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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zieher bis ziehfalte (Bd. 31, Sp. 1026 bis 1027)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zieher, m. , nom ag. von ziehen.
1) vom trans. verbum.
a) eine person, welche zieht: z. retractator Diefenbach n. gl. 318b; Stieler 2628; Kramer teutsch-it. 2, 1451c; Adelung2 4, 1708; Campe 5, 863b; zu ziehen I A 1: und wann der eine haufe sich matt und mde gezogen, kommen alsobald frische z. oder trecker an ihre statt J. Neuhof d. gesantsch. (1666) 122a; übertr.: ein williger z. des jochs wirdt von gott in allweg erfordert Schweickhart v. Helfenstein Basil. Magnus (1591) 342; amoretten, die einen wagen ziehen: S. v. Birken ostländ. lorbeerh. 396; zu ziehen I A 2: z. ein bergarbeiter, welcher mit dem haspel fördert Veith bergwb. 589; um das zu- und aufzufördern, was ein hauer in einer schicht von 8 stunden herausschlägt, gebraucht man einen schlepper zum zufördern und einen z. zum auffördern J. Fr. Zöllner br. üb. Schles. (1793) 2, 113; nach Noel Chomel 2, 172 gab es in Öls in Schlesien ein zieherhandwerk von leinwebern, welche gezogene arbeit (s. ziehen I A 2 a ζ), z. b. handtücher, verfertigten; zu ziehen I A 11: Bochemus und Romanus, die gelückhaftig z. (einrenker) waren Hier. Braunschweig chirurg. (1539) 106a; zu ziehen I B 1 d: z. traho calicum, der wol ziehen und saufen kan Stieler 2628; zu ziehen I D 1 übertr.: der hunger, der da ist ain maister diser kunste und ain ziecher, merer und wyterer inwendiger sinnen Nicl. v. Wyle translat. 207 K.; Lexer 3, 1106; schlieszlich rotwelsch ziacherl (bair.) taschendieb Ostwald rinnsteinspr. 170; in zus.-setz. zur bezeichnung gewisser handwerksberufe, vgl.: ballenz. der die waren auf- und abladet Schöpf tirol. id. 27; drahtz. Kramer teutsch-it. 2, 1451c; Steinbach 2, 1106; Schwan n. dict. 2, 1106a; s. th. 2, 1331; faszz. weinschröter: trahones onerarii Stieler 2628; arbeiter bei einer weinniederlage faszz. Schmeller-Fr. 2, 1106; Wickram rollwagenb. 163 Kurz ist th. 3, 1362 unrichtig erklärt; s. auch ziehen I A 1 b δ; goldz. s. v. w. golddrahtz.: Schwan n. dict. 2, 1106a; kerzen- und lichtz.: Kramer teutsch-it. 2, 1451c; Steinbach 2, 1106; s. th. 6, 895; schiffz.: Steinbach 2, 1106; s. th. 9, 107; wachsz. s. th. 13, 158; weinz. nach Schmeller-Fr. 2, 1106 auch gleich faszz., ebenso nach H. Fischer 6, 633 (mit nachweisen).
b) ziehende thiere:

und hau die strnge weg, lasz doch die mden zieher
mit ruh ergetzen sich
Fr. v. Dachsdorf wintertagesschäferei (1636) P 1b;

sie (die pferde) waren und bleiben schlechte z. M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 63; sodann im bereich von ziehen I B 2 k blasenz. als benennung der blasenziehenden spanischen fliege, meloe vesicatorius, lytta vesicatoria, s. th. 2, 70; blutz. sanguinisuga Stieler 2628, also für den blutegel; Kramer teutsch-it. 2, 1451c.
c) geräthschaften: rufen ... nennet man das, wenn man ihn (den falken) mit dem z. und der stimme allein auf die hand bringet geöffn. jägerhaus (1706) 43, scheint die ebda 40 beschriebene vorrichtung, in der ein lockfalke und eine attrappe durch zug an einer schnur zum aufflattern gebracht werden, zu meinen; zu ziehen I A 1 a ε: z. ein krummgebogenes eisen, mit dem die kammacher die zähne der kämme abschaben und abrunden: Hübner zeitgslex.31 4, 1019b; Prechtl technol. enc. 8, 115; sodann z., auch kretzer (s. th. 5, 2079) das geräth, mit dem man die ladung aus dem gewehrlauf ziehen kann, gleich kugelz.: Heppe wohlred. jäg. (1763) 336b; Ludwig teutsch-engl. 2590; ferner ist z. der stechheber: Kehrein Nassau 1, 453; H. Fischer 6, 1187; schlieszlich als theil eines gröszeren werkstücks, der aus diesem herausgezogen wird: z. orgelregister Hentrich Eichsfeld. ma. 94; schublade (Mutten) beitr. z. schweizerdeutsch. gramm. 19, 149, wofür seltener ziehe, f. (s. ziehe 2); bekannter in zus.-setz. wie blasenz. schröpfkopf: cucurbitula Stieler 2628; korkenz. s. th. 5, 1812; kugelz.: un tireballe ein kugelzieger Duez nomencl.

[Bd. 31, Sp. 1027]


(1652) 213; Kramer teutsch-it. 2, 1451c; Steinbach 2, 1106; s. th. 5, 2546; luftz.: machina spiritalis in fodinis Stieler 2628; Steinbach 2, 1106; pfropfenz. wie korkenz., s. th. 7, 1798; reifz. uncus vietorum tractorius Stieler 2628; stiefelz. Stieler 2628; Kramer teutsch-it. 2, 1451c; Steinbach 2, 1106; üblicher stiefelknecht; weinz. weinheber, stechheber: Stieler 2628; Kramer teutsch-it. 2, 1451c; Schmeller-Fr. 2, 1106; H. Fischer 6, 633; zitronenz. ein holzgeräth zum abziehen der zitronenschale trincirb. (1652) 96; dann noch raufz. aufschlagestiefel Müller-Fr. 2, 704b; vgl. ferner überzieher, m.
d) ausgehend von ziehen I A 13 b δ gilt an einigen reichsdeutschen universitäten der fechterausdruck z. gezogener hieb, wofür durchz. üblicher ist.
2) vom intrans. verbum, für wanderer:

mit dem tage wieder asche werden diese nächtgen zieher
Freiligrath ges. dicht. 1, 154;

gelegenheitsbildung wie auch die meisten fälle in 1 mit ausnahme der berufs- und geräthenamen.
 
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zieherei, f., thätigkeit des ziehers, mehr in zus.-setz. wie drahtz. gebräuchlich: Kramer teutsch-it. 2, 1452a; Schwan n. dict. 2, 1106a; Schrader frz. wb. 2, 1679.
 
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zieherhorn, n., ammonshorn: (schles.) zs. f. d. phil. 20, 494; Campe 5, 699a; s. ziehhorn.
 
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zieherin, f., zu zieher, ist in der alten sprache die amme, die säugende, nutrix (vgl. ziehen I D 1 a β): sie und ir ziecherin (amme Luther) 1. Mos. 24, 59 erst. deutsch. bib. 3, 119; als die ziecherin (amme Luther) pfligt ze tragen das kind 4. Mos. 11, 12 ebda 4, 44; wann we den schwangeren und den ziecherin (nutrientibus: seit der Zainerbibel 1475 säugenden; seugerin Luther 1535) in den tagen Mark. 13, 17 ebda 1, 173; s. zu den parallelstellen Matth. 24, 19 und Luk. 21, 23 ob. ziehen I D 1 a β; foemina trahens, ducens, raptans Stieler 2628; loszieherin:

die urne ward gebracht und siebenmal gerüttelt,
Fortuna, sonst das blinde glck betitelt,
ward feyerlich zur zieherin bestellt
Pfeffel poet. vers. 8, 146;

z. ziehharmonika H. Fischer 6, 1187.
 
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zieherker, m., das gerüst, worauf die arbeiter beim heben und senken des rades an einem pansterzeug (th. 7, 1424) stehn: Mothes baulex. 4, 509.
 
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zieherlohn, m., lohn der schlepper von floszstämmen: was bis und nechst ans Reichenbächlin mit geringstem kosten des zieherlohns uf das wasser und flosz zu bringen (schwäb. 1657) Alemannia 10, 215; lohn der treidler: Schwan n. dict. 2, 1106a; Schrader frz. wb. 2, 167a. —
 
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-schicht, f., eine arbeitsschicht des ziehers im bergwerk Veith bergwb. 407; s. zieher 1.
 
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ziehet, f.: zīgat mühselige arbeit Edw. Roedder volksspr. d. bad. Frankenland. 581a. —
 
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ziehet, n., euter der stute, s. ziehen I D 1 a β.
 
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ziehfaden, m., ein faden zum ziehen, bei den perückenmachern: Schrader frz. wb. 2, 1679; sonst: Rosegger schr. 3, 434; (die erdherren) bilden ... sich ein, gott werd ihnen die völker immerdar als gaukelpuppen an ihre ziehfädchen geben F. W. Gubitz erlebn. 3, 156. —
 
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-falte, f.: langsames weib Pfister nachtr. 344. —

 

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