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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zick bis zickenbock (Bd. 31, Sp. 879 bis 882)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zick, schallwort, 1) lautmalender zusatz zu zack, welches eine ruckweise, gewaltsame bewegung ausdrückt, wozu z. die vorstellung der spitze und der in geknickter linie verlaufenden bewegung hinzubringt; von dem etymologisch gleichen tick (th. 11, 1, 1, 479) durch bedeutungsspaltung geschieden; als adv. gebraucht: s. beleg unter zack (sp. 10); es gieng so eng und gh und zick zack zwischen klippen durch U. Bräker s. schr. 1, 32; zik zak steigt die treppe ... in die höhe Rehfues briefe aus Ital. (1809) 2, 204; prädicativ: des ist halb z., halb zack halb hierher, halb dorthin, auseinanderstrebend H. Fischer 6, 1174; subst.: pfade von füchsen und rehen ... ziehen in z. und zack durch den winterlichen wald Rosegger schr. 10, 160; zicke zacke im abzählreim bei Martin-L. 2, 900a; gewöhnlich in zickzack (s. d.) zusammengezogen. 2 a) lockruf für die ziege: Crecelius 2, 933; Follmann 557a; auch für schafe: B. Martin Wald. 278a; durch zicke ziege angeregt; b) lautliche wiedergabe des rufes verschiedener vögel, s. 4zick, zicker und zickern.
 
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zick, m., dem nd. tick, m., tickender schlag, tippende berührung mit dem finger (th. 11, 1, 1, 479) entsprechende hd. lautform; grammatisch als substantivierung des schallwortes zick aufzufassen; 1) ein kinderspiel, wobei diese einander bis zu einer gewissen stelle nachlaufen und einem einen leichten schlag geben: (siebenbürg.) Schuller 72; meist in dim.-form: ziggis machen ein spiel, wobei eins der kinder die andern verfolgt, um einem einen leichten streich zu versetzen (s z. geben), worauf dieses das verfolgende wird (s het s z.) Hunziker 309; s ziggi Seiler Basl. ma. 325a; ziggi machen Stalder 2, 474; zicki, zickis machen Martin-L. 2, 900a; zeckel, zickel oder zickái ruf der kinder an der oberen Isar bei diesem spiel: Schmeller-Fr. 2, 1080; zicke ein kinderspiel, diffugium Aler 2, 2246a; wohl überall das unter zeck 2 a (sp. 436) angeführte abendspiel, wobei einer den letzten (schlag) erhält; vgl.: s nachtziggi gleich d nachtletzti Seiler Basl. ma. 325a; zick ist die vorwiegend obd. lautform des md. zeck, auch das Rheinland gebraucht zeck als frei-, puffzeck: Prause gruszformeln 251; dagegen als haschespiel (s. DWB zeck 2 b) beschreibt Stalder 2, 474 das eisenziggi; z., zicken, spann un dum kugelspiel, d. h. mit einem z. die kugel des mitspielers treffen, die entfernung der fehlwürfe wird mit spanne oder daumen gemessen: C. Schumann wortsch. v. Lübeck 75, wohl nichts als lautliche umsetzung des nd. tick und ticken (s. th. 11, 1, 1, 479 ff.); s. 2zicke, f., 2; mhd. minnezic neckerei, derbe liebkosung im liebesspiel, s. mhd. wb. 3, 873b; vgl. auch:

frolikeyd ist allir tzickir (plur.) eyn tzil
Eberhard v. Cersne minneregel 728.

2) übertr. schlag, streich im sinne eines leiblichen oder seelischen schadens oder gebrechens, wie die vulgären norddeutsch. ausdrücke klaps, knacks: es ist mir ein ziggi geworden ich befinde mich nicht ganz wohl, bin ein biszchen kränklich geworden Stalder 2, 474; bereits mhd.:

knt an ir lib mayligen zick
erlugen noch erspechen lieders. 1, 382 Laszberg;

hierher auch: er hed en z. vom alten er hat (besonders übele) eigenschaften vom vater Tobler appenz. 456b; sowie

[Bd. 31, Sp. 880]


die mhd. bedeutung arglistige, unredliche handlung im anschlusz an das verb. zicken auf etwas böses auf etwas böses ausgehn, s. DWB zicken 2 a:

ir tücke valscher zicke
hie mit er ze leste bevant lieders. 2, 613 Laszberg;

vgl. verzicken unredlich behandeln: Lexer 3, 318; Schmeller-Fr. 2, 1082. 3) beigeschmack von speisen und getränken: Stalder 2, 471; Tobler 456b; Hunziker 309; Vetsch Appenz. ma. 67; Berger st. Galler ma. 125; dim. zickli Tobler; vom wein, der einen stich hat, zu verderben anfängt, milchsäurestich: der wein sticht auf den z. (Franken) Popowitsch versuch 19; dafür anzick (th. 1, 526) in Sachsen nach Popowitsch 19 und in Bayern: Schmeller-Fr. 2, 1081; sonst wird das verb. zicken gebraucht, auch anzicken (th. 1, 526); Adelung2 4, 1701 und Campe 5, 858a führen ein sonst nicht bezeugtes österr.-bair. adj. zick ein wenig sauer an: der wein, das bier wird z., wofür Schmeller-Fr. 2, 1081 nur die zusammengesetzte form anzick (s. d. th. 1, 526) kennt.in zss.:
 
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-rede, f., zänkische rede: schweiz. id. 6, 541; s. zicken-. —
 
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-tag, m., zieltag, termin: (Treviso) ist österreichisch gewest, den Venedigern auf ein zickhtag verpfendt Herberstein 173; seczt ein man ein haws oder einen weingarten umb ein gut zu ainem phant ... auf einen zikchtag Wien. stadtrecht cgm. 1113 fol. 71 bei Schmeller-Fr. 2, 1082; zykchtag cgm. 778 fol. 152 ebda 1083; Unger-Kh. 649b; zu 1zick, m., streich, schlag, dem nhd. stichtag völlig gleichbedeutend, wohl der im kalender durch einen strich angemerkte tag; vgl. verzick, m., versäumnis des termins und dadurch entstandene gefahr gerichtlicher verurtheilung: Unger-Kh. 228b. —
 
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-zins, m.: das rörl, so ain wisen ist, dient jerlich auf sand Jorgentag zigckhzinsz 28 dl. (1543): ebda 650a; bedeutung?
 
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zick, n.?, unreines natronsalz, das sich am ufer des Neusiedler sees aus dem wasser ausscheidet; wird von den schafen gierig geleckt: Popowitsch versuch 637; Hübner zeitgslex.31 4, 1016b; Campe 5, 858a; natron ... in Hungarn z. Zappe min. lex. 2, 218; aus dem magyar. szék natron, altmagyar. scequ (1095), zeek (1249) seichte stelle, sumpfiger ort, natronsalz; s. DWB zickerde. —
 
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zick, m., birkentheer: (kreis Berent) Frischbier 2, 492b; aus poln. dziegieć.
 
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zick, f., singdrossel, turdus musicus: Mensing 5, 758; nach dem ruf des vogels, der sonst als zipp oder zitt gedeutet wird (s. zick 2 b); vgl. zicker, m.davon
 
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-drossel, f., dim. -dröscherl, n.: Popowitsch versuch 616; Unger-Kh. 650a.
 
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zicke, f. , ziege;
1) ein md., besonders ostmd. wort, die erwachsene weibliche ziege bezeichnend in Ost- und Westpreuszen, Brandenburg, dem osterländischen und obersächsischen, im nördlichen Thüringen mitsamt den angrenzenden nd. strichen, in der Wetterau, in theilen von Oberhessen, in Lothringen und einem schmalen streifen des Unterelsasz: Frischbier 2, 492b; (Brandenburg) zs. f. d. maa. 1910, 33; Brendicke 195b; richt. Berl.8 195a; Müller-Fr. 2, 702a; Jecht Mansfeld. ma. 127b; Block id. v. Eilsdorf 102b; (Fallersleben) Frommann d. maa. 5, 302; Liesenberg 223; z-n (Nordhausen) Hertel Thür. 264; z-n, f., Kleemann nordthür. id. 25c; M. Schulze id. d. nordthür. ma. 47a; z-n, f., Hentrich wb. d. Eichsfeldes 73; osterländ. z.; zick (Wetterau) Crecelius 2, 933; z. neben dem dim. zickel, lothr. auch zickelchen: Follmann 557a; Martin-L. 2, 900a; wie denn überhaupt das heutige verbreitungsgebiet von zickel (s. d.) als alter z.-bereich angesprochen werden kann, wodurch neben dem rheinfränk. und z. th. dem ostfränk. bezirk namentlich der mittelfränk. theil des Rheinlandes hinzugewonnen wird. das siebenbürg. als moselfränk. ma., welches in flurbezeichnungen nach M. Orend vierteljahrsschr. f. siebenb. landeskde 54, 275 z-n und zickel aufbehalten hat, vermittelt so das ins östliche nld. eingedrungene sik: limburg. Schuermans 610b, holl., fries. Halbertsma 436. das weitere nd. gebiet hat z. zumeist in der bedeutung junge ziege, ziegenlamm aufgenommen, wodurch sich dies wort von zege (lautlich

[Bd. 31, Sp. 881]


tsʒ[ə], sʒ[ə] westfäl. siəʒə) scheidet (s. ziege), vgl.: zick kleine ziege (Meckl.-Vorpomm.) Mi 110a; (götting.) z., zick, f., weibliche ziege, namentlich das weibliche ziegenlamm Schambach 308b; anscheinend gilt zäg und zick für das erwachsene thier in der Altmark: Danneil 251b; in Vorpommern-Rügen ebenso: Dähnert 561a; daher auch dort zickenbuck ziegenbock 561b; Hinterpommern bevorzugt zäg; neben zäge ist auch wohl z. im oldenb. bekannt: Frommann d. maa. 3, 498. die gleiche bedeutung läszt sich in md. randbezirken nachweisen: (Nassau) zick, zickel (rhein.) Kehrein 453; (Rhön) zekke junge geisz, zicklein Schmeller-Fr. 2, 1094; Vilmar 469 (neben zickel); z. in einem kinderreim des Ederthales bei Bauer-C. 283a; z., f., (als nhd. empfunden, dagegen der ma. gehört an) zickele, n., Lenz Handschuhsheim. dial. 79b; aus älterer sprache: von den jungen z-n, die man zeicht (württ. Franken) H. Fischer 6, 1174; und die nordthür. nebenbedeutung weibliches kaninchen (z-n, f., Hertel Thür. 264; Kleemann nordthür. id. 25c) begreift sich aus derselben vorbedeutung. die älteren zeugnisse führen auf die form z-n; so zwei glossen aus vocabularien des 15. jahrh. s aus einem nd. grenzbezirk: edus ziken, tzicken Diefenbach gl. 195b; ferner: he haelde de tzickene (hkene Lübeck. bib.) 1. Mos. 27, 14 Halberst. bib. (1522), woraus zugleich die bedeutung ziegenlamm folgt, die in v. 9 durch die neue diminutivform tzickeken (hkene Lübeck. bib., böcklein Luther) noch stärker betont wird. mit dem alten neutralen geschlecht lebt die form z-n noch im götting. und kurhess. bezirk: z-n weibliches ziegenlamm, junge geisz Schambach 308b; ebenso im oberhanauischen, dagegen im niederhess. kommt z-n, n., auch ungeschlechtig für bock und geisz vor: Pfister 344. damit ist die anknüpfung an die ahd. und frühmhd. belege, die ein neutrales dim. zickîn darbieten, gegeben, hier, soweit durchführbar, nach landschaften geordnet: wohl dem nördl. Elsasz zuzuweisen sind die glossen edi zikkin, zizzin, kizzi, zigelchin, kiczlein ahd. gloss. 3, 76, 31—33 und hedum cikkin 3, 501, 8 aus dem summarium Heinrici; nach Ostfranken gehören: ni gâbi mir zikîn, thaz ich mînên friuntun goumti (numquam dedisti mihi hedum, ut cum amicis meis epularer, Luk. 15, 29) Tatian 97, 7; der ostfränk. heimatsprache Williram s ist die form zikkin haedos, hinnuli der hss. B und F gegen kizzin, khizze der übrigen hss. 14, 3; 59, 2; 115, 2 S. zuzuweisen; dem niederalem.: unde die úbelen z der lirken hant alse cikin Lucidarius 68 H. am götting. zicken, n., noch bewahrt, ist in Nordthüringen an derselben form das neutrum dem natürlichen geschlecht gewichen, und nun war der weg zu der form mit der üblichen endung -e vorgezeichnet. war dieser endpunct erreicht, so hatte das wort einen haupttheil seines diminuierenden gehalts verloren, konnte sich nun in den neuen sinn mutterthier schicken und wurde ein ausdruck der erwachsenen sprachträger. anfänglich hatte kindermund den lautkörper, spielerisch den binnenconsonanten verstärkend, gestaltet und so ein kosewort zikkîn aus ziga gewonnen. danach wäre für beide wörter ursprünglich dieselbe geographische verbreitung anzunehmen; heute ist ziege nahezu ganz aus dem westmd. bereich, den z. und sein diminutiv zickel behaupten, durch geisz verdrängt; s. die geisz/ziege-grenze unt. ziege. dem ahd. zickîn entspricht ags. ticcen; schon vor der lautverschiebung ins ital. als ticchio grille, laune, einfall, caprice entlehnt; über die weitere verwandtschaft s. unt. ziege.
durchaus auf die ma. und niedere verkehrssprache beschränkt, hat z. keinen zutritt zur literatur gefunden. buchungen: zick, geise Harsdörfer poet. tricht. 2, 182; zick, zicklein Kramer teutsch-it. 2, 1449a; die ziege oder z. a goat, a she-goat Ludwig teutsch-engl. 2586; Dentzler 363a; zick (pro ziege) capra Steinbach 2, 1090; z. capra Frisch 2, 473c; z. ziege Heynatz 2, 667; z. junge ziege Voigtel 3, 695b; Adelung2 4, 1701; ziege, bes. junge ziege Campe 5, 858a; junge ziege Weigand 2, 1139; weibliche ziege Heyne 3, 1437; junge ziege, auch junges reh H. Paul wb.3 669b. auf den niederen stand der ziegenhalter (landarbeiter u. ä.) deutet die meckl. ra.: he het nich zick edder buck (ist arm) Mantzel Bützowsche ruhestund.

[Bd. 31, Sp. 882]


2, 69; auf die magerkeit des erwachsenen mutterthiers spielt der übertragene gebrauch an: z. schmächtiges mädchen Block 102b; vgl. DWB mager wie ne z. Brendicke 195b; olle z. dürres weib, auch mageres pferd richt. Berl.8 195a; se ös verdreegt (vertrocknet) wie e zigg Frischbier sprw. 273; schimpfwort für ein mädchen, bes. ein rothaariges: Martin-L. 2, 900a; unangenehme frau: Albrecht Leipz. 240b; scheltwort für weinende kinder Müller-Fr. 2, 702a. eine diminutivform auf -chen ist nicht üblich geworden, belege dafür: tzickeken 1. Mos. 27, 9 Halberst. bib. (1522); zickchen S. Geszner 2, 39; gebräuchliche dim.-formen sind zickel, zicklein, zickelchen (s. d.)
2) sonderbedeutungen:
a) z. spöttische benennung der perücke durch den pöbel, vornehmlich wenn sie schlecht aufgekraust ist, weil man ziegenhaar dazu verwendete und weil ein solch unordentlich gehaltener kopfschmuck den herabhängenden haaren der ziege nicht unähnlich ist: Hennig preusz. wb. 311; Frischbier 2, 492b;
b) eine oberpfälz. forstordnung von 1565 verlangt: man soll in den monaten dezember ..., in zue- oder abnehmenden mond, die zapfen oder z-n von vorchenen paumen abplaten und einfangen Schwappach forst- u. jagdgesch. 1, 415; z. hier aus der gleichung ziege für kiefer, föhre (s. ziege II 2) übertragen auf den zapfen der kiefer;
c) gleich ziege II 1 a: Brehm 8, 286 P.-L.;
d) die zehn im kartenspiel: richt. Berl.8 195a; spielerwort: raus, mit dr z. uff a markt! Rother schles. sprw. 201a; G. Hauptmann Pippa 78; raus mit der z. uff n deichdamm! Müller-Fr. 2, 702a. — zss. mit 1zicke 1: zickenbart, m., spitzbart, kinnbart: (Brandenburg) Brendicke 195b; richt. Berl.8 195a; zs. f. d. maa. 1910, 34. —
 
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-bock, m., ziegenbock: ebda.

 

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