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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
breszhaft bis breterbank (Bd. 2, Sp. 374 bis 376)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) breszhaft, entstellt aus bresthaft: gar breszhafte und alte leute. Stüve landgem. 128; nun aber kamen andere auf eine eigene weise preszhafte kriegsmänner an. Göthe 30, 174. bei Stieler 236. 1479 erscheinen bresthaft und preszhaft als ganz verschiedne wörter, Adelung hält das letztere für hochdeutsche entstellung des ersteren, als wäre bresthaft nicht auch hochdeutsch. er meinte wol oberdeutsche entstellung.
 
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bret, n. tabula, asser, assis, pl. breter und brete, einige schreiben brett, bretter, wie bett, better, allein die aussprache kommt diesem (aus badi, betti entspringenden) worte nicht ganz gleich und hat oft auch gedehnten vocal, dessen ursprüngliche kürze durch die gemination tt geschützt werden sollte; die schreibung mit einfachem t ist dem älteren sprachgebrauch gemäszer, mhd. brët (Ben. 1, 238b), ahd. prët, pl. pritir (wie fëld fildir), obwol auch prëtir, wie fëldir vorkommt. schweiz. noch britt für bret (Stald. 1, 228). s. bretlein.
Schon oben sp. 238 ist dies echt hochdeutsche bret dem bord der übrigen mundarten gleichgestellt und versucht worden, es aus ahd. prort, prart zu erklären, da, wenn man nur das r den platz wechseln liesze, aus bord hd. brot entspränge, ein verbum prërtan prart prurtun auf prërt leiten würde, das im ags. breord vorzuliegen schiene. inzwischen sondern sich ags. breord und bred, bord, altn. broddr und bord, wie auch goth. baurd abstehn würde von einem mutmaszlichen bruzds, man wird demnach ahd. pret und prort, ihrer tieferen berührung unbeschadet, von einander zu halten haben. der gemeinschaft von bret und bord benimmt das nichts; nur mangelt unserm bret beinahe die für bord hergebrachte einfache anwendung auf schif und schild, obschon beide aus bretern gefertigt werden. brët aber läszt sich unmittelbar ableiten von dem sp. 355 aufgestellten brîden breit briten gebriten, so dasz es und breit derselben wurzel zufielen, wie scheit aus scîden stammt.
Bedeutungen des heutigen bret.
1) aus holz geschnittenes, einfaches bret, assis, tabula, man nimmt lat. asser für ein dickes, tabula für ein dünnes bret, wir unterscheiden bret, diele, bohle, daube. sprichwort: man boret nicht gern durch dicke brete. Luthers tischr. 333b; er bort nit gerne dicke bretlin. Frank spr. 6; ich war nicht gewohnt harte breter zu bohren (schwere arbeit zu thun). Pierot 4, 201; bohre das bret, wo es am dünnsten ist. Lessing ...; aus dem baum lassen sich schöne breter sägen, schneiden; die breter werden schon im wald geschnitten und auf schiffen versandt. s. DWB breterhandlung, DWB bretmann, DWB bretschneider, faszbret, schnitzbret, schutzbret, schwartenbret.
2) breter, mit welchen haus, wand, thür, boden zusammen geschlagen, gefüttert werden: du solt auch bretter machen zu der wonung von förnholz, die stehen sollen. 2 Mos. 26, 15. 36, 20; zehen ellen lang sol ein bret sein und anderhalb ellen breit. 26, 16; zween zapfen sol ein bret haben, das eins an das ander müge gesetzt werden, also soltu alle bretter der wonunge machen. 26, 17. figürlich, er hat ein bret vor dem kopf, er ist mit bretern vernagelt, ist bretnageldumm. auch die welt ist ihm wie mit bretern vernagelt; er kann durch ein bret sehen, wenns ein loch hat.
3) bret zu sitz. die alten sitze oder gesiedel wurden einfach aus bretern gezimmert. daher die redensarten ans bret kommen, oben, hoch ans bret kommen, am bret, hoch am bret sein, d. i. eine ehrenstelle einnehmen, am ehrenplatz sitzen, abstract, aufkommen, erhoben werden. in Murners narrenbeschw. ist cap. 26 überschrieben 'an das bret kummen':

ist es, als ich hab vernummen,
das die stül auf die bänk sind kummen,
so will ich unverzweiflet han,
ich kumm ans brett mit andern an.
wer ans brett nit kummen kan,
der ist nit ein geschickter man.
dich hilft kem frumbkeit noch kein bet,
man kumpt mit schalkheit zu dem bret,
der gröste schalk sitzt oben an,
und richt den andern schlecklin an;

[Bd. 2, Sp. 375]



es komt auch mancher an das bret,
wann er einfeltig kleider het,
er würd nicht vil bekomen mit.
Scheit grob. S 3b;

ach lieb fraw, seid freundlich gebettn,
helft ihm fein oben an das bret.
Gilhusius 47;

postpositivae, in der red
gehören hinden nach ans brett. 134;

er denkt nicht, wie er komm hoch an das bret für allen
und könne königen und herren wol gefallen.
Opitz 1, 154;

wiewol man hiebevor auch geringe und schlechte leute durch ihre verdienste erhaben und hoch ans bret gesetzet. Simpl. 1, 64; sich aus dem nidrigen zu erheben und hoch ans bret zu schwingen. Butschky Patm. 42; diejenigen so mit zusammen gescharreten reichthume hoch an das bret zu steigen gedenken. 352; die durch einen heuchlerischen fuchsschwanz hoch ans bret gelanget. 544; an das bret kommen. Schuppius 553;

und komt gleich wol ans bret, so tumm er angefangen.
Günther 472;

war wo ein ignorant, den seines junkers macht
mit samt der kammermagd geschwind ans bret gebracht. 485;

die sich ans bret oder hohe ort halten und den mantel nach dem winde keren. Mathesius 152b; ieglicher wer gern der nehest bei dem brett. Keisersb. post. 2, 40; so dann die götter von rechts wegen unter den freunden den gröszten und fördersten platz haben, und billich, wie man spricht, die nächsten am brett sind. Fischart ehz. 23; ein ieglicher wolt gern das nächst am brett sein. bienenk. 240a;

dasselb bedenkt ihr weisen räth
auch wol an ewrem hohen bret.
Ringwald laut. warh. 250,

an eurem hohen platz;

beschwer auch weder jung noch alt
in deinem ampte mit gewalt,
das man dich nicht an deinem bret
in einem nu zu tode bet. 19;

wir schicken botschaft aus, erdenken kluge renke,
wie beizukommen sei, verehren viel geschenke,
vernichten heimlich die, so vor am brete sein,
und schleichen unvermerkt in ihre stellen ein.
Opitz 2, 64;

hoch am brette sein. pers. rosenth. 1, 18; grosz und hoch am brette sitzen. 1, 24; darumb wollen sie allezeit gerne hoch am brete sein und oben an sitzen. 7, 20;

Astolphus strebt nach hohen dingen,
und hoft noch einst zu hof hoch an dem bret zu sein.
Wernike 193

und ihn herr oberpfarrer nennt.
dem herrn pfaf das krabbeln thät,
war selber nicht so hoch am bret.
Göthe 56, 28.

ungewöhnlich ist aus dem bret wischen, übertreffen: so hoff ich doch, es sollen mirs nit allein vil nach thn, sonder mich ausz dem brett wischen und weit hinder inen lassen. Frank chron. a 2a. er musz vors bret heiszt vor gericht, gleichsam vor die hohe bank; vor das heisze bret, vor gericht. s. DWB breterbank, DWB bretersitz.
4) bret zu tisch, bett, lager, sarg: wenn man will, kann ans bret komen, am bret sein, auch von dem platz am höheren tisch verstanden werden. manche tische sind ohne füsze und blosze breter, die an der wand befestigt und zum gebrauch nieder gelassen werden. auf den tisch, auf das bret legt und bindet der chirurg den kranken, der geschnitten werden soll; der todte liegt auf dem bret: das kind lag auf dem bret, war eine leiche; sie fand ihn auf dem brette, seine frau war schon längst gestorben. Hippel 2, 275; der sarg wird aus bretern zusammen geschlagen, auf der meerfart die leiche an ein bret gebunden der flut übergeben: auf meines bruders schiffe waren zwei mann gestorben, welche er auf breter binden und unter dreimaliger lösung des handgewehrs der see übergeben lassen. Felsenb. 4, 88. vgl. DWB bettbret, leichenbret, sargbret, tischbret.
5) für an bord gehen, an bord sein sagen wir Hochdeutschen nicht an bret gehen, an bret sein; ein dichter würde wagen können: an die breter, aus den bretern springen, das schif zerfällt in breter = geht zu scheitern (vgl. scheit). apost. gesch. 27, 44, wo ein schifbruch erzählt wird, steht: der unter hauptmann hiesz die da schwimmen könten, sich zuerst in das meer lassen und entgehen an das land, die andern aber etliche auf den bretern (ἐπὶ σανίσιν), etliche auf dem das vom schiffe war;

[Bd. 2, Sp. 376]


ich suche
in diesem schifbruch meines glücks ein bret zu fassen.
Schiller 422b;

wenn dich das schwanke bret
hinüber trägt auf jene linke seite. 101a.


6) die bretererhöhung der bühne benennen wir, wie die Griechen σανίς, mit dem pl. breter: dir sind die breter nichts als breter. Göthe 18, 80; lieber vater! bleib auch du von den bretern. 18, 278; alles auf einmal vergegenwärtigte sich ihm, was er auf und an den bretern genossen und gelitten hatte. 22, 171; ein stück über die breter schreiten lassen;

sehn wir doch das grosze aller zeiten
auf den bretern, die die welt bedeuten,
sinnvoll still an uns vorüber gehn.
Schiller 52a.


7) zum geldzählen dienten sonst häufig eingefaszte breter, woher der ausdruck bei dem bret, auf dem bret bezahlen: wolan, schreiben sie weidlich, ich wil sie bei dem bret bezalen. Luther 1, 163a; bezal in beim bret, par pari referto. Schmeller 1, 270; er hat mich auf éinem brete (auf einmal) bezahlt; welche sechzig thaler, nebst meinen väterlichen dreiszig thalern auf éinem brete bezahlt in empfang nahm. Felsenb. 1, 31; die tausend thaler musz ich bar und auf éinem brete haben. Gellert 3, 296.
8) bretspiel, spielbret: im brete spielen;

gespielt in dem bret.
H. Sachs III. 1, 241b;

ein affe sah ein paar geschickte knaben
im bret einmal die dame ziehn,
und sah auf jeden platz, den sie dem steine gaben.
Gellert 1, 156;

einen guten stein im brete, einen mächtigen gönner haben; du hast einen mächtigen stein im brett bei der herzogin. Wieland bei Merck 1, 135. s. DWB dambret, schachbret, schweiz. brittli, dominospiel, s. DWB bretlein.
9) das bret, die tafel zum anschlag öffentlicher bekanntmachungen, das schwarze bret; die minstrells, denen die königin Elisabeth eine ehre auf dem brett anthat: 'alle zigeuner, landstreicher und minstrells kommen in das zuchthaus'. Claudius 1, 22. vgl. DWB bret 3.
10) bergmännisch, eines bretes mächtig, zwölf bis vierzehn zoll.
11) bret, eine falle, die man wilden thieren stellt:

daher sie (alte leute) denn seind wol belesn
und oftmals für dem bret gewesn,
damit man jungen löflen stellt
und sie geschwind zu boden fellt.
Ringwald laut. warh. 50 (47).


12) bret hiesz ehmals auch palma, die flache, breite hand, wofür Graff 3, 295 das ahd. prëta f. anführt, und hier zeigt sich klar die über bret, asser hinaus langende verwandtschaft mit breit, die abkunft von brîden. da ainer in das bret der hend oder finger wund würt. Braunschweig 8; das bret am ruder, palmula remi. Henisch 503, 20, wegen ihrer ähnlichkeit mit der flachen hand, vgl. tisch in der hand. Haupt 3, 271. es steht auszerdem für den reihen oder rist am fusz, navicula pedis (Ducange 4, 610b): naviculare ist das schifbein, das brett oder der rihen uf dem fusz. Gersdorf 98; gaul im pret geschossen. Schertlins br. 168. Schmeller 1, 271 gibt für diese letzte bedeutung den pl. die britten an: die pantalons müssen bis auf die britten gehen; das kind hat den rechten fusz krump, mit den zehen und britten herein und mit den ballen hinauswärts mit sich auf die welt gebracht. es ist der rücke des fuszes. vgl. DWB bretspiel 3. bei Henisch 515, 33 brit, brütte, die waden am schenkel, sura, gehört aber zu brat.
13) vgl. DWB bettbret, DWB blumenbret, DWB bücherbret, fensterbret, fuchsbret, hackbret, topfbret, wagenbret, wälzbret.
 
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bretbaum, m. stamm, aus dem breter gewonnen werden.
 
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bretbeute, f. bienenfasz von bretern.
 
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bretblock, m, was bretklotz.
 
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bretbohle, f. eine gesägte, nicht gehauene.
 
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bretchen, n. asserculus, bretlein.
 
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bretdiener, m. materiarum praefectus? Stieler 315.
 
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breteln, alea ludere: er sasz eben am tisch und brettelte. Schiller 119a; bretteln. Stalder 1, 225.
 
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breten, intransitiv, durch den wurf entschieden werden. unpersönlich, es bretet, es hat gebretet, alea jacta est, der wurf ist gefallen: da ist es usz und gilt usz, wann der tod an der thüren rumplet, da brettet es, so dir so wee ist und nit weist, wo du bleiben solt. Keisersb. post. 130; zletzt hat Caesar gesagt, der würfel ist geworfen, es hat schon geprettet. Plutarch 39, vgl. Sueton. Caes. 32.
 
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breterbank, f. breterne bank.

 

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