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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
breiteisen bis breitfusz (Bd. 2, Sp. 359 bis 360)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) breiteisen, n. ein meiszel der bildhauer zum ebnen.
 
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breitel, m. das ausgehämmerte packblech.
 
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breitele, f. cyprinus latus.
 
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breiten, praet. breitete, part. gebreitet, mhd. breiten, breite (Ben. 1, 237), ahd. preitan, preitta (Graff 3, 296), goth. braidjan, braidida, alts. brêdian, ags. brædan, brædde, altn. breiða, schw. breda, dän. brede. dies schwache verbum ist von seiner quelle, dem starken breiden (sp. 355) zu unterscheiden, und hat ahd. mhd. ei, das starke î, was unsre heutige aussprache nicht mehr faszt, wie sie scheinen für mhd. schînen und scheinen setzen musz. seitdem sich aber das starke verbum verlor, müssen seine bedeutungen auch auf das schwache übertragen worden sein. mhd. verstand man noch ein netze gebriten, rete textum und ein netze gebreitet, rete expansum; heute kennen wir nur den letzten ausdruck. den eigentlichen verhalt beider verba würden wir erst einsehn lernen, wenn uns beispiele des ahd. prîdan oder goth. breiþan vorlägen. s. DWB bret.
Bedeutungen des nhd. breiten.
1) pandere, expandere, tendere, extendere: wer mit seinem nehesten heuchelt, der breit ein netz zu seinen fuszstappen. spr. Sal. 29, 5; und sollen drüber breiten eine rosinrote decke. 4 Mos. 4, 8; eine geele decke breiten. 4, 11; und das weib nam und breitet eine decke uber des brunnen loch, und breitet grütze (vulg. ptisanas) drüber, das man es nicht merket. 2 Sam. 17, 19; da nam Rizpa einen sack und breitet in auf den fels. 21, 9; da breitet ich meinen gern uber dich und bedeckt deine scham. Ez. 16, 8; aber viel volks breitete die kleider auf den weg. Matth. 21, 8. Marc. 11, 8. Luc. 19, 36, wo ahd. strewitun iro giwâti, goth. aber vastjôm seinaim stravidêdun; so gieng nu Mose hinaus und breitete seine hende gegen dem herrn. 2 Mos. 9, 33; breite deinen flügel uber deine magd. Ruth 3, 9; er helt seinen stuel und breitet seine wolken dafür. Hiob 26, 9; fleuget der habicht durch deinen verstand und breitet seine flügel gegen mittag. 39, 26;

mit grasen, schneiden, praiten, hewen.
H. Sachs I, 510c,

wo das heumachen geschildert wird, und breiten das breiten des grases bedeutet; ebenso flachs, mist breiten;

auch er sieht sie die arme nach ihm breiten.
Wieland 23, 35;

sehnend breit ich meine arme
nach dem theuren schattenbild.
Schiller 642a;

sie breitet die arme. Claudius 1, 6; die finger von einander breiten (strecken); das maul breiten, breitmaulen. Schm. 1, 269;

viel anders breiten den pflug um der eiche wipfel
die adler Wodans.
Klopstock 8, 128;

lasz die zeit den schleier breiten.
Gotter 2, 479;

über kleine schwächen den mantel der liebe breiten. 1, 91;

über mängel, über flecken
breitet er sein zauberlicht. 1, 265;

wie die sonne ihre strahlen um sich breitet. Claudius 5, 38;

hier hebet sich entpor, hier breitet seine wellen
der tugend hauptpanier.
Logau 2, 3, 57;

aber der sauhirt
breitete dem grünlaubig gesprosz und darüber ein schafvlies.
Voss Od. 16, 47;

dann mögen diese felsen um uns her
die undurchdringlich feste mauer breiten.
Schiller 534a;

du geistge nacht mit deinem holden schweigen
breit um uns her den purpurrothen flor. 47a;

fülle des lebens hat die freundliche um dich her gebreitet. 314b;

breitest über mein gefild
lindernd deinen blick,
wie des freundes auge mild
über mein geschick.
Göthe 1, 111;

rosenwolken waren als blumen in die sonnenbahn gebreitet. J. P. Hesp. 1, 164; breite deine güte über die, die dich kennen. ps. 36, 11.

[Bd. 2, Sp. 360]



2) dilatare, breit machen, breit schmieden: mit dem zainhammer werden die stäbe, aus welchen blech entstehen soll, gebreitet, platt und breit geschmiedet; breiten oder zedünnen. Gersdorf 2; das wasser war nit vast streng, aber an diesem ort sehr tief, auch das gestad, auszer zwo furten, welche mit gefahr noch zu breiten waren, fast hoch. Philand. 2, 604;
3) divulgare, unter die leute ausbreiten:

ditz sol aber niemen breiten
under daʒ gesinde. krone 3251;

hreit ich sein leer dürch dis gedicht.
Schwarzenb. 159, 2;

hier wirst du oft genant, und von geschickten leuten,
die andrer nachruf nicht aus blindem eifer breiten,
nach würden ausgebracht.
Günther 743.


4) sich breiten, nach allen bedeutungen des breitens: und steig hinauf und legt sich auf das kind und legt seinen mund auf des kindes mund, und seine augen auf seine augen, und seine hende auf seine hende und breitet sich also uber in, das des kinds leib warm ward. 2 kön. 4, 34. 35; der bawm breitet sich uber das ganze land. Dan. 4, 17; er breitet sich wie ein frosch. Stieler 225;

dann sie (die spötter) würden sich hoch breiten,
solt ich gleiten.
Opitz ps. s. 76;

es ist dein reich, ein reich von allen zeiten
der herschaft werth, und musz sich ewig breiten. ps. 145;

der weinstock pfleget sich nicht mit gewalt zu zwingen
umb seinen ulmenstamm, die liebe macht allein,
dasz er sich umb ihn schlägt, geht seine heirat ein,
und breitet sich baum an.
Opitz 1, 12;

wenn so viel höllengäste
ganz trunken voll von lust sich breiten (breit machen) in der welt.
Gryphius 2, 315;

hier breite dich allein, bis, wenn die störche scheiden,
noch etwas, das du liebst, mit dir zu bette geh.
Günther 574;

legte mich mit seufzen aufs lager. meine Concordia folgte mir auf dem fusze nach, breitete sich über mich und sagte nachdem sie meinen mund zum öftern liebreich geküst hatte u. s. w. Felsenb. 1, 286;

so sprich mir auch von meinem stamm! wird er
sich herlich breiten, wie er angefangen?
Schiller 469b;

breiten zu seen
sich ums genügen
grünender hügel.
Göthe 12, 76;

ein von hohen linden umschatteter platz breitete sich würdig als vorhalle des ansehnlichen gebäudes. 21, 69.
5) vgl. abbreiten, aufbreiten, ausbreiten, bebreiten, unterbreiten, verbreiten, vorbreiten, zerbreiten.
 
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breitengrad, breitegrad, m. s. breite 2.
 
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breitfeder, f. unter den federspulen die geringste.
 
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breitfisch, m. was breitele.
 
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breitfletzicht, ob die gänge des erzes breitfletzicht oder schmal sind. Hohberg 1, 78a.
 
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breitflöszer, m. chaetodon vespertilio, klippfisch mit breiten floszen.
 
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breitflügel, m. eine schneckenart.
 
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breitfusz, m.
1) plotus, eine art gänse, sonst langhals geheiszen. plotus oder plautus soll nach Festus planipes bedeuten und hängt deutlich mit latus, πλατύς zusammen. in der gaunersprache ist breitfusz gans oder ente:

veralchend uber den breithart,
stilt er all breitfsz und flughart.
Brant 63, 50,

d. h. alle gänse und hüner. bekanntlich hatte Berhta den beinamen platschfusz, gansfusz, pied d'oie.
2) auch eine art krebse, cancer depurator.
3) im 14 jh. name oder beiname eines landsknechts oder kriegers, wahrscheinlich von der schweren rüstung, in der er schritt: auch schinten ire breitfusze denselben kirchob bi nacht und bi nebele. Landau ritterg. 170 (a. 1377).

 

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