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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brauser bis brautbote (Bd. 2, Sp. 330 bis 333)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brauser, m. was brausekopf, ein auffahrender, heftiger mensch.
 
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brausethon, m. argilla intumescens, brauseerde.
 
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brausewind, m., was sausewind, homo levis: den schönsten entwurf in den händen eines brausewinds scheitern sehn. Dyanasore. 3, 78.
 
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brausicht, brausend, aufbrausend.
 
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brausten, sternutare, anhelare, gewöhnlich prausten, prusten geschrieben, scheint mit brausen 7 verwandt: der hamster braustet, prustet, die katze prustet. man vgl. mhd. briustern, preustern, sträuben, aufschwellen. Helbling 2, 1246.
 
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braut, f. sponsa, conjux, nurus, durch alle unsere sprachen reichend, goth. bruþs, Matth. 10, 35 für νύμφη, nurus, denn Joh. 3, 29 bricht gerade da, wo bruþs für sponsa stehn musz, das bruchstück ab; ahd. prût (Graff 3, 293), ein paarmal proat, bruot geschrieben; mhd. brût gen. briute (Ben. 1, 273); alts. brûd, mnl. brûd, nnl. bruid; ags. brŷd, engl. bride; altn. brûðr, schw. dän. brud. seines gleichen hat dies wort im franz. brû nurus, mlat. brut, bruta (Ducange 1, 790b), wovon keine der übrigen roman. zungen weisz; dann im armor. pried sponsa (va fried, mon époux, mon épouse) priedéléz matrimonium; im welschen priod, priawd a married person, a spouse, priodas nuptiae, priodfab sponsus, priodferch, a bride (von merch, mädchen). das alles scheint der irischen, galischon mundart zu fehlen, doch zeigen sie pos nubere, posadh nuptiae, posda nupta, die sich vielleicht aus pros und prod deuten lassen. diese einstimmung ist den merkwürdigsten urgemeinschaften

[Bd. 2, Sp. 331]


des deutschen und keltischen sprachstamms beizuzählen, denn franz. brû würde sich etwan aus fränkischem einflusz herleiten lassen (vgl. mhd. liebe briu! Haupt 3, 384), nicht der welsche und armor. wortvorrat. dagegen wurden offenbar das lett. bruhte, estn. pruut von uns entnommen. der littauische ausdruck ist marti, finn. morsjan, estn. mörsja, lapp. mrse, der sl. nevesta, poln. niewiasta, böhm. newěsta, die uns völlig abliegen.
Wie ist nun braut zu verstehn? höchst verkehrt wäre, diesem reinen, edlen wort, wie man gesucht hat (s. hernach brauten, bräuten) unzüchtige bedeutung unterzulegen. schon theil 1, 1051 wurde hingewiesen auf das skr. praudhâ, nupta, sponsa, welches Bopp unserm braut vergleicht. praudha ist part. pass. von pravah vehere currum, auferre, und schon das einfache vah = vehere drückt aus uxorem ducere, weil die braut oder junge frau heimgeführt wurde, durch praudhâ, die fortgeführte findet sich also die domum ductio treffend bezeichnet. als der sprachgebrauch den sinn der benennung verloren hatte, behielt er sie dennoch bei, ohne sie gleich den lebendigen wörtern der lautverschiebung zu unterziehen. denn die skr. partikel pra ist sonst goth. fra und skr. vah vigan, so dasz eine verständliche übertragung von praudhâ goth. zu lauten hätte fraviganô. zu praudhâ aber stimmen die anlaute von priod, pried.
Wollte man von praudhâ absehn und skr. prî amare, sl. prijatel, ahd. friudil amicus vergleichen, da braut auch freundin, liebste bedeutet, so schiene jenes armor. priédélez für ehe sehr nahe, aber auch hier entfernte sich goth. frijôn amare und unser freund amicus von dem anlaut in braut. in beiden fällen ist also das B zu fassen, wie in bairgahei neben fairguni, in bregeln neben fregeln u. s. w. bruder, bruodar, frater steht von braut ab.
Bedeutungen des nhd. braut.
1) sponsa: das mädchen ist braut, ist verlobt; sie schmückt sich wie eine braut (vgl. DWB brauten 3); die braut stehet zu deiner rechten in eitel köstlichem golde. ps. 45, 10; kom meine braut vom Libanon. hohelied 4, 8; du hast mir das herz genomen, meine schwester, liebe braut. 4, 9; du solt mit diesen allen, wie mit einem schmuck angethan werden, und wirst sie umb dich legen, wie eine braut. Es. 49, 18; wie eine braut in irem geschmeide berdet. 61, 10; und wil in den stedten Juda und in den gassen zu Jerusalem wegnemen das geschrei der freuden und wonne und die stimme des breutgams und der braut. Jer. 7, 31; der breutgam gehe aus seiner kamer und die braut aus irem gemach. Joel 2, 16; wer die braut hat, der ist der breutgam. Joh. 3, 29.
Man sagt: die braut heim führen, heim leiten, domum ducere, was jenes praudhâ ausdrückt:

ein froude wart dô unter in,
sam sie eine brût scolten fren. Rol. 264, 33;

im wær sam er mit einer briut
vrœlichen heim rite.
Helbling 15, 690;

nider stîgen sam eine brût.
Diemer 361, 6;

so man eine brut heim leitet, so slæt man den sumber vor ir und gîgot unde sweglot unde vidlot engegin ir. Mones anz. 4, 369; das sagt auch bei den Deudschen das sprichwort, wers glück hat, füret die braut heim. Luther 6, 157a; wers glück hat oder wem es gott gönnen wird, der füre die braut heim. Mathesius 89a;

deme das glück gönnet wol,
das er die braut heimführen sol.
Ayrer 369b;

und wer da fest besteht und traut,
führt, wie man saget, heim die braut. Ismenius vorb. 172.

nd. de dat gluck het, geit mitter brud to bedde. es heiszt auch, die braut holen und empfangen:

eines tages wurden si enein,
daʒ er si wolde holen heim.
Karajan denkm. 24, 13;

hoi wie si dô sungen,
do si sie heim brungen,
heime wâren- liute,
die wartôten der briute,
si emphiengen si mit râte. 26, 3—5;

und würden die braut holen mit groszer pracht. 1 Macc. 9, 37; und sie wird im begegnen wie eine mutter und wird in enphahen wie eine junge braut. Sir. 15, 2. die braut werben, s. DWB brautwerber; die braut bitten, ausbitten, vgl. brautbitter: jene zwen freiwerber, die die jungfer braut ausbaten und empfiengen. Günther 1107. braut stehn heiszt vor dem priester stehn und sich trauen lassen (vgl. gevatter stehn); hat

[Bd. 2, Sp. 332]


sie schon braut gestanden? ist sie schon getraut? die braut zulegen, beilager halten:

wenn der mei acht tag alt ist,
so wil man da die praut zulegen. fastn. sp. 761, 20.

zu einer braut machen = brauten, zur frau machen, die braut fällen:

darum will ich die Gerdraut
selber machen zu einer braut. 399, 11;

die müssen die braut fellen und zur frauwen machen. Frank weltb. 205a; fein seuberlich mit der braut aufm eis! Hayneccius Hansoframea 4, 6; sachte mit der braut am sande! Simrock 1271. man pflegte im kreis um die braut zu tanzen, oder sie umzuführen; das ist die braut, um die man tanzt. Simrock 1272; es heiszt aber auch im bösen sinne von nebenbuhlern, dasz sie um die braut tanzen, kämpfen: ha ha, so ists doch wol billig, dasz wir um die braut tanzen! Felsenb. 2, 151. von dem worauf es eigentlich ankäme, weisz aber einer so wenig zu sagen als der andere: sie tanzen mit wenigen ausnahmen alle am hochzeitfeste und niemand hat die braut gesehen. Göthe 45, 292. vgl. nd. dat ist rechte, wor de brud um danzet. Logau vom mai:

dieser monat ist ein kus, den der himmel gibt der erde,
dasz sie jetzund seine braut, künftig eine mutter werde. 2, 4, 34;

bitte die braut,
so schreit sie laut;
weinende braut, lachende frau;
sie wehrt sich ganz bequem, bequem wie eine braut.
Gellert 1, 124;

aus kindern werden leute,
aus jungfern werden bräute.


2) wie der name braut auf die schnur, nurus, auf die junge frau übergeht und gr. νύμφη beides ausdrückt, den Serben mlada die junge und braut, noch ein volles jahr nach der hochzeit heiszt; so führt auch in deutschen landstrichen die neuvermählte den namen der braut ein jahrlang oder bis zu den nächsten ostern fort, oder selbst bis sie kinder geboren hat: ich bin braut, habe von meinem ehemann noch keine kinder.
3) hin und wieder heiszt auch der bräutigam braut, namentlich in thüringischen orten, ungefähr wie jungfrau von jünglingen gesagt werden kann, die sich rein bewahrt haben. in diesem sinn scheint schon mhd. brût üblich (Ben. 1, 274a).
4) windsbraut, venti conjux (mythol. 598), sowie windgelle, venti pellex (Haupt 6, 290) gründen sich auf heidnische vorstellungen, und die von Ben. 1, 273b dawider geäuszerten zweifel sind unerheblich. vgl. DWB wasserbraut.
5) geistliche braut: ich komme die schüchterne braut den armen des schmachtenden bräutigams zu übergeben (sie ins kloster zu führen). Gotter 3, 102;

heilgenblenden, wo die ganze nacht
Christus braut mit ihren frommen sorgen
zu gebeten und gesängen wacht.
Bürger 95b;

raub hast du an dem göttlichen begangen,
des himmels braut berührt mit sündigem verlangen,
denn furchtbar heilig ist des klosters pflicht.
Schiller 495b;

die ihr suchet, trägt den schleier,
ist des himmels braut. 64b.


6) auch die alchymisten gebrauchen braut und bräutigam von körpern und stoffen, die sich geheimnisvoll vermählen:

sonst könnt ich von planeten sagen,
wie braut und breutgam sich vertragen,
wie die nacht kömt, die raben fliegen,
der taw fellt, wenn sie schlafen liegen. froschmeuseler 2, 15 (N 2a).

vielleicht erklärt sich hieraus, dasz den gerbern die erhitzung oder gährung des sämischen leders nach dem walken die braut heiszt. vgl. 1, 379 ankenbraut.
7) braut von vögeln (s. brautempfindung) und pflanzen:

ein nachtigallmännchen wird locken die braut.
Bürger.

eine der schönsten enten führt den namen der braut, anas sponsa. unter den blumen heiszt die nigella Gretel im busch, braut in den haaren. einige ranunkelarten: braut und bräutigam. Brockes 8, 79.
8) der geiger nennt die beste und liebste geige seine braut.
 
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brautabend, m. novissima ante nuptias celebrandas vespera, polterabend.
 
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brautaltar, m. was traualtar.
 
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brautbett, n. lectus genialis, ahd. prûtpetti (Graff 3, 50), mhd. brûtbette (Ben. 1, 111a), ags. brŷdbed, engl. bridebed. das brautbett schütten, machen, bereiten, schüttung des brautbetts. Ettners hebamme 296; das brautbett beschreiten, mit

[Bd. 2, Sp. 333]


einem theilen: thörin, nimmer wirst du das brautbett mit ihm theilen. Klinger 2, 197;

dasz nicht die list mutwillger gäste
des brautbetts frieden untergräbt.
Göthe 1, 54;

bis du aus harter wieg ins brautbett steigest
als mann, und deine braut die freiheit freiest.
Rückert 142;

wo sie im sale sich begegnen,
das schönste brautbett einzusegnen. 224.

figürlich vom todtenbett: es liegt ein brautbette da, worüber der morgen seinen goldenen teppich breitet. Schiller 207a. vgl. DWB brautgebette.
 
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brautbitter, m. nuptiarum interpres, ahd. prûtpitil paranymphus (Graff 3, 56): ists doch eigentlich übung (brauch), dasz väter brautbitter bei den eltern der braut sind. Gotthelf sagen 4, 106.
 
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brautbote, m. dasselbe, ahd. prûtipoto (Graff 3, 82).

 

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