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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziehbutter bis ziehenig (Bd. 31, Sp. 937 bis 1026)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -butter, f., bei winterfütterung gewonnene butter mit niedrigem schmelzpunkt, welche zu herstellung von blätterteig vorzüglich geeignet ist, weil sie den rohen teig äuszerst dünn auszuziehen gestattet: Martiny wb. d. milchwirtsch. 141. —
 
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-denriemen, m., vulgär für mutterbrust: gebt im (dem neugeborenen kind) ausz dem zihdenrimen zu trincken Fischart Garg. 167 ndr.
 
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-dirne, f., pflegetochter: Unger-Kh. 651a.
 
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ziehe, f., 1) das er-, aufziehen, a) die körperliche pflege und aufzucht eines kleinen kindes durch eine fremde frau, seine ziehmutter: meine gutsnachbarin ... hat ein paar ... kinderchen zur z. theat. d. Deutsch. (1768) 14, 250; ihr kind hatte sie ... in die z. gethan K. Chr. Fr. Krause briefw. 1, 198; ihrem eignen ... bei ärmsten leuten oder verwandten 'auf die z.' gegebenen kinde Gutzkow ges. w. 1, 146; danach zieh- oder haltekind genannt; Müller-Fr. 2, 703b; Bruns prov. Sachs. (ostteil)2 77a; richt. Berliner8 195b; dann aber auch die entgeltliche erziehung eines gröszeren kindes in einer anderen familie, bei zieh-, pflegeeltern, oder anstalt mit leiblicher versorgung, geringer als pension, dabei liegt der nachdruck auf erziehung, und der begriff streng stellt sich ein, vgl. in die z. nehmen eig. in erziehung nehmen, dann jemand streng halten Blumer nordwestböhm. ma. 96b; Heynatz antibarb. 2, 667; Adelung2 4, 1705; (altenburg.) Hertel Thür. 264; Müller-Fr. 2, 703b; Schulpforta, eine anstalt, die einem zuchthause ähnlicher sieht als einer z. Fr. L. Jahn br. 310; in der sprache der Herrnhuter von der geistlichen zucht an den brüdern: gesangb. d. brüdergem. 1233, v. 5; 1. anh. z. London. gesangb. d. brüdergem. (1755) 22, v. 4; b) jemand zur z. haben jemand aufziehen, necken: Adelung2 4, 1705; Heynatz antibarb. 2, 667. ein junges obersächs. wort. 2) schublade, schweiz., anscheinend nach franz. tiroir gebildetes wort, lautlich zühe, züche: Stalder 2, 481; Tobler appenz. 461a ; beitr. z. schweiz. gramm. 1, 130; 3, 105; 5, 86; vereinzelt zieher, m. (s. d.). —
 
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ziehe- ältere md. und nordd. form für zieh- s. unter zieh-.

[Bd. 31, Sp. 938]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zieheimer, m., einer eines ziehbrunnens: Ludwig teutsch-engl. 2590; antlia Sperander 39b; Steinbach 1, 326. —
 
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-eisen, n., eine stahlplatte mit löchern, durch welche metall zu draht ausgezogen wird: so zeuch ein goldt durch ein zieheysen zu einem dnnen subtilen drat Ercker miner. ertzt (1580) 61a; Noel Chomel 3, 183; Krünitz 241, 293; Adelung2 4, 1705; v. Scheuchenstuel österr. berg- u. hüttenspr. 57; Karmarsch-H.3 7, 561; 2, 644; Muspratt chem. 1, 1639 St.-K.; auch zur herstellung von kerzen: 5, 197; sowie eine stahlplatte mit ausschnitten am rande, durch welche man holzleisten hinzieht, um diese in der form der ausschnitte zu kehlen: Bucher kunstgew. 447b. —
 
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-eltern, plur., pflegeeltern, leute, die ein fremdes kind in pflege und erziehung nehmen: ziehe- J. Helwig Ormund (1666) 76; dasz für den armen waisen z. gesucht würden Rosegger II 14, 105; für die vögel, welche die jungen des kuckucks aufziehen: Brehm tierleb. 5, 81 P.-L.
 
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ziehen, verb. form: germ. *teuhan, dem idg. *deuk- in lat. dūco (aus altlat. douco) und griech. δαιδύσσεσθαι (über *dukj-) entspricht, erscheint als got. tiuhan, as. tiohan, afries. tiâ, ags. téon, ahd. ziohan, mhd. ziehen, mnld. tien, mnd. tên; das altnord. bewahrt nur das part. togenn, sein tióa, tǿia, týia helfen, nützen weist auf schwache bildungen zurück, vgl. Falk-Torp et. wb. 1316. in der formen bildung des deutschen fällt neben der vereinzelten südtirol. mischform gezoget des part. perf. ein umlautloser conj. prät. in schweizerischen maa. auf: zug beitr. z. schweizerd. gramm. 7, 59, zūg 8, 31, zuhi 10, 91; zugy (Schwyz 1496) weisth. 4, 356; sy zugind Frisius dict. 440b; Tschudi chron. helv. 1, 72. das mhd. kennt bereits in der enklise die form zôh, vgl. zôher zog er: hôher höher Gottfried v. Straszburg Trist. 2555, ebenso auch zô, vgl. alsô : zô Herbort 17 781; vrô : zô Morant u. Galie 1106; 1474, öft. im frühnhd. schwankt der auslaut des sing. prät. zunächst zwischen älterem -ch und dem durch ausgleich aus dem plur. bezogenen -g, so bei Luther, Clajus und H. Sachs; Grimmelshausen bevorzugt schon zog neben zoch und zohe; dieses zohe tritt noch auf bei R. Lorichius paedagogia princip. (1595) 418; Zach. Müntzer Liv. (1598) 8; v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 10 (aber zog 13); die form zohest bietet Rist Parn. 681, zohst Lohenstein Cleop. 737; zoh (im reim auf floh) noch bei Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 401; ausgleich des grammatischen wechsels nach h hin zeigen zuhen (: fluhen) Reinfrid v. Braunschweig 10 302, zohen Haimonskind. 41, zohen Eulenspiegel 8 ndr. (neben zogen 19), S. Franck chron. Germ. (1538) 81b, Logau 69 E., Lohenstein Cleop. 2349, v. Besser schr. 2, 521 Kön., Zach. Werner Luth. (1807) 11; -h- auch im part. perf.: Xylander Polyb. (1574) 128; Blaimhofer Schwed. 71. obd. sprache hält lange das -u- des plur. prät. fest: zugen Stumpf Schweizerchron. (1606) 668b; im conj. bleibt -ü- darüber hinaus auch in Obersachsen und Schlesien: zügen Sebiz feldbau 18 (elsäss.); ziegen Zinkgref auserles. ged. 28 ndr. (pfälz.); zügen Chr. Weise Cathar. 197; züge Lohenstein Arm. 2, 49a; A. Gryphius lustsp. 13 P. seltener nimmt der sing. -u- an, bei H. Sachs wohl nur unter reimzwang, vgl. DWB zug : schlug 8, 542 K., öft., wogegen in den modernen maa. der vocalische ausgleich weiter um sich greift, s. Sütterlin nhd. gramm. 401. die alte obd. flexion der 1. sing. präs. ist fest bei H. Sachs: zeuch 14, 125 K.-G.; sonst tritt zeuch auf in chron. d. st. Bamberg (1525) 2, 84 Chroust; Schumann nachtbüchl. 99 B.; die obd. ma. von heute gleicht nach dem ie des inf. aus. in der 2. und 3. sing. ist der umlautvocal gemeindeutsch: zúhet Tauler pred. 26 V.; zücht und zühet Keisersberg brös. (1517) 1, 48b; Tschudi chron. helv. 1, 73; in den lebenden maa. zumeist bewahrt, vgl. u. a. schweiz. (st. Gall.) züchscht, schwäb. zui(ch)scht, rheinfränk. (unt. Main) zēicht, obersächs. zoit, nd. tṻst; über vertretungen eines umlautlosen iu bei i-ausfall (*ziuht) s. zs. Teuthonista 6, 173b; 7, 108; H. Fischer wb. 6, 1186. Luther schreibt -eu- : zeucht und zeuhet 17, 1, 165 W.; auch S. Franck: zeucht chron. d. Turckey D 1a; u. a.; Opitz und Schottel sprachk. (1651) 769 lassen schon -ie- zu, Gottsched sprachk. 284

[Bd. 31, Sp. 939]


sieht ziehest, ziehet, ziehe schon bevorzugt vor zeuchst, zeucht, zeuch; belege seit dem 17. jahrh.: zeuchst P. Fleming 86 L.; zeucht Lohenstein Cleop. 118; zeuhet disc. d. mahl. 1, 8; zeucht Herder 5, 93 S.; kind.- u. hausmärch. (1812) 1, 144; E. M. Arndt 3, 96 R.-M.; beide formen zeucht und zieht vereint sogar Heinse an Gleim 1, 382 K.; im imper. herrscht zeuch: Luther 19, 661 W.; Gueintz rechtschr. 169; auch später noch: Bürger 12a Bohtz; Schiller (räuber) 2, 200 G.; Schenkendorf ged. 7; daneben: zúche ew. wiszh. betbüchl. (1518) B 1a; zühe Keisersberg bilgersch. (1512) B 2d; zeühe Lindener rastbüchl. 36 L.; aber schon zih bei Fischart Garg. 132 ndr.; Gottsched sprachk. 103 gestattet zieh und zeuch; ziehe: Lehman flor. pol. (1662) 3, 503; Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 65; doch überwiegt zieh. den vocal -ü- führen alem. maa. in den inf. und plur. präs. ein: hochalem. zche, mittel- und ndalem. zühe; vgl.: zühende Frisius 942b; zchen Tschudi chron. helv. 1, 76; Nicl. v. Wyle 21 (neben ziehen 25) K.; zeuhen disc. d. mahl. 23; vereinzelt zeuhen bei Luther 20, 354 W. das lautgeschichtlich im alem.-bair. gebiet auch für den inlaut zulässige -ch- ist durch h-schwund und j- oder g-einschub, dessen hauptbezirk die österr., ostfränk. und md. maa. sind, beengt; vgl. für -ch-: ziechen auf kriechen reimend, z. b. pfarrer v. Kalenberg 44 ndr.; ziechen v. Brandis landeshauptl. v. Tirol 6; (steir. 1450) österr. weisth. 11, 390; zichen Arigo decam. 39 (neben zihn 124) K.; das md. zīn von heute belegt schon der reim ziehn : hin bei Logau 33 E.; der thür. inf.begegnet bereits im 13. jahrh. im Mühlhäus. reichsrechtsb.2 1, 6 Meyer. dem g-einschub verdankt die form zieg- ihr dasein: ziagn Castelli wb. 272; ziag'n Hügel Wien. dial. 194b; ziehgn : kriegn K. Stieler ged. 1, 52 Recl.; ziegn J. J. Schwabe tintenfäszl 79; dsīgŋ (Bamberg) zs. f. d. maa. 1912, 45; underziegen (Wetterau 1468) s. th. 3, 324; betriegen : ziegen Er. Alberus fab. 144 ndr.; ich zieg nov. dict. gen. f 3a: ich ziehe a a 2a; exercitus iter faciens ein ziegender hauffe kriegsvolck Corvinus (1646) 27. in der 2. und 3. sing. präs. erschwert sich hier die scheidung von zeugen; zu z. gehören zugt (Amorbach 1395) weisth. 6, 10; züget (oberhess. um 1496) Grüning. kirchenzinsb. 132; zeüget Luther 10, 3, 55 W.; tzeugist 7, 632 W.; zeügt Joh. Dietenberger wid. d. buch M. Luthers v. miszbr. d. mess F 3b, aber zeücht F 4; zeugt Er. Alberus n. dict. gen. Z 2b; zeuget C. Forer Gesners fischb. (1598) 50a; Sachsenspieg. ldr. (Leipzig 1545) 1, 18, 3, dafür zeuhet ausg. Leipzig 1595; zeugest Theob. Höck blumenfeld 62 ndr.; zeugt Lehman flor. pol. (1662) 1, 121: zeucht 2, 831; imper.: zeug H. Sachs 1, 294 K., aber zeuch 154 K.; zeuge S. Franck sprw. (1541) 2, 8b; zeug W. Sprangenberg dram. 2, 60 Dähnh. -ei- in diesen formen geht auf entrundung zurück: zeicht Terenz (1499) 68b; Fischart Garg. 5; 366; 379 ndr., öft.; Iglauer stadtb. bei Jelinek wb. 990; während es im infin. landschaftliche entwicklung aus -ie- darstellt: zeihin (1330) hess. urkb. 2, 397 W.-R.; zeihen H. Gholtz leb. bild. (1557) J 6b; vgl.-ē- im nd. bereich: zehen (Köln 14. jahrh.) städtechron. 13, 111; nd. tēn. dialektgeographisch veranlaszte verhärtung des auslautenden -ch und -g erscheint in md. bezirken, vgl.: ich ... zigk Alsfeld. passionsspiel 12 Gr.; ziehk, zick, zoik zieh bei Müller-Fr. 2, 704a; zik Liesenberg Stieger ma. 54; zock zog Hofmann niederhess. 269b; zohk (Weimar) Kürsten ma. v. Buttelstedt 63. abfall des participialpräfixes ge-, heute im alem.-bair. vorherrschend, tritt vereinzelt bereits in ahd. zeit auf: zogan uurtun nutriebantur ahd. gloss. 1, 638, 36; er stützt sich gern auf zusammensetzung, vgl.: halpzogen Graff diut. 3, 36; Wolzogen personenname; s. sonst H. Sachs 17, 120 G.; Murner badenf. 37 M.; Boltz Terenz 101a; Schumann nachtbüchl. 339 B.; vereinzelt bei Luther 7, 653; 10, 1, 1, 442 W. bedeutung und gebrauch: die hervorragende rolle, welche dem begriff ziehen im menschlichen leben zukommt, drückt die sprache durch eine breite und gliederung des begriffsfeldes sowie durch eine menge von ableitungen aus

[Bd. 31, Sp. 940]


dem wortstamme aus, wie sie in vergleichbarer weise etwa bei den anderen grundtätigkeiten des menschen, bei beran tragen und weniger ausgeprägt bei slahan schlagen hervortritt. so stammen von z. die substantive zug (th. 16, 376), zucht (257), zügel (409), zögling (27), (her)zog (th. 4, 2, 1256), zauge (th. 15, 398), zaum (sp. 399), sowie zeug (sp. 825) und zeuge (sp. 839) und die verben zogen (th. 16, 21), zögern (22), zucken, zücken (283), zeugen (sp. 846) und zeuken (sp. 873); auch zeter (sp. 808) ist aus z. hervorgegangen. dagegen stellt sich das verbum zûwen ziehen, das neben seiner intrans., im mhd. wb. 3, 942a aus Jeroschin belegten anwendung auch trans. gebraucht wird (vgl.: item 2 scot der fymuter, dy dy leythunde zuwet Marienb. treszlerb. 551 Joach.), zu zauen (sp. 396); aus zûwen entspringt nach sp. 394 wahrscheinlich zaudern. wie sich der stamm *teuh- in der ableitung zeug für geräth und stoff auf den wgerm. sprachkreis beschränkt (s. sp. 827) und in zeuge gar nach jüngerer neuerung dem deutsch. allein vorbehalten ist (s. sp. 841), so lassen nun die belege für das verbum z. anzeichen einer abstufung des gebrauches innerhalb der deutschen dialekte erkennen, indem das nd.-nld. für gewisse fälle ersatzwörter wählt und seine modernen maa. das flexionsschema von tên durch formen von trecken zerrütten oder völlig zerstören und das wort selbst dadurch beseitigen; vgl. die angaben bei Leihener Cronenb. wb. 124b; Woeste-N. 267a; Mensing 5, 34; Schambach 234a; Damköhler Nordharz. wb. 194a; 196a; Danneil 227a; Mi 93a; K. Mischke Rummelsb. u. Bütower ma. 59; das mnld. tien ist völlig durch trekken verdrängt. in Thüringen tritt zerren als concurrent auf (s. sp. 746). auszer durch zeuge ist der stamm *teuh- auch durch das verbum z. selbst in der rechtssphäre zu starker verwendung gelangt; jüngere sprache greift hier zum vielfachen ersatz. schlieszlich ist dem simplex z. durch seine zusammensetzungen mit präpos. und adv. starker abtrag geschehen, damit aber gegenüber der buntheit der verwendungen, welche dem verständnis beträchtliche schwierigkeiten bereiten muszte, zumal da ein häufiger austausch der objecte die ursprüngliche syntaktische verbindung aufhob, eine erwünschte minderung eingetreten. fühlbarer äuszert sich ein sprachlicher notstand darin, dasz innerhalb gewisser begriffsfelder nach und nach ein theil oder alle bestimmenden zusätze zum verbum fortfallen, so dasz der sinn der aussage nur durch die zuweisung in ihr sinnfeld erfaszt werden kann; s. als belege für diese entwicklung die abschnitte I A 8 a, b; 9 b; I B 2 b, h, i, k; 3 c. völlig undurchsichtig wird die aussage in der gewerblichen fachsprache dann, wenn sie im blick auf das wesentliche am arbeitsvorgang nur die bewegung des ziehens und meist das product sprachlich widergibt und damit eine sprachliche verknüpfung zuwege bringt, die den nichtfachmann irreführt; s. dazu die bemerkungen unt. I A 1 a ε; 2 a ζ; 7, d, e; 12 b β. nur einen theil der fälle des absoluten gebrauches hat die schriftsprache übernommen; durch andere wörter und verdeutlichende zusammensetzung hat sie ersatz geschaffen. trotz solcher verluste hat der sprachkörper z. noch stattliche stärke und eine wohlgegliederte form. verdankt er diese doch bereits der reichhaltigen grundbedeutung: einen gegenstand ziehen, d. h. eine kraft, die ihn zu sich heranzubewegen strebt, gleichmäszig auf ihn einwirken lassen, so dasz er sich ihrem ausgangspunct nähert oder, wenn sie fortrückt, ihr folgt oder, wenn er an einem punct festgehalten wird, sich, falls er elastisch ist, in der richtung der kraft ausdehnt. Luther greift vielfach gegenüber abweichenden übertragungen älterer zeit auf das einfache z. zurück, vgl.: er wird meinen fus aus dem netze zihen (evellet: lôset Notker, erloset mwestfäl., sal usczihen Trebn. ps.) ps. 25, 15; du wollest mich aus dem netze z. (educes: bringest mih uzer dien faron Notker, du ledes mi mwestfäl., du salt usleiten Trebn., uzleittes Windberg. ps.) ps. 31, 5; zoch mich aus der grausamen gruben (eduxit: leita ... uzzer Notker, geledde mwestfäl., ûzleytte Trebn. ps.) ps. 40, 3; s. auch unt. I E 3 c.
I. transitiv.
A. eine concrete bewegung im bereich der menschlichen arbeit oder anderer vorgänge des menschlichen lebens; überwiegender

[Bd. 31, Sp. 941]


verzicht auf die angabe der richtung kennzeichnet die ausdrucksform als eine abkürzende; sie geht in die absolute verwendung des verbums über, wenn das obj. unterdrückt wird.
1) der zug rückt den gegenstand, eine masse od. ä. theils mit einem hilfsmittel theils ohne ein solches von seinem orte
a) in hauptsächlich wagerechter richtung,
α) in land- und hauswirtschaft
αα) unter ausnützung thierischer kraft: daz ... pfert zúhet den ... mist ... uf daz velt Tauler pred. 27 V.; ain yetlich hopt, das den pflug zucht (schwäb. 1514) bei G. Franz bauernkr. 2, 101; ein ding geht über feld, von ... tieren gezogen ... es heiszt pflug Fr. Griese letzte garbe 145; s. th. 7, 1774; wagen von jungen ungezmpten pferden ... gezogen Ambach v. zusaufen D 2a; die Fortun wird in ihrem glkkswagen aufgefhrt, welcher von der eisernen Noth vorn gezogen ... wird Schottel friedenssieg 16 ndr.; es lst sich der karch nicht also (mit bloszer gewalt) ausz dem koth z. Lehman flor. pol. (1662) 2, 675; den wagen, karch z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; Adelung2 4, 1705; der zug mit der leiche des herzogs, von acht schwarzbehngten schimmeln gezogen Kerner bilderb. 11; sprw.: es gehet, wie es mag, wann krebs den schlitten z. Lehman flor. pol. (1662) 2, 673; bildl.: das leben als eine last z. Ad. Olearius pers. rosenth. (1696) 67a; mit unterdrückung des aus dem gedanklichen zusammenhange wie bei der zweckbestimmung der zugthiere entbehrlichen objects: biga ein par rosz nebend einanderen ziehende oder ein karr von zweyen rossen gezogen Frisius 156b; geiszlen, die ochsen mit dem gart treyben, damit sy dester redlicher ziehind 39a; ein ochs vermag einen harten zug und zeucht so stark als ein pferd viehbüchl. 13; Schiltberger reiseb. 100 L.; man gibt den pferden habern, dasz sie z. und ubers pflaster springen Lehman flor. pol. (1662) 1, 87; vgl. das beliebte fuhrmannslied auf der weinstrasze aus dem 16. jahrh.:

zieh, schimmel, zieh
im dreck bis an die knie;
schieb dich fein in diesen karren,
wir wollen an den Neckar fahren.
zieh, schimmel, zieh! wunderhorn 1, 531 Boxb.

und dessen liter. nachklänge in Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 5, 8; Novalis 1, 190 M.; Scheffel ges. w. 4, 43; abgewandelt in t, Peter, t im brem. wb. 5, 34;

matter ziehen die rosse
Schiller 11, 47 G.;

mit solch bestimmendem zusatz wie ohne ihn allgem. gebraucht; anscheinend hierher die elsäss. und lothr. wendung va leder z. ausreiszen, entspringen, der elsäss. zieh an dem strick entspricht, vom durchgehenden gespann: Martin-L. 2, 897a; Follmann 557b. sprw. und bes. redewendungen erzeugt die ma., vgl.: man schlägt auf den gaul, der zieht H. Fischer 6, 1179. belege der construction z. an s. I E 2 a.
ββ) vom menschen selbst, wenn thierische kraft fehlt: das, wo man die ackher besäen und nit hungers sterben wolte, acht oder zehen par männer den pflueg z. müesten v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 15; (eine) bäuerin, die einen karren zieht O. Ludwig ges. schr. 2, 102; die felleisen auf die räderchen zu stellen und zu z. G. Keller w. 4, 247; ein gezüchtigtes thier zieht, so auf menschen übertr.: jetzt zieht er ist gefügig, folgt, arbeitet H. Fischer 6, 1179; dort weitere anwendungen; mit dem rechen z. sie das abgemähte gras in kleinen partien noch gesicherten plätzen H. v. Barth Kalkalp. 233; landungsgeschütze an land ziehen: Stenzel seem. wb. 475b. bei gelegentlicher verrichtung:

waz man dâ karrâschen (serviertische) zôch
Wolfram Parz. 809, 20;

ich wag es drauf und wil den riegel ziehen
K. Stieler geh. Venus 72 ndr.;

ra.: den gänsedreck z. vergebliche arbeit thun H. Fischer 3, 52. — übertr. vom ziehen eines joches:

gottes sanfte herrschaft fliehn,
um der sünde joch zu ziehn
Jer. Schlegel verm. ged. 2, 5;

als bild der einigkeit: ego ac tu idem trahimus jugum wir z. all ein seyl Tappius adag. R 7a; dasz diese (Brigitte)

[Bd. 31, Sp. 942]


diesmal ... mit der räthin einen strang zog Holtei erz. schr. 26, 22; Lokman in Ad. Olearius pers. rosenthal (1696) 113a; häufiger z. an, s. I E 2 a. einen klotz, der mit einer das wild anlockenden schmiere bestrichen ist, über den boden ziehen: haushalt. in vorwerk. 226.
β) im schach- und brettspiel eine figur oder einen stein von seinem platze auf einen andern rücken: das schoch ... z. Wickram 1, 24 B.; uf den schochzabelspil ..., daz er ... gerne zoch (Straszb.) städtechron. 8, 283; wer ... eynen solchen gtten zug tht und zeucht den rechten steyn, der gewinnet das spill Agricola sprw. (1534) i 7a; schöne weise klugred. 88b; Harsdörfer frauenz.-gesprechsp. 2, 65; mhle z. Amaranthes frauenz.-lex. 1297;

ein affe sah ein paar geschickte knaben
im bret einmal die dame ziehn
Gellert w. 1, 156;

mit drei bauern neun partien schach ... z. Holtei erz. schr. 27, 256;

die lebenslust, die todespein,
sie ziehn auf meinem herzen schach
G. Keller w. 9, 65;

selten im schach z.: scatabulum das bret, darin man im schach zucht (15. jahrh.) Diefenbach gl. 515b;

und zog mit seinem weib ...
im schach zum zeitvertreib
Pfeffel poet. vers. 1, 58;

unter ellipse der objectsbezeichnung oder mit modalen und localen angaben:

Arabel zôch und der markîs
Ulrich von Türlin 107, 21 Sing.;

dyt is dat schichtspeel to Brunswick,
darin se togen unghelick (Braunschweig 1488) städtechron. 16, 101;

der springer
wird unbedeckt. — ist wahr. nun so! — so zieh
ich in die gabel
Lessing (Nathan II 1) 3, 39 M.;

wer noch keine dame im bret hat, darf nicht von weisz auf schwarz z. Brentano ges. schr. 7, 131. eine schanz z. s. unt. I A 13 b δ.
γ) ein schiff, einen kahn oder nachen treideln (s. th. 11, 1, 2, 100): helciarii der ein schiff zeucht mit einem seil Calepinus XI ling. 642b; helcyarius ein schiffrosz, das die schiff zeucht nomencl. lat.-germ. (1634) 172; Kramer teutsch-it. 2, 1450b; 2 männer, ein weib und 2 sclaven, die zogen das schiff Ritter erdk. 1, 430; am schiff z. s. I E 2 a; das schiff ans land z. s. I E 3 a, ins meer z. s. I E 3 g α.
δ) die fischer z. ihre netze durch das wasser: ni mohtun thaz (netz) ziohan fora thera menigi fisgo (trahere, Joh. 21, 6) Tatian 236, 4; Joh. Nas antipap. 1, 197a; mugen ... (sc. das rachnez) wol ziechen (tirol. 1505) österr. weisth. 5, 10; wenn du wegen der stöcke das netz im wasser nicht z. kannst fischbüchl. 124; Kramer teutschit. 2, 1450b; an einigen orten fngt man schon um Bartholomi an zu z. allg. haush.-lex. 1, f 2b; belege bei H. Fischer 6, 1181; übertr.:

wir enwizzen nicht, wan her (der tod) sin necze zut
eder wir sinen angel slinden spiel v. d. zehn jungfr. 99 Beckers;

wenn die mutter zwey liebhaber hat, so trachtet sie nach vieren und fünfen ... und zieht das netz nach so vielen, als sie kann Heinse 3, 544 Sch.; auch mit dem netz, garn z., s. I E 3 h, stets das netz ans land od. ä. z., s. I E 3 a.
ε) der begriff des ziehens in einigen handwerklichen oder fabrikmäszigen arbeitsverfahren entspricht, unter verzicht auf besonderheiten, der vorstellung eines fortrückenden zuges; so heiszt die ziehpunze (s. d.) deshalb so, weil sie nach Prechtl techn. enc. 7, 144 beim gebrauche langsam und gleichmäszig fortgerückt (gezogen) wird; dagegen ist die in dem verbum ausgedrückte leistung des werkzeuges besser unter I A 13 a zu verweisen. auch die in dem ausdruck gezogene rohre, läufe, büchsen, auch geschütze liegende vorstellung findet eine hinlängliche erklärung in dem zuge, dem das gewehr- oder kanonenrohr im arbeitsvorgange unterworfen ist; so wird der lauf eben gezogen

[Bd. 31, Sp. 943]


vgl.: jene (büchsenläufe) werden nach dem abschleifen gezogen Hoyer wb. d. artill. 1, 2, 74; das z. der läufe geschieht durch ... die zugbank Karmarsch-H. techn. wb.3 3, 454. das besondere geschehen, dasz in die innenwand des laufes züge eingeschnitten werden, drückt gezogen nicht aus, das thaten die früher gebräuchlichen synonyme gerissen, geschrauft; s. die ausführliche darstellung th. 4, 1, 4, 7191 und 7203; belege bei H. Fischer 6, 1181. auch bei den gezogenen schreibfedern meint nach der genauen beschreibung bei H. Brosenius technol. f. lehr. (1806) 1, 203 das z. nichts als dasz der federkiel (unter dem messerrücken hindurch) gezogen wird. im hinblick auf das arbeitsergebnis läszt sich auch die anordnung unt. I A 12 b β rechtfertigen. der ausdruck gezogene federn dagegen, d. h. über heisze kohlen gezogene und durch die hitze gekräuselte strauszen- und geierfedern (beleg ob. th. 4, 1, 4, 7191) ist logisch einwandfrei; nicht jedoch wieder die verbindung gezogene hüte, worunter nach der darstellung bei Prechtl techn. enc. 7, 600 und Krünitz ökon. enc. 27, 127 vermutlich hüte zu verstehen sind, deren filz durch die hutmacherkratze in gleichmäszigem zuge um die hutform herum aufgekratzt (gekardet) und deren auszenhaare so herausgeholt und gleichzeitig geglättet wurden; s. belege th. 4, 1, 4, 7202f., wo auch schon auf karden, kardetschen hingewiesen wird. schlieszlich heiszt noch das abrunden der zähne eines kammes mit dem zieher, einem geräth, das der arbeiter gegen sich führt, z.: Prechtl 8, 115.
b) in hauptsächlich senkrechter richtung und zwar von unten nach oben
α) den eimer mit wasser aus dem brunnen mit verschiedenen hilfsmitteln heraufziehen, auch in pumpen mit hilfe der saugwirkung eines saugventils:

aus Hypereas born des eimers last
zu ziehen
Bürger (Ilias) 174 Bohtz;

den schwengel am ziehbrunnen (sp. 936) z., s. th. 9, 2524; auch unmittelbar wasser aus dem brunnen z. Steinbach 2, 1099; in bergwerken fanden früh hebewerke mit pumpen verwendung: machina aquaeductoria ein wasserkunst oder auch instrument, damit man wasser zeucht nomencl. lat.-germ. (1634) 37; durch diese rr ... wird das wasser ... ausz dem sumpf gezogen Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 154; aber ältere einrichtung behalf sich mit tonnen und kübeln: in schächten, wo die wasser mit tonnen gezogen werden bei Veith bergwb. 589; weitere belege s. ebda; vom solebrunnen in Halle: wann aus dem Deutschen Brunn viel sole gezogen wird Hondorf saltzwerk 2; 125; auch Mathesius Sarepta (1571) 125b; dabei abgekürzt auch brunnen obj.: den brunnen z. Kramer teutsch-it. 2, 1450a; darumb man auch diesen brunn gantz ledig (leer) nicht z. oder ausschöpffen kann Hondorf saltzwerk 2; S. Hüttel chron. d. st. Trautenau 8 Schles. (s. th. 4, 1, 4, 7194); jetzt wasser schöpfen, allenfalls heraufz., wie schon: das ... wasser, so man mit pumpen heraufziehet Sebiz feldbau 17; auf ärztlichen eingriff übertr.: s wasser zije die harnblase entleeren Follmann 557b.
β) die angel aus dem wasser ziehen:

ziehst du die angel zu frh,
fngst du das fischlein nie
Binder 7;

absolut: also musz ein angler recht wissen, wann er z. sol S. Franck sprw. (1541) 1, 153; ungewöhnlich: die angel zeucht auch unwillige fisch Lehman flor. pol. (1662) 2, 952.
γ) durch zug nach unten einen gegenstand mit einem über eine rolle laufenden seil heben; so z. b. den rammklotz oder -bär:

ietz schla'mə widə drauf
und ziəhhə~ (den rammbär) brav houch auf ...
das ziəhhə das thuət nout bair. rammlied bei
K. Bücher arb. u. rhythm.4 199;

ferner in der schiffahrt die taue oder schoten eines schiffes z., um die segel zu heiszen oder sonstwie zu stellen:

der morner zoch di sayl
und die segel gegen dem winde
Heinrich v. Neustadt Apollonius 14 703 S.;

z hant daz schiffe die segel zoche ... von dann segelten Arigo Boccaccios decam. 320 K.; Venusgärtl. 16 ndr.; bildl.: die demokraten lassen alle segel z. gegen mich Bismarck br. an s. braut u. gatt. 123 B.;

[Bd. 31, Sp. 944]


(ich) ... glaube gründlich zu verstehn,
wie man die taue zieht
Ramler fabellese 1, 207;

kein seemännischer ausdruck; das fachwort z. bedeutet vielmehr das gleiche wie holen, halen taue mit anstrengung (und meist gemeinsam) ziehen, vgl. Kluge seemannsspr. 379; ungenau: z. hissen Hoyer-Kr. technol. wb. 1, 869; ein schiff z. s. v. w. holen und pomätschen Mothes baulex. 4, 509; bloszer übersetzerausdruck ist auch: wir zugen die angker apost. 27, 17 erste deutsch. bibel 2, 402.
δ) süddeutscher brauch verwendet seile zum heben der vollen weinfässer:

hört zu al,
wie ein geschal
wir doch han,
so wir gan
und vasz ziehen wollen bei
K. Bücher arb. u. rhythm.4 192;

dreiling-, halbfüdringseil!
vierzig eimer zeucht man damit ebda;

vgl. faszzieher Schmeller-Fr. 2, 1106.
c) ohne bestimmte richtung, zugleich mit angabe des mittels: unco trahere (etwas) czihen mit hocken (haken) Diefenbach ml.-hd. wb. 14; Adelung2 4, 1705.
2) einen hebelarm oder schwengel durch zug
a) in hauptsächlich senkrechter richtung bewegen
α) durch unmittelbares anfassen wie den schwengel eines blasebalgs: accipere et reddere auras follibus den blaaszbalg z. Frisius 143b; er hat die blaszblch in der schmidten gezogen Lehman flor. pol. (1662) 1, 25; auch: die bälge zur orgel z. L. E. Grimm erinn. aus m. leb. 40.
β) den schwengel einer turmglocke an dem glockenseil, wieder, wie oft, unter objectsaustausch, indem seil und schwengel im sprachlichen ausdruck vernachlässigt werden: engl. comed. (1624) Y y 5b; und wurden alle glocken der gantzen stadt gezogen F. M. Pinto wunderl. reis. (1671) 325; die glocken (wurden) von 12 bis 1 uhr gezogen Berlin. geschrieb. zeitung (1714) 141; Kramer teutsch-it. 2, 1450a; A. v. Arnim w. 19, 424; de bedklocke teihen Schambach 228a; ra.: die sauglocke z. zoten reiszen Seiler Basler ma. 325a; dann von einer haus- und zimmerglocke, wobei die senkrechte richtung auch durch wagerechte ersetzt werden kann; bisweilen ist der concrete vorgang ausgedrückt: sie ... zog die klingelschnur Storm w. 1, 165; auch den glockengriff: an dem gitter war ein gl., ich zog, und es schellte von innen Stifter s. w. 3, 201; sonst wie ob.:

sag deiner lady, wenn mein trank bereit,
soll sie die glocke ziehn
Schiller 13, 42 G.;

mein vater zog die klingel Immermann 2, 107 B.; Fontane I 5, 223; Bismarck ged. u. erinn. 1, 110 volksausg.; mit acc. des erzeugten objects, der auch als zeitbestimmung gefaszt werden kann: die glocke ist so schwer, dasz, wenn man funfzig schläge gezogen hat, sie andere funfzig von selbst gehet brüder Grimm deutsche sag. 1, 97.
γ) den arm eines signals der eisenbahn durch wagerechten zug heben: endlich ... sah sie, dasz die signale (auf dem bahnhofe) gezogen wurden Fontane I 5, 112.
δ) eine zugbrücke an einem seil oder an ketten niederlassen:

ein verborgen knappe daz seil
zôch
Wolfram Parz. 247, 22.


ε) die glieder von marionetten an fäden ziehen, bildl.: von einem französischen tragödienschreiber auf stelzen geschraubt und mit drathfäden gezogen Schiller 2, 29 G.
ζ) durch zug an den zampelschnüren (sp. 215) die gleichbindenden kettenfäden ausheben bedeutet eig. die thätigkeit des ziehens in dem ausdruck gezogene weberei usw.; dadurch entsteht ein reicheres muster als in nur getretener arbeit; zum technischen vgl. ob. sp. 215 und th. 4, 1, 4, 7203, auch Meyers lex.7 12, 1104 beilage Ib; belege: aber was ist das wenig künstliche ... wssern gegen diesem gezogenen (gewebe)? Lohenstein Arm. 2, 188a; vgl. dazu: das gezogene linnen in atlasart Schröer wb. d. maa. d. ungr. bergland. 2, 215b; der eintrag von getretener sowohl als gezogener weberey Göthe 25, 231 W.; zugarbeit,

[Bd. 31, Sp. 945]


gezogene arbeit im gegensatz zu fuszarbeit, getretener arbeit: Prechtl techn. enc. 20, 427; 433; Krünitz 8, 654; s. auch Lohenstein Arm. 2, 184b (cit. th. 4, 1, 4, 7203). undurchsichtig ist der weberausdruck eck z. bei Martin-L. 2, 897b.
b) einige hanthierungen beruflicher arbeit erfordern einen zug an einem wagerechten hebelarm,
α) so das rudern:

mîne mâge oder mîn bruoder
die müesten diu strîtes ruoder
gein mir ziehen
Wolfram Parz. 364, 9;

so kan die ruder niemant z., er habe dann vorhin gelernt Keisersberg schiff d. poenit. 31b; wurden ... etliche in die kahne angeschmiedet, die riemen zu z. Schütz hist. rer. pruss. 7, O 1a; H. Fischer 6, 1180; oft ohne obj. absolut:

dô zôch vil krefteclîchedes künic Guntheres man Nibel. 1503, 4;

di scheffknecht er ziehen pat
Heinrich v. Neustadt Apollon. 14 709 S.;

welen er heist z., der sol es tuon (Schwyz) weisth. 4, 353; einen man leihen an das schef, das er ziech und steur (niederösterr. 15. jahrh.) österr. weisth. 9, 826; Frisius 233b; (Tell) schry den knechten zu, dasz si hantlich zugint Tschudi chron. helv. 1, 239; nauz. stromabwärts rudern (s. th. 7, 472) Lori baier. bergrecht 322. doch ist am ruder z. bereits früh belegt und jetzt allein üblich, s. I E 2 a. auch das schwimmen wäre hier zu erwähnen, doch scheinen belege für die arme z. zu fehlen; aber vgl. mit schwimmen z. th. 3, 1819 unt. flosz. vgl. DWB das wasser z. unt. I B 2 i β.
β) die neue flugtechnik verwendet das absolute z. im sinne von höhensteuer geben, indem der pilot die steuersäule an sich heranzieht, um mit dem flugzeug höher zu steigen Meyers lex.7 15, 1369; gegensatz: drücken.
γ) den hebel der druckerpresse und der kelter anziehen: z. s. v. w. herüberziehen des bengels der handpresse, um den druck auf die form auszuüben, s. bei Klenz druckerspr. 111a; den bengel an der presse z. Pater ars typograph. (1710) 56; s. auch I E 2 a; sie zwungen sie ..., yhr eygen kelter zu zihen (bis 1525, später tretten Hiob 24, 11) Luther bib. 1, 425 W.
3) ein zug an einer geraden linie oder fläche ändert ihre richtung,
a) auf ihre spitze, d. h. dort, wohin sie strebt, wirkend, zieht er die linie schief,
α) das gilt vom bau eines schornsteins, den man z. oder ein wenig schleifen, d. h. von der senkrechten linie abweichen lassen kann: Mothes baulex. 4, 509.
β) ebenso aber auch von der marschrichtung einer marschierenden kolonne oder in (schützen)linie vorrückenden truppe: das exerzierregl. 44 nennt daher den marsch halb seitwärts sehr anschaulich ein z., ein seitwärtsziehen oder -führen der truppe: geringe veränderungen der marschrichtung können, so lange das feindliche feuer sich noch nicht empfindlich geltend macht, durch z. bewirkt werden ebda 102.
b) der druck hebt oder senkt eine wagerecht verlaufende linie.
α) knapp, wie all diese fachsprachlichen ausdrücke, sagt die elsäss. ma. von einem jäh ansteigenden wege oder hang, den man besteigen soll oder könnte: do ziet s Martin-L. 2, 897a, auch weniger knapp: s ziet an 897b.
β) in der musik bedeutet einen ton z. neben der bedeutung aushalten, dehnen (s. I A 14) auch ihn heben oder senken: mit der stimme ... zu sehr uber sich oder under sich z. Cyr. Spangenberg mus. 152 K.; vitium intensionis ist, wenn ein snger die stimme ber sich zeucht und zu hoch singet Walther music. lex. 638; wenn man die stimme in allen klngen, ohne es zu wissen oder zu mercken, entweder ein klein wenig ber sich ziehet oder unter sich sincken lszt Mattheson capellmeist. 111; Hiller anweis. z. gesang 7; ist z. b. C der grundton, und die gemeinde zieht um einen halben ton, so denke ich mir gar leicht die bezifferung Cis; fällt aber die gemeinde, so denke ich mir lauter B in der musikalischen charakteristik Schubart ästh. d. tonk. 294.
γ) nahe kommt noch die wendung die achsel z., während die plural. fassung die schultern z., wie wohl auch schon

[Bd. 31, Sp. 946]


jene, das ergänzende adv. hoch verlangt; dagegen gehört hierher den mund, die lippen z., wenn auch die vorstellung 'in falten ziehen' mitspricht; s. I A 10.
c) der zug auf eine ebene bewirkt deren krümmung, die sprache hat dafür den refl. ausdruck sich z. oder sich werfen, auch sich verziehen, s. unt. II A 1. gemeinsam ist allen fällen bis auf b γ die absolute, auf jede adverbale bestimmung verzichtende form der fachsprachen. die sehne des bogens, die saite z. s. I A 6 a.
4) einen zug hin und her üben
a) säger und geiger: die hacke mag sich nit berüemen wider jhenen, der mit ir hacket, noch die sage sich auflaynen wider jhenen, von dem sy gezogen wirt Berthold v. Chiemsee 273 R.; Petri d. Teutsch. weiszh. 2, Nn 1a; tüh de saag Mensing 5, 35;

die hnd, welche den bogen zogen,
zogen auch oft den fidelbogen
Fischart ritt. v. Stauffenberg 272 H.;

der feste strich des fidelbogens faszt, zieht die saite und bringt sie ins tönen: nun klang die saite unter dem z-den bogen Schubart ästh. d. tonk. 275; dichterisch mit freier objectsbeziehung:

Mischka voll und langsam zieht
ein uraltes schlachtenlied
Lenau neuere ged. (1843) 18.

s. auch unt. I E 3 b.
b) nach dem zeugnis in Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 243 (cit. th. 9, 662) bedeutet erz zu (in) schlich z. das erz im schlämmgraben mit einer hölzernen krücke hin- und herziehen, rühren; s. die belege th. 9, 662; ferner: die geringeren, starkblendigen (erze) wurden gepocht und in schlich gezogen mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 37, 191; thus (das silbererz) in einen glatten sichertrog und zeuch es mit wasser zu reinem schlich Ercker min. ertzt 17b.
5) doppelter zug, der auseinanderzieht,
a) die riemen der börse, um sie zu öffnen und geld daraus zu entnehmen:

nu ziecht die riem, gesellen
Oswald v. Wolkenstein 60, 23 Sch.;

Steinhöwel Äsop 45 Ö.; schmarotzer schlagen sich zu, wo man isset und trincket, wo man aber die riemen z. und zahlen sol, so wischen sie das maul und ziehen sich am hag ab Petri d. Teutsch. weiszh. 2, S s 4b; Grimmelshausen 1, 570 var. Keller; wenn es ans riemenz. gehet Kramer teutsch-it. 2, 1450b; mit der präposition an gebildet sind ziehamleder und -amriemen, s. sp. 934; s. auch ziehdenriemen unt. I B 2 i δ und sp. 937; jüngere sprache gebraucht die construction die börse z., s. I A 8 b.
b) blasinstrumente, fernrohre: andere (musikinstrumente) werden gezogen und sein also gemachet, dasz ein stck in das andere gestecket ... wird A. Cario n. hall- u. thonk. (1684) 43; (er) zog es (das perspectiv) immer länger und länger Eichendorf s. w. 3, 232.
c) gegenseitig von zweien oder zwei parteien geübt, dient dieser zug
α) als kampf- oder wettspiel, so beim turnerischen spiel: z. als übung Fr. L. Jahn 2, 78 E.; jetzt allgemein als tauziehen geübt, aber schon alt: das seylz., strebkatzen Diefenbach gl. 274a; seit dem mittelalter unter dem namen strebkatze, katzenstrebel bekannt (s. th. 5, 289; 302; Lexer 1, 1532; Schmeller-Fr. 1, 1315; 2, 804; Götze gloss.2 210b; H. Fischer 4, 283); die strebkatze mit jem. z. sich mit ihm balgen, streiten, zanken: das ist eyn selczamer text hominem concupiscere, attamen esse ex spiritu et carne, die II zyhen die strebkacze Luther 34, 2, 198 W.; sihe, wie fleysch und geyste yn eynem christen wider eynander zu felde ligen und die strebekacze zihen ebda 200;

du kanst im nit entfliehen (dem bären),
die strebkatz must mit im ziehen
B. Waldis Esopus 1, 142 K.;

den katzenstriegel z. ein wettspiel der knaben, s. beschreibung bei H. Fischer 4, 283, auch th. 5, 302; das zankeisen z. s. sp. 234. auch finger z., wobei zwei burschen die gekrümmten mittelfinger in einander haken und jeder den andern zu sich herüberzuziehen sucht Martin-L. 2, 897b.
β) eine entscheidung anderer art erzielt die sitte um den jahrmarkt z. (s. ob. ziehbein), auch als brezelz. bekannt:

[Bd. 31, Sp. 947]


wir wollen z. oder häkeln, auch jahrmarkten;' hierbei fassen zwei personen, jede mit einem finger, eine brezel und zerreiszen sie, um zu sehen, wer das gröszte stück bekommt Albrecht Leipz. ma. 128b; 240b; durch Cl. Brentano umgedeutet im hinblick auf das zerbrechen eines ringes in zwei theile: dann zog er eine bretzel hervor und sagte: 'ziehe!' da zogen sie, und jedes risz ein stück davon ... dann sprach er: 'jedes von uns bewahre seinen theil, und wenn wir uns wiedersehen ... und die stücke passen noch hübsch zusammen, dann sind wir treue spielkameraden gewesen' ges. schr. 5, 145; ein gesellschaftsspiel: es waren knallbonbons, und die tüte ging reihum. 'aber nun müssen wir auch z., Lene' Fontane I 5, 138.
6) in mannigfacher anwendung tritt der begriff des langziehens auf, von dehnen, das flächenhafte erweiterung und weitung herbeiführt, durch die blosze streckung in der zugrichtung geschieden; wichtig ist die wirkung zweier kräfte, einer ziehenden und der haltenden.
a) die sehne des bogens und damit den bogen spannen:

die sehne am bogen,
die immer gezogen,
bricht endlich und reiszt volkslied. d. Deutsch. 3, 425 Erlach;

grosze bogen, die sehnen gezogen bis zum halse des schützen Fr. Th. Vischer auch einer 1, 299; du den bogen ze wyt züchst oder das armbrost ze hoch spannest Terenz (1499) 124b; vgl. drei verschiedene schlösser an armbrüsten: ir wollet uns dry birsarmprost, eins mit einem stechenden slosz, das ander mit einem zihenden slos unde das drytte mit einem slechten slosz ... steuren privatbriefe d. mittelalters 1, 124 Steinh.; mit dem geschosz als obj.: lehrt (lernt) ... ringen, ... zilschiesen, den schaft (des pfeiles, den pfeil) z. Fischart Garg. 281 ndr.; auch mit richtungsangabe:

das mangem ward gezogen ain spannlange niet
von ainem pfeil, geflogen durch amberost gepiet
Oswald v. Wolkenstein 78, 15 Sch.;

mein pfeil ist schon auf dich gezogen
H. Sachs 14, 6 K.-G.

saiten anziehen, spannen: wie ain getzogene saydt auf der hrpf wol klingt Berthold v. Chiemsee 541 R.; es mus ... die seithen aufs höchste gezogen sein, das sie itzt zerspringen wil Luther 16, 266 W.; ein ietliche saite msz auch hher dann die ander zogen synd, darumb auch ein ietliche saite lenger dann dye ander msz syn Virdung musica 73 neuausg.; 23; Agricola musica 84 Eitner;

und (die seligen) wie gezogne seiten fein
in Christo stimmen uberein
Ringwaldt christl. warn. D 2b;

Rist n. teutsch. Parnasz 321; saiten auf die laute ziehen s. I E 3 b; I E.
b) eine weiche masse zu fäden ausziehen,
α) in der küche den teig in fadennudeln z.; oder im syrup, honig oder leim beim herausheben die dünne trennungsschicht in fäden z.; schleimig gewordener wein oder bier und bierwürze zieht beim umgieszen fäden: man kann ihn (den moselwein) öfters in fäden z., so rinnt das gewächs zusammen Gutzkow ges. w. 5, 239; im letzten falle übt die schwerkraft den zug aus; vgl. DWB kahnen z. sich mit schimmel überziehen Kadel rheinhess. winzerspr. 43. ein wächsernes gebilde lang ziehen: ihm ist wol gewesen, dasz er die nasen wchsin gefunden hat und die hat mgen z. nach seim sinn Paracelsus op. (1616) 2, 590 Hus.; doch jem. eine nase z. s. unt. I A 11 b.
β) vom faden der spinne:

bewundre meine kunst, wie zart sie fäden zieht
Kästner verm. schr. 1, 163.

nach dem vorbilde der spinne und seidenraupe, die ihre zähe spinnmasse durch eine körperöffnung pressen und nachträglich beim befestigen an gegenüberliegenden puncten ausziehen (s. die belege für das z. des spinngewebes unt. I E) oder beim aufrollen spannen, arbeitet die herstellung der kunstseide, deren fäden einem verdünnenden, längenden zug unterworfen werden. dieser ursprüngliche begriff des spinnens erscheint beim spinnen von woll-, leinen- u. a. fäden

[Bd. 31, Sp. 948]


durch den vorgang des zusammendrehens ersetzt. in gleicher weise aber wird draht gezogen, eigentlich durch ein zieheisen (sp. 938) hindurchgezogen: z. ist in der metallbearbeitung ein verfahren, bei dem das metall durch matrizen hindurchgezogen wird Lueger lex. d. techn. 8, 996; vgl.: drath z. (1636) Lori baier. bergrecht 416; den messing zu drothe zu zhin Marienb. treszlerb. 385 Joach.; der metallen, welche durch wasser, feuer, luft, schmieden, z., etzen ... bezwungen werden Thurneysser alchym. (1583) 2; wie man gold schlegt, zeuhet, spinnet, wircket Mathesius Sarepta (1571) 41b; aes ductile ertz, das sich lest z. nomencl. lat.-germ. (1634) 51; hier ... werden die kupferdrähte für die elektrischen telegraphen gezogen Gutzkow ges. w. 11, 213; die drähte (golddrähte) müssen nach dem z. ... geglüht werden Muspratt chem. 3, 1830 St.-K.; übertr.: draht z. tüchtig seine meinung sagen Körte sprw. 69. gezogen gold, silber s. IV 3; sllen ouch also schillinger, pfeninge und hallere nicht gekúrnet, sunder gezogen und mit dem grosen hamer schlachen und múnssen (1423) bei H. Fischer 6, 1181; auch durch hämmern werden metalle gezogen: d ise ziehe das eisen strecken, es hämmern, wenn es glühend ist Follmann 557b, desgleichen durch walzen. wie die drähte werden metallröhren gezogen: z. verwandeln einer dickwandigen metallröhre ... in eine dünnwandige metallröhre Lueger lex. d. techn. 7, 993; ferner werden gesimsleisten im seckeneisen aus ebenen blechplatten gezogen 992; geschosse und patronenhülsen werden gezogen 8, 996; anders gezogene rohre, läufe, s. ob. 1 a ε. als eine streckbare masse sieht Paracelsus die weisheit an: wie ein lingen (linie) der himmel brauchet, dieselbige auch die erden, der luft und das wasser, also auch nach einer lingen werden alle weiszheit gestreckt und gezogen op. (1616) 2, 317c Hus.
γ) einen docht oder faden in eine geschmolzene masse tauchen, die sich an ihnen erstarrend festsetzt; älteres verfahren übte, wie die sprache lehrt, das hindurchziehen durch die masse; so wachs- und talglichte oder stearinkerzen herstellen: der talgtrog, in welchem das eintauchen oder z. der kerzen (in wiederholten zügen) geschieht Prechtl techn. enc. 8, 337; sevare, ex sevo candelas ducere liechte z. Bas. Faber (1587) 753b; Corvinus (1646) 781; Stieler 2627; die lichte z. (meckl. 1642) Kern hoford. 1, 278; z. der wachskerzen Muspratt chem. 5, 197 St.-K.; lichten tehn vun tallig Mensing 5, 34; freier von der masse:

und das wachs, das diese woche
ich zu kerzen zog und malte
Brentano ges. schr. 3, 13;

ebenso entsteht gezogener schwefel, s. th. 4, 1, 4, 7202 und schwefelfaden (th. 9, 2395). im grunde dasselbe geschieht, wenn der schuster den pechdraht zieht, d. h. einen faden durch hindurchziehen durch pech glättet, damit er sich leicht durch die löcher in der ledersohle ziehen läszt:

der meister lehrt den pechdraht ziehen
A. v. Arnim w. 22, 182;

W. Raabe hungerpast. 1, 11.
c) eine schnur ausziehen, lang ziehen, die meszschnur des markscheiders, um ein grubenfeld markscheiderisch zu vermessen: gott hat im (Christo) die grosze fundgrub ... verliehen und vermessen, wie er im 16. psalm zeuget, das losz oder die meszschnur sei im auf ein gut feld gezogen Mathesius Sarepta (1571) 166b; elliptisch: so der schiner ain eisen frbringt, so soll und mag er ziechen nach der zwirich (quer) uber die gestung, als oft es not thuet (1531) Lori baier. bergrecht 211; (der) bergmaister ... soll ... seine maszen geben und zihen in die leng und nach der zwerg (1548) ebda 251; es sollen die pflöck und eysen ... nicht versetzt, verzimmert ... noch abgethan werden, ... damit man ausz denselben, wann es die notturft erfordert, z. ... möge (niederösterr. 1553) ursprung u. ordnungen d. bergwerge (1616) 131; mehr belege bei Veith bergwb. 589; S. Span specul. jur. metall. (1698) 65; z. einen grubenbau aufnehmen, geschieht durch den markscheider Mothes baulex. 4, 509; mit erzeugtem obj.: dasz einem yeden seine maszen gezogen und gegeben werden (1548) Lori baier. bergr. 252.

[Bd. 31, Sp. 949]



d) anscheinend lang gezogen, gedehnt ist das pelzwerk in den th. 4, 1, 4, 7202 u. erwähnten fällen, wozu sich noch stellt: item .... 1000 und 8 tymmer valsch geczogen werk nach schnem werke handelsrechn. d. deutsch. ord. 155. anders gezogene weberei, s. ob. 2 a ζ.
e) um die beseitigung von unebenheiten und falten handelt es sich in folgendem falle: eine schleifet z. eine eisbahn durch wiederholtes schleifen (gleiten) schön glatt machen H. Fischer 5, 926; cosmetica ... sind solche mittel, die eine glatte, weisze haut z. Blancard med. wb. 170; zu demselben zwecke zieht man ein faltig sitzendes kleidungsstück glatt, vgl. hierzu kissen z. th. 5, 854. etwas ähnliches meint die züchtigungsart des folgenden: do er nun gessen het, der münche in aber nam und mit gten rten ein fele zoche Arigo decam. 222 K.
7) einen theil eines instruments oder einer künstlichen anlage oder eines baues, wie die register einer orgel, auch den inhalt eines gefäszes oder sonstigen behältnisses herausziehen,
a) die register der orgel z.: tirer un jeu ein orgelregister z. Walther music. lex. 610; (sie) zogen die register bei O. Jahn Mozart 4, 473; als der ... leiermann auf seinem trauerkasten ein anderes register zog H. Seidel vorstadtgesch. 77; gern übertr.: alle register z. Binder 160, mit grösztem tonaufwand spielen, d. h. alle mittel anwenden (s. th. 8, 542); stets sind alle paucken- und trompetenregister der einkäufe, der bestellungen ... gezogen E. Th. A. Hoffmann 14, 152 Gr.; alle register der parlamentarischen orgel ... z. Bismarck pol. red. 1, 301 Kohl.
b) die schleuse eines teiches aufziehen: die schleuse z.; übertr.: so will ich, weil die schleuse einmal gezogen, eins und das andere nachsenden Göthe IV 28, 359; IV 14, 118 W.; älter vom teich selbst: seinen teich czihen und ablassen rinnen (Iglau) Jelinek mhd. wb. 990; waren die fischer eben im werck, den teich zu z. Stranitzky ollapatrida 70 Wien. ndr.; e weier zeien einen weiher auslaufen lassen lux. wb. 498b; auch vom zapfen einer wasserröhre: man reinigte diese (die röhren) und hatte indessen den zapfen auf der sprudeldecke gezogen Göthe III 3, 234 W.; sprw.: das bier wär gut, hätte die sau nicht den zapfen gezogen Düringsfeld sprw. 1, 397b; auch: der kork einer weinflasche wurde von H. gezogen Gutzkow zauberer 2, 66; ähnlich: z. die räumnadel beim besetzen eines bohrloches lüften Gätzschmann samml. bergmänn. ausdrücke 119.
c) wein aus einem fasz in ein anderes umfüllen; den genauen vorgang beschreibt: es soll auch nymandt eynichen wein, der vor seinem keler ... nydergelegt würdet, durch keynen schlauch in eynichen keler in andere fass z. lassen Nürnberg. polizeiord. 242 B.; andere belege bei Schmeller-Fr. 2, 1106; Schiller-L. 4, 528a; wein aus einem fasz z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; wein auf flaschen z.: Göthe IV 34, 259 W.; Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 3, 49; auch für wein zapfen: zeïh mer en halwe liter weïn Follmann 557b; ferner den äscher, die aschenlauge, aus dem bäuchfasz ablaufen lassen: hierauf kann der äscher gezogen werden Prechtl techn. enc. 14, 445.
d) die holzkohlen aus einem meiler, den koks aus der retorte, das erz aus dem röstofen herausziehen: beim z. der holzkohlen Muspratt chem. 4, 376 St.-K.; Mothes baulex. 4, 509; Karmarsch-H.3 3, 5; in der nur das wesentliche des arbeitsvorganges andeutenden berufssprache verkürzt bis auf die retorten z., vgl.: das laden (beschicken) und z. (entleeren) der retorten Lueger 6, 25.
e) dieselbe unlogische verknüpfung stellt die fachsprache in der benennung gezogener sammet her, da nicht der stoff gezogen wird, wohl aber die zugnadeln aus den noppen (th. 7, 886) herausgezogen werden, während beim geschnittenen oder gerissenen sammet vor dem herausnehmen der nadeln die noppenmaschen aufgeschnitten oder -gerissen werden; solcher stoff ist nur ein halbsammet, er heiszt auch ungeschnittener oder ungerissener sammet, auch ritzer, s. Prechtl techn. enc. 20, 523; Bucher kunstgew. 140a; Karmarsch-H.3 4, 235.
8) waffen oder theile der kleidung oder der ausstattung

[Bd. 31, Sp. 950]


hervorziehen, wobei die stelle, von oder aus der man sie zieht, unausgedrückt bleiben kann,
a) das schwert oder messer z. (neuerdings das schwert zücken beliebter): sundige zugen iro suert (gladium evaginaverunt: uzczogin Trebn., tugen ut er suert mwestfäl. ps., z. ... aus Luther) Notker ps. 36, 14;

du zûhiz (das schwert) wîglîchi ält. Judith 127;

er zôch ein scharfez wâfen Nibel. 1863, 4;

Wolfdietrich A 338, 2 Sch.;

wer ausz mutwillen zeucht das schwerdt,
wirdt daran verderben auff erdt
H. Sachs 8, 578 K.;

Gottsched schaub. 1, 17; offiziere mit gezogenen schwertern Börne ges. schr. 5, 201;

solang ein tröpfchen blut noch glüht,
noch eine faust den degen zieht
Schneckenburger deutsche lied. 20;

Stieler 2627; auch mit unterdrückung der waffe: es soll ainer über den andern nit z. fräventlicher weisz (niederösterr. 16. jahrh.) österr. weisth. 9, 204; Göthe 43, 147 W.;

nicht ungestraft sollt ihr mich höhnen. zieht!
Schiller 12, 257 G.;

auf die studentische mensur bezüglich: ein gelehrter zieht nicht mehr reagiert nicht mehr auf beleidigungen Laukhard erdenwall. (1822) 23; mit bezeichnendem zusatz:

der herr vom Steine zog muthig blank
Bürger 81b Bohtz;

mit richtungsangabe: so zeug das schwerdt umb dein kopf (schwinge) Sutorius fechtb. (1612) 7; zog einen dolch auf Giafar Klinger w. 5, 325; nicht selten wird aber auch die scheide, das leder als bezeichnung der ruhestelle mit genannt:

und zoug daz sîne ûz der scheide
Eilhart v. Oberg 4632 L.

si zôch ez von der scheide Nibel. 2310, 1;

weitere mhd. belege für ûz und von s. mhd. wb. 2, 2, 106b; Lexer 2, 683; Diefenbach gl. 211c s. v. evaginare;

darumb so ziecht all von schaidt passionssp. aus Tirol 384 Wack.;

lange hält sich die fassung von leder: zeuch denn von ledder und schlahe drein yn gotts namen Luther 19, 661; 16, 328 W.; H. Sachs 17, 110 G.; Schütz hist. rer. pruss. 3, S 4 e; Grimmelshausen Simpl. 71 ndr.; zieh von leder, du hund! L. Holberg dän. schaub. 5, 80; Dusch verm. w. 202; so noch maler Müller w. 2, 175 und H. v. Kleist 4, 189 Sch., auch in der schweiz. ma. bei Hunziker 308; vom leder seit S. Grunau preusz. chron. 1, 539; ferner bei Schnabel ins. Felsenb. 37 U.; Steinbach 2, 1099; Göthe 25, 139 W.; H. Laube ges. schr. 1, 116; u. a.; jetzt die übliche form; nur den anfang des vorgangs faszt ins auge die wendung va leder zije einen durchprügeln Follmann 332a; ein anderes va leder zije s. ob. 1 a α αα; ungewöhnlich: wir zogen aus dem leder graf Pocci komödienb. 76; auch:

der vom leder zieht den degen
Knittel poet. sinnenfrüchte 117;

witzig übertr. auf die zunge: ja, euer feldwebel allein, wenn der ... seine zunge vom leder zieht O. Ludwig ges. schr. 2, 71; 3, 421; weniger zeugnisse naturgemäsz für das messer:

ey du verzagter galgenschwengel,
wo man am tantz die messer zeucht,
bist du almal der erst
H. Sachs 14, 33 K.-G.;

Stieler 2628; Isidor zog das waidmesser gegen seinen herrn Börne ges. schr. 1, 7; Hunziker 308; selten elliptisch: du zohest wider mich n. schausp. (1771) 4, 2, 105.
b) hierher die jüngere wendung die börse z., bei der die angabe aus der tasche meist fortbleibt:

that nimmer keinen schlamp nit fliehen,
wo er nit dorfft den seckel ziehen
Fischart Eulenspieg. 318 Hauffen;

zog ich ... die börse ..., aus der ich die auslage bestritt Göthe 43, 295 W.; Schiller 12, 54 G.; Gutzkow ritter

[Bd. 31, Sp. 951]


v. geist 1, 23; G. Keller ges. w. 2, 167; Bismarck ged. u. erinn. 1, 42 volksausg.; die ursprüngliche fassung die riemen z. s. ob. 5 a; noch: ich zog die uhr: 10 uhr 55 min. H. v. Barth Kalkalp. 417; (er) zog ... sein taschentuch und schwenkte es Gutzkow ritt. 2, 300.
9) der begriff des be- und aus-, entkleidens sowie des ver- und enthüllens läszt sich durch das verbum z. in der regel nur in verbindung mit präpositionen ausdrücken; neuere sprache bevorzugt hier für einen theil der fälle die zss. an-, aus-, über-, unter- und abziehen.
a) kleider an- oder ablegen, ein tuch umlegen, -nehmen: (man soll) die schuh nicht an die hand legen noch die hndschuh an die fsz z. Lehman flor. pol. (1662) 2, 836; da zog Gockel einen alten blechhandschuh an die rechte hand Brentano ges. schr. 5, 80; G. Hauptmann d. weber 49;

du ziuch mit muozzen
dîn gescuohe von dînen fuozzen Wien. exod. 489 K.;

dô zugen si diu kleidervon dem lîbe dan Nibel. 917, 1;

H. Sachs 9, 169 K.; zohen ihn ire hosen von dem arsch V. Schumann nachtbüchl. 296 B.; sie zieht ... den handschuh von der rechten hand E. Th. A. Hoffmann 14, 163 Gr.;

von den füszen zieht er die schuhe behend
Schiller 11, 384 G.

ebenso A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 59, während Luther 2. Mos. 3, 5 ausz. verwendet; da zog der fuhrmann die weite kappe ... vom haupte fürst Pückler br. 1, 83; während sie sich von meiner mutter das ... reisemäntelchen von den schultern z. liesz Storm w. 1, 239; ungewöhnlich elliptisch:

der sieche Jesa den mantel zôch (nahm ihn an sich) leb. d. hl. Elisabeth 2661 R.

vielfach vom fingerringe:

der chunich zoch abe der hant sin
ein guldin vingerlin Milst. genes. 86 Diem.;

Nibel. 627, 3; Arigo Boccacc. decam. 86 K.; Schiller 12, 450; zeuch dem ross den sack ber den kopf Walther pferdezucht (1658) 139; T. ... zog die nachtmütze über das gesicht Klinger w. 3, 158; hatte über seinen ... anzug ein ... jäckchen gezogen O. Ludwig ges. schr. 2, 401;

zieht fester um ihn das gewand
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 31;

Storm w. 1, 79; die tante ... zog ... das mäntelchen dichter um die füsze des knaben 151; ein paar leinene hosen, die man unter seine rechte hosen ziehet Ludwig teutsch-engl. 2588; den hut ... in die augen z. Mathesius Sarepta (1571) 156a; (den) hut ... in den kopf z. Moscherosch ges. (1650) 2, 145; eine leinwandmütze ... tief ins gesicht gezogen Fontane I 5, 124; frei: auf den leib der deutschen einheit den fadenscheinigen rock einer französischen constitution z. Bismarck pol. red. 1, 235 Kohl; ungewöhnliche und vielleicht versehentliche auslassung: unde theen (anziehen) den nyen menschen Rotmann restit. 39 ndr.
b) dagegen tritt die verbindung den hut, seltener die kappe, die mütze z. als gruszgebärde elliptisch auf, indem eine ortsangabe (vom kopfe) unterbleibt; sie hat sich neben den hut abnehmen und dem gewählteren ausdruck den hut lüften bis in die gegenwart gut behauptet; über ursprung und ausbildung der sitte vgl. hut th. 4, 2, 1979; belege: der hut (wird) ... nicht gezogen v. Fleming vollk. sold. 222;

wir ziehen die hüte und beten dazu
Guido Görres in volksth. lied. d. Deutsch. im 18. u. 19. jahrh. 152 Böhme;

bei glockenschlag und kirchensang
den hut fein zieh
Brentano ges. schr. 7, 394;

alles zog ehrerbietig den hut Eichendorf s. w. 2, 145; zog sein brevier Gutzkow zauberer 3, 206; er ... ging auf den alten zu, den er, seine kappe z-d, respektvoll begrüszte Fontane I 6, 55; der sprecher zog tief den hut Cl. Viebig schlaf. heer 1, 97; Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 10; Aug. Winnig heimkehr (1935) 363; belege

[Bd. 31, Sp. 952]


für gezogen s. th. 4, 1, 4, 7200; die gegrüszte person wird erwähnt: zog seinen hut gegen mich Thümmel reise 1, 45; jetzt gewöhnlich vor: zog den hut vor mir bis tief auf die erde herab Gaudy s. w. 2, 43; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 152; das elliptische z., das Heynatz antibarb. 2, 668 entschieden ablehnt, ist landschaftlich beschränkt: er zieht grüszt mit hutabnehmen Albrecht Leipz. ma. 240b.
c) einen schleier vor das gesicht, eine wolke vor die sonne ziehen, einen vorhang vor- oder wegziehen: sie zog den schleier vor das gesicht; bildl.: wir z. einen schleier über diese leiden Göthe 24, 255 W.;

wenn geister mir vom auge ziehn den schleier
Rückert w. 1, 38;

auch: so würd ich ... die schaam auf eure wangen z. Klinger w. 2, 333. die redewendung eine wolke vor die sonne z. besagt einen schatten über freude, glück breiten; älter über: ein wolcken über die sonnen z. serenitati nubem inducere klugred. 136b; Eyering prov. 2, 200; u. a.; hätte nur nicht ... die nachricht von Schillers übel ... eine wolcke davor (vor die sonnige stunde) gezogen Göthe IV 10, 281 W.; entgegengesetzt: was die wolken von Mehemeds sonne zog Gutzkow ges. w. 9, 68; seltener nebel: der zeucht einen nebel für die sonnen klugred. 136b. wenn ... der fürhange für das pette gezogen ist Arigo decam. 69 K.; übertr.:

o lasz mich einen vorhang vor das ganze,
mir allzu helle schauspiel ziehen
Göthe 10, 139; IV 13, 116 W.;

zieht einen vorhang zwischen mich und diesen menschen 45, 36 W.; selten ohne präpos. ausdruck: hernach werden die teppiche auf dem theatro und innern scene gezogen Schoch studentenleb. 5 F.; sie ... zog den vorhang von einem auf der staffelei ... stehenden bilde M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 242; in die höhe z. s. I E 3 g β. die bestandtheile der bildhaften wendungen sind gemischt: dasz die bermszige liebe den jungen mnnern ofters einen nebel vor die augen zeuhet Bucholtz Herkulisk. 531; der düstre vorhang ..., den eine tyrannische hand vor unsre augen gezogen hat Klinger w. 3, 15; 4.
10) die gesichtshaut in falten ziehen, eine grimasse schneiden, den mund schief ziehen und verwandtes; vgl. die bemerkung ob. 3 b γ; zunächst mit präpos. bestimmung:

der prtner war gar stumpf vorm hirn
und zog vil runtzlen an die stirn
C. Scheit fröl. heimf. E 1 a;

wer wollt in seinen blüthentagen
die stirn in düstre falten ziehn?
Hölty ged. 203 Halm;

J. N. Götz verm. ged. 1, 28; leise falten waren über ihre stirn gezogen Göthe 23, 82 W.; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 160; freier: düstere falten zog die stirn Gutzkow zauberer 4, 217; sodann ohne eine solche, bes. in der verbindung das gesicht z. verziehen: man zieht nicht das gesicht vor klt und wrme Hippel lebensl. 1, 445;

schon recht! beharrt nur! heuchelt ernste blicke,
und zieht gesichter hinterm rücken mir! Shakespeare 1, 240;

sie trinken und ziehen ein saures gesicht
Wilh. Müller ged. 289 H.;

iron.: sie werden schöne gesichter gezogen haben W. Raabe hungerpast. 1, 176; H. Fischer 6, 1181;

die blonde dame zieht bey dem wort ihm eine grimasse
Wieland s. w. (1794) 4, 174;

Göthe 38, 378 W.; häufiger eine grimasse machen, schneiden, s. th. 4, 1, 6, 337; eine miene z.: Müllner dram. w. 6, 187; sonst: zieht der kerl ... seine ewige knickersilhouette Göthe IV 29, 76 W.; sich ein weites maul ... z. Kramer teutsch-it. 2, 1451b; man zog spöttisch das maul Lessing 2, 239 M.; da zieht er das maul schon wieder Lenz 1, 8 Tieck; H. v. Kleist 3, 152 Sch.;

Margretlein zog ein schiefes maul
Göthe (Faust 2827) 14, 139 W.;

er zog die mundwinkel auf eine eigene bittere weise Gutzkow ges. w. 3, 412; mundartliche vergleiche: där zieht än fräsz wie der schleifer, wenn er ufn wetzstään speit Müller-Fr. 2, 704b; a zeut a maul wie a haflamacher,

[Bd. 31, Sp. 953]


dam de schlingla verturba sein K. Rother schles. sprw. 220a; a ziehd n flunsch bis uff de grusze ziene (zehe) ebda.

das mensch war schüchtern oder dumm.
es zog die lippen und blieb stumm
Pfeffel poet. vers. 1, 186;

bis endlich die frevelthaten des fuchses ... ihr die lippen zum lächeln zogen G. Freytag handschr. 2, 400; die linien des zarten profils waren ein wenig schärfer gezogen als vor jahren Storm w. 1, 79, wo sich übergang zu I A 13 a fühlen läszt, s. d. bestimmende angaben erweisen sich nicht selten nützlich: das gesicht des oberförsters zog sich in die länge M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 332; zog den mund ein wenig in die breite Nicolai Nothank. 1, 46; du ziehst ... den mund nach der einen seite Eichendorf s. w. 4, 278; 3, 50; ziehe die ... lippen ... nicht so peinlich nach innen H. Laube ges. schr. 2, 143. die augenbrauen erscheinen nur mit bestimmendem zusatz:

(eine löwin) frcht ihre widerscher nit,
pflegt sie gar dckisch anzuschauen,
zeucht under sich bald die augbrauen
Spreng Ilias 240a;

sie ... können die augenbraunen bis unter die augen z. Brentano ges. schr. 5, 417; auch von den augen allein: traurigkeit ... zeucht die augen in keller und macht ein finster, sauer angesicht Luther 34, 2, 469 W. eher der bedeutung glatt ziehen entspricht: sich ein schön gesicht z. Kramer teutsch-it. 2, 1451b.
11) bewegung oder zug am menschlichen oder thierischen körper;
a) körperliche bewegung kann nur an den einzelnen gliedmaszen als ein ziehen erscheinen; dabei wird in der regel die richtung durch eine präpos. oder adverb. bestimmung ausgedrückt; doch verzichtet die verbindung die schultern z., bei der auch der zusatz hoch (schief) in frage kommt, darauf;
α) am eigenen körper: das er (der falke) ... ufsteiget und zuicht die füsz ... an die prust Mynsinger v. d. falk. 4 H.; er zoch sein fúsz auf das bett und starb (collegit: thet ... seine füsze zusamen aufs bette Luther 1. Mos. 49, 33) erste deutsch. bib. 3, 217; die lwen und tiegerthiere z. ihre krallen aufwrts v. Fleming vollk. sold. vorbericht 2; er zog krampfhaft die daumen in die fäuste Klinger w. 3, 157; (der hund) zog bald die eine, bald die andere seiner vorderpfoten in die höhe S. Brunner erz. u. schr. 1, 36; dasz ... der tänzer den fusz in die höhe zieht F. M. Böhme gesch. d. tanz. 222; s. I E 3 g β; er ... zoh ... sein haupt under die deck Wickram w. 2, 62 B.; W. Raabe hungerpast. 1, 29; die füsze unter den stuhl gezogen W. Raabe Horack. 67; als endlich der letzte seinen fusz über die schwelle gezogen hatte und unsichtbar wurde Stifter s. w. 3, 26; hör uf reden, das nüt soll, züch den finger z dir, damit du uf die lüt zeigst Zwingli d. schr. 1, 217; ziehe dasselbe (bein) zu dir, so musz er fallen Sutorius fechtb. (1612) 105; ein hund ..., der den schwantz zwischen die beine ziehet Chemnitz schwed. krieg 2, 9; bergmännischer ausdruck: gang zieht die fsze zu sich, das heiszt, er schneidet sich ab Lichtenstein entdeckte geheimn. (1778) 63; Noel Chomel 4, 589; wenn man ein höfliches gebäude anzustellen vermeinet ... nur befindet, dasz der gang entweder lauter unarten bey sich führet oder gar die füsze zu sich gezogen und sich ausgekeilet hat Chr. Melzer beschreib. d. bergst. Schneeberg (1684) 582; Veith bergwb. 211;

wann auch das ertz die fsze
wolt ziehen hinder sich
und sich dein segen liesze
ansehen gar sprlich
M. Rinckhardt christl. ritt. 69 ndr.;

sprw.: arme leut gter z. die fsz zu sich, gehen genau zusammen Lehman flor. pol. (1662) 1, 54. du must mir hie nicht die schultern zihen und das maul rumpfen und geg sagen Luther 30, 2, 445 W.; A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 9; Zinkgref-Weidner teutsch. nat. weish. 3, 22; ber deinen ... vater die schultern z. Hippel ehe 154; Schiller 9, 25 G.; Mensing 5, 34; (sie) zogen die achseln Archenholz Engl. u. Ital. 1, 2, 309; über fehler die achsel z. Herder 5, 208 S.; jetzt gewöhnlich die achsel zucken; die achsel schief z.: Mörike w. 1, 153. die glieder dehnen,

[Bd. 31, Sp. 954]


recken: der sich dehnte und seine zerschlagenen glieder zog Gutzkow ges. w. 4, 179;

Eugene, was wirfst du dich umher,
was soll denn das gedehn' und ziehen?
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 1 (1877) 396;

mssen lenden, fsz und bein (der jungen mädchen)
nach des tntzers tritt und schrit
gar nach seinen fiedelbogen
sein gedehnet und gezogen
G. Voigtländer od. u. lied. (1642) 71.

zurückziehen: dor tüggt he de ns vör davor zieht er die nase zurück, davor weicht er zurück Mensing 5, 34; bekannte wendung jem. eine nase z., auch jem. die nase lang z., um ihn damit zu verspotten, sich über ihn lustig zu machen:

ein jedes aufgestutzte bäumchen höhnt
mich an ...
der buchsbaum zieht mir eine nase
Göthe 2, 89 W.;

s. auch ob. 6 b α.
β) bei fremdem subj.: sie zieht ihre hand aus der seinen Klinger w. 1, 46; die ... hand des greises an seine lippen z. Gutzkow zauberer 2, 265; Storm w. 1, 60; an einer figur:

dem hanswurst reiszt stets der faden,
der ihm arm und beine zieht
Brentano ges. schr. 2, 457.

nach altem recht zieht in dem verfahren wegen totschlages ein verwandter des erschlagenen, um den reinigungseid des beschuldigten zu verhindern, dessen hand von den reliquien und erzwingt damit den gerichtlichen zweikampf: is abir daz, daz die toiti dicheinin mac heitte, die umi (dem beschuldigten) die hant woildi von din heiligin zi, daz mochti he tui Mühlhäus. reichsrechtsb. 1, 6.
kräftige eigenbedeutung bildet sich heraus bei verwendung in engen gebieten, so in der volkstümlichen heilkunde: z. kleine kinder, ist eine ... gewhnliche operation bey kleinen kindern, die sich ... weh gethan, ... (sie) auf ein kssen legen, den einen arm und fusz creutzweise ber den rcken dichte zusammenfgen Amaranthes frauenz.-lex. 2160, wobei der dehnende zug auf den brustkorb beabsichtigt ist;

lât iu den vinger ziehen (zum einrenken?)
Wolfram Parz. 599, 8;

wann du zogst mir die zungen
und kundst vil dinges ausz mir locken
H. Sachs 5, 202 K.;

klaffer und ehrabschneider
mich hinterrücks verlogen,
schmeichler mir zungen zogen 7, 225 K.;

in der sprache des kasernenhofes: ich werde euch schon die hammelbeine lang z. drillen, eig. das marschieren beibringen; die hammelbeine werden ihm gezogen R. Delcourt 176a. marter, tortur:

(Christus ward) gezogen an des cruces banc
Heinrich v. Neustadt gott. zuk. 3045 S.;

dem nochrichter von einem zihen 6 gr. (1438) cod. dipl Lusatiae super. 4, 21; leten one unbarmhertigen teyn in dem staken (Braunschw. 15. jahrh.) städtechron. 16, 378; wenn inquisit auf die leiter gezogen und gespannet wird Peisker jud. de vern. 92; maler Müller w. 1, 365; Tieck schr. 3, 151; miszhandeln: (bürger,) die sie gar grausam getzogen hetten (Magdeb. 1524) städtechron. 27, 153.
b) ein zug, der gewöhnlich zu keiner bewegung führt oder diese nur dem dadurch erzeugten schmerzgefühl verdankt, geht zumeist auf haar und ohr; üblicher ist die construction jem. am haar, ohr z., s. I E 2 b. ostmd. wendung eine husche z. jem. am haar ziehen: dem churfrsten gefiel die einfalt wol und zog ihm eine freundliche husche Colerus oecon. 1, 52;

dasz heist gezogn ein gutte hoschn
A. Tharäus klage d. gerste 60 Bolte;

von der friedlichen thätigkeit des barbiers: wollet ihr den wlschen ... narren nach ... eure brt ... alle tag und morgen mit eysen und feur peinigen ..., z. und zerren lassen? Moscherosch ges. (1650) 2, 76;

er zog im da mit ernst ein ohr
Casp. Scheit fröl. heimfart 93 Strauch.

[Bd. 31, Sp. 955]



c) anders das herausziehen, allgemein elliptisch den zahn z., er läszt sich einen kranken zahn z.; ferner die bildl. ra. jem. eine (schwung)feder z. seine (flug)kraft beeinträchtigen:

den hab ich bey eim ohr erdapt
und hab ihm ein schwingfedern zogn
Ayrer dram. 4, 2443 K.;

welcher ... gerne gesehen hette, das die gewalt des ... knigs gebrochen oder doch zum wenigsten im eine feder were gezogen worden Cyr. Spangenberg mansfeld. chron. 63b; Bas. Faber thes. 537b; aber federn z. ist fachlich für das rupfen, pflücken der federn an gänsen u. a. geflügel nicht gebräuchlich.
12) eine schicht über etwas und von etwas ziehen;
a) über; noch als bekleiden (ob. 9 a) läszt sich fassen:

daz hǒbit tet er sinewel,
zoch uber den gebel ein vel Wien. genes. 232 Dollm.;

frei: die Pariser cultur ... hat über Belgien eine haut gezogen, die keine natürliche ist Gutzkow ges. w. 7, 72; ebenso in anderer weise: das uber diesen leisten die oberkeit solle geschlagen und gezogen werden Luther 16, 359; 32, 129 W.; den oben angedeuteten sinn zeigen folgende fälle: er allweg ein weich ... wachs zum allertnnesten uff des sigels form ziehe Riederer rhetor. l 5b; in wax geschrieben, das ber eine tafel gezogen (war) Harsdörfer secret. 1, a 7a; Göthe liesz sich ... die spezialkarten zum marsche nach Paris durch einen soldaten, der dies geschäft als feldbuchbinder trieb, auf leinwand z. Böttiger in Göthes gespr. 1, 146; ein stückchen blau papier auf weiszes gezogen Göthe IV 28, 284; IV 31, 259; II 2, 188; 41, 2, 210 W.; zieht man lackfarben auf einen metallisch glänzenden weiszen grund II 1, 233; II 2, 258 W.; früher: was not ist zu einem pflaster, das zeuch (streiche) auf ein spann breit und lang tuch Wirsung arzneib. (1584) 549b; dichterisch: über die gräber meiner wünsche zog die hoffnung wieder ihr heiteres grün Heine 3, 224 E.
b) den entgegengesetzten sinn weist
α) die verbindung die haut (das fell) über die ohren z., ein schreckliches verfahren mittelalterlichen strafvollzuges wie auch die gewohnte hanthierung des weidmanns am erlegten wilde, auf; sie lebt in bildlicher anwendung fort:

dem (esel) zeucht man die haut ubr die ohren
B. Krüger spiel v. d. bäur. richt. 63 B.;

zeucht man dem wolf die haut über die ohren Schupp schr. (1663) 832; einem hasen die haut über die ohren z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; Brentano ges. schr. 5, 330. für die erste bedeutung liegen belege nur in bildlichem sinne vor: vide, quomodo Moses dem abgot die haud ubern kopf ziehet Luther 28, 741 W.; sprw.: einem das fell über die ohren z. jem. ausplündern, bis aufs blut peinigen, 'schinden' Binder 49; dürften wir nur so einmal an die fürsten, die uns die haut über die ohren z. Göthe (Götz) 8, 8 W.; aber de herrschaft, die greift uns desto forscher an, die zieht uns s leder egelganz über de ohren runter G. Hauptmann d. weber 56; übertr. auf einen literarischen angriff: Göthe IV 14, 157 W.
β) ein abziehen der äuszeren haut erzeugt die gezogenen federkiele, die früher als schreibfedern verwendung fanden; nachdem die kiele in siedendem wasser, heiszem sand oder asche erwärmt waren, streifte man mit einem messer das äuszere häutlein ab und spitzte den kiel danach an; dadurch wurden die schreibfedern zugleich gehärtet; doch liesz sich auch mit nicht gezogenen federn schreiben: Jablonski 1, 84; Prechtl techn. enc. 5, 484 (ausführlich); Müller-Fr. 2, 704a; Brosenius techn. 1, 203, doch s. ob. 1 a ε.
γ) durch abziehen oder hobeln werden vermittelst der linienziehbank die (blei)linien oder regletten in der schriftgieszerei auf die gewünschte stärke gebracht: das z. der linien Prechtl 17, 485; Hellwig wb. d. fachausdr. 101a; dasz diese (linien) ... abgeschaben oder gezogen werden Prechtl 17, 486.
13) durch ziehen erzeugen,
a) linien, schriftzüge, furchen, u. ä.: wenn nun diser punckt von seynem ersten anfang an eyn ander ende getzogen wirdet, so heyst es eyn lini A. Dürer underw. d. mess. A 2a; C 4e; K 4b; wie einer

[Bd. 31, Sp. 956]


ein linien mit der hand zeucht Paracelsus op. 2, 317 Hus.; radius, scrupulus die rut, damit die geometrae die linien z. Er. Alberus n. dict. gen. 42b; Göthe 42, 1, 8 W.; man zieht ... durch beyde pole neue kreise F. Th. v. Schubert verm. schr. 1, 11; sie ... zogen ein kreuz über die ... tafel deutsche sag. 1, 11; (er) zog mit dem stocke figuren in den sand H. Laube ges. schr. 9, 50; der ... einen strich durch ihre ... rechnung zog Gaudy s. w. 2, 154; in einem kreise wird eine sehne beliebig gezogen Czuber wahrscheinlichkeitsrechnung 1, 107; ettlich ... z-d ein virgili darunder (unter den punct, womit das semikolon entsteht) Riederer rhetor. h 5a; interductus ein strichle mit der fderen gezogen, so man macht in einer red, welches anzeigt, dasz man slle still halten und den athem fassen Frisius 719b; ist der schwantz zur lincken unter sich gezogen, so ist die erst auch ein brevis Wilphlingseder mus. C 3a; die übel gezogne buchstaben Schupp schr. (1663) 772; die schrift (ist) gar schön und sorgfältig gezogen Göthe 25, 36; 1, 253 W.; mit deroselben aignen hier under gezogenen handschrift (steiermärk. 1662) österr. weisth. 6, 177;

zog seinen umrisz leicht und klar
Göthe 2, 192 W.;

wann blutig nun der abend glüht
und lange gespensterschatten zieht
A. Mayer in volkslied. d. Deutsch. 2, 506 Erl.;

Müllner dram. w. 8, 136; furen zeien furchen ziehen lux. wb. 498b; auch für falte auf der gesichtshaut: der gram hatte ... seine furchen ber ihre stirne gezogen Pfeffel pros. vers. 1, 115; Lenz ged. 30 Weinh.; der diese narbe ... über deine ... stirne gezogen hat Klinger w. 2, 25; schramme: Tiedge w. 6, 228; zuwachs aus I A 10 bringt die gruppe schön gezogene (gezeichnete) lippen, indem der blick nur dem ergebnis des zuges, der form der linie, gilt und diese in künstlerischer betrachtung als erzeugt angesehen wird, z. b.:

die fein gezognen, süsz geschwollnen lippen!
Göthe (Faust 6455) 15, 82 W.;

auch grübchenringe, lieblich gezogen
dicht unter das aug in den rosigen wänglein
Heine 2, 37 E.;

dunkle, fein gezogene braunen Klinger w. 5, 309; 1, 181; bahn, weg, spur:

sieh! er lehrt die schwebenden planeten
ewgen ringgangs um die sonne fliehn,
und gleich kindern um die mutter hüpfend
bunte zirkel um die fürstin ziehn
Schiller 1, 209 G.;

(ein schwan,) der langsam seine kreise zieht
Leuthold ged.4 31;

voll andächtiger ruhe zieht der adler seine runde J. Chph. Heer d. könig d. Bernina19 5; übertr.: also muszte ... der kreis der ideen ... weiter gezogen werden Herder 13, 4 S.; dasz sein gesichtskreis ... so enge gezogen ist Caroline 1, 64 W.; oft eine parallele (vergleich) z., z. b. F. M. Böhme gesch. d. tanz. 273; Bismarck pol. red. 1, 12 Kohl; eine grenze z., zunächst concret: die europäischen staaten in scharf gezogenen grenzen H. Laube ges. schr. 3, 75; die grenze ... z. bürg. gesetzb. § 920; dann abstract: die grenze zwischen der wahren und der falschen oder verstandesallegorie ... z. Solger ästhet. 133; so wurden ... ihrer wirksamkeit enge schranken gezogen Ranke s. w. 4, 16; 1, 127, oft; zauberkreis:

doch solcher ordnung unterpfand
zieh ich ein unsichtbares band
Göthe (Faust 5762) 15, 50 W.;

schlieszlich für sichtbare gebilde am himmel und auf der erde, vergleichbar jenen linien und kreisen, so von wasserwirbeln: Schiller 14, 277 G.; ferner:

wohl übers dunkle land
zieht einen regenbogen
barmherzig gottes hand
Eichendorf s. w. 1, 577;

die fernen berge ..., die ein wunderschönes blaues band um das mattfärbige gelände zogen Stifter s. w. 1, 173; 176; kühn:

wettern gleich blüht kampfesfülle,
blitze zieht das gute schwert
Eichendorf s. w. 1, 394;

[Bd. 31, Sp. 957]


taktische linie: regimenter russischer cavallerie ..., welche an der grenze eine chaine z. sollen Lessing 18, 416 M.; eine postenkette von Cumae nach Rom ... z. Mommsen röm. gesch. 2, 237;

sie springen von den pferden, sie ziehen stolze reihn,
die langen spiesze starren, wohlauf, wer wagt sich drein?
Uhland ged. (1898) 1, 284.

fachtechnisch: z. oder werfen mit der ziehpunze (s. d.) arbeiten, also eine punctlinie durch weiterziehen dieses geräthes herstellen Bucher kunstgew. 447b; Prechtl techn. enc. 7, 144. vgl. zu diesem abschnitt die entsprechende bedeutung von zug (th. 16, 382).
b) nach einer gewissen linie anlegen, z. b. eine strasze: die straszen dieser ... stadt sind ... nach der schnur gezogen Nicolai reise 1, 163; Moltke ges. schr. 4, 83; ziehe straszen, wo du cultiviren willst H. Laube ges. schr. 5, 279; einen graben: einen graben um dieselbe (die burg) ... z. M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 4, 264; Haller Alfred 176; durch einen in östlicher richtung gezogenen kanal Mommsen röm. gesch. 2, 35; enen wall tehn (gegen das wasser) Mensing 5, 34; eine mauer, wand: darnach ziech man ... vier strebmauren mitten zwischen den ... dicken mauren A. Dürer befest. d. stett A 2b; Steinbach 2, 1099; dasz die ... ritter ... eine ganz neue wand gezogen hatten Gutzkow ritter 1, 102; im bes. nennt man z. das putzen der gemauerten gesimse, d. h. das glattziehen des mörtelanwurfs mittels einer holzschablone, vgl. Helfft wb. d. landbaukunst 419; übertr.: die romanisten haben drey mauren ... umb sich zogen Luther 6, 406 W.; man hatte zwischen ihr (der orthodoxie) und der philosophie eine scheidewand gezogen Lessing 18, 101 M.; auch: wer im schacht z. und im bergwerck bauen wil Mathesius Sarepta (1571) 38a; ungewöhnlich z. statt schlagen: brücke, die sie aus der sinnenwelt in die intellektuelle zu z. streben Klinger w. 3, 182; einen zaun: fischbüchl. 111; einen zaun um die wiese ... z. Stifter s. w. 2, 189; danach:

dort über jene hecken, die die natur gezogen
Dusch verm. w. 55;

und nun auch von flüssen, gebirgen: flüsse und weg zog er (gott) auf ihr Klinger w. 7, 47; bergreihen, die sie (die natur) zog Herder 13, 37 S.;

rings um die stadt magst du ein hohes gebirg ziehn
J. H. Vosz Odyssee 13, 158 B.;

kühn mit vertauschtem subj. aus dem obj.: im nordwesten zieht das Sojerngebirge seine ... pyramidenförmigen ... gipfel H. v. Barth Kalkalp. 430; die bche ..., ber welchen die ... bume hangende sommerlauben z. Bodmer crit. poet. schr. 1, 19; adern z. s. I E.
c) töne aus einer geige z. s. I E 3 c α.
d) jem. einen hieb über den buckel z., versetzen: (er) zog ... ihm einen hieb über den kopf A. v. Arnim w. 9, 27; über den buckel H. Laube ges. schr. 8, 316; dafür kürzend eins z.: zog ihm ... mit der peitsche ... eins übers ohr Gutzkow ges. w. 5, 225; Hunziker Aarg. 308; e strêch zeien zu einem schlage ausholen lux. wb. 498b; der ... ihr (der amazone) ... einen kopfspalter z. will Heinse an Gleim br. 1, 342 K.; einem eine ohrfeige z. versetzen, geben: Heynatz antibarb. 2, 667; (er) zieht ihm ... eine ohrfeige Bahrdt gesch. s. leb. 1, 97;

sie zieht ihm einen backenstreich
Pfeffel poet. vers. 2, 76;

C. F. Meyer nov. 2, 241; obd. einem einen hieb oder eine (näml. ohrfeige) z. Frommann d. maa. 3, 268; einem eini z. Martin-L. 2, 897a; beim fechten: er schlug sie (die schläge) ganz meisterhaft aus dem gelenk; überhaupt läszt sich die art, wie er sie austheilte, nur durch das kunstwort 'z.' geben. er zog sie mithin, und zwar recht straff Elias söhne d. zeit (1840) 60. wie hieb hierher das inhaltsobject zug: (die) marscheider ... czogen den ersten czuk Iglauer bergrecht nr. 10, 3 Zycha; andere erzeugte objecte sind eine schanz (glückszug) z., vgl.:

(ich) zeuch ein schantz nach der andern schantz
H. Sachs fastnachtssp. 1, 61 ndr.;

Lehman flor. pol. (1662) 2, 747; und etwa noch jem. eine husche z., s. ob. 11 b.

[Bd. 31, Sp. 958]



14) ein zeitliches oder räumliches gebilde, wie einen ton, einen schritt längen, dehnen, im weiteren sinne auch von zeitlichen zuständen oder vorgängen: z. von tönen heiszt sie länger aushalten als andere oder als gewöhnlich Hübner zeitgslex.31 4, 1019a; alpenhörner ..., ihre einfachen töne z-d Jean Paul 3, 102 H.; zog ... einen einzigen, langsamen und klagenden ton Gutzkow zauberer 5, 176; eine jungfrau, die eine schne stimme hat, ... sie zierlich zwingen, z., thnen und abwechslen kan Moscherosch ins. cura 65 ndr.; Kramer teutsch-it. 2, 1450c häufig gezogener ton, s. IV 3. elliptischer gebrauch seltener bei der finiten als infiniten verbform:

sie (die lerche) singt aus ehrsuchtsvollem grimme (mit ihrem spiegelbild um die wette),
sie zieht, sie trillert, mengt und paart
J. J. Schwabe belustig. 1, 558;

wie der wieder zijt beim gesang schleppt Follmann 557b; die bogenstriche kurz, ohne z. und wohl von einander abgesondert Walther music. lex. 575; das ... z. und schleppen durch die halben töne und dissonanzen Mattheson capellmeist. 151; ein angenehmes z. oder tragen der stimme Quantz anweis. flöte zu spiel. 107; das z. und schlagen der nachtigall Sulzer theorie d. schön. künste 3, 581; der z-de (näml. gesang, eine art des finkengesanges) Hohberg georg. cur. aucta 3, 2, 369a;

(wie) nachtigallen ziehend schmettern
Salis ged. 44;

die worte z.: weil ... die Dores ihre rede gar breit zohen und ... ziemlich grob redeten grillenvertreiber 2; sie (die schauspielerin) ziehet die wrter Petrasch s. lustsp. 2, 365; sie zog ihre worte H. v. Kahlenberg fam. Barchwitz 5; (ein) schmeichler, der seinen ton sanft macht, seine sylben zieht Göthe 45, 12 W.; d wîrder zeien lux. wb. 498b. richtungsbestimmungen ändern den sinn, vgl. die stellen bei Stifter s. w. 1, 242 unt. I E und O. Jahn Mozart 4, 382 unt. I E 3 e; den ton z. im sinne von heben oder senken s. ob. 3 b β. schritt: sie ... tanzten lauter nationaltänze, wo wenig gezogner, gedehnter, französischer schritt, sondern immer neuer freudensprung ist Heinse 4, 206 Sch.; Tieck schr. 6, 172; ein paar grosze, gezogene schritte K. L. Woltmann memoir. 2, 138. zeitliche vorgänge: einest ... hat er sin gebet gezogen, unz daz der wahter den tag blies Seuse d. schr. 18 B.; wiltu ein jartag stiften, zhe in uber XXX jar nit, dann er wirt nit gehalten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 76 ndr.; wohl hierher: so we myd ammeten ummegan (ein handwerk betreiben?), de then dat (sollen die lieferung von waren hinausziehen?) den luden drechliken (Riga 1376) bei Schiller-L. 4, 528b; s. auch H. Fischer 6, 1185;

wozu das gelüste,
in trauriger wüste
noch weiter ein lustleeres leben zu ziehn?
Tieck schr. 4, 318;

vgl. hierzu das ob. 1 a α αα gebrauchte bild vom leben, das als eine last gezogen wird.
15) beim ziehen auswählen oder blindlings oder aufs gerathewohl ziehen;
a) ein los z.; das älteste verfahren verwandte verschieden lange, selten verschieden starke (s. unt. die belege mit grob) gras- oder strohhalme; wer den kürzesten, unter zweien den kürzeren (oder das kürzeste, das kürzere, näml. gräselein [s. th. 4, 2, 239] oder hälmlein [s. th. 5, 2832]) zog, den traf das los: das hälmlein z. das los entscheiden lassen, indem einer aus des andern hand das längere oder kürzere hälmlein zieht (allgem.) H. Fischer 3, 1070; Schmeller-Fr. 1, 1093;

die bruch die wil ich da aufhencken,
darnach die helmlein ziehen vorab,
wer unter uns den vorstreich hab
H. Sachs 9, 112 K.;

tirer à la courte paille ou à la courte buche helmlein z. Duez (1652) 169; Haltaus 782; hälmes ziehe Follmann 557b; wir wollen nicht lange machen, da, wir wollen hälmle z., wer von uns beiden vom Tonele lassen musz B. Auerbach schr. 1, 83; sie faszte die halme in der rechten zusammen und reichte sie anmutig den andern zum z. Scheffel ges. w. 2, 111; die fügung den kürzern (das kürzere u. s. w.) z. ist im sprachgebrauch bereits verblaszt

[Bd. 31, Sp. 959]


und bezeichnet schlechthin den verlierer, den in verlust und (kriegs)nachtheil geratenden, unterliegenden: da er denn nit fechten wrd, er mste den krtzern z. U. Budrym kriegsregim. (1594) 291;

ich bsorg, du würdst den kürtzern ziehen,
do selbs dem rechten kumm entfliehen
Murner narrenbeschw. 78 ndr.;

Grimmelshausen Simplic. 104 ndr.; Reineke fuchs (1650) 118; Frotho ... zeucht aber den krtzern Lohenstein Arm. 2, 732; P. Heyse ges. w. 10, 144; u. v. a., allgem.; Wander 2, 1731; Binder 117; deteriore conditione esse das bser haben, das kürtzer z., rüher gehalten werden, deteriore iure esse den nachteil und verlurst haben, das kürtzer z. Frisius 402b; hinnach aber als si inen nachgevolgt, das khirzer zogen v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 6;

der musz mit witz und acht stets unaussetzlich zielen,
sonst er den krtzten zieht
Harsdörfer frauenz.-gesprechsp. 3, 469;

scharmützel, in welchem die feynd das kürtzest zogen Stumpf Schweizerchron. 30b; avoir du pire den kurtzen z., einbszen Duez (1652) 229. den gewinner bezeichnet: den langen z. vortheil haben H. Fischer 6, 1180. auf den stärkeren halm geht grob (s. th. 4, 1, 6, 389), vgl.: ein schlacht, in welcher die feinde ... den gröbern gezogen Dilich hess. chron. (1605) 2, 121; den gröbsten 102; den grobsten 169. dagegen bedeutet den besten z. nur wirthschaftlichen vortheil, vgl.: s beste hälmle der beste theil bei der heirat H. Fischer 3, 1070; so auch:

denn wie gar manchen han im todt
die mnch gebracht in solche not,
das er in hat so viel vermacht,
das seine kinder seind verschmacht,
und das die mnch den besten zogen
Fischart Domin. 1151 Kurz;

demgegenüber zieht man das los, das vordem geworfen wurde (s. die belege th. 6, 1153), erst seit der verwendung von papierzetteln: ich las die namen, und die jungfer zog die zettel Grimmelshausen Simplic. 271 ndr.; vern. tadl. 2, 309; die Chineser ... z. eine art von los, um zu erfahren, ob sie eine reise unternehmen sollen J. G. Zimmermann v. nationalstolze 297; Niebuhr röm. gesch. 1, 313; ich habe ... das grosze los gezogen Storm w. 1, 25; nieten z.: Schiller 4, 180 G.; lotterie z. 207; elliptisch: 11, 98. beim kartenspiel: du schasst tehn (eine karte herausziehen) Mensing 5, 34.
b) obj. ist in abkürzender sprechweise der durch das los bestimmte mann; Schiller sagt noch vollständig:

jedwede fahn
zog ihren mann durchs loos 12, 298 G.;

insbes. früher üblich für die aushebung von rekruten, bei der eine losnummer entschied; vgl. noch den vorgang: am montag zieht man und was hast zogen? H. Fischer 6, 1180; gezogen werden ausgehoben, gemustert werden Hentrich Eichsfeld 50; Schön2 234a; Follmann 557b; lux. wb. 498b; auch in anderer lage: heute abend ist das grosze ehrenfest der schauspieler. die frauen werden gezogen Göthe IV 7, 200 W. als belege einer auswahl ohne los vgl.:

si zugen in vil lise
apostolen zu herren leb. d. heil. Elisabeth 818 R.

de cardinale, de van beyden pavesen togen (ernannt) weren (Lüneburg 1409) städtechron. 36, 117; so solten alle die von K. alle ire pferde in ein hofe treiben und sollen ausz den allen vier pferde ziehen (auswählen) weisth. 6, 48; so hat ein ganze gemeine gesetzt und verordnet 12 man, die us dem gedyen (bürgerschaft) gezogen (1525) bei G. Franz bauernkr. 2, 191; wegen der aus erstern (den gefangenen) zu z-den recruten Lessing 18, 467 M.
B. im gebiet der natur bei ihren lebensvorgängen und erscheinungen.
1) menschen oder lebende wesen z.
a) den athem; elliptisch aus älterer fügung, die eine richtungsangabe enthält, verkürzt:

swenne si (die zunge) den wint fahit
unt in den munt zuhet Wien. genes. 256 Dollm.;

[Bd. 31, Sp. 960]



ze warten si begunde,
ob er den âtem inder züge
Wolfram Parz. 575, 23;

indem er den athem an sich zeucht Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 15; Frisius 135b; seinen athem zoh er in sich S. Franck sprw. (1545) 1, 101a; belege:

auch so zeuch ich den athem streng
H. Sachs 21, 8 G.;

J. v. Schwarzenberg Cic. (1535) 44a; so der hund nit wol den athem z. mag C. Forer Gesners thierb. (1563) 87b; ir werdet sehen, dasz sie kaum mehr den athem zihen knnen, ehe sie des walles mitte erreichet haben Bucholtz Herkulisk. 30; A. Gryphius trauersp. 43 P.; Günther ged. 589;

(er) zieht die luft mit langen, geitzigen zgen
Bodmer Noah 8;

Gottsched ged. (1751) 1, 364; Wieland s. w. (1794) 4, 294; Bürger 3a Bohtz; wenn ich meinen letzten athem ziehe Schiller br. 1, 10; solange ich ... den athem ziehe Jac. Grimm kl. schr. 1, 52;

du ziehest kurzen athemzug
E. M. Arndt 5, 344 R.-M.;

Freiligrath ges. dicht. 6, 229;

voran, voran! zieht sacht den hauch
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 71;

danach aus dem gebrauch gekommen. gelegentlich ohne obj., wo der zusammenhang es gestattet: er konte nicht genug z. und odem fangen K. R. v. Greiffenberg andächt. betracht. (1678) 765; ich zog, da ging lebendig der odem in meinem busen maler Müller w. 1, 16.
b) den sinn den letzten athemzug thun, in den (letzten) zügen liegen (s. th. 16, 381) gewinnt diese verbindung durch die richtungsangabe ze (dem) tôde, dabei fehlt von anfang an bereits das obj. athem: als einez (ein klosterinsasse) zem tôde grîfende wirt ... unde alle die wîle und jenez ze tôde ziuhet, sô sprechent sie (die übrigen insassen) im den gelouben vor Berthold v. Regensburg 1, 43 Pf.; (eine witwe,) die zúge z dem tod d. heil. leb. winterteil 80d; H. Sachs 8, 396 K.; danach fällt aber auch die ortsangabe: da fieng er von stunden an z ziechen und verschied wie ain kind (Augsb.) städtechron. 23, 170; H. Fischer 6, 1181; da zeucht der kranck, samb er sterbe H. Sachs 11, 415 K.; sehend ir nit, dasz die mess zücht, so verstand ir üch nüt ufs sterben N. Manuel krankh. d. messe 225 B.; Frey gartenges. 19 B.; Weckherlin ged. 2, 183 F.; in süddeutschen maa. noch gebräuchlich: Westenrieder 689; Delling 213; Schmeller-Fr. 2, 1106, wo auf das verwandte nd.-nld. seeltogen (s. DWB seelzagen th. 10, 1, 57) verwiesen wird; Schöpf 828; Lexer kärnt. 265. das osterländ. schwächt, wie das altmärk. sein sêltaogen in anderer weise (s. th. 10, 1, 57), zu der bedeutung kränkeln ab: er zieht immer un ewig Albrecht Leipz. ma. 240b; lange z. müssen lange als kranker dulden müssen Müller-Fr. 2, 704a. dem altmärk. kommt die angabe aus Basel nahe: ais zie schlafen; gäll, de hättsch no gärn ais zoge? Seiler Basl. ma. 325a. in infinitivischer fügung: wann die cardinäl erfaren, das der papst in z. ligt, erweelen sie drei ausz ihnen, die alle gütter inventieren Linck v. Colditz bapsts gepreng l; wie Euphrasia ... im letzten z. war H. Fabricius auszug bewert. histor. (1599) 192; i bi grad zuem zücha choh zum todeskampf gekommen Tobler appenz. 461a; der leït am ziehe Follmann 557b; schwäb. er zieht, hat zogen H. Fischer 6, 1181; als wortspiel: zieh, nach meint der teufel, du sterbest ebda.
c) rauch, duft einathmen:

(gib das tägliche brot denen,)
die nun bergsichtig (-süchtig) worden,
verlhmet und verdorben.
den htterauch gezogen,
den es gar harte leit
in dieser schwehren zeit
M. Rinckhart christl. ritt. 69 ndr.

dampf (tabakrauch), der im nackenden west caciquen prophetisch begeistert
zieht ihr gelehrter als ich
Kästner verm. schr. 1, 218;

[Bd. 31, Sp. 961]


dann zog er einen tiefen schluck rauch H. Laube ges. schr. 8, 72; zieh ich nicht den duft seiner rosen? Schiller (räub. II 3) 2, 245 G.
d) trinken: uuin drinchen unde zihen vini haustum et usum Notker bei Graff 5, 601;

er meint aber des pfarres mutter,
die zoch weidlich in der weinkandel
H. Sachs 9, 494 K.;

ein paar krge bier, worin sie tapfer gezogen J. Chr. Krüger geistl. auf d. lande (1743) 104; wol z. tirare bene Kramer teutsch-it. 2, 1450c; muszt du unter dem z., so lang du immer kanst, den athem zuruckhalten L. Tölpels baurenmoral 22; er ziet trinkt hastig Hunziker Aarg. 308; Seiler Basl. ma. 325a; Martin-L. elsäsz. 2, 897a; in der studentensprache beliebt: z. stark pro poena trinken, wozu die corona wohl auch jenes fuhrmannslied zieh, schimmel, zieh (ob. A 1 a α) anstimmt Kluge studentenspr. 135; im commando zum bierjungen: stoszt an, setzt an, zieht! Augustin bemerk. üb. Halle (1795) 418; fester bestandtheil des kneipcomments. z. studentisch auch für verzehren: einen frasz mit wein z., einen schnabem z. Kluge studentenspr. 135; sonst noch mit dem athem in die nase hinaufziehen: ich nehme ... eine prise tabak und ziehe ungewöhnlich stark Raupach dram. w. kom. gatt. 4, 47. eine ältere volle wendung steht vereinzelt: er ziehe als vil in sich und trincke mit allem vollen munde Tauler pred. 53 V. in der bedeutung saugen ist die präpos. an das gewöhnliche: er zog ... heftig an seiner tabakspfeife W. Raabe Horacker 12; s. unt. I E 2 a; doch s. das vulgäre ziehdenriemen sp. 937. im folgenden aus dem zusammenhange zu ergänzen: (er) nimmt cigarre, schneidet ab, ... nimmt feuer ... er zieht mit groszer anstrengung. endlich brennt die cigarre G. Hauptmann eins. mensch. 12; eher ohne zusatz möglich ist: sie (die lippen) hatten sich angesaugt (beim küssen), sie zogen, forderten H. v. Kahlenberg Eva Sehring 149. diesem ganzen bedeutungsinhalt des verbs läuft die gleiche entwicklung des subst. zug parallel, s. th. 16, 381.
2) von den naturkräften, die einen zug ausüben, wird
a) die mächtigste und allbeherrschende, die schwerkraft, vom auszerwissenschaftlichen denken nicht als anziehungskraft erkannt, daher die geringe zahl der aussagen von ihr mit dem verbum z.; bereits elliptisch:

zem centrum ziuhet elliu swære,
diu erd anders zervallen wære
Thomasin v. Zirkläre welsch. gast 2619;

die welt hngt sowohl an dem faden einer spinne als an der kraft, welche die planeten gegen die sonne zieht Reimarus nat. rel. 255; wenn sie (die sonne) die alternde kraft der erde ... in ihren brennenden schoos zöge Herder 13, 24 S.; ist die nähe der erde hier die ursache, indem diese den stein zieht Schopenhauer 1, 187 Gr. eher tritt z. zur beschreibung anschaulicher vorgänge auf:

du brachst nun die früchte geschäftig,
und die goldene last zog das geschürzte gewand
Göthe 1, 268 W.;

ich schob den beutel in meine tiefe rocktasche, das plumpte wie in einen tiefen brunnen, dasz es mich ordentlich hintenüber zog Eichendorff s. w. 3, 44; noch dazu mit der vorstellung des persönlich gedachten krankheitsanfalls verbunden: in ... diesem bade zog unsern bruder ... ein zuckender krampf ... bis zur tiefe Gerstenberg Ugolino 231 H.; auch des strudels saugkraft zieht zur tiefe nieder:

da gähnet und wirbelt der schäumende schlund
und ziehet die frau mit den kindern zu grund
Göthe 2, 37 W.;

und der zug des strömenden gewässers ist eine folge der schwerkraft: flieszendeu wazzer ... diu ziehent guldeinen griez Megenberg buch d. natur 485; der bach Cison zoch ir eser (traxit cadavera eorum; waltzet sie Luther) richt. 5, 21 erste deutsch. bibel 4, 356; dichterisch:

Filidor lag in dem schatten,
wo der gelbe Pregelflusz
durch Prutenens braune matten
ziehet seinen leisen gusz
Kasp. Stieler geharnschte Venus 32 ndr.;

[Bd. 31, Sp. 962]


doppeldeutig, da auch für III B 1 in anspruch zu nehmen: (ein schwimmer,) welcher in möglichst gerader richtung über einen starkziehenden strom schwimmt G. Keller ges. w. 3, 22; redensart: et tühd hir as im flaudkasten (zieht stark; grafsch. Mark) d. maa. 5, 163 Frommann.
b) doch sieht das auge des volkes die schwerkraft als einen zug nach unten am langen arm der balkenwage, der die ware trägt, wirken; es sagt: der anke (die butter) ziet (wiegt) drü pfund Hunziker Aarg. 308; gewöhnlich unpersönlich: s ziet es überwiegt ebda; Seiler Basl. ma. 325a; s het s schwach zoje ist knapp gewogen Martin-L. 2, 897b; es ziecht Schöpf 828; bei Schmeller-Fr. 2, 1106 nur für die ältere sprache angegeben und auf geziehen (s. auch th. 4, 1, 4, 7051; 7058) verwiesen; literar. kaum bezeugt, vgl.:

volk! dein goldenes vliesz nur zieht in der wage des fürsten
Herwegh ged. ein. lebend. (1843) 101;

aber im mhd. anschaulich ausgedrückt:

diu scâle zouh ie nidene
mit dem tûren steine
Lamprecht Alexander 7134 K.;

dâr zouh an der stunde
diu vedere ze grunde 7147 K.;

coninc, de alre minste crone,
de hei sinen vruntinnen geit,
din coninkrich enzucht ir neit (wiegt gleich)
Gottfrid Hagen reimchron. v. Köln, in städtechron. 12, 28;

der einzige Thomasin von Zirkläre weicht von der vorstellung der niederziehenden schwerkraft, die er doch 2619 (s. ob.) im auge hat, ab, wenn er schreibt:

swaz in der werlde gar ringe ist,
daz ziuhet hôhe zaller vrist,
daz swære niht anders gert
wan daz ez valle zuo der erd welsche gast 2616.

trans. auffassung besteht auch bei geziehen wiegen (s. th. 4, 1, 4, 7058 und Schmeller-Fr. 2, 1106) und wohl bei dem älteren es gezieht mir (s. th. 4, 1, 4, 7057).
c) daher darf unbedenklich auch die bisher meist als intrans. aufgefaszte construction es zieht zu es läuft hinaus auf, bringt mit sich, nähert sich, ist gleich, gehört zu hierher gezogen und damit eine bedeutsame gruppe anscheinend intrans. gebrauches in ahd. zeit dem trans. verbum zugesprochen werden; eine stütze dieser auffassung bietet der lat. wortlaut, den die deutsche wendung widergibt, in folgendem falle: daz zihet ze saligheite pondus beatitudinis habet Notker bei Graff 5, 602; ferner ebda: daz zihet ze angesten anxia est; daz zoh ze nahtfarewo atrae noctis nigredine coloratur; ze lîbe zîhentiu weter salubres auras; sodann: daz zuge ze unmahtin Graff diutiska 3, 139; daz ziuhet ze der vorhten, jenez gehabet sich ze der minne (zu ps. 118) Windb. ps. 553 G.; daz ziehet ze fride, daz du andirmo ne tuoiest, daz du dir selbemo ne wellest Notker ps. 84, 11;

und swaz ze hôhem prîse züge
Wolfram Parz. 700, 13;

wîbe gebende, nider, hôch,
als ez nâch ir lantwîse zôch 776, 14;

dâ bî sô swachet iuwer êre,
und ziuhet doch ûf smæhen wân
Walther v. d. Vogelweide 81, 22;

des was an im vertorben
allez daz ze schanden zôch
Ulrich v. Eschenbach Alex. 4043; 11 979;

alsô daz sîn hêrschaft
niht ziuhet ze der erbeschaft (nicht erblich ist) ebda anh. 974;

ein ander rede sul wir haben,
die ze strîte ziehen wil ebda anh. 11825;

sogar der letzte beleg läszt sich noch in diesem sinne verstehn:

sie (die mauer) waz hoch:
ir hohe uf driszig claftern zoch
Heinrich v. Neustadt gott. zuk. 1694 Si.,

wenn er auch schon auf III B 3 hinweist.
d) die magnetische und elektrische anziehung findet in z. den gemäszen ausdruck, das obj. kann unterdrückt werden: ein magnet, der in oleum laterinum gelegt wird, der verleurt sein kraft und zeucht nit mehr Paracelsus op. (1616) 2, 388 Hus.;

[Bd. 31, Sp. 963]


der agstein zeucht nur spreu, magnete ziehn nur eisen
Lohenstein Ibrahim 5;

der magnet zieht am meisten, wenn er geübt wird Herder 15, 313 S.; magnetisch z. übertr. auf seelische wirkung: sie (die verliebten herzen) zogen einander viel heftiger als ein magnet das eisen Chr. Weise klügst. leut 2;

weil ihr charmantes aug magnetisch ziehen kann
Petrasch s. lustsp. 1, 903;

gold zieht magnetischer als schönheit, witz und jugend Wieland s. w. (1794) 9, 5; red.-art: wen nicht zieht magnet, den zieht Agnet Wander 5, 579; dabei deutet sich der unterschied der magnetischen und der seelischen anziehung bereits in der construction an: gleich wie diser (der magnet) ... das harte eysen ziehet, also ziehet der ... erlser die harte snder zu sich Abraham a s. Clara Judas d. ertzschelm 1, 11;

du ziehst mich an, hartherziger magnet!
doch ziehest du nicht eisen, denn mein herz
ist ächt wie stahl Shakespeare 1, 205;

im letzten falle tritt schon das jetzt gebräuchliche anz. auf, das sich bei Lohenstein ankündigt: der magnet zeucht ... das eisen an sich Arm. 1, 505a.
e) den geheimnisvollen ausschlag oder schlag der wünschelruthe nach metallischen schätzen oder wasser in der erde bezeichnet gelegentlich auch das verbum z., vgl.: soll ich nicht einmal versuchen im schuttgewölbe, ob die ruthe zieht (nach gold)? Babo schausp. 160.
f)
α) der ins holz hineingeschlagene nagel zieht die holztheile zusammen, er zieht: den nagel ... so recht auf den kopf ... treffen, ... bis er zieht und bald über den kopf im holze sitzt B. Goltz buch d. kindh. 159; auch vom keil, vom pfahl, wenn sie ins holz, in den boden eindringen, wenn sie fassen: der keil zieht nicht K. G. Anton Oberlaus. 15, 19; Martin-L. 2, 897a; Schönermark-Stüber hochbaulex. 495; wann der beltzstamme dickere rinde hat dann der zweige selbs, welchen du auf setzen wilt, soltu denselbigen basz in den spalten zihen lassen, damit sein einwerts und des beltzstocks marck sich auf eynander zusammenfgen Sebiz feldbau 329. deutlicher sichtbar ist die wirkung einer schraube, die schraube zieht, in der übertr. redewendung: z. wie eine schraube stark und anhaltend ziehen, ohne nachzulassen, wird von einem tüchtigen pferde gesagt K. G. Anton Oberlaus. 15, 19; bildl.: det zieht wie eine schraube hilft bedeutend Brendicke 195b.
β) die geschwungene und schlagende gerte zieht: de gerde, göschel (peitsche) zit Hofmann niederhess. wb. 269b; Müller-Fr. 2, 704a; der von oben herabsausende rammklotz, vgl. das holst. rammerlied bei Mensing 4, 37; eine tracht prügel, ein schlag, eine tatze zieht schmerzt stark H. Fischer 6, 1185; sprw.: das zieht, sagte der fuhrmann, da schlug er sein pferd mit der rodehacke Wander 5, 579.
g) die bewegung der luft im schornstein nach aufwärts erscheint sinnlich als ein zug, den der schornstein bewirkt: es sind gute schorstein, die allerley rauch z. Petri d. Teutsch. weiszh. 2, C c 6a; der schornstein, der zu viel rauch zeucht, ist nicht nutz Lehman flor. pol. (1662) 2, 778; 1, 464; K. Stieler ged. 1, 63 Recl.; unter einem gut z-den abzuge Muspratt chem. 8, 727 St.-K.; s. auch th. 5, 1142 unt. klemmhans; ebenso: die pfeife, die zigarre zieht gut, nicht allgem.; Martin-L. 2, 897a. zum folgenden leitet über die beziehung auf das feuer: bei einem tüchtig z-den feuer P. Cornelius lit. w. 2, 307; allgem.
h) kein unpersönl. ausdruck für eine wettererscheinung wie es regnet ist es zieht es herrscht luftzug, sondern es ist elliptisch statt eines vorauszusetzenden, unbezeugten es zieht mich aufzufassen; der beweis ergibt sich aus dem vergleich mit den nahestehenden ausdrücken es weht, es stürmt, bei denen jede beziehung als physischer reiz auf den aussagenden als betroffenes object fehlt; vgl. DWB zug (th. 16, 390), zugluft (436) und luftzug (6, 1265). belege für die allgem. bekannte wendung sind in der lit. knapp, vgl. etwa: das zieht G. Hauptmann d. weber 6; es zog stark im garten u. ä.; dial.: s ziet Seiler Basl. ma. 325a; Martin-L. 2, 897a; s ziegt so arig Edw. Roedder volksspr. d. bad. Frankenland. 581a; et tüht hier Woeste-N. 267a; ostmd.

[Bd. 31, Sp. 964]


mit zusatz: es zieht wie hechtsuppe es herrscht empfindliche zugluft Müller-Fr. 2, 704a (hier auch: wie spanische fliege, also von einer anderen art des ziehens übertr.); Brendicke 195b. der urtüml. schweiz. ma. ist auch persönl. ausdruck möglich: de wind ziet Hunziker Aarg. 308; auch fachsprachlich: auffm Reichenschal ... hat nicht allein das wetter auffm treckwerck gezogen, wie es breuchlich ist, sondern es ist auch ein wind auszm gang herausz gangen Mathesius Sarepta (1571) 32b. sonst aber bedingen concretes subj. und adverbiale, namentlich richtungweisende zusätze das intrans. bewegungsverbum, s. unt.
i) wasser (regen) z. zunächst
α) von dem th. 13, 2308 beschriebenen naturvorgang (s. dort auch weitere belege), ältere belege noch mit einem präpos. zusatz wie an sich:

die sonn mit den strahlen
solch wasser an sich zieht
W. Spangenberg Aristophanes wolk. 2351 (bei
Dähnhardt griech. dram. 2, 235);

obschon die sonn regen zeucht, kan dennoch der wind verhindern J. de Acosta America (1605) 43; die bekannte erscheinung, wenn die sonne, wie wir sagen, wasser ziehet allg. d. bibl. 3, 2, 4;

seht die zerbrochnen schiff! seht, wie die nebel rauchen,
die see noch stürmt, Orion regen zieht!
Schiller 6, 387 G.

die redensart cepas edere aut olfacere die sonne ziehet wasser Tappius adag. (1545) B b 4a, die beide vorgänge vergleicht, führt zu denjenigen fällen hinüber, die die augen anstatt der sonne setzen: wenn sie nur an einen (d. h. ihren) so hertzgetreuen herrn bruder dencken, so z. schon die augen wasser B. Schmolcke s. schr. 2, 645; wenn die Iphigenie spricht, ... da ziehts so leicht wasser M. Hartmann br. 1, 143; vgl. Tiedge w. 6, 38; dichterisch: das in süszer begierde wollust z-de auge Heinse 9, 357 Sch. zu trennen von dieser volkstümlichen naturdeutung ist der wirkliche vorgang des wasser ziehens d. i. aufsaugens vom feuchten erdboden, vgl.: die sonn wirt drumb nicht wst, wann sie schon wasser ausz pfitzen ziecht Fischart Garg. 5 ndr.;

der sonnen majestät zeucht von der erdenbahn
den dunst und schafft daraus die schnsten regenbogen
Ziegler asiat. Banise widmung 5;

so seuget oder zeucht sie (die sonne) auch die feuchtigkeit aus den holen rhren fischbüchl. 121; Bodmer crit. poet. schr. 1, 73; als ... die hohe sonne schon reif und thau von ihrer wiese gezogen hatte Stifter s. w. 1, 277; auch: deine luft zieht manchmal auch ein wenig wasser, Bettine fürst Pückler br. 1, 120; ferner noch: die sonne ziehet die farbe aus dem tuche Adelung2 4, 1706.
β) sodann von einem lecken schiff, neben den syn. schöpfen, fangen, machen (s. th. 13, 2308): navis hiscit, navis convulsa haurit mare das schiff ziehet wasser, lecket nomencl. lat.-germ. (1634) 565; Calvisius 857; Stieler 2628; den âcher (nachen) zeit wâsser lux. wb. 498b; wohl auch von gesprungenen töpfen möglich. hiervon dem sinne nach verschieden zwei andere technische anwendungen in der sprache der seeleute und fischer, deren erste (das schiff zieht 12 schuh wasser, zieht viel wasser liegt 12 schuh tief im wasser, geht tief) th. 13, 2308 besprochen ist, und die zweite von der Saar berichtete: wasser z. den eben mit aller macht vorgeruderten kahn wieder plötzlich zurückrudern (fischersprache) Schön2 234a, die von der stelle aus Zieglers asiat. Banise 248: ein jeder hatte ein besonders kurtzes ruder in der hand, mit welchem sie das wasser fein zugleich an sich zu z. und dem schiffe dermaszen geschwinde fortzuhelfen wusten, dasz fast kein pfeil geschwinder fliegen kan auch kein licht empfängt und empfangen kann, da sie einer anderen, trotz verschweigungen dem berufsgenossen noch verständlichen ausdrucksform angehört.
γ) durchlässige töpfe und schuhwerk, poröse gegenstände wie schwämme z. wasser vermittelst der wirkung der kapillarität (s. th. 13, 2308), vgl.: die neme ein reinen schwamm und lasz ihn voll disz wassers z. Gäbelkover arzneib. 2, 377 (s. I E 1); ferner: bibulae ollae hfen, die wasser an sich z-d Frisius 155b (noch nicht engfachsprachlich

[Bd. 31, Sp. 965]


verkürzt, wie jetzt üblich ist); calces contrahunt aquam die schuhe z. wasser, halten nicht dicht nomencl. lat.-germ. (1634) 436; Bauer-C. 91a. vergleichbar: wann es (das wohnhaus) zu nach am wasser ligt, wird es ... flüsz (rheumatismus), schnuppen und kalte feuchte z. Sebiz feldb. 12. abweichend bei tiefer lage quellwasser in sich sammeln, von einem grunde: ein cistern ... zieht herlich gut wasser bei H. Fischer 6, 1180; th. 13, 2308 unt.; s. dort die übertragenen wendungen von herabhängenden strümpfen und tricot.
δ) die gleiche kapillare saugwirkung liegt vor: dieses gewchs den saft ausz dem gemuer zieht Harsdörfer frauenz.-gesprechsp. 3, 250;

es schwand des wassers mänge,
die wurzeln zogen es durch ihre kleinen gänge
Drollinger ged. 67;

lebende wesen saugen:

es werd mir wie den blumen gan,
darusz das bylin honig zücht
H. R. Manuel weinsp. 1967 ndr.;

Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 7, 283; bildl.: es giebt einen schmerz, der sich mit einem groszen saugestachel ans herz legt und thränen durstig zieht Jean Paul 10, 117 H. hierher die vulgäre benennung der mutterbrust zihdenrimen Fischart Garg. 167 ndr. (s. sp. 937).
ε) theeblätter im wasser nach dem aufkochen z. lassen bedeutet sie sich vollsaugen lassen: thee, wenn er ... lange gezogen hat J. R. Füeszlin v. d. gesundheit (1768) 211; von ... ihrem ... bis zum dunkelbraunwerden z-den thee Gutzkow zauberer 1, 271; auch vom kaffee u. a., z. b.: man zuckre reife gartenerdbeeren, lasse sie ohne wein eine stunde ... z. zs. daheim 17. 5. 1934 15b; uneig. sagt man auch eine bowle z. lassen; ferner: dieses überschütten und auslaugen (der wäsche in buchenasche, s. bauchen th. 1, 1166) hiesz man 'z.' J. Blau Böhmerwäld. hausindustrie 1, 111; er setzte ihn (den kälbermagen) ... der flüssigkeit bei, zum 'z.' bis am folgenden morgen, da der erste oder zügelkäs gemacht werden sollte H. Nydegger Hans d. chüjer (1897) 20; die circulation der masse (papiermasse) ..., das sogenannte z. Muspratt chem. 6, 1512 St.-K. wasser z. schlieszlich gesalzener rettig, gurkensalat, gedämpftes grünes gemüse, gezuckertes obst und überhaupt wasserliebende mineralien wie chlor, kali, auch nässende hautausschläge: H. Fischer 6, 1180; Martin-L. 2, 897b; materi z. eitern ebda.
j) pflaster, schröpfköpfe z. (bei verschiedener ursache): es (pflaster) zeucht eim bälder als dem andern (bei kopfweh) Gäbelkover arzneib. 1, 8; ein plaster ... zeucht die aufgestigene mütter under sich Bock kreuterb. 33; diese salbe zeucht und heilet Walther pferdezucht 148; schmiret die geschwulst mit dieser salben, welches (verfahren) z. und die beulen zu ihrer zeitungen bringen wird Hohberg georg. cur. auct. 3, 2, 201b; Ludwig teutschengl. 2588; als letztes mittel ..., obs noch zieht Grillparzer 20, 15 S.; die messin (näml. laszkpf) seynd stercker im z. dann die glserin Wirsung arzneib. (1584) 305b; schröpfköpfe sind wohl angebracht, wo sie z. Göthe 8, 39 W.; blasen z.: blasen ziehende mittel allg. d. bibl. 2, 125; ein blasenpflaster ziet e huchel (blase) Martin-L. 2, 897b; blattern z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; bildl.: die spanische fliege der goldkrämerei ... wird den kindern ... hinters ohr gesetzt und musz ihnen die wasserblasen eitler hoffnungen z. Gutzkow ges. w. 5, 90; die scharfe luft und die blendende sonne auf dem schnee haben mir förmlich blasen im gesicht gezogen Moltke ges. schr. 6, 533; auch das wasser zieht blasen, wenn es bei der erwärmung kleine bläschen aufwirft, als ziehende kraft wirkt die hitze: H. Fischer 6, 1180 u. allgem. vom arzt aus: ich lasse zur ader, ich purgire, ... ich ziehe blasen Stranitzky ollapatrida 217 Wien. ndr.
k) ziehende schmerzen im körper gehn ursprünglich von der als dämon vorgestellten krankheit aus, wie sich aus der wendung es zeucht mich der krampf Kramer teutsch-it. 2, 1450b erkennen läszt und der sich die andere mich schüttelt das fieber zur seite stellt; de schwier zeit das geschwür bricht auf lux. wb. 498b; die kriebelkrankheit,

[Bd. 31, Sp. 966]


krämpfsucht oder ziehende seuch (Marburg 1597), s. th. 5, 2015; danach unpersönlich und mit örtlicher angabe: da zieht mirs schon wieder von der fuszsohle bis in den schenkel Kotzebue s. dram. w. 1, 7;

es thut nicht gut, wenn man im bad
und nur die füsze drauszen hat —
auch Bählamm hats nicht wohl gethan,
es zog ihm in den backenzahn
W. Busch Bald. Bählamm 54;

darauf auf den betroffenen körpertheil bezogen: gestern ... fing mir der magen so abscheülich ahn zu z. Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 7, 75 H.; den ... z-den magen Jean Paul Hesper. 1, 172;

nur leises ächzen, und voran! — schau, schau, wie seine muskeln ziehen!
A. v. Droste-Hülshoff w. (1877) 2, 22;

oft im infin.: gestern abend kriegte ich noch z. im kopf Göthe IV 5, 42 W.; ein heftiges z. in den gliedern E. Th. A. Hoffmann 6, 22 Gr.; W. Raabe Abu Telfan 3, 19; sie fühlte ... ein z. bis in die fingerspitzen Cl. Viebig schlaf. heer 1, 155; allg.; umgangssprachlich norddeutsch: ich fühle ... so ein z. im rücken H. Seidel Leb. Hühnch. 288; ich habe son z. rheumatische schmerzen Brendicke 195b. abweichend intrans. bewegungsverb: die im körper umherziehenden schmerzen.
3) seelenkräfte und concrete vorgänge üben anziehung aus; zunächst geben richtungsbestimmungen eine in sich geschlossene sprachliche vorstellung, in engerer verwendung wird der ausdruck elliptisch. persönliches subject tritt leicht an die stelle der wirkenden kraft.
a) mit richtungsangaben: welche (die weiber) sich bereden lassen, das eine den mon vom himmel zihen knne Fischart ehzuchtb. 179 H.;

zieht mit bösen bannes zunge
fremde gäste in den kreis
Brentano ges. schr. 3, 387;

lngst verbrauchte zauberformeln ... können ... nicht ... die gestirne des himmels aus ihren bahnen z. Ritter erdk. 1, 47; (der graf) sy (die lüsterne königin) meint von sölcher schantlichen liebe ze zichen Arigo decam. 128 K.; volksb. Fortunatus 4 ndr.; was mich ... gewisz vom platze z. würde, wären die elginischen marmore Göthe IV 28, 188 W.;

die frommen mönche liegen auf den knieen
und wollen flehend sieg vom himmel ziehen
Tieck schr. 1, 363;

ein groszes gepolter und gerusch ... zohe meine gedancken nach dem orte, aus welchem es kame Lindenborn Diog. 1, 38;

der nahme Csar schon
zieht meine dankbarkeit vom vater auf den sohn
Ayrenhoff w. 2, 177;

da sitzt nun meine mutter und zieht sie doch alle an sich Caroline 1, 56 W.;

dit allez zôch si niht dar an (brachte sie nicht dazu),
daz si ... passional 57, 75 H.;

ich weisz nicht, was es ist, was ihn an mich
und meinen sohn so mächtig zieht und kettet
Schiller 12, 81 G.;

eine schöne equipage ... zog uns an die fenster Göthe 25, 170 W.;

die lust, die unser fleisch ergetzt,
die zeucht uns nach der höllen
P. Gerhard bei
Fischer-Tümpel kirchenlied. 3, 314;

Göthe 24, 21 W.; was zog das volk so unwiderstehlich nach seiner bühne? Schiller 3, 523 G.; ich werde mehr und mehr nach Deutschland gezogen Chamisso w. 5, 305; W. Raabe hungerpast. 3, 46; beide wurden sie nach und nach immer seliger gegen einander gezogen Stifter s. w. 3, 161;

wande in ie der wille zôch
ûf tugentliche dêmût passional 8, 37 K.;

understunde sich in vil weg daz gemüet Clitemnestre auf seine bse, lstige begirde z z. und verwenen Schaidenreisser Odyssee 11b; adducere in voluntatem einen auf sein meinung z. Frisius 31a; Kramer teutsch-it. 2, 1450c; diese ... ziehn die lacher auf ihre seite Kretschmann s. w. 2, 42; das ir habt ander bruder ... darzu gezogen (gebracht,

[Bd. 31, Sp. 967]


veranlaszt), das ... chron. v. Bamberg 1, 167 Chroust; und wirt auch mannich mensch durch disse weise und ordnung gezogen und gekert zu der warheit theologia deutsch 49 M.; so würt auch die überschwencklichkeit der gter nicht z einem bsen leben z. Hutten op. 1, 398 B.; H. Sachs 2, 238 K.; Carolina art. 123; ich widerstand der neigung, die mich zu ihm zog Göthe 23, 59 W.;

wie anders, da des muthes freyer trieb
zur kühnen that mich zog
Schiller 12, 216 G.;

O. Ludwig ges. schr. 1, 166; die ... ledige burgerssöhn ... in ihr plötzliche lieb zue z. ... sich nicht scheyen (Schlettstadt 1654) oberrhein. stadtrechte III 1, 521;

ins weite zieht ihn unbefangne hast
Göthe 3, 20; 24, 277 W.;

(viele andere,) die er mit in sein luderleben gezogen Schiller 2, 17 G.; er (der zuschauer) wird aus der ruhig ergebenen fassung künstlerisch erweckten mitleids in die kämpfe der personen selbst gezogen O. Ludwig ges. schr. 5, 414.
b) ohne solchen zusatz, bisweilen schon absolut, manchmal bildlich und aus der sphäre des concreten ziehens übernommen: Hätzlerin liederb. 119b; vil sorg, die mir mein sinn vilfaltig z. Boltz Terenz deutsch 8b; Grimmelshausen Simplic. 299 ndr.; ihre anmuhtige farbe, welche das auge sie anzuschauen ziehet (anzieht) Zesen helikon. rosent. 21; ein jungfrauenhaar zeucht strcker dann zehen joch ochsen Lehman flor. pol. (1662) 3, 84; auch: die natur zeucht stercker dann siben ochsen sprw. klugred. (1548) 160b; Thomasius de praejudic. 57 Brügg.;

denn wen die wollust zieht, der ist des geldes feind
Neukirch ged. 126;

die blauen augen werden insgemein von braunen gezogen, und die braunen von blauen gereizet Winckelmann s. w. 4, 39;

was zieht mir das herz so?
was zieht mich hinaus?
Göthe 1, 89 W.;

wenn ich dann ferner in des lebens weite
zur liebsten muszte, muszte, weil sie zog 3, 47 W., oft;

(der mensch ist) ... von seinem dämon gezogen Schopenhauer 1, 395 Gr.; wie süsz uns nach den worten des dichters der geburtsboden zieht (anzieht) Stifter s. w. 5, 1, 99; der zauber der kunst zog sie H. v. Kahlenberg Eva Sehring 131; er (fürst Pückler) betrauert, dasz statt der alten ritter, gleich wallfischen der urzeit (wir unserseits finden das bild von haifischen persönlicher ziehend), nur dunkle namen übrig geblieben L. Wienbarg zur neuest. lit.2 58;

rhrt ein schmachtend ziehn und saugen
groszer blauer augen
deiner neigung eigenschaft
J. J. Schwabe belust. 1, 159.


c) die anziehungskraft eines vortheilhaften geschäfts, der zauber eines schauspiels, der lockende titel eines buches u. a. als subj.: warum eine waare nicht mehr zog Just. Möser 1, 96 A.; der markt zieht Bauernfeld ges. schr. 6, 173; wenn die jungen kaiser- und königshütte (näml. -aktien) ... z. Spielhagen sturmflut 1, 196; t geschäft zeit net mehr geht nicht recht lux. wb. 498b; ein gutes stück, eine gute oper ... soll man ... so lange ... geben, als sie irgend zieht und irgend das haus füllt Göthe gespr. 5, 165 Bied.; die oper 'zog' sehr Chrysander Händel 2, 145; Holtei vierz. jahre 1, 286; Hügel Wien. dial. 194b; die demonstrationen ... z. ... nicht Moltke ges. schr. 4, 149; auch ist das buch ... mit vielen anekdoten gewürzt, auch das zieht billig eine menge leser E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutsch. 2, 295; Gutzkow ges. w. 5, 128; selten inf.: die gemälde kommen ... ins z. (in mode) J. Chph. Heer d. kön. d. Bernina (1925) 318; auch zum z. ebda; in der studentensprache soviel wie gelten, wirken, erlaubt sein: 'ochse' ist ... manchem universitätskomment zufolge kein tusch und 'zieht' nicht Holtei erz. schr. 28, 24; halt, ... das zieht nicht, wir sind auszer dem comment und im schutze der gastfreundschaft 16, 177; Max Ring erinn. (1898) 1, 44; ältere belege bei Kluge studentenspr. 135.

[Bd. 31, Sp. 968]



d) unpersönlich
α) zu a und b:

hier in weiter, weiter ferne,
wie's mich nach der heimath zieht
graf Schlippenbach bei
Böhme volksthüml. lied. d. Deutsch. 370;

Grillparzer 4, 161 S.; auf d nachd ziagts mi ins wirthshaus Hügel Wien. dial. 194b; u. a.; fast möchte sie umkehren ..., und doch zieht sies wie gewaltsam O. Ludwig ges. schr. 2, 144; es ziecht zieht an, erweckt gefallen Schöpf 828;
β) zu c: und wie die guten Trierer in zukunft mit den Niederländern wetteifern sollten und mit den groszen kaufherren in Brüssel und Mecheln; das zog (machte eindruck, wirkte)! Bauernfeld ges. schr. 6, 159; das zieht nicht mehr macht keinen eindruck mehr, hat keine wirkung, hilft nicht mehr Müller-Fr. 2, 704a; lux. wb. 498a; Brendicke 195b; H. Meyer richt. Berl.8 195b.
C. die bewegung vollzieht sich unsinnlich oder in abgeschwächter und mittelbarer form; sie betrifft auf wirthschaftlichem und abstractem gebiet vorgänge, die sich als zug oder ein z. auffassen lassen.
1) realen oder idealen gewinn, nutzen, ertrag aus einem unternehmen, anlage, verhältnissen oder von menschen ziehen.
a) im bezirk des realen zunächst vom boden erträge gewinnen: wenn sie ihr brod aus dem heid-, sand- oder moorlande z. sollten Just. Möser s. w. 1, 182; A. v. Haller Alfred 176; genossenschaft ..., welche ... den nothdürftigen lebensunterhalt aus dem boden zog G. Freytag bild.8 1, 356; Stifter s. w. 5, 1, 209; vgl.: sonder haben sie nichts, dan das sie mit ir groszen arbait taglichs uszer iren henden, leyben und gütlin ziechen un erbuwen (1523) G. Franz bauernkr. 2, 132; thierische fette aus viehhaltung oder fischfang u. ä.: feiszte ancken gezogen ... von der kmilch C. Forer Gesners thierb. (1563) 122; das volk ... lebet von der milch, dem käse und der butter, so es aus dem vieh zeuhet, das seine speise in dem gebirge findet disc. d. mahl. 1, 8; welche (walfische) so grosz, dasz man in die zweihundert tonnen schmaltz darvon z. kan J. Boterus weltbeschr. (1596) 1, 4; geldeinkünfte, -gewinn oder geldeswert: wente he ed (geld) mit clokheit ut deme lande toch (Magdeb.) städtechron. 7, 251; wie fürst L. ... aus seinen herrschaften eine halbe million gulden zieht Gutzkow ges. w. 10, 244; Mommsen röm. gesch. 2, 381; die erträge, welche der besitzende von eigen und habe zog G. Freytag bild.8 1, 284; handelseinnahmen: welches ... (das Elsasz) ... jährlich mehr als eine million gulden für wein aus der Schweiz zieht Pestalozzi s. w. 9, 288 B.-Sp.-St.; canonici, die ... einkünfte von der kirche z. (beziehen) M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 3, 251; miete z. Schön Saarbrück.2 234a; als verkaufserlös erzielen: ansehnliche summen wurden aus dem verkauf der kirchengüter und den konfiskationen gezogen Schiller 9, 340 G.; H. Grimm Michelang. 1, 279; Stifter s. w. 3, 242; geld aus einem geschäft z. lux. wb. 498b. die vorstellung des unrechtmäszigen, erpresserischen oder irgendwie zu beanstandenden bezuges kann aufkommen, wenn menschen die geld- oder unterstützungsquelle sind:

der pfaff war willig und bereyt,
zu ziehen gelt von bs und guten
Fischart Eulensp. 4118 Hauff.;

J. H. Voss Odyssee 18, 281 B.; der kerl hat schon so viel geld von mir gezogen, als du schwer bist J. T. Hermes Sophiens reise 3, 23; wenn du weiter nischt weiszt als wat von mir zu z. Glaszbrenner Berlin wie es ist 4, 14; elliptisch ohne obj.: diese ... hatte mehrere liebhaber, von denen sie zog J. G. Chr. Neide Terenz (1784) 1, 234; Laukhard leb. 1, 233; ewig kannst du auf die art von ihm z.! Gutzkow zauberer 6, 83; er zieht von jem. empfängt (mehr oder minder freiwillige) unterstützung Albrecht Leipz. ma. 240b; der sohn zieht immer noch von seinem vater Müller-Fr. 2, 704a. zinsen: aber ist recht, daz ein kilchherr sol zinsz und zenden von dem kantzel zien (Luzern 1500) weisth. 4, 379; ihr vermögen, von dem sie die interessen zieht Chr. F. Weisze lustsp. 3, 288; renten z.: Stranitzky ollapatrida 98 Wien. ndr.; einen zins z.: G. Freytag bild.8 1, 292;

[Bd. 31, Sp. 969]


denn vom hundert zieht man immer
wo nicht fünfe, doch fünfthalbe
Mörike w. 1, 167;

steuern: dasz die fürsten ihre steuern blosz aus den grundstücken ihrer bürger z. sollen Gerstenberg rec. 66 lit.-denkm.; höchst auffällg erscheint im nachstehenden beleg der steuerpflichtige als subj.: und sllent ... ieglichen in sunder frogen, ob ir deheinre iemand an sinem antwerk wisse oder argwenig habe, der der statt von sinem gte nit ziehe (entrichtet), das er z. soll (Straszb. 1443) Eheberg verfassgsgesch. v. Straszb. 1, 133; aber so ist doch wohl auch folgende stelle zu verstehen:

drffend mir schon kein fleisch nit essen,
wend mir ander schlck nit vergessen,
der gmein man msz uns dennocht ziehen,
zinsz und güllt mag uns nit entfliehen schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 2, 149 B.

gehalt, lohn od. ä. beziehen: woselbst er jhrlich eine besoldung von 5000 thl. ziehet Berl. geschrieb. zeitung. (1714) 143; Noel Chomel 7, 1032; österr. weisth. 6, 162;

er ist aufs geben euch so eifersüchtig,
so neidisch! jedes lohn von gott, das in
der welt gesagt wird, zög' er lieber ganz
allein
Lessing (Nathan II 2) 3, 52 M.;

Tischbein ... zog die pension nicht mehr Göthe IV 9, 92 W.; die besoldungen z.: Savigny röm. recht 3, 225; geld, lohn z. ausgezahlt bekommen Martin-L. 2, 897b; der hauptmann ... zog ... eine erkenntlichkeit Just. Möser s. w. 3, 261; elliptisch: sein geiz hält ihn hier, um immer noch einen monat zu z. (einen monat lang sein gehalt zu beziehen) Scharnhorst br. 1, 154. auch vom erbe: von seinem vetterlichen gezogen erbe (1476) urkundenb. v. Heilbronn 2, 106; durch execution oder spielgewinn einziehen, geld beziehen:

die ubrigen (gläubiger) drwen mir ernstlich,
wie sie wllen ziehen zuhand
fr die gefallne zinsz das pfand
W. Spangenberg Aristophanes wolk. 67 bei
Dähnhardt griech. dram. 2, 170;

er geht hinein, setzt, wrfelt, verliert, die andern ziehen das geld mal. Müller w. 2, 85; das wetter! zieht er all das gold! Klinger w. 1, 117; wir müszten ... das geld sogleich baar z. knnen Kretschmann s. w. 4, 110.
b) eine ware beziehen, sich beschaffen: aus den deutschen seestdten z. die Engelnder ihre seegeltcher allgem. haush.-lex. 2, 204a; wenn man die äuszersten bedürfnisse wohlfeiler aus der fremde ziehet Just. Möser s. w. 1, 104 Ab.; Temesa, woher die Griechen des homerischen zeitalters kupfer zogen Niebuhr röm. gesch. 1, 48; Pestalozzi s. w. 9, 288 B.-Sp.-St.; es ist schweizerpapier, wir z. es von Leipzig, ihr werdet es besser von Basel oder Franckfurt nehmen Göthe IV 10, 53; IV 14, 158 W.; auch: überall zog (bezog) der alte lateinische knabe (Ign. v. Loyola) ein consilium abeundi und wanderte mit ein paar commilitonen nach Paris Gutzkow ritt. v. geist. 8, 289; ungewöhnlich für von einem manne ein kind empfangen: wenn ich nur kinder von im (meinem manne) z. mcht (sagt frau Gutta) Vogelsang-Cochläus trag. Joh. Hussen 27 ndr.; sodann abweichend eine vermögensanlage aufheben, sein geld aus einem geschäft, aus der anlage herausziehen: dasz ich schon vor fünf jahren mein vermögen aus Frankfurt gezogen ... habe Göthe IV 36, 57; IV 10, 16 W.; jetzt zog ... der oheim sein vermögen aus dem ostindischen handel A. Stifter s. w. 1, 157.
c) mit gewalt und unrecht an sich reiszen, rauben: die unser armes vatterlandt so lange jahren eingehabt haben, sich woll dabey befunden, drumb wollen sie nichts wider davon geben von dem so sie gezogen haben Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 24 M.; sy ... z inen selbs ryszend ... alles, das sy rouben, stelen, z. und tragen mögend Zwingli d. schr. 1, 59; also nemen, z., reyszen, rauben, ropfen und stelen die pfaffen tglich M. Butzer n. Karsthans 30 ndr.; deutlicher mit richtungsangabe: ir sach stat nur uff z inen z. 7; standessprachlich mit persönl. obj.: z., rupfen, zupfen, ums geld schneutzen Rädlein (1711) 1094a; wir verfhren der reichen kaufleute tchter, wir z. die einfltige junge pursche ums geld, wir spielen mit falschen wrffeln und gezeichneten karten

[Bd. 31, Sp. 970]


Stranitzky ollapatrida 316 Wien. ndr.; sponsiert unter den vornehmen damen herum und soll deren ein paar schon weidlich gezogen haben Vulpius Rinaldo3 2, 127; um geld jem. z. prellen Melissus Salinde (1744) A 4b bei Kluge studentenspr. 135; jem. z. ausziehen, alles abnehmen Müller-Fr. 2, 704a.
d) auszerhalb der erwerbssphäre: einen vortheil, nutzen, hoffnung u. a., eine folgerung, eine lehre ziehen: die bchlein aus der quell ire aufenthaltung zihen Fischart ehzuchtb. 121 Hauff.; zu gunsten dieses standes, von dem alle andere ihren unterhalt zogen M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 547; die circulation ..., von welcher dein leben seine nahrung zieht Göthe 21, 53 W.; (ein) jäger ..., aus welchem er nach und nach so viel (näml. wissenswertes) zu z. wuszte, als nur zu wissen nöthig war Schiller 4, 225 G.; den besten unterricht zieht man aus vollständiger umgebung Göthe 24, 49; 3, 199 W.; die hoffnung, welche ihr aus meinen geflligen blicken zieht samml. v. schausp. (1764) 1, 55;

wie mancher wird noch trost aus meinen liedern ziehn!
J. Chr. Günther ged. (1735) 696;

der ... aberglaube, womit ich aus jeder sache eine vorbedeutung ziehe Lichtenberg verm. schr. 1, 26; Göthe IV 10, 10 W.; er ... zog keine freude aus diesem ... analysiren W. Raabe hungerpast. 1, 40; utilitatem ducere ex re aliqua ein nutz ausz eim ding z. Maaler 521b; Herm. Grimm Michelang. 1, 57; die nutzungen, welche er zieht bürg. gesetzb. § 302, oft; ersatz für ... gezogene nutzungen § 379, oft; in Marburg hörte ich ... logik und naturrecht, ohne aus beiden wahre frucht zu z. Jac. Grimm kl. schr. 1, 5; bürg. gesetzb. § 1039, öft.; vortheil von ihm ... z. Schleiermacher I 5, 30; sodann: von den krummen spitzen hat dises ... geschlcht (der schnecken) sein underscheid gezogen C. Forer Gesners fischb. (1575) 146; wie die jngern Rmer eine vergleichung zwischen ihm und Themistokles zogen B. G. Niebuhr röm. gesch. 1, 435; vgl. hierzu das gleichbedeutende eine parallele z. ob. A 13 a das geschlecht ... Tulliorum ... hat seinen anfang ausz dem geschlecht Tullii ... gezogen J. v. Schwarzenberg Cic. 2;

ich elende! und ich ertrag es noch,
zu dieser heilgen sonne aufzublicken,
von der ich meinen reinen ursprung zog
Schiller 15, 1, 69; 10, 22 G.;

Göthe 42, 2, 436 W.; schon Noel Chomel 7, 999; vgl. noch: testament zeücht seinen namen im latein von dem, dasz es ist ain betzügknusz des gemts Albr. v. Eyb spieg. d. sitt. L 8a.

wahr ists: mir hat er sich verschrieben.
soll ich daraus die folge ziehn,
ich msse Damon ewig lieben
und keinen lieben als nur ihn?
Hagedorn poet. w. 2, 28;

Nicolai literaturbr. 6, 281; Schiller 1, 87 G.; folgerungen ... z. Göthe 41, 1, 341 W.; W. v. Humboldt ges. schr. 1, 14; die konsequenzen ihres verfahrens z. Bennigsen nationallib. part. 14; dasz sich von der anzahl ... kein sichrer schlusz auf die masse ... z. läszt A. W. Schlegel im Athenäum 1, 141; man musz jene umstände erst genau untersuchen, ehe man schlüsse daraus z. darf D. F. Strausz schr. 6, 110; ein urtheil über etwas z. s. th. 1, vorr. XV.

(ich kann) aus andrer thorheit mir die besten lehren ziehen
Hagedorn vers. einig. ged. 57 lit.-dkm.;

Göthe IV 40, 142 W.; O. Ludwig ges. schr. 5, 334; zog ich mir ... daraus die lehre Carossa verwandl. 197; dasz diese regeln ... aus den edelsten wirkungen unserer bühne gezogen (sein müssen) G. Freytag ges. w. 14, 6; eigenartig wirkt ein sachsubj. bei persönl. dativobj., der sinn einbringen stellt sich ein:

durch welche (gottes vorsicht) warlich nichts geschieht,
als was uns lust und vortheil zieht
J. Chr. Günther ged. (1735) 15.


2) aus der welt des kaufmanns stammen zwei anwendungen:
a) eine summe oder rechnung ziehen, eig. zusammenziehen; eine ältere construction sagt in eine summe z., vgl. DWB das gott hat in ein summa gezogen alle gottesdienst

[Bd. 31, Sp. 971]


Luther 33, 36 W.; nachmals wllen wir in ein summ z. die handlungen der Rmer Xylander Polyb. 117; sodann die heutige construction: die summe zusammenrechnen ò ausrechnen, die summe z., machen calcolare, tirare, computare la somma Kramer teutsch-it. 2, 1038b; ihr brief, in welchem sie ... die summe meiner existenz z. Göthe IV 10, 184; IV 41, 8; sich die summe seines wachsenden glückes ... z. 21, 51; zog ich gleichsam ein unübersehbares summa summarum meines ganzen aufenthaltes 32, 337; IV 29, 65 W.;

der augenblick ist da, wo du die summe
der groszen lebensrechnung ziehen sollst
Schiller (Wallensteins tod I 7) 12, 235 G.;

H. v. Kahlenberg fam. Barchwitz 138; calculum et rationes subducere die rechnung z. Stieler 2628; Grillparzer 6, 117 S.; eine bilantz z. tirare, didurre un bilanzo Kramer teutsch-it. 2, 1450c; Brentano ges. schr. 1, 534; dasz der candidat ... den gewinn und verlust des letzten jahres seines lebens überschlug und das facit zog, dasz er mit gewinn aus diesem zeitraum hervorgeschritten sei W. Raabe hungerpast. 3, 24.
b) übersetzungswort aus ital. trassare ist z. in der verbindung einen wechsel z., welche besagt, dasz der aussteller oder trassant des wechsels diesen auf eine andere person, den bezogenen oder trassaten, zieht, d. h. ihn auffordert, einer dritten, dem gläubiger, die im wechsel genannte schuldsumme zu bezahlen; sachbelege s. unt. gezogen th. 4, 1, 4, 7201; literar.: das ... ihm ... hundert tausend reichsthaler ... gezahlet und durch wechsel, die er selbst seinem belieben nach z. mchte, berliefert ... werden solten Chemnitz schwed. kr. 2, 91; Rom ziehet auf Venedig ..., und von Venedig ziehet man auf Milano Zubrodt unterr. d. wechselhandl. (1669) 211; wechselbrief, welchen er mir dato von Jacob de Lou zu Paris auf herrn Jacob von Bordeaux gezogen J. Savary parfait negociant (1676) 1, 383; s. Schirmer kaufmannsspr. 214; allg. d. bibl. 1, 2, 297; auf ein festes haus wechsel z. Grillparzer 17, 103 S.; wbb.: einen wechsel auf einen z. (trassiren) tirare un cambio sopra di uno Kramer teutsch-it. 2, 1450c; Ludwig teutschengl. 2588; hdwb. d. staatswiss.2 2, 139.
D. lebende wesen als object, in der rechtssprache auch sächliche objecte.
1) lebewesen, auch pflanzen und haarwuchs des körpers auf-, erziehen, hegen oder nähren.
a) mit nahrung versorgen, in pflege haben, ernähren,
α) menschen, thiere, gewächse aufziehen, unterhalten, züchten; die bibelstellen gestatten die abweichungen des wortgebrauchs in den alten dialekten zu erkennen:

hêt that git it heldin wel,
tuhin thurh treuwa Heliand 131 Beh.;

zi Nazareth, thâr her was gizogan (nutritus: fodiþs Wulfila, afôdit ... atogan Heliand 1136 f. Beh., derzogen cod. Tepl., erzogen Luther) Luk. 4, 16 Tatian 18, 1; unde du ziêhest mih (enutries me: erziuhes Windberg. ps., saltu ... vuten mich Trebn. ps., vôdes westfäl. ps. [Rooth]) Notker ps. 30, 4; er habet mih kezogen bi demo wazzere dero labo (super aquam refectionis educavit me: generte he mich Trebn. ps.; abweichend Luther: er füret mich zum frischen wasser) Notker ps. 22, 2;

suln wir gouche ziehen? Nibel. 810, 1;

dô zôch mich dîn muoter
Wolfram Parz. 141, 13;

sehr häufig, s. die wbb.; swelich vater oder muter ir kint von in werfent, swer ez ufhebet und ez ziuhet Schwabensp. landr. 302 G.; sin kind ... ufzunemen und zu z. (1478) bei H. Fischer 6, 1183; man sprichet: ein heime gezogen kint daz ist usze als ein rint Tauler pred. 10 V.; das volck msz ... münch und pfaffen ... z. Eberlin v. Günzburg 1, 8 ndr.; darumbe sol er einen schriber in sime costen haben und z. (Straszb. 1405) Eheberg verfassungsgesch. v. Straszb. 1, 25; also das man in dem selben spittal sol ewikliche spisen und z. zm minesten zehen armen menschen (Straszb.) städtechron. 9, 739; der geselle zieht dem staate keine kinder Möser s. w. 1, 366; vater un muter habent üs gazoget Schmeller

[Bd. 31, Sp. 972]


cimbr. 244a; der khenikh ziehet drei teachterlein (Gottschee 1906) John Meier d. vokslied. mit ihr. melod. 1, 27; he is dar baren un tagen ten Doornkaat-Koolman 3, 398a; hei is hier buren un tagen Mi 91b, wofür üblicher die reihenfolge togen (un) boren (s. unt. IV 3); Schmeller-Fr. 2, 1106; H. Fischer 6, 1183; z., erz. nutrire Maaler 521c; jünger grosz z.: ich hab ihn grosz gezogen Kramer teutsch-it. 2, 1451b; aus dem aberglauben ward dieses schreckbild ... erzeugt und grosz gezogen von der zwietracht Schiller 9, 225 G.; unter angabe der mittel des unterhalts: ein iclich man, demi sin huisvrowi stirbit undi umi kindir leizit ..., die sal sine kindiri mit demi gute zie, das umi sien huisvroiwe gilazin heit Mühlhäus. reichsrechtsb. 25, 1 M.: doch sont vatter oder mter die kind von dem gt ziechen, untz das man si beräten wil oberschwäb. stadtrechte 1, 101; der tot sol die lebendigen mit daz sein z. (tirol. 1427, d. h. die hinterbliebenen kinder sollen aus dem nachlasz aufgezogen werden) österr. weisth. 4, 353; derselbe begriff steckt in ziehe, f., ziehkind usw. obj. ist leib:

mein leib zoch ich mit lustes fleisz,
nun ist er hi der wrme speysz
Joh. v. Schwarzenberg Cic. 114b;

Masinissa ..., welcher ..., dieweil er von jugendt sich auf kein wollust des leibes begeben ..., einen trucken gesunden leib gezogen hat Lorichius paedag. princ. (1595) 444; daz naturliche fleume ... vorkerit sich ettewenne tzu dem blute unde tzǔet den lip Bresl. arzneib. 3. thiere: her hab iz (vieh) in sîme stalle gezogen Sachsensp. ldr. 2, 36, 3 Eckh.; swer wilt uf burgen oder in steten ziuhet Schwabensp. ldr. 201 G.; vyssche teyn (im stadtgraben; waldeck. 1392) Bauer-C. 302; und Ada gebar Jabal, von dem sind herkomen, die in htten woneten und vieh zogen (züchteten) 1. Mos. 4, 20; wr da wlle gte hrd eseln z. (züchten), der habe acht, dasz er zum springen gte esel auszerwlle Herold Gesners thierb. (1563) 42b; die statt Bern ... zeücht sttigs ein oder ein par bren 20b; wann die bch und flüsz sehr wenig fisch z. Sebiz feldb. 45; ein grindiger kopf ziehet viel lusz Lehman flor. pol. (1662) 1, 465; dieses ... klblein ... wre gut zum z. Kramer teutsch-it. 2, 1451b; pferde und rinder zieht der hirte auf alpen und in fetten wiesengründen rechtsalt.4 2, 7; dort zieht man die wilden stiere Moltke ges. schr. 1, 201; echte Araber, ... von denen man aus englischen stuten die gröszten pferde gezogen (gezüchtet) hatte 5, 7; wie ob. grosz z.: ein ... schäfer ..., der ... lämmer grosz zog Tieck schr. 4, 338; sprw.: ochs zieht ochs, esel zieht esel H. Fischer 6, 1183. pflanzen:

dar inne (garten) zôch er wurze unt crût kaiserchron. 6858 Sch.;

nemus ein lustwald, von lusts wgen gezogen Frisius 864a; lattich hüpsch und weisz zihen Sebiz feldb. 178; Logau 273 E.; Möser w. 5, 96;

wenn er die sprszchen
zu bumen zieht
Blumauer ged. 96;

kohlpflanzen z. Salzmann C. Kiefer 2; die blumen des sanfteren himmels im norden stärker duftend ... z. Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 5, 19; Mörike w. 1, 189; D. zog ... majoran Fontane I 5, 123; allg.; mit richtungsangabe und in der bedeutung auf I A 13 b hinübergreifend: die rute eines im viereck gezogenen lebendigen zaunes Storm w. 1, 145.
β) mit angabe des nahrungsmittels:

so sint si wizzer danne diu milch,
da man mit ziuhet dei chint Milst. genes. 110, 114 Diem.;

im bes. säugen: wê sô scafanên inti ziohentên in thên tagon (vae autem praegnantibus et nutrientibus in illis diebus Matth. 24, 19) Tatian 145, 13; an derselben stelle hat die erste deutsche bibel 1, 92 den ziechenden, ebenso Luk. 21, 23 ebda 1, 308, an der dritten parallelstelle Mark. 13, 17 aber ziecherin (s. zieherin), der cod. tepl. zihemme (s. ziehamme sp. 934); die Zainerbibel von 1475 bessert überall in den seugenden od. ä., Luther hat seugerin;

[Bd. 31, Sp. 973]


an dînen brusten du in (Jesum) zuge Vorauer sündenklage 91;

die muter mit ir selbes spunne
ir kint zoch sunder amme pass. 395 K.;

swîn, diu verher ziehent Schwabensp. ldr. 180, 4 G.; söge, die verkene tien (var. sogit, vodet, sogen) Sachsensp. ldr. 2, 54, 1 H.; hierher das ziehhet euter der stute Schmeller-Fr. 2, 1106.
γ) haare oder den bart lang wachsen lassen: wann ernstlich ob der man zeúcht hare, es ist im ein laster, wann ob ir das weip zeucht har, es ist ir ein wunniglich (ἐὰν κομ, si comam nutriat) 1. Kor. 11, 14 erste dtsch. bibel 2, 89, Luthers zeugt an dieser stelle kann, wie zeüget 10, 3, 55 W. und tzeugist 7, 632 W. (s. ob. sp. 939) lehren, gegen die annahme sp. 849 als form von z. aufgefaszt werden; auch Er. Alberus schreibt in diesem zusammenhange zeugt: pallio tenus vel barba tenus philosophus der kleyder tregt und ein bart zeugt wie ein weiser man und ist doch ein narr n. dict. gen. V 3a; man fragt ihn (Diogenes), warumb er einen so langen bart zuge S. Franck chron. 90a; Er. Alberus fab. 67 ndr.; seinen bart z. oder lassen wachsen Frisius 151b; einen langen bart z. oder züchten ebda; Maaler 521c; Fischart binenk. A 2b; sprw.: alere barbam philosophum non facit einen langen bart z. macht keinen philosophum Bas. Faber thes. (1587) 103b; bei den Frantzosen zohe allein der knig und kniglich stamm ein lang wolgezieret haar Wurstisen Aemilii hist. 1, 12; Gäbelkover arzneib. 2, 98; Stumpf Schweizerchron. 218b; ihm schöne, lange haar, einen langen bart z., zgeln Kramer teutsch-it. 2, 1451b; ein kinnbart ..., wie man ihn nur in Paris zu z. pflegt Gutzkow ritt. v. geist. 2, 90; mit bestimmender ortsangabe, die die bedeutung nach langziehen hinüberspielen läszt: mit fuchsigem, fast bis ins auge gezogenem backenbart ebda 4, 350; selten von körpertheilen und ausschlag: ihr ziehet euch fsze wie waschblul fate i piedi largacci come battitoi da bucato Kramer teutsch-it. 2, 1451b;

die wag im herbstmont warm und feucht
die bloter und nabel sy zeucht d. ew. wiszh. betbüchl. B 2b.


b) menschen erziehen, bilden, thiere anlernen, abrichten, dressieren; zunächst von kindern, schülern, zöglingen:

zi thiu zoh er hiar in libethie jungoron sine
Otfrid V 12, 98; IV 12, 10;

und ziehet in ze êren,unz er werde man Nibel. 1854, 1;

vielfach; ir vetter ... ziecht sy in der lere und in der berespung des herren (ziehet sie auf in der zucht und vermanung zu dem herrn Luther) Ephes. 6, 4 erste deutsch. bibel 2, 170; Sir. 6, 18; das junge und grobe volck ... zihen Luther 26, 216; 15, 45 W.; du zeugst in nit, verzeugst ihn, verwehnest in, leszt im zu vil willens, verhengst im zu vil Er. Alberus n. dict. gen. 24a;

so man sie aber mit der zeit
mit senften worten zeucht und lehrt
H. Sachs 7, 340 K.;

wen got nit zeucht, is ungezogen Eberlin v. Günzburg 1, 47 ndr.;

also musz man ziehen die kind,
dieweil sie jung zu zwingen sind
Eyering prov. 1, 47;

man zeucht eitel doctores nichten,
wer wolt die arbeit sonst verrichten ebda 3, 194;

Gellert w. 4, 208; (schüler,) die er bis dahin in Lucca gezogen (hatte) Ranke s. w. 37, 138; de kinner mötet bet taum twölften jare togen weren Schambach 228a; Mensing 5, 35; Hunziker 308; den musz ich mer erst z. für meine zwecke heranziehen, bilden Müller-Fr. 2, 704b; Schmeller-Fr. 2, 1106; bes. H. Fischer 6, 1183; die refl. construction s. II A 4; dann von erwachsenen, namentlich frauen:

man sol sô vrowen ziehen,sprach Sîfrit der degen,
daz si üppec sprüchelâzen under wegen Nibel. 805, 1;

Scheit Grob. 4032 ndr.; ein frommer man zeucht ein fromm weib sprw. klugred. (1548) 62a; Lehman flor. pol.

[Bd. 31, Sp. 974]


(1662) 1, 172; die angetraute frau nach seinem willen ... z. Polenz Grabenhäg. 1, 25; ein dieb zeucht den andern Petri d. Teutsch. weiszh. 2, T 2a; warum ziehst du deine freunde nicht besser? Gellert w. 3, 22; bürger z.: Rabener s. w. 1, 101; schulen (liter. schulen) z.: Herder 3, 53 S.; s weib musz man beim ersten laib brot z. H. Fischer 6, 1183; thiere:

ich zôch mir einen valkenmêre danne ein jâr
Kürenberg in minnes. frühl. 8, 33;

Nibel. 14, 3; ist aber, daz he in (hund) dazu zuhit (abrichtet) oder hetzet zu den luten Freiberg. urkb. 3, 149 Erm.; want is (hündchen) gaynz zayrt gezoygen ist privatbr. d. mittelalters 1, 6 Steinh.; einen hund zum jagen z. Kramer teutsch-it. 2, 1451b; junge katzen soll man bey den alten z. Lehman flor. pol. (1662) 2, 792; nachtigall: W. Müller ged. 251 H. mit adv., z. b. weltlich z.: Luther 6, 253 W.; zart z. spiel. v. d. 10 jungfr. v. 373 B.; he is christlich un gottsfürchtig tagen Mensing 5, 35; mit prädic. adj.: ander leut from z. Petri d. Teutsch. weiszh. 2, L l 4b; mit präpos., bes. DWB aus: z. sie eine person aus Henrietten, die ihrer werth ist Lessing 2, 124 M.; Gellert w. 1, 235; der wird schon was rechtes aus ihm z. Novalis schr. 4, 126 M.; auch nach: einen nach seinen sitten z. Frisius 578a; ihn ... nach unserm geschmack z. Cronegk schr. 1, 75; nach ihr (dieser idealen auffassung) zog sich das gesammte ritterthum des mittelalters G. Freytag bild.8 1, 206; bei auf und zu kommt auch die bedeutung hinlenken, heranziehen, anhalten in betracht:

hast du kinder, zeuh sie auf tugend
H. Sachs 19, 29 G.;

ausz Deutschland zeucht der krieg jetzund in Frankreich hin,
er wil das deutsche volck dort auf die mode ziehn
Logau 562 E.;

Frisius 210b; zihe zur zucht pueros, familiam Luther 34, 2, 41 W.; zu gottes forcht z. 26, 207; kinder ... zu der arbeit z. und halten braunschw. kirchenord. (1569) 418; die schulen, in welchen ich zu den wissenschaften war gezogen worden A. v. Haller Alfred 41. das adjectivische particip wohl, übel gezogen ist th. 4, 1, 4, 7188 behandelt.
2) rein sinnlich und körperlich ziehen, dann auch berufen, leiten, lenken.
a) menschen und thiere anfassen und körperlich ziehen; in der regel treten richtungsangaben auf:

thu sihis sun liabanzi martolonne ziahan
Otfrid I 15, 47; IV 7, 17;

an ir brüste si in zôch
Wolfram Parz. 113, 11;

si zugen in vil unschône
nackent gar durch al die stat
Rudolf v. Ems Barl. 128, 10 Pf.;

do ich in aus der tauf het zogen (gehoben) passionssp. aus Tirol 206 Wack.;

sy zugen in aus der cistern (zogen ... in heraus aus der gruben Luther) 1. Mos. 37, 28 erste deutsch. bibel 3, 171; 1. Mos. 41, 14 erste deutsch. bibel 3, 183; wer den andern aus dem kot zeucht, der (näml. der andere) stöszet in hernach wider hinein Luther 16, 320 W.; H. Sachs 8, 92 K.; sie fhrt mich in ihr kmmerlein ..., zieht mich wild an ihren busen U. Bräker s. schr. 1, 85;

sinnt er, vom altar
mich in sein bette mit gewalt zu ziehn?
Göthe 10, 11 W.;

zog ihn nach sich in das cabinet 21, 367; 242; 24, 262 W., oft; Klinger w. 2, 252; Tieck schr. 4, 35; nachmittags ... wurden die dirnen in den tanz gezogen Caroline 1, 62 W.;

da zog die nymphe ihn zum grund
Brentano ges. schr. 2, 150;

Storm w. 1, 6; auf die seite z. u. ä.: Phedria ... zeicht in besunder Terenz (1499) 68b; zohe ihn beseits Amad. 1, 104; zog ... mich bey seite Lessing 2, 135 M.; Göthe IV 1, 147 W.; Schiller 5, 130 G.; beiseite ... z. E. Th. A. Hoffmann 10, 127 Gr.; an sich z. u. ä.:

so zieh sie mit gewalt an dich
Scheit Grobianus 1122 ndr.;

[Bd. 31, Sp. 975]


indem sie sie an sich zog Novalis schr. 4, 111 M.; Eichendorf s. w. 3, 102; Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 98; er zog sie gegen sich A. Stifter s. w. 1, 293; u. a.; bei der hand z.: sy zugen in bey den henden (namen in ... bey der hand Luther), sy frten in Damasch apost. 9, 8 erste deutsch. bibel 2, 317; deszhalben er in bey der hand auf ein seiten zoge Amad. 1, 58; vgl.: da hatte er mich beim knopfloch und zog mich in eine fensterecke Holtei vierz. jahre 1, 117. mit unpers. subj.: ich verwundete meine füsze ... an dem pflaster, über das sie mich mehr zogen als führten Klinger w. 4, 35; von da liesz ich mich auf der schneckenpost ... nach Berlin z. E. M. Arndt 1, 100 R.-M.; dichterisch mit personificiertem subj.:

ein jedes ding verstäubt, der anfang zeucht das ende
Opitz teutsche poemata 64 ndr.

rosse vorführen, führen:

ros hiez man in ziehen:sie wolden rîten dan Nibel. 365, 3;

Wolfram Parz. 522, 19; 500, 9; 597, 8; Hartmann v. Aue Iwein 3460; Wolfdietrich A 459, 2;

die schœnen kastellânesi den recken für zugen 330, 1;

item auch, hat ein herr ein abgeritten pferd ..., das soll man in den hof z. (ostfränk. 1494) weisth. 6, 49; oft, wann ich das (näml. pferd) usz dem stall gezogen M. Butzer n. Karsthans 4 ndr.; Scheit Grobianus 3376 ndr.; J. Walther pferdez. (1658) 54; buch d. liebe 9b; die pferde ... wurden in den stall gezogen Moltke ges. schr. 4, 93.
b) menschen ins land, in seine umgebung, zur tafel, auf seine seite u. a. ziehen, rufen, berufen, holen, laden: wenn er ... feinde in das land gezogen M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 368; bis sie den Varus tiefer ins land gezogen (gelockt) ... hatten Körte sprw. 9; fremde gelehrte ins land zu z. Schleiermacher s. w. I 5, 61; Peter I. muszte gewerbe, handel und geistesarbeit von auszen ins land z. W. H. Riehl arb. 71; sie zogen von ihren herrschaften ... unterthanenkinder in die stadt und hielten sich eigene hauskapellen bei O. Jahn Mozart 4, 278; an seinen hof z.: Wieland Agath. 2, 161; (er hat) die würdigsten gelehrten an seinen hof zu z. gewuszt Lenz ges. schr. 2, 328 Tieck; Klinger w. 2, 4; Fontane I 1, 15; den ... chirurgum nach Jena z. Göthe IV 11, 169 W.; er zog eine menge blasender instrumentalisten nach Ruszland Schubart ästh. d. tonk. 246; als er (Luther) von seinem provinzial i. j. 1508 nach Wittenberg gezogen ward Ranke s. w. 1, 199; ausgezeichnete künstler in seine dienste ... z. O. Jahn Mozart 3, 31; 356;

o! möge dieses raumes neue würde
die würdigsten in unsre mitte ziehn!
Schiller 12, 5 G.;

unerwartet sah er sich in die mitte eines widerwärtigen kampfes gezogen Ranke s. w. 1, 185; zogen ihn ... seine freundinnen ... in den kreis lustiger badegäste G. Keller ges. w. 2, 114; Göthe IV 38, 122 W.; diejenigen ... auf seine seite ... z., deren zorn am gefährlichsten ist Rabener s. w. 5, 28; J. E. Schlegel w. 4, 291; die vasallen ihres gegners von ihrem herrn ab und auf ihre seite ... z. M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 543; Gellert w. 3, 90; Schiller 9, 192 G.; u. a.; vgl.: dich ... in ir antichristensect z. Eberlin v. Günzburg 1, 9 ndr.; jemanden zu seiner parthey ... z. Lessing 7, 4 M.; Schiller 3, 40 G.; er zoge niemand zur tafel S. Fr. Hahn teutsch. staatshist. 2, 155; alles, was ... kurfähig war, wurde zur gräflichen tafel gezogen Brentano ges. schr. 5, 239; Ranke s. w. 1, 280; einige künstler ... zur abendgesellschaft z. Seb. Brunner erz. 1, 293; auch: einen ins gefängnis z. Kramer teutsch-it. 2, 1450c; älter in den tempeldienst ziehen:

wie si (jungfrau Maria) zem templô wart gezogen
Konrad v. Fussesbrunnen kindh. Jesu 113 Koch.;

sodann: Mozart (war) wiederholt zu den kammermusiken des königs ... gezogen worden O. Jahn Mozart 4, 91; wann zu rthen und amptleuten untgliche leut gezogen werden Lehman flor. pol. (1662) 1, 866; truppenbewegung:

[Bd. 31, Sp. 976]


das regiment Pomeiske habe ich gestern diesseits der Oder gezogen Lessing 18, 392 M.; vgl.: da wir ... die städte geräumt, das ganze volk auf diese höhen gezogen haben Klinger n. theat. 1, 6; sonst noch: der hofstaat ..., den sie (die regentin) ... mit sich im lande herum zog H. Laube ges. schr. 3, 181; die andern ... wehren sich des fhrens und leitens, müssen mit gewalt gezogen werden, wo sie hin sollen Barth weiberspieg. (1565) B 4b; herausziehen: (der) mann, der ihn aus dem schulstaube gezogen Göthe 46, 93 W.; gegen 1000 menschen wurden aus der domkirche gezogen, wo sie drey tage ... in beständiger todesfurcht ... zugebracht hatten Schiller 8, 176 G.;

bevor ihn gott von hinnen zge
Stoppe Parnasz 3;

mit sächl. subj.: die ... nachricht ... zog Henricum wieder in Sachsen S. Fr. Hahn teutsch. staatshist. 2, 48; diese lustpartie ..., welche jene ... gesellschaft aus der stadt zog Göthe 41, 1, 335 W.; der ruf Wolfs zog ihn ... nach Marburg Justi Winckelmann 1, 80; auch mit sächl. obj.: die vertheidigung einer so wichtigen stadt (hätte) den krieg oft unter ihre mauern gezogen Niebuhr röm. gesch. 1, 445.
3) seinen antheil am geistlichen sprachausdruck verdankt z. in erster linie der bibelstelle 'nemo potest venire ad me, nisi pater, qui misit me, traxerit eum' Joh. 6, 44, deren nachhaltiger einflusz sich über die ganze deutsche sprachgeschichte erstreckt und neue beziehungen zuläszt: nioman mag queman zi mir, nibi ther fater, ther mih santa, ziohe inan Tat. 82, 9; niemann mag kumen z mir, nur der vatter der mich sant der ziech in (es sey denn, das in ziehe der vater, der mich gesand hat Luther) erste deutsch. bibel 1, 360; auch: sich, nu merck, wie der vatter ziech zu Christo theol. deutsch 99 M.; sie greift in Notker s psalmenauslegung hinein: unde ze dir zuge du mich zu ps. 58, 10 (2, 223 Pip.), und weiter um sich:

swen dû, hêrre, wurdest irhaben
von der erde an daz crûce,
dû unsich zugest zuo ze dir
Ezzo 388 (28, 6);

nû ziuch dû, chunich himelisc,
unser herze dar dâ dû bist 391 (28, 9);

daz er sîni irweltin alli zi imo zugi summa theologiae 149;

zu dir solt du zihen mich,
zu meines kindes seiten (Marienklage) schausp. d. mittelalt. 1, 34 Mone;

nu het unser herre Jhesus Christus sant Johans in drie wisen gezogen, do zúhet er ǒch noch alle die menschen mitte, die z der nehesten worheit kummen sllent Tauler pred. 69 V.; allmählich ins geistlich abstracte mündend: wer nun das gloubt festiglich, der ist jetz von gott gezogen Zwingli d. schr. 1, 92; so bald du das gloubst, wisz dich jetzt gezogen syn von dem vater 76; das urtail gottes, das etlich z im zücht, aber etlich verwirft 276, angeregt durch Matth. 25, 34 ff.; herre, des bisz ermanet, das du myn sele geistlichen zgest in der allerlieplichsten gestalt d. ew. wiszh. betbüchl. (1518) 4b;

es sey dann vor das gottes wort,
das im erleucht sein sündig hertz
und ziech es frey zu gott aufwertz
H. Sachs 6, 173 K.;

wer kan den gttern widerstehen?
sie ziehen den, welcher nicht will,
und laitten den, der gern will gehen
Weckherlin ged. 1, 153 F.;

denn er (gott) wohnt und er zieht in dir E. M. Arndt 5, 7 R.-M.; Caroline! du wärst im himmel und du würdest meine seele mit hinauf zu dir gezogen haben J. F. W. Böhmer an Caroline 1, 10 W.; der sprache der mystik geht das bedürfnis nach einem ausdruck aus dem begriffskreis ziehen ab; die stelle hohel. 1, 4 wirkt kaum nach, etwa: wie ... zum herren yeglicher mensch schreyen sol: zeuch mich nach dir Berthold v. Chiemsee 275 R. doch gewinnt z. in der folgezeit boden: gottes genad erkennen zücht uns allermeist z siner liebe Zwingli freih. d.

[Bd. 31, Sp. 977]


speis. VIII ndr.; sölche satzungen, die ... zr seligkeit gar nit ziehend ders., d. schr. 1, 204; (Christus) zücht ... von der lyblichen früntschaft z der früntschaft gottes 75; darmit er (gott) ... uns zur besserung reitze und ziehe Ruoff hebammenb. 112; der ablasz syner súnden schet, der zcht die gnad gottes in syn sel d. ew. wiszh. betbüchl. (1518) 113a; herre, ich erken an diser red, ... das du die sele zihest in tugenheit 24a; dasz die herzen der menschen ... gezogen werdind in die hoffnung des einigen gottes Zwingli d. schr. 1, 301; freih. d. speis. 14 ndr.;

es nimmt dem unglück alle gift,
dasz, obs uns gleich verfolgt und trifft,
es dennoch unser hertze nie
in allzugroszes trauren zieh
P. Gerhard bei
Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 370b;

das er (der teufel) den glauben hinwegreisze und zihe einen ya in ein wancken oder in einen faulen, schwachen gedancken Luther 32, 114 W.;

Lucifer, sag uns allen sampt,
durch welche list du sie betrogest,
von ghorsam in unghorsam zogest!
H. Sachs 1, 41 K.;

du lihest ein marg al umbe ein pfunt,
daz zhet dich in der helle grunt bei
Hübner geiszlerlied. 113,

wo die vorstellung von I B 2 b mitspricht;

was leckstu dann ain kurtze ssz,
di z der hlle zeücht dein fsz?
J. v. Schwarzenberg Cic. (1535) 137b;

di sunder mszent von im fliehen,
der túffel wil si in die helle ziehen schausp. d. mittelalt. 1, 274 Mone;

die ewig wiszheit ... zoch in durch ssz und sur d. ew. wiszh. betbüchl. 3a;

die schlechten juden sindt durch in betrogen
und fälschlich ausz unser ee getzogen passionssp. aus Tirol 91 Wack.;

vil trbsal mg wir nit entpfliehen,
den hymmel nit auf erden ziehen
J. v. Schwarzenberg Cic. (1535) 151b;

nicht gott gibts himmelreich, du selbst musts zu dir ziehen
A. Silesius cherub. wand. 32 ndr.;

bevor ihn gott von hinnen zge
Stoppe Parnasz 3.

andere bibelstellen s. unt. I E 3 c α.
4) die rolle des wortes z. in der alten rechtssprache ist sp. 841 f. dargethan; auch th. 4, 1, 4, 7010 und 7024 bringen zeugnisse; ferner sind die hinweise th. 16, 258 und 380 bedeutsam. sprachlich kann die ursprünglichkeit des trans. gebrauches von z., der hinter dem reflexiven stark zurücktritt, nicht zweifelhaft sein; dann musz aber vielfach ellipse eines objects, etwa zucht oder zug, bisweilen auch gezeug, zeug als zeugnisverfahren (sp. 842), vorliegen.
a) ein pers. obj. erscheint zur bezeichnung α) des zeugen: alte biscofa des ze urchunde zoh (in testimonium invocabat) Graff 4, 427; zi urchundiu ziuho contestor ebda;

ze geziuge zôch ers alle dô
Hartmann v. Aue Iwein 7664;

sol sine geziuge z. Schwabensp. ldr. 22 Laszb.; verwidert der herre sinen zins, so ziehe er ze geziuge zwene man oder mer, daz er im in geboten habe 34, 6 G.β) eines mit rechtlichem anspruch bedrohten: so sal man teilen zu rechte, si (frau als vormund) sulle in (den unmündigen thäter) in ir brot zihn mit zwen vingeren uf den heiligen ..., daz si billiche unde zu rechte vor in antwerte (13./14. jahrh.) urk. v. Freiberg 3, 81; wy ein man synen son hyndir sich tzyen mag. eyn man mag wol synen son ustzyen, der bynnen syme brote ist, myt synes eynis hant uffe den heiligen (durch einen reinigungseid von anklage und strafe befreien) alt. kulm. recht 3, 92 Lem.γ) des vor gericht gezogenen: der offene wunden hat, der mac zihen in sine klage, wen he wil (13./14. jahrh.) urkb. v. Freiberg 3, 89; wäre aber yemand, der yn züge, dem er gewalt oder unrecht gethan het, dem wolt er ains rechtens vor sinen gnaden (dem grafen) sein volksb. Fortunatus 39 ndr.; das du mich fur dir ins gericht zeuhest Hiob 14, 3; dasz er in für recht zhe S. Franck sprw. (1541) 2, 166a; einen tribunen, der einen vater zur klage gezogen Göthe 40, 317 W.; acht und vierzig ... beförderer

[Bd. 31, Sp. 978]


des aufstands wurden ... vor eine auszerordentliche commission gezogen Schiller 8, 92 G.; beamten ... vor gericht gezogen, bestraft Ranke s. w. 1, 135; Mommsen röm. gesch. 2, 103; übertr.: Frankreich ... das land der freyheit, wo der witz ... vor sein ... tribunal die erhabensten genien ... zu z. die gewalt hat Zimmer- mann v. d. nationalstolze 68.
b) als sachliches obj. steht
α) das gescholtene urtheil, in jüngerer sprache auch der rechtshandel in weiteren instanzen: wil iz (urtheil) eyn Sasse schelden, unde thud her iz an sîne vorderen hant unde an die mêrren menye (zeuget ers an seine rechte hand und an die meiste mennige Leipzig. ausg. von 1545, zeuhet Leipz. ausg. von 1595) Sachsensp. ldr. 1, 18, 3 Eckh., wo jedoch andere hss. den genitiv bieten, s. unt. c β; darumme sol men iz vor daz rîche tzien 2, 12, 6 Eckh.; ich widerwirfe dise urteil ... und ziuhe si dahin, dar ich si mit rehte z. sol, daz ist an die hant, da von der rihter daz gerihte enphangen hat Schwabensp. ldr. 96, 3 G.; verwirfet der Swâp des Sahsen urteile oder der Sahse des Swâbes, die sullen si für den künic z. Deutschensp. ldr. 109, 1; 21; 103, 1 Eckh.; schildet man ein orteil, daz sal man czihin an den hoistin richter Neumarkt. rechtsb. 155; als beleg für einen instanzenweg, wozu die bemerkung th. 16, 380 zu vergleichen ist: die (urtheile) sol man zihen under die Esche und dannan gen Bchs ... und dannan gen Urdorf ... und dannan ... uf die groszen Kemenaten, und sol da usgerichtet werden (Züricher gebiet, ende d. 13. jahrh.) weisth. 1, 5; urteilde züchen von eim hof in den andern (ebda 1347) 1, 31; oberschwäb. stadtrechte 1, 60; 2, 345; städtechron. 4, 144; wenn einer die minder urteil erlangt, so mag er die mit zweyen mannen gein Rufach in rat wol z. (Straszb. mundat 1514) G. Franz bauernkr. 2, 119; demjenigen, wider den gezogen wirt, sinen kosten und schaden abztragen, ob die gezogen urtail in kreften erkent wurd J. v. Watt d. hist. schr. 2, 331; das sol und mag nindert anders gedingt noch gezogen werden (tirol. 1744) österr. weisth. 2, 203; noch von Stalder 2, 471 angeführt, doch schon von Schöpper gemieden: die urtheil uffhalten, hinderz. appellare 100b Sch.-K.; weitere angaben s. unt. c β. rechtshändel: hat auch keim gezimpt, uszer dem land sein rechtshandel z. Eberlin v. Günzburg 1, 10 ndr.; der da appelliert und ein ander recht anrfft, der einen handel zücht Frisius 106a; genauer und ergänzt bei Maaler: der ein handel zeücht von einer oberkeit z der anderen 28d; der span ward gen Rom gezogen, verzertend beid grosz gut Tschudi chron. helv. 1, 156; vor den reichshofrath wurden ... viele rechtshändel ... gezogen Schiller 8, 40 G.
β) der gegenstand des streites oder eines anderen rechtsvorganges: he mut aver sveren, dat he 't tie to rechter tücht (das gestohlene, von ihm gekaufte gut mit recht als sein eigenthum beanspruche) Sachsensp. ldr. 2, 36, 5 H.; sonst für das einstands- (th. 3, 307), näher- (7, 298), vorkaufs- (12, 2, 1225) oder zugrecht (16, 438): wann ein burger ein ... guth ... verkauft, sollen des verkäufers negste blutsfreunde ... befugt sein, selbiges in dem kaufschilling und werth ... zu zühen und ahn sich zu bringen ... die umb das zugrecht sich anmaszende (Überling. 1707) oberschwäb. stadtrechte 2, 636; vgl. 637 und 638; auch nur z.: wie lange das zugrecht statthabe, da dermalen in T. keiner so stark bei mitl sei, das er den acker z. könne (1707) bei H. Fischer 6, 1320; z. einstehen, eintreten in des käufers recht Stalder 2, 471; z. im falle eines falliments in den activen vermögensstand des schuldners einstehen mit der bedingung, die älteren gläubiger auszulösen ebda; s. auch c γ; schlieszlich eine gleich abgekürzte formel im schwäb. beim erbfall: welhes daz ander uberlebt, daz sol auch z. allez daz, daz selbe gelozzen hat, daz do tot ist (1373) württ. urkb. 3, 603; die eigenen kinder z. die schüssel bekommen bei tisch das beste, beim erben das meiste H. Fischer 6, 1180.
γ) eine fällige abgabe, anheimfallendes lehen od. ä.: so mocht des closters knecht mit sinen lantsideln zihen die bestheupt (ostfrk. 1397) weisth. 6, 9; 5; das nimant kein bestheupt oder watmal z. solle (ostfrk. 1465) 14; ouch wer es das ein zinsz den andern, den dritten begriffe, so mocht

[Bd. 31, Sp. 979]


der hofherre die gter z. (einziehen), und werent im verfallen mit sinem vorsessenen zinsz, die doruff stnden (Elsasz 1420) 4, 12; der erst zinsherr solich gt umb vorzins rechtlich zúcht Riederer spieg. d. rhet. l 6a; öfters die verbindung zu händen z., vgl.: daz min frow ... die fischatz z iren henden z. weltend und fúr sich selb han weltend (schwäb. 1433) württ. geschichtsquell. n. f. 14, 127; so mgen min frouwen das gt mit dem rechten z iren handen zyehent (Elsasz 1514) weisth. 4, 170; wir haben auch nit macht, kain dergeleichen gutt zu staigen noch zu bekumbern oder zu unsern handen ziechen (schwäb. 1525) G. Franz bauernkr. 2, 160; hab und gütern, ligende, farende, lehen und eygen, anzugreyffen, zu yhren händen z., als yhre eygene güter in zu haben Luther 18, 341 W.; zuche die von Henrico ingehabte frstenthumb in seine aigene rentcammer v. Brandis tirol. adl. 96.
δ) gewähr, entscheid:

ich fürchte, daz manic man
ditz buoch welle mêren,
unde beginne recht verkêren
unde ziehe daz an mich (sich auf mich berufe)
Eikes reimvorrede 225 im Deutschenspieg. 78 Eckh.,

während Eike den genitiv verwendet hat, s. unt. c α;

das wil ich ziehen, frauwe, an got (gott anheimstellen)
Heinrich v. Neustadt Apoll. 15 203 S.;

die wyl man uff uns zogen hat Endinger judensp. 99 ndr.
ε) schuld, vorwurf: daz er auf uns ziehe ein laster (ut devolvat in nos calumniam, das ers auf uns bringe Luther) 1. Mos. 43, 18 cgm. 341 Münch. mus. 3, 115; eine schuld auf einen z. auf ihn wälzen, ihn beschuldigen Schmeller-Fr. 2, 1106.
ζ) vorbehaltenes recht, bei refl. dativ: die societäten und obrigkeiten haben gewisse dinge sich gezogen, andere einem jeden zu eigener ... besorgung ... überlassen Leibniz d. schr. 2, 43; vgl. im selben sinn sich etwas ausz.: wenn der sohn heirathet, ziechúnt sich die eltern gewisse lieferungen an sie aus und heiszen dann auszügler Lexer kärnt. 265.
η) eine klagesache, ein rechtshandel in erster instanz: ich züchs für das gericht, ich klag mich und begr rchts in iudicium voco Maaler 524b; ins recht z. agere Schöpper 91b Sch.-K.;

drum solt du zank und zwietracht fliehen,
nicht alles auf das rahthaus ziehen
Joh. Grob Reinholds v. Freientahl poet. spazierwäldl. 27;

sodann: wenn ... die existenzfrage des römischen rechts vor das grosze publikum gezogen ist Jhering geist. d. röm. rechts 14; die gesetze ... z. nur das handeln vor ihren richterstuhl Moltke ges. schr. 1, 348; anders: die sache hinder sich z. revocare causam ad forum suum Haltaus 2156; einen stand des reichs hinder sich z. und gegen das reich vertreten ebda.
θ) die schwörende hand, s. ob. I A 11 a β; ein rechtssymbol: wollte oder konnte er (der anliegende eigenthümer) bei ... groszen deichschäden die hohen kosten nicht tragen, so stach er seinen spaten in das belastete grundstück ... wer nun den spaten zog, übernahm die deichlasten und ward besitzer des grundstücks Allmers marschenb. 1/2, 29.
c) absoluter gebrauch herrscht in der älteren sprache vor;
α) der zeuge oder gewährsmann, auf den sich der beklagte bezieht oder beruft, wird sprachlich als ziel, das zeugnis, die angesprochene sache oder der beweisgegenstand als inhaltsgenitiv ausgedrückt; jüngere sprache verwendet das reflexive z.:

unde zî des an mich
Eike Sachsensp. reimvorr. 225 Eckh.,

s. ob. b δ; swen men thûges an ene tzût (wenn man sich gezeuges an ihn zeuhet Leipz. ausg. v. 1545 und 1595) Sachsensp. ldr. 3, 54, 1 Eckh.; wen en enes angesprokens gudes up enen anderen tüt in eime anderen gerichte (wenne du eynen ansprichst umme gut unde der sich uf eynen zcyth in eyme andern gerichte Oschatz. hs.) richtst. ldr. 14, 6 H.; swer mit der hanthaften tâd gevangen wirt ..., des ne mach her an nicheinen weren tzên (des mag er sich an keinen geweren z. Leipz. ausg. v. 1545) Sachsensp. ldr. 3, 35, 1 Eckh.; thut he des in god unde in sin selves munt

[Bd. 31, Sp. 980]


stat. d. Rigenfahr., im Stad. arch. 1, 138; we up den richter tüt, de scal mit dem richter vulkomen richtst. ldr. 42, 3 H.; Schiller-L. 4, 529b; mer en thut he up nenen tuch, so en mach he nynen lengeren dach hebben denn twelf wekene brem. ord. 25, im brem. wb. 5, 35; für den genitiv ist trans. fügung erst in späterer zeit allgemein; frühester fall: dar na sal he (der könig) getüch sin aller dinge, die man an in tüt Sachsensp. ldr. 3, 54, 2 H.; ob ers an den antwurter selber zeucht (den beweis dem beklagten zuschiebt) Wien. stadtrechtsb. art. 5 Schust.; fides appellet authorem ich lasz mich an den urscher, ich wils an in zeühen Frisius 148a; se teen dat to den lüden wollen zeugen darauf schaffen Dähnert 485a; item so mag ain richter menigelichen zu allen rechten gebieten, ausgenomen der edlen und schildleut ..., es wär dann, daz ain zeugschaft an si gezogen wurde (tirol. 1396) österr. weisth. 5, 100.
β) das angefochtene urtheil, wegen dessen der kläger berufung einlegt, wird mit dem genitiv, später mit dem accusativ gegeben: nichenis geschuldenen urtêles ne mût men tzîn ûz eynir grâfschaph in eyne marke (kein bescholden urtel Leipz. ausg. v. 1595) Sachsensp. ldr. 2, 12, 6 Eckh.; schilt men eyn urtel, des sol men tzên an den hôgeren richtêre (das Leipz. ausg. v. 1545) 2, 12, 4 Eckh.; 3, 69, 3; tüt he 's an sine vorderen hant 1, 18, 3 H. (s. ob. b α); acc. auch Rudolf v. Ems weltchron. 11 462; früh wird die absolute durch refl. construction ersetzt: ic ... tie des dar ic van rechte scal (wil mich zcyn, wo ich michs zcu rechte zcyn sal Oschatz. hs.) richtst. ldr. 49, 3; 50, 9 H.; die Swâve ... tzût des an den elderen Swâf (z. sich des an die elteren Schwaben Leipz. ausg. v. 1545) Sachsensp. ldr. 1, 19, 2 Eckh.; ohne inhaltsangabe: man hat allenthalb gt gricht und recht ..., dasz man z gheinem frömden richter z. darf Zwingli d. schr. 1, 335; teyn appellare Diefenbach n. gl. 29a; neue wörter sind appellieren, jetzt berufung einlegen gegen.
γ) sonstiges: beclayt eyn man den andirn vor gerichte umme scholt noch todir hant ... unde tzoge ym tzu mit eyme scheppenbrife (in anspruch nehmen) alt. kulm. recht 3, 63 Lem.; teen in einwendungen gegen etwas machen: hie ne wolde dar yo nicht meer in teen bei Schiller-L. 4, 529a; dithmars. 18. jahrh.: ik tee in de ko, int swien, in de verbeterung ich erwähle bei einem concurse die kuh, das schwein, oder ich warte auf die verbesserten umstände des schuldners brem. wb. 6, 363; queme dann ein grave von Wertheim oder sein gewalt und zügen uf (machten anspruch auf) desselben edelmans gut (ostfränk. 1415) weisth. 6, 34.
E. bestimmende zusätze beziehen sich auf die art und die richtung des zuges; die zweite gruppe umfaszt die präpositionalen verbindungen. diese, anfänglich auch im concreten bereich gut vertreten, weichen hier mehr der knapperen, elliptischen form fachlicher sprache, im übertragenen, abgeschwächten und geistig-abstracten gebrauch bilden sich aus ihnen häufig composita von z. heraus. wie richtungsbestimmung, auch nur durch den gedanken gegebene, die bedeutung wandelt, sei an einigen beispielen gezeigt. der begriff durch ziehen erzeugen wird so zu der bedeutung spannen, vgl.:

sie (die spinne) läuft zum fenster. dieses schien
ihr sehr bequem, ein netz zu ziehn
Ramler fabellese 3, 101;

des Jupiters bildnsse, umb dessen kopf die spinnen ihr gewebe z. Lohenstein Arm. 2, d 1a; die spinne zieht ihr gewebe von pfosten zu pfosten Klinger w. 4, 212; hingegen lszt sichs leichter weiter gehen, wo der von den vorfahren gezogene faden einen leitet Lohenstein Arm. 1, 134a; übertr.:

wer zog die adern hie und dort,
ein jed an ihre stell und ort?
P. Gerhard bei
Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 368a;

so tritt aus dem gebiet von I A 6 b und 13 heraus und gewinnt gleichfalls den sinn spannen der beleg: daneben zog ein hänfling sein lied, wie ein anderes dünnes goldfädchen, von zweig zu zweig Stifter s. w. 1, 242.
1) prädicative und adverbiale adjectiva: s. ob. I A 8 a das schwert blank z., I D 1 a ein kind grosz z., auch einen schwamm voll z. I B 2 i γ; ferner: ihm die höslein ...

[Bd. 31, Sp. 981]


straff gezogen O. Ludwig ges. schr. 2, 12; einen blank z. den hintern entblöszen und auf ihn schlagen H. Fischer 6, 1181; glatt z. s. I A 6 e; die sonne hat das bret ganz krumm gezogen Adelung2 4, 1706; die handtücher waren sehr schlecht gesäumt, schwarz und kraus gezogen H. v. Kahlenberg Eva Sehring 39; graf Strachwitz ged. 67; während die pflanze zart ist, musz man sie gerade z. Düringsfeld sprw. 1, 83b; die runden stangen (metallstangen werden) auf einer ... ziehscheibe ... fein (dünn) gezogen Muspratt chem. 4, 1970 St.-K.;

was zieht ihr die stirne finster und kraus?
Körner w. 1, 1127;

um das lose geknüpfte band noch fester zu ziehen Göthe 24, 328 W.; den knoten, den faden fest z.; der kreis der leitenden personen war eng gezogen Häuszer d. gesch.2 3, 122; öfter der compar. und zu eng, vgl.: die gemeinschaftliche gefahr zog das band zwischen Rom und Latium enger Niebuhr röm. gesch. 1, 447; Ranke s. w. 31/32, 344; A. v. Droste-Hülshoff w. (1877) 2, 374; Laube ges. schr. 2, 25; die zu eng gezogenen schranken sprengen Moltke ges. schr. 7, 101; Bismarck polit. red. 4, 84; reichlich, in mhd. zeit gern in übertr. bedeutung, hoch z., jetzt z. th. durch andere verbindungen ersetzt:

do geschf er dri chore
in der oberisten hohe,
der eine heizet tron
der zuhet unsere gehuht vil hohe büch. Mos. 3, 11 Diem.;

sîn prîs sô hôhe dâ wart gezogen,
daz in niemen mohte erlangen
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 7825;

unz er in geistlîcher art
alsô hôhe gezogen wart,
daz er wol hiez vollenkumen pass. 321, 2 K.;

lîb hatte in ûf erdin got,
want er î leiste sîn gebot,
dâvon er in sô hôhe zouch
Jeroschin chron. v. Preusz. 1107 Str.;

das wort Eb. epistola (Hebr. 5, 7) ziehet hoch Luther 34, 1, 116 W.; von dem menschlichen kummer zücht Christus höher uf (hebt, lenkt in die höhe) Zwingli d. schr. 1, 100;

ein weiser sinn und gabenreicher geist,
dem obenab der gute fug verliehen,
des herren lob in reimen hoch zu ziehen
Opitz opera (1690) 2, 26;

vgl.: etwas hoch anz. nimium aliquid exaggerare Stieler 2627; auch refl. Nibel. 769, 1, s. unt. II A 5; concret, die saiten straff anziehen, spannen: wan man die seyten zu hoch ziehet, so zerspringet sie Tappius adag. C c 5a; pflaster hoch anlegen: das man das pflaster darauf (auf lockerem boden) ein wenig höher ziech, dann es setzt sich ... gern Tucher baumeisterb. 49 L.;

zieh höher die rosenwand mir
Brentano ges. schr. 2, 118;

refl. sich hoch z. (an einem seile); gern auch lang z.: die pflger haben auf meinem rcken geackert und ire furche lang gezogen psalm 129, 3; die nase lang z. s. ob. I A 11 a α;

durch manche list und rank
zoge er kurze processe lang
Kortum Jobsiade 1, 156;

vgl. refl.: damit die ... pause sich nicht noch länger ziehe Göthe IV 37, 12 W.;

dann zieht es sacht den mantel los
A. v. Droste-Hülshoff w. 2 (1878) 40.

adverbiale adjectiva erzeugen bei Otfrid den sinn behandeln:

weltit er githiutomanagero liuto,
joh ziuhit er se reineselb so sine heime I 1, 102;

er sia erlicho zoh,in Aegyptum miti floh I 8, 7;

thaz si iz (das gotteshaus) zugun oftoso unredihafto II 11, 6;

dieser tritt später noch einmal als handeln auf: so sllen wir denn gemainlich ze rat werden, wie darz ze ziehent und ze tnd si (Nürnb. 1384) oberschwäb. stadtrechte 1, 89.
2) ein präpos. ausdruck steht
a) für das acc.-obj., um die stelle, wo der zug ansetzt, oder den platz, der dem zugthier zugewiesen ist, zu bezeichnen;

[Bd. 31, Sp. 982]


am häufigsten an, daneben in: Moscherosch gesichte (1650) 2, 309; wer zuvor hat am karch gezogen, der musz oftermahl hernach am wagen z. Lehman flor. pol. (1662) 2, 737;

wenn der bauer brod
wollt essen, mög er selbst am pfluge ziehn
Schiller (Tell I 4) 14, 295 G.;

Göthe 21, 129 W.; ein joch, daran die ochsen z. Carbach Liv. 44a; Kramer teutsch-it. 2, 1450b; am joch der unzucht z.: S. Dach 403 Ö.; Adelung2 4, 1706; da zogen denn nun zwei männer mit einander an demselben joche Dahlmann franz. revol. 49; wenn die pferdt am wagen gleich z., so gehets fort Lehman flor. pol. (1662) 1, 351; hier auch in: 5 fird. vor haber den pferden ..., dy in der olemole zogen Marienb. treszlerb. 587 Joach.; der aff ... zeicht nicht im pflug Fischart Garg. 379 ndr.; krebs, die im schlitten zihen 18 ndr.; rhedarius mulus der im karren zücht Frisius 651a; 120b; eynen ochsen, der schon in eynem wagen oder karren gezogen Sebiz feldb. 125; wir z. all in einem joch S. Franck sprw. (1541) 2, 92b; Martin-L. 2, 897a; sie z. nicht in gleichem joch Eyering prov. 3, 309; pari iugo sie z. in gleichem zug S. Franck sprw. (1545) 1, 7a;

erlöser! ach wie lang zieh ich in diesem joch?
A. Gryphius trauersp. 159 P.;

die ellenthaften degenezugen vil gelîche an einem ruoder Gudrun 1174, 4;

zehet an den herten ruderen Albr. v. Eyb d. schr. 1, 11 H.; doppelte construction:

begert vor seinem end gewisz,
dasz mann (man ihn) das steuerruder lisz
ziehen ...
als er nun aufgebunden war
und zog am steuerruder dar
H. Sachs 16, 323 G.;

Frisius 1326b (cit. sp. 935 unt. ziehbank); Kramer teutsch-it. 2, 379a; 1450b;

weil ein jeder stndlich sieht,
dasz, wer heute trotzt und blht,
morgen oft am ruder zieht
Günther ged. (1735) 213;

Adelung2 4, 1706; helciarius der am schiff zeugt wie ein pferd Er. Alberus n. dict. gen. Z 2b; an der presse z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; z. musz der drucker (pressmeister) mit dem bengel an der presse bei Klenz druckerspr. 111a; sehr häufig am seil z., vgl.: an einem seil z. Kramer teutsch-it. 2, 1450a; Adelung2 4, 1706; lux. wb. 498a; sprw.: sie z. nicht alle an einem seil Wander 5, 579: redensart an einem strange z.: G. Hauptmann web. 57; un èngem sêl zeie im einverständnis mit jem. handeln lux. wb. 498a; älter am narrenseil z.:

hab lang am narrenseil gezogen
H. Sachs 12, 132 K.;

Eyering prov. 3, 572; J. G. Neukirch anfangsgründe 72; auch:

sy sind jung ...
und zugind gern an Venus seyl
H. R. Manuel weinspiel 460 ndr.;

ähnlich: sie ... z. am zanckeysen Joh. Nas antipap. 4, 166a; am riemen z. d. h. die börse z., um zu zahlen: Th. Hock blumenfeld 32 ndr.; vgl. ziehamriemen sp. 934; an der glocke z.: H. L. Wagner theaterstücke (1779) 41; (der hausknecht) zog ... heftig an der glocke G. Keller ges. w. 5, 13; wenn man an einer feder (der künstlichen henne) zog Brentano ges. schr. 5, 105; an der mutterbrust z., d. i. saugen: als ob es (das kind) ... an dem dütlin züge H. Gebweiler lob Marie 22a; was nutzt ... einem kind die brust, wanns nicht an solcher zieht? J. J. Moser lied. üb. d. grundwahrheit. (1776) 70; H. Fischer 6, 1180; sonst: wa er ein nagel findt, so zücht er dran, ist es, dasz er wacklet, so lgt er, dasz er in herausz ziehe Keisersberg brös. (1517) 1, 75b; man soll ihn (den falken) ... anfangs die diehn (hinterschenkel) nebst dem hnerschenckel nicht auf einmal aufatzen lassen, sondern etwas davon aufbehalten, woran man ihn den tag ber fter z. lassen kan J. E. Pacius Friedrichs d. Zweit. kunst zu beizen (1756) 278; 279; 277; noch: ein verwirrter

[Bd. 31, Sp. 983]


zwirnsknauel, an dem alles zupft und zieht und wenig gewisse faden herausbringt Heinse 10, 232 Sch.
b) neben dem acc.-obj. und gibt die stelle an, wo man einen menschen zieht; zunächst an, das jetzt vorherrscht:

Iwânet in an der hende zôch
vür eine louben niht ze hôch
Wolfram Parziv. 151, 1;

Felix zog sie am rocke Göthe 23, 204 W.; die ... frau zog ihn ... am ohrzipfel Fontane I 5, 127; wan es so gescheid wrt wie mir, wurdn mir nit alleweil an enck bentzen und ziegn J. J. Schwabe tintenfäszl 79; das ist an den haaren herbeigezogen ist ein gewaltsam angezogener beweis, s. th. 4, 2, 16; alt häufiger bei: (der mann wurde) pey dem har gezogen Arigo Boccaccios decam. 57 K.; wie ... der heilig Pauls bei dem har von got ist zu dem christlichen glauben gezogen worden H. Gebweiler lob Marie 19a; Berthold v. Chiemsee 252 R.; depexum aliquem reddere ein wol strlen und beym haar z. Frisius 391a; als schülerstrafe in der kirchenord. f. Braunschw. (1569) 346; sprw.: die noth fordert den, der wil, wer nicht wil, den zeucht sie beym haar Petri d. Teutsch. weiszh. R 1b; übertr.: eine ... gleichsam bey den haaren herbeigezogene gleichnisrede Ludwig teutschengl. 2588;

Israhel, gib im (Jesu) eins zm kopf,
so zucht in Jesse by dem schopf schausp. d. mittelalt. 2, 275 Mone;

sich bei der nase z. s. II B 4 a; vellere aurem das or tryen oder bey dem or rupfen oder zühen, eyngedenck ze seyn Frisius 145a; zieht man ein schwein beim schwanz, so schreien sie alle Düringsfeld sprw. 1, 197a; früher auch mit: dasz die Vangionen ... zu diesem kriege ... mit den haaren gezogen wren Lohenstein Arm. 2, 1042a;

ja, manchen soll man fast darzu (zum ehestande) mit haaren ziehen
Henrici ernsth. ged. 1, 269;

noch in der altertümlichen luxemburgischen ma.: ê mat den hôer zeie lux. wb. 498b; anders: versuchen sie sich, wie sie schrift darauf reimen und mit den haren hinzu zihen Luther 26, 174 W.; Ambach v. tanz. (1543) c 2b.
3) richtungsangaben durch präpositionen; sprachgeschichte und -gebrauch führen öfters zu einem zusammentreffen mehrerer präpositionen in demselben bedeutungsbereich.
a) an: ein schiff ans land z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; allgem., früher auch zu (s. d.); sprw. redensart.: ans brett z. Körte sprw.2 57; alls a sin nagel zücha an seinen nagel hängen, alles an sich ziehen, zum eigenen vortheil wenden Tobler appenz. 328a; schweiz. id. 4, 684; geläufig ans licht z.: diese abgeschaffte gewonheit wider ans liecht z. Nigrinus v. zäuberern 334; Gottsched anm. gelehrs. 4, 5; ziehe nicht ihre fehler ... an das tageslicht Knigge umgang 1, 45; schon als knabe ward ich in schatten gestellt und er ans licht gezogen Klinger w. 1, 14; Niebuhr röm. gesch. 1, 118; Ranke s. w. 1, 224; sich an den hals z., wofür häufiger auf und über (s. d.): von vielen übeln und ungemach ..., die er sich durch das viele sitzen an den hals gezogen Leibniz d. schr. 2, 510; an eine schnur z. reihen: da zoch er sie (die schuhe) an ein schnr Eulensp. 8 ndr., s. auch DWB auf; häufig einen an seinen hof z., s. I D 2 b; vgl.: die Soester streitigkeit ... zieht der papst an seinen hof Ranke s. w. 1, 38; Berthold hatte die Schweizer an die reichstage z. ... wollen 115; nun konnte auch die Provence ... an die krone gezogen werden 8, 59; in älterer sprache:

daz zuhe ich an den blinden man (beziehe es auf)
Herbort v. Fritzlar 18;

ich werd ... an die marter und den tod gezogen Hutten op. 1, 414 B.;

ir ettlich an ir gwarsam zohen
Scheit fröl. heimf. 11 Strauch.

weitere anwendungen s. ob. I E 2 a; b.
b) auf:

that man an sêo innansegina wirpit,
fisknet an flôdendi fâhit bêðiu,
uile endi gôde,tiuhid up te staðe Heliand 2631;

[Bd. 31, Sp. 984]


zoch das netze auf das land Joh. 21, 11; s. hierzu auch in und zu; schiffe im winter aufs land z.: Neumark neuspr. palmb. 58; Adelung2 4, 1706; ebenso aufs trockene z.: Stieler 2627; auf das meer: Xylander Polyb. 26; zog sie (ihre ringelchen) auf lange bindfäden Storm w. 1, 5, s. ob. an; fest in der verbindung saiten auf die laute, geige z., vgl.: Kramer teutsch-it. 2, 1450b; Adelung2 4, 1706;

laszt mich itzt aus dankbegier
seyten auf die laute ziehen
Gottsched ged. 195;

dagegen den bogen über die saiten streichen meint: ein jar lang niemandt dorfte tantzen, niemand pfiffen, auf der leir z. oder lauten schlaen S. Grunau preusz. chron. 1, 664 (s. I A 4 a). (rebstöcke,) welche auf die bum gezogen werden Sebiz feldb. 56; bis sie die finsternisz auf erden gezogen haben Klinger w. 3, 26; red.-art: also hatten ihnen selbs die geistlichen vtter ihrem zanck glt auf die fsz gezogen Stumpf Schweizerchron. 369b. (sich) etwas auf den hals z.: diese haderkatzen werden nit nachlassen, bis sie ihnen die verdiente straffe selbsten auf den hals z. Harsdörfer frauenz.-gesprechsp. 5, 260; wo man ... einen unfall sich auf den hals ziehet Chr. Wolff ged. v. d. mensch. thun u. lass. 158; mit einem solchen fehljagen ... ziehet (der jäger) dessen (des herrn) ungnade sich auf den hals Heppe lehrprinz 82; Klinger w. 3, 6; Ranke s. w. 31/32, 116; dieses zog ihm nun die ganze welt auf den hals anm. gel. 1, 65 Gottsch.; s. ob. an; weitere belege th. 4, 2, 251. sehr geläufig im sinne von auf etwas beziehen, wofür jetzt bez. vorgezogen wird, vgl.:

entweder Moses der luge,
der uf got diz wort zuge,
oder got muse volgen —
wie harte ir sit irbolgen —
sinen worten mit den werken
Hesler ev. Nic. 1704 H.;

wir seczen, das keine der geswornen vorleiunge auf czukunftige czeit, sunder allein auf kegenwortige czeit geczogen sol werden Joh. v. Gelnhausen des Goczius jus regale montan. 2, 2, 12; dise weyssagung hat Christus ... z. wöllen auf ain yede ainlitzige zerstörung seiner kirch Berthold v. Chiemsee 3 R.; Joannes wird darümb gepreyset, das er auf Christum und in Christum gezogen wird Luther 17, 1, 285; das du aber etlicher vetter sprüch mit den haren tzeugist auf deyne treum 7, 632; 28; die schrift ..., darauf er die deutung tzeucht 8, 387; 14, 78; 26, 553 W.; S. Franck weltb. 119a; Paracelsus op. (1616) 2, 422 Hus.; der bock hat ein starcken ... geruch, von dannen das sprüchwort auch auf den menschen zogen: er stinckt wie ein bock Forer Gesners thierb. 61; Frisius 1160a; etliche ... z. die unachtsamkeit ... auf das oben bemelte laster Nigrinus v. zäuber. 160; u. v. a.; alles aufs rgste z. Kramer teutsch-it. 2, 1450c; wort auf seine meinung z. accommodare verba in rem suam Aler 2, 2247b; welches manche mit haaren auf den heutigen zustand z. wollen Leibniz d. schr. 1, 259; Lessing 10, 271 M.; Herder 3, 117 S.;

nur einer (mond),
der mittlere, blieb stehn in seiner klarheit.
wir zogens auf den Türken
Schiller (Wallenst. tod IV 3) 12, 332 G.;

noch bei Jac. Grimm kl. schr. 1, 130; 3, 142; danach wohl abgängig. wie bisweilen schon der sinn deuten auf, auslegen in einigen der angeführten fälle zulässig ist, so fordern ihn die nachstehenden belege: das sy (die Griechen) den text ... gefelscht und auf iren vortail gezogen haben Berthold v. Chiemsee 108 R.; das sie s. Paulus wortt felschlich auff yhren yrthum getzogen haben Luther 11, 435 W.; einer legt es also usz, der ander wil es uff ein ander weisz z. H. Gebweiler lob Marie 6b; ein wort in der gschrift ..., das wir mögend uf unser meinung z. Zwingli d. schr. 1, 77; Frisius 1321; auf ein ... auszlegung zihen Fischart Garg. 22 ndr.; wie solches ... sprichwort ... auf ihr ... manier gewendt und gezogen worden Guarinonius greuel 591; Opitz poet. 32 ndr.; den verstand eines spruchs ... auf etwas z. Kramer teutsch-it. 2, 1451a. hinwenden, anwenden liegt zu

[Bd. 31, Sp. 985]


grunde in folgenden fällen: kere ietz dieselbigen (die ohren) und zühe sie uff ernstliches zlosen des gotz wort Keisersberg bilgersch. (1512) B 2d; ablas, heyligendienst und was fur werck auf uns und unser seelen nutz getzogen werden, das meydet wie todtliche gift Luther 12, 149 W.; Rom ... hat ... die christenheit ... uf ire sitten gar ängstiglich gezogen Zwingli d. schr. 1, 247; auf unseren nutz z. und bringen oder brauchen Frisius 36b; legibus ad quaestum abuti die gesatze auf seinen nutz z. und brauchen (miszbrauchen) 13a; di nach gewonhayt der ... thier alle ding auf den wollust zyehen J. v. Schwarzenberg Cic. (1535) 76; was solte wol in der welt vorkommen, da man nicht entweder auf die seligkeit oder auf den todt oder auf ein lob ... knte gezogen werden? Chr. Weise pol. redn. 492; im bes. DWB etwas auf muthwillen, scherz z., was etwa bedeutet muthwillig behandeln, ins scherzhafte, lächerliche ziehen: es sind ... boszhaftige kinder, die eines ... liebreichen vaters sanftmuth ... auf muthwillen z. und seine liebe miszbrauchen Scriver seelensch.11 1, 331b; die gnade gottes auf muthwillen z. Jung-Stilling w. 3, 300 Gr.; einer, der die sachen, die ihm nicht behagen, gern auf scherz zieht Schleiermacher I 5, 550; auf spott z. ders., Platons w. 6, 268. einige rechtssprachliche wendungen:

si (Eva) wold unschuldigen sich,
f die nateren zoch si die schulde,
daz si gotes hulde
also schiere het verlorn Milst. genes. 16, 19 Diem.;

er hete velschlich gelogen
und Franciscum gezogen (beschuldigt)
umme sus ûf bôse wort pass. 528, 80 K.;

das etwan frauenklster sind gesin, hat man lassen absterben und die gült zogen uff münchklster (beschlagnahmt, übertragen) Eberlin v. Günzburg 1, 37 ndr.; schlieszlich noch: dat he de stad up sodan schaden und kost toch (brachte in; Magdeb.) städtechron. 7, 195; Schiller-L. 4, 530a. weitere verwendung s. ob. I D 1 b; 2 b; 4 b ε.
c) aus;
α) sinnlich, concret; fachsprache gelangt auch hier zur ellipse, vgl.: evellere ropen ut der erde teynd Diefenbach n. gl. 158a, aber elliptisch: flachs, hanf z. aus der erde rupfen Stalder 2, 471; der reife flachs wird mit den wurzeln aus der erde gerauft, man nennt dies raufen, rupfen, reiszen oder z. K. Bücher arb. u. rhythm.4 76, in der Mark übrigens pflücken; sonst steht der gebrauch der präpos. fest; ich ... ziehe die maulwurfshaufen aus einander Göthe 17, 253; 24, 55 W.; bibelworte wirken nachhaltig ein, so: du heuchler, zeuch am ersten den balcken aus deinem auge Matth. 7, 5 und du hast mich aus meiner mutter leibe gezogen psalm 22, 10; 71, 6, die u. v. a. bei H. Sachs 1, 294 K. und 18, 102 G. nachgebildet sind; auch Notker bietet ps. 22, 10 wie Luther gegen das extraxisti der vulgata das simplex, während die mwestfäl. und die Trebnitzer psalm. das compos. ausz. verwenden. andere belege mannigfacher art:

daz er (der teufel) dâ hete verstolen,
daz wart im ûz der hant gezogen Vorauer sündenklage 849 Waag;

Ludwig ... zog ihm ... das blatt aus den zitternden ... händen Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 32; (bettler,) welche ... den frommen armen gesellen das brodt ausz dem munde z. R. Lorichius pädag. princ. (1595) 432; ihm den übrigen bissen brodt ausz dem munde gezogen Schupp schr. (1663) 248; das fleisch aus den zähnen z.: Fischart flöhhatz v. 59 ndr.; er zog den knochen aus dem rachen des wolfes Ramler einl. in d. schön. wiss. 1, 284; den dorn, welcher ausz der fuszsoln gezogen wirdt Nigrinus v. zäuber. 100; wer borgt, der zeugt oft ein dorn ausz seinem fusz und stost den ins leyhers busen Lehman flor. pol. (1662) 1, 121;

oft ziehet man den dorn aus eines andern fusz,
darber man hernach mit schmertzen klagen musz
Spanutius 581;

ihm den pfeil aus der wunde ... z. Herder 3, 20 S.; ein slblein, so pfeil ausz den wunden zeucht Gäbelkover

[Bd. 31, Sp. 986]


arzneib. 2, 227; bildl.: Jean Paul Hesp. 1, 225; s. auch Bürger 166b Bohtz; feste redewendung einem die würmer aus der nase z. alles, was man wissen will, aus ihm herauslocken: lose Uli ab, was er denkt, ziehe ihm die würm aus der nase Jer. Gotthelf 4, 320 Hunz.; Laube ges. schr. 15, 442;

alszdann der hürt mit groszem lust
zog dise wort ausz seiner brust
Weckherlin ged. 1, 176 F.;

einem die wort aus dem hals z. mssen Kramer teutschit. 2, 1395c;

ein seufzer, tief aus dem herzen gezogen
maler Müller w. 1, 61;

tief aus der brust zieht er den atem E. Th. A. Hoffmann 1, 13 Gr.; eym gift ausz eim glid mit dem mund z. Er. Alberus n. dict. gen. 52a; nachdem seine ... tchter aus selbigem glase den tod gezogen hatten Lohenstein Arm. 1, 950b; woraus (aus welchem fläschchen) es (weibsbild) geruch ziehet Hippel lebensl. 1, 36; red.-art: er zeït olles us m kläne fenger er lügt Follmann 557b; cochlea, haustorium organum quod vulgus pompam appellat ein wasserrad, damit man wasser ausz dem sodbrunnen zeücht Frisius 237b; sprw.: das sayl, damit man frau Warheit ausz dem brunnen zeucht, ist schon lang zerbrochen Lehman flor. pol. (1662) 3, 45; wegen wein aus einem fasz z. s. I A 7 c; übertr.: die ... schöpfung zieht ihre nahrung aus den trümmern vergangner zeiten Novalis 4, 227 M.; ferner: einen nagel aus der wand z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; Adelung2 4, 1705; sehr häufig in der bedeutung einen gegenstand aus seinem behältnis heraus- oder hervorziehen: tzoch das httlin ausz ainem watsack volksb. Fortunatus 135 ndr.; ein thaler aus der taschen zohe Lindener rastb. 30 L.; die schnupftcher aus der tasche z. Rabener s. w. 4, 51; Brentano ges. schr. 5, 50; Mörike w. 1, 223; indem er ... seine uhr aus der tasche zog Storm w. 1, 84, wofür elliptisch nach I A 8 b auch: die uhrkette wird gezogen (d. h. mit der uhr) Gutzkow ges. w. 1, 16; er ... zeucht eynen brieff ausz dem busen Agricola sprw. (1534) b 3a; zog ... ein stck brod aus dem futterhemd Bräker s. schr. 1, 14; zoch die schlüssel ausz dem schlosz Schaidenreiszer Odyss. 45a; sie haben die brillen aus dem futteral gezogen Bettine d. buch geh. d. kön. 2, 464; das schwert aus der scheide z. s. I A 8 a; hausgeräth aus einem brennenden hause fortschaffen: ob aim in ainem haus ain prunst aufkämb, das soll derselbig zu gueter zeit von stund an, ehe er nichts ausztragt oder zeucht, beschreien (tirol. 1621) österr. weisth. 2, 172; sodann:

man zôch ûz den kleidernsînen schœnen lîp Nibel. 967, 2;

ein kleiner vortheil zeucht den mann ausz seinen kleidern Petri d. Teutsch. weiszh. 2, H 3b; hier schlieszt sich die feste verbindung den kopf aus der schlinge z. an: diese ... zychen den kopf ausz der schlingen reformationsflugschr. 1, 27 Clem.;

als denn solch spottvögel fliehen
und den kopf ausz der schlingen ziehen
H. Sachs 9, 170 K.;

S. Franck sprw. (1545) 1, 6b; Lobwasser calumn. D 6b; er hat das heupt aus der schlingen zogen Eyering prov. 2, 262; O. Ludwig ges. schr. 5, 308, und allgem.; abgewandelt: den hals usz dem seil z. H. Gebweiler lob Marie 35a; sol sich ... ausz der schlingen z. Luther 18, 410 W.; Klinger w. 9, 71; meinen fusz aus dieser ... schlinge ... z. Lessing 2, 293 M.; nahe steht sich aus dem handel, der affaire z., s. unt. II B 6 c; noch: einen aus der patsche z. lux. wb. 498b, gewöhnlich ist hier das verbum helfen. schlieszlich töne aus einer geige herausziehen, -locken u. ä.:

zärtliche lieder
aus siebenfach tönenden saiten zu ziehn
Ramler lyr. ged. 88;

Göthe 45, 233 W.; noch nie gehörte töne aus der geige ... z. Schubart ästh. d. tonk. 60;

das kindlein vom stahle die funken gern zieht
Arnim w. 13, 23;

[Bd. 31, Sp. 987]


in chemischen verfahren eine besondere flüssigkeit aus pflanzen u. a. ausziehen: der artzt zeucht die kraft ausz den kreutern Paracelsus op. (1616) 2, 491 Hus.; die quintam essentiam ausz eim kraut und metall z. Mathesius Sarepta (1571) 35b; Harsdörfer frauenz.-gesprechsp. 5, 163; den saft, die kraft, die quintessentz aus etwas z. Kramer teutsch-it. 2, 1450b; nemmet ... zetterwurtz, ziehet oder presset darausz ... ein pfund safts Sebiz feldb. 73; (chemische fabrik,) wo sie holzessig und teer aus den stämmen z. Hans Grimm volk ohne raum 1, 14; von dem geschmoltzenen ertzte, daraus das silber mit dem kupfer gezogen (geschieden) wird Harsdörfer secr. 1, K k k 7a; aus dem blute ... quecksilber ... z. Leibniz d. schr. 2, 337; saugen: der weinstock hat die eigenschaft, aus der erde die sszigkeit ... zu z. Lohenstein Arm. 1, 505a; diese adern sind gut zu schlagen vor alle feuchtigkeit ausz den fszen zu z. Walther pferdez. (1658) 157; sonst: es soll auch das e zueweilen nicht ausz der mitten der wrter gezogen werden Opitz poet. 38 ndr., womit die ausstoszung des e gemeint ist.
β) in abgeschwächtem oder abstractem sinne; zunächst in der rechtssphäre: ne zût (lösen) iz (ihr eigen) die erve nicht ûz der koningclîgen gewalt binnen jâr unde tage mit irme eide, sie virlûsit iz Sachsensp. ldr. 1, 38, 2 Eckh.; was ... mit boshaftigem rechtshandel gen Rom ausz teütscher nation wirt gezogen, ist nit uszzrechnen Eberlin v. Günzburg 1, 8 ndr.; stoff aus einer schrift entnehmen, entlehnen: die ... predigen ... sind gezogen ausz sant Marcus ewangelio Tauler serm. (1508) regist. 2d; allis, was die aposteln geleret und geschrieben haben, das haben sie ausz dem alten testament getzogen Luther 10, 1, 1, 181; 23, 456; 2, 59 W.; das zehen man ... verordnet wurden, die ausz den griechischen gesatzen zügen und beschrieben, was der stat Rom füglich und tüglich were Carbach Liv. 44b; ein gantze comediam, gezogen ausz der ... griechischen Menandri Boltz Terenz 60b; ein huipsch nuiw spil gezogen usz Matheo schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 3, 141 Bächt.; Fischart Garg. 53 ndr.; Hulsius (1618) 2, 361b; Wieland Agath. 2, 269; Gerstenberg rec. 276 lit.-denkm.; aus einem manuskript des verstorbenen Diderot gezogen Schiller 3, 535 G.; ein ... aus tuskischen annalen gezogener bericht Mommsen röm. gesch. 1, 114; übersetzen: hab ... euch das bch geantwurt, gezogen aus hebreysch in latein erste deutsch. bibel 7, 85; tütsch, das usz gtem zierlichen ... latine gezogen Nicl. v. Wyle translat. 9 K.; usz latin ... getütschet, ... um merer lütrung wegen des textes oft mit wenig zugelegten oder abgebrochenen worten gezogen Steinhöwel Äsop 4 Ö.; Dido, ein episches gedicht, aus Virgils Äneis gezogen Bürger 243 Bohtz; ausziehen: locus petitus vel repetitus ex evangelio aus dem evangelio gezogen Er. Alberus n. dict. gen. g 2a; Khottallacher freihait so aus dem reformirten urbar ... daher gezogen (kärnt.) österr. weisth. 6, 540; protocoll ..., darinnen auch gemaines marks fürnembste articul ausz dem alten gerichtsbuch ... in disz gezogen (steiermärk. 16. jahrh.) 83; ein neu lied ..., darausz folgende vers gezogen Lehman flor. pol. (1662) 1, 386; excerpieren: Herder 17, 231 S.; lectüre vom morgen fortgesetzt, die verneinenden und scheltenden wörter daraus gezogen Göthe III 4, 331; citieren, anführen, gewöhnlich anziehen, wie schon bei Luther tischred. 1, 80; 98; 131; 149 F.-B.: lassen sie mich itzt ein paar peruanische (lieder) aus Garcilasso ... z. Herder 5, 170; sonst hierher z., s. I E 4; ableiten: das wort ahnen ist aus dem latein gezogen, von dem wrtlein anus, welches heist der hinder an den menschen Peisker index 1; ein ... aus dem lateinischen gezogenes wort Leibniz d. schr. 1, 479; ab-, herleiten: darumb du nit usz solchen unsicheren reden soltest gezogen haben, dasz der bapst würdig were usz dem ertrich z vertreiben Murner an d. adel 41 ndr.; der beweis, dasz die apostel und evangelisten ihre schriften in der absicht geschrieben, dasz die christliche religion ganz und vollständig daraus gezogen und erwiesen werden könne, ist nicht zu führen Lessing 13, 334 M.; da dieser begriff

[Bd. 31, Sp. 988]


nicht aus der erfahrung gezogen werden kann Kant s. w. 7, 273; das ... gruntlich darus zu z. (folgern) sige, das L. ... dhain schuld ... gegen im bruche (schwäb. 1473) bei H. Fischer 6, 1182. eine andere gruppe von anwendungen lehnt sich an α an: es zúhet daz marg uz den beinen und daz blt uz den adern Tauler pred. 26 V.; im die seel ausz dem leyb z. Frisius 724b;

dazumahl uff ein neue art
mustu mit kssen lang und hart
ihre seel ausz ihr in dich ziehen
Zinkgref auserles. ged. 42 ndr.;

alte dynastien z. ihre lebenskraft gleich dem ganzen volke aus der vergangenheit Döllinger akad. vortr. 1, 19; die bilder, die seine einbildungskraft aus diesem chaos zog Klinger w. 5, 16; diesen gegenstand werde ich ... aus der dunkelheit zu z. suchen Niebuhr röm. gesch. 1, 90; es ist eine schöne sage der ältesten dichtung, dasz liebe die welt aus dem chaos gezogen Herder 15, 304 S.; drei johannisfeuer ... zogen drei ferne hügel aus der nacht Jean Paul Hesp. 4, 51; eine aus dem ganzen volk gezogene regierung Haller restaur. xii. der sinn retten aus, befreien aus, von, freimachen von stellt sich ein: du weist nit ..., ausz was mseligkeit du mich gezogen hast Boltz Terenz 134a; einen aus dem bad z., d. h. einen retten Kirchhofer schweiz. sprw. 54;

denn aus der noth gezogen
hat keine mich als sie
Brentano ges. schr. 5, 260;

A. v. Droste-Hülshoff w. (1877) 2, 8; aus der gefahr z.: Gottsched schaub. 1, 185; Ayrenhof w. 96;

ein augenblick kann oft aus vielem zweifel ziehn
Gottsched schaub. 2, 29;

sie ... ganz aus aller unruhe ... z. Lessing 18, 154 M.; indem ich dadurch aus der ungewiszheit gezogen werde Göthe IV 13, 299 W.;

dasz ihr könnt eurem eignen volke grollen,
das sich und euch will ziehn aus der zerstörung
Rückert w. 1, 13;

ausnehmen: aus diesem gebot hat er niemand gezogen, er sey priester oder lai Luther br. 2, 298 de Wette. mehr fälle s. sp. 950 und 954.
d) bei s. ob. I E 2 b.
e) durch; einen faden od. ä. durch ein loch ziehen: löcher ..., durch welche die fäden gezogen sind Göthe 25, 119 W.; auch hier kann sich die fachsprache kürzer ausdrücken: die schneider nähen, die schuster z. 30, 73 W.; die allergrste ahlen ... haben vornen in dem speer ein ... loch, durch welches ein neheriemen gezogen werden kann A. a s. Clara etwas 2, 14; frei: den faden troischer abstammung durch alle latinische stdte ... zu z. Niebuhr röm. gesch. 1, 212; die lcher oben dran (am mastbaum), dardurch man die seyl zeugt Er. Alberus n. dict. gen. Z 2b; durch diesen ring war ein schiffstrick gezogen Xylander Polyb. 15; durch feuer oder eine flüssigkeit ziehen: also musz der glaub geübt, geerbet und gepantzerfegt werden, auch durch feür getzogen werden wie das gold Luther 10, 3, 148 W.; Zwingli d. schr. 1, 173; charta aluminata papier durch alaunwasser gezogen nomencl. lat.-germ. (1634) 53; meine landschaft will ich durch wasser z. und für geendigt abgeben (1776) Göthe IV 3, 119; rühren: wenn man ... die ... zähe masse mit einem löffelstiel durch einander zöge 40, 332 W.; ferner einem stier einen ring durch die nase, einem mädchen durchs ohrläppchen z., vgl.: die gerechtesten herrscher ... msten ... den ehrschtigen einen gldnen ring unter dem scheine einer zierrath durch die nase z. Lohenstein Arm. 1, 92a. die obd. wendung des 16. und 17. jahrh., die in der ma. heute noch bekannt ist, einem das hälmlein durch das maul z. jem. schmeicheln, zu gefallen reden, etwas süsz eingeben, später auch jem. durch glatte worte täuschen, betrügen deutet th. 4, 2, 242; der hinweis auf ein bair. kinderspiel bei Schmeller-Fr. 1, 1094, wobei einem geäfften kinde schlieszlich eine halmähre im munde sitzen bleibt, führt irre, da hierfür ein abweichender sprachlicher ausdruck gefordert werden müszte. die hauptbelege bei Grimmelshausen Simplic. 1, 35 K., H. Sachs

[Bd. 31, Sp. 989]


21, 217 G. und Cocay labyr. 45 s. th. 4, 2, 242; auszerdem: H. Sachs 7, 287 K.; lasz dir das helmlin nicht durchs maul z. sprw. klugred. 94b; und du, lieber christ, wllest dir in einem so hohen stuck lassen das hlmlein durch das maul z.? Nas antipap. 4, 182a; noch bei Kramer teutsch-it. 2, 1450c, etwas zum derben hin geändert: einem ein hmlein durch den schnabel z. uccellarlo (foppen, verhöhnen) etc. à suo modo; für hälmlein einmal gleichbedeuend schwanz:

weil er den schwantz durchs maul ihn zug (schmeichelte)
Fischart thierbild. 426 Hauff.;

eine andere wendung das hälmlein unter der nase z. s. I E 3 k. sodann für kosten: nach sieben jahren ..., in deren jedem du eine von den sieben freien künsten dir und anderen durchs maul z. magst Brentano ges. schr. 5, 462. zur folgenden gruppe durch die hechel (s. th. 4, 2, 736) z. scharf kritisieren, verlästern führt hinüber: und wllest nit leiden, den ... nammen deins vetters also durch die meüler der feinde gezogen lassen werden Pinicianus Scanderbeg 80b; zu den belegen th. 4, 2, 736 noch etwa: stupam pectere hchlen, durch die hchel z. (im eig. sinne) Frisius 962a; disz tractätlein tadeln ... und durch die allerschärfste hechel z. Grimmelshausen 4, 503 K.; muste sich nicht allein von seines gleichen ..., sondern auch von niedrigen, ja sogar von seinen bauren selbsten durch die hchel z. und auslachen lassen Zendorius winternächte 647; wenn ein mensch den andern ausspotten und durch die hechel z. will Döbel jägerpract. (1754) 1, 61. in gleicher verwendung auch scharfes handwerkszeug wie die alte rolle (s. th. 8, 1139, oder 1140 foltergeräth?): derhalben so ist es gut, das sie (die schwärmer) wol durch die rolle gezogen und gepantzerfeget würden Luther 17, 1, 236 W.; dagegen bedeutet durch die feile z. soviel wie feilen, glätten (von schriftstellerischen erzeugnissen): ein ... patriot hat uns gesammelt und aufs neue durch die feile gezogen B. Mayr päckch. satir. 9; auf eine ehrenstrafe scheint zu weisen die katze, den hund durch den bach schleifen, z. (müssen), s. th. 5, 289, bes. schweiz. id. 3, 589; 2, 1425; H. Fischer 4, 274; während die folgenden belege das prüfende, aber abschätzige hindurchziehen meinen: wann er ... die papisten durch den bach zeücht Nas antipap. 4, 174b; einen durch alle praedicamenta z., aufs rgste durchz. oder verkleinern Spanutius 377; auch nur herdurchz.: J. Rist friedewünsch. Teutschland 17; der gassen- oder soldatensprache entstammen: jem. durch die schokolade (den kakao) z. (und ihn mitten drin sitzen lassen) ironisieren H. Meyer richt. Berl.8 195b; durch den cacao gezogen werden avoir des ennuis, être moqué, chiné R. Delcourt 95a; durch den drahtverhau gezogen werden angeödet werden 98a. anderes: wenn solch junges blut die nase durch den staub zieht, was sollen dann wir alten thun? W. Raabe hungerpast. 1, 242; ferner: (töne) ein wenig durch die nase gezogen O. Jahn Mozart 4, 382; (das mäuschen) sang, nachdem es ... seinen schweif quer durch das maul gezogen hatte, um seiner stimme einen milderen ton zu geben Brentano ges. schr. 5, 39; Achilles zohe ainen strick durch di bayn des todten leybs Hectoris J. v. Schwarzenberg Cic. 60b;

(als) du scheu den rand (des bechers) durch deine lippen ziehst
Grillparzer 4, 158 S.;

wenn ich dieses band durch meine haare zöge Klinger w. 1, 227; eine schneidende waffe:

dasz ich vor zorn und groszer hitz
im nicht in hals das messer schlug
oder im durch die finger zug
Fischart Eulenspieg. 440 H.;

die plempe ... tüchtig durch die fressage gezogen W. Raabe hungerpast. 2, 51; hatten ... ihm den säbel quer durch das gesicht gezogen Fr. Griese letzte garbe (1927) 106; geistig, seelisch: ich wel lazen mine allir liebiste wertinne und ire kint, di mir dorch min herze gezogin sint leb. d. hl. Ludw. 54 R.; sich etwas durch den kopf z. reiflich überlegen H. Fischer 6, 1182.
f) gen: und was der erste, der den rmeschen hof zoch gein Avion (verlegte nach; Straszburg) städtechron.

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9, 582; dasz concilium von Basel gen Bononia zu ziechen Knebel chron. v. Kaisheim 264 H.
g) in übertrifft die übrigen präpositionen an häufig- und mannigfaltigkeit der verwendung; mit dativ s. ob. I E 2 a.
α) in einen ort, behältnis oder geräth, auch in die nase, lunge: zôh thaz nezzi in erda (traxit rete in terram) Joh. 21, 11 Tat. 237, 3;

thaz nezzi, so thu lisist thar,zoh er in then stad sar
Otfrid V 13, 30;

später ans land, ans ufer, s. ob. a; die gallee ausz dem port in das mr zugen volksb. Fortunatus 85 ndr.;

ziehen wir jetzt vielmehr ein schwarzes schiff in das weltmeer
Bürger 187a Bohtz;

wollt ihr den zwist ...
auch noch in unsre stillen gruben ziehn?
Zach. Werner Luther 5;

weil ihr nach ehren greift und ziehet spott ins haus
Logau 286 E.;

er wollte die kunst nicht in enge zellen gezogen, sondern auf dem markt des lebens gelassen wissen Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 5, 31; zihet iro here in iro vesti (contrahit) Notker bei Graff 5, 601; ein jeder ziehet das wasser in seine mhl Duez guidon (1646) 209; bey vertrgen und vergleichungen musz man die berg in die thl z. Lehman flor. pol. (1662) 2, 800; während Gion ... die lösung (aus der glasampulle) in eine spritze zog Carossa Gion 184; nieszpulver ... in die nasen z. Gäbelkover arzneib. 2, 3;

harfenklang aus angenehmen sternen
ras ich in mein trunken ohr zu ziehn
Schiller 1, 224 G.;

den athem in die lunge, in den mund z. s. I B 1 a; in sich s. I E 5 e; same ... gezogen und gewisen ... in die gemcht der menschen Ruoff hebammenb. 2; diese stck sollen dem volck also furgetragen werden, das man sie in das hertz zyhe (beherzige) Eberlin v. Günzburg 3, 187 ndr.; man ... die gantze nacht den koth- und unflatsgestanck riechen und ins hertz hineinz. wil Guarinonius greuel 491; das all ... fassen und in unsre seele ... z. Watzlik alp 187; feste verbindung ins netz z., vgl.: da er (der papst) ... mit treyben und tzwingen die leut in das netz seyner lere tzeucht Luther 8, 716 W.; H. Sachs 18, 57 G.; P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied. 3, 355a; Wieland Agath. 1, 273;

wer aber weisz, wie bald 's geschieht,
dasz uns ins nez ein mdchen zieht?
Joh. Mart. Miller ged. (1783) 5;

ihr konntet ihr geschöpf und werkzeug seyn,
mich in das garn zu ziehn
Schiller 12, 473 G.;

doch ihn (den fuchs) zu fangen, musz er (der bauer) ihn
durch lockung in das eisen ziehn
Chr. Fel. Weisze kom. opern 2, 219;

durch ... galanterie einen hbschen, reichen kerl in ihre schlinge ... z. Just. Möser w. 5, 92.
β) in die höhe, länge, enge ziehen: Kramer teutsch-it. 2, 1450b; in die höhe gezogene haut Göthe IV 41, 121 W.; einen vorhang: G. Keller nachlasz 55; in die breite: Göthe II 2, 58 W.; ich ... bin z vil in di lng gezogen worden (bin zu weitläufig gewesen) J. v. Schwarzenberg Cic. 78; der ... arzt, der die krankheiten in die länge zieht Bremser 114; seinen prozess in die lnge zu z. Pfeffel pros. vers. 5, 78; den krieg in die länge ... z. Bismarck ged. u. erinn. 2, 52 volksausg.; vgl.: in die harre z. in die länge ziehen, auf die lange bank schieben H. Fischer 3, 1181; v. Bahder wortwahl 122; auch: dasz die sach ... durch appellation in grszere weitluftigkeit gezogen wird Lehman flor. pol. (1662) 2, 806; die sachen dermaszen in die enge z. (einschränken; steiermärk. 1576) österr. weisth. 10, 225; Apinus gloss. nov. 127; er zog die briefe in die enge Steinbach 2, 1099; die arcana negotia ... in die enge ... z. Leibniz d. schr. 2, 230; bedeutende stellen (am menschlichen bau sind) in die enge gezogen Göthe II 8, 8 W.; unsere ... langen bindewrter ins kurze ... z. Bürger 181 Bohtz: wenn wir dies alles ... ins kurze z. (kurz zusammenfassen) Jung-Stilling w. 3. 468 Gr.; zusammenziehen: solliche vielfeltigkeit

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(bei brüchen) mag gezogen werden in ein nutzliche einfeltigkeit M. Stifel Cosz Rudolfs 22b; es sind etliche landschaften in eins gezogen und hergegen aus einer etliche gemacht A. Olearius reisebeschreib. (1696) vorr. 2; obgleich die wrter ... in eine sylbe gezogen sind Opitz poet. 38 ndr.; Logau (1654) letzte seite (cit. sp. 806); die beyden ... zeilen in eine gezogen Lessing 8, 52 M.
γ) ein-, einbeziehen, hineinziehen: indem daz er in (den hingeworfenen handschuh) wider uffhöbet, so zichet er die gueter in gewalt (1422) Martin-L. 2, 897b; graaff Adelberts gt ward alles in des fürsten kamer gezogen Stumpf Schweizerchron. 242b; man meint ouch, der ertzbischof hette selbs des judenguts vil in sin sack gezogen Tschudi chron. helv. 1, 42;

wer zittert nicht vor edler wuth,
wenn mchtige des armen gut
in ihre vollen kasten ziehn
R. Z. Becker Mildh. liederb. 71; —

daz ich vurder nu mîn leben
ziehen wil in sîn gebot (richten auf, nach) pass. 89, 82 K.;

omnia opera scripturae sindt geczogen in den glauben, ita omnes orationes scripturae syndt geczogen in den Christum Luther 34, 1, 385 W.; oder mussen also beten, ich gleub in den bapst zu Rom, und also die christliche kirch gantz in einen menschen zihen 6, 412 W.; weil Christus gott und mensch ist und seine menscheit mit gott eine person worden und also gantz und gar in gott gezogen uber alle creatur, das er gleich an ihn klebt 26, 340 W.; 34, 2, 496 W.; wenn die heylige schrift ... nicht gezogen wird in eyn beten und dancksagen Eberlin v. Günzburg 3, 188 ndr.; — was wir in der alten historia ... gefunden haben, das haben wir in reymeweisz in die tragedia gezogen Vogelsang-Cochlaeus trag. Joh. Hussen 5 ndr.; ist solche historia kurtzlich in ein tragedia gezogen (umgewandelt) 10 ndr.; ward das schn wetter in ein regen gezogen (wandelte sich) H. Fabricius auszug bew. hist. (1599) 151; als sie (die Römer) die philosophy und allerley künst aus der griechischen sprach ... in die latinische zogen (übernahmen, -trugen) Fischart ehzuchtb. 122 H.; niemand tadle, dasz ich das persönlich-denkwürdige in die geschichte des staates gezogen habe Ranke s. w. 25, viii; darumb so wllen die bttelmünch auch schimpf in ir predig z. Eberlin v. Günzburg 1, 59 ndr.; grosmtige leute lassen sich nicht in der schlechten menschen zahl rechnen oder z. Friedrich Wilhelm sprw.-reg. u α, nr. 252; die ... mhle ..., so ... wegen weitabgelegenheit des orts in das werck (befestigungswerk) nicht gezogen werden knnen Chemnitz schwed. krieg 1, 67a; dagegen dieselbe verbindung in der bedeutung ins werk setzen, richten: so man dann solchs in das werck zeucht Dürer underweys. d. mess. T 1b; alle ding in das werck z. (ausführen, bewerkstelligen) städtechron. 22, 433; so soll in vier artickeln ... der syncretismus ins werck gezogen werden Nas antipap. 1, 179b;

sein prophecey hat nie betrogen,
jetzt wirdt sie in das werck gezogen
Spreng Ilias 2, 19a;

s. auch I E 3 u β; — deszhalben das selbig ungewitter in eyn wunderbarlich und unnatürlich ding gezogen ward (für ein ... gehalten) Carbach Liv. 420b; wann in heiliger schrift ain ... punct in zwifachen verstand gezogen (ausgelegt) wirt Berthold v. Chiemsee 50 R.; — das künstlervolk in den kreis der edelsten des landes zu z. Laube ges. schr. 2, 20; vgl. ob. I D 2 b; auch: die deutsche literatur ... in den kreis der betrachtung zu z. Ranke s. w. 31/32, 82; die trunkenheit ... Osmins zog er nicht in den bereich seiner darstellung O. Jahn Mozart 3, 118; hintersassen und unterthanen in diesen anschlag zu z. Ranke s. w. 1, 131;

o Cassius! könntet ihr
in unsern bund den edlen Brutus ziehn Shakespeare 2, 34;

Ranke s. w. 1, 115; so wird nach und nach die ganze bevölkerung mit in den kampf gezogen Göthe 42, 1, 27 W.; Ranke s. w. 1, 232; meine stellung ... würde ... mich ... in eine ... politische laufbahn z. Lev. Schücking

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an A. v. Droste-Hülshoff 200; mit ins spiel gezogen anm. gelehrs. 4, 394 Gottsch.; man zog das gemüth mit ins spiel Häuszer d. gesch. 4, 688; warum er meine angebliche originalität in das spiel gezogen hat Bismarck pol. red. 1, 320 Kohl; sie (andere leute) mit in ihre (des vaters und des sohnes) sachen ... z. O. Jahn Mozart 3, 138; ein verletztes organ zieht das andere in mitleidenschaft Dahlmann gesch. d. franz. revol. 20; Ranke s. w. 31/32, 12; den neuen pabst in sein interesse zu z. M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 404; Schiller 1, 146 G.; Stifter s. w. 1, 86; Ranke s. w. 1, 205; man zog den führer ins vertrauen Göthe 24, 365 W.; Ranke s. w. 8, 141; G. Keller ges. w. 6, 149; waren ... in das geheimnisz gezogen Schiller 8, 334 G.; Laube ges. schr. 3, 149; G. Keller ges. w. 2, 44; drumb hetten sie Christum gern in die disputation tzogen Luther 10, 1, 1, 60 W.; zog er mich ins gespräch Göthe 23, 59 W.; Chamisso w. 6, 32; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 130; häufig; auch dieses land in die einrichtungen zu z., welche man für das reich beabsichtigte Ranke s. w. 1, 72;

sit daz der furste Cunrat
in ir helfe getzogen hat Ludw. d. fromm. kreuzfahrt 2607;

welche ... ruin das churpfltzische haus ... mit sich ins verderben gezogen Chemnitz schwed. krieg 1, 4b; mit in das unglück z., das mich bedroht Pfeffel pros. vers. 5, 2; mit in den untergang gezogen Ramler einl. in d. schön. wiss. 1, 68; trahere in crimen einen angeben als des lasters teilhaftig, einen in ein laster z. Frisius 344b;

so werde ich aber in verdacht
gezogen und klaghaft gemacht
Hayneccius Hans Pfriem 33 ndr.;

A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 674; Calvisius 720; Caroline 1, 53 W.; er ... whre ... ohn alle ursach in haft gezogen Bucholtz Herkulisk. 22; man ... zieht sie ... in verhaft Archenholz Engl. u. Ital. 1, 1, 124; einem heuchler seine rede ... in eine straff z. Friedrich Wilhelm sprw.-reg. m 2 α, nr. 535; alles ... wurde mit in die untersuchung gezogen Göthe 21, 297 W.; nâch rechter wârheit sô hât eigenschaph begin von dwange unde von venknisse unde von unrechter gewalt, die men von aldere in unrechte gewonheit (zur gewohnheit gemacht) hât unde nû vor recht haben wil Sachsenspieg. ldr. 3, 42, 6 Eckh.; was der vatter in gewonheit het gezogen (Nürnb.) städtechron. 3, 84; alle die gevangen wâren unde in eigenschaph getzogen Sachsenspieg. ldr. 3, 42, 4 Eckh.; es ist aber kain kunst so gt, daz sy nit durch verkerung der miszbruchenden in böse übung mug gezogen werden Nicl. v. Wyle translat. 14 K.; mit sieben andern, die er mit in sein luderleben gezogen Schiller (räub. I 1) 216 G.; ins gemeine: Göthe 24, 244 W.;

disz aber lst sich hier nicht in vergleichung ziehen
Schlegel bei Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 7, 264;

Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 12; häufig in zweifel z., vgl.: wie noch heut ettlich in zweifel z. Berthold v. Chiemsee 81 R.; ziehe ich ... in einen groszen zweifel Pape bettel- u. garteteufel I 6a; nomencl. lat.-germ. (1634) 277; Chr. Wolff gedank. v. d. mensch. thun 41; in zweifel ... z. W. Raabe hungerpast. 3, 29; das wird mir der leser nicht in abrede z. knnen J. Kraus luth. scrupelant (1714) 125; einen grund in abrede z. Kant s. w. 9, 18; Cluverius wil ... solches ins leugnen z. (leugnen) Micrälius Pommerland 1, 56; der gemeyn man ... die ... thyer in ein verfluchung zeühet (verflucht) Eppendorf Plin. 8, 58; vgl.:

der mit schaden wart belogen
und in ein bôse wort gezogen (beschuldigt) pass. 325, 68 K.;

s. ob. b; in reife berathschlagung ... z. (reiflich berathen) act. publ. d. schles. stände 2, 110 P.; in acht z.: 1, 22 P.; in beratung z.: Ranke s. w. 8, 78; umstände ... in betrachtung z. Fleming vollk. sold. 166; anm. gelehrs. 1, 88 Gottsch.; Schiller 9, 151 G.; dafür heute in betracht z.: Chr. Wolff ged. v. d. mensch. thun 158; Ranke s. w. 8, 19; bürgerl. gesetzb. § 343; in überlegung z. Lessing

[Bd. 31, Sp. 993]