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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brav bis brechahne (Bd. 2, Sp. 340 bis 341)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brav, adv. valde, tüchtig, wacker, franz. bravement, nach allen bedeutungen des adjectivs: brav hungern. pers. rosenth. 3, 9 in der überschrift; Pickelhering setzt sich mit zu tische und säuft prave mit. Schoch stud. F; bringt bier, fängt auch an lustig zu sein, säuft prave mit. G; wenn die bären klein sind, sind sie kurzweilig, können die bäume braf hinauf klettern und den honig suchen. Bechers jägercab. 72; sie reiten das pferd hitzig und wenn sie es still halten, so lassen sie es mit den füszen brav vorwärts stehen. Rosenzweig 91; ich will ihm braf sagen, woran ers gefressen hat. Stieler 218; er hat sich im kriege brav gehalten; der feind hat diese festung brav vertheidigt; die comödianten spielen brav;

gelesen hab er ihn (den Phädon), allein noch nicht verdaut.
ja ja, zu stande wär er bald damit gekommen:
sein windspiel oder er hat ihn schon brav gekaut.
Lessing 1, 26;

fängt es (das pferd) an,
sich brav zu baumen.
Gökingk 1, 104;

sie hatte mich doch durch den knaben wissen lassen, sie würde einen tag zum besuch mir benennen. oho, das hat sie aber brav bleiben lassen. Sophiens reise 6, 541; wir thun ihnen brav abbruch. Göthe 8, 107. 42, 138; brav, brav! das ist ein ausdruck, eine manigfaltigkeit! 14, 93; hätte ihn Görge brav durchgeprügelt! 14, 296; hab ich mich nicht brav gehalten? 20, 100; dasz wir auf unsrer reise brav steine geklopft haben, können sie leicht denken. 43, 217; wenn man ohne widerstand zu besorgen brav schelten darf. Kant 10, 289. in verneinendem, zurechtweisendem satz bekräftigend: er hat mirs aufdringen wollen, aber ich hab ihms brav nicht angenommen; auf dem baum sitzen zwen vögel. 'es sitzen schon brav drei oben'. Schmeller 1, 254. nnl. hij heeft zich braaf verdedigd; dän. det gaaer brav, das geht gut; han er brav rig, er ist tüchtig reich.
 
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bräve, f. utilitas, probitas, die güte einer sache. nur in schwäb. schweiz. bair. volkssprache. Stald. 1, 222. Schm. 1, 254.
 
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braven, an güte zunehmen. Stalder a. a. o.
 
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bravheit, f. probitas, fortitudo:

bravheit ist er seiner ehre
schuldig; schadet der die jugend?
für sie stirbt aus echtem stamme
selbst das neugeborne kind.
Herder 5, 71.

der ausdrücke bravade für prahlerei, bravour für tapferkeit enthalte man sich.
 
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bravieren, ferocire, spernere, franz. braver, engl. brave, scheint so frühe als das adj. brav eingeführt:

[Bd. 2, Sp. 341]


fahr hin, du stolz geschmeid, dasz du mich wilt bravieren,
fahr hin, seh aber zu, dasz es dir nicht misling.
Zinkgref bei
Opitz 1624 s. 179;

ei, was dann will bravieren
ein schwaches pflänzelein?
Spee trutzn. 80 (73);

in lüften er bravieret,
zun wolken schwebet auf. 137 (125);

auch bildt ein edel herz den tod ihm schöner ein,
als leben sonder ehr und hofnung zu regieren,
und einen schildknecht sehn sein edles haus bravieren.
Gryphius 1, 592;

(die laune) braviert dem staat, dem himmel obendrein.
Gökingk 1, 159,

in welcher stelle der dat. statt des acc. unrichtig ist und wie bei trotzen steht, das früher auch den acc. hatte; ein rechtschaffener kerl läszt sich nicht brafieren. Stieler 219.
 
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bravierisch, insolens. Stieler 219.
 
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bravkerl, m. homo frugi: bis dasz ich ein bravkerl geworden wäre. Schelmufsky 1, 14; brafkerl. Sophiens reise 1, 661.
 
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bravo, euge! interj.

wenn ein gott sich erst sechs tage plagt
und selbst am ende bravo sagt.
Göthe 12, 124;

klatschen in die hände und rufen bravo, bravo! 14, 93.
 
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brech, n. fragor, stridor: brächen, ein bräch füren, frendere. Maaler 75c, wie auch bei Dasyp. 80a frendeo verdeutscht wird: ich brich. ahd. kiprëh fragor (oben sp. 283). brech füren ist also was bracht füren (sp. 284), lärm verführen, machen, wie auch die knirschenden zähne rauschen. so wird das folgende 'brech der welt' meinen was bracht, pracht, hoffart der welt (sp. 284. 285): ursach, dann die gmein ist alweg unrein gewesen, widerumb das evangelium, das gt, die warheit nie das prech der welt gehabt (wie bracht haben sp. 284), ja alweg als ein auswurf verspucht worden ist. Frank chron. 97b.
 
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brech, m. und n. labes, infirmitas, vitium:

wer sich do recht z baden fleisz,
so ledigen sie (die bäder) dem menschen ab
was preches er inwendig hab. fastn. sp. 1258;

etlich peiniget der unersätlich präch der geitigkeit. Frank chron. 102b; man flucht auch bei dem brech, dasz dich das brech erstosz! was brech sei, kan ich anders nicht wissen als von brechen, paralysis, gichtbrüchig. Albrechts fluchabc s. 63. vgl. gebrech und breche m.
 
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brechahne, f. cortex decussus ex lino, ahne (1, 194), die aus der breche oder beim brechen des flachses abfällt. Stieler 27 hat den pl. des diminutivs: anichen, brechanichen.

 

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