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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
britschenmeister bis brockenbirke (Bd. 2, Sp. 393 bis 395)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) britschenmeister, m. bei schützengesellschaften der lustigmacher, welcher ein britschholz trägt. Haupt 3, 257. 255.
 
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britschenschlager, m. dasselbe: schwertdanzer, kunzenjäger, britschenschlager, stengleinlaufer. Fischart groszm. 88.
 
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britschenschlagerisch, wie die britschenmeister tragen: pritschenschlagerische schellenröcklin. Garg. 58.
 
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britschholz, n. crepitaculum.
 
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britschnasz, plane madidus, pfutschnasz. s. DWB britschen 5.
 
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bröckchen, n. frustulum, nnl. brokje, broksken: um ein bröckchen brot betteln;

das leben gleichet einem bröckchen zucker.
Platen 189.


 
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brocke , m. frustum, ahd. proccho (Graff 3, 270), mhd. brocke, nhd. im 16 jh. häufig brock. Dasyp. 253a. 309b. Maaler 78d. Serranus c 4b. Henisch 515, 57; schweiz. brocka pl. bröcka. Tobler 78b; bei Frisch 1, 140b brocke oder brocken; bei Adelung und den neueren überwiegt der falsche nom. brocken; Stieler 231 setzt brocke f. und einzelne neuere schriftsteller verwenden es auch so. die wurzel deutlich brechen und CK zu fassen wie in wecken, wacker von wachen, in decken neben dach, in recken von rechen u. s. w. auch bildet Ulfilas gabruka f. von brikan, die ags. sprache aber brytse pl. brytsan und gebrot pl. gebrotu von dem gleichbedeutigen breotan, wie denn auch lat. frustum nicht aus frangere, sondern einem verlornen fraudere (analog dem claudere, plaudere) zu leiten ist. nnl. brok, pl. brokken. das dän. brokke wurde von uns entlehnt.
Unsere sprache verwendet brocke
1) vom brot, das man dem federvieh, den hunden hinwirft, bolus, turunda, 'damit man die vögel mestet'. Dasyp. 253a; die gans erstickte an dem brocken, womit man sie stopfte;

und stillte mit brocken die hunde.
Bürger 61a.


2) von brot oder semmel, die in milch, bier, mus gebrockt werden, schweiz. milech und brocka. im märchen ruft das kind der milchschlürfenden schlange zu: 'ding, isz auch brocken!'

[Bd. 2, Sp. 394]


mythol. 650. die mhd. sprache, das volk in der Schweiz, Schwaben, Baiern sagt dafür mocke:

doch von stund darnâch
ward in ze dem muose gâch,
sie tâten dar în brocken
die aller grœsten mocken
und truckten die hin under. Diut. 2, 84,

welches mocke aus lat. mica herzurühren scheint. krutsuppe chocha, stockdick vo brocka. Firmenich 2, 665. ein brocke brot, en brocka brot. Tobler 78b, ursprünglich ein gebrochnes, meinte bald auch ein abgeschnittenes stück, eine schnitte. der hungrige arme bettelt um einen brocken brotes:

vor seinem eignen schlosz musz er um brocken flehen.
Hagedorn 1, 40.


3) vom brotabfall, der aufgelesenen krume: und sie aszen alle und wurden satt und huben auf was uberig bleib von brocken zwölf körbe voll. Matth. 14, 20. 15, 37. Marc. 6, 43. 8, 19. Luc. 9, 17. Joh. 6, 12. 13; da fällt manche brocke ab, die keiner von euch brauchen kann, und die ist für mich. Lessing 1, 394. vgl. brosam.
4) von einem bissen überhaupt, ohne an brechen und brot zu denken, daher fette und magere brocken, wie bissen, grosze brocken zum erwürgen;

brocken einschieben. fastn. 87, 3;

der hungrige schiebt einen brocken nach dem andern in den mund. figürlich: Ögenek mochte sich innerlich nicht wenig freuen, einen so fetten kostgänger und patienten angetroffen zu haben, von welchem er keine magere brocken zu genieszen verhofte. irrg. der liebe 327; zumal da ich wol sahe, dasz es nach der frau mutter tod noch gar fette brocken abwerfen dürfte. ehe eines mannes 232. auch bezeichnet es hingeworfne fremde worte, gelehrte brocken: weil mein herr mit lateinischen brocken um sich wirft. causenmacher 35; geh geschwind, wenn du glaubst von seinen politischen brocken satt zu werden. Lessing 1, 271;

versteh ich gleich nichts von lateinischen brocken,
so weisz ich den hund doch vom ofen zu locken.
Bürger 67a;

das war ein ander geköch, als wenn unsre (prediger) auf der kanzel herumtrommeln und die leute mit lateinischen brocken erwürgen. Göthe 8, 176; in dessen opern man harmonie findet, einzelne brocken guten gesangs. 36, 7; tugendlehren, wenn sie mit metaphysischen brocken ausgeschmückt werden. Kant 5, 198.
5) von ausgespienen bissen:

der siebende warf ein haufen procken.
H. Sachs I, 505c;

die herum fliegenden brocken. pol. maulaffe s. 302. figürlich, von groben, ungeschliffenen worten:

du aber sagst noch gröber brocken. I, 513c.


6) von einem kleinen, dicken menschen: ein kurzer, dicker brocke.
 
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bröckeln ,
1) terere, friare, bröseln, krümeln: den vögeln, finken semmel bröckeln.
2) intransitiv, friari: der bau bröckelt schon hie und da. Hermes Soph. reise 1, 624.
3) sich bröckeln, friari: es bröckelt sich; die welt und die zeit schien in einem strom von moder in den abgrund sich hinab zu bröckeln. J. P. uns. loge 3, 172. s. DWB abbröckeln, DWB verbröckeln, DWB zerbröckeln.
 
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brocken , ahd. procchôn. Graff 3, 269. mhd. brocken. Ben. 1, 245a.
1) sipare, pullis panem sipare. Diefenbach wb. von 1470. 250. mhd.

daʒ brôt ist mir gebrocket
gelîche als einem huon. Engelh. 2210;

spise oder korn, die man zum essen brocket. Luther 3, 499; wer in die milch zu brocken hat, geht vor. Henisch 515; brock sie (die holderblut) in siedige gute milch. küchenmeisterei b 1;

und kan den kinden zu schule locken
und simelkuchen in milroum brocken. nambuch 108;

hier läszt der ritter, da ihn die sonne zu drücken begann,
sich brot in frische milch von einer hirtin brocken.
Wielands Oberon 2, 8;

den landmann hielt die freiheit warm und trocken
und gab ihm stets genug in seinen napf zu brocken.
Bürger 108a;

doch sei er so genau, dasz wenn er einen andern haben könne, der ihm vier gulden gäbe, er indessen zu hause vor einen pfenning brot in bier brockte und das essen darbte. Weise erzn. 115; hatte weder zu beiszen noch zu brocken. Luthers tischr. 208b; ich weisz es gewis, Lenette hätte ihren Siebenkäs in der ehe so lieb gewonnen, wie eine braut, hätte er etwas zu brocken und zu beiszen gehabt. J. P. Siebenk. 3,

[Bd. 2, Sp. 395]


27; wir haben noch zu beiszen und zu brocken, aber wir wünschen in die zahnlücken goldne zähne hinein. dämm. 133, vgl. die von dieser redensart schon 1, 1400 gegebnen belege. was soll man brot zu brot brocken? Garg. 45b. vgl. DWB brot bei brot behalten, erwerben.
2) brocken, auswerfen, promere: es msz doch heraus, wie gwaltig Melibia in dem herzen meines herren sei, der mund msz es brockend auswerfen. Wirsung Cal. C 1b. schweiz. brocken, grobe worte brauchen. s. DWB abbrocken, DWB einbrocken, DWB verbrocken, zerbrocken, zubrocken.
 
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brocken, m. der gipfel des Harzgebirges, nach welchem am ersten mai die hexen wallfahrten, Göthe setzt ihn in die gegend von Schirke und Elend:

die hexen zu dem Brocken ziehn,
die stoppel ist gelb, die saat ist grün. 12, 207;

zum Brocken wandeln wir in der Walpurgisnacht. 12, 211;

daneben braucht er Blocksberg (sp. 138):

wenn ich euch auf dem Blocksberg finde,
das find ich gut, denn da gehört ihr hin. 12, 220;

der Blocksberg, wie der deutsche Parnass,
hat gar einen breiten gipfel. 2, 227.

Zuerst taucht der name auf in einer geistlichen abhandlung aus der mitte des 15 jh., die sich in Breslauer, Weimarer und Amorbacher hss. erhalten hat und in Hoffmanns schles. monatsschr. s. 753, in Kellers fastn. sp. s. 1463 und in Wolfs myth. zeitschr. 1, 6 ausgezogen ist, es heiszt da: alse pelewisen, mülkenstelerinnen und die uf den Brockisberg varen; die do sagen, das sie mit der Berchta und bilbissen oder truten varn auf den Pruckelperg; das sie mit der Perchten oder pilbiszen oder trutten faren auf den Brückelsperg. auch eine nd. urkunde von 1581 in Dittmers Sassen und Holstenrecht. Lüb. 1843 s. 159 liefert Brockensbarg. Heute ist für diesen unholdenberg in Niederdeutschland die benennung Blocksberg weit gangbarer, und man nennt viele solcher hügel und berge in Mecklenburg und Holstein Blocksberge (niemals blosz Blocken wie Brocken) vgl. Lisch jb. 3b, 189. 6b, 74. 75. Müllenhoffs sagen s. 564. für den harzischen berg scheint Brocksberg, Brockelsberg, Brockersberg genauer, wie auch dort ein Bruchberg als vorberg des Brockens vorkommt (Pröhles harzsagen s. 124). ob man auf ein hd. Brochen schlieszen und den namen aus den brüchen oder absätzen der felsen deuten darf? es wäre die gebrochene, gebröckelte steinmasse, gleichsam ein brocke des gebirgs, wofür die form Brocke (sp. 322) zu reden schiene; auch in Blocksberg läge felsblock. am Oberharz soll aber brucken ein dumpfes knattern ausdrücken, 'der meiler bruckt' sagen die köhler, dann würde der brockende, bruckende berg vielleicht gar einen donnernden meinen? doch begegnet brocken für donnern nicht. vgl. der Brocken braut (oben sp. 322).
 
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brockenbirke, f. niedrige zwergbirke, auf dem Brocken wachsend.

 

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