Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziegentod bis ziegerauge (Bd. 31, Sp. 929 bis 932)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -tod, m., aconitum napellus, groszer eisenhut, so genannt, weil sein genusz den ziegen schädlich ist: Noel Chomel 3, 830; Schkuhr 2, 86; Holl 82a; Dietrich 1, 92; Perger 1, 150; Prahn 151; Pritzel-Jess. 9b; in der Steiermark eine andere giftpflanze, die herbstzeitlose: Unger-Kh. 651a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-unschlitt, m., gleich -talg; vielfach als älteres heilmittel: ziegenuntzlit Bapst v. Rochlitz artzneib. 60; fischbüchl. 33; als kittbeimengung: Hohberg georg. 2, 455; als angelköder: haush. in vorwerk. 199; in einem mittel gegen das schwären der gedärme: allg. haush.-lex. 3, 5. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-vieh, n., coll. für ziegen: caprigenum pecus z. Corvinus 146; Harsdörfer Montemayors Diana 3, 115; wie aber das z. den grten und bumen, also sind die schweine den wiesen und feldern zu frchten Hohberg georg. 2, 304; daher in der braunschweig. forstordnung von 1692 das abschieszen des z-s in den forsten angeordnet wird: Schwappach forstgesch. 1, 376; das allg. haush.-lex. 3, 599 empfiehlt die haltung des z-s wegen seiner anspruchslosigkeit und des reichen milchertrages; Musäus volksmärch. 1, 53 H.; sie wissen ..., dasz ich keine schweine hüte, sondern nur ziegen- und schafvieh Immermann 5, 184 B.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-volk, n., gehobener ausdruck für -vieh: Gries Bojardos verliebt. Roland 1, 99; Immermann 2, 68 B.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ziegenweide, f., weide für ziegen: J. H. Vosz Odyssee 242 B.; W. H. Riehl gesch. aus alt. zeit 1, 320; häufiger war es, dasz nur die ziegen-, schaf- und eselweide verboten oder beschränkt wurde Bernhardt waldeig. 1, 109. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-wolle, f., gilt bei uns nicht rechtes, daher wie bei dem synonymen -haar die redewendung: zancken, haddern und leichtfertig streiten oder, wie man sagt, von der ziegenwoll streiten (de lana caprina disputare) Amos Comenius janua (1644) 298; K. F. Paullini

[Bd. 31, Sp. 930]


zeitkürtz. lust (1695) 670; wird ... viel gezankt, meistens über einen eselsschatten, über z., über dunst und rauch J. V. Andreä bei Herder 16, 139 S.;

doch komm nur, alter knab, und lasz das geifern;
wer wird um ziegenwolle sich ereifern?
F. P. Heckert gereimte prosa 1, 37;

das haar der Angora- und Kaschmirziege dagegen sehr geschätzt und bestens verwertet: Prechtl techn. enc. 7, 279; Ritter erdk. 3, 550; Lueger lex. d. techn. 1, 326; adj. -wollen: Ritter erdk. 19, 946. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-zitze, f., auch eine art spitzen, deren zacken ähnlichkeit mit dem euter von ziegen haben: zegentitten Richey id. hamb.2 349; brem. wb. 5, 310; Schütze holst. id. 4, 381. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-zucht, f., haltung und hegung von ziegen, vortheilhaft in gebirgsgegend: dieses land ist vol gebrge und eigendlich zum gerstenbaue geschickt, als auch zur z., derer man alda sehr viel findet Olfert Dapper Africa (1670) 305; allg. haush.-lex. 3, 794; Zschokke s. ausgew. schr. 6, 47; der landwirtschaft schädlich: wo z. herrscht, ... gedeiht nichts mehr Holtei erz. schr. 4, 20; hdwb. d. staatswiss.2 5, 134.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zieger, m. , in Vorarlberg f.,
1) käse aus molken, in der Schweiz und Tirol aus dem eiweisz und fett der molken (s. d.) gewonnener halbkäse, dessen flüssige ausscheidung schotten (s. d.), das aber auch schon das erste käsewasser (molken) bezeichnet, heiszt; vgl. Stalder 2, 473; Frommann maa. 5, 487; Tobler appenz. 457b; Schmeller-Fr. 2, 1094; Kretschmer wortgeogr. 563; nur bei der fettreichen alpenmilch möglich, wie schon Adelung2 4, 1704 bemerkt; zunächst eigentlich nur die feste masse, die für sich eszbar ist, dann der daraus bereitete käse (ziegerkäse oder z.). die herstellung geschieht durch erhitzen der süszen molken fast bis zum kochen und zusatz stark saurer molken oder nachweins (lauer), wodurch sich die eiweiszstoffe ausscheiden: Meyers lex.7 8, 621; s. die schilderung unter ziegern, verb. (unt.); nach Schöpf 645 ist im Zillerthal der auffer (obere) schotten der beim absieden des käsewassers aufsteigende süsze käsestoff, bodenschotten der zu boden sinkende saure; aus beiden zusammen wird der schottenz. oder eigentliche sauerschotten bereitet; im kanton Glarus verwendet man den steinklee, melilotus, zum fällen des z-s aus dem rückstande der mageren käse; dieser z. heiszt schabz. oder grüner z.: Stalder 2, 473; s. auch ziegerreibe. in nördlicheren gegenden nicht überall mehr in dieser bedeutung, so im Elsasz nach Martin-L. 2, 894a meist der aus der entrahmten sauermilch bereitete quark oder weisze käse; im Allgäu saurer z. genannt, während der vom molken befreite, festgewordene schotten süszer z. heiszt: K. Reiser sag. d. Allg. 2, 746; auch in Schwaben gilt neben dem strengen begriff die bedeutung des aus gestandener milch gewonnenen käses: H. Fischer 6, 1195; vgl.: z. halbkäse, auch topfen Unger-Kh. 651a; Seiler Basl. ma. 325a kennt noch faulen z., d. i. z., den man in einem gefäsz gären (faulen) läszt. der weiche z. wird in seiner heimat mit allerhand zuthaten (salz, kümmel, rahm: Seiler; rahm, kümmel: Martin-L.) genossen; in butter gebacken, eine lieblingsspeise der melker: Martin-L.; mit süszmilch gemischt, gibt z. die beliebte ziegermilch: ebda. bereits aus alter zeit bekannt: ziger seracium Graff 5, 631; mhd. wb. 3, 877b; Lexer 3, 1110; lac pressum Diefenbach gl. 314b; seracium ziger, z., zegerich 529a; n. gl. 336a; formadius 179a; früh als abgabe erwähnt: daz guot gilt ein cigern (1287) bei Schmeller-Fr. 2, 1094 (s. d.); die z., kesz und die lember, die järlich uff ostren von B. gefallent bei H. Fischer 6, 1195 (s. d.); (14. jahrh. Zürich) weisth. 1, 4; Buck flurnamenb.2 307; wilt du machen ein cyger von mandeln buch v. gut. speise 22 lit. ver.; kuchenmeisterei (1519) C 2b; Ryff confectb. 263b; für die rhur ... nim jungen ziger, der nicht uber 3 tag alt ist, brat ihn auff einem rosch ... und isz ihn Gäbelkover artzneyb. 1, 252; ausz kesz, ancken oder butter und z. hat das land jrlich ein grosze losung S. Münster cosm. 402;

ksz und ziger was ir spysz
P. Gengenbach 13 G.;

[Bd. 31, Sp. 931]



ich hab nun gesamlet schier zwenzig jar
an käs, ziger, würst, hammen und allerlei war
N. Manuel v. papst u. s. priestersch. 441 B.;

also behalf ich mich auf dem land mit milch, kse, ziger, butter und etwan ein wenig brot Grimmelshausen Simplic. 534 ndr.; dann si win, korn ... koufftend und brachtend dargegen ir mulchen, ksz, ziger und ancken in ir statt ze verkouffen Tschudi chron. helv. 1, 322; graszgrüne schabziger ... ziger von Glaris Fischart Garg. 79 ndr.; etwann htt er (der verlorene sohn) gern schweitzerische zger gessen? auch nicht A. a s. Clara Judas 1, 275; — die milch ist ein mysterium des ksz, der butter und zigers und dergleichen Paracelsus op. (1616) 2, 2a Hus.; der z., dwarck oder kesz darvon abgesundert Thurneyszer alchym. 8; du dörftest dir ... eingebildet haben, du seiest der erste gewesen, der den süszen milchraum abgehoben; ach nein, du tropf, du bist betrogen ... darumb dir nur der zeiger (!) gebührt Grimmelshausen landst. Courasche 23 ndr.; ziger, ksz und ancken von genampter (vorbenannter) milch gemacht Forer Gesners thierb. 59; ist ein immi so vil milch, dasz es ein ziger geben mge Tschudi chron. helv. 1, 15;

so macht des volkes kraft aus milch der alpen mehl.
hier wird auf strenger glut geschiedner zieger dicke
Haller ged. 30;

das gewicht des ... käse zu dem des z-s verhält sich ... wie 100: 16—18 Just. Liebig hdb. d. chem. 1341; an festem käse erhält man aus 100 l milch ca bis 11 kg (butter) ... und an sogenanntem z. 3—4 kg Schwerz ackerb. 833; es ist gar ein schönes land, das Oberland, aber gar ein armes ..., da kann man an der fasnacht z. essen, der ist wie torfsteine statt küchlein Jer. Gotthelf ges. schr. 8, 212; man trocknet die blätter (des steinklees), reibt sie zu staub und mengt sie mit dem käse oder z. (um schabz. zu bereiten) Schlechtendal flora5 23, 223 H.; Karmarsch-H. techn. wb3 6, 145; — 1 stötzl zu ziger Zingerle inv. 61; an hörbst, wan das vieh von der alpen geht, nach dem selben sol der senn drei tag oben auf der alpen verbleiben, die kaas und ziger zu verhieten (1555 tirol.) österr. weisth. 5, 38; (17. jahrh. tirol.) 2, 27; (1427 tirol.) 4, 351; (15. jahrh. niederösterr.) 7, 734; sprw. redewendung: o ich hab so genug als der hund, der zuviel z. gefressen Kirchhofer schweiz. sprw. 282;

ziger ist mi schwiger,
naschet zieht mi nieder,
alte käs lupft mi widder uf,
nidle salbet mir der buch
Wander 5, 579;

wbb.: Calepinus XI ling. 1307b; Hulsius-Rav. 431b; der ziger, zyger al. schotten a schütten serum lactis Stieler 2631; zyger, ziger, m., Kramer teutsch-it. 2, 1502c; Aler 2, 2246b; Frisch 2, 473c; Adelung2 4, 1704; Campe 5, 861a. — dim.: -lein, schweiz. -li: eine bestimmte, in form gebrachte menge z. Tobler appenz. 457b; z. epistomium, ra.: einem das z. abschlagen depellere aliquem a culullo, potatione Aler 2, 2246b; Lexer 3, 1110. — nach J. U. Hubschmied in vox romanica 1 (1936) 95 aus gall. *dwi-gro-s 'zweite erwärmung' herzuleiten.
2) abweichende bedeutungen,
a) auf den alpen des Thunerseegebietes bedeutet z. eine milchmenge von 10, auch 12 pfund: Stalder idiot. 2, 473; weitere nachweise und deutungsversuch in vox romanica 1, 93;
b) übertr. die geronnene feuchtigkeit in den augenecken, der augenkäse: verhertete oder ruhe füchtigkeit in augen, das gemeine volck nennt es ziger in augen Frisius 609a; augenziger 762b; Maaler 521d; gramiae augenbutzen, ziger oder ksz in den augen Golius 252; Calepinus XI ling. 624b; Wiederhold 436b; zyger ... butter in augen Stieler 2631; Kramer teutsch-it. 2, 1502c; Blancard med. wb. 344; ziger in den augen Aler 2, 2249b; augenzyger Dasypodius bei Frisch 2, 474a; Popowitsch vers. 28; Adelung2 4, 1704; Hunziker Aarg. wb. 309; Seiler Basl. ma. 325a; H. Fischer 6, 1195; Martin-L. 2, 894a;
c) einige andere aus 1 flieszende anwendungen bei H. Fischer 6, 1195: der aus der ersten kuhmilch bereitete kuchen; gebackene küchlein; speise aus süszer und gestandener milch leicht gekocht, mit etwas mehl, für kranke und wöchnerinnen; wie 2 b,

[Bd. 31, Sp. 932]


mundfäule der kinder, oder vom faulen z. (s. 1) benannt;
d) z. oder zigeradern nennen die Schweizer im canton Glaris, wo der tafelschiefer bricht, die horizontal zwischen den schieferlagern liegende quarzadern, so kaum ein achtel zoll mchtig sind, wenn sie aber tohnlegig oder senkrecht einschieszen, heiszen sie glsz bergm. wb. (1778) 620; Voigt min. id. 326; nach Adelung2 4, 1704 vermutlich wegen der ähnlichkeit in der farbe mit z. 1;
e) weniges, kurzes, weiszes gras auf sehr mageren weiden: Tobler appenz. 457b; anthriscus silvestris, kälberkropf (in Glarus): Pritzel-Jess. 33b; dim. -lein, -li: cardamine pratense, wiesenkresse 79b; malva pusilla, pappelkraut 279b. — zss.: augen-, berg- (Stalder 2, 473), schab-, schottenzieger.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zieger- in zss. und ableitungen; vorweg enge fachausdrücke für gebäck und speisen: -ballen schweiz. id. 4, 1152; -bitschgi 1944; -bock 1133; -brat 5, 871; 887; -braut 1002; -brühe 553; Lexer 3, 1110; -buseli schweiz. id. 4, 1742; -fladen 1, 1168; Martin-L. 2, 894a; -kleb schweiz. id. 3, 610; -krapfen 844; -kuchen 143; H. Fischer 6, 1195; -kugel schweiz. id. 3, 190; -läpplein H. Fischer 6, 1195; -ling -käse Lexer 3, 1110; Tobler appenz. 457b; -molke serum Closener voc. (1383) zs. f. wortf. 2, 184; -molle H. Fischer; -nudeln ebda; -ring ebda; -rost schweiz. id. 6, 1522; -rugele 762; -schnitte 9, 1364; -schwetti 2244; Stalder 2, 473; -spatzen H. Fischer 6, 1196; -stopfer ebda; -tatschen ebda; -totsch ebda; für bereitung und geräthe: -bauer schweiz. id. 4, 1513; -brosmen 5, 806; -fasz 1, 1054; -feim 825; -fisch 1105; fischele 1108; -gans 2, 372; -gärnlein 425; -hafen seria (sc. olla) Diefenbach gl. 529b; -kelle Noel Chomel 8, 1065; schweiz. id. 3, 202; -kübel 116; -läufer 1147; -mühle 4, 191; -rinde 6, 1040; -ruffle 639; -rumpf 950; -säbel 7, 37; -sammler 924; -schindel 8, 923; -schüssel 1485; -schroten 9, 1689; -speicher 10, 43; -stotze H. Fischer 6, 1196; -teste Zingerle inv. 136; -trummen Scheuchzer phys. 1, 32; -vätterlein schweiz. id. 1, 1132; für wirtschaft und vertrieb: -fresser 1328; -krämer 3, 816; Tobler appenz. 457b; -manger schweiz. id. 4, 328; -mann (zigerli-) 287; -scheit 8, 1504; -träger Tobler; für pflanzen: -brändli orchis ustus schweiz. id. 5, 684; -kehr euphrasia officinalis 3, 434; -klee melilotus coerulea 609; -mies ein weiszes moos 4, 469; für güter und geländetheile: -gut 3, 1305; -hof H. Fischer 6, 1195; -land schweiz. id. 3, 1305; -loch 1041; Stalder 2, 473; H. Fischer 6, 1195. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-auge, n., mit zieger 2 b behaftetes auge: Hulsius-Rav. 431b; Wiederhold 436b; zygeraugen haben mit dem zieger behaftet sein Kramer teutsch-it. 2, 1502c; Campe 5, 861a; z. geringer grad von triefaugen Seiler Basl. ma. 325a; Martin-L. 2, 894a; 1, 22b; zigeraug einer dem herte feüchtigkeit oder ziger in augen wachszt, gymniosus Maaler 521d; Martin-L. 1, 22b; adj. -äugig: Hulsius-Rav. 431b (444b); Kramer teutsch-it. 2, 1502c; dim.: -äuglein: myosotis palustris, blauer augentrost (Luzern) Pritzel-Jess. 241b; Stalder 2, 473. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: