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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
briefzwang bis brillenkram (Bd. 2, Sp. 382 bis 383)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) briefzwang, m. der krieg, der sich mit brief- und postzwang vertheidigen musz. J. P. friedenspr. 17.
 
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briegel, brigel, m. fustis, schreiben viele im 16 jh., namentlich Serranus i 8b. Henisch 508. doch scheint prügel vorzuziehen, wofür freilich das ahd. giprugilotun, contutati sunt (? contuderunt) Graff 3, 364 nicht beweisen kann. entscheiden wird ein aufschlusz über die noch im dunkel liegende wurzel. gehört auch folgende stelle hierher? wann eim der sack aufbricht, dasz er (? es) auf einmal heraus felt, als wan ein saw in brigel beiszt, so spricht Zenodotus: er redt das sich das gewelb möcht zerreiszen. Frank spr. 1, 15a.
 
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briegelein, n. jusculum für brüegelein, brühlein: issest du ein süplin, ein briegelin, der magen empfahet allein das brieglin, aber alle glider empfahen nutz. Keisersb. omeis 9c; und darnach gib ihm dick z gangarisieren essig mit kochung pfeffers und zissren briele (erbsenbrühlein) etlich tag z suppen. Braunschweig 84.
 
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briegen, flere, ein schweizerisches und alemannisches wort für weinen, flennen, wozu man βρύχειν brüllen, heulen verglichen hat, und auch βρέχειν netzen, regnen halten könnte, noch näher liegt vielleicht flere selbst; ahd. prieken machôndo, ora torquendo (Graff 3, 364); das prieggen und geschrei eines jungen kinds, tremuli ululatus. Maaler 320b; brieggen, brieken, das gesicht zum weinen verziehen. Stalder 1, 225, die briegge, brieke, ein flenngesicht, briegger ein heuler, Tobler 77b; in Mohrs regesten 2, 5. 28 no 116 findet sich der eigenname Peter Brieggo (im j. 1316); sie schlug waidli zu und wir einander an hals, dasz ich und mi Anna vor freudigen brieggtropfen (thränen) bachnasz wurden. der a. m. im Tockenb. 298. Schmid im schwäb. wb. 90 setzt bragen, brägen, braigen, briegen, brögen schreien, blerren, s. 98 brigete, erzbrigete heulerin;

luegets a und briegt.
Hebel 108;

und brieg nit so, es isch em wol. 288.


 
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briel, m. palus, sumpf: die saw in rosen, in briel jagen. Frank spr. 2, 47a, für brüel, brühl (Schm. 1, 257), w. m. s.
 
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brill, m. beryllus, βήρυλλος, mhd. berille (Ben. 1, 106b): brill, parill, ein edelstein, gestalt als glas oder eise (eis), berillus idem oder bernlein. voc. 1482 e 3b; Fischart Garg. 140b führt 'berillus prill' unter den verspotteten übersetzungen an. Frank parad. 16 gebraucht noch barill für augenglas: wer blitzblaw barillen aufhat, dem scheinent alle ding blitzblaw sein; sonst aber für ein warsagerglas, s. DWB brillenseher. die kürzung ist nicht anders als in bracke, wenn dies aus beracchio entsprang, und in vielen fällen, wo die partikel be vor l oder r zu b wird. der volkssprache gilt das wort noch oft männlich, wie auch die epistolae obscur. viror. (ed. 1570. F 7b) schreiben: quod fratres ordinis prdicatorum debent propter suam protervitatem portare unum album brillum sive perspicillum in sua nigra cappa in dorso. nnl. bril m. pl. brillen, auffallend isl. brellinn per conspicilla videns, versipellis.
 
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brille, f. beryllus, wie die alte sprache auch christall weiblich verwandte:

in der christall und der parill
kan ich auch sehen vil gesicht.
H. Sachs I, 532b.

gewöhnlich hat es aber die bedeutung vitrum oculare: setzent die brillen uf! Keisersb. bilg. 36b; ja lieber, setze brillen auf und kere es umb, ist eben das widerspiel. Luther 3, 264; darnach nu sie solch gemalte brillen für den augen haben. 3, 286b; wenn wir gleich alle brill, die in der welt sind, aufsetzten.

[Bd. 2, Sp. 383]


1, 343b; wenn ich aber Pirkheimer were, wolt ich Ecolampad eine brill schicken. 3, 354b; lasz sie brill aufsetzen. 3, 366b; lieber herr, setzet die brillen auf die nasen und sehet den text recht an. 4, 501; setze die brillen auf die nasen. 4, 505b. 8, 277a; on brill und latern. 5, 164b;

kurze lehr und warnung finstu hie,
allein setz brillen auf und sih. sch. und ernst cap. 20;

ich hab hie bei mir meine brilln,
dardurch ich besser sehen kan.
Gilhusius 84;

durch dfinger sehen one brill. Kirchhof wendunm. 43b; er steckt die brillen auf, streckt den hals für sich. Ayrer fastn. 4d;

wer beider unterschrift wil redlich überlegen,
wird sonder brille sehn, wer nach dem ersten degen
in heiszem vorsatz grif.
Gryphius 1, 332;

was wir sehen in der welt, sehen alles wir durch brillen.
Logau 3, 10, 86;

und nahm das mädchen durch die brille
nochmals in augenschein.
Lessing 1, 122;

warum gleich aus dem häuschen,
wenn einer dir mit brillen spricht?
Göthe 3, 161;

ich rede kein vernünftig wort
mit einem durch die brille. 13, 162;

die alte hausmutter, mit schlüsseln an der seite, brillen auf der nase. 18, 42; er macht die brille der vernunft zu einem modischen augenglas. J. P. grönl. proc. 111; ich gebrauche schon zehn jahre eine brille; ich sehe besser und kann die brille wieder ablegen; du siehst durch eine fremde brille; er bedarf keiner brille, der wol durch die finger sieht; einem brillen aufsetzen, brillen verkaufen, ihn betriegen; das sind brillen, das ist betrug; prillen reiszen. ein maul machen. ein wechsin nase träen. Frank spr. 2, 91a; schalksnarren und singer, welche unzüchtige lieder singen, prillen reiszen, grobe zotten und possen treiben. Albertini narrenhatz 12, s. brillenreiszer.
Man sagt, die brille eines heimlichen gemachs von der runden öfnung in dessen sitz; die brille im festungsbau, franz. lunettes; die brille, ein leder mit stacheln, das man lämmern auf die nase setzt, die entwöhnt werden sollen; die brille, eine deichsel zu zwei ochsen: zbrill fahren, mit zwei ochsen nebeneinander gespannt fahren. Stalder 1, 226.
 
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brillendrossel, f. turdus perspicillatus.
 
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brillenfutter, n. perspicilli theca, brillenfutteral: ihr alte abenteurliche ziehet die fenster aus dem brillenfutter. Fischart groszm. 16; Stieler 526;

in ein brillenfutter musz bei hofe stecken
augen, wer gesichte lange wil erstrecken.
Logau 2, zug. 32.


 
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brillenglas, n. nnl. brilglas.
 
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brillenkram, m. Stieler 1024.

 

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