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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brauchung bis braufrucht (Bd. 2, Sp. 321 bis 323)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brauchung, f. usus, gebrauch, anwendung: die kind künnen das nit brauchen, denn sie haben nit brauchung der vernunft. Keisersb. s. d. m. 16b; brauchung der barmherzigkeit. Bocc. 1, 77b; nach kurzer brauchung. Schwarzenb. 153, 1; ein platz zu der schanz sampt dem groszen geschütz mit seiner brauchung. Fronsp. 1, 44a; brauchung der salben. Butschky Patm. 296.
 
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brauchvieh, n. im haushalt nutzbares vieh: wir erben sie nur gar zu oft in einem zustand wie vieh, das man mit hunden und jägern zusammentreiben musz, wenn man auch nur erträglich gutes stall- und brauchvieh aus ihnen machen will. Pestalozzi Lienhard und G. 3, 141.
 
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braue, f. supercilium. die älteren und urverwandten formen wurden schon 1, 788. 804 bei den üblicheren zusammensetzungen augbraue, augenbran, augenbraune angegeben. das einfache wort verwenden ältere und neuere:

der stier starzt seine brawen,
und gab im noch ein stich.
Halbsuter bei
Wackernagel 926;

alle wimpern umher und die brauen ihm sengte die lohe.
Voss Od. 9, 389;

das schwarze schelmenaug dadrein,
die schwarze braue drauf.
Göthe 1, 19;

und wie es (das land) dar sich seinen augen stellt,
verfügt er drüber mit dem wink der brauen.
Rückert 237;

wer ist sie, die so bedenklich über den augen die stirne erhebt, tiefes nachdenken auf den brauen andeutet? Göthe 39, 38. heute steht der unterschied fest zwischen brauen und wimpern, doch wie im letzten wort selbst windbraue liegt, bezeichnete sonst auch das einfache die wimper, palpebra, z. b. wenn es in Forers thierb. 19a heiszt: den augliden, so die brawen ausgefallen, ist bärenschmalz gut. vgl. braune.
 
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braue, f. coctio cerevisiae: dasz sich das bier dester langer halte, so sieden etliche in der brauhe coriandersamen mit dem hopfen. Tabernaem. kräuterb. 222.
 
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braueigner, m. besitzer einer realgerechtigkeit bier zu brauen.
 
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brauen , coquere, früher bräuen, breuen, brewen, ursprünglich mit starker flexion ahd. priuwan prou, wie chiuwan chou, obgleich nur unvollständige belege zu gebot stehen (Graff 3, 316), desto vollere für das mhd. briuwen brou (Ben. 1, 260), wie kiuwen kou; ags. breovan breáv, wie ceovan ceáv; engl. brew wie chew. heute setzen wir brauen braute, wie kauen kaute, doch haftet das part. gebrauen noch bei Luther, Mathesius, Logau u. a. m. schwache form herscht auch im nnl. brouwen brouwde, altn. brugga, schw. brygga, dän. brygge.
Wiederum entgeht uns das goth. wort, welches doch sicher

[Bd. 2, Sp. 322]


bestand, man darf raten briggvan braggv wie bliggvan blaggv = ahd. pliuwan plou, und diese auch zum altn. brugga stimmenden kehllaute führen gleich weiter fort. briggvan ist ja deutlich das lat. frigere torrere, gr. φρύγειν, das intransitiv fervere sieden ein umgestelltes frevere, ohne kehllaut wie ahd. priuwan. noch mehr, den Griechen, wie Athenaeus p. 447 lehrt, war die thrakische und phrygische benennung des berauschenden gerstentranks bekannt, nemlich βρύτον oder βρῦτον, was geradezu auf griechisch φρυκτόν lauten und ein geröstetes, gebrautes getränk bezeichnen würde; wieder ein zeuge für thrakische und germanische sprachverwandtschaft.
Den kehllaut wahrt aber auch das gallische brace bei Plinius 18, 7, mlat. bracium, worüber Ducange 1, 753. 754 zu lesen ist, ir. gal. braich für mehl, malz und das mlat. braxare, franz. brasser brauen. brace tritt jenem briggvan braggv und unserm brägeln, bregeln = frigere unmittelbar nahe, die laute verhalten sich wie in bauan bagms byggja: facere. den Galliern war brace entweder mit den Germanen urgemein oder sie hatten es von diesen übernommen; gal. und ir. ist bruich, bruigh sieden, welsch berwi, armor. birvi sieden = lat. fervere, berwydda brauen.
Gesetzt auch, dasz, wie 1, 1822 ausgeführt wurde, das wort bier unsern vorfahren in hohem alterthum aus dem lat. bibere entsprang; schon noch früher können sie von getraide und wurzeln ähnlichen trank gesotten haben, doch geht bei Tacitus das potui humor ex hordeo aut frumento in quandam similitudinem vini corruptus wol bestimmt auf bier. ich wäre sogar versucht, jene ableitung des ausdrucks bior wieder fahren zu lassen und ihn jetzt für brior zu nehmen, dessen erstes R getilgt wurde wie in prort und port, im lat. febris für frebris u. s. w.
Brauen aber gieng ursprünglich nicht allein auf bier, sondern bedeutete kochen und sieden insgemein, wie wir noch heute einen kaffee brauen oder sieden, bier sieden und meth sieden für brauen sagen und auch andere benachbarte völker brauen mit dem worte des kochens bezeichnen, z. b. die Slaven mit variti, poln. warzyć, die Littauer mit wirti. wie bier heiszt es darum wein, meth oder essich brauen. noch anderes wird sich aus darlegung der bedeutungen des brauens ergeben.
1) bis auf heute hat sich, in manigfaltem ausdruck, eine sicher uralte bezeichnung des berg oder wiese drückenden niedrigen nebels erhalten, wobei brauen für kochen gesetzt wird, ohne allen bezug auf bierbereitung, das volk sagt: die wichtel, die zwerge, die unterirdischen brauen, wenn diese dünste gleichsam aus ihrer küche empor steigen. ebenso, im sinne der thierfabel, der fuchs braut, der hase hat gebraut:

dort im wald und erlenthal,
wo der hase brauet.
Voss 4, 75;

siehe da brauet der has im weiszlichen dampf auf der wiese. idyll. 5, 248;

der Brocken braut, heiszt es, wenn seine spitze die nebelkappe trägt:

die wiese dampft, der Brocke braut.
Gökingk 2, 130;

das schöne wetter ist mit wolken und nebeln auf einmal überzogen worden, die berge brauen, und es ist kein heil mehr. Göthe an fr. von Stein 1, 352; der wind verschluckt alles wasser, das der blauhimmel brauet. J. P. herbstbl. 3, 192. man glaubte, dasz zauberinnen und hexen nebel und gewitter im kessel sieden oder brauen; kerlîngar vella, coctura vetulae ist altn. nebula humi repens. auch engl. brew vom erregen des sturms und wetters.
2) brauen, coquere cerevisiam: backen und brauen geräth nicht allemal;

nachdem liesz er malzen und wenden,
derren und malen an den enden,
nachdem liesz er bier daraus prewen.
H. Sachs I, 505a;

etliche von euch sollen in stedten handwerk treiben, brewen, backen. Agricola spr. no 264; darnach brawen sie euch ein köstlich und sauber bier. bienenk. 58b; nun brawet mir ein gut bier hieraus, seit ir der bischof von Danzig. 86a;

mein trinken ist nicht falsch, ich darf mir nicht gedenken,
es sei gebrauen zwier vom bräuer und vom schenken.
Logau 1, 3, 4;

gott machts gut, und böse wir,
er bräut wein, wir aber bier. 3, 8, 68;

braut ein ragout von andrer schmaus.
Göthe 12, 36;

je toller das bier gebrauet wurde, je besser es mir schmeckte.

[Bd. 2, Sp. 323]


Simpl. 2, 168; je toller gebraut, je besser bier. 2, 381. in folgenden stellen vom wein oder in bildlicher anwendung:

der vater Noahn den beruf,
der sorgen gegengift zu brauen
verlieh.
Gotter 1, 416;

in bunten bildern wenig klarheit,
viel irrthum und ein fünkchen wahrheit,
so wird der beste trank gebraut,
der alle welt erquickt und auferbaut.
Göthe 12, 14;

euch ist bekannt, was wir bedürfen,
wir wollen stark getränke schlürfen,
nun braut mir unverzüglich dran! 12, 16.

Luther sagt irgendwo vom römischen recht: und ich acht wol, wenn itzt alle juristen in einen kuchen gebacken und alle weisen in einen trank gebrawen würden, sie solten nicht allein die sachen und hendel ungefasset lassen, sondern auch nicht sowol davon reden und denken können.
3) wie in der alten sprache blanden (oben sp. 119) und noch in der heutigen mischen, mengen, kochen und einrühren, einbrocken, so steht auch brauen sehr oft in dem bösen sinne des unheil, mord und verrat stiftens, namentlich gift mischens, worüber Ben. 1, 260 mhd. belege sammelt. frowe Margarete, die vil ungelückes ir tage hatte gebruwin. Lindenblatt 255; gift in einen, in etwas brauen, ihn oder es vergiften; ir in das thun Christi hinein brewet. Luther 4, 380a; darumb, wo ich wider sein thun oder lestern rede oder schreibe, so brawet und menget ers flugs in einander. 6, 6b; brewens so in einen brei, als die nichts davon wissen noch erfaren haben, was sie sagen oder setzen. 6, 43; wie sie (die kirche) ire heiligkeit und ceremonien sowol von den heiden, als von den juden und alten ketzern geschöpft und dis alle künstlich unter einander gebrawet. bienenk. 58a;

man solt die solches braun
ein wenig lan mit ruten haun.
Ringwald tr. Eck. H 8b;

ein unflat in der haut,
der selten etwas gutes braut. laut. warh. 141;

da (am jüngsten gericht) lose leut wol werden schawn,
was sie allhie vor bier gebrawn. 425;

dis allzeit schnarchend haus wird heimlich immer bräuen.
Gryphius 1, 563;

es braut ein unglück gegen meine ruh,
(there is some ill a brewing towards my rest). merch. of Venice 2, 5;

die ziehn auf mondbestrahlten heiden
und pflücken murmelnd gras und kraut,
woraus zu manchen zauberleiden
manch böses tränklein wird gebraut.
Lenau neu. ged. 240;

altn. brugga svik, insidias struere, nnl. onheil brouwen.
4) nnl. heiszt brouwen auch lispeln, das R in der aussprache nicht hören lassen, wie es gerade in bier geschah, wenn die vermutung eines ältern brier begründet ist.
 
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brauer, bräuer, m. coctor, coctor cerevisiae. s. DWB bierbrauer.
 
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brauerei, f. coctura: die brauerei betreiben; die brauerei geht gut; er ist mit der brauerei zurück gekommen;

verrückte zierratbrauerei,
es ist eine saubre bauerei.
Göthe 3, 269.

auch das brauhaus heiszt die brauerei.
 
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brauergesellschaft, f.
 
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brauergilde, f. dasselbe.
 
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braufrucht, f. brawfrucht, malz, hopfen. Kirchhof disc. mil. 30.

 

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