Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zichorie bis zichtsache (Bd. 31, Sp. 877 bis 878)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zichorie, f., der im 16. jahrh. aufkommende fremde name der heimischen pflanzengruppe wegwarte, dem weder der reiche volkskundliche und dichterische vorstellungsgehalt dieses wortes eigen ist noch auch die kraft zutheil wird, die alte benennung zu verdrängen, der nur gebraucht wird, um den nutzwert der pflanze als kaffeersatz auszudrücken, oder als wissenschaftlicher name zu gelten hat. aus ital. cicoria, das über mlat. cichorea auf griech. κιχώριον zurückführt; zuerst bei Fischart onomast. (1574) 259a; doch s. -wasser. die maa. wandeln die wortform meist derart, dasz nach einer alten accentregel, die dem Vernerschen gesetz entspricht, -ch- zu -g- wird, während die tenuis an dieser stelle unmittelbar aus der ital. lautform abstammt; bis nach Westfalen ist die nld. form suikerij als zuckerei bekannt. von den th. 13, 3148 aufgezählten pflanzenarten, die als wegwarte zusammengefaszt werden, wird nur 1) die gemeine und die gartenzichorie, cichorium intybus und cichorium intybus sativum, im eigentlichen gebrauche unter z. verstanden, wovon die erste auch wilde z. genannt wird: z-n, hindlufte, wegwart: ist zweyerley, wilde und zahme; jene wchset an rainen und andern wilden orten, diese wird aber in grten erzogen allg. haush.-lex. 3, 793; J. A. Naumann naturgesch. d. vög. 6, 499; Heine 3, 152 E.;

[Bd. 31, Sp. 878]


Meisl theatr. quodlib. 1, 10; Ritter erdk. 6, 1118; oft bezeichnet z. aber den aus der wurzel hergestellten kaffeeersatz, eine am Nordharz seit der mitte des 17. jahrh.s gebräuchliche verwertung, die sich während der continentalsperre stark verbreitete; früher als gemüse, als salat und besonders als abkochung zur frühlingskur verwendet: (man) kann sich leicht mit einigen körnchen c-n sehr gut aushelfen Davidis kochb.18 28; 2) einige süddeutsche gegenden nennen den löwenzahn, leontodon taraxacum, da sie dessen wurzeln getrocknet zu kaffee verwenden, wilde z., auch finden die zarten wurzelblätter als salat verwendung: Popowitsch versuch 487; Schmeller-Fr. 2, 1079; H. Fischer 6, 1174; Martin-L. 2, 405b. — dazu zss.: zichorienbrühe, f., verächtlich für kaffee: Müller-Fr. 2, 702a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-fabrik, f., fabrik zur verarbeitung der zichorienwurzeln: Gaudy s. w. 8, 177; -ant, m.: hdwb. d. staatsw.2 7, 353. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-hans, m., schimpfwort bei H. Fischer 6, 1174. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-kaffee, m., getränk aus zichorie oder mit zusatz zum kaffee: alle morgen beym cichoriencaffe J. T. Hermes Sophiens reise 5, 296; Bahrdt gesch. s. leb. 2, 247; den cichorienkaffee möge sie nicht erleiden Jer. Gotthelf ges. schr. 6, 189. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-päckchen, n., verpackung der verkaufsfertigen zichorie; auch -paket, n.: H. Seidel Leb. Hühnch. 5; dazu wird gewöhnlich ein blaues sogenanntes zichorien papier gebraucht: Lueger lex. d. techn. 6, 672. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-salat, m., s. zichorie; H. Fischer 6, 1174. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-syrup, m.: cicorisyrup mit rhabarbara ist gut wider die wrmer Hohberg georg. cur. 1, 319. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-wasser, n., abkochung (s. zichorie 1): desz aber solt du dich fleiszen, das (du) mit lszin ... und mit cicoreenwasser ... das blut reinigest Paracelsus chir. büch. (1618) 15b Hus.; (gegen die fallende sucht nimm) gepulverten pfauenmist ..., des morgens nchtern in cicoriwasser eingenommen Hohberg georg. cur. 1, 266. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-wurz, f.: H. Fischer 6, 1174; -wurzel, f., s. DWB zichorie: Bremser 227; Prechtl technol. enc. 22, 334. — eine scherzbildung zichorieren nach zichorie duften hat G. Keller geschaffen: während des vesperkaffees, der schon aus allen häusern duftete und zichorierte ges. w. 4, 20.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zicht, f., beschuldigung, anklage, bezichtigung; verbalsubst. von zeihen (sp. 509); mhd. ziht, f.; in älterer sprache, doch in Oberösterreich nach Schmeller-Fr. 2, 1103 noch in jüngerer zeit am leben:

ös habts mein'n mann in falschen zichten
Lindemayr lied. u. komöd. 103;

H. Fischer 6, 1174 bietet nur alte belege. zeugnisse: (1437) cod. dipl. Lusat. super. 2, 672; sulche czicht sal ouch ober uns nimmer war gemacht werden (1453) ständetage Preusz. 3, 605; plur. -e 4, 247; (Köln) chron. d. st. 13, 475; ob ainer inzik wär oder in z. käm (niederbair.) weisth. 6, 128; ob ainer nit auf wolt thun (sein haus für die untersuchung), auf den solt die z. gehn (1782 tirol.) österr. weisth. 2, 211; 5, 787; plur. -en urk. z. gesch. Maximil. 363 Chmel;

herr der hofrichter, diese zicht,
so wider mich ist ietz fürbracht,
der hab ich mir warlich nie dacht Teuerdank 277;

sie hat gar hoch ir unschuld klagt,
wie sie sterb dieser zücht unschuldig
H. Sachs 8, 142; 9, 87 K.;

das einer von dem andern durch blosze z., nachrede oder schreiben begangner unthat in seinem handwerck geirret wird (1578) statut. d. st. Breszlau 50; hiebey seinn verpoten all lüge und rückling belaydigung des ngsten, als nachred, schendbrief, falsche z. Berthold v. Chiemsee 363 R.; Fischart offentl. ausschreib. F 6a;

auch einem weibsbild unrecht zicht kan schaden
Hohberg habsburg. Ottobert (1664) G 4a;

Frisch 2, 470a; Steinbach 2, 1090; Campe 5, 858a; von den mhd. zss. abe-, be- bî-, ge- in-, ver-, vürziht (mhd. wb. 3, 880a) gehen ins nhd. in- und verzicht über. s. DWB zieg, m. zss. mit z. als bestimmungswort: zichtsklage, f.: injurien- oder z. Noel Chomel 5, 814; Schrader franz. wb. 2, 1677;
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-sache, f.: Frisch 2, 470a.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: