffen auf, vgl.:

gleich als ob die sonne ziele
zu ihr mit vertrautem scheine
Cl. Brentano ges. schr. 2, 184;

Neptun, der lasse freundlich spielen
die wellen, dasz sie nicht mit brausen etwan zielen
auf unser vatterland
Rist Parnasz (1652) 5;

wo sonst durch holen grund ein stinkend athem zeucht,
der auf die fersen zielt und in die nasen kreucht
Logau 9 E.;

o ich fühle, der todt ist mir nahe und zielet mir nach meinem hertzen engl. comed. (1624) R 3b; der tod zielt jetzt eben in meine verwandtschaft Vischer auch einer 2, 419; weil er den zweck nicht in acht nimmt, darauf sein glücke ziehlt, geht alles den krebsgang Weise erznarr. 48 ndr. bei persönlichen subjekten schwächt sich der begriff des verbums ab, wenn als geschosz hohn- und spottworte gebraucht werden und der schieszvorgang entsinnlicht wird, vgl.: Christus ist das tzill, das sich iderman anhengt, alles widdersprechen tzielet auf ihn Luther 10, 1, 1, 399 W., s. hierzu auch ob. ziel I 1 a γ; grosze herrn (sind) die zielstatt oder scheibe ..., dahin jede böse zung zielet und treffen will Zinkgref apophthegm. (1628) 1, 70; Herm. Schmid gesch. aus Bayern (1861) 298; Hannibal wuszte wohl, dasz man den Römern nach dem herzen zielen müsse Leibniz d. schr. 1, 227; o meine kinder! wie sie nach meinem herzen zielen! Schiller 2, 19 G. (räub. I 1); Schupp schr. (1663) 15; ähnlich H. v. Kleist 2, 104 Schm.; vergeistigt: über den stoff hinweg (mit dem denken) ins unirdische ... zielen Watzlik d. alp 187; er kann nicht mehr über jahre zielen (mit seinen plänen) Wilh. Schäfer erz. schr. (1918) 4, 158; indem nur das auge an dem zielvorgange beteiligt und höchstens der blick als geschosz verwendet wird:

sein augen zieln uf den armen elenden
P. Schede-Melissus psalm. 40 ndr.;

itzt rings umlegt han unsre stras,
aug-zilen, mich zu stürtzen, trutzig 57 ndr.;

sie (die bienen) zielen scharf mit augen
zum reichsten blümlein zart
Spee trutznachtigall 93 B.;

die hände faltet sie, die lipp auch stille hielt,
mit nassen augen stets hinauf gen himmel zielt
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 106;

aus der braunen nacht der augen
mich zwei sterne zielend trafen,
die mir nie mehr untertauchen
Cl. Brentano ges. schr. 2, 188;

der amme lied ertönte still, und nieder
die winternacht mit kalten sternen zielet 1, 1;

mit ob. 1 b berührt sich:

gleichwie ein grimmer wolf auf einen schafstall zielet,
darin ein junges schaf mit seiner mutter spielet
Godofr. Sacer reime dich od. ich fresse dich (1673) a 3b;

auf etwas zielen bedeutet schwäb. begehrlich auf etwas blicken H. Fischer 6, 1201. zielen, so auf den sehvorgang eingeengt, tritt jetzt mit ausdrücken des sehens zusammen, z. b.: wann man hinauf schielet, zehlet und zielet Fischart Garg. 30 ndr., aber das wort zielen selbst die bedeutung schielen übernehmen lassen, wie es ostdeutsche maa.

[Bd. 31, Sp. 1084]


zu verlangen scheinen, wenn man ostpreusz. zielen, zîlen schielen Frischbier 2, 493a und obersächs. ziele, f., blinzelnde person Müller-Fraureuth 2, 704b heranzieht, geht nicht an; vielmehr ist durch einen ostdeutschen lautwandel š > ts (neben ts > š) bloszer zusammenfall von schielen mit zielen eingetreten.gar das ohr ersetzt noch das auge in der dichtersprache: in einem horchenden zielen Jean Paul 7, 66 Reimer.
b) weiter rückt die vorstellung von den verhältnissen des sinnlichen zielvorganges ab, wenn sich
α) eine absicht einstellt; zielen besagt hier soviel wie es worauf absehen, es worauf anlegen, hinstreben nach, etwas bezwecken, auf etwas aus sein; das völlige fehlen einer sinnlichen oder körperlichen bewegungsvorstellung verbietet die vereinigung dieses abschnittes mit ob. 1 b, er ist vielmehr aus der reinen zielanschauung abzuleiten, so dasz dieselbe bedeutung aus zwei quellen entspringt. die ausdrückliche nennung des finalen ausdrucks zweck befördert den übergang in dieses begriffsfeld: ich ... habe mit meiner unternehmung zu gleichem zwekke gezielt S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäf. vorr. 3a; häufig, s. noch Chemnitz schwed. krieg 2, 175; Heinichen generalbasz 19; Hegner ges. schr. 5, 156; Zimmermann einsamk. 4, 368; alles, was uns dient, uns mit ihr (der ewigen liebe) näher zu vereinigen, ist uns liebenswürdig, was zu diesem zwecke nicht zielt, gleichgültig Göthe 37, 170 W.; Schiller 4, 226 G.; im übrigen genügen die präpositionen auf und zu vor dem erstrebten wert, weil sich dieser leicht als der zweck und das ziel des strebens erkennen läszt, vgl.:

als wie der zeitverdrusz mit schachbret, kartenspielen
biszweilen wird gestillt bey denen, die nicht zielen
auf gold und auf gewinn
Logau 286 E.; 432;

jeder wil beym weibernemen meistens auf die schönheit zielen 335;

aller dieser eingeweide
unerforschliche natur
zielet auf des cörpers freude
Brockes ird. vergnüg. 2, 331;

wann nur alles, was er thut, zu des reiches bestem zielt?
Schönaich Heinr. d. vogl. 12;

alle seine reden zielten auf busze und bekehrung Jung-Stilling s. schr. 6, 35; (die) auf den ... vortheil Englands zielenden unternehmungen: Ranke s. w.2 14, 36; er zielte auf einen lehrstuhl Gutzkow ritt. v. geiste 9, 120; Mommsen röm. gesch. 1, 462;

immer zielt er auf das gute,
immer übt er nur das rechte
Fr. W. Weber Dreizehnlinden 81;

ein eigenes mittel, die absicht und den zweck zu kennzeichnen, ist der verbale ausdruck durch aktionsnomina und satzgebilde:

man stöszt und schlägt und nennt ihn (den hund) toll, ...
doch alles dient zu seinem wol
und zielt auf nichts als besserungen
Hagedorn s. poet. w. (1764) 2, 27;

die regsten neigungen und triebe unsres geschlechts zielen auf ... das streben nach selbsterhaltung Herder 16, 45 S.; auf diese ausbildung des verstandes zielen fast alle gegenstände, die hier vorkommen Göthe 38, 346 W.; Ranke s. w. 1, 58; der ... besuch ... zielte auf nichts anders, als das herz seiner ... tochter ... zu erforschen Klinger w. 10, 45; eigenartig: seine ansicht und sein leben wurde ohne sein zielen (ohne angelegte absicht) über den grafen mächtig Jean Paul 23, 138 R. reich ausgebildet ist in diesem sinne der gebrauch der partikel dahin; sie tritt in älterer sprache zunächst relativ auf und wird danach von wohin abgelöst: das ist der zweck, dahin wir sollen sehen und zielen Luther 16, 145 W.; die vereinigung ... der gemther und waffen, wohin der ... könig gezielet Chemnitz schwed. krieg 2, 7; mein zweck, wohin ich ziehle Ad. Olearius reisebeschreib. (1656) vorr. 2b; Ramler einl. in d. schön. wiss. 2, 126; dem steht das fragewort gleich:

wozu dient es, wohin zielt es?
Logau 403 E.;

wohin zielet die klage? Weise polit. redn. (1677) 20; merkte ... gar wol, wohin dieser schertz zielete Joh.

[Bd. 31, Sp. 1085]


Riemer polit. maulaffe 142; vom weiblichen herzen wissen frauen immer, wohin es zielt Gutzkow ritt. v. geiste 3, 68; vielfach; auch einmal passivisch (kaum zu I B 1 zu stellen): ich weisz, wohin es gezielet ist à che si mira, si tende Kramer teutsch-ital. 2, 1462a. dahin weist entweder auf den gedanklichen zweck zurück, wie in folgenden fällen: eben dahin ziele ich, ich habe durchausz kein anderes absehen als dieses Rist friedejauchz. Teutschland 220; Stranitzky ollapatrida 62 Wien. ndr.; dahin (vor täuschendem glück zu warnen) zielen so viel ... sittensprüche der Griechen Herder 15, 418 S.; Göthe 40, 207 W.; meine regierung wird ihnen einen dahin zielenden entwurf vorlegen Bismarck polit. red. 4, 65; zu dahinaus erweitert: dahinaus zielte deine theilnehmung? Schiller 3, 47 G.; oder es wird durch eine nachfolgende satzkonstruktion aufgenommen: ihres königs ... absehen dahin zielete, Parthien und Medien ... unter seine beide ältere söhne zu vertheilen A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 101; als wenn unser nachdenken dahin zielet, ... eine vermengung ... anzudeuten Schottel haubtsprache 95; was nur dahin zielte, ihn aus seiner trauer zu ziehen Jung-Stilling s. schr. 1, 59; Kotzebue s. dram. w. 1, 57; ziehlet unser ... absehn ... dahin, dasz man das ... vertrauen ... wieder aufrichte Neumark palmb. 102; weil meistens dahin geziehlet wird, dasz man copiam verborum erlanget Weise polit. redn. 4; dessen vorhaben ... allein dahin zielet, damit er den gemeinen frieden ... verrücke Schupp schr. (1663) 557;

leib und seel hab ich verspielet,
drumb der teufel dahin zielet,
wie er mich zum schlaven mach
seines reichs
David v. Schweidnitz bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 1, 375;

Reinicke fuchs (1650) 198; wörterbücher: seine rede zielet dahin oratio eius tendit eo Stieler 2617; alles zielet dahin, dasz Kramer teutsch-ital. 2, 1462a; Steinbach 2, 1091; Frisch 2, 476a; Campe 5, 864b.
β) weniger häufig ist die folge oder der hinweis auf etwas oder jem. ausgedrückt:

Adams sündliche begier
mag sich an der lust vergaffen,
die in Sodoms häusern spielt
und auf tod und schande zielt
J. Chr. Günther ged. (1735) 7;

so merket denn, dasz dieses leben
auf eine lange zukunft zielt
Drollinger ged. 23;

ein bunter haufen von einfällen, die, nur vom geiste eines geistes belebt, nach einem ziele zielen Fr. Schlegel pros. jugendschr. 2, 197 M.; alles zielt auf wahrheit und gesunde vernunft Ramler einl. in d. schön. wiss. 2, 172; meine hoffnung zielt auf das eintreten der winterruhe Stifter s. w. 21, 312;

denn was ich zu melden habe,
zielt auf ihn zumeist
Fr. W. Weber Dreizehnlinden 334;

hierher noch: weil ... kraft deren (verträge) die nachfolg auf höchsternentes haus zihlte v. Brandis tirol. adler 120.
γ) ein hindeuten, eine anspielung besagt schlieszlich zielen auf (nach), auch meinen, bedeuten, besagen, ferner vorbedeuten drückt es aus; ausgeht diese wirkung von anzeichen, mienen, bes. aber worten; dem meist versteckten und dunklen aussehen und sinne liegt eine geheime bedeutung unter; vgl. hierzu Heynatz syn. wb. 1, 192a; Maasz-Eberhard synonym. 1, 61; belege: der vollmond erglanzet den 11. disz zu nacht nach halber 8 uhr im krebsen, zilet auf schneewolken und rauhe luft bei Birlinger augsburg. wb. 439b;

mir schwitzt die stirn, das zielt auf feuchte zeit
Grillparzer 8, 143 S.;

mit diesen worten zieleten sie auf mich Grimmelshausen Simplic. 227 ndr.; Neumark palmb. 460; nun folgen drei capittel, welche hieher zu zielen scheinen A. v. Franckenberg gemma magica (1684) 10; Leibniz d. schr. 1, 436; auf etwas zielen (in der rede) Kramer teutsch-ital. 2, 1461c; (der ausdruck) sprung zielet nicht auf die zeit, sondern auf den zusammenhang der dinge Chr. Wolff vern. gedank.

[Bd. 31, Sp. 1086]


376; ohne zweifel hat der poet mit den dreyen ersten zeilen auf den bekannten vers des Horatz gezielet Bodmer crit. poet. schr. 1, 95; die wörter methode, gout oder gusto werden insgemein verwechselt oder ... gar zu einer sache gebrauchet, worauf sie garnicht zielen J. A. Scheibe crit. music. 121; sie werden wol wissen, worauf ich ziele Schiller br. 1, 135 Jon.; wohin zielt das? auf das acheloische füllhorn der späteren fabel? J. H. Voss antisymb. 1, 59; alludere auf etwas zielen, alludieren in der rede Castelli ital.-teutsch. wb. 1, 33a; du darfst ... nicht glauben, mit obigem dummkopf hätt ich wollen nach dir zielen Holtei erz. schr. 15, 82; worauf er zielte, stichelte und anspielte Fr. L. Jahn w. 2, 262 E.; auf astrologische dinge zielende wandbilder Ritter erdkde 1, 729; diese geradeaus auf ihn zielende wendung des gespräches Laube ges. schr. 2, 153; ich dachte daran, dasz er durch seine vorfahren mit diesem boden verwandt sein könne, und unterbrach seine arbeit mit einer dahin zielenden bemerkung Aug. Winnig d. weite weg 350; in mundarten: dad ös ob meisch (auf mich) gezillt gemünzt, angespielt Christa wb. d. Trier. ma. 224a; wo zielt 'n der hin? was hat er im sinne? wen meint er? Müller-Fraureuth 2, 704b.
3) mit derselben sonderentwicklung wie zieler 1 b im bairischen: zilen die auf die scheibe gefallenen schüsse markieren und anzeigen Schmeller-Fr. 2, 1114; Schöpf 829; Weinhold schles. wb. 2, 109b.
B. in die transitive teilgruppe, für welche ob. die grundbedeutung zum ziel setzen erschlossen ist, gehören, der bedeutung von ziel I 2 und II entsprechend, einen ort oder grenze und, daraus abgeleitet, ein masz setzen, stecken, bestimmen und zweitens einen zeitpunkt oder eine frist festsetzen, setzen, bestimmen; objektswechsel führt zu gegenständlichen objekten, so dasz sich die bedeutung begrenzen ergibt.
1) ein mal setzen, ein reiseziel oder einen weg weisen:

erbarmede hâst du daz hôchste mâl gezilt
Boppe bei v. d. Hagen minnesing. 3, 405b;

metare mal seczen, zilen Diefenbach gl. 359b; limitare n. gl. 235b; zilen markstein setzen, terminare, enden Maaler 522a; dieser unterstreicht eigens die tätigkeit des messens bei der grenzsetzung: zilen, ein zil setzen praefinire, determinare, metiri 522a;

gefuoren hundert mîle
daz mer, als in was gezilt
Konrad Fleck Flore 3295;

den wart berihtlich gezilt
in daz lant ze Garmiler
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 7690;

diu szze minne in zilen
natrlich wart die rehten trift 1688;

an den letzten beleg schlieszt sich der bis zur frühnhd. zeit reichlich belegte gebrauch von jemandem zielen jemand einen ort zum stelldichein angeben, s. hierfür den besonderen abschnitt unt. B 2 a. im anschlusz an ziel I 2 a β findet zielen ferner als der fachausdruck für die private und öffentliche grenzmarkierung und -ziehung und verwandtes verwendung, be-, abgrenzen, der acker, die gemarkung und das weichbild sind objekt:

westert scheidet si der Rin,
nordent dú Elbe als sie noch gat,
dú die marche undirscheidin hat
und ir gezilte marche git
Rudolf v. Ems weltchronik 2234;

als es do wart mit marckstecken gezilt (1302) bei H. Fischer 6, 1201; by den zylenden boumen bei Buck obd. flurnamenb.2 307; so han wir die güter ... gezielt, als wir och hant gehöret und gesehen an iren hantvesten (1318) Schöpflin Alsat. diplom. 2, 121; das (land Kanaan) werde gezilt (wirt geendet Zainersche ausg.; sol ... seine grentze haben Luther; his finibus terminabitur) in disen enden 4. Mos. 34, 2 erste dt. bib. 4, 125; horizon nostrum aspectum definit marchet oder zilet Frisius dict. 377a; vgl.: eim ein eyngezilte wonung geben oder eim ein ort verordnen, darausz er nit möge kommen circumscribere locum habitandi alicui ebda 226a;

[Bd. 31, Sp. 1087]


wan dan des höchsten reich so weit,
dasz weder himmel, ort noch zeit
es gränzet, zihlet noch bedöcket
Weckherlin ged. 2, 82 F.;

ouch hât diu gotlîchiu maht
den liehten tac, die trüeben naht
gezilt und underscheiden
mit der sunnen louft in beiden
Wolfram Willehalm 2, 11;

bilder von turnier u. a. ritterlichen wettkämpfen hatte dieser dichter geschaffen; vgl.:

einen turnei alsô gezilt (abgesteckt, eingerichtet),
des manegen zagen noch bevilt Parzival 60, 11;

sît daz sîn herze nie verdrôz,
sîn dienest wære gein in (frauen) sô grôz,
daz vor andern sînen genôzen
was gezilt und gestôzen
sîn hôher prîs sô verre vür ders., Willehalm 378, 22;

vgl. noch dess. lieder 9, 25; abgrenzen gegen, zusammenstellen mit, vergleichen mit:

daz man gein liehter varwe zilt,
daz begunde ir ougen süezen Parz. 244, 4;

andere belege s. teil 4, 1, 4, 7061; beim zutrinken angeben, anbieten, d. h. vorkommen:

ein gt gesel dem andern zielt:
gantz usz das glas oder vier stein!
Murner schelmenzunft 63 ndr.;

danach, wie ziel I 3 b δ, im bereich von zahl und masz:

das munster was edler leut voll,
der graven und der ritter was gar vill,
das man ir niht konde alle geziel (zählen)
Joh. Rothe Elisabeth 2, 2099 Mencken;

mensus gemässen, gezilt Frisius 818b; zumessen:

ze rîcheit ist dir wunsch gezilt (das höchste bestimmt)
Wolfram Parz. 252, 8;

der mir hât laster vor gezilt (zugedacht) 304, 29;

wenn ain man üt buwen wil,
so spricht er: lieber maister, nun zil (mach einen überschlag),
bedarf ich vil zuo disem ding? des teufels netz 10 682;

so denkt der arm, wan du nit wilt,
vileicht hat im der ander zilt (seine dienste angeboten) (elsäss.) Alemannia 7, 171.

von der bedeutung einen grenzstein, eine marke setzen leitet sich her die stelle für einen gegenstand festsetzen, den gegenstand an einer stelle anbringen, befestigen:

eintweder ûf helm oder ûf den schilt
nâch Ilinôtes wâpen gezilt
Wolfram Parz. 383, 4; 662, 14;

nach dem ze næhst was gezilt
ain diamant an dem ringe
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 3962.

da in I A 2 intrans. konstruktion gilt, musz gegen teil 4, 1, 4, 7062 auch der folgende fall hier untergebracht werden:

her hête im einen slac gezilt (versetzt)
Heinrich v. Freiberg 5609 Bernt;

und da unter II eine anknüpfung fehlt, auch:

ob ich den iendert vunde,
der mir verhiuwe mînen schilt
und mir den heln verrœte,
daz er ze stucken wurde gezilt (gehauen) Eckenlied 16, 9 Zupitza;

bêdiu brünne unde schilt
daz wart allez enzwai gezilt altd. bll. 1, 338;

dann ist auch die konstruktion mit einem prädikatsadjektiv hier anzubringen: denselbigen seiner zusage wider ledig zu zielen (machen) Kirchhof milit. disc. 58; ders., wendunm. 2, 382 Ö.; uwer begerunge ist, sie solichs gefengnis ledig zu zielen (Frankf. 1432) bei Diefenbach hoch- u. nd. wb. 913; an ob. einen weg weisen läszt sich anschlieszen die bedeutung richten, ausrichten:

damit mein thun und tichten
sey eintzig und allein geziehlt
dahin, wo mir dein wort befiehlt
Neumark poet. u. musik. lustwäldch. (1652) 10;

noch leichter gerät die verbindung im folgenden falle: will dich ein heylig erhören und gesund machen ..., so zielt (weist) er dich nicht auf sein grab, sondern das ziehl steht

[Bd. 31, Sp. 1088]


in deim hertzen Paracelsus op. (1616) 1, 105c Hus. schlieszlich den begriff grenze auf eine handlung, ein werk anwendend: determinare zilen, enden, vollenden Frisius dict. 402b. aus derselben vorstellung der abgrenzung scheint auch die ahd. glosse zilta Steinmeyer-Sievers 2, 437, 22 zu dem worte tangit bei Prudentius peristephanon 11, 98 ableitbar zu sein:

temonis vice funis inest, qui terga duorum (iumentorum)
dividit et medius tangit utrumque latus.


2) ort und stunde eines stelldicheins oder überhaupt eines zusammentreffens bestimmen; die ortsangabe verwendet die richtungsbezeichnung oder ein gleichwertiges satzgefüge, die zeit sowohl diese wie auch das akkusativobjekt; für die person steht der dativ.
a) den ort; hierher wohl die unsichere ahd. glosse zile für convocet oder vocabit Steinmeyer-Sievers 2, 148, 74; vgl. hierzu Graff 5, 657; Schmeller-Fr. 2, 1114; Voellus-Justellus bibl. juris canonici veteris 733; an die stat ..., do die ... keczer ... dohin dem volk gezilt hetten zu kómen Joh. Hartlieb Cäsarius dial. miracul. 217 Dr.; an die stat, da er hin dem teufel gezilt ... het (Nürnb.) städtechron. 11, 673;

si tut mir gar oft zu ir zilen fastnachtsspiele 116; 111; 153; 653; oft;

dem hett sy haym gezilet liederbuch d. Hätzlerin 96a;

Hannibal ... kam bei nacht für die statt an das ort, dahin ihm die zwen ... zilt hetten Carbach Livius 137a;

dem hab ich zilt in den thiergarten
H. Sachs 12, 260 K.-G.; 13, 6; 17, 13;

Wickram 1, 259 B.; trans. in bezug auf die person:

als er eins tags nach seinem brauch
auf des ammeysters stuben spielet,
von etlichen bürgern hingezielet
H. Sachs 9, 298 K.;

mein her der wirt von mir gezilt,
ee heint die glocke schlecht acht pfarrer v. Kalenberg 852 ndr.;

mehr belege bei H. Fischer 6, 1201; Ch. Schmidt elsäss. wb. 441a; Schmeller-Fr. 2, 1114.
b) zeit und stunde:

und hât dir alsô gezilt,
daz du maht komen, wenn du wilt
Hans v. Bühel Diokletians leben 7872 K.;

bis ich im heint gezilet hab,
ze chomen zum garten hinab liederbuch d. Hätzlerin 292a;

der mir gezilt hat, uf huit in mein hus ze komen Neidhart Terenz 38; (Nürnb.) städtechron. 11, 645; fastnachtsp. 731 K.; H. Sachs 3, 37 K. ältere belege zeigen noch den objektsakkusativ für die zeit, auch die frist:

dy susze minnikleiche
zile mir den werden tag,
aller salikait pejag
Heinrich v. Neustadt Apollonius 2044 Si.;

do nun die zeit kam, die im sein muter vorhin het gezilt (15. jahrh.) Schmeller-Fr. 2, 1114; aber zilt er in einen tag (praefinit; endet er 1475; bestimpt er ... einen tag Luther) Ebr. 4, 7 erste dt. bib. 2, 248;

sô sî daz zil dâ hin gezilt
über sehs wochen oder ê
Ulrich v. Türheim Tristan 510, 14 Massm.;

nach ausgang der gezielten zeit Eschenloer gesch. d. st. Breslau 1, 178; auf den gezielten zahltag H. Rätel Curäi chron. v. Schles. 474; auch für die schuldzahlungen u. a. geldliche verpflichtungen (s. ziel II 1 c γ):

den was ir solt alsus gezilt,
volleclîchen zwei jâr
Wolfram Parz. 210, 16;

wenn er dieselben (schuld) ziele (ihm aufschub gebe) G. Blarer br. u. akt. (1530) 1, 151; acta publ. d. schles. fürst. 1, 25 P.;

sy (die herren) kynnent under dem htlin spilen,
nüt bezalen und vil zilen
Murner narrenbeschwör. 173 ndr.;

mit präpositionalem ausdruck: dem hat man herwider tzilt auf unser frauen tag lichtmess schirst (Nürnb.) städtechron.

[Bd. 31, Sp. 1089]


2, 90; dabei ein akkusativ der person: um derentwillen wir auch unsere schuldgläubiger bisz dahero auf die erndt zielen (vertrösten) ... mieszen (1651) bei H. Fischer 6, 1201; objekt ist eine andere terminmäszige handlung: da die sittenrichter ... ein ... purgation ... in der stadt Rom zyelten Eppendorf Plinius 30; die gefangenen zielen sehr knapp, sehr kurz, anscheinend auf deren austausch oder rückgabe bezüglich: dieweil in dem fridbrief stunde, dasz die gefangenen in zeit des fridens gezielet sollen werden, und nicht darin benant ist, auf welchen tag das beschehen soll B. Hertzog chron. Alsat. 5, 28; bis in die moderne ma. hinein dauernd: en uhr, die redlich zilt die zeit richtig angibt Schmeller- Fr. 2, 1114.
II. aus der grundbedeutung des zweiten astes etwas passend, brauchbar machen flieszt unmittelbar der gebrauch als ein ausdruck der ackerbestellung, -bebauung; weiter ergibt sich daraus früchte und haustiere züchten und zuletzt kinder erzeugen und er- und aufziehen.
1) den acker, das land bebauen; nur ein beleg in hd. sprachform, aber nd. herkunft: arare aeren, zielen, zackern, uben, bauen, pflgen Schöpper syn. 77a Sch.-K.; viele im mnd. wb., vgl.: un al de lüde, de uppe dessen gode un erve wonet, un dat telet un bowet (1354) bei Schiller-Lübben 4, 522b (s. d.), in der regel in der zusammenstellung telen unde buwen; ebenso bei Verwijs-Verdam 8, 202; colere agrum, exercere tellurem Kilian (1777) 665a H.; afries. tilia Richthofen wb. 1085b; nicht mehr nnd. und ndld.
2) früchte, pflanzen erzielen, hervorbringen, erzeugen, züchten: Heliand 2543 (zit. teil 4, 1, 4, 7060); alle ersten vruchte des kornes, de de erde teleth 4. Mos. 18, 13 Lübeck. bib.; vruchten telen G. v. d. Schueren Teuthon. 394b Verd.; sol der bestender ... nicht abhawen oder auszgraben baum, die er in dem bestanden gt die zeit seiner bestentnung gepflanzt oder gezielet hette d. st. Worms reformat. (1513) 62a; kll ..., so wir ... im garten zilen Bock kräuterb. (1539) 2, 43; Tabernämontanus (1588) 2; Ryff spieg. d. gesundh. (1544) 166a; bulapathum groszlendikraut oder groszmangelwurtz ..., so man in gärtnen zylet oder pflanzet Frisius dict. 166b; die bauren, die da weiden und felber zielen Paracelsus chirurg. büch. (1618) 239c Hus.; sehr häufig; er (der spielplatz) samet und zielet sich selbst Kirchhof milit. disc. 136; Rist Parnasz 85; Joh. S. Elsholtz gartenbau (1672) 19; stabwurtz wird in Braband in den gärten gezielet Hohberg georg. cur. aucta 3, 1, 550b; junge pflantzen, bäume zielen Ludwig teutsch-engl. 2591; Noel Chomel 8, 416; als obd. verzeichnet Adelung nelken aus samen zielen ziehen, viel getreide zielen bauen 2 4, 1710; elsäss. e baum bitz ans dach zielen einen spalierbaum bis ans dach wachsen lassen Martin-Lienhart 2, 902b; saadwark telen samen von küchenkräutern und gartengewächsen ziehen brem. wb. 5, 50; dat land têld fl kôrn ten Doornkaat-Koolman ostfries. wb. 3, 401a; darüber hinaus in den mundartwörterbüchern nicht verzeichnet. H. Fischer 6, 1201 bietet nur ältere belege; vgl. noch: viel biehnen, so honig in den baumen zielen (Frankf. 1590) bei Diefenbach hoch- u. nd. wb. 914.
3) zeugen, ziehen, aufziehen.
a) zeugen, gebären:

daz kint sult ir dâ geziln
Otte Eraklius 248 G.;

ein ware got, ein war mensch ouch
von siner gotlichen art
in der megede gezilet wart
Heinrich v. Hesler apokalypse 15 938;

Daniel 7927; Hiob 1252; 1301; erlösung 2786 M.; Seifrit Alexander 402; 575; histor. d. ald. e 326; alle volck und geschlecht der menschen, das nahet bei der sonne gezilt und geboren wirt, das wirt durch die hitze der sonnen verzeret und gederret Flav. Vegetius Renatus v. d. rittersch. (1511) A 4a; dasz er von einem priester und einer ledigen frauen gezielet Chr. Zobel sechsisch weichbild- u. lehenrecht (1537) 125a;

[Bd. 31, Sp. 1090]


er spricht: du bist mein lieber son,
an dem ich wolgefallen han,
heut hab ich dich gezielet
Burk. Waldis psalter (1553) 26;

ders., Äsop 3, 24, 23; 3, 61, 14; Zach. Müntzer bepstl. gesch. (1566) 206; gleichwie ein kind aus der eltern samen im mutterleib gezielet wird Mathesius Sarepta (1679) 122; klosternonnen, so kinder gezehlet hatten Steph. Isaak s. leb. 107 Rotscheidt; viele alte belege bei H. Fischer 6, 1202; Schmeller-Fr. 2, 1114; reichlich im mnd. bezeugt, s. Schiller-Lübben 4, 522a; brem. wb. 5, 50; hê hed gên kind têld, sê têlde nôit gên kinder ten Doornkaat-Koolman 3, 401a; von tieren und menschen bei Mensing 5, 39; auch im mndld. und nndld. — sie (die wilden bienen) werden gezielt oder erschaffen ... Fischart binenkorb 263a; affen, deren viel in den bergen gezielt werden G. Schwarzkopf Herodot (1593) 226; (der Nil) zielet ... das zu wasser und land hochgefährliche thier, den crocodil Schupp schr. (1663) 409; ziehen, züchten: das man junge vögel von inen (zur lust gehaltenen vögeln) zilen wolte Sebiz feldbau 117; zillen tiere aufziehen, züchten Follmann 558a; Christa Trier. wb. 224a; frei in bezug auf sub- und objekt: (Europa) ziehlt und erhelt in allen landen und städten verständige und gelährte leuthe Pet. Uffenbach Atlas minor (1609) B 1a; die zeit zielet gute regenten Lehman flor. polit. (1662) 2, 936;

alle ding, wie die sein gezilt (er-, beschaffen),
lobt ainer, der ander si schilt
Vintler blumen d. tugend 3560;

Sleidanus red. 40 B.; der Sathan ... hat ... sein laster auch hiebey gezylet Paracelsus opera (1616) 1, 105b Hus.; sintemahl die natur selbst ein solche ... anmuth ... von unserer geburt an in uns gezielet Zinkgref apophthegm. (1628) 1, vorrede ** 3b; dann ... wird diese (die hohheit des regenten) wol bewahret, wann sie liebe ausz nicht allzugroszer willfährigkeit und keine tyranney ausz allzugroszer strengigkeit zielet Schupp schr. (1663) 556;

all sang und klang, all ton und schall
in dir gezielet werden
Spee trutznachtigall 116 B.;

haar und bart lang wachsen lassen: die Chinesen zielen ein langes haar abentheur (1656) 919; sie haben aus stoltz lange brt gezielt Dippel orthodoxia orthodoxum (1697) 165; produzieren, tragen: bey den heydnischen fasnachten die mannsbild lange weiberzöpf zielen Dannhauer katechism.-milch 2, 431; nd.: de klepsche tunge ... telet alle arch to manger stunt bei Schiller-Lübben 4, 522a; me schal sik hoden vor aller grover derte vlesch, wente se telen an den lichammen grove vuchticheyt ebda; ên sünde têld de andere ten Doornkaat-Koolman 3, 401a; auch intrans.: hir telede en nyge orloch an (fing an) bei Schiller-Lübben 4, 522a; buchungen und maa.: generare telen Diefenbach gl. 259c; gignere kinder telen, tielen 262b; progenitus gezilt 463c; gignere telen n. gl. 192b; gignere gebieren (!), zilen, zeugen Schöpper 58b Sch.-K.; pubes mannbar ..., der gebären, zielen kan Apherdianus method. disc. (1601) 153; zielen kinder zeugen Hulsius-Rav. (1616) 431a; generare, gignere kinder zielen Stieler 2617; Kramer teutsch-ital. 2, 1462a; kinder zielen (veraltet) Adelung2 4, 1710; zielen zeugen nennt Heynatz antibarb. 2, 668 noch veralteter als erzielen; kinder zielen Bauer-Collitz 184; telen, tielen zeugen Stürenburg 279a; 281b.
b) auf-, erziehen, ziehen: sucht ein fleisziger schlmeister ... saubere schreiber, so wolen gute rechner zu zilen, damit er ... ruhm erlange (1635) bei H. Fischer 6, 1202; mer meechde ne früej ziele for zuem studdiere anleiten Martin-Lienhart 2, 902b; veraltet für erziehen, aufziehen Steinbach 2, 1092; dat kend es nit gezilt erzogen Follmann 558a; kinder, tiere, pflanzen aufziehen, züchten Christa Trier. wb. 224a; wann ê wöllt kanner zillen, dârf ên d rutt net spueren (sparen) lux. wb. 504b; zillen aufziehen, züchten, bauen A. Bertrang Areler ma. 443. vgl. noch: so werden ir die ssze diser holdseligen bchlein ... flen und hoch zilen Fischart Garg. 23 ndr.

[Bd. 31, Sp. 1091]



III. grammatisches.
1) infinitiv:

drumb heists, der bog trifft nit allzeit
pas, dem er mit seim zilen dreut
Eyering proverb. copia (1601) 2, 500;

gewöhne dir ... das lange zielen nicht an Stahl gewehrgerecht. jäg. 118; nach zu tiefem zielen J. A. Naumann naturgesch. d. vög. 9, 717; sein zielen Grillparzer 1, 201 S.
2) partizip präteriti gezielt s. teil 4, 1, 4, 7061 ff.
3) zusammensetzungen: (zu I) ab- (teil 1, 159), an- (1, 529), aus- (1, 1040; Schmeller-Fr. 2, 1114), be- (teil 1, 1801; Schmeller-Fr. 2, 1114), er- (teil 3, 1094), verzielen (Schmeller-Fr. 2, 1114; H. Fischer 2, 1431); (zu II) be- (teil 1, 1891), erzielen (teil 3, 1094).
 
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ziel-ende, n., erstrebter endpunkt: o du aller seelen und deren freuden unendlich-seeliges zielende ohne ende K. R. v. Greifenberg andächt. betracht. (1678) 64. —
 
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zielentfernung, f. entfernung zwischen schützen oder geschütz und ziel: v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 549; 4, 117; 3, 308.
 
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zieler, m.
1) lebendes wesen oder mensch,
a) der zielt: Stieler 2617; Steinbach 2, 1092; Adelung2 4, 1710; ein langsamer zieler wird nimmer ein treffer Fr. Arndt bei E. M. Arndt an s. l. Deutsch. 1, 151; K. Rother schles. sprichw. 260b.
b) der die schüsse auf der scheibe anzeichnet, markiert und anzeigt, der anzeiger: Lexer 3, 1114; auch so hat der ziler ein langes seil und eichen pflocken, wenn man auf den wisen scheüst, das der das für mag ziehen Tucher baumeisterb. d. st. Nürnb. 118 L.; auch werden unser herrn von Nürmberg irs rats freunt darzu geben zu unserm geschworen ziler pei dem zil (1457) städtechron. 10, 232 (s. ziel I 1 a); ouch wellend wir von unserm rate erber lüte zu dem geschwornen ziler (beim gesellenschieszen) geben, die mengklichem bi dem zile glich und gemein sind Tschudi chron. helv. 2, 653; und wurdt mit zilern, messern und andern nach gewonhait der schieszen notturftigklich versehen (1486) urkb. v. Heilbronn 2, 351; H. Fischer 6, 1202; Schmeller-Fr. 2, 1114; Platen tageb. 2, 589; v. Födransperg 40 jahre in d. österr. armee 1, 184; schreiber, zieler und pritscher Uhland schr. 5, 308; metator messer, ziler Diefenbach gl. 359c; n. gl. 252b; Steinbach 2, 1092; Frisch 2, 476a; Adelung2 4, 1710. Weinhold schles. wb. 2, 109a berichtet, dasz der zieler beim pfingst- oder königsschusz in buntem hanswurstmäszigem aufzuge die scheibe vom rathause zur schieszstätte trägt, er bedient sich zum anzeigen einer art pritsche; nach G. Freytag ges. w. 1, 46 tanzt und springt er, die grosze scheibe auf dem rücken, dem zuge der schützen voran; s. ebda 13, 142; vgl.: der zieler ..., in die vielfarbig schillernden lappen des hanswurst gehüllt, hüpfte possirlich hin und her Rosegger schr. 14, 359; s. auch Stifter s. w. 2, 351; L. Habicht stadtschreib. von Liegnitz 3, 36; Schöpf 829; Bacher Lusern 428 (hierher?); mitt. d. schles. ges. f. volksk. 16, 156; Bruns volksw. d. prov. Sachs. (ostteil) 77a.
c) erzeuger: genitor teler Diefenbach gl. 260a; n. gl. 191a; teelre G. v. d. Schueren Teuthon. 392b Verd.
d) gleich keiler? vgl.:

nach frechen zielern jagen (acres venabor apros)
Joh. Dan. Overbeck Virgils hirtengedichte 177.


2) sachlich.
a) das visier am gewehr: das absehen oder ziler am pirschrohr (1670) bei H. Fischer 6, 1202.
b) der eine handgriff eines einarmigen pfluges (bei Tübingen) Lohsz beitr. z. landw. wortsch. (1913) 59; trägt seinen namen danach, dasz er in der hand des pflügers dem pfluge die richtung gibt: H. Fischer 6, 1202.
c) die barthaare der katzen, mit denen sie gleichsam nach ihrer beute zielen Weinhold schles. 2, 109b.
d) miszbräuchlicher sing. aus dem plur. zieler, s. ziel II 1 c γ.
e) der zilar und kostar heiszen die speisen, welche dienstboten zu ostern und weihnachten für sich und ihre angehörigen

[Bd. 31, Sp. 1092]


nach hause mitnehmen dürfen (Sarntal) Schöpf tirol. 336.
 
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zielerkränzchen, n. (zu zieler 1 a), die schlechten schützen, die auszer dem gewöhnlichen dienst zielübungen zu machen haben: Th. Imme soldatenspr. 79; R. Delcourt 176a.
 
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zielfehler, m., fehler beim zielen (zielen I A 2): v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 386. —

 

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