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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zibisheichus bis zichorienpäckchen (Bd. 31, Sp. 877 bis 878)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zibisheichus rotwelsch, arschprügel, stockschläge: v. Train chochem. losch. 136b; mit dem stock schlagen: Ostwald rinnsteinspr. 170.
 
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zibolle, m., f., meist plur., kleine hagelkörner, graupeln, ein schweiz. wort, welches nichts anderes als das mhd. zibolle, m., zwiebel ist, aber, da seine im gegensatz zu der wortform im eigentlichen sinne (s. ziebel) unveränderte lautgestalt die begriffsverbindung mit schweiz. bolle, m., f., kugelicher gegenstand begünstigt, die alte bedeutung völlig aufgegeben hat; sprichwörtlich: d z-n bringen den winter und den sommer (1790) schweiz. id. 4, 1174; auch ziegenkot ebda.
 
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zibolle, f., zwiebel s. DWB ziebel. —
 
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zibollen, verb., leicht hageln, graupeln: schweiz. id. 4, 1174; Tobler appenz. 456b; dazu dim. ziböllelen, zibölderen ein wenig hageln ebda; Stalder 2, 470; schweiz. id. 4, 1204.
 
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ziborie, f., gefäsz zur aufbewahrung der hostie, mhd. zibôrje aus lat. ciborium speisegefäsz; mit baldachinartigem deckel; danach auch das baldachingeschmückte säulenhäuschen für heiligenbilder und der baldachin über altar oder brunnen u. ä. in Hamburg nach Richey id.2 351 ehedem kleine lustzimmer oben auf den häusern, theils mit, theils ohne altane gesetzt, woraus Richey 349 mit gutem recht das wort zibürken ein kleines gehäuse oder behältnis, eine enge kammer, zelle, klause u. a. ableitet; ebda wird auf sirbhrken heimlich gefängnis bei Leibnitz hingewiesen; sibörken: hier sitte ik vergnögt in minem lütjen s. klein. kammer brem. wb. 4, 781; auch in Holstein und bis nach Vorpommern als zibürken (Lübeck auch scha-) bekannt: Schütze 4, 382; Mensing 4, 481; Dähnert 561a. diese hanseatische sonderentwicklung auf protestantischem boden verdient hier wohl erwähnung; sonst lebt das fachwort ziborie in katholischen gegenden weiter.
 
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zicherei, f., rotwelsch, küche: v. Grolman spitzbubenspr. 76a; v. Train chochem. losch. 136b.
 
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zichorie, f., der im 16. jahrh. aufkommende fremde name der heimischen pflanzengruppe wegwarte, dem weder der reiche volkskundliche und dichterische vorstellungsgehalt dieses wortes eigen ist noch auch die kraft zutheil wird, die alte benennung zu verdrängen, der nur gebraucht wird, um den nutzwert der pflanze als kaffeersatz auszudrücken, oder als wissenschaftlicher name zu gelten hat. aus ital. cicoria, das über mlat. cichorea auf griech. κιχώριον zurückführt; zuerst bei Fischart onomast. (1574) 259a; doch s. -wasser. die maa. wandeln die wortform meist derart, dasz nach einer alten accentregel, die dem Vernerschen gesetz entspricht, -ch- zu -g- wird, während die tenuis an dieser stelle unmittelbar aus der ital. lautform abstammt; bis nach Westfalen ist die nld. form suikerij als zuckerei bekannt. von den th. 13, 3148 aufgezählten pflanzenarten, die als wegwarte zusammengefaszt werden, wird nur 1) die gemeine und die gartenzichorie, cichorium intybus und cichorium intybus sativum, im eigentlichen gebrauche unter z. verstanden, wovon die erste auch wilde z. genannt wird: z-n, hindlufte, wegwart: ist zweyerley, wilde und zahme; jene wchset an rainen und andern wilden orten, diese wird aber in grten erzogen allg. haush.-lex. 3, 793; J. A. Naumann naturgesch. d. vög. 6, 499; Heine 3, 152 E.;

[Bd. 31, Sp. 878]


Meisl theatr. quodlib. 1, 10; Ritter erdk. 6, 1118; oft bezeichnet z. aber den aus der wurzel hergestellten kaffeeersatz, eine am Nordharz seit der mitte des 17. jahrh.s gebräuchliche verwertung, die sich während der continentalsperre stark verbreitete; früher als gemüse, als salat und besonders als abkochung zur frühlingskur verwendet: (man) kann sich leicht mit einigen körnchen c-n sehr gut aushelfen Davidis kochb.18 28; 2) einige süddeutsche gegenden nennen den löwenzahn, leontodon taraxacum, da sie dessen wurzeln getrocknet zu kaffee verwenden, wilde z., auch finden die zarten wurzelblätter als salat verwendung: Popowitsch versuch 487; Schmeller-Fr. 2, 1079; H. Fischer 6, 1174; Martin-L. 2, 405b. — dazu zss.: zichorienbrühe, f., verächtlich für kaffee: Müller-Fr. 2, 702a. —
 
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-fabrik, f., fabrik zur verarbeitung der zichorienwurzeln: Gaudy s. w. 8, 177; -ant, m.: hdwb. d. staatsw.2 7, 353. —
 
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-hans, m., schimpfwort bei H. Fischer 6, 1174. —
 
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-kaffee, m., getränk aus zichorie oder mit zusatz zum kaffee: alle morgen beym cichoriencaffe J. T. Hermes Sophiens reise 5, 296; Bahrdt gesch. s. leb. 2, 247; den cichorienkaffee möge sie nicht erleiden Jer. Gotthelf ges. schr. 6, 189. —
 
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-päckchen, n., verpackung der verkaufsfertigen zichorie; auch -paket, n.: H. Seidel Leb. Hühnch. 5; dazu wird gewöhnlich ein blaues sogenanntes zichorien papier gebraucht: Lueger lex. d. techn. 6, 672. —

 

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