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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziehwelle bis zielbar (Bd. 31, Sp. 1039 bis 1076)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -welle, f., in den panstermühlen die welle des ziehrades, welche die pansterwelle mit ihrem rade in die höhe zieht: Adelung2 4, 1709; welle, um die sich die pansterketten legen: Mothes baulex. 4, 510.
 
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ziehwerk, n., eine anlage oder werk, mit oder auf welchem etwas gezogen wird: Kramer teutsch-it. 2, 1361a; so syn. für -bank und -maschine: Krünitz 241, 304; im bes. eine maschine zum strecken der gold- und silberzaine: Bucher kunstgew. 447b; die plttmhle oder das ziehwerck Noel Chomel 4, 1248; Adelung2 4, 1709; le laminoir Schwan n. dict. 2, 1106a; ferner drahtziehmaschine: Campe 5, 864b; Mothes baulex. 4, 510; auch der bleizug des glasers: Campe 5, 864b; weiter die adjustierbank der münze: Krünitz 241, 304; in prägwerken: ain solches grosz ziehwerk ... sambt ... wellen, dardurch die groszen digken zain vom gusz bis zum pregen gezogen (Augsb. 1592) bei H. Fischer 6, 1188; das gehörnete ziehwercklin ... das pregwercklin (1617) ebda; auch ein apparat zum ziehen von röhren: Krünitz 241, 298; sodann ein vorgelege an einer welle: Mothes baulex. 4, 510; schlieszlich gleich pansterwerk, d. i. die vorrichtung in den panstermühlen,

[Bd. 31, Sp. 1040]


mit welcher die pansterwelle mit ihrem rade in die höhe gezogen werden kann: Zincke öc. lex. (1744) 2121; allg. haush.-lex. 2, 363b; Adelung2 4, 1709; Campe 5, 864b; Mothes baulex. 4, 510; bei Stieler 2557 gleich schöpfwerk; erziehungswerk: wendet er mit seinem willen die natrliche bewegung nicht recht an, so sndigt er, das ist, er ... thut wider gottes willen, und so thut er denn das sittenwerck (das zieh- und wendewerck) allein, und gott tuht nichts dabei E. Weigel grund all. tugend. (1687) 28. —
 
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-wolke, f.: wer ist, der nicht an der groszen ziehwolke, die Europa aussaugt, antheil haben, sich in sie drängen, und, kann er nicht andre, seine eigne kinder als gröszter handelsmann entleeren müste? Herder 5, 550 S.
 
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ziehzange, f., zangen verschiedener art zum ziehen; eine zange zum ziehen von zähnen: Hulsius (1618) 2, 72a; 1 eysnen cziechczanng Zingerle invent. 38; die zange des drahtziehers, mit der er den draht durch das zieheisen zieht: Adelung2 4, 1709; Mothes baulex. 2, 175; solche zangen haben auf den innenseiten der backen einkerbungen, um den gegenstand beim ziehen festzuhalten: Krünitz 241, 304; Bucher kunstgew. 447b. —
 
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-zeit, f., zeit der lotterieziehungen: Fontane I 6, 312; des wohnungswechsels: Müller-Fr. 2, 704b; des gesindewechsels: ein gutes mädchen ist auszer der ziehzeit ... dort schwer zu bekommen Storm an s. frau 40. —
 
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-zeug, n., ein werkzeug zum ziehen: Campe 5, 864b; genus machinarum tractorium zieh- oder hebzeug Aler 2, 2247b; organon tractorium Steinbach 2, 1103; Frisch 2, 474b; ein pansterzeug, das mit einem ziehrade bewegt wird, während eine panstermühle ohne ziehzeug ein stockpanster genannt wird: Mothes baulex. 4, 509; E. M. Schilling mühlenrecht 5; ziehzeug als turngeräthe, an denen das ziehen geübt wird: Fr. L. Jahn 2, 17 E.
 
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ziel, n. herkunft und verbreitung.
gemeingerm., aber nur im hd. voll ausgebildet; nebenher läuft eine adjektivbildung. got.-run. tilarids zum ziel strebend als speername, aus dem got.-nord. früh entlehnt finn. tila gelegenheit; Wulfila gebraucht wahrscheinlich nur das adj., auch Luk. 6, 7 ἵνα εὕρωσι κατηγορίαν αὐτοῦ ei bigeteina til (gelegenheit) du wrohjan ina, ferner gatils εὔκαιρος, passend, adv. gatilaba εὐκαίρως, zur rechten zeit; ein adj. til tauglich, gut besitzt auch das ags. und til gut das afries.; dazu das as.-ingwäon. adv. atela unpassend, unangemessen (ni atela attedun non ab re putavimus Merseb. gloss. bei Wadstein 71b, 3). die nord., ags., afries. präpos. til, die germ.zu verdrängt hat, gilt wegen des genitivs, den sie im nord. und ags. regiert, gewöhnlich als verkürzte substantivfügung, doch wäre auch adjektivische konstruktion als ausgang denkbar, und nahegelegt wird diese durch den im afries. nach til gebräuchlichen dativ. das subst. zeigt sich im altnord. in den zss. aldrtili lebensende und útili schade. das ahd. weist nur einen glossenbeleg des 8./9. jahrh. cil destinatum Graff 5, 658 auf; daneben kommt, etwas mehr bezeugt, ein schwaches, einmal stark flektiertes fem. zila studium, genus ebda (s. auch I 3 b β und zielen) vor. reich entfaltet sich zil in der mhd. periode, worauf im nhd. nachlassen und einengung folgt. das gesamte nd. gebiet hat sich des wortes entledigt und ersatz an anderen ausdrücken gefunden; allein die Halberstädter bibel von 1522 führt es aus dem md. nachbarbezirk an der stelle 1. Sam. 20, 20 (alse ick tho eynem tele schte) wieder ein, wo die Kölner teken und die Lübecker das heimische ersatzwort mal gebrauchen; aber Hiob 16, 12 hat auch die Halberstädt. bibel teken; und auch in der md. gefärbten nd. Brandanlegende 560 Sch. erscheint til (zit. I 3 b δ). ebenso ist das spätmnd. til, tel als einfuhr aus dem hd. zu verstehen. als lehnwort tritt tsiel und tsijl im Teuthonista des Gerd v. d. Schueren (407b Verd.) auf. im ndld. lebt nur eine aus dem verbum abgeleitete form tele f. (s. zielen). den obd. maa. ist nirgends der ganze begriffsumfang der mhd. und frühnhd. periode bewahrt geblieben, am weitesten erscheint er noch in den alem.-schwäb. maa.; reste halten sich in teilen des md.: auszer dem luxemb. (s. u.) hat nach

[Bd. 31, Sp. 1041]


der angabe der wörterbücher nur das obersächs. (s. I 2 b δ) an dem worte anteil. im thür.-mansfeld. raum war ziel zu Luthers zeit kaum ein volksläufiges wort, s. hierzu unt. I 1 a α und I 2 a α. sichere verwandtschaft hat sich im idg. nicht auffinden lassen; am ehesten läszt sich eine beziehung zu der wurzel von zeit (s. sp. 523) herstellen, auch kann man zeile naherücken. form.
im obd. ist nach der aussage der mundartlichen sprachverhältnisse der stammvokal des singulars mit beginn der nhd. periode als gedehnt anzunehmen, wenn sich auch die mhd. schreibung zil noch lange hält. zihl schreiben Weckherlin ged. 2, 113 F.; 2, 152; 317; Rompler erst. geb. reimget. 104; 147; Meichel Bidermanns Cenodox. 132 F.; A. a s. Clara n. pred. 225 Bertsche; gelegentlich auch Zesen adriat. Rosem. 6 ndr. neben der obsiegenden schreibform ziel begegnet auch ziehl: Elis. Charl. v. Orleans 3, 93 H.; Paracelsus op. (1616) 1, 195c Hus.; P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 351a; Königsb. dichterkr. 38 ndr.; Drollinger ged. 23. kürze bewahrt der fränk. bezirk: zill Hutten op. 4, 268; Th. Höck blumenfeld 83 ndr.; Laz. Spengler bei Wackernagel kirchenl. 3, 49; seltenes zill bei H. Sachs 22, 106 K.-G. könnte für heimische kürze sprechen. auch Luther mag zill, wie er 10, 2, 385 W.; 11, 266; 18, 69 u. öft. schreibt, gesprochen haben, hat sich dann aber der obd. aussprache in dem häufigeren ziel (so 14, 20 W.; 16, 300; 30, 2, 224) gefügt. diphthongischen lautwert besitzt das aus brechung vor l entstandene ie in ndalem. texten: ziel Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) B 3b; ziehl Moscherosch ins. cura par. 30 ndr.; s. hierzu V. Moser frühnhd. gramm. 1, 1, 130. die über das mhd. hinaus fortbestehende endungslose form zil des nom. und akk. plur. hat im obd. kurzen vokal, vgl.: zwai zill (Augsb.) städtechron. 5, 9; auf zimliche zil Stumpf Schweizerchron. (1606) 377a; gewisse zil und marckstein Heyden Plin. (1565) 450; die zill und march (salzb. 17. jahrh.) österr. weist. 1, 194. für die bedeutung zahlungstermin und bes. abschlagszahlung (s. II 1 c β; γ), selten für grenzpunkt (I 2 a α; auch b α) tritt später eine pluralform zieler auf, während sich im übrigen für den plur. ziele durchsetzt. obd. texte des 15. und 16. jahrh. fügen -e auch dem nom.-akk. des sing. an: sein zile Richental chron. d. Const. conz. 43a; ein zile (Straszb.) städtechron. 8, 41; sein zile Albr. v. Eyb spieg. d. sitt. (1511) K 6b; das zille Tucher baumeisterb. 273 L.; ain zile Nicl. v. Wyle translat. 43 K.; das ziele D. Federmann Niderlands beschreib. (1581) 138 (zit. I 3 b α). im dat. sing. regelt sich in jüngerer zeit ein- oder zweisilbigkeit nach dem satzrhythmus, vgl.: zum ziel zu fördern Klinger w. 3, 197: dasz wir ... an dem ziele hinsänken 3, 287;

es treibt vom stolzen ziele, kaum geendet,
nach neuem ziel dich neues unbehagen
Eichendorf s. w. 1, 615.

abweichungen im geschlecht kommen überwiegend auf rechnung landschaftlicher besonderheit: das mask. begegnet im Alsfeld. passionssp. 132 Gr., im südl. Tirol (s. u. I 1 b γ), in Obersachs. (s. u. I 2 b δ) und in nd. einzelfällen des 17. jahrh.: den ersten ziel der heure seerecht d. Hansa v. 1614 art. 5, 4 bei J. M. Pardessus coll. de lois marit. 2, 545; meta der ziel oder ende des renneplatzes nomencl. lat.-germ. (1634) 477; beispiele des fem.: in langer zil pilgerf. d. träum. mönchs 12 445 M.; zill aufschub, frist lux. wb. 504a; in menger zil Folz meisterlied. 89, 17 Mayer; uber der zill (ndösterr. 16. jahrh.) österr. weist. 7, 544. md. dehnung in offener silbe geht mit senkung zusammen: zu eyme zele Jerem. 5, 22 übersetzung des Claus Cranc 88 Zies.; von syme zcele (14. jahrh.) urkb. d. st. Freiberg 2, 287; in seinem zele (1411) 2, 73; czu rechtem czeile unde cziet (1442) 1, 165; vereinzelt erscheint alem. ähnliches im sing.: ain rechtes zeil Zimmersch. chron. 4, 309; 314 B. die ursprüngliche kürze wahren im nom. sing. dialektgeographische randgebiete: zill E. Wipf ma. v. Visperterm. im Wallis 78; zil Schmeller cimbr. 244a; Bacher Lusern 428; zil neben langem und gebrochenem vokal (tsìèl) kennt noch das Elsasz: Martin-Lienhart

[Bd. 31, Sp. 1042]


2, 902a, kürze Luxemburg: zill Gangler 492. ein diminutivum zile metula melden Maaler 522a und zilli Stalder 2, 474; die einmalige -d- erweiterung zilde (dat. sing. n.) bei Jeroschin 25 018 scheint durch den reimzwang von wilde hervorgerufen zu sein. bedeutung.
die grundbedeutung scheint in dem begriff 'den endpunkt einer bewegung messen, abmessen, bestimmen' zu liegen und zwar in dem sinne einer punktuellen vorstellung, die sich sowohl für die räumliche wie für die zeitliche bedeutung als ursprünglich erweisen läszt. die verwendung als längen- und raumbegriff läszt sich als sonderergebnis abkürzender konstruktion fachsprachlichen ursprungs erweisen, s. hierzu unt. I 2 a; a α; β; ζ; II 2 a. da die ältesten germ. zeugnisse einen abstrakten sinn enthalten, könnte die in der mhd. und nhd. sprachperiode beherrschende konkrete bedeutung 'zielpunkt' als jüngere entwicklung angesehen werden, wenn sie nicht durch die got. runeninschrift tilarids und die ags.-afries.-altnord. präposition til auch für die frühzeit gesichert wäre.
I. als räumliche vorstellung, auch auf das geistige gebiet übertragen.
1) zielpunkt, endpunkt.
a) der mittelpunkt einer scheibe und weiter die ganze scheibe, auch jeder gegenstand oder das lebende wesen, auf welche der schütze pfeil, bolzen oder kugel abschieszt, oder wonach er den speer oder ger schleudert und einen stein wirft; die aufrichtung des ziels bezeichnen die verben stecken und stoszen (das letzte bevorzugt Wolfram), die zielrichtung die präpositionen zu und nach, das ergebnis drücken treffen oder fehlen, vorbeischieszen u. a. aus; vgl. die belege
α) zu zielscheibe, zielgegenstand für ein geschosz:

swen schiezens niht verdriuzet,
swie übele er danne geschiuzet,
er triffet doch etswenn daz zil
Freidank 128, 24;

dise schuzzen zuo dem zil,
dise hôrten seitspil
Hartmann v. Aue Iwein 69;

alse ein schútze ein zil wil eben treffen, so tt er ein ouge z, das das ander deste nauwer sehe Tauler pred. 9 Vett.; als ein schútze der sins zils nohe war nimet ebda 212; paradis. anim. intellig. 89 Str.; auch werden unser herrn von Nürmberg irs rats freunt darzu geben zu unserm geschworen ziler pei dem zil (aus einem einladungsschreiben zu einem öffentlichen preisschieszen Nürnb. 1457) städtechron. 10, 232;

den dritten schusz ich do schiszen wil,
ich hoff, das ich nit feel das zil pfarrer v. Kalenberg 554 ndr.;

das ziel treffen, das ziel oder des ziels verfehlen Kramer teutsch-ital. 2, 1462a. dasz Luther dem worte ziel anfangs fremd gegenüberstand, lehrt der erklärende ausdruck schiesztzill 10, 1, 1, 393 W. und die stelle 1. Sam. 20, 20, in der er das heimische wort mal, hier in einer zss., gebraucht: so wil ich zu seiner seiten drey pfeile schieszen, als ich zum sichermal schösse, während die erste dt. bib. zyl hat; oft erklärt er ziel durch hinzugefügtes mal, z. b. 18, 384 W., oder wechselt mit beiden wie 10, 1, 1, 399 W.;

so ich versteh, das ir seind meh,
die zu dem zyl thunt schieszen
Forster frische teutsche liedl. 16 ndr.;

er ... schosz zum ziel Fischart Garg. 73 ndr.;

glück zu dem theuren helden, ...
er weisz zu treffen auf das ziel Königsberg. dichterkreis 138 ndr.;

so wird ... mit pürschröhren umb die wette nach dem ziel geschossen v. Fleming teutsch. jäg. (1719) 259; will man eine canone richten und nach dem ziel damit schieszen ders., teutsch. sold. 63; (der lehrling musz) denen jägern ziel und scheiben setzen v. Heppe lehrprinz (1751) 244; abgeschossen fliegt er (der pfeil) durchs dunkel, bis er sein ziel erreicht Klinger w. 4, 39; Göthe 33, 290 W.; (die artillerie) schosz ... nach dem ziele G. Keller ges. w. 1, 137; am jägerhause ..., wo ich ... die büchsen

[Bd. 31, Sp. 1043]


spannen lernte und manchmal das an einen eichbaum gesteckte bunte ziel traf Gutzkow ritter v. geist 2, 106; (sie) schossen mit dem bogen nach dem ziel G. Freytag ges. w. 18, 61;

wo einer scheibe vieldurchlöchert ziel
das erste war, was mir ins auge fiel
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 97.

ziel bedeutet die ganze scheibe (wofür später zielblatt, s. d., aufkommt), deren mittel- oder eigentlicher treffpunkt wurde früher durch einen nagel (zweck) oder schwarzen fleck (fleck) bezeichnet, vgl. die sprichwörtliche wendung: man kan nicht alle mal den zweck treffen, wenn man nur des ziels oder pletlein nicht gar feilet Mathesius Sarepta (1571) 21a; das mal ... ist ein ziel oder flecke Gueintz rechtschr. 100; haben alle ... die pfeil neben das blatt und zum zweck und ziel fehl verschossen Paracelsus oper. (1616) 1, 934a Hus. in den wörterbüchern wird ziel durch lat. scopus, signum wiedergegeben: scopus zil Diefenbach gl. 520a; Hulsius (1618) 283a; Decimator thes.; Kramer teutschital. 2, 1462a; Ludwig teutsch-engl. 2591; Frisch 2, 476a; Adelung 2 4, 1710. in den obd. mundartwörterbüchern: zum zil schieszen Schmeller-Fr. 2, 1114; zîl n. Schöpf 829; ältere belege bei H. Fischer 6, 1197; Meisinger Rappen. ma. 212a. lebende ziele oder in das ziel geratende tiere oder menschen:

si sezzent si (die einwohner) ze ir zil
und schizent dar zu Rolandslied 208 Wesle;

er schôz prîslîchen wol:
ouch gienc der walt wildes vol:
swâ daz gestuont an sîn zil
Hartmann v. Aue Iwein 3273;

er hat seinen bogen gespannen und mich dem pfeil zum ziel gesteckt (und satzt mich als ein zaichen z dem geschosz erste dt. bib. 9, 214; statuit me sagittae suae ut scopum) klagelied. Jer. 3, 12; hat mich im zum ziel aufgericht (een teken daer vele na schethen Köln. bib.) Hiob 16, 12; etliche stelleten ihre gefangene auf der abgehauenen bäume stöcke empor und lieszen ihre knaben nach ihnen mit pfeilen zum ziel schüszen Lohenstein Armin. 1, 60b; anscheinend hierher die übertragene redensart: eim s zil setzen es auf jem. abgesehen haben Hunziker 309;

zum hirten hat natur mich nicht gebildet,
rastlos musz ich (Tell) ein flüchtig ziel verfolgen
Schiller 14, 388 G. (Tell III 1).


am bilde der flugbahn, bezeichnet durch die verbindung zwischen kugel (bolz) und ziel, veranschaulicht das volk gefahr und ängstliche ungewiszheit und ratlosigkeit: inter sacrum et saxum er ist zwischen kogel und zil kommen Tappius adag. (1545) Kb; inter sacrum et saxum stare zwüschend thür und angel, zwüschend kugel und zil ston, in groszer angst seyn, die nit wüssend was sy thn söllend, die stond zwüschend dem opfer und altar Frisius dict. 1172a; er steht zwischen kugel und ziel Körte sprichw. 262; in derselben wendung liegt aber auch die vorstellung der kurzen flugdauer, so dasz sie den sinn 'eben noch rechtzeitig' ausdrückt: eben zwischen kugel und zile, ee sie zusam (1525) bei H. Fischer 6, 1197; dazu tritt der begriff groszer schnelligkeit:

rüst dich gar heimlich mit gefehr,
eh es dein anherr innen wehr,
dir kumb zwischen kugel und zil
H. Sachs 13, 317 K.;

als nun die drei teil hinüber waren und die Thurgeuer das vierteil auch morgens hinüber wolten, kompt Julius Cesar zwischen kugel und zil und überfelt sie in groszer eil S. Franck Germ. chron. (1539) 220b; anderseits kann damit auch ein zwischenfall, eine wendung in letzter sekunde angedeutet werden: dann, wie man im sprichwort sagt, vil zwischen kugel und zil mag underlaufen M. Eisengrün beschaid. erklärung (1568) 150b; es kompt viel zwischen boltz und ziel Petri d. Teutsch. weiszh. 2, Cc 1a; Neander d. sprichw. 12 Lat.; in anderer form: es hat ziel und boltz, ziel und boltz steht bei einander agitur salus, caput fortunae Aler dict. 2, 2248a. den zwang scharfen zielens deutet an: vom anstand bis zum zil sprichw.

[Bd. 31, Sp. 1044]


klugred. (1548) 135b, welches vom ersten msz spricht. freie objektswahl setzt ziel für angriff:

sie (die weiber) seind euch (flöhen) gar z listig viel,
sie richten auf euch alle ziel
Fischart flöhhatz 1264 ndr.


β) zielpunkt für stosz und wurf; in der tjost ist es der körper des gegners:

Assur schwindelt vor dem zil
Heinrich v. Neustadt Apollon. 18 883 Si.;

nach essen reyt man an die hetz
zu jagen, paitzen und zu letz
stieszen ihr etlich zu dem ziel,
ihr etlich trieben ritterspiel
mit laufen ...
H. Sachs 2, 264 K.,

oder auf einen zielgegenstand? die brust des gegners meint:

was soll das degenspiel?
hier ist das ziel!
Grabbe w. 1, 105 Bl.;

für einen steinwurf: lief eilend z, legte das zil Schaidenreiszer Odyssee 31b; ire kinder ben sy z einem fürgesteckten zil z werfen S. Franck weltb. (1534) 13b;

dort fliegt ein schwerer stein nach dem gesteckten ziele,
von starker hand beseelt, durch die zertrennte luft
Haller ged. 25 Hirzel;

vom kegelspiel: gebt mir die kugel und macht das ziel, das mahl Duez nomencl. (1652) 170; ebenso bildlich 1522 in flugschr. aus d. erst. jahr. d. reformat. (1907) 3, 6, 241; ziel beim stünzer- oder bohnenspiel: wer mit der kugel zunächst kommt, darf anfangen Martin-Lienhart 2, 902a; es wurde ... mit ringen nach dem ziel geworfen H. Seidel Leb. Hühnchen 40.
γ) in diesem vorstellungskreise haben sich eigene wendungen und redensarten ausgeprägt:

kriegsman, bist gsin in menger schlacht, ...
din leben was dir oft bim zil
N. Manuel totentanz str. 74 B.

das bild des pfeilschusses oder steinwurfs und auch des zielens wird gern auf nachrede, spott, nachstellung übertragen: fürsten und andere vortreffliche leute sein gleich zu einem zweck und ziel gestelt, darnach alle giftige zungen schieszen H. Rätel J. Curäi chron. Schles. 573; so verleiht Luther der bibelstelle Luk. 2, 34 ecce positus est hic in ruinam et in resurrectionem multorum in Israel et in signum, cui contradicetur leben und inhalt, wenn er das widersprechen mit dem schieszen nach einem lebenden ziel vergleicht: er ist eyn mal gesteckt datzu, das ihm alltzeyt widdersprochen wirt, gleychwie man den schutzen eyn tziell oder schieszmal steckt, das alle bogen und buchsen und steyn darauf gericht und getrieben werden 10, 1, 1, 399 W.; 393; auch von sich selbst sagt er es aus: der Luther ist das mal und zill des widersprechens, an dem mus sich iderman versuchen, ob er möcht ritter werden 18, 384 W. andere fälle: dis ist der zweck, schieszblat und zil, darnach alle gute ... christen ihre pfeil und augenmerck richten mssen Fischart binenk. 50b; er nahm sich ... leute zum ziele, auf die er seine pfeile abdrückte Rabener s. w. 1, 11; er (der mensch) ist ein ziehl, wornach der todt sein absehen nimmt J. V. Neiner tändlmarckt (1734) 1;

grosz ist, wer zu heilgem ziele
mit gerechtem wurfe trifft
Cl. Brentano ges. schr. 2, 37.

die ritterliche periode hatte dieses gebiet besonders angebaut; sie nahm ihre bilder aus den wettkämpfen; die beispiele, die das verb stoszen verwenden, sind in der hauptmasse dem abschnitt I 1 b γ zuzuweisen; jegliches streben findet darin ausdruck, vgl. z. b. für den liebesgenusz:

sie schuzzen beidiu an daz zil,
als ez was ûf gestôzen
Ulrich v. Türheim Trist. 540, 24 Massm.;

vür diu wîp stôze ich disiu zil
Wolfram Parz. 2, 25

nû wol her die wellen guot!
des wil i'n geben alsô vil,
daz ander küngîn ir zil
niht durfen für mich stôzen (keinen gröszern lohn versprechen) ders., Willehalm 165, 10;

weitere fälle s. DWB I 1 b γ. auch stecken und setzen werden in groszem umfange in übertragenen bildern verwendet, s.

[Bd. 31, Sp. 1045]


I 3 b α und 3 c α. die tätigkeit des auges im erfassen des ziels beschreibt Tauler pred. 9 Vett.; daran knüpfen sich bildliche wendungen: wenn sie einmal ein ziel in das auge gefaszt hatte O. Ludwig ges. schr. 2, 323; O. Jahn Mozart 2, 5; ein ziel im auge: den dienst des vaterlandes Moltke ges. schr. 1, 237; haben vor zil auf etwas zielen, bezielen Schmeller cimbr. 244a; er war ... das ziel von manchen schönen augen Stifter s. w. 3, 191.
stark ausgebildet ist die anwendung bildlicher ausdrücke für schusz und wurf nach einem ziel im geistigen bereich im sinne von 'das rechte treffen' oder 'verfehlen':

du hast gar nach zm zyl geschossen
Val. Boltz weltspieg. 1562 in schweiz. schausp. 2, 172 B.;

welcher ... z dem nechsten z dem zil schüsz im antwurt geben uff die frag ... Pauli schimpf 90 Ö.; welche mit ihrer meinung wol ein wenig näher zum zil schieszen Stumpf Schweizerchron. 699b; Chemnitz schwed. krieg 1, 2; Gottsched anmuth. gelehrs. 3, 130;

dem ist es zlützel, dem ists zvil
und schüszet keiner recht zum zil
H. R. Manuel weinspiel 1980 ndr.;

sie ... sagen, er könde nit irren, so er doch weit vom ziel geschossen hat Sleidanus red. 96 B.; wie etliche sehr weit vom ziel geschossen haben Schütz hist. rer. Pruss. 1, A 1b;

du thust ein feilschusz, weit vom ziel
Hayneccius Hans Pfriem 933 ndr.;

haben weit neben das ziel geschossen disc. d. mahl. 1, 4; sie hatten im blinden eifer immer über das ziel hinaus geschossen Eichendorf s. w. 3, 191; Jhering geist d. röm. rechts 2, 1, 26; allgem., auch mundartlich, s. H. Fischer 6, 1197; darum schieszen sie immer dem ziel ihrer wünsche vorbei Fr. L. Schröder dram. w. 1, 135; dasz die ... abhandlung ... an dem ziele vorbeigeschossen hatte Gutzkow ges. w. 5, 6; treffen wird teils mit dem akk., teils mit zu, selten in verbunden:

und alles recht also wilt blenden,
das sich die sach kan nymmer enden,
die allein durch dyn mtwil
nymmer treffen kan das zil
Murner narrenbeschw. 64 ndr.;

wer ihm vertraut,
stets auf ihn baut
und festiglich kan hoffen,
der hat das ziel
auf disem spiel (auf dieser welt)
zum allerbesten troffen
Rist himml. lied. (1643) 2, 119;

weil der ... mann ... das rechte ziel ... nicht getroffen hat Jung-Stilling w. 3, 7 Gr.; gar nahe zum ziel der warheit getroffen S. v. Birken ostländ. lorbeerh. 112; andere kunstrichter haben noch weniger zum ziele getroffen Lessing 6, 200 M.; 3, 162 (Nath. V 6); es trifft nicht zum ziel, wenn Ranke s. w. 30, 244; vermutungen ..., die nicht weit vom ziele treffen mochten Storm w. 6, 52;

dasz meistens ich gar wohlgetroffen in das ziel,
wann ich geglaubt eh nichts als etwa gar zu viel
Logau 650 E.

besonderes: im gleichen (habe ich angehängt) auch etliche sprichwörter der Araber, weil sie neben des Lokmans fabeln mit unserm Saadi nach einem ziel schieszen pers. rosenth. (1696) 111 Olearius; jem. zu gefallen lügen:

wem ein herr yetz übel wil,
die schieszent all der herren zil
Murner narrenbeschw. 274 ndr.;

bild des kegelspiels: nu lâz wir daz hie besten, ez ist genuog an daz zil gepolt d. h. meinungen sind genug vorgebracht worden Konrad v. Megenberg buch d. natur 197.
b) die als end- oder wendepunkt einer bahn aufgestellte stange, das steinmal oder irgendein gegenstand, bis zu dem oder um den herum sich ein wettlauf vollzieht; die freistätte, das mal bei bewegungsspielen, auch wohl beim sprung; auch das ziel einer wanderung.
α) das ziel des wettlaufs wird abgemessen:

ihnen ward von dem stande das ziel gemessen, und eilend
flogen sie alle mit einmal dahin durch die stäubende laufbahn
Voss Odyssee 132 B. (8, 121);

[Bd. 31, Sp. 1046]


oder es wird eine stange in die erde gestoszen (belege dieser nur mhd. verwendung s. b γ) oder gesteckt (belege I 3 c α), antike zeugnisse meinen eine steinerne zielsäule; neue zielbezeichnung durch ein zwischen zwei stangen gespanntes band (s. zielband). belege für ein wettrennen: Luther hält sich an der bibelstelle 1. Kor. 9, 24 οἱ ἐν σταδίω τρέχοντες, qui in stadio currunt eng an den wortlaut: die so in den schrancken laufen, was der Basler nachdruck von 1523 nach obd. wortwahl ändert in zm zil laufen, wie schon die erste dt. bib. 2, 84 übersetzt hatte: die do lauffent z dem zyl; qui vult spielen, rennen, laufen, der mus ihm das ziel aus den augen nicht lassen rennen Luther 34, 1, 154 W.; jouer aux barres nach dem ziel laufen Duez nomencl. (1652) 171;

man schosz, man lief, man fuhr, man ritte nach dem ziel
v. König ged. 53;

gleichnis vom wettrennen, rasch ums ziel, den hohen preis im auge Göthe 41, 1, 320 W.; wie die jünglinge ... nach dem ziel laufen Bettine Günd. 1, 47; sie (die knaben) rannten nach dem ziel, sprangen über ein rosz und schossen mit dem rohrpfeil nach der stange G. Freytag ges. w. 8, 26; ziel beim barlauf Martin-Lienhart 2, 902a; der als freistätte beim fangspiel vereinbarte platz H. Fischer 6, 1198; wettlauf und zielstosz vereinigt Oswald v. Wolkenstein:

ich lamermit jamer
nicht treffenkan das zil 16, 36 Sch.

antike wagenrennen schildern folgende belege:

und wie oftmals auf weitem plan
ein rennen wird gestellet an
mit zweyen pferden gar subtil,
die laufen sollen zu dem zil
Spreng Ilias 307a;

und wenn ihr wagen ohne fehl
mit heiszer achs zum ziel gelanget
Lessing 8, 13 M.;

wenn die räder rasselten
rad an rad rasch ums ziel weg
Göthe 2, 70 W.;

eure tempel lachten gleich pallästen,
euch verherrlichte das heldenspiel
an des Isthmus kronenreichen festen,
und die wagen donnerten zum ziel
Schiller 6, 24 G.;

buchungen: meta male, zyl Diefenbach gl. 359b; Venantius dict. (1595) H 3a; meta der ziel oder ende des renneplatzes nomencl. lat.-germ. (1634) 477; carceres das zil oder ort in einem rennplatz, da die rösser in schauwspilen an- oder auszlauffend Frisius 191a. wettlauf zwischen tieren: die schnecke und der hase haben einsmahls unterredung mit einander gepflogen, wer einander im gehen und das ziel zu erreichen, überlegen: sie setzen ... das mahl und ziel an einem bach Olearius Lokmans fab. nr. 21 in: pers. rosenthal (1654) 187. auf einen sprung deutet ein beleg mit übertragener verwendung: obgleich sie (worte) ihr ziel übersprangen Dahlmann gesch. d. franz. revol. 358.
β) auch das endziel, der endpunkt einer wanderung, fahrt oder seereise:

als in daz zil uf der vart
gestozen nach der verre wart,
do kamens an den stundin
da si Joseben fundin
Rudolf v. Ems weltchronik 7522;

da ... ward ir (der Israeliten) ziel verkeret, das aus 11 tagen 40 jar worden Luther 28, 512 W.;

des wandrers,
der ... auf zu der hütte sich sehnt,
zu dem ziele des tages, der stillen hirtlichen wohnung
Göthe 1, 281 W.;

schau hin! dort hebt sich Rheims mit seinen thürmen,
das ziel und ende deiner fahrt
Schiller 13, 277 G. (jungfrau v. Orl. III 9);

wir sind am ziel, hier ist das Rütli 14, 315 (Tell II 2);

wir sind am ziel unserer reise, wir haben die herrliche hauptstadt ... vor uns Brentano ges. schr. 5, 194; das ist ja das ziel unsrer wallfahrt A. v. Arnim w. 16, 342; Rückert w. 1, 19; G. Keller ges. w. 2, 135; unsicher lag das ziel vor dem wanderer in der dämmerung G. Freytag

[Bd. 31, Sp. 1047]


ges. w. 17, 177; Storm w. 1, 80; Moltke ges. schr. 1, 232;

wunderbar sind wir gekommen,
wunderbar zurückgeschwommen,
unser groszes ziel ist da!
schalle zu dem heiligen strande
losung dem gelobten lande:
Godofred und Solyma!
Göthe 2, 45 W.;

immer hatten die seefahrer irgend ein ziel vor augen Peschel völkerk. 225; 429.
γ) menschliches streben wird in bildern aus diesen bereichen anschaulich gemacht: daz waz ze verr von dem zil gerant (eine verfehlte meinung) Konrad v. Megenberg buch d. nat. 111;

wie mancher ist fürs zil geloffen,
da es der gänger basz hett troffen
Fischart ehzuchtb. 162 H.;

kamst eher noch zum ziel als andre zu den schranken
v. König ged. 2;

kein menschlicher verstand kann hier ein ziel ereilen
Brockes ird. vergnüg. 2, 7;

was darf sich denn die jugend viel
um das zu nah gesteckte ziel
des kurzen lebenslaufs beklagen?
Gottsched ged. (1751) 279;

in diese gefahr kann ich nicht kommen, weil wir beyde nicht nach einem ziele laufen Nicolai literaturbr. 5, 39;

denn ein gott hat
jedem seine bahn
vorgezeichnet,
die der glückliche
rasch zum freudigen
ziele rennt
Göthe 2, 61 W.;

das ziel musz man früher kennen als die bahn W. Weigand löffelstelze (1919) 52. Luther behält das bild der rennbahn, das Paulus Philipp. 3, 14 gebraucht (κατὰ σκοπὸν διώκω) und die vulgata unverändert läszt (scopum versus feror), bei: und (ich) jage nach dem furgesteckten ziel (unbeholfen die erste dt. bib. 2, 180: ich nachvolg dem vorgeordneten lon); nicht mehr so scharf Berthold v. Chiemsee: darumb hat Paulus zm aufgesetzten zyl geeylt 78 R.;

steht mir gleich die rennbahn offen,
schreckt mich doch das ferne ziel
Gottsched ged. (1751) 242;

der sammlet sich olympischen staub, dem ists sein höchster wunsch, ein ziel umzufahren Herder 3, 330 S.; wenn zwei gegner zufällig nach einem und demselben ziele hinsteuern Holtei erz. schr. 5, 51; so erreichte ich endlich etwelches fahrwasser, auf welchem ich ganz still dem ziele einer leidlichen arbeit zusteuerte G. Keller ges. w. 2, 26; wenn man vor einem ziele, das man kühn zu erreichen beschlosz, auf halbem wege stehn bleibt Gerstenberg rec. 48 lit.-denkm.; den geraden weg ... gehen, der sie gewisz zu einem ziele führen wird Knigge rom. m. leb. 2, 52;

wir wollen doch, wenn wir genug geklommen,
zur rechten zeit dem ziele näher kommen
Göthe 16, 171 W.;

auf schlimmem weg verfolget ihr diesz ziel
Schiller 12, 434 G. (Maria Stuart I 7);

im spiegel stiller ahndung schaut
mein geist der wallfahrt ziel
Salis ged. 42;

wer sich deiner (gottes) rühmen will,
musz auch an des kreutzes ziel
Neukirch ged. 75;

wie eben in christlicher gedankenwelt auch: wir gehen beyde einem letzten ziele (der besseren welt) entgegen Schiller br. 1, 11 Jon.;

dann wird die luft so sanft und leicht,
wenn ihr das rechte ziel erreicht,
und oben strahlt die krone
der ewiglichen wonne
S. Brunner erz. 1, 130;

auch im folgenden der siegespreis am ziel gedacht:

wenn ein frischer rittersmann die gesetzte göldne krohne
... nehmen wil ...,
musz er rennen, fechten, streiten, ehbevor er sie bekömmt
und vom ziel mit freuden langet
Neumark fortgepfl. lustw. 2, 10;

[Bd. 31, Sp. 1048]



zeig mir die laufbahn, wo an dem fernen ziel
die palme wehet
Klopstock od. 1, 97 M.-P.;

ist das die bahn, an deren bestäubtem ziel
der frische zweig olympischer palmen weht?
Stägemann kriegsgesänge 15;

der schlag mit der hand an die zielstange zum zeichen der beendigung des laufes schwebt vor, wenn die verben er-, begreifen auftreten: hat in d arbot dorgrift (ergriffen) den lesten zil hat in der kunst das letzte ziel erreicht Schmeller cimbr. 244a;

ob ich zu lützel oder zu vil
und nit begriffen het das zil pfarrer v. Kalenberg 2174 ndr.;

das ziel steht leuchtend vor augen:

mir stand vorm blick als letztes ziel
der doppelte triumph
Rückert w. 1, 53;

muthig schritt er vorwärts auf der bahn der ehre, Ida war das ziel, das ihm vorleuchtete Moltke ges. schr. 1, 84; an Kol. 2, 18: lasset euch niemand das ziel verrücken knüpft die vorstellung an, dasz ein anderer das ziel verrücken könne; daraus gespeist:

zwar es kan ein falscher wahn
die gedanken irrig machen
und gestecktes ziel
unverhoft verrücken
Knittel sinnensprüche 142;

o wann dir nicht der neid hierbey das ziel verrückt,
welch ein vollkommner sieg hätt uns daselbst beglückt
v. König ged. 10;

ebenso Lohenstein Armin. 1, e 3b; Göthe 13, 1, 306 W.; ähnlich in dichterischer sprache:

wan du nicht bei mir bist,
du meine sonn und zier,
musz ich zurücke wenden
mein ziel in schneller eil
Zesen verm. Helik. 1,

dichterische auffassung gibt dem ziel leben:

bisz ihn (Alexander)
sein ziel nach Babel rief
Kempe poesis triumph. (1676) 5.

ankunft am ziel: wan di sele Ihesu Christi ein creature ist di maze hait, daz ouch ein ander sel mochte cumen zu dem zile und zu dem lone der sele Ihesu Christi parad. anim. intellig. 34 Str.; Luther 10, 2, 385 W.; weitere fälle für die wendung zum ziel kommen s. III 4; ad metam pervenio ich erlang das ziel, das end, kumm zum end Er. Alberus n. dict. gen. 55a; (er) stehet ... am ziel bei O. Jahn Mozart 3, 369; nahe am ziele ... sein Ranke s. w. 40/41, 46. die höfische epik nutzt die ziel- und kampfvorstellung zu kraftvollen bildern aus und überträgt sie auf reale lebensgebiete und auch auf geistige bereiche:

stieze in diu sælde rehtiu zil,
si erwürben rîches lônes vil
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 5, 29;

er (gott) mac mir lachebæriu zil
wol stôzen nâch dem weinen 259, 28; 419, 16;

vgl. Parz. 9, 4. das adj. oder adv. hoch entsinnlicht oft die vorstellung, vgl.:

er stiez der ritterschefte zil
sô hô mit rechter manheit
Heinr. v. Freiberg Trist. 2006 Bernt;

dine hohe swebende flge
hant dinen mt so hohe braht,
ist der slden dir gedaht
das du gewahsest ze ainem man,
das niemannes gemte kan
mit hhe ergriffen dinú zil (dir nahekommen)
Rudolf v. Ems Wilh. v. Orlens 3289.

die weiterführende vergeistigung des begriffes ziel wird unt. I 3 dargestellt.
δ) den übergang zu einem reinen ortsbegriff, der sich in gruppe 2 einstellt, wenn die vorstellung des festsetzens verschwunden oder vergessen ist, können auch fälle, die noch zu 1 gehören, bilden; in ihnen tritt der begriff des strebens nach einem punkte, das 'ziel' streben zurück; vgl.: im abgrunde ist kein finden, denn es ist kein ort oder ziel (endpunkt), sondern nur der ungrund Jac. Böhme s. w. 6, 8 Schiebler;

[Bd. 31, Sp. 1049]


in der quellen klarer fluth
treibt kein fischlein mehr sein spiel,
jedes suchet, wo es ruht,
sein gewöhnlich ort und ziel
Brentano ges. schr. 5, 32;

ein widerhall vernahm es,
der trug von ziel zu ziel
es weiter
Rückert w. 1, 141;

das (land) anders ganz ist eingericht',
als wir die länder kennen;
das punkt für punkt und ziel um ziel
von jedem ist das widerspiel 3, 50.


2) grenzpunkt, auch grenzlinie, grenze, sogar bezirk, gebiet, ferner strecke, entfernung; über diese verschiebung der bedeutung s. u.
a) im grenzpunkt stoszen die interessen zweier parteien aufeinander, während bei der zielvorstellung (s. 1) eine partei der andern einen punkt bestimmt; im grenzpunkt und der grenzlinie finden die gegenbewegungen ihren vertraglichen abschlusz. dieser grundtatbestand und ursprungsvorgang verblaszt indessen, und die blosze vorstellung des endes einer bewegung oder ausdehnung an einem orte bleibt. mit dem zielbegriff von 1 sind noch einige beispiele verknüpft, z. b. der ort des stelldicheins:

war het min vrǒwe ir zil genomen,
da wir slint z ain ander komen?
Rudolf v. Ems Wilh. v. Orlens 8871;

auch noch für den merkpunkt, die marke am strande: daz auch daz wazzer sinbel sei, dez zaichen nem wir also: man setz ain zil (signum) an des meres ufer oder an daz gestat; und ge ain schif von dem zil. daz schif mag als verre in daz mere treten, daz aines menschen auge unden pei dem mastpaum daz zil an dem ufer oder an dem gestat niht gesehen mag, und die augen oben in der hhen des mastpaumes sehen daz selb zil wol Konrad v. Megenberg d. sphära 12 M.; eine merkstelle ähnlicher art erklärt sich mehr schon nach gruppe 2: die ander art der saitenspiel dyeselben haben nit schlüssel, aber bünde und sunst gewise zile oder gemercke, do man sicher griff mag haben Virdung musica Bb; ebenso: must du messen mit deinen füszen disz ander vermerckt ziel vom ersten stand bisz zum andern S. Münster cosmogr. (1628) 38.
α) markstein, landmarke als grenzpunkt; in den grenzbeschreibungen der weistümer, urkunden und anderer schriftsätze sind bergspitzen, bäume oder andere hervorstechende punkte als richtpunkte des grenzverlaufs gewählt; vgl.: die zil der vorgenanten güter die vohent an, do der Rotenbach entspringet, und als derselbe bach herabe flüszet in das alte Paris, und von demselben bach uf bis an den groszen stein uf der höchte des Künberges und ... bis an das steinerne brücklein obewendig des dorfes ze Urbeisz ... und denselben bach uf biz an den wiszen see (1318) Schöpflin Alsatia 2, 121; dü zil des hofes von M. dü vachen an in dem Reingbach und gand an den Grawen Stein in Sparren Rüti (Luzern 14. jahrh.) weist. 4, 376; zwischen den genannten zyln, dem steig und der Staig (1441) bei H. Fischer 6, 1198; die zill und march der finf gerichtsstäb in Pongei: erstlich angehebt auf dem Prunegg im Lueg auf der hech bei dem creiz und von demselben creiz nach dem gepirg hinein in die Friz gegen dem Mändl miten auf die pruggen, auch von derselben pruggen hinein über das gepirg an den Grindtegg und ... bisz auf den eiszeristen steg gegen Wagraihn (salzb. 17. jahrh.) österr. weist. 1, 194; die grenzbäume (s. zielbaum) tragen marken (lache, mhd. lâche, s. teil 6, 14): das sint die zil und die lachinan ze Schlchse (st. Blasien 1373) weist. 4, 498; alle lehen und gter, die in den vorgeschribenen zilen und lachinan ligent 499. in gebirgsgegenden werden auch marken aus steinen geschichtet oder wird ein markstein aufgerichtet, vgl.: zil m. spitz, kegelförmig, pyramidenförmig geschichtete steine Bacher Lusern 428; dessen gestalt beschreibt: alsdann so werden auf sie (die scheiter) gelegt allerley geschüb, ... erstmalen die gröste, darnach die mittelmäszige, zuletst die kleinste, und wird also die zusammenfgung (des röstofens) ... wie ein zil gestaltet Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 219; der stempfel ... sol rund sein und dreyer

[Bd. 31, Sp. 1050]


spannen lang, unden fünf quärfinger breit, oben drey quärfinger und ein halben. dann er sol geformiert sein wie ein zil, das oben auszgehauwen ist 316; nicht sicher auf den grenzstein zu beziehen bei Frisius: meta ein kegel und also gestaltet zyl, ein yetlich auszgespitzt ding, das unden breit und oben zgespitzt ist wie ein kegel dict. 818a; ziel markstein Hulsius (1618) 283a; zil und march, das untreue ziel bei Buck obd. flurnamenb. 2 307; ziel markstein und mal eines ackers Hulsius-Rav. (1616) 431a; das er die genannten zyl und stein halten soll clag, antwurt (Augsb. 1497) 78a. sichere fälle für mark-, grenzstein: zyll und gemärckh, wie und wa marckhen steen und geseczt werden sollen, gemacht (1556) bei H. Fischer 6, 1198; wölcher auch ain zil oder margstain sehe, der gevallen were oder vallen wölt, der sol es ofnen, darumb das dasselbig zil uffgericht werd (1586) ebda. der begriff grenz- und endpunkt liegt noch vor in folgenden bibelstellen: Ysaschar ein starcker esel, rent under den zilen (dafür setzt die vom md. beeinfluszte ausgabe Zainers 1475 czwischen den enden; Luther: wird sich lagern zwischen die grentzen; cubans inter duas sarcinas) erste dt. bib. 3, 215 1. Mos. 49, 14; von den jungsten zilen Egipt untz zu seinen auszersten enden (von den letzsten enden Egipti Zainer 1475, von einem ort Egypten bis ans andere Luther, ab una extremitate limitis usque ad alteram extremitatem eius) ebda 209 1. Mos. 47, 21; von den höchen der himel untz z iren zielen (vom einem ende des himmels zu dem andern Luther) ebda 1, 94 Matth. 24, 31; und hab die zile (ende 1475) bey dem gesaltzen mer ebda 4, 125 4. Mos. 34, 3; er ist auch in mark- und bergwerksbeschreibungen leicht erkenntlich: die end und zil sins hoff Österreicher Columella 2, 210; was ... des bischofs meinung, dasz ein ieglicher kilchherr ... möcht wüssen die zil und marchen des kilchspels Stretlinger chron. 36 Bächtold; welcher dem feldmesser die anstösz, grentzen, end, zil und marcksteyn des stucks, so zu messen, zeyge Sebiz feldbau 473; mit diesen zielen beschreibt der bergmeister die gerechtigkeit des herren Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 60; den genanten wald innert den nachbegriffnen zilen und marchen Tschudi chron. helv. 1, 53; ferner: in disen ziln sint elli gericht des gotzhus (Zürich 14. jahrh.) weist. 1, 4; und sol inernt der zilen nieman enkein wighaften bu buwen (Schwyz 1561) 4, 359; in dises landfridens zillen Hertzog chron. Alsat. (1592) 3, 4; und würdet er ... gesehen in den zilen und im deu stat verpoten ist Nürnberg. polizeiordn. 32 B.; wichtig ist die bedeutungsangabe grenze für den plur.: zieler und mârcha grenzlinie und grenzpfosten Bühler Davos 1, 242; zieler auch bei Joh. v. Müller schweiz. eidgenoss. 2, 447; so gehört auch noch hierher:

in den ziln und bi den tagin
do si herbergetin da,
Jacob der machte gote sa
da einin altere
Rudolf v. Ems weltchronik 6727;

ferner als eigens festgesetzte scheidepunkte:

daz her was komen ze bêder sît
ûf den grüenen anger wît
iewederhalp an sîniu zil
Wolfram Parz. 706, 3.

dasz der übersetzer der ersten dt. bibel 3, 285 2. Mos. 19, 23 noch die bedeutung grenzstein im sinn hat, folgt aus seinem plur. gegenüber dem sing. der vulgata: setze die zyle umb den perge (terminum pone), und Luther hält sie bis 1540 mit steck zeichen fest, während seine endgültige fassung mache ein gehege umb den berg die neue auffassung annimmt. in der md. sprachauffassung der Zainerbibel tritt diese in vers 21 schon 1475 zu tage, s. u. β. buchungen: ziel terminus Alberus n. dict. gen. Aa 1b; Decimator thes. (1608) 1348. eingerammte baumstämme als kennmarken der scheidelinie (der 'schranken') bei turnier und tjost gibt eine Parzivalstelle ausdrücklich an:

ûz beiden hern geselleschaft
mit rotte kom in hie und dort,
ieweder her an sînen ort,
dâ ir zil wâren gestôzen
mit gespiegelten ronen grôzen
Wolfram Parz. 690, 19;

[Bd. 31, Sp. 1051]



dâ was ouch turnierens zil:
guoter ritter kom dar vil
Hartmann v. Aue Erec 2356;

vgl. zilstat turnierplatz (unt. zielstatt 1); auf turnier weist auch:

sie liefen oder sprungen,
die alten zuo den jungen:
sô verre brach er in diu zil,
ir wære lützel oder vil,
daz man im prîses muoste jehen Biterolf 3387;

er haltet ouch gegen künigen wol sîn zil Wartburgkrieg in minnesing. 2, 4b v. d. Hag.;

Heinrich v. d. Türlin krone 13876. die grenzlinie, über die ein bursche den andern zu ziehen sucht, oder die linie, an der zwei kämpferreihen im nahkampf zusammengestoszen sind, ist gemeint in der redensart einem zum ziel stehn: collato pede praeliari streyten, da hand an hand oder mann an mann ist oder nach zhin trätten, eim wol z zil ston Frisius dict. 289a; übertragen:

ich hab daheimen ouch ein wyb,
es ist kein luchs uff erd so bschyb,
sy dörft im handtlich zum zil stan
H. R. Manuel weinspiel 1109 ndr.

die wendungen bei dem ziele liegen und sich zum ziel legen s. III 1.
β) die neue auffassung stellt sich bei grenzbestimmungen in den ziln, innert den zielen als die verbindungslinie zwischen den zielen ein und sucht nun einen eigenen ausdruck im sing. des wortes ziel selbst, ein abkürzendes verfahren, das noch deutlicher an anderen mitteln bei der zeitlichen verwendung von ziel im sinne von frist, aufschub (s. II 2 a) erkennbar wird. noch die bedeutung von α könnte in folgendem fall angenommen werden: deme folget das gehauen ertz mit dem gange billich, so weit sein zcil begreift (14. jahrh.) urkundenb. d. st. Freiberg 2, 373; auch noch für das zweite ziel des nachstehenden belegs: der erbestolle hat ouch daz recht, daz nymant tar in synem zcyle inslan, is sy vorbrochen feld ader unvorbrochen rase, von syme zcele bis an den lochstein 2, 287, wogegen der erste ausdruck, ebenso wie an der stelle: so sal itzlich erbe adir lehen sein wasser halten in seinem zele 2, 73, soviel wie umkreis, gebiet (s. u.) bedeutet. zunächst aber steht ziel für eine bestimmte strecke der grenzlinie, die grenze, wofür die wahl des verbums gehn spricht: in dem zile, das von dem obern tor gat unzit zem malitor zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 29, 296. so gilt ziel zunächst für eine grundstücksgrenze: in der greniczen und czil des burgerlehens (in metis lanei civium; Iglau 15. jahrh.) bei Jelinek wb. 991;

mit welchem (meszstab) ihr vermögt ein artlich hausz zu gründen,
der felder, wässer, stätt und länder ziehl zu finden
Opitz teutsch. poem. 234 ndr.;

vgl. Buck flurnamenb. 2 308. ferner für politische grenze:

an der ungeloubigen zil
was ein man lanc und groz väterbuch 7102 R.;

bis an der Tenen marke
ze berge biz an Walhen zil
hôhez lop erwarp er vil
Ulrich v. Eschenbach Wilh. v. Wenden 7681;

als úns dú warheit wiset des,
ist ouh der marche alda ein zil
Rudolf v. Ems weltchronik 2206;

vor im was die Pegnitz ein zil zwischen Wirtzburger bistumb und Eistet (Nürnb.) städtechron. 3, 71;

doch bindt sich dis nicht nur an teutscher gräntze zil
Lohenstein Armin. 1, e 2.

sodann bedeutet ziel eine scheidelinie, die nicht überschritten werden darf; die erste dt. bibel verwendet 2. Mos. 19, 21, wie 19, 23 (s. sp. 1050 u.), den plur.: das sy villeicht icht wellen ubergen die zil, ze sechen den heren 2, 285, seit Zainer 1475 erscheint hier der sing. das zil; dieser beherrscht die folgezeit im eigentlichen und übertragenen sinne der bibelstelle, begegnet aber auch schon bei Rudolf v. Ems:

mach in vor dem berge ein zil,
da nichtis nit uber sol gan,
ez mze den lib verlorn han weltchronik 11 535;

[Bd. 31, Sp. 1052]



darin (in gottes schwert) wirdt sich verschneiden,
wer guets verachten will,
die armen bringt in leiden
und schreit uber das zill volks- u. gesellschaftslied. d. 15. u. 16. jahrh. 60, 32 Kopp;

stateram ne transgrediaris trit nit über das zil S. Franck sprichw. (1545) 1, 74b; eim ein zil stecken, das er nit darüber fare Frisius dict. 224a; wann man in rechten schrancken bleibet und nit ausz der leisen und ubers ziel fähret Nigrinus anticalvinism. (1595) 177; ferner: man ... beschiet ieder parten ein zil, uber daz sü nüt getürstent wandeln noch gon, daz sü üt zsamene kement (Straszb. 1362) städtechron. 8, 123; also koment die wilden tiere dernoch nüt me für die gerten und für daz zil (ebda 1420) 9, 631; deutsch. sag. 2, 59; fluchtlinie: welcher im fur das zille, das die pauleut geben hetten ..., pauen liesz Tucher baumeisterb. d. st. Nürnb. 273 L. gröszeres masz hat die geographische grenze von sprüch. 8, 29 cum imponeret mari statutum suum do er umgab dem mere sein zil erste dt. bib. 8, 24, was Luther wiedergibt mit: da er dem meer das ziel setzet und den wassern; die nd. Halberst. bibel von 1522 gebraucht das klare wort ende: do he dem meere settede synen ende unde synen gangk; danach:

und dasz fürhin das meer in seiner gräntzen rand
verblieb, und dasz die erd sicher, unüberflossen,
hast du mit des gestads unverbrüchlichem band
und mit des ufers zihl solches wol einbeschlossen
Weckherlin ged. 1, 369 F.;

du hast dem meer sein ziel gesteckt
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 328a;

das meer wird selbst verdrängt, sein altes ziel entfernt,
wo manches schiff vergieng, wird reiches korn geerndt
Haller ged. 45 Hirzel;

der gestirnte himmel hat sein ziel Jac. Böhme von der menschwerdung Jesu Christi (1682) 24. buchungen: terminus ende, zill Diefenbach gl. 580a; termino, determino, terminum pono, finio ich setz das ziel Er. Alberus n. dict. gen. 55a; finitor der das ziel macht ebda; meta, terminus Frisch 2, 476a.
γ) hier fügt sich die bedeutung wehr eines baches oder flusses, die für Westfalen bezeugt ist, an: Benzler lex. d. deichbaus 2, 297; Krünitz 241, 305; Mothes baulex. 4, 510.
δ) zu 2 a α stellt sich ziel als endpunkt eines weges:

schweig! besinn 's! tritt ein in die nacht (der gruft)!
gesetzt ist
hier dem weg ein ziel
Jos. Weinheber späte krone (1936) 29;

die endspitze eines fadens oder das äuszerste ende eines gegenstandes bezeichnet das schweizer. dim. zilli Stalder 2, 474.
ε) die in sich geschlossene grenze, den umkreis drückt ziel aus in der bibelstelle Hiob 26, 10 decreto circinavit superficiem aquarum er umbgabe das zyl den wassern erste dt. bib. 7, 200, er hat umb das wasser ein ziel gesetzt Luther, he hefft termynen umme dat water ghemaket Köln. bib., dafür ende Zainer 1475 und die Halberst. bibel; auch: cum statueret ambitum in superficie abyssi da er die tiefen mit seim ziel verfasset (do er umbhalbt die abgrunde mit dem umbring erste dt. bib. 8, 24) sprüch. 8, 27. daran schlieszt sich:

der thierkreis steckt so wol der sonne nicht ein ziel,
als er ihr lusthaus ist, darinnen sich zu breiten
Lohenstein Sophonisbe widmung;

der handel hat ... entdeckt,
wie weit das runde ziel der erden sich erstreckt
Neukirch ged. 110;

determinant spatia aquilae die adler setzend inen selbs ein zil und kreisz, innert welchem sy fliegend Frisius dict. 402b; übertr. bei Luther: der rechte recht brauchen und in ihrem ziel und rinck behalten 30, 3, 247 W.; wieder eig.:

also Patrocli cörper zart
war hin und her getriben hart
in einem kleinen kraisz und zil
von mancherley kriegsleuten vil
Spreng Ilias 245b;

alum sechs mîle in daz lant,
swaz in dem zil geschiht (im umkreis von sechs meilen)
Wolfram Parz. 592, 5.

[Bd. 31, Sp. 1053]


daraus erwächst die vorstellung eines bezirks, bereichs und gebietes, vgl.:

maniger ouch enruhte,
daz er binnen des closters zil
solte bliben jare vil väterbuch 17 457; 33 990 R.;

der drier teil enkeinir
ist also smal, doch hat sin zil
isiln und sunder lande vil
Rudolf v. Ems weltchronik 2856;

do er quam in ebenez zil
zu disen, die er beten sach passional 652, 90 K. (oder zu I 3 b β?);

vier jaugert weid nemb wir ein zil,
da bauen wir hie einen saal
Ayrer dram. 1, 209 K.;

Plutonis hausz steht offen weyt
bey tag und nacht zu jeder zeit,
doch braucht es müh und arbeit vil,
das einer kom von disem zil
Spreng Ilias 109a;

Ascalon und Accaron mit iren zylen (cum terminis, mit irer zugehör Luther) erste dt. bib. 4, 340 richt. 1, 18; die räumliche ausdehnung wird durch adjektiva besonders hervorgehoben:

andre gietter vil,
schnuor stracks eben, ein weittes zil
Joh. Fizion chron. v. Reutling. 93 Bacm.;

der ecker findst ein langes zil 91.

unter anschlusz an die bedeutung fluchtlinie läszt sich der übergang zu folgenden stellen begreifen, in welchen das masz einer figur ausgedrückt wird: der anfang der schöpfung in verbo fiat hat diese welt als ein modell in sich geschlossen und das ziel gegründet Jac. Böhme viertzig fragen v. d. seelen urstand (1682) 124; (die knochenhaut) setzet den beinen (knochen) das ziel und figur, denn wenn es (das knochenhäutchen) beschädigt, entstehen gewächse, knoten, die caries oder zerfressung des beines v. Fleming teutsch. sold. 343.
ζ) wird der umkreis oder umfang gemessen, so ergibt sich der begriff eines längenmaszes, vgl.:

die gröst (pyramide) im umbkreis ein halb meil,
welcher rechnung in ihrem ziel
achthundert feunf und zwentzig schrit
Rebmann naturae magnalia (1620) 198;

hier spielt bei geraden strecken zum ersten mal auch der ausgangspunkt, der als anstand in der gruppe 1 vorausgesetzt wird, eine stärkere rolle, indem von ihm aus bis zum endpunkt, dem ziel im sinne von 1, gemessen wird. deutlich aber zeigt sich, dasz die bedeutung bahn, strecke, entfernung aus dem ursprünglichen gesamtbegriff ziel (in gruppe 1) erst nachträglich abgeleitet ist; ja sie braucht in den ersten drei der folgenden bibelstellen erst aus der bedeutung grenzpunkt entnommen und in sie hineingelegt zu werden: und er saczte ein zile des weges czwischen im und dem eydem dreyer tag erste dt. bib. 3, 143 1. Mos. 30, 36, aber Zainer 1475 druckt zile oder weyte, und Luther nimmt wie die vulgata (interposuit iter trium dierum) die streckenvorstellung auf: macht raum dreier tagereise weit; und zwischen euch und der arch wirt ein zil (spatium; raum Luther) zweier hundert elen ebda 4, 258 Jos. 3, 4; das antike stadienmasz (stadium) gibt ziel wieder: er masz die statt von dem guldin rore durch XIIM zile (dafür roszleúff oder gwandten Zainers ausgabe von 1475, er mas die stad mit dem rhor auf zwelf tausent feldwegs Luther) ebda 2, 524 offenb. 21, 16; ebenso ebda 506 offenb. 14, 20; in ein castell, daz do waz von Iherusalem in dem zile LX lauff bey namen Emaus (in der weit bey sechtzig gwandten 1475, waz bei dem zil von Iherusalem alz LX leuft cod. Teplens. und Fribergens., sechzig feldwegs weit Luther) ebda 1, 326 Luk. 24, 13; die (calvarienberge) man jetzund vil aufricht, mit iren zilen und masz oder weyten (entfernungen zwischen den einzelnen leidensstationen) geistl. strasz (1521) A 2a; doch gebraucht schon Wolfram v. Eschenbach ziel in der bedeutung strecke, entfernung:

dô er eine wîle von dan gereit,
wol nâch gein der mîle zil Parzival 122, 27.

[Bd. 31, Sp. 1054]



b) einige sonderbedeutungen ergeben sich in fach- und berufssprachen.
α) ziel führt H. Fischer 6, 1198 aus seinem fränk. gebiet als benennung des kleinen hölzernen pflocks, den im märz jede hopfenpflanze und rebe bekommt, an; offenbar als marke (s. 2 a α); zieler kleine pfähle bei frischgelegten weinreben (hohenlohisch) journ. v. u. f. Deutschl. (1788) 7, 55; Klein 2, 246.
β) aus 2 a ζ folgt ziel als teil eines längenmaszes: er (der werschuh, ein masz) wird gleich wie der Römern in zwölf ziel getheilt Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 59.
γ) ein anderer teil ist: ziel kapitel eines biblischen buches Götze frühnhd. gloss. 2 236b.
δ) zu- und abgemessen wie ein scheidepunkt und eine grenz- oder trennungslinie wird die tagesaufgabe der spinnerinnen und weber: s ziel musz noch gesponnen, fertig sein, bevor die spinnerin etwas anderes macht H. Fischer 6, 1198; in der sprache der lausitzischen weber als mask.: hast n ziel no ne? ich hob n ziel Müller-Fraureuth 2, 704b; zugewiesen wird das zîl der anteil an speisen (um weihnachten und ostern), welchen die dienstboten mitnehmen und ihren angehörigen überbringen dürfen Schöpf 829.
3) aus den bedeutungen von 1 und 2 wird die verwendung von ziel auszerhalb der sphäre des wettkampfs, der wanderung und reise, besonders aber im geistigen bereich gespeist.
a) das bild des zielpunktes, wobei das wort zielpunkt (s. d.) selbst in wettbewerb tritt, und des standortes des zielenden schwebt vor: vom anstand bisz zum zil S. Franck sprichw. (1545) 1, 1a, doch auf einen vorgang bezogen, wie die parallele wendung von anfang bisz zum end erkennen läszt; vielleicht hierher:

nu gibe der warheit schiere ein zil,
ob du vor mir genesen wilt
Ulrich v. Türheim Tristan 510, 12 Massm.

hierbei stellt sich der sinn 'masz' (s. 3 b α) ein: dessen allen war ursach, dasz man das in äuszerlicher witze und kunst gesuchet, und nicht am rechten ziel Jac. Böhme s. w. 6, 211 Schiebler;

im küssen trifft ein mensch nicht gleich das rechte ziel,
je mehr man hat geküst, je mehr man küssen will
Lohenstein bei Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 2, 112;

die jugend ist zu schüchtern allzu oft,
das alter dann gewöhnlich zu verwegen,
doch wer in beiden maasz und ziel nur trifft,
wird auch des rechten zieles nicht verfehlen
Tieck schr. 2, 97;

die laufbahn gibt das bild her: der gottlosen seelen haben im ziel ihr bildnisz verloren, denn sie sind in ein ziel eingegangen, und das ziel ist das ende des bildnisz Jac. Böhme s. w. 6, 88 Schiebler;

und wanke ...
entgegen meinem ziele, meinem grabe
Chamisso w. 3, 3;

er war am ziele seiner heldenlaufbahn Ranke s. w. 2, 273. das äuszerste, der gipfel, die vollendung, krone, höhepunkt:

erhör ich umb mich her vil vögelein süsz singen,
und mit den stimlein klar uns zu bekennen zwingen,
das keines menschen stim, wind- oder saitenspihl
erraichen kan, wie sie, der besten musik zihl
Weckherlin ged. 2, 372 F.;

reich hat die sprache der mhd. höfischen epik diesen gebrauch, in dem ziel den begriff des abhängigen substantivs steigert, ausgebildet, vgl.:

dô saz diu maget an vreuden zil (in groszer freude)
Wolfram v. Eschenbach Parz. 190, 18; 272, 14;

er (der schild) ist zer werlte sunder wân
ein hôchgemezzen vreuden zil Winsbeke 17, 7 H.;

valsches slôz, untriuwen zil
daz was der heiden
Wirnt v. Gravenberg Wigal. 7625; 9238;

Heinrich v. Neustadt gott. zuk. 7857 Si.; des wunsches zil das höchste, schönste, was man wünschen kann, vgl.:

si was gar ob dem wunsches zil
Wolfram Parz. 102, 30;

[Bd. 31, Sp. 1055]


Ulrich v. Eschenbach Alexand. 4023; verschieden davon die nhd. verbindung das ziel seiner wünsche (s. c β). nahe steht der begriff vollendet, vollständig, ausgebildet:

er enhete der jâr doch niht sô vil,
diu reichent gein des bartes zil (zu einem ordentlichen bart)
Wolfram Willeh. 271, 2;

sich umbgewendt, gegangen fort,
in maszen dasz mir kaum so vil
zeit hat gebürt zum gruszes zil (zu einem ordentlichen grusz)
D. Federmann sechs triumph (1578) 54;

dô erwarp im swîgen sünden zil (grosze sünde)
Wolfram Parz. 316, 23.

bisweilen schwebt auch der sinn abschlusz, ende vor, wenngleich die mehrzahl der beispiele dem vorstellungskreis der grenze zugehört (s. ob. 2 a):

swer dem bade volgen wil,
der wirt gesetzet an daz zil (seines vermögens),
er habe wênic oder vil der Wiener meerfahrt 63;

in diesen zusammenhang können auch gezogen werden die stellen:

von Provenze in tiuschiu lant
diu rehten mære uns sint gesant
und dirre âventiure endes zil (das ende dieser geschichte)
Wolfram Parz. 827, 11;

hie hâte ein zil (ende) daz brievelîn Konstanzer minnelehre 1528;

vgl.: das zil und end eins jeden dings terminus Maaler 522a. zielpunkt als briefanschrift: so dasz beide briefe ihr ziel nicht erreichten A. v. Arnim w. 9, 36. den siegespreis und -lohn am ziel bezeichnet der genitiv:

unser herr sprach: es kompt der tag,
das ich usz Davides künnen wil
ain zwy erkiken, das der zil
der rechtikait behalte,
und richsne mit gewalte
Mone schausp. d. mittelalt. 1 149;

die gekerkerten sind am ziele ihrer freiheit Gerstenberg Ugolino 260 lit.-denkm.; der name Walsing wird ein ziel des segens bleiben und eine zuflucht der unglücklichen Iffland theatr. w. 3, 289. gewöhnlicher wird der siegespreis eines realen kampfes vom verbum abhängig gemacht oder in einer präpositionalen fügung ausgedrückt:

so bleib ich hier und streite fort um sie,
bisz dasz die fehd ihr rechtes ziel gewinnt
Bürger 154a Bohtz;

dem heldenmuth der kaiserschaaren
soll sich der durst nach beute paaren,
und allen sei das ziel gestellt:
des gegenkaisers reiches zelt
Göthe 15, 267 W. (Faust 10 527);

heldengeister, schaar der ehren!
seht, wir grüszen euch am ziel
Cl. Brentano ges. schr. 2, 34;

zielpunkt, zielscheibe: das ziel des neides ihrer mitbürger Haller Alfred 164;

Niobe, dem schweren
zorn der himmlischen ein ziel
Schiller 11, 395 G.;

er war das ziel vieler spöttereien Tieck schr. 5, 435; das ziel allgemeiner gespräche Caroline 1, 58; Rückert ges. poet. w. 1, 62. zielpunkt von kampfhandlungen, der ort, welcher bei einem angriff erreicht werden soll: bei französischen angriffen mit groszen zielen kriegsdepesch. vom 16. 5. 1915.
b) der vorstellung grenzpunkt, -linie, grenze und gebiet, umkreis entspringt eine anzahl bilder, welche, oft in verbindung mit synonymen von ziel, beschränkung oder masz ausdrücken.
α) räumliche und zeitliche (s. II) grenze lassen sich in den belegen nicht immer reinlich von einander sondern; manchmal sind beide gemeint:

gar mancher steht lebendig hier,
den euer vater noch zuletzt
der heiszen fieberwuth entrisz,
als er der seuche ziel gesetzt
Göthe 14, 53 W. (Faust 1000).

der ausdehnung wird eine schranke gesetzt: es läst sich der ehrsucht nicht so leicht ein ziel als ländern ein gräntzstein setzen Lohenstein Armin. 1, 6b; aus diesem beleg erhellt deutlich die herkunft der wendung ein ziel setzen von

[Bd. 31, Sp. 1056]


dem brauch, einen grenz- oder markstein in die erde zu graben, ihn einzusetzen: seiner macht ziel und schranken setzen M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 3, 216;

die wollust ist vergönnt, wenn man ein ziel ihr setzt
Lohenstein Ibrahim sult. 10;

allem eigenen forschen wäre auf diese weise ein ziel gesetzt Gerstenberg schlesw. lit.-br. 301 lit.-denkm.; was tugend ist, hat keine grenze, ... wir können ihm kein ziel setzen Bettine Günderode 2, 162; das ziel des strebens und handelns ist zu ergänzen:

denk nicht in deiner drangsalshitze,
dasz du von gott verlassen seyst
und dasz gott der im schosze sitze,
der sich mit stetem glükke speist.
die folgezeit verändert viel
und setzet jeglichem sein ziel
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald 1, 30;

sintemahl gott ihm (dem Türken) ... ein ziel gesetzet J. Prätorius anthropodem. pluton. 3, 251. die beiden letzten fälle gehn auf bibelworte zurück, s. ob. 2 a β; diese setzt unmittelbar fort: got hat aim yeden mensche sein zile gesetzt, das der mensch nit übergeen mag Albrecht v. Eyb spieg. d. sitt. (1511) K 6b. die verbindung ein ziel setzen geht durch die kanzleisprache auch in die mundarten ein: zil setzen wie masz geben, vgl. unzilsetzlich wie unmaszgeblich Schmeller-Fr. 2, 1113; einem (sich) ein zil setzen H. Fischer 6, 1198; wörterbücher: definire grentze und ziel setzen Bas. Faber (1587) 322a; ziel setzen metam finemque constituere, terminum parare Stieler 2617; Kramer teutsch-ital. 2, 1462a; ein ziel setzen finem stauere rei, terminos constituere rei Frisch 2, 476a. sehr geläufig ist der zusatz von masz, belege s. 3 b γ. weniger häufig erscheint setzen mit ziel 'zielpunkt' verbunden, s. DWB I 3 c α. in beiden grundanwendungen von ziel ist die fügung das (ein) ziel stecken zu hause, indem sie sowohl einen ziel- (s. I 1) wie einen grenzpfahl (s. I 2) in die erde stecken bedeutet; der gebrauch der ersten anwendung im geistigen bereich wird unt. I 3 c α abgehandelt. für die zweite folgen die beispiele hier: damit er ... der weltlichen gewalt eyn zill steckt Luther 11, 266 W.; irem bracht ein zil stecken sprichw. klugred. (1548) 132a; dann ihm (dem teufel) gott verhenckt, das ziel steckt und die masz fürschreibt Nigrinus zäuber. 278; S. Dach 709 Ö.;

doch weil der eitelkeit ein enges ziel gesteckt
Lohenstein Armin. 1, d 4;

und so wird ihre flucht umsäumet
und ihrem fusz das ziel gesteckt
Pietsch geb. schr. 160;

eine ausgebildete technik ... steckt der dramatischen poesie ... ziel und grenze ab G. Freytag ges. w. 14, 5; selten dafür stellen: darauf wil ... s. Petrus keyn regel, mas oder ziel stellen Luther 14, 20 W.; oder geben:

alhie gebe ich hute ein zil
alles ungelouben kraft passional 263, 88 K.;

auch weisen: die wollen gotte das zil weisen, zeit und masze legen Luther 18, 519 W. aber sehr geläufig, an die bibelstellen oben angelehnt, wendungen für den begriff 'übertreten, überschreiten':

also schiet got uz die clien
des vleisches an Marien,
wen sie daz zil ubertrat
unser naturen in der stat,
do sie den gotes sun entpflenc
Heinrich v. Hesler apokalypse 3255;

der mensch ... ubertritt das zyl menschlicher ordnung Berthold v. Chiemsee 214 R.; wo ditz tzil wird ubergangen Luther 6, 246 W.; wann sie das zil irer blödikait übertretten Steinhöwel de clar. mul. 64 D.; dasz ich ... das ziel der höflichkeit ... habe überschritten Rist friedejauchz. Teutschl. (1653) 147; damit sy nit über das zil der gten hauszhaltung trätte Frisius dict. 226a; demnach sie ... das ziele der bescheidenheit ubertroffen (haben) D. Federmann Niderlands beschreib. (1581) 138; doch musz das misztrauen nicht über sein ziel getrieben werden Lessing 2, 307 M.;

[Bd. 31, Sp. 1057]


nun ist gewalts so viel,
sie gehet für alle ziel
Petri d. Teutsch. weiszheit 2, Qq 6a;

alsdann gehts über ziel und schnur,
das herz möcht sich zerspalten
Spee trutznachtigall 16 Balke;

wie oben durch synonyme verdeutlicht: da ... die Normänner kein ziel und schranken mehr hielten M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 2, 238; weder ziel noch gränzlinie kennen Matthisson schr. 3, 199; treu und ergeben ... ohne schranken noch ziel G. Keller ges. w. 4, 64. verneintes ziel in der bedeutung grenze s. DWB I 3 b δ. in der klaren bedeutung grenze vgl. noch: ob sie (die seele) tausend meilen führe, so wäre sie doch auf dem orte, da sie ausgefahren, denn in gott ist kein ziel Jac. Böhme s. w. 6, 90 Schiebler;

denn wer ergründet, herr, doch deines geistes ziel?
Neukirch ged. 221;

circumscripte dicere sein red innert gewüsznen zilen behalten Frisius 226b; die termin und zile der poesi D. Federman sechs triumph (1578) vorr. 4a. — einigemal gewinnt ziel auch die bedeutung bereich, gebiet, umkreis:

dâ gienc ez ûz der vreuden zil
Wolfram Parz. 105, 4;

aus dem zil edler höfligkeit geschritten Butschky hochd. kanz. 56.
β) als bloszen stilistischen schmuck verwendet Wolfram ziel im sinne eines begrifflichen rahmens für den vorstellungsinhalt der durch ziel bestimmten substantive; anknüpfung an die in I 2 ausgebildet auftretende vorstellung eines gebietes, bezirks oder bereichs scheint diesem sprachgebrauch am nächsten zu kommen:

slegels urkünde
lac dâ âne mâze vil,
suln grôze ronen sîn slegels zil (eine art von schlegeln sein) Parz. 180, 14;

diu (königin Sekundille) hete in ir rîche
harte unlougenlîche
von alter dar der liute vil
mit verkêrtem antlitzes zil (mit entstelltem antlitz):
si truogen vremdiu wilden mâl 519, 8;

solde ich si alle nennen ...
liute und lant mit namen zil 319, 19;

abgewandelt durch Rudolf v. Ems:

die nu daz zil der welte (das was welt heiszt) treit Barlaam 80, 20.

mehr nachdruck besitzt ziel in einem anderen mhd. und über diese periode hinaus lebenden sprachgebrauch, der den raum- in einen artbegriff umwandelt. vorbereitet ist dieser begriff in dem stammgleichen ahd. schwachen fem. zila, das neben der bedeutung studium, eifer, streben (s. ob.) auch die bedeutung genus, art aufweist, vgl.: in demo einin apostole (Petrus) ... gahwe dera zilun was bauhnenti (utrumque genus significandum fuit) Monseer fragm. 39, 16 H.; mhd. und spätere fälle:

ez brach niht wîplîchiu zil
Wolfram Parz. 192, 2;

der rinc wart bî der schœnen naht
gemezzen unde vor bedâht
wol nâch rîlîchen ziln 775, 23;

klarer tritt der zielbegriff als bestimmung hervor:

also musz menschlich natur
weychen göttlichem will,
dann die jungkfrau schwanger war
wider natürlich zil
Joh. Horn (1560) bei
Wackernagel kirchenlied 3, 351.

bei einer handlung stellt sich der sinn 'verfahren' ein:

daz man die balde hînge
oder sie slûge âne rehtes zil
Eilhart v. Oberg 997 L.;

wenn am besten steht das spiel,
ist aufhören das rechte ziel
Binder 185;

zu geschehnissen und vorgängen paszt die übersetzung lage oder gang, lauf, auch fügung:

du bis nu billich starker vil,
dan du souldes syn in sulcher tzil (lage) pilgerfahrt d. träum. mönchs 4698 M.;

Julianus ... ward do von gelúcks zil (nach fügung des schicksals) keyser d. heil. leb. summerteil 70;

[Bd. 31, Sp. 1058]


der kiel der gie in snellem zil Wartburgkrieg in minnesing. 2, 18a v. d. Hag.

wie oben wîplîchiu zil auch in eines diebes zil wie ein dieb:

so müeze ich nu erstochen werden in eines diebes zil 2, 6a;

ähnlich in der katzen zil wie katzen ebda.
γ) anders als die in β dargestellte verwendung, welche völlig abgestorben ist, hat sich die bedeutung masz, die sich an α anschlieszt, kräftig entfaltet. der begriff schranke, grenze von α schwebt noch vor:

küszt und trinkt nicht allzuviel;
jede wollust hat ihr ziel;
lernt euch selbst besiegen
Cronegk schr. (1766) 2, 286;

die verknüpfung mit der maszvorstellung erzielt das adj. recht: zu wenig oder zu viel ist kein rechtes ziel P. Kentz güld. handwerksbod. (1629) 177; ein dukaten ist zu viel, a zehnerl, a zwanzgerl steht im rechten ziel Hartmann spiele in Bayern 11;

zehn dukat' ist viel zu viel,
eine mark ist das rechte ziel fastnachtsvers bei
H. Fischer 6, 1198;

ein dutzend thaler wär nicht zu viel,
zwei dutzend wär das rechte ziel
E. Baumeister zimmermannssprüche 69;

s. auch Binder 185 (zit. ob. 3 b β); hierher auch: er hat das rechte zilli (das rechte mittel) getroffen Stalder 2, 474. mitten in den begriff masz führt die besondere nennung des maszes oder messens selbst: des menschens gerechtikait hat z iglicher zeit ir gemessen zyl, wo sy dasselb zyl erraicht, alsdenn wirt sy geacht für gngsam und volkommen Berth. v. Chiemsee 38 R. belege:

in deiner (gottes) hand so steht das zil,
zu helfen durch weng wie durch vil
H. Sachs 1, 235 K.;

keinr thu zu wenig noch zuviel,
ein jeder bleib bey seinem ziel
Er. Alberus fabeln 138 ndr.

in verbindung mit präpositionen: alles mit masz und ziel Deinhardstein ges. dram. w. 1, 31; häufiger ist über:

die nagel waren uber zil (übertief)
getriben in dez cruces bogen,
mit noten worden sie uzgezogen
Heinrich v. Neustadt gott. zukunft 3326 Si.;

swer in (den wein) trinket uber daz zil
und kein maze haben wil,
daz ist der sele unheil der Wiener meerfahrt 664;

dann Lucretia das fromm wyblich bild
ward zwungen, drungen ganz unmilt
und wider iren willen übers zyl schweiz. schauspiele d. 16. jahrh. 3, 16 B.;

gott läst nichts übers ziel wachsen Lehman flor. pol. (1662) 1, 375;

mir schien sie stolz, weit über ziel und masz
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 103;

treten über in älterer sprache, wovon hierher etwa ein beleg wie:

du bist getreten ubers ziel
und hast der speisz gfressen zuviel
Er. Alberus fabeln 163 ndr.;

ich hab getretten ubers ziel
und hab des dings zuviel gemacht ebda 51;

weitere belege für treten über s. teil 11, 1, 2, 228; andere bewahren den begriff grenze besser (s. ob. 3 b α): wir aber rhmen uns nicht uber das ziel, sondern nur nach dem ziel der regel, damit uns gott abgemessen hat das ziel, zu gelangen auch bis an euch 2. Kor. 10, 13; am häufigsten ohne:

der gottlos helt sie (tochter Zion) ohne ziel
zum affenwerk und fasnachtspiel
Sim. Dach 172 Ö.;

het an seiner landherren vil
mordes gestiftet ane zyl
H. Sachs 2, 95 K.;

spahrt sie gerne viel,
so seuft er ohne ziel
Gabr. Voigtländer od. u. lied. (1642) 45;

als ... der tribun ohne ziel mit grausamen strafen wüthete Niebuhr röm. gesch. 2, 207, wo auch der sinn ohne ende, in einem fort möglich ist; weitere belege s. unt. II 1 a δ. ein

[Bd. 31, Sp. 1059]


anderes mittel, den begriff ziel der maszvorstellung ein- oder unterzuordnen, besteht in der zusammenstellung zu einer gruppe; diese enthält die wörter masz und ziel; von verben erscheinen setzen, geben, halten, beobachten, haben, kennen, wissen; mit dem verbum setzen hält sich das bild des grenzsteins frisch, und daher bewahrt sich in diesem falle der begriff der grenze noch eine gewisse selbständigkeit:

ihm ist gesetzet masz und ziel,
was ihm soll werden und nit mehr
H. Sachs 5, 99 K.;

setz auch eines jeden plage ihr bestimmtes maasz
und ziel
Benj. Schmolcke schr. (1740) 1, 29;

ein schöner früling setzt dem winter ziel und maasz
Chr. Warnecke poet. vers. 381;

euch ist kein maasz und ziel gesetzt
Göthe 14, 84 W. (Faust 1760);

Schleiermacher II 4, 34; Hebbel I 4, 154 W.;

(du gott) gabst dem unfall masz und ziel
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 356b;

disser spruch 'du sollt keyne götter haben' ist ... der heubtspruch, das mas und das zil, darnach sich zihen, lenken und messen sollen alle wort Luther 18, 69 W.; Endinger judenspiel 154 ndr.;

o kaiserliches here,
halt christlich masz und zil,
nicht zutrink oder schwere bei
Liliencron histor. volkslied. 4, 53;

H. Sachs 22, 378 K.-G.; ders., fastnachtssp. 1, 67 ndr.; masz und ziel halten Kramer teutsch-ital. 2, 1462a; dasz diese eigenschaften ... ihr ziel und masz haben Bodmer abh. v. d. wund. 16; maasz und ziel hierin ... beobachten Adelung mag. f. d. deutsche sprache 2, 2, 33; masz und ziel (der belehrung) ist dir nicht verborgen Göthe 24, 256 W.; finem et modum transire uberschreiten ziel und masz Bas. Faber thes. (1587) 281a. der menschlichen schwäche als einer stets beobachteten anlage geht die grosze zahl verneinter fälle parallel: (Philine) kannte weder masz noch ziel Göthe 25, 266 W.; dasz sie (eine freundschaftliche verbindung) ... kein masz noch ziel mehr wisse Fr. H. Jacobi w. 1, 64; kein masz und kein ziel kennen sich nicht zu mäszigen verstehen Schöpf 829; kain masz und kain zil haben Schmeller-Fr. 2, 1113; der hat kein masz noch zil H. Fischer 6, 1198; sonst:

es geht zurück
mit diesem edeln haus. — kein masz noch ziel!
Schiller 12, 164 G. (Piccol. IV 5);

Wolfh. Spangenberg ausgew. dicht. 150 Mart.; abhängig von der präpos. ohne: darumb mag er (der freie wille) uberal frey umbfliegen on all zyl und mas Berth. v. Chiemsee 294 R.;

dieweyl sich die gottlose rott
nemt uberhand on masz und zil
H. Sachs 18, 56 K.-G.;

Göthe 9, 249 W.; aoni maos on zil maszlos Christa wb. d. Trier. ma. 224a. weitere verwandte begriffe treten hinzu: er solle ... gotts gnaden nicht stet noch ziel, noch zeyt, noch mas, noch person, noch verdienst setzen Luther 19, 204 W.; es wird derjenige ein verschwender genennet, welcher im geldverthun weder zeit, ziel noch maasz gebrauchet v. Hohberg georg. cur. auct. 3, 1, 11a; die liebe schreibt mir vor gesetze, maas und ziel schausp. engl. comöd. 84 Creiz.; jedoch hat alles seine zeit, ziel, masz und gewicht Thomasius ged. u. erinn. 1, vorr. 4;

denn meine feder hält nicht regel, maasz noch ziel
Neukirch ged. 188;

wenn maasz, ziel und verhältnisz nicht in der seele des dichters ist Lenz ges. schr. 2, 339 Tieck. einige ältere sonderfälle berühren die maszvorstellung, stehn aber noch näher bei dem begriff grenze, schranke:

Adame tet er undertan gar wilde und zam biz uf ein zil:
ein obez daz du soldest miden dur solh ungemach
bruder Wernher in minnesing. 2, 227a v. d. H.;

trahekeit hatte ziel sich zu pynigen
und auch mich zu hindern pilgerfahrt d. träum. mönchs 8818 B. (Berleburg. hs.),

wovon die Kölner hs. folgende fassung bietet:

traicheit en dorfte sich neit underwynden
mich zo halden vor noch hynden 8772f. M.

[Bd. 31, Sp. 1060]


dagegen liegt die vorstellung des maszes rein vor:

der welte unstætekeit ist vil.
niemen kan an halbez zil
gemezzen der werlde unstæte grôz
Rudolf v. Ems Barlaam 11, 2 Pf.;

ei schneid sie (die ohren) im ab zu halben zil,
er hat ir dennoch mer dann zu vil fastnachtspiele 188 K.


δ) zur bedeutung grenze, schranke, ende führt die verbindung kein ziel zurück: der gnade enist kein zil gegebin paradis. anim. intellig. 134 Str.;

dasz er beschwert werd mit dem zoll
uber d gbühr, wie sonsten wol
an andern orthen gschicht gar vil,
da des berupfens ist kein zil
Marx Mangold markschiffergespräch v. d. Frankfurt. mess (1596) 104;

gottes hand zu helfen hat kein ziel Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. Db, nr. 12;

er wuszte seines grams kein ziel
Kretschmann s. w. 6, 327;

der tyranney, der härte wird kein ziel
Schiller 12, 405 (Maria Stuart I 2); 14, 297 G.;

beschränkung, festsetzung, bestimmung:

bei üns in darf (dorf) hàts kaen zil,
tuət ən iədər hin worə will bei
Schmeller-Fr. 2, 1113;

es, das hat kain zil darüber ist nichts beschränkendes festgesetzt ebda. das verneinte ziel nimmt leicht die bedeutung unendliche, übermäszige menge an:

des volkes menje âne zil Elisabeth 9328 R.;

de schepe drogen ane til
der werlde gudes so vil nd. Brandan 560 Sch.;

im landt Phönicia ohn zil
hett er ligender gter vil
Spreng Ilias 10a;

ebenso bei kein ziel: fleisch hat kain zil es ist überflusz an fleisch Schmeller-Fr. 2, 1113; verdeutlichend tritt zahl hinzu:

der gten lon ist so vil
uber zal und uber zil
Heinrich v. Neustadt gott. zukunft 7773 Si.;

denn bey dir ist der gnaden viel,
erlösung auch on zahl und ziel
Dav. Lang bei
Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 184;

was hilft es, das gemähld, gesang,
die zahl und maasz wol zu verstehen,
der sternen lauf, der welt fortgang
und alle länder zu besehen,
wan in sich selbs mein hertz, verblindet,
kein zihl, maasz, zahl noch regul findet?
Weckherlin ged. 1, 183 F.;

bei zählbaren wesen stellt sich der sinn unzählig viel ein; dahin führt:

ir ist mit zal also vil,
das dy zal ist uber zill (unnennbar grosz)
Heinrich v. Neustadt Apollon. 3017 Si.;

so nun:

die Christum sahen, der waz vil:
den dauf enpfingen sie ane zil ders., gottes zukunft 4925 Si.;

ich zeuch hner und gäns ohn zil
H. Sachs 17, 259; 14, 11 K.-G.;

zudem hab ich noch one ziel
uber disz heimlich leiden
verfolger und miszgönner viel
Ringwaldt handbüchlein B 1b; laut. wahrh. (1598) 101;

Spreng Ilias 89b; dieselbe bedeutung auch in der verbindung kein ziel:

der schöpplein wird kein ziel
Mörike ges. schr. (1905) 1, 71;

aber einigemal besitzt sogar das unverneinte ziel die bedeutung zahl:

dar nach in dú selben lant
wart sant Thoman och gesant
tffen und leren,
ir zil ze gotte meren
schweizer Wernher Marienleben 3480 H.;

was ist das vierte kind? es ist ein gutes ziel,
nach diesen sage man: zuviel, zuviel, zuviel
Chr. Weise grünend. jugend 170 ndr.

[Bd. 31, Sp. 1061]


ebenso unverneintes ziel in der bedeutung menge:

bekümmerens viel
und sorgen ziel
der mensch ihm macht
beid tag und nacht
Petri d. Teutsch. weiszheit 2, K 4a.

verneintes ziel in der bedeutung grenze:

wan sine maze an zil
ist lenger wen daz ertrich vil
und ist vil breiter wan daz mer Hiob 4155 K.

mit sueszer wunne ane zil
Heinrich v. Burgeis d. seele rat 6490 Ros.


c) eine hauptaufgabe fällt dem worte ziel als sprachlicher ausdruck des realen und geistigen strebens zu; damit liefert es den begriffsgehalt des von ihm abgeleiteten verbums ahd. zilên, s. zielen I A 1. zur seite treten ihm, oft verbündet, die gleichfalls aus der zielvorstellung stammenden wörter zweck und absicht. ergänzung liefern die abschnitte I 1 a γ und b γ.
α) ausgang ist das bild des wettkampfes, in die vorbereitung führt das verbum stecken (s. ob. I a α): do stekt er ihn das zil Luther 34, 2, 162 W.; wie er ... ihrem (der apostel) leren das tzill steckt 10, 2, 87 W.; später meist mit reflexivem dativ:

man kann nicht sagen,
dasz hoch Arminius das ziel sich stecket
H. v. Kleist 2, 333 Schm.;

Schopenhauer w. 1, 16 Gr.; ich hatte mir damals ein hohes ziel gesteckt Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 101; Mommsen röm. gesch. 2, 70; stecke dir nicht allzuweite ziele! M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 9; auch aus-, bei Göthe auf- und vorstecken:

durch thaten, die die ehr ihr selbst zum zil aussteckt
A. Gryphius trauersp. 1 P.;

das letzte ziel der kunst ... aufgesteckt Göthe 46, 35 W.; jeden menschen ... zu einem so hoch aufgesteckten ziele bringen 21, 190 W.; 42, 2, 178 W.; das hohe ziel, das er sich vorgesteckt sah 21, 46 W.; 17, 178 W.; auch stellen:

ein sehr vil höher ziel
hab ich gestellet mir
Opitz teutsche poemata 145 ndr.;

ferner zeigen: wo ihrem drange ... ein ziel gezeigt würde fürst Pückler br. 1, 139; seltener begegnet in dieser anwendung das verbum setzen (s. ob. 3 b α):

wir menschen thorecht und verblendt
all setzen unser zihl und endt
allhie auf erd in diser zeit
nach dignitet und würdigkeit
Meichel Bidermanns Cenodoxus (1635) 181 F.;

was ists, worauf ihr ziel gesetzt hat alle welt?
Logau 252 E.;

die schönsten gedichte Martials ... setzen sich oft ein edleres ziel Herder 15, 341 S. auf das hoch gesteckte ziel weist:

sîn prîs gap sô hôhen ruc,
niemen reichet an sîn zil
Wolfram Parz. 108, 13;

wettlauf, wanderung setzen voraus erreichen, sich nähern, nahe kommen, nahe sein:

freilich betraten wir beide den pfad
des ewigen ruhmes,
früh erreichten wir beide das ziel
grafen zu Stolberg ges. w. 1, 159;

so nah dem ziel, sollt ichs nicht erreichen? Klinger n. theat. 1, 10; W. v. Scholz erz. 103; das ziel einer politischen reformbewegung wird ... erreicht werden ... nur durch die erringung der politischen macht Ad. Hitler m. kampf 377; mich ... meinem ziele ... nähern Göthe 22, 27 W.;

doch jetzt, dem ziel so nahe, darf ich wohl
das lange schweigen brechen, und ich wills
Schiller 14, 40 G.;

das bild des laufes, der wanderung und der seefahrt schwebt weiter vor: du ... hast ein weites ziel vor augen Herder 23, 15 S.; männer ..., welche auf dasselbe ziel losgehen G. Keller ges. w. 3, 244;

die angeborne heftigkeit und hast ...
ergriff mich oft und trieb mich ab vom ziel
Göthe 11, 298 W.

[Bd. 31, Sp. 1062]


sodann sich ein ziel nehmen, nur in der älteren sprache: Wolfram Parz. 131, 10;

des selben nement iu ein zil
Hartmann v. Aue Erec 8587;

wer recht wol beten wil,
der nem Christum zum ziel
Petri d. Teutsch. weiszheit 1, G 6b;

vgl. hierzu das begrifflich nahestehende wort zielzeichen vorbild, beispiel. ferner zum ziele führen, ans ziel führen, nach einem ziele lenken: dasz ... die winke des teufels ... viel schneller zum ziele führen Klinger w. 11, 229; Göthe IV 32, 89 W.; teil 1, iii; das begonnene und eingeleitete durch- und ans ziel zu führen Göthe IV 40, 219 W.; wenn ... ein ... freund ... ihn durch warnungen ... nach dem ziele lenkt Fr. Schlegel im Athenäum 1, 2, 152. dem zweck dieses bildlichen sprachgebrauchs paszt sich die wahl des bezeichnenden verbums streben, auch dem worte ziel als substantivischer infinitiv gleichgeordnet, besonders eng an:

nach einem ziele streben wir alle hin
Alb. Methfessel (1813) in
Böhme volksth. lied. d. Deutsch. 39;

sein streben, sein ziel ist der höchste zweck der kunst Göthe 47, 320 W.;

es sei dein schönstes ziel und streben,
dich andrer leid und freude weihn
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 1, 6.

das bild des kampfes wird von neuem in folgenden fällen vor das auge gestellt:

der sich ins weite feld der leichten lüfte wagt, ...
ist, eh als er das ziel, nach dem er rang, gefunden,
ertrunken in der see
A. Gryphius trauersp. 34 P.;

wer bürgt uns, dasz kräfte auszer uns, gegen unsre plane ankämpfend, uns des kranzes am ziel nicht noch berauben? maler Müller w. 2, 120;

(jetzt,) wo wir den kampf gewaltiger naturen
um ein bedeutend ziel vor augen sehn
Schiller 12, 7 G. (Wallensteins lag. prolog);

eine aus sittlichen motiven entspringende, nach sittlichem ziele ringende that W. H. Riehl deutsch. arb. 5. dasz durch das ziel eine richtung festgelegt wird, erkennt man am folgenden:

in dich hab ich mein ziel gericht,
mein einig all, meins lebens liecht
Opitz opera (1690) 2, 201;

wohin der ... fruchtbringenden gesellschaft ziel und absehen ... gerichtet seyn möchte Neumark palmb. 5; ein ziel eines hauptcharakters, also eine richtung desselben O. Ludwig ges. schr. 5, 92; mehrere richtungen können sich im zielpunkt treffen: zum menschen, der doch am ende das ziel ist, in dem alle entwickelungen der natur zusammenlaufen Oken allg. naturgesch. 1, 3.
β) häufig enthält ein von ziel abhängiger genitivus subjectivus den vorgang, die handlung oder die seelische bewegung, die nach dem ziel streben:

si sprach: du bist von triuwen komen.
hete ich des toufes niht genomen,
dû wæres wol mîns toufes zil
Wolfram Parz. 111, 9;

wan dâst des kusses hœstez zil 310, 19;

ich selbst werde wie gantz neue,
sing und klinge deine treue,
meines lebens einges ziel,
auf der harf und psalterspiel
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 411b;

o geliebte, mich wählten vor allen weibern der erde,
welche mit mir erwuchsen, die götter zum ziele des jammers
Voss Odyssee 79 Bern. (4, 723);

ob sie
die stadt gewonnen, ihrer rache ziel
erreicht, vernahm ich nicht
Göthe 10, 19 W.;

das ziel meiner innigsten sehnsucht 33, 187 W.;

lasz die begeisterung die kühnen flügel schwingen
zu dir (gott), zu dir, des hohen fluges ziel
Schiller 1, 27 G.;

vielfach und in der neueren zeit am meisten gebraucht das ziel meiner (aller, der) wünsche: (die grösze Athens,) welche

[Bd. 31, Sp. 1063]


das ziel aller ihrer wünsche war Wieland Agathon (1766) 1, 345; das ziel aller meiner wünsche Göthe 22, 125 W.; am ziel meiner wünsche IV 38, 137 W.; Pfeffel pros. vers. 5, 185; weitere fälle s. 3 c γ.
γ) ziel, zweck und absicht von handeln, leben und streben seien hier zusammengefaszt dargestellt und dabei die mannigfaltigkeit der sprachlichen fügungen zur anschauung gebracht.
αα) zunächst im bereich des realen: sicherheit ..., die die gröszten helden des alterthums so oft vor dem ziel aller ihrer unternehmungen übereilte Lenz ges. schr. 3, 156 Tieck;

so nehmt denn meines königs fehderuf
aus meinem munde, meiner botschaft ziel Shakespeare 5, 8;

(er) hatte ... das lange ins auge gefaszte ziel seiner unterhandlungen erreicht Ranke s. w. 1, 343; 275; liebe ... ist das ziel ihres (der frauen) lebens, ihr leben selbst Moltke ges. schr. 1, 55; — so würde die krone ... endlich ihr groszes ziel, die absolute gewalt, erreichen Archenholz Engl. u. Ital. 1, 1, 10; Treitschke deutsche gesch. 1, 216; wenn das grosze nationale ziel nicht zu erreichen sei Bennigsen nationalliber. partei 8;

kain recht kumpt selten zue dem zil
an sünde wenig oder vil
Oswald v. Wolkenstein 118, 83 Sch.;

durch eine unsichtbare verkettung äuszerer zufälle (wird der mensch) seinem ziele entrissen Gerstenberg Ugolino 254 lit.-denkm.;

die kühnheit dieses würdgen officiers,
die jetzt in ihrem ziel sich nur vergriff
Schiller 12, 76 G. (Piccol. I 2);

jene plane ... waren ... zu ihrem ziele gediehen Ranke s. w. 1, 28;

mein leben, das sein eignes ziel verlor
Bauernfeld ges. schr. 3, 112;

die ehe ... musz einem gröszeren ziele, der vermehrung und erhaltung der art und rasse, dienen Ad. Hitler m. kampf 275; 117; grund und boden als ziel unserer auszenpolitik und ein neues, weltanschaulich gefestigtes, einheitliches fundament als ziel politischen handelns im innern 735; ihr (der alldeutschen bewegung in Österreich) ziel war richtig, das wollen rein, der eingeschlagene weg aber falsch 130; verhandlungen ..., deren nächstes ziel eine fünftägige waffenruhe war Bismarck ged. u. erinn. 1, 60; dasz der jung ... mit dem mädel ans ziel (in die ehe) will F. Kürnberger ausgew. novell. (1857) 43. sodann im geistigen gebiet: K. Stieler geh. Venus 24 ndr.;

gesonderte pfade gehen zum hohen ziel,
zu der glückseligkeit
Klopstock oden 2, 65 M.-P.;

das schönste ziel, die harmonie mit sich selbst Göthe 23, 54 W.; wir haben ein ziel, eine grosze idee, für die wir leben G. Freytag ges. w. 15, 86; das ewige ziel des menschen Dittrich gesch. d. ethik 3, 143; in wissenschaft und kunst:

und ist dir dein gelehrtes ziel
durch einen sanften kusz verrücket?
Gottsched ged. (1751) 1, 154;

dieses wissenschaftliche ziel ... erreichen Ritter erdk. 1, xii; Klopstock oden 2, 17 M.-P.; das ziel der philologie Fr. Schlegel im Athenäum 1, 2, 38; der kunst höchstes ziel erreichen Göthe 49, 33 W.; gang und ziel ihres stückes (theaterstückes) IV 41, 126 W.; das letzte ziel menschlicher forschung A. v. Humboldt kosmos 1, 32.
ββ) ziel und zweck, die sich als ausdrücke für das ziel eines schusses ergänzen (s. I 1 a γ), weisen auch in der übertragenen verwendung diese begriffliche verwandtschaft auf, aber sie decken sich in der schriftsprache nicht: zweck ... ist ein ziel, so man ihme fürsetzt Gueintz rechtschr. 172; diese begriffsbestimmung gilt noch, sie legt den nachdruck auf die rückbeziehung auf das subjekt, welches das ziel steckt oder setzt; der zweck verlangt die vernünftige überlegung, wozu ein ziel gesteckt wird, die absicht, während das wort ziel diese einschränkende bestimmung nicht in sich trägt. daher scheiden die belege scharf, vgl.: wenn er auch nicht gerade immer einen praktischen zweck suchte, ein praktisches

[Bd. 31, Sp. 1064]


ziel hatte er doch immer ... vor augen Göthe 36, 338 W.; s. auch 47, 320 W. (zit. ob. 3 c α); und auch in der gruppe bleibt diese begriffliche sonderung bewahrt: zweck und ziel seines lebens 24, 227 W.; ziel und zweck der reise Brentano ges. schr. 5, 364; Savigny beruf uns. zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 3; weniger deutlich, aber gewisz auch vorhanden, ist der abstand in folgendem beleg: (der mensch) wird ... sich selbst zweck und ziel Herder 5, 28 S.; indem sich aber einerseits zweck der vorstellung ziel unterordnet, wenn zugleich mit dem ziel auch der zweck auf der zielscheibe gesteckt oder aufgesteckt wird, vgl.: die aber frömmigkeit als zweck und ziel aufstecken, sind entweder schwachköpfe oder heuchler Körte sprichw. 119, wenn ferner zweck gar an die stelle von ziel als endpunkt und mal eines laufes oder einer wanderung treten kann, wie in den teil 16, 960 mitgeteilten belegen, so ist auch anderseits bei der nähe der gegenständlichen bedeutungen eine gleichsetzung oder gar unterordnung von ziel unter die übertragene bedeutung von zweck denkbar (doch s. unt.); belege hierfür: eine sonderbare cassa aufgerichtet und zu gewissem und verborgenem zweck und ziel gezogen haben acta publ. d. schles. fürst. u. stände 1, 59 P.; unser verdienst oder unverdienst bestehet nicht so sehr in deme, was wir thun, als in dem ziel und zweck, darumb wirs thun Äg. Albertinus zeitkürz. 67; dieses (ist) der Deutschen Theologiae einiger zweck und ziel Joh. Arnd Thom. a Kempis theolog. (1670) A 5a; von dem ziel oder zweck der zeitungslesung Stieler zeitungslust u. -nutz 80; er begeht lauter dinge, die ohne ziel und zweck sind Stifter s. w. 1, 274; dasz der pflasterweg ... nun ohne ziel und zweck in dem rasen liegt 4, 1, 260;

du scheinst mir ein cumpan,
der ohne zweck und ziel die welt durchstreift.
mein ziel und zweck ist, herr, mich satt zu essen
Bauernfeld ges. schr. 5, 19,

wo das erste ziel den schriftsprachlichen sinn trägt. bei Stieler ob. und unt. bei Dahlmann durch übernahme zu erklären, ist die bedeutung absicht, zweck, endzweck damit nur auf das obd. sprachgebiet begrenzt; vgl. Heynatz antibarb. 2, 668; besonders deutlich wird die bedeutung absicht in der verbindung mit der präposition zu: Abraham hat gesehen, dasz ... ihm (seinem sohne) nichts mangle als ein weib, so hat er zu diesem ziehl ausgeschickt seinen hausverwalter A. a s. Clara etw. f. alle 2, 291; übernommen von Dahlmann: verabredung ... zu dem ziele, man wolle keinen von uns ... anstellen an Jac. Grimm 1, 125 Ippel. ein anderes mittel, diesen sinn zu sichern, ist die zusammenstellung mit wille: weilen aber ... des menschen will und ziel nicht selten im ausgang stolpern A. a s. Clara merks Wien 72. dasz diese begriffsentwicklung bereits in der mhd. periode beginnt und somit im obd. wahrscheinlich in sich zu dem jetzigen ergebnis geführt hat, lehrt folgender fall:

dâ wâren kameren ane vil,
underscheiden nâch ir zil (bestimmung, zweck) Elisabeth 4962 R.;

wenn Göthe sich einmal ebenfalls der bedeutung endzweck zu nähern scheint, so ist doch die vorstellung eines zielpunktes noch erkennbar: sie (die natur) ist listig, aber zu gutem ziele II 11, 9 W. im obd. steht noch ende als dritter ausdruck für den sinn zweck, absicht zur verfügung (s. teil 3, 456 f.), einige belege vereinigen ziel und ende zu einer gruppe:

bringn wir herfür ein christlich spiel
nur zu dem end und zu dem ziel,
das wir damit nütz wolten sein
Dedekind papista conversus (1596) A 1a;

zu was zil und end er sich im menschlichen leib versamble Guarinonius greuel 1089.
II. als zeitvorstellung.
1) zeitpunkt.
a) endpunkt eines zeitlichen vorganges und geschehnisses oder einer handlung,
α) des lebens:

ist nâch tôde ein ander leben?
oder wirt dem lîbe ein zil gegeben,
daz sîn gehügde ersterbe?
Rudolf v. Ems Barlaam 35, 18 Pf.;

[Bd. 31, Sp. 1065]



gelebet hâte er an daz zil
Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kunigunde 2217;

kl. mhd. erz. 90, 87 Ros.; nu welt ir mich Benjamins ânen unde welt mich tœten ê mînes zils Deutschenspieg. buch d. kön. 4, 15 Eckh.;

jedem ist gsetzt sein end darmit,
darüber thut er keinen tritt,
stirbt auch nicht eh, drumb ich nit wil
fliehen; wenn gott wil, ist mein zyl
H. Sachs 15, 21 K-.G.;

wer fleiszig ruft zu gott und lebet als ein Christ,
der stirbet nicht, wen gleich sein ziel fürhanden ist
Rist n. teutsch. Parnasz 174;

auf dasz du schnell gelangest an dein ziel
Bürger 171a Bohtz;

geliebt, geehrt bis an mein ziel 11a Bohtz;

nach ihrer religion hatte das leben selbst der höchsten götter ein bestimmtes ziel und ende Niebuhr röm. gesch. 1, 91; in betrachtung des endes, so da ist das ziel eures lebens Moscherosch ins. cura par. 28 ndr.;

artzney hilft, wenn gott wil,
wo nicht, so ists des lebens ziel
Lehman flor. pol. (1662) 1, 60;

ist meines lebens ziel vorbey,
so nimm, herr, mich von der erden
Neukirch ged. 59;

(ein greis,) der das ziel des gewöhnlichen menschenlebens überlebt hat E. M. Arndt an s. l. Deutsch. 2, 42. dabei treten die verbalen fügungen ein ziel setzen, ein ziel stecken wie bei der räumlichen vorstellung (s. I 3 b α) auf: er hat seine bestimpte zeit, die zal seiner monden stehet bey dir, du hast ein ziel gesetzt, das wird er nicht ubergehen (determinationes; du hast gesetzt seyn zil, die do nit mögen ubergeen erste dt. bib. 7, 176; termine Köln. bib.; ende Halberst. bib.) Hiob 14, 5; danach J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 346; sie ... flehen den tod, ihrem leben ein ziel zu setzen Klinger w. 4, 156; curriculum vitae circumscripsit nobis natura gott hat uns verordnet oder ein zil gesteckt des laufs unsers läbens Frisius 226a;

und eh wirs uns versehen,
da kömmt der tod, steckt uns das ziel
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 440b;

itzt steckt er (der tod) uns das ziel weit enger
Gottsched ged. (1751) 165.

in einigen alten belegen tritt ende zu ziel hinzu:

mit willen nimer sunden wil
untz an mines endes zil väterbuch 3374 R.;

von ir will ich nit wenken
bis uff meins endes zil liederb. d. Hätzlerin 44.


β) von zeitabschnitten:

dô was ez ouch über des jâres zil (ein jahr war verstrichen)
Wolfram Parz. 57, 29;

so sy (nationen und reiche) auf ihr fürgestelt alter und zil kummen S. Franck weltb. (1534) 31b;

sonder dieweyl der tag sein zil
erraichet und bekommen hett,
giengen die götter all zu bett
Spreng Ilias 12b;

dies alte jahr hat auch sein ziel,
das neu ist angetretten
Sim. Dach 213 Ö.;

dich ereilt der jahre ziel
Schiller 4, 13 G.

diesen freudentagen ein ziel ... stellen A. U. v. Braunschweig Octav. 3, 55.
γ) von vorgängen, zuständen, geschehnissen, handlungen:

dô sîn segen nam ein zil
Konrad v. Würzburg Silvester 1641;

ob du mir des helfen wil,
unser swære hât ein zil
Ulrich v. Türheim Tristan 372, 34 Massm.;

ich wolt auch liegen also vil,
daz nieman west der lugen zil
Konrad v. Megenberg deutsch. sphära reimvorr. 44;

weil denn weder ziel noch ende
sich in gottes liebe findt
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 349b;

[Bd. 31, Sp. 1066]


wo gott der anfang und das ziel ist, wird alles thun glücklich fortgehen Spanutius 551; ist des jammers und elendes noch lange kein ende noch ziel zu finden Rist friedewünsch. Teutschland 22; solcher schwärmereyen ziel ist selbstmord Lavater verm. schr. (1774) 2, 128;

nun bald werd ich das ziel der langen qual erreichen
Joh. El. Schlegel w. 1, 13;

warum weint ihr?freuen solltet
ihr euch mit mir, dasz meiner leiden ziel
nun endlich naht, dasz meine bande fallen
Schiller 12, 555 G. (Maria Stuart V 6);

diesz war der wunsch, mit dem ich heut
am zile der arbeit hocherfreut,
den hohen rednerstuhl bestiegen
E. Baumeister zimmermannssprüche 9;

dann wäre ... des vergnügens letztes ziel und ende erreicht Stifter s. w. 1, 47; (er) konnte ... kein ziel finden, das mädchen zu bewundern 5, 1, 379. unter den verbalen verbindungen herrscht ein ziel setzen vor:

und gebet dirre rede ein zil
Hartmann v. Aue Gregorius 542 P.;

da er (gott) dem regen ein ziel machte Nigrinus zäuber. 233; (es ist) allen dingen ein zeit und zil fürgesteckt sprichw. klugred. (1548) 163b; der ... winter setzte der ... arbeit ein ziel Langbein s. schr. 31, 20;

des unerkannt trefflichen wirket so viel,
und zeit und ewigkeit setzt ihm kein ziel
Göthe 3, 273 W.;

ich habe ... meinen zweifeln ein ziel gesetzt Tieck schr. 7, 86; den greuelscenen ein ziel ... setzen Moltke ges. schr. 2, 51; Mommsen röm. gesch. 2, 57.
δ) ohne ziel ist, wie ob. I 3 b γ, reich vertreten; es bedeutet ohne ende, unaufhörlich, dauernd, für immer:

ir bild ist also fin,
daz solde ringen
ein keiser wol mit gir
nach ir ane zil
Rost Kirchherre zu Sarnen in minnesing. 2, 131a v. d. Hag.;

ewigkeit, die ohne ziel
uns (die ehegatten im himmel) aufs neue treuen wil
Logau 176 E.;

jenseits des grabes erwartet sie ein leben ..., ein ohne ziel dauerndes leben Haller Usong 73; der graf hätte so ohne end und ziel reden können Hippel lebensläufe 1, 152; ohne zîl ohne ende Schmeller-Fr. 2, 1113; Schöpf 829; selten sonder ziel:

sîn wart gespottet harte vil
mit grôzem schalle sunder zil
Heinrich v. Freiberg Tristan 2186 Bernt;

sonder ziel warten: Neukirch ged. 166.
ε) verstärkt ân endes zil in der mhd. und älteren nhd. periode:

daz sú úns sælde mêren
êweclîch ân endes zil
schweizer Wernher Marienleben 11 783 H.;

in ewikait ǎn endes zil
Konrad v. Helmsdorf spieg. d. menschl. heils 4380;

mit ganzer triu ich pleiben will,
des glaub du mir, on endes zil liederbuch d. Hätzlerin 58;

Oswald v. Wolkenstein 67, 7 Sch. daneben auch in anderer verbindung:

der tac mit ordenunge zuget
und wert her biz ans endes zil
Heinrich v. Hesler apokalypse 19 847;

swer ir (der welt) willen gerne tuot,
dem gît si sûres endes zil (zuletzt ein bitteres ende)
Rudolf v. Ems Barlaam 11, 7 Pf.;

disz was in des herbstes zît,
so wîn in endes zil gelît liedersaal 1, 609;

böser zungen schnatter
hatt weder trum noch endes zil liederbuch d. Hätzlerin 242;

die ewigkeit, herr, ist blosz
deines endes ziel
P. Fleming d. ged. 1, 11 L.

das mhd. kompositum endezil (s. endziel teil 3, 468) stellt sich abweichend zu I 3 a: ûf ein endezil vollständig schweizer Wernher Marienleb. 915 H.; und zu I 3 c α: dem wunsche z' einem endezil Gottfried v. Straszburg 10902.

[Bd. 31, Sp. 1067]



b) augenblick, zeitpunkt, indem die vorstellung des abschlusses schwindet oder nur durch einen besonderen zeitlichen endbegriff ins bewusztsein gerufen wird.
α) dieser besondere endbegriff ist eigens ausgedrückt; es ist begriff und wort tod. der bedeutung nach deckt sich des todes ziel mit des lebens ziel, aber ziel bedeutet hier augenblick, dort das ende, und des lebens ziel gibt als ganzes den begriff tod wieder. belege:

bereit iuch ze wer!des tôdes zil
uns ist gestôzen.owê nû!
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 240, 6 Si.;

ir sond wissen, daz ich wil
úch geben untz uf todes zill
bayde brot und win Göttweiger Trojanerkrieg 4148;

die zeit schaft freud und quale
hie nach des todes zil
Oswald v. Wolkenstein 91, 62 Sch.;

deins todes zil ist auf der ban
Spreng Ilias 241b; 35b;

die (gottes gaben) lasz, bis dasz des todes ziel
dich trifft, nicht ungepreiset
P. Gerhardt in
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 446a.

den begriff ziel als lebensende und den begriff tod trennt wieder E. M. Arndt:

treibt arbeit, müh und noth
sie rastlos fort zum ziele,
und dieses ziel ist tod w. 5, 90 R.-M.

so deutlich wie bei tod wird in anderen, syntaktisch gleich gebauten fällen ein abschlusz nicht empfunden; nahe kommt etwa noch:

von dem âbende unz an des tages zil
wart dâ niht geslâfen vil Cäcilia 1179 in zs. f. d. alt. 16, 198,

wo des tages zil, der tagesanbruch, die nacht beendet;

der wechter sprach: nun liget still,
mit sorgen thut euch neren.
fürwar ich euch des tages zil
mit gantzen trewen nennen wil,
ich wil euch nit verfren
Forster frische teutsche liedl. 121 ndr.;

auch der jüngste tag besitzt den endbegriff: an dem jungesten zil Rudolf v. Ems Barlaam 92, 23; väterbuch 14898; 21965; und der entbindungstag ist ebenso mit der schwangerschaft verbunden:

die vrawen wurden swanger ...
und gelagen beide uf eine vrist,
do sie getrgen uf das zil
Johann von Würzburg 539 Regel;

liederb. d. Hätzlerin 290; viertzig wochen hat gott dem kind in mutterleib zu wachsen gegeben ... und ein ziel gesetzt Paracelsus opera (1616) 2, 66b; aborior z fr geboren werden oder ee zeyt geboren werden oder vor dem zil ein unzeytige frucht bringen Frisius dict. 8a; es ist auch nutzlich, dasz die frau ein tag 14 oder mehr vor dem zil alle tag morgens nüchtern 3 oder 4 feigen esse Gäbelkover arzneib. (1595) 2, 42; wann die schwangere weiber vor dem zil genesen Sebiz feldbau 46; weil sie nahe auf dem zil gienge Fischart Garg. 121 ndr.; die gebürliche reinigung bleibt (bei befruchtung) ausz uber das ordenlich ziel Ruoff hebammenb. 138; noch bei Logau 14 E.; weitere fälle bei H. Fischer 6, 1199 f.; auch plur.: man findt ... geschriben, das in Peloponneso ein weib viermahl nacheinander alle zill fünf kinder geboren hat Heyden Plinius (1565) 13; schlieszlich noch hierher:

das stat bis uf ein zil (das musz einmal ein ende nehmen) Schweizer volkslieder 1, 10 Tobler.


β) der zeitpunkt des geschehens ist für sich gesehen:

er kôs ouch an dem selben zil
vil küener sarjande
Wolfram Parz. 183, 10;

noch ist nit komen zit noch zil (Joh. 2, 4),
in der mich min vatter wil
der welt mit zaichen gen,
min gothait ir erzgen
schweizer Wernher Marienleben 7187 H.;

nu was ez rehte an dem zil,
so dú sunne ufdringen wil
mit ir liehten glesten
Rudolf v. Ems weltchronik 35 997; 35 519;

[Bd. 31, Sp. 1068]


ders., Wilhelm v. Orlens 13 309; 14 422; passional 266, 9 H.; passional 346, 17 K.; väterb. 29 268; Wackernell altd. passionssp. aus Tirol 252;

woluf, es nachet nun stund und zil,
das man mich verraten wil
Mone schausp. d. mittelalt. 2, 267; 1, 257;

zwölf uhr ist das ziel der zeit;
mensch, denk an die ewigkeit Schweizer volkslieder 1, 202 Tobler;

wie lang und bis zu welchem ziel
ist euch die ruh der welt ein spiel?
Rückert w. 1, 171;

unde besundern czu rechtem czeile unde cziet nymandes lenger zcum bier ader wyne sal siczen, denne bis man die glocke leuthet (1442) urkb. d. st. Freiberg 1, 165; Diefenbach gl. 59a; bis Johannis ..., welches das gewöhnliche ziel ist, bis zu welchem man sie (spargel) erhalten kann A. F. Nolde bemerk. aus d. geb. d. heilkunde u. anthropolog. (1807) 1, 140. syntaktisch gleich des tages zil (II 1 b α):

swen intstê urlougis zil
Nic. v. Jeroschin 3083 Str.;

wenn der rauch nit aus dem haus wil, so ist vor augen regen zil Reymann wetterbüchl. 12. in älterer sprache ieglichez, allez zil, auch plur. alle zil jeden augenblick, stets, immer, dauernd, in einem fort, jedesmal, kein zil niemals:

die ein ieglîchez zil
sîn almsen âzen passional 202, 54; 497, 85 K.;

der teufel wil
allez zil
mit den seinen zurnen väterbuch 41 071 R.;

die dich gerne unde vil
wolden êren alle zil passional 149, 62 H.;

Jeroschin 3069; Mone schausp. d. mittelalt. 1, 85;

in eym exempel ich dich lernen wil,
die andern zu verstehn zu allem zil
M. Agricola music. instrum. 12 E.;

da waren vlîgen alsô vil,
daz si enmohten kein zil
gemach alda vor in haben passional 409, 34 K.


c) festgesetzter, bestimmter, verabredeter oder vertraglich festgesetzter zeitpunkt, termin.
α) in verschiedener verwendung; feste verbverbindungen bezeichnen den zeitpunkt als festgesetzt, vgl.: bis zu einem ... nicht zu fern gesteckten ziel Moltke ges. schr. 7, 121; ziel setzen s. II 2 b; sobald ... einer (ein kriegsknecht) von einem obersten ... angenommen und ihme der musterplatz und haufen angezeigt wirt, so ist er schuldig, auf solche bestimpt ziel und zeit sich dahin zu verfgen Fronsperger kriegsb. 1, T 2b; machten also iren anschlag, das der münch solt zu ihr in das haus kommen, und bestimpten ein glegenes zil an Val. Schumann nachtbüchl. 64 B.; auf angezeigte zeit und ziel ... erobert er die statt Lorichius pädag. princip. (1595) 343; von adjektiven erreichen gewiss und recht denselben zweck: weren wir unter den Türken, so müste ein jeder sein gemessene speise, gewis ziel und zeit zu essen ... haben Luther 28, 649 W.;

morgen kom z rechter tag zil
all hie uf dises felt Friedrich v. Schwaben 6086.

ohne solche hilfshinweise: do daz zil aber begonde nohen, der hertzoge zoget furbas abe gen Mentze (Straszb.) städtechron. 8, 60; als es ... über zil und zeit stand Knebel chron. v. Kaisheim 85 H.; und also seind anderthalbe tage fürüber, dasz sein zyel und termin erfüllet ist Amadis 394 K.; da ... der müller ... merkte, dasz vor dem ziel alles (der verabredete bau einer mühle durch den teufel) vollendet sein könnte deutsche sag. 1, 136; indutiae zil eines friden Diefenbach n. gl. 214b; 215b. bei einem vertrage stellt sich der begriff ende (s. ob. II 1 a γ) ein: ein vertrag ..., der ... drey jahre über sein ziel fortgedauert hatte Niebuhr röm. gesch. 2, 241.
β) im besondern der termin, auf welchen die zahlung einer geldsumme, eines darlehens, einer schuld oder eines teils davon (einer rate) sowie von lohn, miete, zinsen und allen

[Bd. 31, Sp. 1069]


anderen geldlichen verpflichtungen vereinbart ist; nur obd., doch sind die wendungen drei monate ziel und auf ziel allgemein gebräuchlich geworden; syntaktisch fest ist die verbindung auf ... ziel bei zahlen, bezahlen, daneben tritt zu auf. belege: wil man ez (ein pfand) uzborgen, man sol ez uf daz selbe zil uzborgen Schwabenspieg. landr. 83, 4 G.; swenne man der vorgenanten zil ainez oder beidiu versetze oder versitzet (1283) urkb. d. st. Augsburg 1, 63; 119; frühe belege bei H. Fischer 6, 1198 f., Ch. Schmidt els. wb. 440b und Schirmer kaufmannspr. 214; sol derselbe seinem hindersezzen kunt tn vor dem zil 14 tag, daz er im sein haus raume auf die frist, wan sein zil auz sei Nürnb. polizeiordn. 290 B.; die ... solten dem kaiser geben 36 tausent auf zwai zill (Augsb.) städtechron. 5, 9; (ich habe) dieselben 12 guldin uff stunt des ziles müssen bezalen G. Steinhausen privatbriefe d. mittelalt. 1, 83; Steinhöwel Äsop 72 Ö.; nun ist das zil verschinen und mir nit bezalung gescheen d. stat Worms reformation (1513) 17a; Avé-Lallemant gaunertum 1, 176; erwel dir ein ziel eine usz den dreyen messen, dar in du bezalest din schuld Geiler v. Keiserberg bilgersch. (1512) B 3b; so du mir ... ein lang geraumpt zyl z der bezalung ... setzest Frey gartenges. 57 B.; mögen sie das gelt nicht auf das zil aufbrengen Luther 26, 647 W.; H. Sachs 7, 88 K.; ein vogt und gericht sol ordnen zimliche zyl, uff welchs die schuldner das houptgt abzalen Eberlin v. Günzburg 1, 135; 1, 13 ndr.;

zur zeit des zils summ ich all sach
und wchergelt z hauptgt mach
Joh. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 122b;

das er geb tausent pfund ..., das halbtheyl bereydt und das ander halbtheyl auf zil zehen jar lang Carbach Livius 246b, vielleicht auch zu II 2 b zu stellen; zu hernach beschribnen zill und fristen ... bezalen ... sechsundzwaintzig gulden reinisch (1587 tirol.) österr. weist. 5, 51; soll man ... bestimpte ziel und zahlzeiten nicht verrucken Kirchhof mil. disc. (1602) 8; 600 gulden an gold auf zil und tag zu erlegen Stumpf Schweizerchron. 429a; das ziel, die zeit, der tag, wann der zins gefällig ist Corvinus fons latin. (1646) 352; in dreyen zielen zahlen Kramer teutsch-ital. 2, 1462a; das ziel ist verflossen, verstrichen ebda; Frisch 2, 476a; von Adelung2 4, 1710 als obd. verbucht; in den obd. maa. verbreitet: s. ob.; Martin-Lienhart 2, 902b; plur. schwäb. und bair. ziler H. Fischer 6, 1199; Schmeller-Fr. 2, 1113; Bühler Davos 1, 242; auch auf ziler kaufen ebda; ufs zīl im gegensatz zur barzahlung O. Meisinger Rappen. ma. 212a; Seiler Basl. ma. 325a; Hunziker Aargauer wb. 309; zinse oder capitalien auf das und das zil, in so und so viel zilern (terminen) bezahlen Schmeller-Fr. 2, 1113; ziel zahlungstermin Bauer-Collitz waldeck. 184, aus dem obd. im kanzleiverkehr entlehnt. termin der lohnzahlung: uf das zyl soll ein jetlicher eehalt bar bezalt werden Eberlin v. Günzburg 1, 129 ndr.; kaim eehalten soll die meisterschaft den lon vor dem zyl geben ebda. im 16. jahrh. kommt eine redensart auf, welche vorm kauf auf borg und auf abzahlung warnen soll; ihren sinn erklärt S. Franck: die wolf fressen kein zil: du darfst nit denken, eh dise zeyt kompt, so habens die wolf gefressen; die zeit friszt wol wolf, leut und alles, aber niemand die zeit sprichw. (1545) 1, 79a;

und thut in viel geldschuld einrinnen
und tracht nicht, wie er zalen wil;
so essen doch die wolf kein ziel
H. Sachs 9, 480 K.;

vielfach bezeugt: J. Brenz pred. Salomo (1528) 98a; sprichw. klugred. (1548) 44a; quod differtur, non aufertur, Germani eleganter: der wolf frist kein ziel Bas. Faber thes. (1587) 313b; Eyering proverb. cop. 2, 478;

wer viel zu borg aufnehmen wil,
dem fressen noch die wölf kein ziel
Petri d. Teutsch. weiszheit 2, K k k 6b;

Pistorius thes. paröm. 134; Frisch 2, 476a. als fachwort in den gemeindeutschen geschäftsverkehr nur in zwei formen aufgenommen: auf ziel auf kredit, vgl.: auch die kleinen

[Bd. 31, Sp. 1070]


geschäfte ... (sollten) sich zum verkaufen 'auf ziel' bequemen Doren Florentin. wolltuchindustrie (1901) 185; Schirmer kaufmannspr. 214; die zweite s. II 2 b.
γ) prägnant die teil- oder abschlagszahlung mit den aufgelaufenen zinsen; für diese bedeutung hat sich die mundartliche pluralform zieler weiter verbreitet: wie das mit hauptsumma, zilern und weinkauf erkauft worden (1533) bei H. Fischer 6, 1199 (s. dort); das erst zil oder die erst bezalung prima pensio Maaler 522a; alsdann gebürt eim herrn gedult ... zu haben ... und eine grosze summ oder häufige zalung auf viel zil und kleinere zalungen zu richten Sebiz feldbau 39; den rest soll er mit zielen bezahlen Ant. Neudörfer künstl. anweis. (1599) F 4b; ordnen ... wir, das hinfüro die schiffere ... dem volk den ersten ziel der heure ... geben sollen seerecht d. Hansa v. 1614 art. V 4 bei J. M. Pardessus collect. de lois marit. (1831) 2, 545; in vier jarn zu bezalen, und sezt jedes zill (für jede rate) ain pürgen v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 29; mit zielen, zielsweis zahlen Kramer teutschital. 2, 1462a; die bezahlung auf zieler schlagen Aler dict. 2, 2248a; angeld und angift heist ... eine summe geldes, die, wenn ein stücke gutes auf tagezeiten gekauft, bey schlieszung des kaufs bezahlt, das übrige des werths aber in gewissen zielern abgetragen wird, die man tagzeiten oder erbgeld nennet Noel Chomel 1, 415; terminzahlungen auf grundstückkäufe, zieler, rechnet nach A. Ernst v. Ernsthausen erinner. 113 der Hunsrücker bauer zu den regelmäszigen ausgaben seines haushalts; dieselbe auffassung deutet das schwäb. sprichwort zil und zins essent mit aus der schüssel bei H. Fischer 6, 1199 an. zur bestreitung der kosten des reichskammergerichts wurde seit 1548 eine reichssteuer, das kammerziel, plur. kammerzieler, daraus später ein falscher sing. der kammerzieler (s. teil 5, 132; Krünitz 241, 305) entstand, erhoben; diese meinen die folgenden zeugnisse: allermaszen die alte zieler, wann die gleich völlig eingiengen, wie nicht, dennoch nicht sufficient wären ... der ... officianten solarica abzustatten Harsdörfer secret. 2, 356; wegen der bei churfürsten und ständen dato unbezahlt auszstehender zieler oder restantien Happel hist. mod. Europ. (1692) 272; kostenbeiträge für einen vorgeschlagenen schwäbischen ritterrat: allg. d. bibl. 3, 2, 27; auch von landessteuern: nachdem ihro ... durchl. ... verordnet ..., dasz vermög des in anno 1722 errichteten landtagsabschieds noch zu zahlen stehendes eilftes ziehl in instehender ostermesse ... erhoben werden solle, und es dann an solchem ziehl denenselben 3 güld.-alb. pfenn. erträgt, als haben wir hiervon nachricht ertheilen und nicht zweiflen wollen, es werden dieselbe diese summ nebst dem rückstand von den verflossenen ziehlern ... auf den 24ten ... aprilis ... anhero liefern formular d. hess. obersteuereinnehmer Gieszen v. 24. 3. 1727; Adelung2 4, 1710. — einmal ziel schuldzettel, laxamentum bei Nic. Frischlin nomencl. (1594) 439.
δ) tag des dienstboten- und wohnungswechsels, auch der beendigung einer lehrzeit; nur obd.:

pligestu das auch tuen,
so dir einer gedienet hat
und ze seinem zil von dier gat,
sein lon im abbrechen?
Heinrich v. Burgeis d. seele rat 680 Ros.;

ist in (dem gesinde) ze vil lones gegeben, des durfen si niht widergeben, ob man si lat vor irme zil Schwabenspieg. landr. 25 G.; ist daz ein man ein kint hinlât durch lernunge zwei jâr oder mêre oder minner unde gibet dâvon ein genantez guot, daz kint stirbet ê des ziles, sô sol man des guotes als vil abeslahen, als an dem zil gebürt, unde sol daz widergeben ebda 313 W.; welicher eehalt vor und eer sechs wochen vor seinem gedingten und verpflichtem zil mit jemands ... versprechnus gethan Nürnb. polizeiordn. 63 B.; es ensol ouch nieman dem andern sin knecht in sinen zilen abedingen oder vorhalten (Straszb. 1362) bei Schmoller Straszb. tucher- u. weberzunft 9; besondere ruh- und feyertäg vor oder nach antrettung des zils (1652) bei H. Fischer 6, 1199; s. dort mehr belege; Pestalozzi Lienhart u. Gertrud 83 Recl.; wollte sie nur noch bis zum

[Bd. 31, Sp. 1071]


ziele behalten B. Auerbach Schwarzwäld. dorfgesch. (1871) 2, 180; Kramer teutsch-ital. 2, 1462a; weggehen zwischen dem ziel (vor dienstende) Frisch 2, 476a; wohnungswechsel: der 15. oktober ist mein ziel, wie man hier in Süddeutschland die zeit des ausziehens nennt Pet. Cornelius liter. w. 1, 729; in den obd. maa. allgemein gebräuchlich: lichtmessen, Georgi, Jakobi, Michaeli sind die ganz-, halb- oder vierteljährigen zil für den aus- und eintritt von dienstboten, Georgi und Michaeli in München die halbjährigen für wohnungsmieten, unter dem zil (nicht am gesetzlichen termin) ausstên, einstên, aus- und einziehen Schmeller-Fr. 2, 1113; zu lichtmesz, Georgi, Jakobi, Martini, wofür in neuerer zeit die quartalsersten des kalenderjahrs treten, in Württemberg, das gesinde singt beim ausstand: heut ist mein wandertag, morgen mein zil H. Fischer 6, 1199; antretung des zils Birlinger wb. z. volkstüml. 95; s grosz zil weihnachten, frauentag (24. märz), Johanni, Michaeli, s klein zil 14 tage später Martin-Lienhart 2, 902b; zeit, zu welcher die dienstboten aus- und eingehn Stalder 2, 472; ebenso Klein 2, 246 für das Elsasz, und O. Meisinger Rappen. ma. 212a.
2) zeitabschnitt als frist, d. i. als ein festgesetzter zeitraum.
a) zum verständnis der erweiterung des begriffsfeldes, welche dem gleichen vorgange bei der raumvorstellung (s. I 2 a β) zur seite tritt, seien folgende belege aus dem bereich von II 1 herangezogen. der neue sinn entsteht, wenn die ursprüngliche konstruktion jem. sein ziel kurz stecken sich wandelt in einem ein kurzes ziel stecken, vgl.:

weil ihm zu leben ohne das (ohnehin)
gestecket ist ein kurtzes zil
Spreng Ilias 11a;

diese syntaktische verschiebung ist die quelle der attribute der dauer bei dem subst. ziel wie kurz, lang, länger; eine andere ursache der neuen bedeutung liegt in dem mitwirken einer raumvorstellung mit der punktuellen, wenn Göthe schreibt: bis auf den sonntag ist mein ziel gesteckt IV 19, 182 W.; auch ein ziel begehren, erbitten gewinnt erst durch die hinzutretende vorstellung der überlegung den sinn frist, aufschub, vgl.: (sie) bitten ziel und zeit einer fgsamen antwort Kirchhof mil. discipl. 89; nachdem sie ein zil sich zu berathschlagen erlanget Achatius chron. Sleidani 95a; ebensowenig besitzt ziel geben an sich die bedeutung aufschub gewähren, erst die elliptische ausdrucksweise fünf jar zil geben Frisius dict. 377a statt etwa ein ziel nach dem ablauf von fünf jahren geben erzeugt sie; hierher auch die moderne angabe ziel drei monate für die laufzeit eines wechsels oder eines handelskredits. weitere ansatzpunkte für das aufkommen der dauervorstellung sind etwa noch die verwendung des adverbs aus für vorbei, vgl.:

wan ich hab nit lenger frist:
das zil morgen ausz ist,
das ich im antwurten soll
Heinrich v. Neustadt Apollon. 3572 Si.,

und die wendung sein ziel ausdienen anstatt bis zu seinem ziel dienen, vgl.: das er (der fährknecht) seinem maister sein zill ausdien (niederösterr. 1512) österr. weist. 7, 968. eine anzahl belege gestatten eine scheidung zwischen den bedeutungen termin oder frist nicht.
b) frist, aufschub, zunächst abhängig von geben, begehren und ähnlichen verben:

des gibe ich iu niht lenger zil.
wil mîn vrouwe, ich bin bereit!
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 8809;

hundert ritter ich machen wil,
des stôze ich niht langer zil
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 328, 6 Si.;

aber die gottes huld
hat in geben ein lenger zyl
zu bessern, so er selber wil schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 2, 85 Bächt.;

wöllent ihr inen (den vordringenden Türken) ... zil geben bisz zm concilio Sleidanus red. 122 B.; (Straszb.) städtechron. 8, 41; sechs stund gib ich dir zeit und zil, richt dein sach und mach dich usz dem land Pauli schimpf 195 Ö.; Lindener rastbüchl. 43 L.; wöllen im keine stund mehr zil lassen S. Franck chron. Germ. (1538) 115b;

[Bd. 31, Sp. 1072]


ein junger freu sich nicht so viel,
setz nicht seim leben langes ziel.
der tod feyert nicht, es gilt ihm gleich
Petri d. Teutsch. weiszh. 1, B 8a;

des wart fürgenomen und gesetzt ain zile zwayer tagen Nicl. v. Wyle translat. 43 K.; zuletzt begert er zeit und ziel, in welcher er sein bottschaft ghen Rom z dem senat schicken möcht Carbach Livius 236b; sodann in anderer verbindung: ob du einen tach vride oder zil hâst Grieshaber pred. 2, 84; und was sin zil usz, als er sich dann verantwort sölt haben Richental chron. d. Constanz. conz. 101 B.; Lindener rastbüchl. 25 L.; sint si degenkint, so sol man ir zil (die frist vom tode des vaters bis zur geburt des nachgeborenen kindes) raiten ze minsten ein und vierzic wochen Schwabenspieg. landr. 37 G.; einer schwangeren frauen, welche kein ziel (bis zur entbindung) mehr gehabt Rheinstrom (1685) 2, 103; partus appropinquat sie hat kein zil mehr quelle bei H. Fischer 6, 1200. — insbesondere eine rechtliche oder vertragliche frist, ein aufschub über den vertraglichen termin hinaus: also gaben si im zwen monat z einem zil histor. v. d. stadt Troja (1499) 93b; doch habent si in selben lengriu zil uf gesezet an ir gute Schwabenspieg. landr. 49, 3 G.; ob ein sin friunt in den zilen kome fur gerihte Augsb. stadtr. 91; wer aber, daz wir die burg ... in disem zil nit widerkauften (1333) bei H. Fischer 6, 1200, wo mehr alte belege; die kriegsknecht wolten das lange zil nicht annemmen, sondern von stund an zween monat söld haben Ad. Reiszner Frundsberg (1572) 144b; wiewol die gemainen recht in appelation oder dingnussen ain sonderlich zeit und zyll benennen, darin ain jeder ... sich für das obergericht beruefen mag (1532) v. Lori baier. bergrecht 234; meist für zahlungsaufschub, -frist:

wer mich umb mein plschaft bat,
west ich, das er hett pfenning vil,
so liesz ich nit, ich gab im zil,
ich nam auch sein gt daran liederbuch d. Hätzlerin 306;

eime solichen mügent die fünfmanne wol zil geben (1453) Schmoller Straszb. tucher- u. weberzunft 67; ist unser armer einer dem ander schuldig, darz er zil hat, und mag in uff dasselbig zil nit bezalen und kompt fur den amptman ..., der macht im ein lenger zil (Neuenbürg 1481) G. Franz akt. z. bauernkrieg 2, 10; induciari zyel oder fryst geben gemma gemm. (1508) m 4b; und bekennet der schuld ..., doch begeret er lengers zils Steinhöwel Äsop 124 Ö.; Geiler v. Keisersberg bilg. B 1a; andere belege Ch. Schmidt wb. d. els. ma. 440b und H. Fischer 6, 1200; Wickram w. 3, 24 B.; dies paucos propter inopiam ad solvendum alicui prorogare eim einen aufschlag geben ze bezalen, eim das zil strecken Frisius dict. 1080b; moratoria cautio versicherung ze bezalen innert gewüssem zil eines erlaubten aufzugs 838a; begerten weyter zil und verzug, die auszstehenden gefell zu bezalen Stumpf Schweizerchron. 377a; dasz der schuldner eine prorogation und erstreckung des ziels ... bey dem glaubiger erhält v. Hohberg georg. cur. auct. 3, 1, 29b; vierzehen tag ist kein zeit oder ziel Pistorius thes. paröm. 773; in den obd. maa. und auch im luxemburg. ganz gewöhnlich: einem ain, zwai jahr zil geben Schmeller-Fr. 2, 1113; Schöpf 829; zill f. aufschub, frist lux. wb. 504a. hier schlieszt sich nun der moderne fachausdruck ziel 3 monate bei der kreditgewährung, bes. für die laufzeit eines wechsels, an: für den verlag der Sappho ist ein ehrensold von einhundert dukaten festgesetzt, wovon ich ihnen die hälfte sogleich und den rest gegen meinen wechsel, ziel 3 monate, entrichte (1818) J. B. Wallishausen im jb. d. Grillparzerges. 1, 199; für den tuchverkauf ... 2 monate 'ziel' Doren Florentin. wolltuchindustrie 178; früher beleg: costet jede doppelte ellen gr. 14 Ulms, zill 12 monat (1611) bei Schirmer kaufmannspr. 214.
c) eine gemessene, zugewiesene zeit, eine bestimmte zeitdauer, eng mit b verbunden und vielfach über a auf II 1 (termin) zurückweisend, so gleich der folgende beleg mit seiner bedeutung lebensdauer:

[Bd. 31, Sp. 1073]


swer des vleisches gelusten
und des tuveles unkusten
ane ruwe volgen wil,
deme kurzet got sin zil,
daz im der tage gebrichet
Heinrich v. Hesler apokalypse 3850;

er rennt und trabt,
schindet und schabt,
bringt an sich viel,
bisz ihm der tod abkürzt des lebens ziel
Gabr. Voigtländer od. u. lied. (1642) 99;

wann mein ziel auszgemessen,
so tret ich dann hinausz (aus dem irdischen hause)
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 425b;

und vieljähriges ziel will ich dem leben verleihn
A. W. Schlegel im Athenäum 1, 138;

so wird ich disz kurtz zile des lebens, das noch minem alter vorhanden ist, ... verzerren in wainen Nicl. v. Wyle translat. 89 K.; dauer eines mahls: Scheit Grobian. 929 ndr.; amtsdauer: dasz Zürych ... denselben (einen vogt) 4 jar oder zwei zyl da haben ... solte Stumpf Schweizerchron. 585a; wolliche vierer seind und ir zil aus were (1521) urkb. d. st. Heilbronn 3, 580; dauer, zeit in dem sprichwort:

all ding haben ihr zeit und ziel
und gehen vor sich, wie gott will
Lehman flor. polit. (1662) 2, 933;

ähnlich S. Brant narrensch. v. 21 Z.; dauer von zeitabschnitten:

ich han durch gut
also gesetzet minen mut,
daz ich eines jares zil
gentzlich dienen got wil väterbuch 26 785 R.;

dorumb der sunn stnd in mitzt des hymels, und er eylet nit underzegen in dem zyl (seit 1475 in der lenge) eins tags (diem integrum: einen gantzen tag Luther) Jos. 10, 13 erste dt. bib. 4, 285; welche unter dem zill diser monde (in quo mensum numero) geboren werden Heyden Plinius 16; in zweyer jaren zil oder zeyt biennii spatio Maaler 522a;

swer guotes phlît von kindes zil (von jugend auf)
Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kunigunde 3788;

sie (die nonne) hete an kuscheit mit tugent
virzeret ir kindes zil vil gar
untz an ir grawez har väterbuch 23 307 R.

aus solchem ursprung ist erwachsen die freie verwendung von ziel für einen zeitabschnitt in der mhd. und älteren nhd. periode, immer ist dessen dauer festgelegt oder festgesetzt, entweder durch das possessivpronomen als die einem menschenleben bestimmte dauer oder menschen zugewiesene zeit, wie in folgenden fällen:

dar zu kund er seitespil,
harphen, swegeln gar sîn zil (sein ganzes leben lang)
Rudolf v. Ems Barlaam 255, 20;

oder durch den zusatz eines abmessenden attributs, vgl.:

daz nâch disen zwelf tagen
unde in kurzerme zil
der künec Artûs wil
zem brunnen komen mit her
Hartmann v. Aue Iwein 1839;

ich kum iu in vil kurzem zil
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 1112;

ebenso noch Forster frische teutsche liedl. 199 ndr.; M. Frywalt abweich. d. lande Preusz. (1578) G 3b; also wurden in einem kleinen ziel der zeit zwentzig tausent Jüden von ihnen umbbracht C. Goltwurm wunderzeich. (1567) 95a; niht ubir langez zil väterbuch 4932 R.;

mer sij lies mich moeder vil,
dan ich gewest was in langer zil pilgerfahrt d. träum. mönchs 12 445 M.;

ez was aber ein kleinez zil,
sie giengen ze hant ezzen
Heinrich v. d. Türlin krone 14 727;

gedenkch, du hast ain churzes zil,
tue froleich alles das sy (frau Busze) wil
Heinrich v. Burgeis d. seele rat 1815 R.;

der selben toten dar nach vil
leptent och da langú zil
uf erde da sú waren,
und sturbent nach vil jaren
schweizer Wernher Marienleben 11 336 H.;

die plag die wert ain langes zil,
do mit got die welt straffen wil Egerer fronleichnamsspiel 26 M.;

[Bd. 31, Sp. 1074]



daz jâr ein ende hât genomen,
daz zil ist ûf ein ende komen
Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 3330.

einteilung der zeit in zeiträume: in dieser propheceiung wird die zeit der gantzen welt abgetheilet in drei fürneme theil oder ziel M. Dreszer isagoge historica (1600) 2.
III. grammatischer und stilistischer teil.
1) verbale verbindungen, die ziel in seiner gegenständlichen bedeutung eingeht, sind ein ziel stecken, dafür mhd. stoszen, und setzen; ihre zuweisung zu den beiden grundbedeutungen und in bildlich übertragener ausdrucksweise ist ob. I 1 a; b γ; 2 a β; 3 b α; c α gegeben. den erfolg von schusz und wurf, auch schlag bezeichnen treffen und fehlen in eigentlicher und übertragener verwendung, s. ob. I a α; γ. für zielen notiert Schöpper des zils faren 76b Sch.-K.; nach dem ziel rahmen oder zielen, zum ziel richten, zum ziel schieszen gibt Kramer teutsch-ital. 2, 1462a an; nach einem ziele zielen Fr. Schlegel pros. jugendschr. 2, 197 M. turnierausdrücke der ritterzeit s. ob. I 1 b γ; 2 a α. der lauf zum ziel gebraucht, um die richtung zu bezeichnen, vorwiegend präpositionen (s. unt. 4), bei der wanderung und fahrt kommen verben wie erreichen, erlaufen, ereilen vor, meist aber laufen u. s. w. zu, bes. häufig tritt, auch in übertragener bedeutung, kommen, gelangen zum ziele (s. unt.) auf. für das streben zum ziele sind auszer streben zu noch verfolgen, auch erringen gebräuchlich, vgl.: wir verfolgen dasselbe ziel Holtei erz. schr. 3, 53; nicht auf einen anlauf ... wird das ziel errungen O. Jahn Mozart 4, 75. in der redewendung sich zum ziel, zum zweck legen (vgl. teil 6, 534 und 16, 958) liegt der nachdruck auf dem verbum: wie bei dem ziel liegen sich ruhig verhalten (vgl.:

den Schwyzern möcht wol grusen
ob sömlichem lotterspil!
si ligend bi dem zil
als die von Mülhusen,
die gloubend des tröuwen vil [wenig, gar nicht]! [histor. lied von 1499] Schweizer volkslied. 1, 26 Tobler),

so auch sich zum ziele legen sich nach des andern absichten bequemen Adelung2 2, 1971, sich gleichsam nach dem ziele seiner wünsche fügen 4, 1710, sich zum zweck legen accomodare se, obsequi, contentum esse Stieler 1109; daher denn die bedeutung sich fügen, sich schicken, nachgeben; ältester beleg für sich zum zweck legen von 1541 (zit. teil 16, 958), erster für sich zum ziel legen von 1610:

darnach Aeneas ohn verdrieszen
warf etlich gaben auf zum schieszen (celeri certare sagitta),
wer liebe hett nach disem spil (invitat qui forte velint Vergil Än. 5, 486),
der möcht sich legen zu dem zil (sich seinem wunsche fügen)
Spreng Äneis 95a;

solte es ... den keyserlichen mit den tractaten kein ernst seyn, noch sie zum ziel sich legen wollen Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 30; gern will ich mich dann (wenn man mich vom vorzug der hexameter überzeugt hat) zum ziele legen und meinen ganzen jambischen plunder ins feuer werfen Bürger 181b Bohtz; Pestalozzi s. w. 5 (1930) 174; weisz nicht, ob alles sich (bei der brautwerbung) so rasch zum ziele legt (sich schickt) A. v. Arnim s. w. 5, 304; die Bamberger scheinen sich zum ziel zu legen Bismarck an Gerlach (1893) 174; sich militärisch ergeben: damals haben die Linoner sich ... zum ziele geleget S. Fr. Hahn staatshistor. (1721) 1, 51; M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 424; 3, 355; Mommsen röm. gesch. 2, 165 (zit. teil 6, 534); sich ergeben schweiz. id. 3, 1176; ziel entspricht dem ziel ob. I 1 a; nicht zutreffend von H. Paul wb.4 677a auf das wild bezogen. zu ziel I 2 a α stellt sich die wendung zum ziel stehn (s. dort).
2) adjektiva tragen wesentlich zur bildlichen und übertragenen verwendung von ziel bei; die vorstellung des maszes führt recht herbei, s. DWB I 3 b γ. die schwierigkeiten geistigen strebens kennzeichnen die adjektive weit, fern und hoch, wozu bei dem letzten verbale wendungen treten. ausgangsvorstellung ist bei weit vorwiegend das lauf- und wanderungs-, bei hoch das schuszziel, doch scheint hier schon früh die vorstellung des hohen und damit schwer erreichbaren ideals mitgewirkt zu haben: (man) hat ... dem zweyten jahrgange (der zeitschrift) ... kein weiteres ziel gestecket Gottsched

[Bd. 31, Sp. 1075]


anmuth. gelehrs. 2, 75; nach seiner (des wörterbuchs) umfassenden allgemeinheit kann ihm nur ein groszes, weites ziel gesteckt sein teil 1, vorr. 12;

mîn zil sich hœhet baz:
ich enwil von niemen lêhen hân
Wolfram Parz. 347, 2;

was touc mir ein ze hôhez zil (des minnedienstes)?
Hartmann v. Aue in minnesangs frühl. 217, 5;

Tauler pred. 183 V.; quod er dir das ziel cum bonis operibus gesteckt hat so hoch, das dus nicht erreichen wirst Luther 34, 1, 186 W.; 32, 400 W.; Herder 22, 130 S.; je erhabner das ziel ist, nach dem wir streben, ... desto höher steigt unser muth Schiller 3, 509 G.; sind nicht die blüten seines (des menschen) geistes das höchste ziel? teil 1, vorr. 7; s. I 3 c α.
3) der plural kommt für den einzelnen vorgang des schieszens, werfens und laufens, aber auch des geistigen strebens nicht in frage; bei der vorstellung der grenzlinie und des bezirks wirkt er jedoch entscheidend mit und findet sich auch bei den entsprechenden zeitlichen vorstellungen; für die letzten sei auf II 1 b β und c β und γ verwiesen. recht häufig ist er in aussagen über geistiges streben und praktisches handeln, insofern diese nebeneinander verschiedene richtungs- und zielpunkte auch bei einem menschen feststellen können. belege für geistiges streben: es ist das kennzeichen des wahrhaft strebenden, dasz er ... aufwärts schaut ... zu den weiteren zielen Mommsen red. u. aufs. 20; die ... ihre ehrgeizigen ziele verfolgten M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 10; für praktisches handeln, wobei sich die vielgestaltigkeit des politischen wirkens eben in dem plural kundtut: kräfte, die nach so umfassenden, groszartigen zielen streben Ranke s. w. 2, 70; sehr häufig bei Bismarck: die verhandlungen haben ... friedliche ... ziele ged. u. erinn. 2, 272; vgl. ebda 1, 108; 2, 31; 2, 76; ders., polit. red. 3, 8 K.; auch bei Ad. Hitler: anhänger einer bewegung ist, wer sich mit ihren zielen einverstanden erklärt, mitglied ist, wer für sie kämpft m. kampf 651; 371. natürlich kann auch eine reise mehrere ziele haben: die ziele ihrer weiterreise H. v. Barth Kalkalpen 34.
4) die präposition zu bezeichnet nach Adelung lehrgeb. d. deutsch. sprache 2, 136 das ziel einer handlung oder veränderung; sie ist also recht eigentlich mit dem zielbegriff verbunden; schon in der gegenständlichen bedeutung von ziel tritt sie als zutreffende richtungsbezeichnung auf:

und lieb schiuszt zu dem zil liederbuch d. Hätzlerin 284;

andere fälle s. DWB I 1 a α; auch auf treffen wird diese konstruktion übertragen, s. ebda γ; für die ankunft im ziel steht gelangen zum, kommen zum ziele: mit diesen bestrebungen zum ziel ... gelangen Ranke s. w. 1, 126;

was er ihm fürgenommen
und was er haben wil,
das musz doch endlich kommen
zu seinem zweck und ziel
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 373a;

als es (das wort) sollte gesprochen sein,
kam er damit nicht zum ziel
Rückert ges. poet. schr. 3, 93; 1, 93;

die opposition gegen kaiser und papst war nicht zu ihrem ziel gekommen Ranke s. w. 1, 49; sodann bei machen und haben: dasz er mich ... zum ziel des witzes macht Müllner dram. w. 5, 17; alle bildung, die den ganzen menschen zum ziele hat Fr. Schlegel im Athenäum 2, 26. — demnächst fällt der präposition auf eine rolle zu, so in der mhd. sprache, wo ûf daz zil zum wert einer adverbialen zielbestimmung 'dahin, soweit' mit nachfolgendem konsekutivsatz herabsinkt:

nûst ez mir komen ûf das zil,
daz ich mich selben tœten wil
Wolfram Parzival 124, 27;

märterbuch 152 Gier.; Hartmann v. Aue arm. Heinr. 607; Iwein 5420; in verbindung mit mhd. unz eine adverbiale zeitangabe:

des wil ich peiten auf daz zil,
uncz er zü lande wider chümpt märterbuch 188 Gier.;

[Bd. 31, Sp. 1076]


selten als örtliche zielbezeichnung 'auf ... los':

sô jagt er ûf des ruomes zil
den ruom unz an ein ende
Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 14;

aber recht am platze bei terminangaben, s. II 1 c β. — für zu hat sich das jüngere nach eingedrängt bei schieszen, werfen, laufen, belege s. DWB I 1 a α; β; bei streben ist nach das gegebene wort, s. DWB I 3 c α. — den raum jenseits des ziels beachtet man im sport beim lauf (s. I 1 a γ; b α; γ) und beim fehlerhaften schusz, vgl. übertr.: das (leben) ... zuletzt doch noch durchs ziel ging W. Schäfer erz. schr. (1918) 2, 214; über das ziel schieszen s. I 1 a γ. — an diente früher neben zu als zielbezeichnung, mit dem akkusativ verbunden:

wann es chomt an das zil (soweit),
das veind gen veind sich berait,
so sol ain man sein unverzaigt liederbuch d. Hätzlerin 118b;

er (der bauherr) geniesze darin (im neuen hause) der freuden viel
und komme spät dereinst ans ziel (des lebens, d. i. zum sterben)
E. Baumeister zimmermannssprüche 44;

R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 101; mit dem dativ gibt an von jeher an, dasz das ziel erreicht ist: dâ ruowet diu sêle inne, wan sô ist si an dem zil, dâ si niht fürbaz darf David v. Augsburg in: mystik. 1, 324 Pf.; wohl stunds in ihr (Maria), aber im wort der verheiszung, im ziel (zweck) des bundes am ziel (ende) Jac. Böhme s. w. 5, 288 Schiebler;

ich bin an dem ziel, an dem ziel!und fühle, wo ich bin,
es in der ganzen seele leben!
Klopstock oden 2, 2 M.-P.;

Herder 5, 27 S.; Schiller 5, 36 G.; allgemein; an dem zil daran (wie auf das ziel soweit, s. ob.) Rudolf v. Ems weltchronik 35112 E.
5) das sprichwort bedient sich des wortes ziel seines beziehungsreichen gehaltes wegen gern: oft schieszen trifft etwan das ziel Eyering proverb. 3, 277; gut gespiel ziehlet auch zum ziel Lehman flor. polit. (1662) 3, 135; bös arth nie gut ward. thuts widerspiel und machts zuviel, bisz sie erlanget ihr end und ziel Petri d. Teutsch. weiszh. 2, L 3b; beharrlichkeit führt zum ziele Holtei erz. schr. 1, 16; weit vom ziel ist gut fürn schusz Binder 220; andere sprichwörter und redensarten ob. verstreut.
6) zusammensetzungen: acker- (terminus Schöpper synon. 77a Sch.-K.), arbeits-, end-, fahrt-, forschungs-, gefechts-, gerichts-, lauf-, lebens-, mark-, reise-, schiesz-, spiel-, verhandlungs-, wanderungs-, wohn-, wurf-, zahlziel.
 
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zielabschnitt, m., geländeabschnitt, der einer batterie als schieszbereich zugewiesen wird: v. Alten handb. f. heer u. flotte 3, 506; Liller kriegszeit. 3 (1916) 184. —
 
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zielband, n., bei laufwettkämpfen das in brusthöhe gespannte weisze band.
 
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zielbahn, f., strecke vom auge bis zum ziel: zielbahn des ... geschützes Fr. G. Schilling bagatell. (1799) 121. —
 
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zielbar, adj., das nd. teelbar 'sich fortpflanzend': brem. wb. 5, 51. —

 

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