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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zickeln bis zicks (Bd. 31, Sp. 885 bis 887)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zickeln, verb., frequentativ zu zicken, durch kleine streiche necken, foppen, durch neckerei zum zorn reizen, locken: ziggeln Stalder 2, 473; zicklen mit acc. K. Schmid ma. d. Entlebuch 211; H. Baumgartner ma. d. Bern. seeland. 118; z. mit, an einem Hunziker 309; Seiler Basl. ma. 325a; bes. von burschen und mädchen Meisinger volksw. aus d. Wiesental 43; so hatte sie etwas zu z. an den burschen Jer. Gotthelf ges. schr. 12, 139; z. flikfloojen, verlokken Kramer-Moerbeek 434b; z. heranziehen, locken Weinhold schles. 2, 109a; z. kitzeln Jungandreas schles. zeitwortbild. 76; freier: verräterisch anzeigen, denunzieren, bes. unter schulkindern H. Fischer 6, 1175; zu 1zick, m., 2: durch kleine, nicht ganz erlaubte vortheile im spiele betrügen Schmeller-Fr. 2, 1083; kaum hierher z. weinen Müller-Fr. 2, 702b.
 
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zickeln, verb., junge werfen (von der ziege): Martin-L. 2, 900a (syn. kitzen); e alte gasz, wenn s zickelt (fränk.) H. Fischer 6, 1175; Schmeller-Fr. 2, 1083; Müller-Fr. 2, 702b; zīgln R. Wenisch nordwestböhm. ma. 152; die gäsz zickelt Rückert schles. 199; Frischbier 2, 492b; schon mhd.:

so loubet der stoc
und zickelt der boc altd. schausp. 2, 496 Mone;

marsilisch seselkraut leicht zicklen hilft den ziegen
Tob. Hübner d. andere woche (1622) 1. tag, 3. th., v. 570;

M. Böhme viehartzney (1682) 32; die ziegen msten aller 4 wochen z. J. Riemer polit. maulaffe 244; wann sie (die ziegen) sieben- oder achtmalen gezickelt, so werden sie unfruchtbar Hohberg georg. 3, 2, 259b; Coler hausb. 326; sprw.: der geitzhals will, dasz seine ziege zicklen und auch schwanger bleiben mge Hoffmann polit. Jes. Syrach 121; wbb.: Zincke öc. lex. (1744) 3346; allg. haush.-lex. 3, 793; Kramer-Moerbeek 434b; Schwan n. dict. 2, 1103b; Adelung2 4, 1701; Campe 5, 858a.
 
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zicken, verb., mit einem zick (1zick) treffen, mit schnellem, kurzem streich oder stosz berühren, 1) in dieser sinnlichen bedeutung a) eig.: K. Reiser sag. d. Allgäus 2, 746; H. Fischer 6, 1175; (siebenbürg.) schlagen, auch feuer z. feuer mit dem stahl und stein schlagen Haltrich 25b; beim kegelspiel zickt die kugel den kegel: Hintner tirol. 243; Schmeller-Fr. 2, 1081; s. auch C. Schumann Lübeck 75 (cit. unt. 1zick 1); leise berühren:

wan es zickt ie in sein alte stuet
Vintler plum. d. tug. 2603;

davon mhd. gez. leise berühren (mhd. wb. 3, 874a; Lexer 3, 1100); anz. anrühren Tschinkel Gottschee 320; Hintner 243; derz. erreichen ebda; b) ins geistige gebiet gehoben; zunächst unter anschlusz an den zick als schlagspiel der kinder (1zick 1): zigge foppen, aufziehen Vetsch Appenz. ma. 67; zickten mit uns und wir mit in älteste jahrb. d. st. Zürich 87; sticheln: H. Fischer 6, 1175; necken, aufziehen: das zigen und zehren ist all zimblich der masquen art Elisabeth Charlotte v. Orleans 2, 368 H.; seelisch treffen: das wort gottes an der predig ... rrt uns nit, zickt uns das herz nit, wir werden nit getroffen Keisersberg seelenpar. 28a; reizen, anregen: allein das es im anmutig ist und lust daran hat und zicket in, darumb isset er, ... das ist geschleckt ders., sieb. schwert. G 1b, öft.;

die knstlern nachtigall
lockt und zikt berall
A. Silesius seelenlust 211 ndr.;

P. T. Procopius patrociniale (1674) 640. 2) unter vorstellung des ziels und daher mit einer präpos., meist auf, auch an, verbunden; a) zunächst: auf etwas z. leicht an etwas stoszen, an etwas z. an etwas grenzen Schmeller-Fr. 2, 1081; weisen auf, übergehen in, ausschlagen nach: auf dem rugken sind die schneegänse äschfarb auf schwarz z-d Heuszlin Gesners vogelb. 62b; dasz der kreuzschnabel jetz auf gäl, dann aber mer auf grün, rot oder äschenfarb zicke 168a; s. auch th. 4, 1, 4, 7045; refl.: der

[Bd. 31, Sp. 886]


bushard ... von farb, die sich auf braun zickt Heuszlin Gesners vogelb. 8a; die seyten gegen dem bauch z-d sich auf weysz Forer Gesners thierb. 101; auch: der schwantz (des bibers) auf der fisch art, da der ander teil ... auf ... des gwilds geruch zicket 22b; seine krankheit zickt ans faulfieber Schmeller-Fr. 2, 1081; schlagen, arten nach: die Etrurier haben ein pesundre schrift und sprach gehabt, ist auf die jüdische art gangen, hat auf dieselbig monier zickt Aventin chron. 1, 399 L.; of ebes z. mit etwas ähnlichkeit haben Tobler appenz. 456a; er zeücht oder zickt auf seines vatters schne, geziert mit der hpsche seines vatters Frisius 1312a; derhalben si etliche weisen und formen ze reden ... (als die ze dunckel wrind und ze vil auf des Luthers meinung zicktend) straffend L. Lafater histor. (1564) 58a; ob gleichwol die namen etlicher rter in Bayrn etwas auf Sipia und Carl z., so folgt darumb nit, das Carl daselb geborn sei Welser bayr. gesch. (1605) 298; z. neigung haben, ausschlagen nach Haltrich 25b; dasz ir us dem frommen geschlecht der buren ... schlahend und z-d uf roübery und todschlag Zwingli d. schr. 1, 84; auf etwas deuten, anspielen oder sich auf eine partei neigen, die nicht im besten rufe steht Stalder 2, 471; s. 1zick, m., 2; b) im bes. von getränken, die umschlagen wollen, einen stich ins saure (milchsäurestich, s. Meyers lex.7 12, 1771) bekommen; zunächst mit einer die richtung bezeichnenden präpos.: z. nach etwas schmecken, der wein zickt auf essig Stalder 2, 470; auch übertr.: me sn, te zickst mer f den êssich mein sohn, du hast mir neigung zum schlechten Haltrich 25b; in: Lindemayr lied. u. komöd. 57 bei Schmeller-Fr. 2, 1081; no öppis z. nach etwas schmecken Hunziker 309; die sauren dinge sind unter einanderen unterscheiden, dann in den einten zicket die säure auf eine ssze, in den anderen auf eine nsse Muralt eidg. lustgarte 26; der scharff geschmack ist entweder wssericht oder irdisch oder auf gewrtzahrt z-d 24; schmeckt oder zicket sich schier ein wenig nach essig Thurneysser alchym. 55; von einer frucht: dattlen ... saur am versuchen, etwas auf wein z-d Wirsung artzneyb. 9; häufig anz.: er (der wein) zickt ein wenig an und will zu essig werden A. Agricola gutes aug (1629) 225; dazu das adj. anzick, anzickig, und subst. anzick, f., s. Schmeller-Fr. 2, 1081; meist ohne zusatz: der wein zickt will umschlagen, sauer werden: (österr.) Popowitsch versuch 19; Höfer etym. wb. 3, 324; Unger-Kh. 650a; von bier, milch u. ä. getränken: Schmeller-Fr. 2, 1081; Schöpf 827; Hintner 243; Hügel Wien. dial. 195a; Loritza 147a; K. Reiser sag. d. Allgäus 2, 746; H. Fischer 6, 1175; c) bei demselben fortfall der präpos. wendet sich der sinn ins ethische: die erzählung zickt (nämlich an das unwahre) Schmeller-Fr. 2, 1081; oder deutet einen anfall seelischer störung an: der mensch zickt läszt anzeichen von narrheit merken Höfer etym. wb. 3, 324; bei dem zickts er hat unmerkliche anfälle von narrheit, verliebtheit, krankheit u. dgl. Schmeller-Fr. 2, 1081. 3) z. hacken, in kleine späne hauen brem. wb. 5, 312 läszt sich aus der bedeutung 1 a herleiten; doch mag eher umsetzung eines nd. ticken vorliegen.hierzu die zss.: zickenheit, f., das sauerwerden des weins (1789) Unger-Kh. 650a. —
 
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-rede, f., zänkische rede (zu 1 b): schweiz. id. 6, 577; auch zick- 6, 541 (s. ob, hinter 1zick, m.).
 
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zicker, m. singdrossel: Zingerle lusern. wb. 59b; s. 4zick; wiesenpieper: Follmann 557a.
 
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zickerde, f., in Ungarn vorkommende unreine soda, magyar. széksó, woraus das deutsche wort: Karmarsch-H. techn. wb.3 8, 695; s. 2zick, m.
 
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zickern, verb., 1) zwitschern: Schambach 308b; nur vom rotkehlchen: Damköhler nordharz. wb. 231b; vom ruf des rotkehlchens und zaunkönigs, andernorts auch der elster Brandenburg. 2) mit der axt am holze hauen, ohne etwas auszurichten, spänchen hauen: Schambach 308b; s. zicken 3.
 
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zickicht, zickig, adj., 1) säuerlich, wie ein wein, der zu essig zu werden beginnt: Unger-Kh. 650a; Schröer darstellg d. ma. d. ungr. bergland. 349; zickch, zicksch nicht gar, nicht ausgebacken, vom brot: F. Knothe Markersdorf.

[Bd. 31, Sp. 887]


ma. 127; von zicken 2 b. 2) zicket mit zackiger weiszer zeichnung auf dem kreuz des im übrigen einfarbigen rindviehs (Kärnten): Martiny wb. d. milchwirtsch. 140; von dem schallwort zick1 abgeleitet; s. auch 2zicke, f., 1. 3) zickig nach der ziege schmeckend, vom eigentümlichen geschmack der ziegenmilch (Zwickau): Müller-Fr. 2, 702b; mager (wie eine ziege) richt. Berl.8 195a. —
 
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zickisch, adj., blind (rotwelsch), s. zickus. —
 
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zicklein sp. 883. —
 
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zicks, m., armer oder dummer mensch: Ch. Schmidt Straszb. wb. 121a; kurzform von zickel, m., s. 1zickel, n., am ende.

 

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