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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziegelscherbe bis ziegelstein (Bd. 31, Sp. 914 bis 916)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -scherbe, f., 1) scherbe eines ziegels: laterculus Calepinus XI ling. 796b; da funden wir ... im felde herum z-n, krg und hfenscherben F. Fabri eig. beschreib. (1557) 124, vielleicht zu 2; mach z-n heisz

[Bd. 31, Sp. 915]


J. Behm artzneib. 103; ich will dir mit dieser z. den schdel einschlagen Wieland Luc. 2, 419; ein bekanntes spiel ... ist das ricochettiren mit ... z-n Vieth leibesüb. 2, 482; backsteintrmmer, ziegel- und terracottascherben Ritter erdk. 8, 449; E. Th. A. Hoffmann 10, 179 Gr.; reichliche belege im schweiz. id. 8, 1234; als zeugen (s. zeuge II 2 c): ist zuo wüssen, das des zuo gezügen zuo iedem oberüerten marchstein dry ziegelschärben sind gelegt worden (1553) 1235; vgl. G. Keller ges. w. 8, 38. 2) scherbe eines thongefäszes (s. ziegel 3): wenn ein habicht bezaubert ist. nimm den schwamm von einem mirtenbaum, weirauch, asphaltum, stechpalmen, legs in ein z-n und beräuchere einen jeden raubvogel damit, so man zum waidwerk braucht schweiz. id. 6, 99; Germ. 22, 264; vgl. Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 137a; einen ziegelscherb voller menschenkot schweiz. id. 7, 1232. 3) -scherb, m., name des teufelsbuhlen Martin-L. 2, 432a. —
 
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-scheuer, f., gleich -hütte, -ofen ziegelei: Lexer 3, 1102; belege von 1346 ab schweiz. id. 8, 1222; Martin-L. 2, 431b; vgl. Follmann 558a; B. Faber Saxonia (1563) 292a; es seind dem probst die malmühln, item die ziegelscheuren ... angehrig B. Hertzog chron. Als. (1592) 10, 178. —
 
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-scheune, f., wie -scheuer, eine anlage zum anfertigen und brennen von ziegeln: 10 m. eyme zimmermanne, der eyne zigilschune buwen sall, uf rechen gegeben (um 1400) Marienb. treszlerb. 4 Joach.; handelsrechn. d. deutsch. ord. 188 Sa.; B. Waldis Esop 1, 284 Kurz; wie die Israeliten in Egypten, in den z-n, in koth, drecke und unflath arbeiten muszten J. Pomarius postilla (1590) 1, 411a; urk. d. st. Freiberg (Sachs.) 3, 261; lapides (zu den kirchen) sind die menschen, ... werden gebrandt in der z-n und brennofen des creutzes S. Artomedes erkl. d. catech. (1605) 273; soll der kalck und die gebackenen steine ... ausz der nechsten kalck- und ziegelscheine gefolget werden A. Freitag archit. mil. (1631) 58; G. Gengenbach beschr. d. st. Magdeb. (1698) 35; sumpf ... heiszet bey denen ziegelstreichern ein weites ... loch ... bey einer z., dessen boden und wnde mit pfosten ... beleget sind, damit er wasser halte Zincke öc. lex. (1744) 2857; Frisch 2, 473c; Lessing 18, 422 M.; H. v. Kleist 3, 172 E. Schm.; Holtei erz. schr. 14, 9; L. v. François Reckenb. 1, 57; in encyclopäd. werken des 18. und 19. jahrh.s nur die trockenscheune: allg. haush.-lex. 3, 796; Noel Chomel 8, 2411; Krünitz 241, 212; Helfft wb. d. landbauk. 419. —
 
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-schicht, f., 1) wie das obd. -schar eine reihe dachziegel auf jeder latte: Mothes baulex. 4, 508; die entfernung der latten ist ... so gering, dasz jede obere schaar ... über die zweituntere z. ... übergreift Karmarsch-H. techn. wb.3 2, 493; Schönermark-Stüber hochbaulex. 281; eine lage ziegelsteine im brennofen, dazwischen die schürkanäle: Krünitz 241, 283; Muspratt chem. 8, 731 St.-K.; lage bei mauerwerk oder pflaster: die festungsmauer war aus ziegeln erbaut, über jeder z. lag eine dünne schicht asphalt und darauf eine ebenso dünne schicht lehm Sven Hedin Bagdad 252; Karmarsch-H.3 1, 217. 2) z. ist eine mit steinkohle vermengte erdlage oder -schicht, welche in steinkohlengruben zwischen der gläsernen schicht (dem besten flöz) und schmiedekohlschicht liegt bergm. wb. (1778) 616; Minerophilus 730; vielleicht nach der farbe der beigemengten erde benannt: Adelung2 4, 1703. —
 
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-schlag, m., ziegelei: Unger-Kh. 647b; L. Richter lebenserinn. (1909) 25; gehen wir zusammen in die arbeit, in den z. M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 5, 98; herstellung von ziegeln: die wenig plastischen ..., selbst zum z. kaum geeigneten abarten (der thone) Karmarsch-H.3 9, 234; davon -schläger, m., ziegler, arbeiter in einer ziegelhütte: Schiller-L. 4, 517b; Voigtel wb. 3, 696b; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 5, 3; Rosegger wildl. 346; arbeiter, der die erde zu den ziegeln schlägt und zubereitet: Adelung2 4, 1703. —
 
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-schuppen, m., scheune zum trocknen der ziegel: Schwan n. dict. 2, 1104a; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 5, 118; -o- Noel Chomel 8, 964; Adelung2 4, 1703; -o-, -u- Campe 5, 860a. —
 
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-schutt, m.: Rode Vitruv 2, 97; z. auf den straszen (nach einem erdbeben) Rosegger III 5,

[Bd. 31, Sp. 916]


349. —
 
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-sparren, m., die tragehölzer der latten, wegen der schweren last die stärkste sparrenart, daneben gibt es mittel- und strohsparren: Zincke öc. lex. (1744) 1215; allg. haush.-lex. 1, 94a; Adelung2 4, 1703; auch bezeichnung der zu z. geeigneten stangen: wellen ..., z., rhrholz Döbel jäg.-pract. 3, 39; es sind stangen von 30 bis 35 ellen länge und 13 oder 13 zoll stärke: Behlen forstk. 6, 532; Moser forstarchiv 13, 90; Mothes baulex. 1, 301. —
 
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-stadel, m., gleich -hütte: (Augsb.) chron. d. st. 4, 222; 5, 272; 278; belege seit 1323 bei H. Fischer 6, 1178; ein z., welcher die ... orte mit rothem zeuge, nemlich ziegeln, blatten, steinen ... versiehet deutsch. mus. 1781, 2, 542; wa ... ziegelstädel seind, werden sie (die häuser) gedeckt mit gebrandten blatten A. Diether Cortessi hist. (1550) 2, 2a; G. Maier hist. lustgart. (1625) 1, 362; österr. weisth. 6, 197 (cit. unt. -meister); Zingerle inv. 92; Schmeller-Fr. 2, 732; 1096; im engeren sinne das gebäude zum trocknen der ziegel: Hohberg georg. cur. 1, 22; Schöpf tirol. id. 696; beide bedeutungen bietet Unger-Kh. 650b. —
 
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-staub, m., gleich -mehl: man machet ihn (den kitt) ausz griechischem pech, dannenhartz und z. H. Frölich offenb. d. nat. (1591) 481; B. Faber thes. 727a; J. B. Mencken zwei red. (1716) 10; gleich -schutt: Ritter erdk. 6, 1187.
 
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ziegelstein, m., backstein aus thon oder lehm: later Diefenbach gl. 320a; n. gl. 229a; Diefenbach-W. 913; Lexer 3, 1103; Schmeller-Fr. 2, 1096; Martin-L. 2, 601a; H. Fischer 6, 1178; later Calepinus XI ling. 796b; z. mattone Hulsius (1618) 282b, aber auch embrice, coppo ò tegola 2, 138a; ebenso mauer- und dachziegel bei Kramer teutsch-it. 2, 1450; 949c; Frisch 2, 473c; andere lex. nennen nur den mauerstein z.: Orsäus nomencl. 187; Garth 444b; Stieler 2140; Ludwig teutsch-engl. 2587; Steinbach 2, 694; vgl.murteghelsteyn Schiller-L. 4, 518a; der nomencl. lat.-germ. (1634) scheidet tegula ein ziegel von later ein z. 445; so auch Adelung2 4, 1703, während Campe 5, 860a nur den unterschied zu bruch-, feld-, lehmsteinen hervorhebt; in der landschaftlichen umgangssprache ist die unterscheidung von ziegel als dachund z. als mauer-, pflaster-, baustein verbreitet: Ch. Schmidt Straszb. 120b; Follmann 558a; Meisinger 211b; Rovenhagen 166b; 133a; Woeste-N. 267a; Mi 93a; Danneil 222b; in der bedeutung dachziegel lit. selten: du wart es (das schlosz) mit czigelsteynen gedecket Wigand Gerstenberg chron. 93 D.; Kirchhof wendunm. 2, 29 Ö.; da fleucht der storch ... von dem dache und berhret mit seinen fliegeln ... das dach, also dasz ein z. herunterfllet J. Prätorius winterflucht 126; glückstopf 123; sonst der mauerstein, in der regel auch, wenn zu brocken zerstoszen und zur gewinnung des ziegelöls und salben gebraucht: nim ein gantz alten roten z., den zerschlag in stücklein, ungefehr einer nusz grosz, die mach glühend, wirf ein stücklein nach dem andern in alt baumöl, darinn lasz, bisz sie das l wol in sich gesoffen haben Wirsung artzneyb. 110d; s.-öl; Gersdorf wundarznei 43b; Braunschweig chirurg. 114b; von bomolie und geklopften z-en eine salbe machen Chr. Reuter Schelm. 96 ndr.; zerstoszen und mit eidotter geschlagen als färbmittel des weins: Marperger küch.-dict. 1295a; heisze dämpfe durch benetzen glühender z-e mit essig: Seutter hippiatr. 105; mit gestoszenen klettenwurzeln: Hohberg georg. cur. 1, 267; mit wein als schwitzbad für den schenkel: v. Fleming sold. 337a; ferner: den bauch mag man mit warmen z-en erwrmen Ryff confectb. 176a; mauerstein zum bau von häusern u. a. gebäuden: zigelsteine sind gefallen, aber wir wollens mit werckstcken widerbauen Jes. 9, 10; martern uns mit dem zigelsteinstreichen Luther 16, 76 W.; vgl.: gemartert mit dem zigelstreichen 22;

die (stadtmauer von Babylon) wart erbauet aus ziegelstein
H. Sachs 16, 197 G.;

aufrichten ein pyramiden
ins freye feld von ziegelstein
W. Spangenberg ausgew. dicht. 86;

Harsdörfer secret. 2, 169; Augustus rhmete sich zu Rom, er htte eine stadt von z-en gefunden, aber er

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wrde sie von lauterm marmel verlassen Chr. Weise polit. redn. 478; v. Fleming sold. 398; gszchen, welche ... mehrentheils aus back- oder z-en gebauet sind J. J. Chr. Bode Tristr. Schandy 7, 18; ein ... gebude von z-en Hirschfeld gartenk. 4, 207; übergebrannte z-e vom Rhein Göthe III 7, 40 W.; Laube ges. schr. 5, 107; baustoff für öfen: so kan man einen probirofen von z-en ... zusammensetzen Ercker miner. ertzt 5b; als baumaterial für ziegelöfen sind ... z-e die geeignetsten Muspratt chem. 8, 719 St.-K.; als pflaster: es (das familienzimmer) war mit z-en gepflastert Göthe 33, 108 W.; die ausgetretnen z-e des fuszbodens Gaudy s. w. 2, 84; s. auch A. a s. Clara Judas 1, 67; dient als schreibtafel: Ezechielis am 4. cap. (v. 1) schreibet auch der prophet auf ein zigelstein (Luther ziegel) Mathesius Sar. (1571) 103a; ungebrannt: later crudus ungebrannter z. Zehner nomencl. 399; sie (die Perser) bauen blos mit an der sonne getrockneten z-en allg. d. bibl. anh. zu 25/36, 3409; Ritter erdk. 1, 634; fachlich als luftziegel bezeichnet; die roth farb ..., die man zu Antorf in den neuen ziegelstainen find, läszt sich A. Dürer schicken: tageb. 61; bezeichnet im vergleich die farbe eines gerötheten antlitzes: die tante, die mir aufmachte, ward roth wie ein z. Thümmel reise 5, 46; Jer. Gotthelf ges. schr. 21, 28; sprw. und redensarten:

wann die ziegelstein wern duplirt,
alsdann Moses bald kommen wird (zu 2. Mos. 1, 14)
Dieterich weisheit 1, 247;

der wescht den ziegelstein zu degen,
der ht ein unzchtig weib in allen wegen
Petri d. Teutsch. weiszh. P 4b;

dem z. die rth abwaschen Körte sprw. 512; er hat einen heiszen z. im magen er hat immer durst Wander 5, 578; in der heraldik bezeichnet schindel oder z. eine länglich-viereckige figur Trier wapenk. 170; s. ziegel 2 e; vgl.: gab ihnen Carolus fünf rothe mauerz-e im glden felde auch zum schilde Ammersbach churbrand. chron. 59; dim. -chen: deutsche sag. 1, 40; -lein: Zehner 399. — in zss.: -boden, m.: Scheffel ges. w. 1, 119; -braun, adj.: K. Fr. Cramer Neseggab 2, 70; -brenner, m.: Hebbel II 2, 125 W.; -brocken, m.: Stöckhardt chem. feldpred. 1, 161; -farbe, f.: Gutzkow zauber. 4, 177; -form, f.: Ritter erdk. 3, 253; -gebäude, f.: 2, 572; -masse, f.: 17, 1656; -mauer, f.: Muspratt chem. 3, 1844 St.-K.; Sven Hedin Bagdad 274; -mehl, n.: v. Fleming sold. 367a; gugelkopf ..., mit z. gebräunet Jean Paul 38, 12 H.; -öl, n., gleich ziegelöl: Paracelsus chirurg. büch. (1618) 765c Hus.; N. Frischlin (1586) 135a; etliche mischen unter dieses schmaltz ein weich ziegelsteinhl Bapst v. Rochlitz artzneib. 80; oleum philosophorum Stieler 1381; Kramer teutsch-it. 2, 1450a; Ludwig teutsch-engl. 2587; einzelne flecken (grind) bestreicht man mit z. Krünitz 20, 60; Karmarsch-H. techn. wb.3 6, 647; mohnöl H. Fischer 6, 1178; -pflaster, n.: Lueger lex. d. techn. 5, 33; -stück, n.: Helfft wb. d. landbauk. 150. —

 

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