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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zeugung bis zeugungskraft (Bd. 31, Sp. 868 bis 870)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zeugung, f., 1) zeugnis, mhd. geziugunge, ziugunge (mhd. wb. 3, 921a; Lexer 3, 1143); Diefenbach n. gl. 29a; to eyner tuginge unde eyner bowisinge desser dynck (1315)

[Bd. 31, Sp. 869]


meckl. urkb. 6, 132; H. Fischer 6, 1172; Stieler 2615; Kramer teutsch-it. 2, 1448a; vgl.: der z-geber der zeugnis leistet (1780) österr. weisth. 9, 530; 2) an-, vorzeigung, a) von 2zeugen:

(gott) versahe den menschen gnadenrich
und im ein künstlich zeugung det,
wie er got eret und anbett
Murner badenfahrt 2 M.;

b) von zeigen mit rundung des vocals (s. 1zeugen einl.): da ... sie z. machte ... aufzustehen Lohenstein Armin. 2, 436b; wendeten ... groszen fleisz und kosten an, ihrer schnen zu gefallen, sonderlich in z. kstlicher kleider und schner pferde A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 234; 3) von 1zeugen I, a) mhd. ziugunge das machen, thun Lexer 3, 1143; b) das hervorbringen, der anbau, die aufzucht, zucht: terre neuve, neue erde wird genennet, wann sie niemahlen weder zur z. noch zur nahrung der gewchse gebraucht worden v. Hohberg georg. cur. 3, 1, 491b; c) der act, durch welchen der keim eines neuen wesens gebildet wird, geschlechtliche z., fortpflanzung, erzeugung, sowohl in der pflanzen- als in der thierwelt, mit ausnahme nur der niederen lebewesen, welche sich ungeschlechtlich fortpflanzen: es ist der vortheil lebendiger z., dasz das gezeugte vortrefflicher sein kann als das zeugende Göthe 48, 199 W.; vihe, thier, pflantzen, bum und kruter ire z. Sebiz feldbau 46; es ist kein ander landtschafft bequemer zur z. und nahrung von pflantzen und viehe J. v. Brüssel beschr. all. keiserthüm. (1602) S 1a; z., wachsthum sind die ... geschfte, die ihr (der pflanzen) leben ausmachen Hufeland menschl. leb. 98; z. der thiere J. Prätorius winterflucht 105; z. der insecten Göthe II 5, 2, 281 W.; z. von zellen Sömmerring menschl. körp. 6, 769; dasz der mythau zur zeigung der perlen dienlich sey J. Prätorius Blockesberg 560; insbes. bei menschen: pestis der epidemialisch morbus kompt von auszen hinein, ohn corporalische zeigung, spiritualischer art Paracelsus op. (1616) 1, 151b Hus.; die eheliche z. mehrer kinder Schupp schr. (1663) 152; penis, das mnnliche glied, ist das vornehmste werckzeug der z. v. Fleming soldat 347; zur z. gehört das ich und das du R. Wagner ges. schr. 3, 51; die forderung, dasz defekten menschen die z. anderer ebenso defekter nachkommen unmöglich gemacht wird, ist eine forderung klarster vernunft Ad. Hitler mein kampf (1933) 279; es ist ein heiliges geheimnis, wie jede z. und empfängnis Fr. L. Jahn w. 2, 250 E.; plur.:

ob nicht die zeugungen der dinge, die unaufhrlich noch geschehn,
als eine art von daurender beständgen schpfung anzusehn?
Brockes ird. vergnüg. 8, 542;

die z-en in der natur sind ... fortgesetzte organisationen, entwickelungen des schon vorhandenen J. G. Forster s. schr. 5, 311; ich bin ich, das heiszt Napoleon Bonaparte, der sich in zwei jahren selbst schuf, während jahrtausendlange, erbrechtliche z-en nicht vermochten, aus denen ... etwas tüchtiges zu schaffen Grabbe w. 3, 131 Bl.; Stieler 2627; Frisch 2, 473b; Adelung2 4, 1701; d) übertr.: wie trefflich sich unsere sprache zur z. neuer wörter schicket Schönaich ästhet. (1754) 81; W. v. Humboldt ges. schr. 4, 428; z. ihrer hirngeburten J. J. Schwabe belust. 3, 426; die z., den schwung und die verwirrung (der gemütsbewegungen) ... kennet seine (des malers) kunst nicht Breitinger crit. dichtk. 1, 18; weder die z. des sohnes noch das ausgehen des heiligen geistes knne ... erwiesen werden allg. d. bibl. anh. 25/36, 3350; D. Fr. Strausz ges. w. 5, 357;

siege fort, du berwinder (Jesus),
in dem grszesten der snder,
die sich deiner zeugung freun!
Zinzendorf teutsche ged. 199;

die geheimnisse der politischen z. Nietzsche w. 1, 20; e) concret, α) geschöpf: wie viel tausend ... geschpfe durchwhlen dich (erde) jahr aus jahr ein, ohne sich die millionen z-en nur trumen zu lassen, die in deinem busen wimmeln! U. Bräker s. schr. 2, 109; wenn die z.

[Bd. 31, Sp. 870]


halbschlächtig ist Kant s. w. (1838) 10, 58; 53; die gegend von Niederdeutschland, die eine z. des Rheins ist 9, 9; die menschen ... sind ... z-en der götter K. O. Müller Etrusk. 2, 109; β) generation, altersfolge, menschengeschlecht: in der reihe der z-en, worin ich als mensch berhaupt bin Kant s. w. 5, 405; 3, 350 ak.; reihe von sechszehn z-en Abbt verm. w. 1, 129; der adel, der seine ... vorrechte immer aufs neue, fr jede z., zu verdienen suchen musz 1, 233; Jean Paul leb. Fibels 209;

geschworen hat sie, ganze zeugungen
hinabzusenden in des vaters grab
Schiller 14, 411 G.;

s. Herder und J. H. Vosz bei Campe 5, 857b; Jac. Grimm kl. schr. 7, 263; nach fünfzig z-en E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutsch. 2, 368; noch bei O. Spengler untergang 2, 590 zeugungsfolge der generationen; zeitalter:

als Jupiter lenkte die welt, da erwuchs die silberne zeugung
J. H. Vosz bei
Campe 5, 857b;

nicht durchgedrungen.zss.: 1) be-, 3) er-, urzeugung.
 
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zeugung-s- in zss., deren einige auf das wissenschaftliche fachgebiet beschränkt sind, wie: -apparat, m., geschlechtstheil: K. E. v. Bär red. 1, 47; Sömmerring menschl. körp. 5, 9; -drüse, f.: 5, 366; -flüssigkeit, f.: 6, 949; -spalte, f.: 5, 502; -staub, m., staub der staubgefäsze: Erhart pflanzenhist. 7, 88; -zelle, f.: Sömmerring 5, 457; häufiger bezeugte und z. th. allgemein gebrauchte zss.:
 
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-act, m., vorgang der zeugung: allg. d. bibl. 50, 168; Klinger w. 11, 212; Sömmerring menschl. körp. 7, 37; übertr.: einblick in den geistigen z. Hebbel I 12, 314; 216 W.; Jhering geist d. röm. rechts 2, 2, 673. —
 
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-art, f., art der zeugung: also musz ... gott ..., weil diese z. die alleredelste ..., ein gttlich wesen zeugen Lohenstein Armin. 2, 557a; Triller poet. betracht. 4, 229; z-en bey den ... wrmern allg. d. bibl. 86, 353; z. der ... politik Abbt verm. w. 6, 121. —
 
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-fähig, adj., puber: whrend des z-en alters Sömmerring 6, 965; Schopenhauer w. 2, 646 Gr.; das ist anzunehmen, dasz mann und weib zusammen, vollwchsig und z. erschaffen wurden Jac. Grimm kl. schr. 1, 279; -keit, f.: Schopenhauer 2, 570 Gr.; Ratzel völkerkde 2, 305; ihr (der natur) sichtbarster protest besteht ... in der verweigerung der weiteren z. für die bastarde Ad. Hitler m. kampf 311; z. der materie Gutzkow ges. w. 12, 125; unbegränzte z. des weinstocks Hebbel II 3, 267 W.; ohne begierde, phantasie, z. giebt es keine poetisch schöpferische erfindungsgabe Holtei erz. schr. 23, 6. —
 
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-geist, m.:

davon die kalte fluth musz selbst die wrckung fhlen,
wann in ihr eine loh des zeugungsgeistes weht
B. Feind in Hoffmannswaldau u. a. Deutscher ged. 7, 105;

Wieland in Böttigers lit. zust. 2, 176; Heinse 6, 43 Sch.; vom geist des bekenntnisses im herrnhutischen sinne: so kam der z. ... ber den Hunius H. J. Bothe zuverl. beschreib. (1731) 1, 203. —
 
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-geschäft, n., vorgang des zeugens: alle gewchse, die frh zum z-e gelangen, auch am schnellsten wegsterben Hufeland menschl. leb. 100; Schelling w. 2, 534; schaam über das z. Schopenhauer 1, 425 Gr.; Göthe II 8, 83 W.
 
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-geschichte, f.: z. der fische allg. d. bibl. 49, 158; z. und kriegsgeschichte Fr. Schlegel s. w. 3, 161. —
 
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-glied, n.: Brockes ird. vergnüg. (1744) 1, 147; (die) z-er in beyderley geschlechtern Reimarus natürl. relig. 278; Triller poet. betr. 1, 151; das weiszlich-rothe z., so die drone hat Overbeck gloss. melitt. 63; Göthe 44, 119 W.; Fr. Th. Vischer ästhet. 2, 430; Adelung2 4, 1701; Campe 5, 857b. —
 
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-keim, m.: allg. d. bibl. 111, 53; Gutzkow ges. w. 12, 102; v. Maltitz pfefferkörn. 1, 71. —
 
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-kraft, f., 1) eig.: J. Prätorius anthropod. 1, 222; im vierzehenden jahre reget sich die zeugungs- und geburtskraft Lohenstein Armin. 2, 205a; Thomasius artzenei wid. d. unvernünft. liebe (1696) 181;

bis durch die zeugungskraft ein jedes geschlecht sich vermehrte
Bodmer Noah 113;

[Bd. 31, Sp. 871]


wallachen heiszet ein ... hengstpferd verschneiden oder demselben ... die mannschaft oder z. benehmen allg. haush.-lex. 3, 655; ihre (der Germanen) z. wurde nicht vor der zeit erschöpft Vieth leibesüb. 1, 204; (bei einem bocke) die z. durch haferfütterung (unterstützen) Schwerz pract. ackerb. 655;

die zeit, die ihre kinder frasz,
die zeugungskraft verloren
Rückert w. 7, 223;

rechte fruchtbarkeit oder z. (des getreides) Bresl. samml. v. natur- u. medic. gesch. (1717) 3, 203; er (der feigenbaum) ist ... ein symbol der allverbreiteten z. W. v. Humboldt ges. schr. 5, 330;

aus der zeugungskraft des wassers
war das licht emporgeflogen
Tieck schr. 1, 275;

z. der natur Just. Liebig chem. br. 210; 2) übertrag.: gesangb. d. brüdergemeine (anh.) 1582;

ein geist von starker zeugungskraft
Hagedorn poet. w. 1, 149;

er ist ein gelinder, löblicher, liberaler dichter, ohne grosze zeugungskraft Chamisso w. 6, 136; in der ... z. kleiner gedichte (obj.) Jean Paul 20/23, 109 H.; völker von epischer und dramatischer z. Peschel völkerkde 331; wie verschwendung der leiblichen z. den körper aussaugt, so ruiniert auch ein üppiges spiel mit der geistigen z. den geist W. H. Riehl arb. 277;

wollust ist meines daseins zeugungskraft —
Novalis 4, 215 Minor;

ihre (der deutschen sprache) lebendige z. J. H. Vosz antisymb. 1, 355; Gervinus gesch. d. deutsch. dichtg 3, 164; W. Scherer kl. schr. 1, 391; politische z.: Varnhagen tageb. 4, 88. —

 

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