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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
britsche bis brocken (Bd. 2, Sp. 393 bis 394)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) britsche, f. auch brütsche, pritsche, nnl. bridse, dän. brix, ein wiederum mit bret und briten zusammenhängendes wort, wenn man nicht vorzieht eine nachahmung des schalls anzunehmen, in verschiednen bedeutungen. Frisch 1, 140. Schmeller 1, 272.
1) eine bühne, ein bretgerüst zum liegen in wachtstuben, mülen, gefängnissen: bett, verstand (d. i. verstehe) lender (geländer?) oder britschen oder gsetz, wie mans nennet. Wickram bilg. 79; faul auf der britsche liegen; gestern auf der britsch ist ein langes und breites davon erzählt worden. Wagners kindermörderin 97. im teutonista findet sich britz, scherm, underslach, absconsorium, interstitium, umbraculum; lang britz of want, dair winstock of anders langs her gepait is, maceria, was zu jenem geländer stimmt. auch ein sitzbret hinten am rennschlitten heiszt britsche. Tobler hat für dies britsche überhaupt die form brüge, deren aussprache wol in brütsche, britsche übergehn könnte, doch zugleich an brücke mahnt, vgl. ags. brycg, engl. bridge: wirft die garb in die brüge (auf die bühne) uszhin. Rufs Adam und Eva s. 64.
2) crepitaculum, ein leichtes, gespaltnes bret zum schlagen, schlegel, holzhammer. der hanswurst führt eine solche britsche und schlägt damit; einem die britsche geben, schläge; britsche schlagen. Henisch 515; mit der britsche wird auch geladener mist glatt geschlagen; mit den britschen die buttenträger zu fleisz und arbeit ermuntern. Weckherlin 773. vgl. Zarncke zu Brant s. 395.
3) ein breites, schweres holz, den herd in den schmelzhütten, die tenne in den scheuern festzuschlagen, sonst auch DWB patsche genannt.
4) eine hohe stückbettung für das geschütz im krieg, eine bettung im wasserbau.
5) vulva bestiarum quadrupedum.
 
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britschen ,
1) ferire, percutere plagis, brütschen. Haupt 2, 255: mit der hand, mit dem bret, mit dem pantoffel britschen; ein kind auf den hintern britschen; den arsch voll britschen.
2) crepare foribus, die thüren schmeiszen, ein und aus britschen, hin und wieder britschen. sich britschen, exire: die meis lobt sich, spricht 'bub britsch dich!' Eyering 2, 131.
3) foras pellere, aus der stube, dem haus, dem dienst jagen.
4) mit der hand in wasser schlagen, platschen, plätschen, plätschern; weine britschen, britscheln, mischen. Schm. 1, 272 (vgl. brodeln).
5) divulgare, klatschen, platschen. vgl. DWB britsch, DWB bratsch, DWB platsch.
 
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britschenmeister, m. bei schützengesellschaften der lustigmacher, welcher ein britschholz trägt. Haupt 3, 257. 255.
 
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britschenschlager, m. dasselbe: schwertdanzer, kunzenjäger, britschenschlager, stengleinlaufer. Fischart groszm. 88.
 
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britschenschlagerisch, wie die britschenmeister tragen: pritschenschlagerische schellenröcklin. Garg. 58.
 
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britschholz, n. crepitaculum.
 
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britschnasz, plane madidus, pfutschnasz. s. DWB britschen 5.
 
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bröckchen, n. frustulum, nnl. brokje, broksken: um ein bröckchen brot betteln;

das leben gleichet einem bröckchen zucker.
Platen 189.


 
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brocke , m. frustum, ahd. proccho (Graff 3, 270), mhd. brocke, nhd. im 16 jh. häufig brock. Dasyp. 253a. 309b. Maaler 78d. Serranus c 4b. Henisch 515, 57; schweiz. brocka pl. bröcka. Tobler 78b; bei Frisch 1, 140b brocke oder brocken; bei Adelung und den neueren überwiegt der falsche nom. brocken; Stieler 231 setzt brocke f. und einzelne neuere schriftsteller verwenden es auch so. die wurzel deutlich brechen und CK zu fassen wie in wecken, wacker von wachen, in decken neben dach, in recken von rechen u. s. w. auch bildet Ulfilas gabruka f. von brikan, die ags. sprache aber brytse pl. brytsan und gebrot pl. gebrotu von dem gleichbedeutigen breotan, wie denn auch lat. frustum nicht aus frangere, sondern einem verlornen fraudere (analog dem claudere, plaudere) zu leiten ist. nnl. brok, pl. brokken. das dän. brokke wurde von uns entlehnt.
Unsere sprache verwendet brocke
1) vom brot, das man dem federvieh, den hunden hinwirft, bolus, turunda, 'damit man die vögel mestet'. Dasyp. 253a; die gans erstickte an dem brocken, womit man sie stopfte;

und stillte mit brocken die hunde.
Bürger 61a.


2) von brot oder semmel, die in milch, bier, mus gebrockt werden, schweiz. milech und brocka. im märchen ruft das kind der milchschlürfenden schlange zu: 'ding, isz auch brocken!'

[Bd. 2, Sp. 394]


mythol. 650. die mhd. sprache, das volk in der Schweiz, Schwaben, Baiern sagt dafür mocke:

doch von stund darnâch
ward in ze dem muose gâch,
sie tâten dar în brocken
die aller grœsten mocken
und truckten die hin under. Diut. 2, 84,

welches mocke aus lat. mica herzurühren scheint. krutsuppe chocha, stockdick vo brocka. Firmenich 2, 665. ein brocke brot, en brocka brot. Tobler 78b, ursprünglich ein gebrochnes, meinte bald auch ein abgeschnittenes stück, eine schnitte. der hungrige arme bettelt um einen brocken brotes:

vor seinem eignen schlosz musz er um brocken flehen.
Hagedorn 1, 40.


3) vom brotabfall, der aufgelesenen krume: und sie aszen alle und wurden satt und huben auf was uberig bleib von brocken zwölf körbe voll. Matth. 14, 20. 15, 37. Marc. 6, 43. 8, 19. Luc. 9, 17. Joh. 6, 12. 13; da fällt manche brocke ab, die keiner von euch brauchen kann, und die ist für mich. Lessing 1, 394. vgl. brosam.
4) von einem bissen überhaupt, ohne an brechen und brot zu denken, daher fette und magere brocken, wie bissen, grosze brocken zum erwürgen;

brocken einschieben. fastn. 87, 3;

der hungrige schiebt einen brocken nach dem andern in den mund. figürlich: Ögenek mochte sich innerlich nicht wenig freuen, einen so fetten kostgänger und patienten angetroffen zu haben, von welchem er keine magere brocken zu genieszen verhofte. irrg. der liebe 327; zumal da ich wol sahe, dasz es nach der frau mutter tod noch gar fette brocken abwerfen dürfte. ehe eines mannes 232. auch bezeichnet es hingeworfne fremde worte, gelehrte brocken: weil mein herr mit lateinischen brocken um sich wirft. causenmacher 35; geh geschwind, wenn du glaubst von seinen politischen brocken satt zu werden. Lessing 1, 271;

versteh ich gleich nichts von lateinischen brocken,
so weisz ich den hund doch vom ofen zu locken.
Bürger 67a;

das war ein ander geköch, als wenn unsre (prediger) auf der kanzel herumtrommeln und die leute mit lateinischen brocken erwürgen. Göthe 8, 176; in dessen opern man harmonie findet, einzelne brocken guten gesangs. 36, 7; tugendlehren, wenn sie mit metaphysischen brocken ausgeschmückt werden. Kant 5, 198.
5) von ausgespienen bissen:

der siebende warf ein haufen procken.
H. Sachs I, 505c;

die herum fliegenden brocken. pol. maulaffe s. 302. figürlich, von groben, ungeschliffenen worten:

du aber sagst noch gröber brocken. I, 513c.


6) von einem kleinen, dicken menschen: ein kurzer, dicker brocke.
 
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bröckeln ,
1) terere, friare, bröseln, krümeln: den vögeln, finken semmel bröckeln.
2) intransitiv, friari: der bau bröckelt schon hie und da. Hermes Soph. reise 1, 624.
3) sich bröckeln, friari: es bröckelt sich; die welt und die zeit schien in einem strom von moder in den abgrund sich hinab zu bröckeln. J. P. uns. loge 3, 172. s. DWB abbröckeln, DWB verbröckeln, DWB zerbröckeln.
 
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brocken , ahd. procchôn. Graff 3, 269. mhd. brocken. Ben. 1, 245a.
1) sipare, pullis panem sipare. Diefenbach wb. von 1470. 250. mhd.

daʒ brôt ist mir gebrocket
gelîche als einem huon. Engelh. 2210;

spise oder korn, die man zum essen brocket. Luther 3, 499; wer in die milch zu brocken hat, geht vor. Henisch 515; brock sie (die holderblut) in siedige gute milch. küchenmeisterei b 1;

und kan den kinden zu schule locken
und simelkuchen in milroum brocken. nambuch 108;

hier läszt der ritter, da ihn die sonne zu drücken begann,
sich brot in frische milch von einer hirtin brocken.
Wielands Oberon 2, 8;

den landmann hielt die freiheit warm und trocken
und gab ihm stets genug in seinen napf zu brocken.
Bürger 108a;

doch sei er so genau, dasz wenn er einen andern haben könne, der ihm vier gulden gäbe, er indessen zu hause vor einen pfenning brot in bier brockte und das essen darbte. Weise erzn. 115; hatte weder zu beiszen noch zu brocken. Luthers tischr. 208b; ich weisz es gewis, Lenette hätte ihren Siebenkäs in der ehe so lieb gewonnen, wie eine braut, hätte er etwas zu brocken und zu beiszen gehabt. J. P. Siebenk. 3,

[Bd. 2, Sp. 395]


27; wir haben noch zu beiszen und zu brocken, aber wir wünschen in die zahnlücken goldne zähne hinein. dämm. 133, vgl. die von dieser redensart schon 1, 1400 gegebnen belege. was soll man brot zu brot brocken? Garg. 45b. vgl. DWB brot bei brot behalten, erwerben.
2) brocken, auswerfen, promere: es msz doch heraus, wie gwaltig Melibia in dem herzen meines herren sei, der mund msz es brockend auswerfen. Wirsung Cal. C 1b. schweiz. brocken, grobe worte brauchen. s. DWB abbrocken, DWB einbrocken, DWB verbrocken, zerbrocken, zubrocken.

 

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