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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bremse bis bremsstube (Bd. 2, Sp. 363 bis 364)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bremse, f. in verschiedner bedeutung,
1) tabanus, oestrus, fortbildung von breme, schon ahd. bei Graff 3, 304 primissa ascila, l. primisa asilus, bei Henisch 488 bremse, brumse. eine grosze, pferde und rinder plagende stechfliege: jage die bremsen fort! puer abige muscas; sie beiszt bis aufs blut und kehrt verscheucht immer zur selben stelle wieder. genug ich kam herauf (aufs pferd) und sasz fest wie eine bremse. Soph. reise 5, 411. vgl. brumse.
2) epistomis, maulkorb, was brems; es ist eine passende figur der vorigen bedeutung, ohne dasz man nöthig hat an premere, pressen, drücken, zwängen zu denken; der maulkorb setzt sich gleich der stechfliege, auf das thier, und verursacht ihm empfindlichen schmerz. die schmiede legen die bremse an, wenn sie das störrige pferd beschlagen wollen: stehet der gaul nit gern, so leg ihm ein prembsen an. Seuter 175;

du klafst ze vil, ich leg dir schier ein bremsen an. Mörin 2b.


3) dieser begrif von klemme, knebel, schraube wurde aber noch bei andern angelegenheiten angewandt, so bedienten sich auch die gemsenjäger und räuber der bremsen:

habt ir auch bei euch alles das,
darmit man fecht solch gemsenböck,
als strick, bremsen und daumenstöck?
H. Sachs V, 339c.


4) die hauptanwendung war beim mülwerk und bergwerk zur hemmung des getriebes. in der müle wird durch die bremse die wirkung des hauptrades gehemmt. im bergbau ist bremse die kurbe oder der handgrif, um das kleine rad (das bremsrad) aufzuhalten. auch ein langes, in die erde befestigtes holz, um das sich seiler winden, wenn holz in den schacht hinabgelassen werden soll, heiszt bremse (oder bei Hertwig 91 brems). heutzutage ist die benennung auf den eisenbahnen wieder gangbar

[Bd. 2, Sp. 364]


geworden. angenommen, dasz schon das einfache breme im sinne solcher hemmenden werkzeuge gebraucht wurde (wofür bremscheibe spricht, und im vocab. 1482 z 6b prem scabra, d. i. scalpra, oder schabeisen, zumal aber Maalers wirkliche angabe von brem, pastomis); so erklären sich auch die ausdrücke bremmer und bremmen als gleichbedeutig.
 
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bremsen ,
1) intransitiv, was ahd. prëman, fremere, rugire: auf das die gottlosen mit den zenen kirren und bremsen. Luther 4, 357a, wobei die verwandtschaft zwischen frendere und fremere einschlägt, vgl. DWB brunft. die stelle aus ps. 42, 2 wie der hirsch schreiet nach frischem wasser, umschreibt Melissus S 3a:

wies gehirse bremst und rechzet
girig frischer wasserflusz.

man musz auch von fliegen und hornissen gesagt haben, dasz sie bremsen oder bremen, wie es heiszt sumsen oder summen.
2) Stalder 1, 223 hat ein weiter geleitetes bremschlen, bremstlen, ungeduldig auf etwas warten.
3) transitiv, den maulkorb ansetzen, die bremse anlegen, bändigen, hemmen: so salstu sei also prensen mit dem perdemulerholte. cautel des Ssp. bei Bruns s. 150.
4) ein rad, ein triebwerk hemmen, einhalten: das rad wird gebremst. so beim dampfwagen, bremsen.
5) in sich bremsen, stopfen, drücken = essen.
6) sich bremsen, sich enthalten, cohiberi: ewer herz ist wie gemadtet und müsig blei, es nimmet kein silber mehr an sich, es premset sich nit drumb, wenn ich schon strafe und locke. Mathesius 159a.
7) hier mag es schon angeführt werden, dasz erbremsen irritare, erbremst iratus ausdrückt: der satan ist gar erbittert, erbremst und erzürnet. Luthers tischr. 250a; s. Paulus so erbrembst und zornig ist. das leitet sich unmittelbar ab von bremen mugire, ohne einmischung der bremse (obschon der teufel einer fliege verglichen wird) und bedeutet fremebundus. vgl. Henisch 488, 65.
 
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bremser, m., der das rad hemmt.
 
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bremsgestochen, oestro punctus:

ei, welch ein bremsgestochner, jäher thor.
(why, what a waspstung and impatient fool.)
Schlegel in Heinr. IV th. 1. act 1 sc. 3.


 
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bremsig, oestro furens: das vieh ist bremsig, lauft wild mit aufgehobnem schwanz umher. Stald. 2, 501.
 
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bremskrümmling, m. bergmännisch, ein kleines rad an des kehrrads welle beim wassergöpel.
 
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bremsscheibe, f. dasselbe, vgl. DWB bremscheibe.
 
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bremsseule, f. pfoste, worauf die bremsbäume, in der schere und auf dem nagel beweglich, liegen.
 
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bremsschuh, m. ein stück holz am bremswerke, um das rad zu bremsen oder anzuhalten.
 
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bremsschwengel, m. dasselbe.
 
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bremsstube, f. hütte über dem bremswerk, zum schutz gegen unwetter.

 

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