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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziechenstück bis ziefern (Bd. 31, Sp. 896 bis 897)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -stück, n., ein stück ziechenleinen von festgesetzter länge: ain ziechstuck 1 dn. (zoll) Augsb. stadtrecht 265; Birlinger augsb. wb. 439a; ziechenstucke (1449 Chemnitz) Germ. 27, 188; czichenstückln per flor. 2 (1529) quell. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 172. —
 
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-stuhl, m., webstuhl für ziechen: ain gewürfleten oder vergleisten ziechstul haben (für gewürfelte, carrierte ziechen) Birlinger augsb. wb. 195b; 439b. —
 
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-tuch, n.: ein stück erfort ziechendch oder klsche stck z. (um 1450 Straszb.) Eheberg verfassgsgesch. v. Straszb. 1, 270. —
 
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-werk, n., 1) stoff zu ziechen: ein praits ziechwerk 2500 fäden minder 1 faden, schmale z. 2309 fäden Birlinger augsb. wb. 439a; ziechen: küsse 2 mit z-e (1577) bei H. Fischer 6, 1176; sammelausdruck für bettdecken- und polsterüberzüge Unger-Kh. 650b. 2) werkstätte der -macher: ein itzlicher uf dem czichenwerk und barchantwerk sol nit mer wen einen lerknecht haben Olmütz. stadtb. 108. —
 
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-zipfel, m., euphemistisch für peris: mein wurstzipflin, mein mrselstszlin ..., ziechzipflin Fischart Garg. 202 ndr.
 
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ziechling, m., gleich ziehklinge: Hübner zeitgslex.31 4, 1016b; H. F. A. Stöckel tischlerkunst4 85; Joh. Sass sprache d. nd. zimmermanns 12; sickling (phon. zikleiŋk) A. Berger nd. techn. ausdrücke (Lingen) 29; wird, kaum mit recht, vom hd. ziehklinge getrennt und mit mnd. sik sech (th. 9, 2772) verbunden.
 
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ziefelein, n., hühnchen, junges huhn s. DWB ziebelein.
 
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ziefen, m., strieme, streifen: zīffen Tobler appenz. sprachsch. 457a; zīffe, zīfe Vetsch Appenz. ma. 185. —
 
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ziefen, verb., verkommen, nicht gedeihen, fortwachsen können, elend dahinsiechen H. Fischer 6, 1195; Klein 2, 246; Schmeller-Fr. 2, 1087; Bayerns maa. 2, 332b; auch ein verlöschendes licht zieft H. Fischer; an diesen stellen als ein fränk. wort bezeichnet, doch auch von Stalder 2, 471 als graubündnerisch mit der bedeutung viel plage und not haben, sich mit schwerer mühe durchbringen vermerkt; junge, vielleicht lautmalende bildung.
 
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ziefer, n., bezeichnet kleines gethier und kleinvieh, 1) federvieh, hausgeflügel, bes. hühner, gänse und enten: (junges) z. Klein 2, 246; hungriges, zudringliches federvieh (baier. Wald) Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 450; zischendes thier, gänse, enten, hühner Fulda idiotikens. 600; (oberpfälz.) Schmeller-Fr. 2, 1087; allgem. schwäb.: H. Fischer 6, 1193; trute: so, sag ich, saubers z., bist aus der revir? Schwabe tintenf. B 7b; ausnahmsweise, aber unwillen bezeigend, vom storch:

was will mir das ziefer? — ist so was erhört?
Mörike ges. schr. (1905) 1, 34 Göschen.

2) kleinvieh, kleinere hausthiere wie ziegen, schafe; nur diese in jungen österr. weisth.: dasz alles z., auszer den presthaften schaaf und geis, ... obiger pfändung unterlieget (tirol. 1818) 3, 247; hirten des zifers (tirol. 1818) 244; 245; zickela, ziffer und gaasa bei H. Fischer 6, 1193; ebda reiche nachweise für das schwäb.; scheltend: verdammter dachs! ich brenn dich aus mit feur und pech, du höllisches z.! Schönherr glaube u. heim.3 100; mäuse:

[Bd. 31, Sp. 897]


das ziefer kommt geschwommen schnell
Mörike 1, 160.

3) insecten; käfer: der ... apis ... hat ... unter der zungen eines zifers gleicheit Heyden Plin. (1565) 243; floh:

Lojola, der viel ehrlich mann,
hat dann disz ziefer auszgeheckt,
welchs voller schant und laster steckt Jesuiter u. floh (1620) A 4a.

4) nicht erkennbare thierart: die hochtrabenden gelerten verkerten ... halten schlecht, einfeltig, fromm, grob leute etwa für ziffer und menschen bei in S. Franck sprw. (1541) 2, 163b; lassen da alle heiligen mszig sitzen, wie ein unntze zifer Fischart binenk. 207a; zifer, gezifer ungeziefer Hunziker Aarg. wb. 309. 5) übertr. scherzend oder scheltend auf lästige menschen; von einem frauenzimmer, für das nach Schmeller-Fr. 2, 1087 'ein stehender witz' frauenz. ist (s. th. 4, 1, 1, 83): dise secretarifrau ..., das lateinisch zifer, will uns in allem gleich seyn A. a s. Clara Judas 1, 549; dasz sie ein kifend zifer, ein zankteufel und geitziges weib gewesen H. C. Arend gedechtn. Albr. Dürers (1728) § 20; dim.: gelt, es (ihr) liebeuglenden ziefferl, da kan encks mulel schmutzn Schwabe tintenf. 37; kühnes, listiges mädchen (Augsb.) Klein 2, 246; muntere dirne v. Schmid 548; zīfer schelte gegen liederliche frauenzimmer Lexer kärnt. 265; (baier. Wald) Bayerns maa. 2, 450; so vielfach belegt bei H. Fischer 6, 1193, wo aber auch häufig z. auf eine lästige gesellschaft, schlechtes gesindel, bettelpack u. a. angewandt wird; ebenso: niederträchtige bande Martin-L. 2, 893b; liter.: nie hatte er ein freundliches wort für sie (die kinder) und auch nie ein grobes, sie waren z., wie er sagte Rosegger nixnutz. volk 195; schr. 3, 450; Stelzhamer ausgew. dicht. 2, 28. 6) z. steht in bedeutung, alter und lautgestalt dem worte geziefer (th. 4, 1, 4, 7045) gleich und darf daher nach dem muster von zelt: gezelt, zeug: gezeug als dessen kurzform gelten. wenn schon die th. 11, 3, 943 gestützte etymologie Jac. Grimms, wonach die gruppe ungeziefer, geziefer, z. aus ahd. zebar opferthier herstammt, auch z. in die nachkommenschaft einreiht, so verbietet doch das fehlen älterer belege und lautformen nach der art des mhd. ungeziber (kärnt. ziberl, s. ziebelein, steht fern) den unmittelbaren anschlusz. die augenfällige wertminderung des wortinhaltes bei geziefer und z. liesze sich zwar aus dem vollständigen umbruch des deutschen kultwesens bei der annahme des christentums einigermaszen verstehen, ist aber eher auf rechnung der tadelnden, herabsetzenden, 'improbativen' vorsilbe un- zu setzen, vgl. th. 11, 3, 943. danach wären geziefer und mit diesem auch z. erst aus ungeziefer, unziefer zurückgebildete wörter. der gefühlsbetonte gebrauch der beiden wörter geziefer und z., dessen spielraum auch das schöne gez. von th. 4, 1, 4, 7047 einschlieszt, erklärt sowohl die einschränkung auf das kleingethier der häuslichen lebensgemeinschaft wie die aufgabe der gar zu abstoszenden theilbedeutung unrath. die landschaftliche einengung des begriffes theils auf schafe und ziegen, theils auf das geflügel darf als jung gelten.
 
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ziefern, verb., 1) ostmd., das einziehen der luft und das zähneklappern bei frostempfindung malendes wort: als schles. schon von Steinbach (1734) 2, 1090 angeführt; Weinhold schles. 2, 109a; Blumer wb. d. nordwestböhm. ma. 96b; Müller-Fr. 2, 702b; sie zieferte recht (als man ihr den splitter ausschnitt) K. G. Anton Oberlaus. 15, 19; syn. hiewern: Petters andeutgen 6; neumärk. zibbern vor kälte zittern zs. f. d. maa. 1910, 33; bereits früh im schles. belegt: wie sie nu in der grsten kelte zyferten und klapperten L. Pollio v. ewig. leb. (1583) 87b; davon das adj. zieferig frostig, gegen kälte empfindlich Müller-Fr. 2, 703a. 2) obd., dem md.-nd. ziepen entsprechendes verbum jungen ursprungs, die vorstellung des ziehens lautmalend: zupfen, in gedanken an etwas herumzupfen und es womöglich verwirren H. Fischer 6, 1193; leise ziehen, zwacken, z. b. bläschen, schorf von der haut z. (Nürnb.) Schmeller-Fr. 2, 1087; dazu zīferle, n., splitterchen, wie man es aus haut oder fleisch herauszieht Spiesz henneberg. id. 289. 3) ein frequ. zu ziefen scheint zīfern ungeduldig nach etwas verlangen Schöpf tirol. id. 828; dazu gehört

[Bd. 31, Sp. 898]


ziffer, zifferig, adj., sparsam, spärlich, kärglich, knapp, kränklich, mager Unger-Kh. steir. wortsch. 651b. 4) mit verschärftem anlaut aus siefern (th. 10, 1, 885): rieseln Schmeller-Fr. 2, 1087; Lexer kärnt. 265; frequ. zu mnd. sîpen, md. sîfen tröpfeln; vgl. sīpern, zīpern sickern, durchtröpfeln, hervorflieszen Schambach 192b; zippern, s- tröpfeln: de trahnen zippert em ut de ogen Strodtmann id. osnabr. 296; zipsen schwach tröpfeln Christa Trier. wb. 224a; zibbeln triefen, von wasser an haar und bart Leihener Cronenb. wb. 125b.

 

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