Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziegenhaar bis ziegenhorn (Bd. 31, Sp. 924 bis 926)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ziegenhaar, n., das haar von ziegen: z. und -hörner mit feuer angezündet, vertreibet die schlangen und den gift viehbüchl. (1667) 65;

pfundleder musz ihr nicht die lippen berziehen,
der leib nach ziegenhaar und zwiebeln ja nicht rchen
J. Chr. Männling poet. blumengart. 516;

als hebopfer 2. Mos. 25, 4; 35, 6; W. Linck evang. am erst. sonnt. d. fast. (1524) A 2a; Hulsius-Rav. (1616) 430b; Zehner nomencl. 239; Wiederhold 435b; Kramer teutsch-it. 2, 1449c; ein z. ist freilich nicht viel werth, daher: das so viel ist und auf sich hat, als ein ziegenhar ist Schupp schr. (1663) 414; dasz sie selbige (kunst) ... nicht einer bohne, nicht eines z-s whrt achten Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 286; und: sich umb ein z. oder umb etwas, das der rede nicht werth ist, zancken Corvinus fons latinit. (1646) 145; J. H. Benner 3 (1748) 72; sprw.: sie hadern um ein z. Düringsfeld 1, 346b; um so mehr aber viele, da sie sich zu allerhand dingen verarbeiten lassen, vgl. Zincke öc. lex. (1744) 3349; allg. haush.-lex. 3, 795; Meyers lex.7 12, 1774: gesponnen und zu teppichen geknüpft, vgl. die elf teppiche aus z. zur stiftshütte 2. Mos. 36, 14; die berühmten teppichwebereien aus dem schönsten z. Ritter erdk. 3, 604; zeuge: ein frühes zeugnis für kleidungsstücke aus z-en bei Gregor v. Tours hist. Franc. 9, 6; zeug von z. baracano Kramer teutsch-it. 2, 1449c; camelot zeug von z-en Kinderling reinigk. 160; Lohenstein Armin. 2, 408b; aus z-en verfertigtes hemd Zimmermann eins. 1, 249; Ritter erdk. 7, 217; Lueger lex. d. techn. 5, 403; strümpfe aus z-en M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 6, 218; filze: ohrenkappen aus z. Ratzel völkerk. 3, 228; (hüte) Karmarsch-H. techn. wb.3 4, 436; treibriemen: 9, 584; weiche bürsten: 2, 162; im bes. ist z. eine bezeichnung für die ... sogenannten ... falschen haare, welche in manchen schafwollen vorkommen 11, 308; endlich darf die haut des schafes (beim scheren) nicht verletzt werden, weil ... auf den narben grobe, sogenannte ziegen- oder hundehaare wachsen Schwerz ackerb. 852; zu perücken oder bärten verarbeitet: eine perücke ... aus z. Lichtenberg hogarth. kupferst. 3, 200; Zachariä poet. schr. 1, 200;

es wollt ein schneider hochzeit han ...
es war ein knab von achtzehn jahrn,
der hatt einen bart von ziegenhaarn volkslied. 948 Mittler;

ich hab ihm einen weiszen knebelbart von z-en umgebunden G. Freytag ges. w. 2, 10; vom haar des Silen: Silen ... mit ... zottigem weiszen z. und ziegenbart

[Bd. 31, Sp. 925]


Welcker alte denkm. 4, 38; zss.: -perücke, f.: Knigge Wildenburg 3, 161; -pinsel, m.: Prechtl techn. enc. 11, 134; -zelt, n.: Ritter erdk. 9, 217. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-haft, adj.: z-er name (der insel Caprara): Lindenborn Diog. 1, 680; in den ersten tagen meines z-en lebens Immermann 2, 71 B.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-hainer, m., ursprünglich ein dornknüppel aus den zweigen des herlitzenstrauchs, auch kornelkirschbaum (cornus mas) genannt, vornehmlich beim dorf Ziegenhain bei Jena entnommen; vgl. Fr. L. Jahn bereicher. (1806) 63; nach Kluge studentenspr. 135b zuerst 1795 erwähnt; versehen mit derben ziegenhaynern Laukhard leb. 5, 51; von Jena an wohl alle anderen universitäten übernommen und nun der gewöhnliche studentenstock, dessen dickes ende man merkwürdigerweise nach unten trug, wie bei einer keule, seit 1813 nach Kluge 135b bezeugt; z. geben mit einem z. durchprügeln (1813) Kluge, auch ein verb. z-n im selben sinne ebda, vgl.: Philiester, jetzt sagge, was sie iest, odder ich ... ziegenheinre dich! G. A. v. Maltitz alt. stud. 50; reiche liter. belege: L. Wienbarg Menzel 4; ein vorsitzender dirigirte mit dem z. H. Laube ges. schr. 1, 58; Bettine Günderode 2, 116; ein z. von echtem hörlitzholz mit den eingeschnittenen namen der freunde Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 53; Holtei erz. schr. 28, 57; Bauernfeld ges. schr. 7, 3; A. Pichler n. markst. 50. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-hären, adj., von ziegenhaaren: ziegenharene decken Ruysbroeck stiftshütte 30b; -härin zeug barracan Ludwig teutsch-engl. 2587; Klam. Schmidt bei Campe 5, 860b; einen ziegenhärnen seufzer flüstern A. v. Droste-Hülshoff br. 222 Card.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-haupt, n.: ein z. genosz nach den dial. Gregors 3, 28 bei den Langobarden göttliche ehren: myth.4 1, 26; Scherer litg.7 14; Lexer 3, 1110; übersetzt das lat. aries: die mauer ... ward ... mit dem bock oder zygenhaupt zerstoszen Carbach Liv. 267b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-haut, f.: zigenhiute Ottokar österr. reimchron. 7382 S.; egis schilt, der mit eyner ziehenhud ist bezogen Diefenbach gl. 197a; es sind ... die eltesten bcher ... auf pergamen oder geliederte schaf- und ziegenheute geschrieben Mathesius Sar. (1571) 104a; ziegen- oder geiszhaut zugericht, dasz man wein oder öl darin thue Hulsius (1618) 283a; aufgeblasen als flosz dienend: Lohenstein Arm. 1, 492b; eine tasche von z. Amaranthes frauenz.-lex. 275; zu weichen handschuhen verarbeitet: Holtei erz. schr. 35, 51; ballen thee, der in ziegenhute genht ist Ritter erdk. 3, 134; s.-fell; auf die magerkeit spielt an:

was hat der schneider für eine braut?
eine ausgestopfte ziegenhaut volkslied. 948 Mittler;

dazu ein adj.: eine ziegenhäutne kniehose Rosegger I 6, 379. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-herde, f.: dein har ist wie die ziegenherd, die beschoren sind auf dem berge Gilead hohel. 4, 1; Göthe 37, 304 W.; Steinbach 1, 738; Wieland Luc. 3, 265; Göthe 41, 1, 270 W.;

dort klingeln hell der ziegenheerde schellen
Salis ged. 93;

Hölderlin 2, 74 Litzm.; die öden gebirge des südens sind förmlich bedeckt mit z-n Brehm 3, 171 P.-L.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-hirsch, m.: capricerva Oken allg. naturg. 7, 1353. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-hirt, m.: czygenhirte Claus Cranc prophet. 351 Zies.; caprarius Diefenbach gl. 98a; emoicus 202c; ermoncus 208b; aegonomus Calepinus XI ling. 44a; caprarius 196a; geisz- oder z. Golius 50; z. caprario Hulsius (1618) 282b; Stieler 815; u. a.; kh- und z-en Lohenstein Arm. 2, 152b; der z-e Melanthios J. H. Vosz Odyssee 317 B.; wenn im idyll bei Theokrit ziegen- und schafhirten im wechselgesange kämpfen H. Brunn kl. schr. 3, 174; es ist uns ohnmglich, uns etwas niedertrchtiges und grobes gefallen zu lassen, wenn es auch noch so griechisch besungen und noch so sehr im kostume der z-en wre Haller tageb. 1, 296; ein z. trieb an den strand des meeres; die ziegen kamen und kühlten sich ab Göthe 32, 16; IV 25, 59 W.;

nur selten hallte
ferneher der gesang des ziegenhirten
aus dem thal
Waiblinger ged. aus Ital. 1, 44 Gr.;

[Bd. 31, Sp. 926]


G. Keller ges. w. 10, 179; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 91; dazu -hirtin, f.: L. Richter lebenserinn. (1909) 262; Rosegger III 6, 19. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-holz, n., holz der kiefer, föhre, pinus silvestris, s. ziege II 2: Adelung2 4, 1702; Campe 5, 859a; Mothes baulex. 4, 509; irrig für die föhre selbst bei Hübner zeitgslex.31 4, 1018a; Holl 101a; Metzger pflanzenk. 284; Pritzel-Jess. 281b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-horn, n., horn einer ziege; kopfschmuck der ziege: geweihe ohne absetze hinterwerts, als ziegenhrner gekrmmt A. Olearius pers. reisebeschr. 237; J. Prätorius Katzenveit J 3b; zur verkleidung maskierten personen aufgesetzt: G. Keller ges. w. 7, 171; übertr.: mit diesen ziegenhrnern knte die nase (Johann Naso) ... aller propheten und aposteln schrift verwerfen Nigrinus abdank d. antigratulation Joh. Nasen G 3b; vgl. Ecks aufforderung an Luther, er solle ... endlich eine klare antwort geben ohne hörner und mantel A. Hausrath Luthers leb.3 1, 439; wappenzier: (sie) fhren ... aufm helm ein z. Micrälius alt. Pommerland 6, 497; dient als trichter: geusz ihm (dem pferd) mit einem z. oder durch eine schrape ein J. Walther pferdez. 112; blasgeräth:

schwegel, klein flöt, platerspiel, sackpfeifen
mus man all durch fingerlöcher greifen,
zigenhörner, rüspfeif nicht vergessen,
denn sie werden dissen gleich gemessen
M. Agricola mus. instrum. 9;

der hornstoff wird, weil starken gestank erzeugend, zum räuchern benutzt: ziegenhaar und -hrner mit feuer angezndet, vertreibt die schlangen und den gift viehbüchl. (1667) 65; das z. und -haar brauchet man zum ruchern in pestzeiten, um die von der schweren noth oder mutterbeschwerung befallene dadurch zu ermuntern allg. haush.-lex. 3, 795; lex.: Stieler 776; Kramer teutschit. 2, 1449c; älterer name der pflanze siebengezeit, -zeiten, trigonella foenum graecum: Golius 380; Noel Chomel 4, 310; Schlechtendal 23, 199; Dietrich 1, 127; Holl 383b; Perger 1, 185. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: