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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brechzeug bis breiartig (Bd. 2, Sp. 353 bis 354)
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[Bd. 2, Sp. 353]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brechzeug, n. instrumenta rebus clausis aperiendis: die diebe tragen allerhand brechzeug mit sich, vgl. HGO. 43; derselbe norden, der einmal das brech- und bauzeug der erde war. J. P. Hesp. 3, 56; Albano warf alles brechzeug des jungen männlichen willens aus den schulstuben auf die gasse. Tit. 2, 10.
 
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bredemann, m. siehe bretmann.
 
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bregeln, was brägeln (sp. 291), frigere, schmoren: wie ein topf, da man ein spanisch olla putrido (l. pudrida) inne gepregelt oder zugericht hat. Mathesius 97a; nimb attichkraut und knoblauch durch einander, press den saft darausz, thue schmer darzu, lasz in einer pfannen durch einander pregeln. Seuter 206; nimm butter und salz, bregle es durch einander in einer pfannen, dasz es dick werde wie ein kuchen. das.; setze den essig mit dem ei aufs feuer, und wann es zu pregeln anfänget —. Pinter 416; schwämme mit butter pregeln. unw. doct. 471. Pfeiffer hat schon aus Jeroschin 206 pregeln, Henisch 1199 schreibt fregeln, mit dem anlaut des lat. worts. einer möglichkeit, dasz auch backen für bracken stehe und mit bregeln verwandt sei, wurde oben sp. 290 gedacht.
 
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bregelbirne, f. bratbirne, bei Henisch fregelbirn.
 
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bregen, n. cerebrum, ags. bregen, engl. brain, fries. nnl. brein, nd. bregen, brägen. gebildet wie regen pluvia, engl. rain, ein uraltes wort, aber nur den nordwestlichen Deutschen üblich, der form nach würde es goth. lauten brign, ahd. prëgan, prëkan. sollte es nicht verwandt sein mit brei und brëgen, kochen? weil das hirn eine breiweiche masse ist, in welcher der sinn und geist des menschen gleichsam kocht. oben sp. 291 wurde eine andere vermutung vorgetragen. vgl. auch gr. βρέχμα sinciput.
 
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bregenkaste, m. caput, wie hirnkaste: ich will dich über den bregenkasten hauen!
 
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bregenwurst, f. hirnwurst, it. cervellata, franz. cervelas.
 
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breger, m. mendicus. exp. in truphis cap. 1. 13. Fischart groszm. 50. s. DWB pracher.
 
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brehen, splendere und strepere. Ben. 1, 235, wo aber die zweite bedeutung noch nicht gewiesen ist, sie findet sich krone 10540:

von dem winde hôrt man lûte brëhen
beidiu banier und decke,

wie sich auch in braht farbe und schall begegnen (oben sp. 285. 286), weshalb auch verwandtschaft mit bræben, prâhan (sp. 291) eintreten könnte. nhd. ist das verbum beinahe erloschen: prehen, scheinen, rutilare. voc. 1482 z 2b;

das im denn sein augen also scharpf werden prehen,
das er an einer frauen kan gesehen,
ob sie im holt sei oder nicht. fastn. 752, 12.


 
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brei, m. puls, gen. breies, breis, pl. die breie; ahd. prî und prio (Graff 3, 261), mhd. brî und brîe, gen. brîen (Ben. 1, 239a), wonach die zweite ahd. form auch für prîo, gen. prîen zu nehmen ist; die bair. mundart schiebt das n sogar in den nom. brein (Schm. 1, 256). nnl. brij, gen. brijs, pl. brijen; ags. brig und briv, jusculum, puls; den nord. sprachen fehlend. zunächst liegt die abkunft von brëgen, frigere, kochen, so dasz prigo sich in prijo, prîo wandelte, etwa wie pî, bî, bei (1, 1202. 1346) aus bi, ags. big entsprang. nicht anders geht aus kochen, sieden das bairische koch = brei (Schm. 2, 278), aus altn. valla, wallen, sieden, kochen velling, schw. dän. välling für puls hervor, und da wir zu bregen auch lat. fervere hielten (sp. 322), würde sich fervor und fervidus = frevor, frevidus zu unserm brei stellen, vgl. DWB brägel sp. 291. wollte man jenes ahd. prio nicht zweisilbig, sondern einsilbig = priu nehmen, so liesze sich auch an priuwan brauen denken, worin wiederum die vorstellung von sieden auftaucht und von anderer seite das lat. fervere erreicht wird. doch streitet die flexion prîen und niemals priuwen für prîo, mhd. brîe.
Das bairische gebirgland, nach Schmeller, setzt koch, d. i. brei dem mues entgegen und versteht unter brein die körner, welche sich zu brei kochen lassen, wie anderwärts griesz und grütze eigentlich das korn, dann den daraus gekochten brei ausdrücken. in manchen gegenden sind brei und mus gleichbedeutig, apfelbrei was apfelmus.
Brei enthält die vorstellung des weichen, dickflüssigen, der brei im topf kocht über, in einem kindermärchen (no 103) steigt der süsze brei unaufhaltsam über das töpfchen hinaus. im schlaraffenland gibt es berge von brei, durch welche man sich essen musz;

die welt ist nicht aus brei und mus geschaffen,
deswegen haltet euch nicht wie schlaraffen,
harte bissen gibt es zu kauen.
Göthe 2, 266;

sei teufel, doch nur nicht wie brei! 12, 146;

[Bd. 2, Sp. 354]


der mann war milder, milchiger natur, nicht ein brei, worin ein knochen oder degen feststeht, sondern eine weite, knochenlose marksuppe. J. P. Nepomukk. 117; Alban, vor welchem das leben noch nicht in einen brei der verwesung zerlief. Tit. 2, 128; weich wie brei; einen zu brei schlagen, prügeln; zu brei an die wand geschmettert. Heinse an Gleim 1, 349. dies brei gemahnt an batz oder batze, welches 1, 1160 richtig zu backen, einem mit bregeln verwandten begrif gestellt wurde. der brei wird aus der pfanne gescharrt: ich will meinem Hans ein süppchen kochen zum abende. der lose vogel, der grosze hat mir gestern das pfännchen zerbrochen, als er sich mit Philipsen um die scharre des breis zankte. Göthe 16, 20;

kocht des kupfers brei,
schnell das zinn herbei,
dasz die zähe glockenspeise
fliesze nach der rechten weise!
Schiller 77b;

mischt und rührt es, dasz der brei
tüchtig, dick und schleimig sei! 572b;

so sagt mir doch, verfluchte puppen,
was quirlt ihr in dem brei herum?
Göthe 12, 122;

entzwei entzwei!
da liegt der brei! 12, 126.

Brei ist eine einfache lieblingsspeise des volks:

eʒ tagt, wolûf, setz zuo den brîen! Hätzlerin 35b;

ich iʒ daheim vil gerne brîn.
Helbl. 1, 623;

ein guoten käs wil ich euch schenken,
und ein guoten veisten prein. fastn. 396, 7;

'dein käs und dein veister prein
süllen von mir ungeessen sein'. 396, 22;

wir essen all nit gern hebrin prei. 344, 4;

sprichwörter: hestu nur brei und fried dazu; isz deinen brei und halt dein maul; der brei, den du angerührt hast, must du auch ausessen; man geht so lang um den brei, bis er kalt wird; der brei wird nicht so heisz gegessen als er aufgetragen ist; man soll den brei nicht weiter treten, als er von selbst flieszt; niemand kann zwei breie in einer pfanne kochen; wo viel köche sind, wird der brei versalzen; vier über éinen brei, mhd. vier über ein brîn. Ls. 1, 446; wenns brei regnet, hab ich keinen löffel;

dasz glück ihm günstig sei,
was hilfts dem Stöffel?
denn regnets brei,
fehlt ihm der löffel.
Göthe 2, 261.

den brei verschütten heiszt eine sache auf einmal verderben:

nun hört, wie sie den brei verschütt.
Scheit grob. H 3a;

unangesehn, das ir den brei
zu hof gekocht, verkleckt dabei.
Ringwald tr. Eck. H 1b;

erst hat er den brei gar verschütt. Kirchhof wendunm. 409a; dastehn als ein koch, der den brei verdorben. Felsenb. 2, 471; du hast brei im maul, redest undeutlich: sie mummeln, als hetten sie heiszen brei im maule. Luther 5, 296b; wer sophistisch redet und brei im maul behelt. Luthers tischr. 265a;

wie wir uns selb in brei versenken.
Brant 171a;

unser narr stecket vol phantasei
und platzt oft ungschwungen in brei.
H. Sachs V, 363d;

ei schweig, dasz dir der brei verbrenn!
Ayrer fastn. 131a;

meinent die weisosten sein,
doch hangt in an dem mund der prein.
Haupt 9, 104;

dasz dir der erste brei den hunger eingestrichen,
der sich nach weisheit sehnt.
Günther 380;

damit sie dem dollen bofel hofieren und dem rappen den brei einstreichen. Frank weltb. 38a; einem den brei ins maul schmieren; lang umb den bri gon, circuitione uti. Maaler 78d; gat umb den bri. Brant 55, 32; doch ohne länger um den brei herum zu gehen, zu unserm doppelpaare. Wieland 21, 207; warum gehe ich so um den brei herum? Thümmel 4, 435; die jacobiner sind um mich herum geschlichen, wie die katze um den heiszen brei. Göthe 14, 266; lasz bruder, ich weisz schon, wer den dummen brei angerührt hat. Fr. Müller 2, 98; ein unleidlich ding ist, heiszen brei auf einen kahlen kopf. s. apfelbrei, brotbrei, erbsenbrei, grieszbrei, haberbrei, hirsebrei, kartoffelbrei, kinderbrei, kürbiszbrei, mandelbrei, mehlbrei, milchbrei.
 
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breiartig, pulti similis, breiig.

 

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