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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zickel bis zickel (Bd. 31, Sp. 882 bis 884)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zickel, n., junge geisz, ziegenlamm; neue diminutivform des ahd. zickîn, die dessen schwindenden kosewert ersetzte: edus czickel (1349, wohl rheinfränk.) Diefenbach gl. 195b; edulus z. ebda; edus est capra iuvenis czickel hd.-böhm. wb. 104; zyckil Claus Cranc Jes. 11, 6 Zies.; tzickeln der Stuttgarter hs. gegen kitzlein der übrigen hss. bei Konrad v. Megenberg buch d. nat. 127; steht neben der häufigeren vollform zicklin, -ein für lat. hoedus in der

[Bd. 31, Sp. 883]


ältesten bib.: nichten seúd das z. (von 1475 ab kytzlin) in der milch seiner mtter 2. Mos. 34, 26; ein z. (von 1475 ab kitzlen) von den geyszen richt. 13, 15; brenge mir czwei gute czickel 1. Mos. 27, 9 Wenzelbib.; 1 m. vor 16 zikkel Marienb. treszlerb. 39 Joachim; Hennenberger preusz. landtaf. 261; im letsten grad der fisch, das ist am z., da die sonn anhebt gegen mitternacht z steigen M. Hero schachtaf. d. gesuntheit (1533) K 6a; hammelfleisch und von den zigklen ist nicht zu vermeiden J. Willich wie man sich f. der pestilentz behüten sol (1549) A 5b; ward verkündet, das eyn zyge auff eyn mal sechs z-n geborn hett Carbach Livius 291a;

mitten in einem sommer heisz
da wolt ins grne grasz ein geisz
spatzieren gahn an jene heyd,
da sie mcht finden gute weyd.
sie sprach zum zickel: bleib im hausz
B. Waldis Esop 1, 54 Kurz;

man ... nehme ihnen, was sie haben, kuh und kalb, schaf und lamb, ziege und z. A. Mengering ungerechte quartiermeist. (1639) 88; Grimmelshausen 1, 34 Kell.; diese ziege, die mir ... zwey z. geworfen Lenz bei E. Schmidt Lenziana 997. früh ins nd. übernommen: hedus sickel (1421; 1479) Schiller-L. 4, 203b. von den wörterbuchschreibern kaum beachtet: Hübner zeitgslex.31 4, 1016b; Campe 5, 858a. die maa. gebrauchen das wort auszerhalb des zicke-gebietes im Unterelsasz, im nördlichen Schwaben und im westlichen theil des ostfränkischen, im Saarbrücker land, in der Pfalz und dem mittelfränkischen einschlieszlich des siebenbürgischen, im Erzgebirge, Nordböhmen und Schlesien, sowie in Preuszen; neben zicke als name der erwachsenen ziege wird es als benennung des lammes gebraucht im Unterelsasz, in Lothringen, Nassau und Oberhessen, in Preuszen: Ch. Schmidt Straszb. ma. 120a; Martin-L. 2, 900a; zickele, n., Meisinger Rappenauer ma. 212a; Lenz Handschuhsheim. dial. 79b; z., -che Autenrieth 156; Schön Saarbrück.2 234a; Christa Trier. ma. 225a; (Coblenz, Jülich, Berg) Klein 2, 246; Kehrein 453; Kramer Bistritz. dial. 34; R. Wenisch nordwestböhm. ma. 152a; Müller-Fr. 2, 702a; osterländ.; Rother schles. sprw. 125b; Fischer samländ. 99; Bock preusz. wb. 82; Hennig 311; in Jever z. ziegenlamm: Frommann d. maa. 3, 498. das südliche nachbarwort ist kitze, kitzlein: zīgl und kitzl R. Wenisch nordwestböhm. ma. 152a; th. 4, 1, 2, 2798; schwäb. kitzle reicht bis zu einer linie von Leonberg über Eszlingen nach Ellwangen (H. Fischer 4, 429), die, wenigstens im westen, seit dem 15. jahrh. wohl feststeht; vgl. unt. zicklein. übertr. als masc. für einen tropf, einen dummen kerl Martin-L. 2, 900a; armer teufel Ch. Schmidt Straszb. 120a; sprw.: das z. wird sich schlachten Wander 5, 571; dazu zickelig, adj., lustig wie ein z. Kehrein Nassau 453. —
 
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zicklein, n., mhd. zickelîn, die vorstufe des vorigen, das gängige literaturwort, das daher auf das ganze deutsche sprachgebiet übergreift; fränk. für kitzelîn des originals:

hie sint ouch rinder unde swîn
und manec feistez zickelîn Reinhart Fuchs 924;

hessisch: do si geopferten ein zickelîn Hermann v. Fritzlar in myst. 1, 138 Pf.; elsässisch: bringe mir ein fehe von den zickelîn historienbib. 1, 662 M.; Lexer 3, 1100; mittelfränkisch: lilie 30, 9 Wüst; die älteste (nordbairische) bib. hat bis 1475 zicklin, zicklein, zyckelein für späteres kitzlin, kitzlen, kitzleyn 1. Mos. 12, 5; 27, 9; 37, 1; 2. Mos. 12, 5; richt. 6, 19; 15, 1; Luk. 15, 29; zucklein sprüche 27, 27; die böhmische Wenzelbibel bietet 1. Mos. 27, 16 czicklein, der cod. teplens. Luk. 15, 29 ziclin; zu derselben stelle eine nd. übersetzung bei Schiller-L. 4, 203b czickelen; vgl. zickelin zu 1. Mos. 27, 9 Twinger v. Königshofen chron. 254 (Straszb.); tzickelin Sachsensp. landr. 3, 51, 1; 6 lemer und zicklin neben gaiszhasselbom (1481 Neuenbürg, schwäb.) G. Franz bauernkr. 2, 11; die zicklin oder kytzlin v. Eppendorf Plin. 8, 84; kitz, kitzlein oder ziegenbcklein und zickle hoedus Wirsung artzneyb. reg.; diese adler nahmen viel schafe und z. weg Valvasor herzogth. Crain 1, 444; Gaudy s. w. 6, 10;

[Bd. 31, Sp. 884]


Rosegger schr. 8, 98; G. Keller ges. w. 5, 72; 10, 230; Uhland ged. 1, 298; Scheffel ges. w. 1, 164; Jean Paul 45/47, 178 H.; kind.- u. hausmärch. 2, 295; Brentano ges. schr. 1, 500;

die lmmelein blkkern,
die ziggelein mkkern
A. Silesius seelenlust 167 ndr.;

G. Freytag ges. w. 3, 117; W. v. Polenz Grabenhäg. 1, 382; Rückert w. 6, 12; 8, 311; Coler hausb. 326;

lämmer und zicklein
drängeten sich in den ställen
J. H. Vosz Odyssee 158 B.;

O. Ludwig ges. schr. 2, 512; eine heerde wilder ziegen ... mit ihren z. Immermann 2, 67 B.; Chamisso w. 3, 214; geh du mit deiner heerde von widdern und mutterschafen nach osten, und ich will mit den böcklein und z. nach westen gehen Spielhagen 1, 181; Storm w. 6, 167; weibliches lamm des steinbocks: Brehm 3, 174 P.-L. wbb.: Kramer teutsch-it. 2, 1449c; Steinbach 2, 1090; allg. haush.-lex. 3, 793; Frisch 2, 473c; Adelung2 4, 1701; Schmeller-Fr. 2, 1083; sprw.: die zicklin heiszen alle ziegen, wie ihr mutter Petri 2, R 7b; ladet keine gäste auf das z., ehe die ziege geworfen hat v. Düringsfeld 1, 120b. aus der ma.: zickerl Rosegger schr. II 3, 311; plur. in der ma.: zicklach: H. Fischer 6, 1174. —
 
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zickelchen, n., die dritte gangbare verkleinerungsform, in Lothringen, der Pfalz u. a. md.-obd. mischgebieten heimisch: Follmann 557a; Autenrieth 156; zickligen Müller-Fr. 2, 702a; z. Schröer wb. d. ungr. bergland. 2, 216a; ostpreusz.: ein viertel vom kalb, schepsen, zickelgen Hennenberger preusz. landtaf. 481; ältere form des mfränk.: syckelken 1. Mos. 38, 17 Köln. bib.; tzickligyn richt. 6, 19; zickelgen Luk. 15, 29; wofür auch siebenb. zäckelchen (neben gîsken) Frommann d. maa. 5, 40 und M. Orend vierteljahrsschr. f. siebenb. landesk. 54, 278 spricht; im nd. gern gesehen: zickelken brem. wb. 5, 310; Dähnert 561b; erscheint auch in der schriftsprache: Rost gelernte lieb. A 6b; zicklichen v. Mandelslo morgenl. reisebeschr. 126 Ol.; Gottsched schaub. 5, 452; Herder 22, 337 S.; Tieck schr. 19, 205; Bettine d. buch geh. d. kön. 1, 263; die z. meckerten L. v. François Reckenb. 2, 63.
 
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zickel- ziegenlamm in zss.:
 
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-fell, n.: Campe 5, 858a; zu glacéhandschuhen verarbeitet wie die felle von schaflämmern: Lueger lex. d. techn. 6, 110; Karmarsch-H. techn. wb.3 5, 343. —
 
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-fleisch, n.: das z., so schmackhafter als der bcke Bastel v. d. Sohle Kichotte 34; Aler 2, 2246a; Steinbach 1, 455; Campe 5, 858a. —
 
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-haar, n., zu filzhüten verwendet: Karmarsch-H.3 4, 436. — zickeln-lamm, n., für weibliches schaflamm bildet Thaer rat. landw. 5, 406 (cit. unt. zibbenlamm). — ein adj. zickelin begegnet einmal: kelberin vleisch ... macht gut blut alzo daz lemmerin unde daz cickelinne Breslauer arzneib. 16. —
 
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zicklein- in zss.:
 
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-fleisch, n.: Sebiz feldbau 143; Dingelstedt n. argonaut. 167. —
 
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-magen, m., zur bereitung des labs: Zincke öc. lex. (1744) 1569; allg. haush.-lex. 2, 159a.
 
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zickel, m., eimer, schöpfeimer, els.-schwäb.-bair. lehnwort aus mlat. siclus, sicla, lat. situla, -us mit affriziertem anlaut für das selten bezeugte sickel (th. 10, 1, 755; sigel schweiz. id. 7, 506; sickel 681): brunnenaimer ... z. mergula Diefenbach gl. 358a; haustinabulum (schöpfeimer) tzyckel 273c; z. oder schopffaymer voc. theut. (1482) pp 6b; a 6a; hie nahen ist ein prunne, do ist alwegen ein groszer cickel oder eymer Arigo Boccaccios decam. 87; (er) bringen schff eynen z. mit frischem wasser 383; einen z. oder messin kessel 118 K.; Frisch 2, 473b; Schmeller-Fr. 2, 1083; Diefenbach-W. 913; Schrader franz. wb. 2, 1677; im tirol. noch gebräuchlich, aber im cimbr. und in Lusern unter dem einflusz des ital. secchia mit weiblichem geschlecht: z-a Schmeller cimbr. wb. 244a; zickl Bacher Lusern 428; ziggel Zingerle Lusern 59b; im Veltlin und bei Schöpf 828 hat ziggel, m., die bedeutung ziehbrunnen; davon

 

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