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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zeugmacher bis zeugnisbrief (Bd. 31, Sp. 859 bis 866)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -macher, m., 1) verfertiger leichter wollener, früher auch seidener zeuge: J. Hübner cur. u. real. lex. (1714) 1731; Noel Chomel 8, 2401; Stieler 1195; Kramer teutsch-it. 2, 1447c; allg. haush.-lex. 2, 695a; Adelung2 4, 1700; warumb sind mir denn meine landesleute unter den z-n zu geringe? Chr. Weise klügst. leute 99; Thomasius aufzeichn. 520; Just. Möser s. w. 1, 256; Jean Paul 15/18, 187 H.; D. Fr. Strausz ges. w. 10, 258; 2) mühlenbauer: Müller-Fr. 2, 702a. —
 
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-mantel, m., mantel aus leichtem wollenem oder anderem zeuge: Stieler 1227; Adelung2 4, 1700; Campe 5, 857a. —
 
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-manufactur, f., handwerkliche fabrik von wollenen, baumwollenen, seidenen zeugen: allg. d. bibl. 25, 295; anh. 25/36, 3336; öft.; Beil techn. wb. 1, 669. —
 
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-masse, f., 1) rohmasse in der papierherstellung: Muspratt chemie 6, 1641 St.-K.; 2) kleidermasse: Schmarsow ästh. d. bild. künste 1, 72. —
 
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-mauer, f., mit kalkmörtel errichtete mauer: Martin-L. 1, 704a. —
 
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-meister, m., 1) militärischer beamter oder offizier, dem das geschützwesen unterstellt ist, auch vorsteher des zeughauses: Frisius 1021b; Junius (1567) 500b; tribunus armamentarii Golius 171; Schottel haubtspr. 339; Stieler 2378; Kramer teutsch-it. 2, 1447b; Steinbach 2, 42; Frisch 2, 473a; Adelung2 4, 1700; auch Lexer 3, 1143; schweiz. id. 4, 535; H. Fischer 6, 1171; liter. belege: H. Sachs 4, 280 K.; Tucher baumeisterb. 140 L.; Bas. Faber Saxon. 139b; Kirchhof mil. disc. 26 (cit. unt. -schreiber); Dannhauer cat.-milch 2, 413; ein zeuch- oder büchsenmeister G. v. Berlichingen lebensbeschr. 61 B.; Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 2, 180; der büchsenmacher stand unter dem befehle des z-s v. Alten hdb. f. heer u. flotte 2, 587; städtechr. 2, 255 (cit. sp. 831); Kern hofordn. 1, 42, öft.; nam. feldz.

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befehlshaber der artillerie im felde, zum unterschied vom hausz., s. Schmeller-Fr. 2, 1091; in Österreich-Ungarn bis 1908 der zweithöchste generalsrang, in Preuszen der militärische vorsteher der behörde für das munitions- und waffenwesen, s. Meyers lex.7 4, 554; auch z. als rangbezeichnung: v. Alten hdb. f. heer u. flotte 3, 550; W. Schäfer 13 büch. d. deutsch. seele 474; ältere belege:

herr Hans von Diskaw ein ritter
was oberster zeugmeyster
W. Schmeltzl zug in d. Hungarland A 3 a;

kaisers zeugmaister und Matern
die theten yre wort verhörn hist. volkslied. 3, 79 Liliencron;

Thom. v. Absberg 71 lit. ver.; 2) aufseher über das jagdgeräthehaus; ihm sind die -knechte unterstellt: Diefenbach-W. 913; Kern hofordn. 2, 33; Schwappach forst- u. jagdgesch. 2, 637; Döbel jäger pract. 2, 20; Heppe wohlred. jäger2 420b; Behlen forst- u. jagdkde 6, 523; H. Fischer 6, 1171; Adelung2 4, 1700. —
 
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-meisterei, f., technische behörde für das artilleriewesen: Fronsperger kriegsb. (1578) 1, Z 4a; v. Alten hdb. f. heer u. flotte 1, 552; ausrüstungstelle der SA u. s. w.
 
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-musik, f.: die instrumental- oder z. S. Schelwig cynosura conscient. (1692) 174. —
 
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-mütze, f., mütze aus zeug: Veith bergwb. 402; auch sonst gebräuchlich.
 
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zeugnis, n. , älter f., zeugenaussage, testimonium; aus spätmhd. geziugnusse, -nisse, das ende des 13. jahrh.s als eine der erweiterungsformen des einfachen nomen actionis geziuc, m., aufkommt, und nach deren untergang allein auf dem felde der sprache verbleibt. ihren kampf gegen gezeug stellt th. 4, 1, 4, 7010 dar. die kurzform ohne das präfix ge- ist seit dem 14. jahrh. beobachtet, doch fällt ihr keineswegs der sieg überall zu. über diese auseinandersetzung sowie über alle lautlichen vorgänge ist th. 4, 1, 4, 7029ff. ausreichend berichtet; zu den angaben über die doppelheit des geschlechts und den weg zum zustand von heute sei noch folgendes hinzugefügt: auch in der frühnhd. periode überwiegt noch das fem.; Luther schwankt noch in der bibelverdeutschung, wovon C. Franke grundzüge 2, 87 beispiele beibringt, bevorzugt jedoch im ganzen das neutrum; sonst s. noch f. bei Lindener katzipori 149, aber n. 52 Li.; f.: H. Sachs 18, 4; 91 K., der jedoch auch meist das neutrum gebraucht; 1. Mos. 21, 30 Zürch. bib. (1531); Ryff anatomi L 1b; Murner narr. 286 ndr.; Weckherlin ged. 1, 377 F.; Ayrer proc. jur. 1, 15; Schweinichen denkw. 13 Ö.; A. a s. Clara mercks Wien 130; sein ruhm war mit Paulo die z. seines gewissens G. Arnold leb. d. gläubig. (1701) 16; eine dreyfache zeugnusz anmuth. gel. 2, 705 Gottsch., archaisch; Tobler appenz. 462b. entrundeter diphthong -ei-: A. a s. Clara n. pred. 78 Bertsche; Warnecke poet. vers. 137; anm. gel. 1, 728 Gottsch.; plur. -en: Weckherlin ged. 1, 46 F.; Schottel haubtspr. 14; friedenssieg 21 ndr.; Spener geistl. friede 89. zur stoffdarbietung vgl. die anordnung bei zeuge II und zeugen, verb.
1) zeugnis, aussage vor gericht oder in einem rechtsverfahren: der hund rümet sich zügnus, die ward im ze hören erkennet Steinhöwel Äsop 84 Ö.; Lotharius ... nam darauff das sacrament mit viledlen, die im des zeugnus geben wolten, das er an dem unschuldig were S. Franck chron. Germ. (1538) 82b;

die junckfrawen hie gegen (wist!),
welche mein gantz leybeygen ist,
als ich durch zeugnusz dar wil thon
H. Sachs 2, 8 K.;

ihr ... z., mich auf diebstahl ... betroffen zu haben Leipz. avantur. 1, 224; dem zügnusz soll nit fest gloubt werden, sy habe denn zween oder dry, die darum sagend Zwingli d. schr. 1, 336; ein z. ist nichts werth Düringsfeld sprw. 1, 191a; ihren (der partheien) wider einander gerichteten z-sen vor gericht alle glaubwrdigkeit (absprechen) Raumer gesch. d. Hohenst. 1, 370; H. Steffens was ich erlebte 1, 21; sieben lemmer soltu von meiner hand nemen, das sie mir zum z. seien, das ich diesen brun gegraben habe 1. Mos. 21, 30; wird es

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(stück vieh) ... zurissen, sol er z. davon bringen und nicht bezalen 2. Mos. 22, 13; — bei deme was ... abt Johans ... zu ainer zeugknusz (Augsb.) chron. d. st. 25, 302; z eyner zucnisse dusser rede zo han (ich) ... dussen brip besigelet hess. urkb. 2, 474 W.-R.; das ir jeglicher ze zügnüsz ir insigel an disen brief gehenckt haben Richental chron. d. Constanz. conc. 70 B.; Tschudi chron. helv. 1, 109; Stieler 2615; mit werthvollen belegen H. Fischer 6, 1171.
2) im freieren verkehr eine auf beobachtung, erfahrung und kenntnis gestützte aussage, die a) zur feststellung eines sachverhalts dient: werden mir alle deutschen z. geben Luther 26, 273 W.; die z. der krancken Paracelsus op. (1616) 1, 200a Hus.; ich habe das z. von ganz Deutschland vor mir, dasz ich mich bey aller gelegenheit als den orthodoxesten vertheidiger der Lutherschen lehre erwiesen habe Lessing 18, 271 M.;

ein vater heiszt mich sohn, die schwestern sagen: nein!
und wollen nicht einmahl der mutter zeugnisz glauben
v. Canitz ged. 78;

nach dem z. aller beobachter Humboldt kosmos 1, 126; G. Freytag ges. w. 13, 205; ein merkwürdiges z. ... gibt der volksmund W. H. Riehl d. arb. 304; wobei sich als subj. auch die sinne und erfahrung selbst einstellen: het ... solichs nimmer mer gelaubet, wo nit meine augen desz selbs zeügnisz geben Wickram 1, 72 B.; Thümmel reise 8, 102; das z. der sinne Lichtenberg br. 2, 175; die erfarung gibt zeügknus, das unser will nit frey ist Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 186 ndr.; so musz eygentlich die tegliche erfarung zeugnus geben und sprechen, gott beschert uber nacht Agricola sprw. (1534) A 5b; Kant 3, 17 ak.; b) wenn sich mit der aussage eine werthung verknüpft, so ergibt sich die bedeutung ruf, leumund, nachrede; ein kennzeichnendes attribut unterstützt diesen zuwachs des begriffes:

wie er (der pfaffe) allhie soll sein geschaffen,
unstrflich, nchtern, ghorsam, sittig ...
und der ein gutes zeugnusz hab
Fischart nachtrab 60 Kurz;

ob er von wenig worten, treu und wahrhaftig, von jedermann gutes z. habe Hohberg georg. cur. 1, 14; Uhland ged. 1, 330; E. M. Arndt 1, 116 R.-M.; das üble z. ..., das die frau ... dem jungen gab O. Ludwig ges. schr. 2, 309; auch ohne attribut ist dieser sinn erkennbar: dasz selbiger mann ... sehr unkeusch gelebet habe, wie ihme das zeugnsse von vielen anverwandten nachgesprochen ward J. Prätorius abenth. glückstopf 502; Homerus, Socrates ... haben noch diese stunde das z., dasz sie viel vernunft ... gehabt J. J. Schwabe tintenfäszl 85;

wen man sol loben nach seim sterben,
musz im leben das lob erwerben
mit einem tugentlichen leben,
dasz alle menschen ihm zeugnusz geben
H. Sachs 17, 398 G.;

Lenz ges. schr. 1, 9 Tieck; mit abstractem subj.: alle z-se der öffentlichen achtung Göthe 46, 68 W.; c) so gewinnt denn der begriff zeugnis eine ausweitung, die ihn in das begriffsfeld des urtheils hinübergreifen läszt; hierbei zeigt sich, dasz dieser merkwürdige thatbestand bedingt ist durch die dem rechtsverfahren fremde häufung der ämter der zeugen und des richters auf eine person; entscheidend ist die dem aussagenden zufallende aufgabe der werthung von eigenschaften oder leistungen: demnach gebe ich diesem büchlin mein z., das es ja wol gemacht ist Luther 23, 15 W.; Göthe IV 10, 213 W.; wegen seines muths und seiner tapferkeit haben ihm selbst seine eigene kameraden das beste z. gegeben Petrasch s. lustsp. 1, 652; ein äuszeres zeichen der begriffserweiterung stellt im folgenden fall das hier ursprünglich unzuständige verbum dar: ich musz dem markese das zeugnis erteilen, dasz er diese gedichte gut vortrug Heine 3, 343 E.; zum begriff gutachten reicht z. hinüber: welcher ... ein z. ausstellen werde, dasz die strasze auch anders gelegt werden könne Immermann 1, 133 B.; d) reichliche belege weisen den übergang zu einem concretum auf, wenn nämlich das z. im sinne eines zbriefes,

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einer schriftlichen bescheinigung über leistungen, eigenschaften, verhalten, körperlichen zustand oder geistige und sittliche veranlagung, verstanden wird; zunächst ein urkundliches z.: disz alles ist ... ausz der stiftung ... brieflichen urkunden und zeugknussen ... gezogen Knebel chron. v. Kaisheim 5 H.; der anfange diser zeügknus oder kundtschafft war wol gezieret und fieng mit disen worten an Lindener katzipori 149 Li.; ein diplomatisches schriftstück: Bismarck ged. u. erinn. 1, 239 volksausg.; eine grabinschrift: Neumarck fortgepfl. lustw. 1, 329; ein ausweis: Göthe im G.-jahrb. 22, 46; eine behördliche bescheinigung, attest: die aussetzigen dorfften nicht under die leuth kummen, sie hetten dan zceugnis genomen vom priestern, das sie rein weren Luther 9, 555 W.; auslendische oder frembde betler ... nicht on brieffe oder z. leyden 26, 639 W.; Chemnitz schwed. krieg 26; glaubhafte attestate und z-se: v. Fleming sold. 207; pasz ... ein z. des reisenden Gottsched sprachk. 91; das von dem lehrherrn oder den lehrern ertheilte entlassungszeugnis: die z-se meiner lehrmeister über den gegenwärtigen monat A. G. Meiszner Alcib. 1, 97;

dieser (ein professor) hat ihm fr baares geld
ein akademisch zeugnisz zugestellt
Kortum Jobsiade 1, 70;

kehrte ... mit den schönsten z-sen seiner lehrer ... in sein vaterland zurück J. P. Hebel 2, 102 Beh.; Klinger w. 9, 43; Jac. Grimm kl. schr. 1, 7; Fontane I 6, 255; erhielt ... das z. der reife nicht M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3, 226; allgemein; abkehrschein ... das einem abkehrenden bergarbeiter ... ertheilte z. Veith bergwb. 6; auch in der offizierlaufbahn, nur dasz jetzt der inhalt des z-ses in den acten bleibt: demnach ... vorzeiger dieses ... bey mir sowohl um dimission seiner charge als z. seiner treugeleisteten dienste gebhrliche ansuchung gethan (beginn eines abschiedes) v. Fleming soldat 118; Fr. L. Jahn 2, 231 E.; als offizier und mit guten z-sen und empfehlungen versehen, kam ich ... nach Berlin Moltke ges. schr. 1, 22.
3) schriftzeugnisse geschichtlicher darstellungen oder literarischer oder wissenschaftlicher werke, a) im profanen bereich: solche und dergleichen z. und ehrentitul (wie diese that) kndten viel erzehlet werden Binhardus thür. chron. vorrede d 1a; die lautere wahrheit, so nach Demokritus zeugnsse in einer tiefen schacht verborgen lieget Zesen rosenmând A 7b; zeugnüsse aus denen alten griechischen und lateinischen scribenten Thomasius disk. v. d. freiheit d. itzig. zeit. 20 Brügg.; Gottsched wb. d. wiss. 1680; Haller tageb. 1, 19; Kästner verm. schr. 2, 149; die z-se der kirchenväter Ranke s. w. 1, 296; eine grosze anzahl geschichtlicher z-se Herm. Grimm Michelangelo 1, 36; nach dem z-se der geschichte Döllinger akadem. vortr. 1, 23; so entsteht geradezu die bedeutung citat: beständig redete er in allegorischen rätseln, sogar in z-sen Justi Winckelmann 1, 41; b) der biblische kreis bildet hier sonderbedeutungen aus; zwar α) noch nicht in fällen, wie den vorigen: mgen wir frlich und sicher uns auf yhr z. lassen und drauf urteilen und gleuben Luther 26, 459 W.;

die füll der gnad hastu on masz,
die schrift tht zeügknusz geben
H. Sachs bei
Wackernagel kirchenl. 3, 60;

zeugnusz der h. schrift volksb. v. dr. Faust 126 Br.; das einstimmige z. aller propheten W. F. Besser bibelstund. 3, 547; D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 33; wohl aber in der bibelsprache, β) wenn gottes gebot im anschlusz an das lat. testimonium der vulgata, das für testamentum, d. i. gesetz, bund steht, als ein z. bezeichnet wird; die älteste bibel gebraucht der gezeug, wofür die späteren ausgaben gezeügknus und zuletzt, meist von 1475 an, zeugknusz setzen; s. th. 4, 1, 4, 7011; den ausgangspunct erkennt man an der stelle: und solt ... in die lade das z. (testimonium; gesetz Kautzsch) legen, das ich dir geben werde 2. Mos. 25, 21; sie hielten seine z. und gebot, die er inen gab ps. 99, 7; 119, 22; ich hange an deinen z-sen 31; das ich halte die z. deines mundes 88; die seinen bund (testamentum)

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und z. (testimonium) halten 25, 10: die do schent seinen gezeug (die ee 1. Augsb. ausg. von 1475; sein gescheft 2. ausg. von 1475 u. folg.) und seine gezeuge (gezeügnusz 1. Augsb. ausg. von 1475, ferner 1477, 1480; zeugknusz 2. ausg. von 1475 u. folg.) älteste bib.; seine z., die er unter inen thet 2. kön. 17, 15; danach auszerhalb der bibel: kam Paulus ... ze verkünden die zewgnus Christi Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 4 R.;

wohl denen, die sein zeugnusz halten
H. Sachs 18, 458 G.;

Schede psalm. 89 ndr.; dasz mit z. das lat. testamentum wiedergegeben wird (s. auch th. 4, 1, 4, 7011), lehrt:

und wer darauf nicht bleibt, was er im zeugnis liest
Zinzendorf teutsche ged. 333;

dein zeugnisz bleibet gewisz und deine rechte wahrhaftig
und unvernderlich wie du
Giseke poet. w. 88 Gärtner;

noch für citat aus der bibel: heiliges z. Shakespeare 4, 28; γ) und wenn ebenso in der benennung der bundeslade und stiftshütte das wort z. auftritt: auf der laden des z. (super arcam testimonii; auff der arch der gezeúgnisz älteste bib.) 2. Mos. 25, 22; in der htten des z. (in tabernaculo testimonii; tabernackel des gezeúgs [von 1475 an der gezeugknusz, 1477—1485 der zeúgknusz] älteste bib.) 4. Mos. 17, 7; fur dem furhang des z. in der htten des z. (nach 1528 in der htten des stiffts; ante velum testimonii in tabernaculo foederis; in dem tabernackel des gelúbdes [des testamentz, der zeugknusz] auswendig dem decksale des gezeúgs ält. bib.) 3. Mos. 24, 3, wo Kautzsch übersetzt: auszerhalb des vorhangs vor (der lade mit) dem gesetz im offenbarungszelt; auch 4. Mos. 1, 1 und 1. Sam. 2, 22 hält Luther bis 1528 an z. fest; an der letzten stelle bietet die hs. von 1523 gar den verkürzten ausdruck an der thur des z. (s. Luther bib. 1, 39 W.), und dieser ist gar im endgültigen wortlaut unverändert geblieben 2. Mos. 16, 34: fur dem z. (in tabernaculo); zu 1. Sam. 2, 22 vgl.:

(die weiber) hütten vor der zeugnusz der thür
H. Sachs 1, 199 K.


4) zeugnisse, die sich durch gegenstände, denkmäler, werke, thaten oder verhalten kundthun oder aus einer seelischen einstellung flieszen: a) ist ... der fingerring zeügnis, den er verloren het Boltz Terenz (1539) 93b; slcher manlichen geschichten zeügnüs ward ain übergrosze ery sul gegossen Steinhöwel Boccaccio de clar. mul. 27 Dr.; von deren winterlager allhier noch viel alterthumssachen z. geben S. v. Birken verm. Donaustrand 51; v. Fleming soldat 305; dies morgenländische z. (der turm zu Babel) Herder 5, 133; 15, 458 S.; z-se und denkmahle der urwelt Fr. Schlegel s. w. 1, 108; Göthe 37, 184 W.; G. Keller ges. w. 2, 145; (mein buch) als ein offenbares z. meiner ... dankverpflichtung Heppe lehrprinz 6; Göthe 46, 13 W.; ein z. sind seine (Schillers) dramatischen werke Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 5, 336; ein blutstropfen: wasch dieses garstige z. von deiner hand ab H. L. Wagner theaterstücke 46; Tieck schr. 11, 71; sich öffnende knospen: wenn wir sehen die zeuchnis, das er kaum ausschlge, sollen wir erkennen die zeit, der sommer wer vorhanden A. Taurer feigenbaum (1593) A 3b; sonst:

ein haus von innen wie von auszen rein,
das ist ein gutes zeugnisz für den wirth
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 5, 227;

gesammelte z-se fr die hochdeutsche mundart Adelung magazin 2, 1, 3; Kluge etym. wb.6 XII; — welche (Müntzer und Karlstadt) hatten ... yhre kunst aus dem z. yhrer ynwendicheit Luther 26, 434 W.; so wir solchs geists z. yn unserm hertzen fulen 26, 505 W.; Eberlin v. Günzburg 3, 259 ndr.; das z. eines guten gewissens Joh. Arnd Thomas v. Kempen nachf. Christi 25; Liscow sat. schr. 5; vielfach; das innere z. ber redliche bemhungen Thom. Abbt verm. w. 1, 3; das z. ihres wohlwollens Göthe IV 28, 40 W.; u. a.; die ehre soll ein z. der tugend seyn Harsdörfer secret. 1, Bb 4a; b) im besonderen das glaubenszeugnis, wenig belege: vil heylig

[Bd. 31, Sp. 864]


martrer ... mit irem unschuldigen plet die warhait unsers glaubs bestättigt und darüber zewgnus geben haben Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 14 R.; als der weite platz erscholl von dem einen z. des gekreuzigten gottes Aurbacher volksb. 12.
5) grammatisches und stilistisches; a) wortsinn und -gebrauch, α) zutretende adjectiva und substantiva: du solt nit falsch tzeugnus reden wider deinen nechsten Luther 1, 251 W.; öffentlich: Dannhauer cat.-milch vorwort 4b; Liscow sat. schr. vorwort 14; beglaubt: M. v. Lilienberg künstl. unordn. 1, 1; Herder 22, 183 S.; unfeilbar: D. v. d. Werder ras. Rol. 9. ges., 17. str.; unwidersprechlich: Weckherlin ged. 1, 31 F.; unverwerflich: Ranke s. w. 9, 288; unverfänglich: Hoops waldb. 486; unzweideutig: Creuzer mythol. 1, 5; authentisch: A. Ruge br. 2, 332 Nerrlich; klassisch: H. Brunn kl. schr. 1, 67; rühmlich: Steinbach 2, 1089; glänzend: Fontane I 1, 226; bes. häufig tritt kundschaft als begleitausdruck auf: mit sunderlichen geschefftbrieffen, kuntschafft und zeugknus Oheim Reichenauer chron. 152 Bar.; Fronsperger kriegsb. 1, C 2a; u. a.; danach erscheint fast ebenso oft urkund: das es sol sein ein gewisser z. und urkund seiner auferstehung Luther 32, 60 W.; andere gruppenwörter: wahrzeichen und z. Grimmelshausen 4, 674 Kell.; z. und vorbild C. Scheit fröl. heimfahrt 4, 48 Str.; die erste anzeigung und zeugnusz der liebe Amad. 1, 58 K.; Paracelsus op. (1616) 2, 142a Hus.; bewysung noch zügnüsz N. v. Wyle transl. 137 K.; β) eine neue bereicherung des wortgebrauches (s. 2 c) tritt ein, wenn sich die beweiskraft des zeugnisses steigert und das eine zeugnis zur urtheilsfindung ausreicht; den sinnunterschied zeigt zunächst der folgende beleg:

sie bringt beweis und zeugnis bei,
sie schleppt ein bündel von urkunden
Heine 2, 95 E.;

in den nachstehenden fällen erreicht z. mehr oder weniger die bedeutung beweis: deszgleychs hat Cristus z zewgnusz seiner gothait fürgewendet seine werch Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 67 R.; ware zaichen und rechte zeügnusz ... der gegenwärthigkait gttlicher genaden Keisersberg granatapf. D 6a; die chemischen farben geben ein z. sehr langer dauer Göthe II 1, 283 W.; unterstützend wirkt der gebrauch der präpos. zu: B. Waldis Esop 1, 312 Kurz; nachdem der zubringer sein glas ausgetrunken hat, strzt er das glas umb auf den nagel des daumens, zum z., dasz er es vllig ... ausgetruncken hab v. Ettner u. Eiteritz mediz. maulaffe 329; γ) persönliche vorstellung drängt sich auf, z. steht für zeuge: die sonn, unser und unsers geschlecht gott, sey mein zeugnusz ..., dasz buch d. liebe 195d, ein merkwürdiges gegenstück zu dem unt. zeuge I 3 vermeldeten verfahren; b) in syntaktischer hinsicht, α) mit einem objectsgenitiv: des gibt mir z. das kunstlich stuckwerk Wickram 2, 200 B.; J. v. Schwarzenberg Cic. 151b; buch d. liebe 213a; zeugnusz der weyszheit Judas Nazarei 47 ndr.; z. der liebe: Silesius seelenlust 3 ndr.; buch d. liebe 117a; Cronegk schr. 2, 282; z. eurer schuld Stoppe Parnasz 291; das z. des verrathes Göthe 9, 390 W.; u. v. a.; β) der dativ bezeichnet in der regel die person, der das z. gegeben oder ausgestellt wird; belege s. ob. 2 a und b, bes. c; hieraus leitet sich der sachdativ in der verbindung z. geben her: Christus saget, er sey komen, das er der warheit z. gebe Luther 28, 362 W.; so sehr häufig, vgl.: schausp. des ma.s 2, 296 Mone; H. v. Cronberg schr. 100 ndr.; Kramer teutschit. 2, 1448c; auch: gibt seiner erziehung ein gutes z. Fouqué gefühle 1, 234; γ) verben, von denen z. abhängt, wobei der genitiv sich eigentlich nur im anschlusz an Matth. 26, 65 was drffen wir weiter z.? (so unverändert bei Schleiermacher I 5, 100) hält; vgl. Ryff spieg. d. gesundh. 3a; L. v. François Reckenb. 1, 64; sprw.: die warheit bedarf wenig z. Eyering prov. 1, 733; vorherrscht der accusativ; die ursprüngliche vorstellung des heranziehens (s. DWB zeuge einl.) rufen noch die verben leiten, führen, anziehen hervor, vgl.: umb was sach man zignsz laiten welt oberschwäb. stadtrechte 1, 43; Alemannia 5, 32;

[Bd. 31, Sp. 865]


mit zeugnis fren und beweis
Hayneccius Hans Pfriem 39 ndr.;

zeugnus einfüren Fischart ehzuchtb. 207 H.; anziehen Garg. 193 ndr.; anrufen, sich berufen s. unt. δ; sehr gewöhnlich ist geben: derselbige geist gibt z. unserm geist, das wir gotteskinder sind Röm. 8, 16; weitere beispiele für die fügung mit dem dativ der person s. 2 c; präpositionen gehören zu z.:

denn alle zeichen geben für ihn zeugnisz
Schiller 12, 247 G.;

ebenso von: davon ihre ... betrachtungen z. geben G. L. Hartmann fluchspieg. 35; Bismarck polit. red. 3, 8 Kohl; ferner: attestor ich bring z. Alberus 137b; selten nehmen: des fragt der richter von mannen zu man und nimbt im (sich) des zeugnusz (überzeugt sich davon; 16. jahrh.) österr. weisth. 9, 726; leisten: Göthe (Faust 5622) 15, 44 W.; ihm ... ein glänzendes z. auszustellen Jhering geist d. röm. rechts 2, 6; ablegen: eure farbe legt ein ... starkes z. ab Shakespeare 4, 282; Bismarck polit. red. 4, 355 Kohl; freier verben der aussage: da er denn nachfolgendes zeugnusz auszgesagte Tabeus Mynhincklers sack (1612) D 3b; soviel ... seine z-se aussagen Göthe IV 21, 117 W.;

dasz so ein brandmahl
dem mann ein beszres zeugnisz redet als
sein eigner mund
Lessing 3, 60 M.;

δ) präpositionen stehen theils vor dem wort z., in loser oder fester verbindung mit der satzconstruction, theils hinter ihm; beispiele für den ersten fall: auf, meist von sich berufen abhängig: sich auf eines sein z. berufen Kramer teutschit. 2, 1448c; ich berufe mich auf sein z. Klinger w. 1, 413; doch auch gelegentlich mit anderen verben verbunden: auf ihr z. sterben Kolbenheyer Parac. 3, 213; nach: on die werch ist der glaub tod, nach zeugknusz Jacobi Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 17 R.; nach dem z-se alter ... schriftsteller Schwan n. dict. 2, 1103a; deutsche sag. 2, 137; zu: es wird geprediget werden das evangelium vom reich ..., zu einem z. uber alle vlcker Matth. 24, 14; zum z., dasz Ad. Olearius pers. reisebeschr. 144; Lessing 17, 12 M.; Göthe 33, 10 W.;

schickten gen Consentiam
sein haubt zu einer zeugnusz mit nam
H. Sachs 2, 131 K.;

(kraniche,) die der poet (Ibycus) zum zeugnus seiner unschuld uber der mrder mord anrffet S. Franck sprw. (1545) 1, 53a; Hippel kreuz- u. querzüge 1, 287; für den zweiten fall: für: z-se ... fr die existenz Raphaels Bodmer v. d. wunderbar. 41; z. für deine verdienste Lichtenberg nachl. 71; Brentano ges. schr. 5, 72; gegen (selten): Schiller 15, 1, 52 G.; gegen diese verwechslung z. ablegen Nietzsche w. 1, 493; über (selten): z. über die art, wie ich die zeit verbracht, ablegen G. Keller ges. w. 3, 232; von: Gottsched crit. dichtk. 3; Göthe IV 28, 250 W.;

dasz er zeugnisz geb vom lichte
Brentano ges. schr. 1, 284;

von dieser ... stimmung gaben ... die briefe z. Spielhagen s. w. 1, 7; ε) objectssätze, welche den inhalt des zeugnisses bestimmen: damit ein iglicher ... ein z. habe von mir selbs, das ich meine lere nicht widderrufen habe noch will Luther 23, 37 W.;

so knnen sie euch zeugnis gebn,
das ir gebessert euer leben
Dedekind christl. ritt. C 8b;

Brentano ges. schr. 2, 195; zeugnisse dafür, dasz Mommsen röm. staatsr. 1, 46; sehr gewöhnlich; dem Athensi gybestu ... dys z. ..., wie er von aller welt ... gelobet sey Hutten op. 2, 214 B.;

nachdem du tglich zeugnisz giebst,
wie sehr du deine menschen liebst
J. Chr. Günther ged. (1735) 9;

Göthe 5, 120 W.; wird ein z. geben, welche weltbewegung daraus entstand II 6, 219 W.; ζ) losere verknüpfung mit dem satzgefüge stellt als her: nehmen sie diesen brief als ein neues z., dasz ich sie nie vergessen werde Göthe IV 1, 251; 46, 72; IV 29, 98 W.; η) zss.

[Bd. 31, Sp. 866]


(alle mit zeugnis 2 d): amts-, arbeits-, armuts-, bedürftigkeits-, dienst-, ehe-, fähigkeits-, fleisz-, führungs-, gesundheits-, krankheits-, leistungs-, leumunds-, prüfungs-, reife-, schul-, wahrheitszeugnis.
 
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zeugnisbrief, m., urkundliche bescheinigung einer behörde: das hatt er keyns ain mir gehalten und verspuret myr myn zucknisbriv und gruntbriv und myr dye nit geven wille urk. z. gesch. Maximilians 490 Chmel; solten die ordinandi z-e mit sich bringen von ihrer lehre und von ihrem leben Sarcerius hirtenbuch (1566) 43; den waldbrdern wird ein z. ... gegeben, dasz sie daselbst (in Mekka) gebetet Ad. Olearius pers. reisebeschr. 355; die z-e, womit ein gesandter abgefertigt und wieder zurück abgefertigt wird Ludwig teutsch-engl. 2586. —

 

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