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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brautdiener bis brautflachs (Bd. 2, Sp. 333 bis 334)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brautdiener, m. paranymphus: damit zeuget er selbs, das das apostelamt nichts anders ist, denn das ampt eines freiers oder brautdieners, so dem herrn Christo teglich seine braut zurichtet und zufüret. Luther 6, 354a.
 
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bräute, f. nuptiae, mhd. briute (Ben. 1, 274b): zu einer braute oder bräute laden, gehen, sich einfinden. Oberlin 192; uf allen hochzeiten, brüten, kilchweihin. Keisersb. brösaml. 71.
 
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bräutelstand, m. was brautstand: junge leut pflegen einander in dem breutelstand zu verehren mit kostbaren ringen. Creidius 2, 308.
 
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brautempfindung, f. bräutliche sehnsucht:

froh von wonne des mais und brautempfindung
singt der nachtigallknab im jungen ahorn.
Voss 3, 35.


 
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brauten, bräuten, nuptias facere, freien, hochzeit, beilager halten, mhd. briuten (Ben. 1, 274), ein ausdruck, der den nebensinn von coire, stuprare haben kann, ihn aber gerade verhüllt oder euphemistisch ausdrückt.
1) intransitiv, beiliegen, mhd.

(daʒ er) sîn wîb danne nâme,
als eʒ kunege wol gezâme
unde brûte in êre. En. 333, 7;

enbôt offenbâre
daʒ her brûten solde. 336, 3;

nu was ouch briutennes zît. Er. 1886. 1890. 2194;

er wolde et briuten der naht. 6340;

dô muose aber briuten
der wîpsælige Lanzelet. Lanz. 5529;

sô einer briut, der ander stirbet.
Freid. 177, 20;

mac daʒ gebriutet sîn? Reinh. 589;

welich frawe hat die jugent
und hat einen alden man,
der nicht wol gebruten kan.
Mones altd. schausp. s. 130.


2) transitiv, zur braut machen, freien, minnen, mhd.

Isengrîn herzeleit geschach,
er gebrûte si, daʒ erʒ anesach. Reinh. 1176;

nhd. solt man in strafen, als das recht hie laut,
so wurt ir nimmer mer von im gepraut. fastn. sp. 312, 6;

so will ich mich fürpasz auch lassen prauten. 312, 22;

do wolstu sie über irn dank prauten
und wolst ir neur ein jungs machen. 610, 3;

wenn ich sie gepraut hab. 1376;

die nachtigal, die nachtigal
die sasz auf einer stauden,
sie sang der braut den 'hott vom zaun',
sie dacht sie selber zbrauten.
Uhland 42;

er führet sie hinder rauten,
er wolt sie gern proho (prauten). Garg. 87b;

herr, ewr tochter, die ir mir enpfulhet, die hat sich laʒʒen präuten umb ir notdurft und speis. Keller gesta Rom. s. 164.
3) sich briuten hiesz mhd. sich gleich einer braut schmücken und galt von männern:

ich wil mich gein der minneclîchen briuten. MSH. 3, 244a;

welch tiuvel in des bit,
daʒ er nach vremdem lantsit
sich so stæte briutet?
Helbl. 1, 287.

nach der strenge sollte das intransitivum mhd. brûten, nhd. brauten, das transitivum mhd. briuten, nhd. bräuten lauten, allein diese diphthonge schwanken auch in andern wörtern.
 
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bräuterei, f. matrimonii contrahendi cupiditas, heiratslust, freierei: weil mich aber die ganze bräuterei vollkommen überfallen. Simpl. 1, 341;

[Bd. 2, Sp. 334]


was der bauren bräuterei,
wie es mit beschaffen sei,
ihre complement und sachen
wird die probe kundig machen. baurenstands lasterpr. 176.


 
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brautfackel, f. fax nuptialis: die brautfackel des vermählenden maies, die sonne. J. P. Hesp. 3, 194; die brautfackel ihres daseins war ausgelöscht, nun wollte sie nacht zur nacht. Tit. 5, 118; nicht nur dem unglücklichen, selber dem glücklichen liebenden schimmert in der leichenfackel noch die brautfackel nach. herbstbl. 3, 5.
 
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brautfahrt, f. iter nuptiale, nuptiae: ritter Curts brautfahrt. Göthe 1, 193; er ist auf der brautfahrt begriffen.
 
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brautfarbe, f. color vestis nuptialis. im alterthum war die farbe der braut, des bräutigams und der hochzeitleute roth und weisz, ein zeichen hoher freude, vgl. Sidonius Apollinaris 4, 20 und die weiszseidnen atlaswambster und rothsammten galiotten, die hosen mit rothen und weiszen kateken durchzogen. Schweinichen 3, 78. umgekehrt fordert die neuere zeit auch schwarz: schwarz ist reisefarbe und brautfarbe und gallafarbe und in Rom fürstenkinderfarbe. J. P. Tit. 2, 78.
 
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brautfest, f. hochzeit:

oder denkst du,
man führte diese tausende zusammen,
beim brautfest dir den reihen aufzuführen?
Schiller 350a.


 
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brautflachs, n. linum nuptiale, sponsale, der für die tochter zum brauthemd gesäte und unter gesang gejätete flachs. die schon 1, 59 aus Voss id. 8, 75 angezogne stelle stehe hier nach älterer fassung:

dasz nicht mürrisch der mann abkanzele, wenn sie am sonntag
kegelten, korn einfuhren und heu, mit gesange den brautflachs
gäteten, und sich im grünen ein tanz um den fiedeler anhub,
oder zu früh nach der trauung der storch sein püppchen im schnabel
brachte, der alberne storch, der oft auch ein jüngferchen heimsucht.

 

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