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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zieche bis ziechenzipfel (Bd. 31, Sp. 893 bis 896)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zieche, f., sackartige hülle, im bes. für betten; eins der frühen lehnwörter des wgerm. bereiches, welches im obd. der lautverschiebung verfiel, wie flaum, pfühl, wozu man noch küssen geselle, um die neuerungen der rom. bettausstattung zu überschauen; griech. θήκη war die benennung fester behältnisse gewesen, lat. thēca hatte dazu die bedeutung der weichen hülle gefügt; in dieser geht *tēca nun ins wgerm. über, mit dem alten vocal ins hoch- und niederdeutsche (ahd. *zēhha, woraus ziahha, mnd. tēke), mit ī erscheint es als mnld. tīke, nnld. tijk, fries. tīk, me. ticke, ne. tick; aus der gleichen quelle flieszen franz. taie, air. tīach. die lautentwicklung in den hd. maa. bietet das gewohnte bild: der vocal zeigt im obd. diphthongische gestalt,

[Bd. 31, Sp. 894]


bair. -ia-, alem.-schwäb. -ie-, -iä-, ostfränk. -ei-, im südrheinfränk. herrscht -ī-, im ripuar.-nd. -ē- und daraus entspringende formen, im gesamten übrigen md. wird -ī- vor -ch- zu -i- gekürzt und machenorts, bes. in Preuszen, zu -ü- gerundet (s. DWB züche th. 16, 256); überall hat sich -ch- als starker reibelaut gehalten, nur schweiz. maa. schwächen ihn: ziehe Henzen Freiburg. ma. 69; zihe Hunziker Aarg. wb. 309; u. a.; so dasz z. lautlich mit ziähä, f., schublade zusammenfällt: Brun ma. v. Obersaxen (Graubünd.) 54. die nd. lautform ist nur in Westfalen üblich: taike Holthausen Soester ma. 21; Köppen Dortmund. ma. 58; das übrige nd. gebiet beherrscht das franz. lehnwort büre (th. 2, 511), das aus franz. bure, f., grober wollstoff abgespalten ist; s. v. Wartburg etym. wb. 1, 630b; Gamillscheg etym. wb. 159a; zur verbreitung der beiden ausdrücke s. Kretschmer wortgeogr. 118.
bedeutung: 1) die ahd. glossen geben ziahha bereits mit lat. tomentum, zomentum wieder und weisen das wort dadurch dem begriff der bettausstattung zu; älter aber ist die bedeutung sack, sie darf nicht einer rohen verwendung des bettbezuges zugeschrieben werden; beispiele: von ainer z-n mit nuzze ainen helbelinch (brückenzoll) Augsburg. stadtrecht 31; stan lassen in meiner herberg 53 wepfen in ainer ziech bei H. Fischer 6, 1175; zwo z-n mit baumwollen wigen 6 cent. 29 lb. Ad. Riese rechenb. (1581) 31b; dasz ... neun gestoszene kornscke voll, oder wie etliche setzen, drei weiten z-n damit (mit den abgeschnittenen ohren der gefallenen) sind gefllet worden Bütner epit. histor. 199b; die wolle davon (den schafen) wurde nach landesgebrauch in ein paar riesenhaften züchen (säcken) ... zum ... wollmarkt nach Breslau geschafft W. Menzel denkw. 56; sack, worein hopfen, laub u. dgl. gepackt wird: Schmeller-Fr. 2, 1079; Hertel Thür. 264; Regel Ruhlaer ma. 292; Müller-Fr. 2, 702b; als markt- oder reisetasche einfacher leute bezeugt bei H. Fischer; Frischbier 2, 492a. 2) im gesamten verbreitungsgebiet des wortes ist die bedeutung überzug über unterbett (nicht allgemein), bettdecke und kissen bekannt und in Süddeutschland als verkehrsausdruck durchaus geläufig, wenn ihm auch die umschreibende bezeichnung bettüberzug, -bezug als das feinere wort abtrag thut und es in die ma. drängt, was in Mitteldeutschland noch schnelleren fortgang als im süden nimmt. die glossen übersetzen mit tomentum (zo-, so-), d. i. polster, polsterung, einer irreführenden wiedergabe, die sich erst aus dem anderen übersetzerwort culcitra sack, hülle für polster und dann auch das polsterstück selbst begreift, sowie mit lectega (lectitega) betthülle: zeicha ahd. gl. 4, 239, 31; ziecha, z. Graff 5, 625; pettes z-n; ziech vel zich uber ein beth Diefenbach gl. 587a; n. gl. 367a; auf den doppelsinn des lat. culcitra geht die glosse bedt darauf man ligt od. ziech 161c zurück; auch folgende stelle meint doch wohl nur den bezug des unterbetts: diu z-n, diu z dem magtme hœrent daz ist daz gewant, daz under der megede lit, so der man bi ir lit Schwabensp. ldr. 201 L. z. ist ursprünglich, solange man nicht der gröszeren reinlichkeit halber noch einen waschbaren bezug überzog, die betthülle für die federn gewesen, also dasselbe wie mhd. vederiht (th. 3, 1401), inguz, inlâz (mnd. inlât, wofür jetzt inlett, s. th. 4, 2, 2122), vgl.: pettz. od. ingusz Diefenbach gl. 322a; auch die kostbaren stoffe der mhd. epen zeugen, soweit sie nicht oder nur schlecht waschbar waren, dafür, so sicher:

daz bedde senfte ende wît,
diu zieche was ein samît,
wale gedûcht (gestopft) mit vederen,
die underzieche (inlett des unterbetts) lederen,
vile weich unde vast
Heinrich v. Veldeke Eneit 49, 10 Ettm.;

eher kann man schon an einen wechselbaren überzug denken bei den folgenden stellen:

einez (bettstück) was ein phlûmît,
des zieche ein grüener samît
Wolfram Parz. 552, 10;

diu bettewât vil linde was,
der pfülwe und ouch daz küssîn,
diu zieche guot sîdîn
Ulrich v. Zatzikhoven Lanz. 4158;

[Bd. 31, Sp. 895]


das wird ausdrücklich bezeugt:

enmitten ûf den hiuten lac
bette weich unde grôz.
diu wâren niht gar blôz:
in wâren die ziechen
pfellelîn von Kriechen Moriz v. Craun 1133;

auch später noch musz die einfache hülle genügt haben, vgl.:

ich komb von dieser ziechen nicht,
dieweil ein federn herausz sticht
H. Sachs 12, 349 K.

betheuert die frau, welche der ehemann vertauschen will; sie schnitten die z-n auf und schtteten die federn zu den fenstern hinaus Greiser histor. (1587) B 2b; wohl auch: ein loch durch alle leilacher und z-n bisz auf die federn gebrennet Guarinonius greuel 1280; vgl. H. Sachs 5, 264 K.; Ayrer dram. 2, 1229. anderseits deutlich als der abziehbare überzug erkennbar: nuwe federiten oder ingüsse z betten, phulwen und dergleichen dingen ... joch z-n darüber (1427) Basler rechtsqu. 1, 112; dasz sie mir nichts zupracht dann 2 pett on ziech und ein truchen on fuesz (Augsb.) chron. d. st. 5, 139; dreu vederpett, das ain mit ainer weisen z-n Zingerle invent. 7; ein unters pet mit einer gutten czichen Iglauer stadtb. 5, 41a;

was sol ein liberey ohn bcher,
was sol ein beth ohn ziech und dcher?
Eyering proverb. 2, 532;

ein oberbette ohne züchen Schweinichen denkw. 526 Ö.; (er) liesze ... eine saubere z., gleich als wre das bett hbsch neu gemachet, berziehen Zendorius wintern. 772; z-n (plur.) ... ist der leinene berzug, womit die bette, kssen oder dergleichen berzogen wird, daher man zu rahten gibet: es gehet ins bad und lszt den bauch daheime Harsdörfer secret. 1, M mm 5a; sonstige belege: weib ..., deine mieder, deine glieder, deine z-n auch riechen A. a s. Clara narrennest (1751) 2, 163; zur vollen gerade ... gehren ... alles leinen gerthe an bettchern, zchen, tisch-, tafel-, auch teller- und schnupftchern Amaranthes frauenz.-lex. 655; dann dachte sie an die mitgabe, liesz alle bettstücke, alle z-n, alle leintücher, die zu diesem zwecke gemacht bereit lagen, die musterung passieren Jer. Gotthelf ges. schr. 2, 285; stoff zu überzügen: sie hetten kauft ... golsch, ziech, stuck, blaich (Augsb.) chron. d. st. 5, 114;

wer wolt ziechen und barchet weben
H. Sachs 7, 79 K.;

die nadelveste ehegefhrtin ... macht leilach, ... decken, z-n, zwelen Fischart Garg. 109 ndr.; wurde gezahlt ... sechs pfennige das hundert karpfen, leinwand oder züchen Raumer gesch. d. Hohenst. 5, 456; die redewendung auf die züche geben jemand die wahrheit sagen Schemionek Elbing. ma. 46 meint wohl die worte eines besuchers am krankenbett. buchungen und beschreibungen in wbb.: bedtyeck culcitra G. v. d. Schueren Teuthon. 31a Verd.; matta ein ziech mit stro gefüllt Alberus (1540) pp 4a; operimentum lecti z. Mylius nomencl. H 2a; Duez nomencl. (1652) 95; zche, z. Stieler 2631; z., zche, weisze z-n berziehen Kramer teutsch-it. 2, 1449b; z. oder zche der überzug eines bettes, polsters, ohren- oder hauptküssens Ludwig teutsch-engl. 2586; ziche pro zche Steinbach 2, 1090; Frisch 2, 473b; ziche, bettziche: sind die berzge, so man ber die kissen, pfhle und deckbetten ziehet und unten entweder zuknpfet oder mit einer rundschnure zuschnret allg. haush.-lex. 3, 793; Adelung2 4, 1701 hält z. für wendisch und sieht darin den grund, dasz es jederzeit provinziell geblieben sei; Campe 5, 858b. erst die romanistische sprachforschung hat die etymologie des wortes aufgedeckt; Weigand wb.2 (1871) 1139 kennt sie noch nicht; nahe lag die verbindung mit ziehen, daher denn Adelung2 4, 1701 züge als die richtige form ansieht; so kann Amaranthes frauenz.-lex. 189 sogar ein dim. bauchbettzglein wagen. die dim.-form bezeichnet meist den kleinen bezug für kissen, s. H. Fischer 6, 1175 (ziechle); ziechel, ziechlein Stieler 2631; ein ziehlein ohne saum (masur. räthsel: ei, wenn es die henne legt) zs. f. d. phil. 11, 355; vgl. kssencziechelchen Frankf.

[Bd. 31, Sp. 896]


archiv Ellen v. Holzhusen invent. v. 1410. — zss.: bett-, kissen-, polsterzieche. — dazu ziechner, m., weber der ziechenleinwand, gehörte einer eigenen zunft an: Lexer 3, 1101; ziechener, z., auch zieger, zygger (ende des 14. jahrh. s) Bücher berufe d. st. Frankf. 140a; die gancze czeche der czichner Olmütz. stadtb. 108a; dieses leinengewebe war carriert, während die inlettleinwand, die die z. auch machten, gestreift war Weinhold schles. wb. 109a; die grosze mangel oder rolle im züchnerzechhause Kundmann rariora (1737) 791; züchner allgem. für leinweber Bunzlauer monatsschr. 1780, 146, wie denn auch nach Lassalle ausgew. red. u. schr. 3, 174 die ziecher tisch- und handtücher weben; züchner, -i- sudetend. zs. f. volksk. 4, 70; s. auch zücher, züchner th. 16, 257. —
 
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-haupt, n.: (ziech-) überzug des kopfpolsters (küsszieche) Unger-Kh. 650b. —
 
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-kamm, m., weberkamm für ziechen: H. Fischer 6, 1176. —
 
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ziechenleinwad, f.: Kramer teutsch-it. 1, 938b. —
 
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-macher, m., gleich ziechner: Tucher baumeisterb. d. st. Nürnb. 155 L.
 
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-mangel, f., rolle der ziechner: -ü- Kundmann rariora (1737) 819. —
 
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-stück, n., ein stück ziechenleinen von festgesetzter länge: ain ziechstuck 1 dn. (zoll) Augsb. stadtrecht 265; Birlinger augsb. wb. 439a; ziechenstucke (1449 Chemnitz) Germ. 27, 188; czichenstückln per flor. 2 (1529) quell. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 172. —
 
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-stuhl, m., webstuhl für ziechen: ain gewürfleten oder vergleisten ziechstul haben (für gewürfelte, carrierte ziechen) Birlinger augsb. wb. 195b; 439b. —
 
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-tuch, n.: ein stück erfort ziechendch oder klsche stck z. (um 1450 Straszb.) Eheberg verfassgsgesch. v. Straszb. 1, 270. —
 
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-werk, n., 1) stoff zu ziechen: ein praits ziechwerk 2500 fäden minder 1 faden, schmale z. 2309 fäden Birlinger augsb. wb. 439a; ziechen: küsse 2 mit z-e (1577) bei H. Fischer 6, 1176; sammelausdruck für bettdecken- und polsterüberzüge Unger-Kh. 650b. 2) werkstätte der -macher: ein itzlicher uf dem czichenwerk und barchantwerk sol nit mer wen einen lerknecht haben Olmütz. stadtb. 108. —
 
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-zipfel, m., euphemistisch für peris: mein wurstzipflin, mein mrselstszlin ..., ziechzipflin Fischart Garg. 202 ndr.

 

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