Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziegenbart bis ziegenbohne (Bd. 31, Sp. 919 bis 922)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -bart, m., 1) bart einer ziege: a goat's beard Ludwig teutsch-engl. 2587; dieweil er sonst, wie seine redensart lautet, um einen z. (um ein nichts, vgl. DWB um des kaisers bart; s. auch ziegenhaar) gestritten haben wrde J. H. H. Benner Herrnh. 3 (1748) 163; (pommersch) Germ. 18, 22; als betheuerungsausdruck, fluch:

bocks ziegenbart heut diesen tag,
war eben disz auch meine frag
Gilhusius gramm. 67;

ebenso botz z. (schwäb.) C. Dieterich weish. 2, 721; wbb.: Adelung2 4, 1703; Campe 5, 860a; dim. -bärtlein noncolae, mamillae sub rostro caprarum pensiles Steinbach 1, 68. 2) der lange und spitze bart eines mannes, nach art des bartes einer ziege: einer . .., der einen grnen z. gehabt hette disc. v. d. kippern u. wippern B 2b; unser comptor were gutt zum maler, das ehr aus seinem z. pensel machte S. Grunau preusz. chron. 2, 454; auf den träger anspielend:

sein alter ziegenbart war reif genug zum grabe
Neukirch ged. 202;

gehren diese lange ziegenbrte euch zu, oder gehret ihr den brten zu? Holbergs dän. schaub. 4, 219; Lindenborn Diog. 1, 609; Wieland Lucian 2, 379; Göthe 4, 319 W.; polnische Juden mit dem z. Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 5, 261; allgemein; zägenpört langes kinn Hentrich Eichsfeld. ma. 3. 3) eine ganze mannsperson meinend, da bart in zss. wie knasterbart (s. th. 5, 1358), dummbart, brummbart schon wie ein suffix wirkt, nachdem vorher gewisz die bedeutung 2 gegolten hat; den übertragenen sinn verdeutlicht A. Corvinus: aruncus ... ziegenbarth ... arunci, populi, a genere barbae, die alle ihre brthe gezogen haben, wie ziegenbrt, oder streitbare

[Bd. 31, Sp. 920]


leute fons latinit. 83; streitbare oder besser streitlustige, streitsüchtige männer; so setzen spätere hss. für das ursprüngliche zugebart im Wolfdietrich B 2, 283 und züge- D 9, 154 als spöttische bezeichnung des alten Berchtung ('zieh-', 'zugbart', vgl. var. zock-) zige-, tzigenbart ein, was Uhland ged. (1898) 2, 149 erneuert; auf wüstes, wildes benehmen, aber innere feigheit zielend:

ei, du alter ziegenbaart,
du wüster hosenbruder bei
J. Bolte singspiele 152;

du wilder, wüster z., du alter hosenscheiszer Chr. Reuter Harl. hochz.-schmausz 51 ndr.; Fischart Garg. 411 ndr.; als wenn alle menschen sew und kh weren, die in der schrift nichts lesen noch verstnden, on er allein meister z. G. Nigrinus exam. d. ... büchl. Joh. Nasen (1571) A 1b, anspielend auf den gegner als schneider; öft.; Göthe 23, 303 W. 4) name verschiedener pflanzen, a) cinum, -y- cigenbart ahd. gloss. 3, 539, 39; 552, 14; ziegenpart, cigen-, cegen-, czygebart Diefenbach gl. 120c; etwa prunus insititia ziparte? vgl.-bärtchen Müller-Fr. 2, 703b, -lein Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 487 pflaumenart, ziegbertel, zibertlein kleine herbstpflaume Wirsung artzneyb. reg.; s. ziper, f.; b) aruncus bei den wb.-schreibern (B. Faber 84b; Zehner (1645) 239; Stieler 768; Steinbach 1, 68; u. a.) steht wohl für spiraea aruncus geiszbart, nach den hangenden weiszen blütenrispen: Ad. Martin pflanzennam. 15; anscheinend dasselbe ist spirillum czigen-, czegenbart Diefenbach gl. 547c; Corvinus 821; zs. f. d. phil. 8, 331; c) spiraea ulmaria, geiszbart, wiesenwedel, mähdesüsz: Holl wb. d. pflanzenn. 354a; Fechner volksth. pflanzenn. 23; A. Vosz wb. d. pflanzenn.3 453b; Pritzel-Jess. 387b; d) artemisia abrotanum, stabwurz: Reinwald henneb. id. 1, 207; Spiesz henneb. id. 289; e) anemone pratensis, kleiner z., nickende windblume: Nemnich polyglott. d. naturg. 1, 298; A. Vosz3 453b; f) weingärtneria (aira) canescens, graues silbergras: Frischbier 2, 492b; Pritzel-Jess. 450b; zäjenbōrt harte, dünne grasart Hofmann niederhess. wb. 269a; g) wohl für tragopogon bocksbart: weder dürrer dorn, noch schlechter z. E. M. Arndt 6, 129 R.-M.; h) agaricus cantharellus, pfifferling, rehling: Zincke öc. lex. (1744) 3355; allg. haush.-lex. 3, 797; Campe 5, 860a; Holl 93b; Pritzel-Jess. 454b; vielleicht dasselbe ist cyrillus czigenbart Diefenbach gl. 122c; i) hydnum coralloides z. Mappus hist. plant. alsat. (1742) 81; R. Löwe germ. pflanzenn. 76; j) clavaria coralloides, korallenkeulenschwamm: (Sachsen) Popowitsch vers. 276; Holl 191b; Pritzel-Jess. 458b; clavaria flava, gelbe bärentatze, z. Unger-Kh. 650b; clavaria crispa Muspratt chem. 6, 222 St.-K.; k) z. sparassis crispa, ein strunkschwamm: Fechner 3; A. Vosz wb. d. pflanzenn.3 419b; l) polyporus umbellatus, boletus ramosissimus, ästiger löcherschwamm: Holl 228b; Pritzel-Jess. 464b; m) lichen barbatus, gemeine haarflechte: vgl. allg. d. bibl. 13, 272; Holl 141a; Pritzel-Jess. 210b. — dim. -bärtlein, n., s. ob. 1. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-barteiche, f., quercus aegilops, vallonea, grosze stacheleiche, knoppereiche, auf dem Balkan und in Kleinasien beheimatet: Holl wb. d. pflanzenn. 80b; Metzger pflanzenk. 358; Lueger lex. d. techn. 1, 115; Meyers lex.7 3, 1255. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-bärtig, adj.: z-en philosophen E. Stapelius n. tragicom. B 6a; die z-en grammatiker Herder 1, 141 S.; Gutzkow ges. w. 9, 62. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-bauer, m., kleiner, nur ziegen haltender bauer: Felder sonderl. 2, 296; Hofmann niederhess. wb. 269a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-baum, m., dim. -bäumchen, n., aegiphila martinicensis, dessen laub und reiser die ziegen gern fressen: Campe 5, 860a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-bein, n., 1) bein, fusz einer ziege: mhd. Lexer 3, 1109; er forne ... ein paar rauhe z-e bindet Leipz. avant. 1, 105; Welcker alte denkm. 4, 27; die füsze (tragbarer altäre) haben ... häufig die form von z-en Mothes baulex. 1, 79; ein ziegenbeiniger, ein satir: Rädlein (1711) 1093a. 2) ein alter und verbreiteter name der kornblume, centaurea cyanus, nach der rauhheit des stengels; schon ahd. cigenbein iacea ahd. gloss. 3, 530, 7; Diefenbach gl. 311a; Pancovius (1673) 145; Adelung2

[Bd. 31, Sp. 921]


4, 1703; Campe 5, 860b; Popowitsch vers. 277; Schkuhr 3, 159; v. Perger 1, 226; Holl 107a; Hertel Thür. 264; (schles.) Pritzel-Jess. 87b; K. Gusinde ma. v. Schönwald (oberschles.) 207b; mitt. d. schles. ges. f. vke 16, 157; (Nordböhmen) Söhns pflanz.6 200; Frischbier preusz. wb. 2, 492b; ziejaben treibt a pauer vom biere hem Rother schles. sprw. 32b; cyanus montanus, berg- oder waldz. (1728 schwäb.) bei H. Fischer 6, 1194. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-beinig, adj., mit ziegenbeinen: H. Meyer gesch. d. bild. künste 3, 37; den z-en Pan H. Brunn kl. schr. 3, 161. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-blume, f., osterblume, anemone nemorosa: (götting.) Schambach 308a; Flemes wb. d. kalenb. ma. nachtr. 2, 113; (braunschw.) Söhns pflanz.6 24; adonis vernalis: (bei Küstrin) Pritzel-Jess. 11b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-blut, n.: das schweinin blt vor anderm vichsblt gesunder sei, ... zum letsten das geyszen- oder zygenblt Ryff spieg. d. gesundth. (1544) 50b; er ... küste anstatt seines sohnes das anklebende z. Grimmelshausen 4, 738 Kell.; ziegenmarck sampt dem z-e wiederstrebet auch der gifft und der wassersucht Bapst v. Rochlitz artzneib. 292;

und warmes bock- und ziegenblut
soll diamanten brechen
Neukirch ged. 26. —


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-bock, m., 1) das männliche ziegenthier, auch nur bock genannt: z. Hulsius-Rav. (1616) 430b; Wiederhold 435b; Stieler 205; Kramer teutsch-it. 2, 1449c; caper, hircus Steinbach 1, 142; Frisch 2, 473c; Adelung2 4, 1703; Campe 5, 860b; in der nordbair. ältesten bibel ist für überwiegendes bock doch auch zigenbock gebraucht 4. Mos. 7, 40 (ab 1475 bock); Hes. 43, 22; 3. Esra 8, 15 (ab 1475 kitzen); Hes. 43, 25 und 45, 23 erscheint für z. seit 1475 die merkwürdige form zigerbock (s. auch unt. -kraut); der böhm. Wenzelbibel ist z. zuständig: czwen czigenpcke 3. Mos. 16, 5; 4. Mos. 28, 30; ebenso der preusz. prophetenübersetzung des Claus Cranc: czegenbok Hes. 43, 22; in Luthers bibelübersetzung das übliche wort, vgl.: da namen sie Josephs rock und schlachten ein z. und tunckten den rock im blut 1. Mos. 37, 31; 11, 380 W.; auch von H. Sachs gebraucht:

wie hast du halt so schöne löck,
gleich wie die herrling zigenböck 10, 210 K.;

von Kirchhof wendunm. 2, 17 Ö.; buch d. liebe 293d; die unt. ziege II 2 beachtete schreibung ziehen- gebraucht G. Nigrinus v. brud. Joh. Nasen esel (1570) H 1b; ist ein streitbares thier: allgem. haush.-lex. 3, 797; daher auch Hagedorn poet. w. 3, 57 die grammatiker streitbare ziegenböcke nennt; vgl.: ist ... in gefahr, dasz ihm irgend ein solcher grammatischer z. entgegen meckert Bürger 370b Bohtz; auf die barttracht gelehrter leute anspielend: wenn der bart gelehrt machte, so were ein z. auch wol gelehrt Petri d. Teutsch. weiszh. 2, A aa 8a; J. Riemer mediz. maulaffe 476; redensart den z. barbieren: Bechstein märchenb. 12; vergleich mit einem mutwilligen, springenden z.: wir ... sprangen ber die cker wie die jungen ziegenbcke Zendorius wintern. 113; du springst ja wie ein z. Eichendorf s. w. 3, 75; vielfach; gilt dem aberglauben als reitthier der hexen: Hippel kreuz- u. querzüge 2, 65; Löwen schr. 3, 11; auch von zwergen: man sagt, das sie (die zwerge) im frling sich versamlen, mit bogen und pfeilen sich rsten und auf den ziegenbcken hin an das ufer des meeres reysen Gabr. Rollenhagen indian. reys. 57; sonst: der alte aberglauben meckert wie ein z. im dunkeln M. Claudius Asmus 3, 90; sein gestank wird getadelt: D. v. d. Werder ras. Rol. 17. ges., str. 19; danach vergleichend von geilen menschen:

Sebald hiesz sein Elsz ein tock,
stanck doch als ein ziegenbock
Voigtländer od. u. lied. 83;

sodax ... geil, vorwitzig, der da leckt und springt wie ein z. Corvinus fons latinit. 729; spottname des schneiders, der in vielerlei weise mit dem z. in beziehung gesetzt wird:

und als die schneider nach hause wollen, ...
da reiten ihrer neune
auf einem ziegenbock deutsche volkslied. 948 Mittler;

[Bd. 31, Sp. 922]



ein schneider und ein ziegenbock,
ein leinweber und ein igelkopf Venusgärtlein 30 ndr.;

Schnabel ins. Felsenb. 2, 414; eigentlich sei es ... schlecht von einem schneider, dasz er den teufel läugne, und seien sie doch beide vettern vom z. her Jer. Gotthelf ges. schr. 8, 231; er ziejenbock schimpft die hökerin hinter einem schneidergesellen her bei Glaszbrenner Berlin wie es ist 2, 19;

he, heraus! du ziegenböck!
schneider, schneider, meck, meck, meck!
W. Busch Max u. Moritz 18;

sogar auszerhalb dieser sphäre: (ich) höre, dasz er der z. (schneider) des ortes ist fürst Pückler br. 5, 190; —

trauben trägt der weinstock,
hörner der ziegenbock
Göthe (Faust 2285) 14, 109 W.; —

caper ein verschnittener z. nomencl. lat.-germ. (1634) 171; der gestank eines verschnittenen z-es läszt nach, und er nimmt an fett zu: Marperger küchendict. (1716) 1342a; in den maa. nicht häufig: Bauer-C. 106a; Hofmann niederhess. wb. 269a; Spiesz henneb. id. 289; Müller-Fr. 2, 703b. 2) kornblume, centaurea cyanus, seltener als ziegenbein (s. ob.): (schles.) Schwenckfeldt 57; Schkuhr bot. handb. 3, 159; Nemnich bei Campe 5, 860b; Holl wb. d. pflanzenn. 107a. — dim.: -böckchen: ihre poetischen z. H. Heine 3, 52 E.; Cl. Viebig schlaf. heer 1, 128; -böcklein: richt. 6, 19; 13, 15; 19; 15, 1; 1. Sa. 16, 20, wo die älteste bibel zicklein (zickel richt. 13, 15) und von 1475 ab kitzlin setzt; Wickram 8, 190 B.; H. Sachs 15, 184 G. (nach richt. 15, 1); Ryff spieg. d. gesundth. 111b; Wirsung artzneyb. reg. unter z. verweist auf kitzlen; blut eins jungen z-s Grimmelshausen 4, 732 Kell.; die lungen von einem z. gekocht und gegessen soll denen wol dienen, die das wasser nicht halten knnen Hohberg georg. cur. 2, 303; Jer. Gotthelf ges. schr. 17, 79; Rosegger wildl. 303. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-bohne, f., ziegenkot: Hugo v. Trimberg renn. 4136 E.; (md.) Lexer 3, 1110; rudor czegenbone (irrtümlich -boum) Diefenbach n. gl. 321b; stercoris caprini bacca geyszbonen oder ziegenbonen Zehner (1645) 331; J. G. Schmidt rockenphil. 2, 221; Pfeffel poet. vers. 1, 64. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: