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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zickse bis zickzackdattel (Bd. 31, Sp. 887 bis 889)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zickse, f., ziege: de frau het nit sickse noch bock Woeste-N. 236a; erweitertes zicke.
 
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zickus, zickis, zickisch, adj., blind (rotwelsch), von span. ciëgo blind: zickus blind R. Delcourt 176a; blinder v. Grolman 76a; v. Train 136b; zickissen (1483) blinde Avé-Lallemant gaunerth. 1, 11; von den zickischen, das ist von blinden liber vagator. cap. 11 ebda 173; auch bei Luther 26, 645 W., wo in der capitelüberschrift die schreibung zickissen steht; ebda 654 zickus ein blinder; auch bei Avé-Lallemant 1, 184b; zicküt blind 206b aus einer nd. ausgabe des liber vagatorum; zickis Fischart Garg. (1607) C 1b.
 
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zickzack ist aus der doppelformel zick zack (s. zick) entstanden und bezeichnet eine in abwechselnd ein- und ausspringenden winkeln geknickte linie oder eine so ablaufende bewegung; 1) adv.:

auf einmahl stürzt aus wolkenlosen höhen
zickzack ein feurger strahl herab
Wieland (Oberon 10, 45) s. w. (1796) 23, 195;

nur zickzack geht gewöhnlich unser (der irrlichter) lauf
Göthe (Faust 3862) 14, 196 W.;

Jung-Stilling s. schr. 4, 13; (eine strasze, die) z. ins thal gelangt Göthe IV 21, 308; 34, 15 W.; ein ... aus z. gebogenen lagen bestehender sprudelstein II 9, 22 W.; ein ... kleid ..., z. gestickt IV 19, 296 W.: wie der blitz, der z. aus den wolken fährt Kotzebue s. dram. w. 4, 112; z. hinein, z. hinaus Fr. L. Schröder dram. w. 1, 20;

und zickzack wie der flug des falters
graf Strachwitz ged. 159;

im funkelnd rothen mieder, so z. ausgeschnitten W. Alexis Rol. 1, 292; vom torkelnden gange eines trunkenen: Nestroy ges. w. 11, 54; mit franz. schreibung (s. 2a): sicksackweis Stöcklein weltbott 17 (1732) 53 und: wenn man ein bischen zigzag geht Raupach dram. w. kom. gatt. 2, 267. 2) als subst. m. und n. in gleicher vertheilung; der plur. endigt meist auf -e, in älteren belegen der bedeutung a begegnet -s, das von hier aus einigen boden gewinnt: Göthe 7, 177 W.; Gutzkow zauber. 5, 268; Moltke ges. schr. 6, 342; H. v. Barth Kalkalp. 54; dem dat. sing. mangelt eine endung, metrischer zweck kann sie gelegentlich einführen:

als auch dieser im zickzacke
sich getrollt mit dem schnickschnacke
Rückert w. 7, 138.

a) ist nach Weigand-Hirt 2, 1322 seit 1680 als ein ausdruck für die annäherungsgräben bei einer belagerung mit der schreibung zigzag, sicsac im franz. bezeugt und während der belagerung Landaus (1703—04) bekannt geworden: sicsac, ein neu wort, so erst bey der belagerung Landaus bekannt gemacht worden Joh. Chph. Nehring manuale juridicopolit. (1710) s. v.; zigzac ist eine art der approchen, die nach dem zuge beygesetzter figur gefhret werden Chr. Wolff math. lex. (1716) 1487; sicsac heiszet man die linien oder approchen, so aus denen parallellinien der attaquen von unterschiedenen orten schlangenweis nach dem angle saillant der contrescarpe zulauffen (1732) 1142; s. Kluge-Götze etym. wb. 710a; z. (zigue-zague) ist die letzte strecke der laufgrben, von der dritten parallele an, wo die grosze nhe der werke nur kurze schlge erlaubt, um nicht von jenen eingesehen zu werden Hoyer kriegsbauk. 3, 263; erster beleg der fachliteratur stammt aus dem jahre 1762: in vergangner nacht hat der feind abermals einen ausfall ... gewagt, um unsere z-s zu der zweyten parallele zu ruiniren Lessing 18, 426; 430 M.; sodann: so wurden 1704 ... linien, die aus einem im zigzag gehenden walle und

[Bd. 31, Sp. 888]


graben bestehen, aufgeworfen Nicolai reise (1783) 2, 597; er führte die laufgräben in z-s um die umwallung herum v. Alten hdb. f. heer u. flotte 2, 633; erste buchung nach Sperander à la mode-sprach (1727) s. v. bei Adelung 4 (1801) 1701. aus dem franz. geht zigzag ins nld. und engl., siksak (neben zigzag) ins skandinav. über, wobei überall, wie im franz. selbst, die beschränkung auf die enge fachbedeutung aufgegeben wird, vgl. z. b. aller en zigzag. danach musz das subst. z. vor 1680 im allgemeinen sinne im deutschen bestanden haben; franz. ursprung kann angesichts der verflechtung der beiden theile zick und zack in das sprachgefüge (vgl. die ableitungen 1zick, zicken, verb., und zacken, m.) nicht in betracht kommen; b) merkwürdigerweise ist auch die zweite technische bedeutung zuerst im franz. belegt: storch, cicogna, gall. ziczac Kramer teutsch-it. 2, 985a, s. das vollständige citat nebst einem zweiten beleg für storch von Kramer und weitere angaben th. 10, 3, 374; c) in allgemeiner anwendung α) eine ruhende oder in der bewegung entstehende linie der beschriebenen form; zunächst in franz. schreibung: (die holzraupe) hftet ... einen faden im sicksack an den baum Reimarus nat. relig. (1766) 366; 406; so brachten die zwischen den kugeln ... herausbrechenden ... funken ... die gestalt zuwege, welche mit der figur des blitzes als ein z. vllig gleichkam anm. gel. 9, 663 Gottsched; auch ist das z. wirklich die linie der unentschlossenheit Lichtenberg hogarth. kupferst. 3, 183; der mensch allein ist veränderlich, und die gerade linie oder der z. führen ihn Jean Paul 7/10, 341 H.; Joachime sah dem schnellen z. einer schwalbe nach 7/10, 345 H.; z-s s. th. 5, 333; da sein gang mit dem einmal beliebten schafsgang lauter zikzak macht Zimmermann eins. 3, 482; die zuglinie macht ... ohngefehr folgendes z. Thaer ackergeräthe 1, 4; alle blitze und ihre z-e Grabbe 3, 451 Bl.; graziöse z-s (beim schlittschuhlauf) Gutzkow zauber. 5, 268; dieses z. der strasze ges. w. 11, 97; muster in natur- oder kunstgebilden: einen ... schmuck (einer dame) einer buntschckigen reihe von flohrblumen und gewaschnen zikzaks (spitzen) Hammard reise durch Oberschles. (1787) 114; das z. der felslager Göthe III 2, 170 W.; die spitzen winkel dieser z-e Sömmerring menschl. körp. 7, 309; so als anatom. fachausdruck: der ciliarkrper (im kleinhirn) ... welcher aus dem ... gezackten streifen oder bande oder dem z. (fascia dentata) und dem ... centralmarke oder ciliarmarke ... besteht 4, 256; (eine schneckenart) mit dunkelrothen z-en Oken allg. naturgesch. 5, 427; macht ... jeder eintragfaden ein z. (in der weberei) Karmarsch-H. techn. wb.3 1, 668; sehr beliebt in der verbindung mit der präpos. in: er hat die promenade schon zwey bis dreymal im zikzak zurckgelegt K. Fr. Cramer Neseggab 1, 6; in z. eingehauene gnge grafen Stolberg ges. w. 8, 157; Shakespeare 4, 279; Hebbel 8, 333 W.; die schwalbe, die im z. fliegt B. Auerbach schr. 17, 81; (eine strasze) muszte ... im z. geführt werden G. Keller ges. w. 1, 376; 4, 112; sie ... ging im z. Fontane ges. w. 2, 478; da die strasze sich in vielen z-s windet Moltke ges. schr. 6, 342; in kleinen z-s leitet er (der pfad) über ... gehänge H. v. Barth Kalkalp. 54; d) übertr., z. b. von einer schlechten schrift: solche krakelfüsze, solche fürchterliche z-e, die kann kein mensch lesen Lessing 1, 282 M.; von einer krausen, umschweifenden rede: dasz er den zikzak in seine reden gern bringt K. Fr. Cramer Neseggab 1, 7; vom ziellosen handeln: dies z. der preuszischen politik Häuszer d. gesch. 2, 537; vor allen neigt Jean Paul zu einem dichterisch freien und anschaulich reichen gebrauch: ein schwacher z. von mienen 19, 135 H.; in den z. der geschichte 52/53, 144 H.; vom z. des schicksals herumgetrieben 1, 177 H.; ähnlich: das pfaffengeschmiere, das ihn als unsinniges z. in der welt umher treibt A. G. Meiszner Adolph d. Kühne 3, 85; auch: Lessings witziger dialektischer z. und zweischneidige kürze Jean Paul 49/51, 161 H.; so brauchte es ... wenige kalte tropfen von kalten worten, damit die heisze, in flusz gebrachte seele von den fremden kalten körpern in z. und klumpen zerschosz 15/18, 89 H.; ferner bei

[Bd. 31, Sp. 889]


Fr. Th. Vischer: das schöne ohne den zikzak des komischen alt. u. neues 1, 117; z. genug in mir selbst auch einer 2, 176; e) die mawbb. übergehn das auch hier geläufige wort, vgl. nur etwa: Fischer samländ. 99; z-e machen (vom gang eines betrunkenen) lux. wb. 504a; gebucht von Adelung2 4, 1701; Campe 5, 858a; f) gar als adj. gebraucht: die z-en sprünge (der lawine) Herwegh Lamartine 5, 122. — zss.:
 
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-artig, adj.: die z. in einander greifenden bltter Sömmerring menschl. körp. 4, 268; die ... z-e zeichnung J. A. Naumann naturg. d. vög. 6, 334; Allmers marschenb. 1/2, 146. —
 
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-bach, m.: begann ... so heftig zu regnen, dasz ... das wasser ... auf dem fuszboden in zickzackbächlein umherrann Rosegger III 9, 290. —
 
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-bahn, f.: Fr. L. Jahn 2, 27 E.
 
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-band, n.: (die rückenzeichnung der vipernatter) setzt sich als z. fort Brehm 7, 320 P.-L.; Oken allg. naturgesch. 5, 1140; H. Löns tal d. lied. 74; man sieht diesen sogenannten rinderweg als helles z. von der höhe herunterkommen H. v. Barth Kalkalp. 555. —
 
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-bewegung, f.: an diesen rapiden z-en der langen arme Spielhagen 8, 96; er besinnt sich, dasz man vor einem stier in scharfen z-en fliehen musz Fr. Th. Vischer auch einer 1, 237. —
 
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-biegung, f.: Sömmerring menschl. körp. 6, 859; der lotse stieg in zahllosen z-en abwärts Sven Hedin abent. in Tibet16 191. —
 
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-blitz, m.: z-e ... fahren um der berge lenden Berlepsch bei Laistner nebelsag. 74. —
 
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-dattel, f., voluta oliva, art dattelschnecke: Campe 5, 858a. —

 

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