Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zickzackwindung bis ziechenkamm (Bd. 31, Sp. 890 bis 896)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -windung, f.: fallwalzen ..., welche ... die kette in z-en aufspeichern (bei der weberei) Karmarsch-H. techn. wb.3 10, 500. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-zeichnung, f.: J. A. Naumann naturg. d. vög. 8, 177.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zickzacken, verb., im zickzack laufen, fliegen, fahren: z-d in geraden linien und winkeln: der zickzacklauf Fr. L. Jahn 2, 25 E.;

durch die schwere hitze
zickzacketen die blitze
Glaszbrenner Berlin wie es ist 25, 35;

ein bläuling ists. in wahrer taumelglut
zickzackt er um den duft'gen sommerhut
G. Falke ges. dicht. 2, 12;

blau und weisz gezickzackte strümpfe Klöden jugenderinn. 259; übertr.: ein guter grund ..., der wohl meister werden wird ... über allerlei, was umherschieszt ... und zickzackt Görres ges. br. 3, 314;

wer sich nicht hütet vor der finte,
der kömt vom regen in die tinte,
sie zickzackt um sich wie der blitz
und ist ein alter fechterwitz
L. Eichrodt lyr. kehraus 1, 75;

in die beiden theile zerlegt:

hoch zickt und zackt sich eines fuszsteigs lauf
P. Ernst kaiserb. 3, 1, 167. —

zickzackig, adj., im zickzack verlaufend, gebildet: den z-en blitz Jean Paul 52/53, 165 H.; ich entsprang z. 31, 54 H.; z-er gang: Holtei erz. schr. 27, 113; z-e klippen Gutzkow ges. w. 5, 263; freier: der schmied sah sehr z. aus Jean Paul 45/47, 348 H.; z. ist sein (eines blödsinnigen) pfad Scheffel ges. w. 1, 264; so z. ..., so prinzip- und normlos ... sind diese Fellaharaber in ihrem sinn und geist Bog. Goltz kleinstädter in Ägypt. 159.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zider, m., obst-, apfelwein; das entlehnte franz. cidre, das aus lat. sicera und letzten endes aus hebr. schēchar rauschtrank stammt; erst im 18. jahrh. bezeugt, da das th. 2, 627 hierhergezogene zith Fischart Garg. 85 ndr. unsicher ist: noch cidre bei Zedler univ.-lex. 6 (1733) 40

[Bd. 31, Sp. 891]


geschrieben; cider E. v. Kleist 1, 45 (cit. th. 2, 627); cider Adelung2 1, 1335; hier glüht der goldpippin, der stolz Englands, ... und seufzt im herbst unter der presse, um später als z. die herzen ... zu erfreuen Joh. Schopenhauer reise durch Engl. (1818) 2, 4; cider aus wildäpfeln flosz in strömen Rosegger I 7, 9; Seiler lehnw. 4, 493; Karmarsch-H. techn. wb.3 1, 740. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-essig, m.: Adelung2 1, 1336; Prechtl techn. enc. 5, 320.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ziebel, f., zwiebel, allium cepa, die wurzelknolle und die ganze pflanze, auch knolle anderer zwiebelgewächse; die nicht zu schriftsprachlicher geltung gelangte nebenform von zwiebel (s. d.); beide wurzeln im rom., in ital. cipollo, m., oder mlat. cipolla, f., abkömmlingen des lat. cēpulla: das nd. hat sein -p- unmittelbar aus dem klosterlatein bezogen, das obd. -b- ist aus einer rom. dialektstufe mit -b- (vgl. prov.-span. cebolla) übernommen; im bair. aber schreitet -b- über -v- zu -f- weiter und nimmt die anfangssilbe ein -w- auf, zwei wandlungen, zu denen wohl lautliche ursachen den anstosz gegeben, aber anpassung an deutsche wortkörper erst den abschlusz gebracht haben, indem zwibollo, m., als 'zwiefach gehäutete knolle' aufgefaszt und die eigentlich bair. wortform zwivollo, m., an ahd. zwivalt angelehnt zu sein scheint. der hier gezeichnete lautstand liegt schon in ahd. zeit fertig vor: einerseits alem. zubullo ahd. gloss. 3, 487, 7, alem.-südrheinfränk. zibolla 3, 108, 48f., anderseits bair. zwivolle 3, 579, 9; 4, 214, 17, ostfränk. zwippoln 3, 536, 43; 537, 51 öft.; dem nd. sprachgebiet gehören zu cypolle, cipolle 3, 552, 13; 20; accentverlagerung führt zu cibel 3, 51, 18, zwifal (hs. -s-) 3, 108, 48, spätmhd. zibele, zibel, zwibel, zwifel, mnd. sipele, sipel, mnld. cipel, sipel, chibole, doch bleibt auch mnd. tzipolle, sipolle im gegensatz zum mhd. schwindenden zi-, zwibolle im gebrauch. aus dem nd. bezieht der norden sein altdän. cipul, mschwed. sipul, finn. sipuli; s. die belege zs. f. wortf. 6, 198 (für die glossen); Graff 5, 731; mhd. wb. 3, 956a; Lexer 3, 1212; Schiller-L. 4, 215b; Verwijs-Verd. 1, 1506; Diefenbach gl. 84a; 113b; sowie zum sprachgeschichtlichen vorgange Frings Germ. rom. 92; Kluge-Götze etym. wb. 722b; bes. Lessiak konsonant. 206 (auch für die gliederung des modernen kartenbildes). die heutigen maa. kennen zw-formen im bereich des österr.-bair., des mittel- und nordschwäb., ost- und rheinfränk. rechts des Rheins, des moselfränk. sowie im obersächs. mit Altenburg, Vogt- und Egerland und im schles., und zwar österr.-bair. und ein ostschwäb. streifen zwīfel, zwifel, m., obersächs.-vogtländ.-nordwestböhm. zwīfel, f., mittelschwäb. zwībel, m., nordwestl. Württemberg, rechtsrhein. Rheinfranken sowie moselfränk. zwiwwel, siebenbürg. zweibel, zwibbel, in theilen von Obersachsen auch zwīwel, f.; nd. -p- reicht ins obersächs. und nordwestböhm. sowie schles. (zwippel), ferner ins südöstliche Hessen (zwüppel Rhön) hinein; vgl. Schmeller-Fr. 2, 1174; Schöpf 834; Lexer kärnt. 268; H. Fischer 6, 1446; Müller-Fr. 2, 720a; R. Wenisch nordwestböhm. ma. 91b; Crecelius 2, 940; Hofmann niederhess. 273b; Christa Trier. ma. 226a; Pritzel-Jess. volksnam. d. pflanz. 18. die heimat der w-losen wortgestalt ist das alem. gebiet (Schweiz, Elsasz, Schwaben bis zur linie Neuenbürg über Tübingen zur Iller: schweiz. zībele, f., selten m., elsäss. ziwwele, f., selten m., schwäb. zībel, zibbel, ziwwel, m.), Lothringen, Saarland, Pfalz (ziwwel, f.), Kurhessen und Thüringen (zibbel, f.), ferner mit -p- oder -pp- das gesamte nd. gebiet nebst angrenzenden md. strichen, wobei die östliche hälfte noch die volle endung -olle, -ol, die z. th. noch den wortaccent trägt, bewahrt; westfäl.-wald. diphthongiert den stammvocal zu -ei-; das geschlecht ist durchgängig das femininum; die belege s. bei Stalder 2, 470; Seiler 324b; Martin-L. 2, 890a; Ch. Schmidt Straszb. 121a; els. 440a; H. Fischer 6, 1446; Follmann 559b; Schön Saarbr.2 236b; Autenrieth 156; Vilmar 471; Hertel Thür. 267; zippel: M. Schulze nordthür. 47a; Kleemann 26a; Hentrich Eichsfeld 77; Jecht Mansfeld. ma. 128a; Liesenberg 223; Bruns volksw. d. prov. Sachs. ostteil 77a (neben -bb-); Schambach 308b; C. Schumann wortsch. v. Lübeck 8 (zipal, zibbel aus -pp-); Richey2 352; Schütze 4, 383; Mensing

[Bd. 31, Sp. 892]


4, 481; Frischbier 2, 495a; Fischer samländ. 101; zīpel, zeipel: Woeste-N. 237b; 330b; B. Martin 278b; ten Doornkaat-K. 3, 186a; zipólle: Vilmar 471 für Niederhessen; Bierwirth ma. v. Meinersen 51; Block id. v. Eilsdorf 102b; Mi 110a; Danneil 252b; Dähnert 561b; auch brem. wb. 5, 313; hieraus jüngeres zpol: (Westprignitz) nd. jahrb. 31, 142; (Stavenhagen) Grimme plattd. maa.2 151; (mittelpomm.) Pfaff 47. überniederdeutsches t- erscheint im grenzstrich von MülheimRuhrGummersbach (tipel) und im götting.-grubenhag. twiwel: Schambach 239a. ältere entlehnung als die beschriebene hatte das grundwort lat. cēpa als cive ins franz. und in der form cípe nach England gebracht. deutsches sprachgut konnte dem eroberungszuge des fremden wortes, dem die überlegene gartenpflege der klöster starken vorschub leistete, nur im schutze lautlichen und begrifflichen anklangs standhalten, indem heimisches bolle, f. m., das jeden kleinen gegenstand von kugelform bedeutete, die rolle des fremden zibolle, zipolle, aber mit beschränkung auf die zwiebelknolle, übernahm, so ostschweiz. bölle, m. f., unter geringer lautwandlung gegenüber bolle, m. f., dem der allgemeine begriff verblieb (schweiz. id. 4, 1175; auch südbad., s. Ochs bad. wb. 1, 287a), das nur in wenigen spuren nachweisbare bulle, f. (H. Fischer 1, 1514), bölle, f., (1275) der Schwaben, denen Keisersberg brös. 2, 53b diese benennung ausdrücklich zuspricht: cepa heiszt ein zübel, und bulla heiszt auch ein zübel; ... davon kummet unser tütsch züblen, von cepa, zy, und bulla, und sprechen zebulen; in Schwaben spricht man bullen, namentlich aber brandenburg. bolle, f. (J. S. Elsholtz gartenbau [1672] 147; armenordnung von 1703 bei Mylius corp. const. march. 1, 2, 145), das sich jetzt z. th. von böllen plur. flachsknotten, samenkapseln des flachses abhebt. andernorts kann bolle neben seinen anderen anwendungen auch auf die knolle der zwiebel bezogen werden: Müller rhein. wb. 1, 856. dem altheimischen namen der zwiebel, lauch, m., der wehrlos dem angriff des eroberers ausgesetzt war, verblieb nur am Niederrhein nördlich der Ürdinger linie kärglicher besitz (look, m.), und im ripuar. gebiet vermochte er sein dasein durch die verschmelzung mit dem zweiten rom. eindringling, lat. unio, m., zu fristen: altes cepe unelouh ahd. gloss. 3, 471, 16—18, unelouch 403, 13, unloich 387, 40 ergibt modernes öllich, -ik; auch ags. ynneléac zeugt von demselben mischungsvorgange; unio lebt als ön in der Eifel, als un in belgisch Limburg; s. Frings zs. f. d. maa. 1923, 212 ff. und sprachkarte in Aubin-Frings-Müller kulturström. in d. Rheinland. 33.
liter. belege: rettich, zibellen (elsäss. 1302) Schöpflin Alsatia dipl. 2, 78; von zubelen (1369) württ. vierteljahrsh. n. f. 21, 190; der sam des zibelen H. Österreicher Columella 2, 245 (schwäb., aber zwibel 166; 259); synd esz doch warm regen und msz der zyboll (des safrans) geben, was er hautt ... sy werden kain saffran hon, esz wachs das grasz vom zybollen und gangen wenig blomen uff (1511) Schulte Ravensburg. handelsges. 3, 455; Christus wer so ... mült wie ain geschwaizter zübel in ainer wassersuppen zimm. chron.2 2, 603 B.; s. H. Fischer 6, 1447; wir gedenkend ... der kürbsen, peben, lauch, böllen und knobloch 4. Mos. 11, 5 Zürch. bib. von 1531, aber 1548 zibelen, 1667 zwibelen (zwifel erste bibel; zwibel Luther); ein gebratner zibel ist gut zu legen über einen eiszen Keisersberg seelenpar. 217b; der zibelen messens halben (1524 Colmar) G. Franz bauernkrieg 2, 188; zibel (1525 Solothurn) 278; zibellen (1525 Bern) 328; roch ziblen über nacht in wasser gelegen und das wasser uff feyszts oder wol gedüngtes erdtrich gegossen, so schlieffent sie (regenwürmer) dar usz H. Braunschweig kunst zu distill. (1500) 95b;

dann kompt der münch ouch mit dem sack,
so gibt der pur, was er vermag,
weitzen, korn, kesz und zibel
Murner narrenbeschw. 112 ndr.;

wie wol sy (die bauern) yetz einfeltig sindt,
als man Larer zibel findt 238 ndr.,

undurchsichtige anspielung auf die 'einfachen' Lahrer zwiebeln; auch:

[Bd. 31, Sp. 893]


Paulus Hug was ein einfalt kind,
geleich als die Lorer ziblen sind ders., fier ketzer O 2a;

vgl. hierzu Ch. Schmidt els. wb. 440a; wann in got ziblen und knoblauch bereit Wickram 2, 54 B.; Luthers haussprache wandte gewisz zippel an, wie er auch geschrieben hat, vgl.: also das auch die Egypter vorzeiten glaubten, das ein ochse, hund, ... wrm, ja auch zippeln und knoblauch gtter weren schr. 8 (1568) 39a; aber für die bekannte bibelstelle 4. Mos. 11, 5 wählte er die obersächs. wortform (cit. s. ob.) und sicherte damit deren aufnahme in die schriftsprache; doch wohl die heimische form gebraucht des reformators engster landsmann Joh. Agricola: warumb bliben wir nicht in Egypten und aszen zippeln und knoblauch? sprw. (1534) F 7a; sie ... vermischen ihn (den rogen) ... mit ... zipollen A. Olearius pers. reisebeschreib. (1696) 103; sprw.: zipollen jögt men weg, un knuflak krigt men wêer (für einen entlassenen ungenügenden dienstboten bekommt man leicht einen schlechteren) Schambach sprw. Götting.-Grub. 2, 154; gebucht, wie zu erwarten, von wenigen wb.-schreibern: zypollen, zwybeln Orsäus (1623) 44; zwibeln, bollen, zibollen Pancovius herbar. 102; Stieler 2661 kennt neben zwibel auch zippel, wohl aus Thüringen; Frisch 2, 488a führt auch zippel und bölle an; Adelung2 4, 1791 weist nd. zipolle für die zwiebelpflanze und nd. bolle für die knolle von pflanzen auf; Campe 5, 969b hat zwippel, zippel, zipolle, bolle, zievel. scherzhaft für runde gegenstände, wie eine alte, altmodische taschenuhr: Martin-L. 2, 890b; H. Fischer 6, 1448; Hertel Thür. 267; Müller-Fr. 2, 720b; ein kleines brot: Bühler Davos 1, 305; auch eine stumpfe nase: Müller-Fr.; schlieszlich sogar auf frauenspersonen, junge wie alte, übertragen: Martin-L.; Dähnert 561b. — einige zss. mit engen sachbedeutungen s. in schweiz. id. 2, 826; 1216; 4, 503; 1499; 5, 743; 911; 9, 1015; ebenso bei Martin-L. 2, 1155c; Follmann 569b; im übrigen s. unter DWB zwiebel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ziebelein, n., aus dem lockruf ziep ziep, obd. zipp zipp (s. 1ziep) gebildete kosebenennung des küchleins und jungen huhns: gallinella hnlein, z. Kirsch cornucop.3 (Nürnb. 1723) bei Diefenbach gl. 256c; mit diphthong und f im silbenauslaut (aus der vorstufe ziwwele, s. u.) zeifelein junges huhn (Grabfeld) Schmeller-Fr. 2, 1087; regel ist sonst eine den ton auf den endvocal legende gebrauchsform, also kein rechtes diminutiv, zibbele, ziwwele, die eine rufreihe steigernd abschlieszt: zib, zib! zibel, zibele! (phon. -ĭ-; Oberpfalz) 1074; daraus das subst. zibel, n., zahmes stück geflügel 1075; (Nürnb.) ziberle junges hühnchen; übertr. dumme gans ebda; ziwwele (fränk.) küchlein H. Fischer 6, 1173; ziwwelá lockruf für hühner (obere Saale) Bayerns maa. 2, 268; auch zu beginn der reihe: ziewele, ziewele, ziep, ziep! (Erzgeb.) Müller-Fr. 2, 705a; und mit -p-: zippel, zipp, zipp! ebda; daraus ziepel, ziepchen küchlein ebda; zippel Göpfert sächs. Erzgeb. 36; zippchen hühnchen Schröer wb. d. ungr. bergland. 2, 216a; ziepel küchlein südl. mark Brandenburg; vgl. noch ziebeleskäs hühnerkäse (quarg) Martiny wb. d. milchwirtsch. 140; ziberl lockruf und kosename für turteltauben Unger-Kh. 649b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ziebold, m., libelle: ziebolden, sonsten jungfern genannt J. Prätorius anthropod. plut. (1666) 2, 286; Jac. Grimm myth.4 2, 769; s. sibold (th. 10, 1, 709).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zieche, f., sackartige hülle, im bes. für betten; eins der frühen lehnwörter des wgerm. bereiches, welches im obd. der lautverschiebung verfiel, wie flaum, pfühl, wozu man noch küssen geselle, um die neuerungen der rom. bettausstattung zu überschauen; griech. θήκη war die benennung fester behältnisse gewesen, lat. thēca hatte dazu die bedeutung der weichen hülle gefügt; in dieser geht *tēca nun ins wgerm. über, mit dem alten vocal ins hoch- und niederdeutsche (ahd. *zēhha, woraus ziahha, mnd. tēke), mit ī erscheint es als mnld. tīke, nnld. tijk, fries. tīk, me. ticke, ne. tick; aus der gleichen quelle flieszen franz. taie, air. tīach. die lautentwicklung in den hd. maa. bietet das gewohnte bild: der vocal zeigt im obd. diphthongische gestalt,

[Bd. 31, Sp. 894]


bair. -ia-, alem.-schwäb. -ie-, -iä-, ostfränk. -ei-, im südrheinfränk. herrscht -ī-, im ripuar.-nd. -ē- und daraus entspringende formen, im gesamten übrigen md. wird -ī- vor -ch- zu -i- gekürzt und machenorts, bes. in Preuszen, zu -ü- gerundet (s. DWB züche th. 16, 256); überall hat sich -ch- als starker reibelaut gehalten, nur schweiz. maa. schwächen ihn: ziehe Henzen Freiburg. ma. 69; zihe Hunziker Aarg. wb. 309; u. a.; so dasz z. lautlich mit ziähä, f., schublade zusammenfällt: Brun ma. v. Obersaxen (Graubünd.) 54. die nd. lautform ist nur in Westfalen üblich: taike Holthausen Soester ma. 21; Köppen Dortmund. ma. 58; das übrige nd. gebiet beherrscht das franz. lehnwort büre (th. 2, 511), das aus franz. bure, f., grober wollstoff abgespalten ist; s. v. Wartburg etym. wb. 1, 630b; Gamillscheg etym. wb. 159a; zur verbreitung der beiden ausdrücke s. Kretschmer wortgeogr. 118.
bedeutung: 1) die ahd. glossen geben ziahha bereits mit lat. tomentum, zomentum wieder und weisen das wort dadurch dem begriff der bettausstattung zu; älter aber ist die bedeutung sack, sie darf nicht einer rohen verwendung des bettbezuges zugeschrieben werden; beispiele: von ainer z-n mit nuzze ainen helbelinch (brückenzoll) Augsburg. stadtrecht 31; stan lassen in meiner herberg 53 wepfen in ainer ziech bei H. Fischer 6, 1175; zwo z-n mit baumwollen wigen 6 cent. 29 lb. Ad. Riese rechenb. (1581) 31b; dasz ... neun gestoszene kornscke voll, oder wie etliche setzen, drei weiten z-n damit (mit den abgeschnittenen ohren der gefallenen) sind gefllet worden Bütner epit. histor. 199b; die wolle davon (den schafen) wurde nach landesgebrauch in ein paar riesenhaften züchen (säcken) ... zum ... wollmarkt nach Breslau geschafft W. Menzel denkw. 56; sack, worein hopfen, laub u. dgl. gepackt wird: Schmeller-Fr. 2, 1079; Hertel Thür. 264; Regel Ruhlaer ma. 292; Müller-Fr. 2, 702b; als markt- oder reisetasche einfacher leute bezeugt bei H. Fischer; Frischbier 2, 492a. 2) im gesamten verbreitungsgebiet des wortes ist die bedeutung überzug über unterbett (nicht allgemein), bettdecke und kissen bekannt und in Süddeutschland als verkehrsausdruck durchaus geläufig, wenn ihm auch die umschreibende bezeichnung bettüberzug, -bezug als das feinere wort abtrag thut und es in die ma. drängt, was in Mitteldeutschland noch schnelleren fortgang als im süden nimmt. die glossen übersetzen mit tomentum (zo-, so-), d. i. polster, polsterung, einer irreführenden wiedergabe, die sich erst aus dem anderen übersetzerwort culcitra sack, hülle für polster und dann auch das polsterstück selbst begreift, sowie mit lectega (lectitega) betthülle: zeicha ahd. gl. 4, 239, 31; ziecha, z. Graff 5, 625; pettes z-n; ziech vel zich uber ein beth Diefenbach gl. 587a; n. gl. 367a; auf den doppelsinn des lat. culcitra geht die glosse bedt darauf man ligt od. ziech 161c zurück; auch folgende stelle meint doch wohl nur den bezug des unterbetts: diu z-n, diu z dem magtme hœrent daz ist daz gewant, daz under der megede lit, so der man bi ir lit Schwabensp. ldr. 201 L. z. ist ursprünglich, solange man nicht der gröszeren reinlichkeit halber noch einen waschbaren bezug überzog, die betthülle für die federn gewesen, also dasselbe wie mhd. vederiht (th. 3, 1401), inguz, inlâz (mnd. inlât, wofür jetzt inlett, s. th. 4, 2, 2122), vgl.: pettz. od. ingusz Diefenbach gl. 322a; auch die kostbaren stoffe der mhd. epen zeugen, soweit sie nicht oder nur schlecht waschbar waren, dafür, so sicher:

daz bedde senfte ende wît,
diu zieche was ein samît,
wale gedûcht (gestopft) mit vederen,
die underzieche (inlett des unterbetts) lederen,
vile weich unde vast
Heinrich v. Veldeke Eneit 49, 10 Ettm.;

eher kann man schon an einen wechselbaren überzug denken bei den folgenden stellen:

einez (bettstück) was ein phlûmît,
des zieche ein grüener samît
Wolfram Parz. 552, 10;

diu bettewât vil linde was,
der pfülwe und ouch daz küssîn,
diu zieche guot sîdîn
Ulrich v. Zatzikhoven Lanz. 4158;

[Bd. 31, Sp. 895]


das wird ausdrücklich bezeugt:

enmitten ûf den hiuten lac
bette weich unde grôz.
diu wâren niht gar blôz:
in wâren die ziechen
pfellelîn von Kriechen Moriz v. Craun 1133;

auch später noch musz die einfache hülle genügt haben, vgl.:

ich komb von dieser ziechen nicht,
dieweil ein federn herausz sticht
H. Sachs 12, 349 K.

betheuert die frau, welche der ehemann vertauschen will; sie schnitten die z-n auf und schtteten die federn zu den fenstern hinaus Greiser histor. (1587) B 2b; wohl auch: ein loch durch alle leilacher und z-n bisz auf die federn gebrennet Guarinonius greuel 1280; vgl. H. Sachs 5, 264 K.; Ayrer dram. 2, 1229. anderseits deutlich als der abziehbare überzug erkennbar: nuwe federiten oder ingüsse z betten, phulwen und dergleichen dingen ... joch z-n darüber (1427) Basler rechtsqu. 1, 112; dasz sie mir nichts zupracht dann 2 pett on ziech und ein truchen on fuesz (Augsb.) chron. d. st. 5, 139; dreu vederpett, das ain mit ainer weisen z-n Zingerle invent. 7; ein unters pet mit einer gutten czichen Iglauer stadtb. 5, 41a;

was sol ein liberey ohn bcher,
was sol ein beth ohn ziech und dcher?
Eyering proverb. 2, 532;

ein oberbette ohne züchen Schweinichen denkw. 526 Ö.; (er) liesze ... eine saubere z., gleich als wre das bett hbsch neu gemachet, berziehen Zendorius wintern. 772; z-n (plur.) ... ist der leinene berzug, womit die bette, kssen oder dergleichen berzogen wird, daher man zu rahten gibet: es gehet ins bad und lszt den bauch daheime Harsdörfer secret. 1, M mm 5a; sonstige belege: weib ..., deine mieder, deine glieder, deine z-n auch riechen A. a s. Clara narrennest (1751) 2, 163; zur vollen gerade ... gehren ... alles leinen gerthe an bettchern, zchen, tisch-, tafel-, auch teller- und schnupftchern Amaranthes frauenz.-lex. 655; dann dachte sie an die mitgabe, liesz alle bettstücke, alle z-n, alle leintücher, die zu diesem zwecke gemacht bereit lagen, die musterung passieren Jer. Gotthelf ges. schr. 2, 285; stoff zu überzügen: sie hetten kauft ... golsch, ziech, stuck, blaich (Augsb.) chron. d. st. 5, 114;

wer wolt ziechen und barchet weben
H. Sachs 7, 79 K.;

die nadelveste ehegefhrtin ... macht leilach, ... decken, z-n, zwelen Fischart Garg. 109 ndr.; wurde gezahlt ... sechs pfennige das hundert karpfen, leinwand oder züchen Raumer gesch. d. Hohenst. 5, 456; die redewendung auf die züche geben jemand die wahrheit sagen Schemionek Elbing. ma. 46 meint wohl die worte eines besuchers am krankenbett. buchungen und beschreibungen in wbb.: bedtyeck culcitra G. v. d. Schueren Teuthon. 31a Verd.; matta ein ziech mit stro gefüllt Alberus (1540) pp 4a; operimentum lecti z. Mylius nomencl. H 2a; Duez nomencl. (1652) 95; zche, z. Stieler 2631; z., zche, weisze z-n berziehen Kramer teutsch-it. 2, 1449b; z. oder zche der überzug eines bettes, polsters, ohren- oder hauptküssens Ludwig teutsch-engl. 2586; ziche pro zche Steinbach 2, 1090; Frisch 2, 473b; ziche, bettziche: sind die berzge, so man ber die kissen, pfhle und deckbetten ziehet und unten entweder zuknpfet oder mit einer rundschnure zuschnret allg. haush.-lex. 3, 793; Adelung2 4, 1701 hält z. für wendisch und sieht darin den grund, dasz es jederzeit provinziell geblieben sei; Campe 5, 858b. erst die romanistische sprachforschung hat die etymologie des wortes aufgedeckt; Weigand wb.2 (1871) 1139 kennt sie noch nicht; nahe lag die verbindung mit ziehen, daher denn Adelung2 4, 1701 züge als die richtige form ansieht; so kann Amaranthes frauenz.-lex. 189 sogar ein dim. bauchbettzglein wagen. die dim.-form bezeichnet meist den kleinen bezug für kissen, s. H. Fischer 6, 1175 (ziechle); ziechel, ziechlein Stieler 2631; ein ziehlein ohne saum (masur. räthsel: ei, wenn es die henne legt) zs. f. d. phil. 11, 355; vgl. kssencziechelchen Frankf.

[Bd. 31, Sp. 896]


archiv Ellen v. Holzhusen invent. v. 1410. — zss.: bett-, kissen-, polsterzieche. — dazu ziechner, m., weber der ziechenleinwand, gehörte einer eigenen zunft an: Lexer 3, 1101; ziechener, z., auch zieger, zygger (ende des 14. jahrh. s) Bücher berufe d. st. Frankf. 140a; die gancze czeche der czichner Olmütz. stadtb. 108a; dieses leinengewebe war carriert, während die inlettleinwand, die die z. auch machten, gestreift war Weinhold schles. wb. 109a; die grosze mangel oder rolle im züchnerzechhause Kundmann rariora (1737) 791; züchner allgem. für leinweber Bunzlauer monatsschr. 1780, 146, wie denn auch nach Lassalle ausgew. red. u. schr. 3, 174 die ziecher tisch- und handtücher weben; züchner, -i- sudetend. zs. f. volksk. 4, 70; s. auch zücher, züchner th. 16, 257. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-haupt, n.: (ziech-) überzug des kopfpolsters (küsszieche) Unger-Kh. 650b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-kamm, m., weberkamm für ziechen: H. Fischer 6, 1176. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: