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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziegenbein bis ziegendill (Bd. 31, Sp. 920 bis 922)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -bein, n., 1) bein, fusz einer ziege: mhd. Lexer 3, 1109; er forne ... ein paar rauhe z-e bindet Leipz. avant. 1, 105; Welcker alte denkm. 4, 27; die füsze (tragbarer altäre) haben ... häufig die form von z-en Mothes baulex. 1, 79; ein ziegenbeiniger, ein satir: Rädlein (1711) 1093a. 2) ein alter und verbreiteter name der kornblume, centaurea cyanus, nach der rauhheit des stengels; schon ahd. cigenbein iacea ahd. gloss. 3, 530, 7; Diefenbach gl. 311a; Pancovius (1673) 145; Adelung2

[Bd. 31, Sp. 921]


4, 1703; Campe 5, 860b; Popowitsch vers. 277; Schkuhr 3, 159; v. Perger 1, 226; Holl 107a; Hertel Thür. 264; (schles.) Pritzel-Jess. 87b; K. Gusinde ma. v. Schönwald (oberschles.) 207b; mitt. d. schles. ges. f. vke 16, 157; (Nordböhmen) Söhns pflanz.6 200; Frischbier preusz. wb. 2, 492b; ziejaben treibt a pauer vom biere hem Rother schles. sprw. 32b; cyanus montanus, berg- oder waldz. (1728 schwäb.) bei H. Fischer 6, 1194. —
 
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-beinig, adj., mit ziegenbeinen: H. Meyer gesch. d. bild. künste 3, 37; den z-en Pan H. Brunn kl. schr. 3, 161. —
 
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-blume, f., osterblume, anemone nemorosa: (götting.) Schambach 308a; Flemes wb. d. kalenb. ma. nachtr. 2, 113; (braunschw.) Söhns pflanz.6 24; adonis vernalis: (bei Küstrin) Pritzel-Jess. 11b. —
 
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-blut, n.: das schweinin blt vor anderm vichsblt gesunder sei, ... zum letsten das geyszen- oder zygenblt Ryff spieg. d. gesundth. (1544) 50b; er ... küste anstatt seines sohnes das anklebende z. Grimmelshausen 4, 738 Kell.; ziegenmarck sampt dem z-e wiederstrebet auch der gifft und der wassersucht Bapst v. Rochlitz artzneib. 292;

und warmes bock- und ziegenblut
soll diamanten brechen
Neukirch ged. 26. —


 
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-bock, m., 1) das männliche ziegenthier, auch nur bock genannt: z. Hulsius-Rav. (1616) 430b; Wiederhold 435b; Stieler 205; Kramer teutsch-it. 2, 1449c; caper, hircus Steinbach 1, 142; Frisch 2, 473c; Adelung2 4, 1703; Campe 5, 860b; in der nordbair. ältesten bibel ist für überwiegendes bock doch auch zigenbock gebraucht 4. Mos. 7, 40 (ab 1475 bock); Hes. 43, 22; 3. Esra 8, 15 (ab 1475 kitzen); Hes. 43, 25 und 45, 23 erscheint für z. seit 1475 die merkwürdige form zigerbock (s. auch unt. -kraut); der böhm. Wenzelbibel ist z. zuständig: czwen czigenpcke 3. Mos. 16, 5; 4. Mos. 28, 30; ebenso der preusz. prophetenübersetzung des Claus Cranc: czegenbok Hes. 43, 22; in Luthers bibelübersetzung das übliche wort, vgl.: da namen sie Josephs rock und schlachten ein z. und tunckten den rock im blut 1. Mos. 37, 31; 11, 380 W.; auch von H. Sachs gebraucht:

wie hast du halt so schöne löck,
gleich wie die herrling zigenböck 10, 210 K.;

von Kirchhof wendunm. 2, 17 Ö.; buch d. liebe 293d; die unt. ziege II 2 beachtete schreibung ziehen- gebraucht G. Nigrinus v. brud. Joh. Nasen esel (1570) H 1b; ist ein streitbares thier: allgem. haush.-lex. 3, 797; daher auch Hagedorn poet. w. 3, 57 die grammatiker streitbare ziegenböcke nennt; vgl.: ist ... in gefahr, dasz ihm irgend ein solcher grammatischer z. entgegen meckert Bürger 370b Bohtz; auf die barttracht gelehrter leute anspielend: wenn der bart gelehrt machte, so were ein z. auch wol gelehrt Petri d. Teutsch. weiszh. 2, A aa 8a; J. Riemer mediz. maulaffe 476; redensart den z. barbieren: Bechstein märchenb. 12; vergleich mit einem mutwilligen, springenden z.: wir ... sprangen ber die cker wie die jungen ziegenbcke Zendorius wintern. 113; du springst ja wie ein z. Eichendorf s. w. 3, 75; vielfach; gilt dem aberglauben als reitthier der hexen: Hippel kreuz- u. querzüge 2, 65; Löwen schr. 3, 11; auch von zwergen: man sagt, das sie (die zwerge) im frling sich versamlen, mit bogen und pfeilen sich rsten und auf den ziegenbcken hin an das ufer des meeres reysen Gabr. Rollenhagen indian. reys. 57; sonst: der alte aberglauben meckert wie ein z. im dunkeln M. Claudius Asmus 3, 90; sein gestank wird getadelt: D. v. d. Werder ras. Rol. 17. ges., str. 19; danach vergleichend von geilen menschen:

Sebald hiesz sein Elsz ein tock,
stanck doch als ein ziegenbock
Voigtländer od. u. lied. 83;

sodax ... geil, vorwitzig, der da leckt und springt wie ein z. Corvinus fons latinit. 729; spottname des schneiders, der in vielerlei weise mit dem z. in beziehung gesetzt wird:

und als die schneider nach hause wollen, ...
da reiten ihrer neune
auf einem ziegenbock deutsche volkslied. 948 Mittler;

[Bd. 31, Sp. 922]



ein schneider und ein ziegenbock,
ein leinweber und ein igelkopf Venusgärtlein 30 ndr.;

Schnabel ins. Felsenb. 2, 414; eigentlich sei es ... schlecht von einem schneider, dasz er den teufel läugne, und seien sie doch beide vettern vom z. her Jer. Gotthelf ges. schr. 8, 231; er ziejenbock schimpft die hökerin hinter einem schneidergesellen her bei Glaszbrenner Berlin wie es ist 2, 19;

he, heraus! du ziegenböck!
schneider, schneider, meck, meck, meck!
W. Busch Max u. Moritz 18;

sogar auszerhalb dieser sphäre: (ich) höre, dasz er der z. (schneider) des ortes ist fürst Pückler br. 5, 190; —

trauben trägt der weinstock,
hörner der ziegenbock
Göthe (Faust 2285) 14, 109 W.; —

caper ein verschnittener z. nomencl. lat.-germ. (1634) 171; der gestank eines verschnittenen z-es läszt nach, und er nimmt an fett zu: Marperger küchendict. (1716) 1342a; in den maa. nicht häufig: Bauer-C. 106a; Hofmann niederhess. wb. 269a; Spiesz henneb. id. 289; Müller-Fr. 2, 703b. 2) kornblume, centaurea cyanus, seltener als ziegenbein (s. ob.): (schles.) Schwenckfeldt 57; Schkuhr bot. handb. 3, 159; Nemnich bei Campe 5, 860b; Holl wb. d. pflanzenn. 107a. — dim.: -böckchen: ihre poetischen z. H. Heine 3, 52 E.; Cl. Viebig schlaf. heer 1, 128; -böcklein: richt. 6, 19; 13, 15; 19; 15, 1; 1. Sa. 16, 20, wo die älteste bibel zicklein (zickel richt. 13, 15) und von 1475 ab kitzlin setzt; Wickram 8, 190 B.; H. Sachs 15, 184 G. (nach richt. 15, 1); Ryff spieg. d. gesundth. 111b; Wirsung artzneyb. reg. unter z. verweist auf kitzlen; blut eins jungen z-s Grimmelshausen 4, 732 Kell.; die lungen von einem z. gekocht und gegessen soll denen wol dienen, die das wasser nicht halten knnen Hohberg georg. cur. 2, 303; Jer. Gotthelf ges. schr. 17, 79; Rosegger wildl. 303. —
 
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-bohne, f., ziegenkot: Hugo v. Trimberg renn. 4136 E.; (md.) Lexer 3, 1110; rudor czegenbone (irrtümlich -boum) Diefenbach n. gl. 321b; stercoris caprini bacca geyszbonen oder ziegenbonen Zehner (1645) 331; J. G. Schmidt rockenphil. 2, 221; Pfeffel poet. vers. 1, 64. —
 
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-brachse, f., sargus, brachsenart: sollen nach älteren berichten die am ufer weidenden ziegen lieben und zu ihnen heranschwimmen: Huld. Frölich offenb. d. nat. (1591) 268; Coler hausb. 503; vgl. Brehm 8, 55 P.-L.
 
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-braten, m.: Schwan n. dict. 2, 1103b; K. O. Müller Dorier 2, 275; A. Stifter s. w. 5, 1, 73. —
 
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-bube, m., knabe als ziegenhirt, schweiz., tirol.-österr. wort, obwohl gewöhnlich geiszbub: Pestalozzi Lienh. 2, 121; A. Stifter s. w. 1, 186. —
 
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-butter, f., butter aus ziegenmilch: Stieler 263; Kramer teutsch-it. 2, 1449c; Steinbach 1, 234; Ritter erdk. 2, 776; sie ist weisz: O. Sprengel chem. f. landw. 2, 633. —
 
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-dill, m., conium maculatum, gefleckter schierling: Chr. Fr. Reusz dict. bot. (1786) 480a; Dietrich 3, 265; Holl 325b; (schles.) Pritzel-Jess. 107b. —

 

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