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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zibbe bis zibete (Bd. 31, Sp. 874 bis 876)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zibbe, f., hündin, häufiger weibliches jungthier oder weibchen kleinerer haus- und feldthiere; vorwiegend ostmd., dem nd. teve, tiffe, f., hündin, übertr. geile, liederliche weibsperson entsprechende wortform, die z. th. schon in mnd. zeit, eine besondere schätzung südlicher zuchtmethoden verratend, in die nd. nachbarbezirke eingedrungen ist und neuerdings bis in Holstein hinein boden gewonnen, jedoch das westliche Niederdeutschland und den ripuarischen bereich unberührt gelassen hat; mit ihrer neuen bedeutung hat sie sich neben das heimische nd. wort gestellt; hier scheint die durch das schwinden des alten wortes au mutterschaf entstandene lücke die aufnahme begünstigt zu haben. die wbb. lassen folgende bedeutungsentfaltung erkennen: 1) hündin: ziwwe Vilmar 471; zübb Dellit ma. v. Kleinschmalkalden 239; zebb Hertel Salzung. wb. 52; sibbken, siwweken kleiner hund, besonders stubenhund (Lippe) Frommann d. maa. 6, 483; sipp, sipphund, sipphundeken brem. wb. 4, 793; 780; s. th. 10, 1, 708; z. hündin, auch weibliches kaninchen Bruns volksw. d. prov. Sachsen ostteil 77a; 2) erwachsenes mutterthier, a) schafmutter: in der mark und Posen Campe 5, 857b; Neumark zs. f. d. maa. 1910, 14; (-pp-) Weinhold schles. 2, 109b; Frischbier 2, 492a; Fallersleben Frommann d. maa. 5, 302; b) ziege: Brendicke Berl. wortsch. 195b; ziff Mensing 5, 759; c) zusammenfassend: von hunden, schafen, rehen, kaninchen Berlin; von schaf und ziege Barnim (Brandenburg); von ziege, kaninchen, hase (Harz) Hertel Thür. 264; von schaf, ziege, kaninchen, hase u. a. Liesenberg 223; sibb, siff Mensing 4, 497; zipp 5, 760; zîweke, f., weibchen mancher thiere, bes. des hasen Schambach 309a; weibliches kaninchen Block id. v. Eilsdorf 102b; Danneil 252a; Hofmann niederhess. 270a; 3) weibliches lamm: sibbe, sibchen Schottel haubtspr. 1415, a) vom schaf, ehe es zum ersten mal lämmer geworfen hat: (mark) Frisch 2, 473b; Hübner zeitgslex.31 4, 1016a; Schrader franz. wb. 2, 1677; ziwwen (Nordhausen), ziwwe (Harz) Hertel Thür. 264; zibben, f., Kleemann nordthür. id. 25c; sibblamm weibliches schaflamm (ostholst.)

[Bd. 31, Sp. 875]


nd. korrbl. 14, 54; b) von der ziege: Jecht Mansfeld. ma. 128a. nun lehrt der vergleich mit 1zicke, dasz ältere sprachverhältnisse heute an die ränder des geltungsgebietes gedrängt auftreten und dasz der kindersprache ein wesentlicher antheil an der bedeutungsgestaltung zufällt; beide umstände lassen, auf z. bezogen, es geraten erscheinen, in lamm, jungthier die ausgangsbedeutung zu sehen: die kinder haben ihre übrigen spielgefährten, das sind lämmer, wie die hündin benannt. liter. beleg für Ostpreuszen:

holt für den sonnengott einen weiszen bock, eine schwarze
zibbe (mutterschaf) herbei für die erde
W. Jordan Ilias (3, 104) 56.

dem wgerm. auszer dem obd., das abweichende wortstämme aufweist, eigenes wort: mnd., mnld. teve, nld. teef, ags. tife, ne. dial. tib hure, tibcat weibliche katze; aus dem mnd. ins dän. als tæve und schwed. in der form täva. so stimmen alle unverschobenen formen in der engen bedeutung hündin, die als die älteste anzusehen ist, überein. das ostmd. musz danach den übergang zu der neuen bedeutung vollzogen haben. doch wohl von z. stammt das ital., schon bei Dante inferno 32, 15 begegnende zeba ziege.dazu die zss. zibbenlamm, n., weibliches schaflamm: (mark) Campe 5, 857b; alles andere an mir ist wandelbar, wie zibbenlämmer erst zeitschafe, dann vollzähnig werden A. v. Arnim s. w. 6, 299; sonst wird das junge schaaf bis zur ersten einwinterung lamm genannt, ... das verschnittene hammel- oder schöpslamm, das weibliche mutter-, zibben-, zickeln-, kilberlamm Thaer grundz. d. rat. landwirtsch. 5, 406; weibliches ziegenlamm: Krünitz 241, 221; sipplamm, n., Mensing 4, 497; zifflamm, n., weibliches schaf- oder ziegenlamm Mecklenburg.
 
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zibber, m., gemeindeöffentlichkeit: Bischoff wb. d. geheimspr. 92; v. Grolman wb. d. spitzbubenspr. 76a; aus rabbin.-hebr. zibbûr.
 
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zibebe, f., getrocknete grosze weinbeere, grosze kochrosine; eine über ganz Süddeutschland auszer dem Elsasz verbreitete bezeichnung, die jetzt, namentlich an verkehrsmittelpuncten, dem norddeutschen namen rosine zu weichen beginnt; vgl. Kretschmer wortgeogr. 396; zs. f. d. maa. 1911, 76; zuerst von Pinicianus (1516) A 8d gebucht: ziziphus, quae a nostris zibebos dicitur, cuius fructus zizipha, z-n; sodann von Balthasar Trochus (1517) bei Diefenbach gl. 9c; 635c; und für 1521 wieder von Pinicianus ebda 635c; sodann: die groszen weinbeer, bei uns z-n genannt S. Franck weltb. (1534) 141b. dasz der name auch in nördlicheren gebieten bekannt war, beweist neben der erwähnung bei dem Askanier Trochus sein vorkommen in einer hofordnung des markgrafen Johann von Küstrin (1561) bei Kern hofordn. 2, 51 (neben kleine und grosze rosinen) und bei Rollenhagen:

rosinlein, zucker, mandelkern,
zybeben, hergebracht von fern froschmeuseler (1595) G 4a;

im übrigen decken die liter. u. dial.-belege das verbreitungsgebiet der gegenwart: n. schausp. 4, 2, 39; Popowitsch versuch 472;

kommt mit in das schlaraffenland,
da sind die felsen von dragant,
die wlder voll zibeben
Blumauer ged. 211;

ziweben Hügel Wien. dial. 195b; Nicolai österr. id. 144; Stelzhamer ausgew. dicht. 1, 114 Ros.; Rosegger II 3, 244; — fleisch mit z-n und mandlen Guarinonius greuel (1610) 539; grosze ausgekrnte z-n Hohberg georg. cur. 3, 1, 201a; Frisch 2, 473a; Klein prov.-wb. 2, 245; Schmeller-Fr. 2, 1075;

ziwêben, mandel, feign tean s in die zelten drein volksschausp. in Bayern u. Österr. 301 Hartmann; —

weinbeerlein ... das erste geschlecht, welches das edelste ist, nennen wir z-n, Damascener trauben, damascenische rosein und z-n Wirsung artzneyb. reg.; (1530) H. Fischer 6, 1173, wo weitere zeugnisse; allg. d. bibl. 60, 140; Kuen oberschwäb. wb. 56; Chph. v. Schmid ges. schr. 2, 147; — Hier. Bock kreuterb. 831; Gäbelkover artzneyb. 1, 63. wbb.: Stieler 1623; Kramer teutsch-it. 2, 1449a; Marperger kaufm.-mag. 1415; Steinbach 2,

[Bd. 31, Sp. 876]


1090; allg. haush.-lex. 3, 793; Noel Chomel 8, 427; Adelung2 4, 1701; Campe 5, 857b. die z-n kamen nach dem allg. haush.-lex., in halbrunden schachteln verpackt, aus Damascus und jetzt meist aus der Türkei. der name leitet sich aus sizil. zibibbo her, das auf arab. zibība rosine zurückgeht.
 
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zibebenbrot, n.: Steub drei sommer in Tirol 1, 250. —
 
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-davidlein, n., weichlicher, unmännlicher bursche: H. Fischer 6, 1173. —
 
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-hengst, m., schelte für colonialwarenhändler (österr.): Schirmer kaufmannsspr. 214; auch -knabe, m., ebda.
 
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-jüngling, m.: Nestroy ges. w. 5, 178.
 
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zibel, f., zwiebel s. DWB ziebel, f.
 
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zibel, n., hühnchen s. unter DWB ziebelein.
 
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zibet, früher zibeth, m., fettige, moschusähnliche drüsenabsonderung der zibetkatze, früher in apotheken geführt, nach dem bekanntwerden des echten moschus als riechstoff zurückgedrängt; bei der gewinnung ein weiszer schaum, daher der name: arab. zabād schaum zu mlat. zibethum zibetkatze, von da aus dem ital. zibetto, m., zibet(katze) seit dem 16. jahrh. in Deutschland. belege: z., ein wolriechende feistin, mehret mannheit Wirsung artzneyb. reg.; mosch und zibeth ... ist eine ... wrtze der geilheit Lohenstein Armin. 1, 107a; fr die beermutter ... nim z. einer linsen grosz, lasz sie das ... gantz wol in den nabel reiben Gäbelkover artzneyb. 2, 19; (die) an der mutterkranckheit liegenden weiber, welche der annehmliche zibeth tdtete Lohenstein Armin. 2, 267a; z. wird das beste aus den insulis Philippinis, das gemeine aber aus Indien zu uns gebracht A. a s. Clara etwas f. alle 2, 100; zu dieser angabe vgl. unter -katze; meist als riechstoff und zwar im verein mit anderen mitteln aus dem Orient erwähnt: also auch der branntwein sein kraft verleuret, deszgleichen der bisem, amber, z. Paracelsus op. (1616) 1, 883a Hus.; sich und ihre kleidung mit bisem, z. und dergleichen anschmieren und den luft zu verflschen Guarinonius greuel 376; Grimmelshausen 4, 554 Kell.; das geschmnck ... als z., bisam, balsam Moscherosch gesichte (1650) 1, 98;

sein haupt auch raucht und windet
nach zimmet und zibeth
Spee trutznachtigall (1649) 50;

mein gott! von welchem sszen duft
aus ambra, jelsomin, mosch, balsam, und zibeth
sind hier die lfte voll!
Brockes ird. vergnüg. 4, 181;

Chr. Weise grün. jug. 21; 102 ndr.; v. Fleming soldat 339b; Karmarsch-H. techn. wb.3 6, 564; Muspratt chemie 6, 2086 St.-K.; übertr.: honigssze nectarworte und mit zibeth und jesmin durch bisamete redensarten Gottsched crit. hist. 1, 518; sachliche angaben: allg. haush.-lex. 3, 793; Blancard arzneiw. wb. 3, 393a; Krünitz 241, 209; Brehm tierleb. 1, 550 P.-L.; wbb.: Hulsius (1618) 2, 256b; Corvinus 1024; Kramer teutsch-it. 2, 1449b; Frisch 2, 473b; Adelung2 4, 1701; H. Fischer 6, 1173; Unger-Kh. 649b. —
 
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zibete, f., gleich zibetkatze, latinisiert zibetha: papagey, pellicanen, mrkatzen, z-n, bisamthier Fischart Garg. 430 ndr.; Brehm 1, 552 P.-L.

 

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