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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziehmühle bis ziehpflaster (Bd. 31, Sp. 1032 bis 1033)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -mühle, f., durch zugthiere getriebene mühle; moletrina Calepinus XI ling. 906a; ein ziehmle, treibmle Megiser (1603) 2, 77a; man kunde (vor kälte) auch nicht malen, das man an etlichen orten ziechmülen mst aufrichten S. Franck chron. zeitb. (1531) 207a; die kelte war also streng, dasz die stehenden und flieszenden wasser überfroren, deszhalb (man) die müllinen stellet und ziechmülen anrichten mueszte (1580) Wurstisen im schweiz. id. 4, 191; auch derselbe 2, 188; dasselbe berichtet Binhardus thür. chron. 289; s. H. Fischer 6, 1187.
 
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ziehmutter, f., 1) amme (zu ziehen I D 1 a β): Euriclea sein seugamm und ziehmtter Joh. Heroldt v. d. zung (1544) 51b; Götze gloss.2 236a; die ziehmutter la nourrice, amme, pflegemutter Schwan n. dict. 2, 1106a. 2) erzieherin, pflegerin: Euriclea sein (des Telemachos) ziechmtter Schaidenreiszer Odyss. 71a; mitler weil werden ire eltern von einem freund zu gast geladen, zu dem sie auch sambt irem gesinde kommen und Maxellenden allein mit irer ziechmutter im hausz gelassen haben H. Fabricius bewert. hist. (1599) 834; auch ... von ihren ammen, pfleg- und ziehemttern ihnen der leib von kindheit an darzu steif gewhnet, gezwungen und gedrungen Butschky rosenthal (1699) 338; hierher auch: ziehmutter nudrice Kramer teutsch-it. 2, 1451c; the fostermother or nurse of a child Ludwig teutsch-engl. 2590. 3) pflegemutter, eine frau, die ein fremdes kind in kost und pflege hat:

und ir, mein vatter und ziehmutter (der hirt Faustulus und
die ir mich und auch meinen brudr seine frau),
erzogen habt bisz auf den tag,
für eur wolthat ich euch danck sag
Ayrer dram. 1, 64 K.;

also haben die tugendhafte Cornelia der Gracchorum, die Aurelia keisers Julii ... sich zu aufseherinnen und ziehemttern junger frstlicher knaben bequemet Er. Francisci alleredelst. unglück (1670) 192; danach oft belegt, vgl.: Nestroy ges. w. 2, 32; A. Stifter s. w. 3, 274; Rosegger schr. 14, 28; Mommsen red. u. aufs. 275; hdwb. d. staatswiss.2 3, 1039; Adelung2 4, 1708; Unger-Kh. steir. 651a; zeegmoder Hönig Köln. 207a.
 
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ziehnagel, m., nach Fäsch kriegslex. (1735) 272b und Wolff math. lex. (1747) 1441 nagel, mit dem die eisenbänder der räder an lafetten zusammengezwickt werden.
 
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-netz, n., gleich ziehgarn: Ludwig teutsch-engl. 2590; allg. haush.-lex. 2, 437; Frischbier 2, 493a; Seligo fanggeräte § 153.
 
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ziehochse, m., zugochse: (1474) bei H. Fischer 6, 1187; von eim alten ziegochszen und eim jungen mestochszen oder weydochszen Er. Alberus fabeln 115 ndr.; ruricolae boves die ze acker gond oder eerend, ziechochsen, bauwrinder Frisius dict. 163b; jugatorius bos ein züchochsz, der am joch zücht ebda 742a; Sebiz feldbau 32; vier starcke ziheochsen Mathesius Sarepta (1586) 132a; wann einem zieheochsen von der arbeit oder harten ziehen der hals verletzet wird ..., so nim gelinde hartz Bapst v. Rochlitz arzneib. 342;

drey thaler ich im schuldig war.
so drang er mich so heftig gar,
dasz ich must zu dem metzker laufn
und mein ein ziehochsen verkaufn
Ayrer dram. 4, 2602 K.;

2 ziechoxsen und ain jungs veldpferd (1431) Zingerle mittelalterl. invent. 44b; zieh-, zugochs Stieler 1379; ein alter ziehochs machet gerade furchen Kramer teutsch-it. 1, 439b; Ludwig teutsch-engl. 2590; Steinbach 2, 150. —
 
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-öffnung, f., wie ziehloch 2 loch an der sohle des kalkbrennofens zum herausziehen des gebrannten kalks; deren sind eine gröszere anzahl auf den ganzen umkreis des ofens vertheilt; auch an hochöfen; vgl.:

[Bd. 31, Sp. 1033]


Muspratt chem. 8, 385 St.-K.; Karmarsch-H.3 2, 201; Kerl thonwar. 147. —
 
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-ordnung, f., marschordnung; die bürger werden in eine ziehordnung eingetheilt (1524) H. Fischer 6, 1187; sonst im zihen (auf dem marsche) sollen die feldtweilbel auch die ziheordnungen mit sampt den andern weibeln und befelchsleuthen machen Fronsperger kriegsord. (1564) 47a.
 
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ziehpanster, n., wird in mühlen das rad genannt, welches zwei gänge hat und sich bei aufschwellendem wasser in die höhe zieht: allg. haush.-lex. 3, 798; s. hierzu panster th. 7, 1424; kann je nach dem wasserstande in seinem gerinne höher oder niedriger gehängt werden, im gegensatz zum stockpanster, das feststeht; s. Noel Chomel 7, 369; Adelung2 4, 1709; Benzler deichbaulex. 2, 199; Mothes baulex. 4, 509; Prechtl 20, 148; dazu -zeug, n.: Noel Chomel 7, 370. —
 
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-pfad, m., lein-, treidelpfad: Mothes 4, 509. —
 
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-pferd, n., zugpferd, wagenpferd: desgleichen soll der stat paumeister bestellen einen furman, der dreu oder vier ziechpfert hab Tucher baumeisterb. 126 L.; ein ziegpferd, wagenpferd Duez (1652) 173; wenn ein pferde enge umb die brust ist und schwerlich athem holet, das geschieht an den ziehpferden biszweilen, dasz sie einen bsen seilen oder kummet haben, der sie an dem halse drucket und den athem unter dem ziehen verhindert J. Walther pferdez. (1658) 62; zug-, ziehpferd Stieler 1441; Kramer teutsch-it. 2, 199c; Ludwig teutsch-engl. 2590; das beste ziehpferd habt ihr mir abgeschwatzt A. Langer prozeszgeist 64; hdwb. d. staatswiss.2 7, 170.
 
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ziehpflaster, n., ein blasen ziehendes oder eiter zusammenziehendes pflaster, häufiger zugpflaster; belege: cataplasma ziechpflaster Diefenbach n. gl. 79a; ain pflaster tractivum, ... von den Teutschen ziechpflaster genant Hier. Braunschweig chirurg. (1539) 110b; züchpflaster Frisius 439a; extractorium puris ziechpflaster oder -instrument, eyterzieher Nic. Frischlin nomencl. 240; brachten wirs mit gelinden, weich und ziegpflastern so weit, das sich der grausame schmertzen etwas legte Joh. Füglin Wiers de praestig. daemon. (1586) 137a; auch sollt du keinem, der uber die hnd oder hinder den hnden ... wund ist, kein ziechpflaster uberlegen Gäbelkover arzneib. 2, 217; s. H. Fischer 6, 1187; Hulsius-Ravellus (1616) 431a; wann die bauern mit stuhlfszen schertzen ..., da lachen (die wundärzte), weil sie gelegenheit finden, ihre ziechpflaster zu applicieren A. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 124; später selten begegnend: Callenbach wurmsaam. 28 Witkowski; auch thaten die angelegten ziehpflaster ihre wirkung Fr. A. Wolf verm. schr. 258; sonst nur noch durch wbb. erfaszt: zug- oder ziehpflaster cerotum Stieler 500; Kramer teutsch-it. 2, 1451c; Ludwig teutsch-engl. 2618; Adelung2 4, 1709; Voigtel 3, 698b; Campe 5, 863b; doch noch in maa. gebräuchlich: Loritza 147b; schweiz. id. 5, 1262; Gangler luxemb. 489; Schön Saarbr.2 234a; im 16. jahrh., vereinzelt auch später, übertr. für ein mittel, das böses hervorbringt oder volle beutel leert:

aller sünd und schendtlichen laster
ist leibes wollust ein ziechpflaster
H. Sachs 7, 413; 21, 341 K.-G.;

(die hurerei) aller untugendt ein ziechpflaster 1, 197 K.;

weil die mess ein so wunderlich ziechpflaster ... ist Fischart binenkorb (1588) 123a;

ihr args gewissen thun sie biegen,
und das sie straffen der welt laster,
deren sie doch sein zigpflaster
Joh. Nas antipap. 4, 198b;

ein bsz weib ist ein schiffbruch ihres mannes, ist ... ein blaszbalg des feurigen zorns, ist ein ziechpflaster des geldbeutels A. a s. Clara Judas (1686) 1, 28. —

 

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