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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
braun bis braunelle (Bd. 2, Sp. 323 bis 326)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) braun , rufus, fuscus, ater, ahd. prûn (Graff 3, 311, mhd. brûn (Ben. 1, 267), nnl. bruin, ags. brûn, engl. brown, altn. brûnn, schw. brun, dän. bruun, und in die roman. sprachen eingedrungen, it sp. bruno, franz. brun. um den unmittelbaren zusammenhang dieses worts mit der wurzel brinnen zu erfassen, ist von nöthen schon hier auf diese selbst einzugehn.

[Bd. 2, Sp. 324]



Dasz brinnen und rinnen ein älteres, einfaches brinan und rinan voraussetzen ist schon gesch. der d. spr. 853 aufgestellt worden, denn die ags. umdrehung birnan, irnan konnte blosz aus diesen, nicht aus jenen erfolgen; auch haben sich ags. bryne incendium und ryne cursus, altn. bruni incendium, goth. brunjô lorica und garunjô πλημμύρα, ahd. pruniâ, altn. brynja lorica, ags. byrne, lauter abkömmlinge von brinan und rinan erhalten. unserm adjectiv liegt brunjô und brynja, prunia, woraus mit wegfall des i prunna, mhd. brünne wurde, zu allernächst, es ist die leuchtende, brennende rüstung; braun kann nach zwein seiten hin bedeuten entweder brennend, leuchtend, mhd.

lûter, brûn alsam ein glas. En. 236, 36;

ein swert brûn und breit. Eracl. 1193;

manigen helm prûnen. Rol. 161, 4;

oder gebrannt, brandschwarz, ater, fuscus, mhd.

zobel brûn alse ein bere (: mere). En. 36, 33,

schwarz wie eine beere, oder was dem sinn mehr zusagt, wie ein bär, wenn auch der reim unrein ist; vgl. DWB brinzelich.
Woher aber das û, au in brûn, braun, das nnl. ui in bruin? es scheint allmälich eintretende verlängerung des kurzen vocals, wie auch die handschrift d in den Nib. und im Dietleib Praunhild für Brünhild schreibt. noch wichtiger wäre, dasz sich selbst runa mysterium aus rinan = rinnan herleiten liesze und ursprünglich concilium, conventus bedeutete; auch hier haben die andern sprachen rûna und wir heute raunen, ganz wie braun. näheres unter rune und raunen. wie es sich immer damit verhalte, die nahe verwandtschaft zwischen braun und brinnen leidet keinen zweifel. darf man gr. φρύνη, φρῦνος, kröte, ihrer braunen farbe nach vergleichen? Bedeutungen:
1) unter braun verstehn wir eine aus gelb, roth und schwarz gemischte farbe nach verschiedner stufe, je nachdem eins oder das andere vorwaltet, und so bestimmt es sich in gelbbraun, rothbraun, schwarzbraun. Woldemar 38 heiszt es: vom höchsten braun bis zum falbesten gelb; der herbst ist der braune, weil das getraide oder das laub gelbbraun wird. das braune haar in den volksliedern wechselt mit dem gelben, blonden, nie mit dem rothen. aber der braune schild bei Uhland 208. 227 scheint was sonst der rothe, und schwarzbraune seide spinnen im liede von Ulrich bei Herder so viel als bluten, doch Uhland 14. 251. 363 die braune seide.
2) braun bezeichnet die bräunliche, von der sonne gebrannte farbe des gesichts, der wangen und arme; ein ländliches mädchen heiszt ein braunes, schwarzbraunes, nuszbraunes:

brauns mägdelin, zieh dein hembdlin ab
und leg dich her zu mir. Garg. 28b;

was läszt du mir zur letze,
mein brauns schwarz meidelein?
Hoffm. gesellsch. s. 9;

silber und gold geb ich darum,
dasz ich ein fein braunes mägdlein bekomm,
die fein züchtig wär und fromm. s. 71;

das braune mädel das erfuhr.
Göthe 1, 181;

in Geszners idyllen kommt der ausdruck braunes mädchen oft vor, bei Gotter 1, 112 das braune milchmädchen;

wenn in leisen hutfilzsöckchen
meine braune trutschel geht.
Hölty petrarch. bettlerode;

ich mädchen bin aus Schwaben,
und braun ist mein gesicht.
Schubart 839.

ebenso von jünglingen:

auf seinen wangen ist zu schaun
anstatt der jugend milch ein männlich braun.
Hagedorn 2, 82;

sie klopft ihm auf die braunen wangen.
Gellert 1, 49;

um seine braune stirn lacht ruhiges vergnügen.
Uz (1768) 1, 121;

willst du so nach junkern schaun
und des fischersohns vergessen?
freilich ist er arm und braun.
Kinds ged.

auch eine blume, adonis autumnalis, heiszt braunes mädchen, brunette, feuerröschen.
3) braun und blau gilt von schwarzblauen flecken, wofür schon oben s. 81 beispiele gegeben wurden: der mond hat den löwen zimlich beleuchtet, ich halte, er werde morgen braun und blau aussehen. Gryphius 1, 745; sahst du, wie er braun und blau um die nase wurde vor ärgernis? Lenz 1, 306. man sagt auch, es wird ihm braun und blau vor den augen, d. i. finster, dunkel; wenn sie nun die sonne so lange angeschauet, bis ihnen braun, blau und finster für augen kommt, so meinen sie gewis, sie haben die sonne tanzen gesehn.

[Bd. 2, Sp. 325]


Laurenberg acerra 239. da es aber nie blau und braun, immer braun und blau heiszt, so scheint hier braun die hellere, blau die dunklere farbe anzuzeigen, was durch nnl. blond en blaauw bestätigt wird. Wie lat. livere und livor in die vorstellung von invidere und invidia übergieng, verdeutschte Notker im Boeth. 63 nunc te primum liventi oculo praestrinxit: nû êrest prûnsehôntiu zuangta sî dih, welches verbum ein subst. prûnseha, livor, invidia voraussetzt.
4) braun als epithet der nacht und des schattens drückt schwarz aus, nox atra:

o monde, dessen liecht die braune nacht bestrahlt.
Opitz 3, 76;

zwar der Luna bleiches licht
in der braunen nacht erquicket.
Tscherning 229;

der traumgott wollte weiter sprechen,
doch itzt rief ihm die braune nacht:
sie lag schon über dunkeln bächen,
und Philomele war erwacht.
Uz 1, 72;

der tag war nun gesunken
und ihren mohnsaft gosz die braune nacht herab. Oberon 2, 17;

die braunen schatten der nacht. Kant 7, 381. den provenzalischen dichtern hiesz die morgendämmerung alba, die abenddämmerung bruna, oder auch albor und brunor, franz. aube und brune, ein anmutiger frauenname war Brunmatin (Renart 15666. 15712. 16441), gleichsam Aurora, vgl. altn. dagsbrûn primum diluculum.
5) als ahd. mannsname begegnet Brûno, altn. Brûni, und der bär in unserer thiersage heiszt Brûno, mhd. Brûne, wie die kuh bei den hirten häufig Braune, Brune (Tobler 81), und allgemein der braune, das pferd. da aber auch Bruna, Brunia als kosende kürzung des frauennamens Brunhilt erscheint: Brumam (l. Bruniam) filiam Athanagildis regis Wisigothorum, quae et Brunichildis dicta est. Pertz 8, 318; Brunam, quae et Brunichildis. 10, 333; auszerdem altn. eine kuh Brynja im landnâmabôk 1, 14 vorkommt; so könnten kuh, pferd und bär nach der hellen, lichten farbe benannt sein, wie die mythische valkyrja nach der leuchtenden brynja.
6) gleich andern adjectiven der farbe steht auch braun substantivisch für braune farbe:

braun ist der minne bant. fastn. sp. 780, 2;

braun ist der minne bot. 780, 19;

braun ist ein wat mincleich. 780, 30;

in braun wil ich mich kleiden
gegen diesem winter kalt. Garg. 122a.


 
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braunahrung, f. braugewerk: es hatte sich kein leibarzt beifallen lassen, der braunahrung zum nachtheil das wasser gesunder zu finden. Möser p. ph. 1, 51.
 
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braunäugig.
 
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braunäuglein, n

die wirtin sah zum fenster raus
mit irn braunäuglein klare.
Uhland 734;

sie hat zwei äuglein die sind braun,
sie säh dich nicht an durch ein zaun.
Hoffm. gesellsch. 77.


 
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braunbeere, f. bacca myrtilli, schwarzbeere, heidelbeere, auch ribes nigrum.
 
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braunbier, n. cerevisia fusca, gegenüber dem weiszbier.
 
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bräunchen, n. equus badius, nnl. bruintje.
 
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braune, f. supercilium, vgl. DWB braue und DWB augbraune, augenbraune 1, 788. 804: schwarze augen und gleiche braunen. Klinger 1, 412; die zwei starken braunen der stirne richteten sonn und mond in ihrem laufe. Fr. Müller 1, 87.
 
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bräune, f.
1) color fuscus, mhd. briune (Ben. 1, 268b): die bräune der wangen, des haars, des bratens: die krapfen sein schier gepachen, das siehstu an der praunen. küchenm. cap. 4; bei der andern frau ist abzunehmen, dasz sie aus den örtern des morenlands herkomme, welcher bräune gutes theils die natur uberlangte. Ismenius 28a.
2) angina, eine halskrankheit: viel seucht und krankheiten (im lager), sonderlich die breune, welches gebrechen ihr gar viel zu Adams mutter fordert. Kirchhof mil. disc. 202;

auch kann ich gar wol für den schlag,
für die bräun in dem hals gar schwarz.
Ayrer fastn. 41b;

die strafe des stranges wird aufgeschoben, so lange der kranke dieb noch nicht von seiner bräune kurirt ist. Thümmel 4, 15. bei den pferden heiszt die krankheit der strengel.
3) braunerz, angeflogner bräunlicher schein am gestein.
 
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brauneisenstein, m.

[Bd. 2, Sp. 326]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) braunelle, f.braunellchen, n. motacilla modularis, der zaunschlüpfer.

 

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