Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brauchbar bis braue (Bd. 2, Sp. 315 bis 321)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brauchbar, utilis, aptus, nützlich, nutzbar, dienlich, diensam, bequem, anwendbar, deren jedes doch seine bestimmten bezüge hat. es heiszt ein brauchbarer mensch, diener, die schuhe sind noch brauchbar, können noch gebraucht werden, das buch enthält viel brauchbares und nützliches. aber eine nützliche einrichtung ist mehr als eine brauchbare, dieser mann ist dem ganzen lande nützlich, heilsam. das nutzbare land, nutzbare eigenthum, vom schwein ist alles nutzbar, kann alles genutzt werden. eine diensame, heilsame arznei, eine anwendbare regel, der grundsatz ist hier nicht anwendbar, leidet keine anwendung. für brauchbar hatte die alte sprache das schönere, einfache goth. brûks, ahd. prûchi, ags. brŷce. nnl. bruikbar.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brauchbarkeit, f. utilitas, aptitudo. nnl. bruikbarheid.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brauchen , ein wort, dessen urgemeinschaft mit den ältesten sprachen glänzend einleuchtet. ohne zweifel stand ihm ehmals starke form zu, die sich aber nur in der ags. mundart bewahrt hat, brûcan breác brucon gebrocan, wie lûcan leác, folglich ahd. prûchan = priochan, prouh pruchun giprochan, welches part. noch in pirum kipruhan fungimur (Graff 3, 280) erhalten scheint. nachher galt prûchan prûhta, wie heute brauchen brauchte, nnl. bruiken bruikte. goth. zeigt sich brukjan bruhta (wofür auch brauhta, wie bugjan bauhta zulässig wäre), das starke briukan brauk mangelt.
Es würde bedeutet haben edere, manducare, welche vorstellung wiederum im ags. brûcan breác haftet, die von uti geht daraus hervor, ganz wie aus genieszen edere die von genieszen uti, vgl. DWB nieszbrauch, ususfructus. brauchen entspricht also dem lat. frui, fruitus und fructus sum, fructus und frumentum sind das eszbare (brauchbare, goth. bruks), noch genauer gleichen frux, frugi, fruges. hiermit und mit unserm brauchen stellt aber Bopp 247b das skr. bhudsch (bhuǵ) edere, frui, vesci, welchem R fehlt gerade wie dem lat. fungi, functus, und fungibilis ist wiederum edulis, vescibilis, utilis.
Nicht genug dies. brauchen berührt sich auch mit brechen, fungi für frungi mit frangere, weil das essen und kauen ein zerbrechen mit den zähnen ist, wobei wieder an unser bracke

[Bd. 2, Sp. 316]


für backe erinnert werden mag. aus der ablautsreihe brikan brak brêkun brukans entsprosz die von briukan brauk brukun brukans, deren participia sich begegnen.
Nun zu den bedeutungen des nhd. brauchen.
1) uti, adhibere, mit dem acc.,
a) von personen: der mann ist wol zu brauchen; er läszt sich von jedermann brauchen; habe mich darbei finden und brauchen lassen. Kirchhof disc. mil. vorrede; einen arzt brauchen, medicum adhibere, ich bin krank und musz den arzt brauchen; zu einem ampte gebraucht werden. pers. rosenth. 1, 18; darumb haben die groszen herren ire spilleut, die man brauchen sol allein zu zeiten. Keisersb. s. d. m. 53b; so sie alt werden, braucht man sie in das frawenzimmer. Münster 1323; ein mädchen brauchen heiszt aber jouir d'une fille, consuetudinem habere virginis, coire cum puella: die meidlin machen die mönch die fasten brechen. die schönen brauchen sie bei tag, die heszlichen nachts. Garg. 259b; das mädchen ist hübsch und trotz allen teufeln musz ich sie brauchen. Schiller 147b. vgl. misbrauchen.
b) von thieren. ich brauche, d. i. reite das pferd schon zwei jahre; dieser hund wird noch nicht zur jagd gebraucht; und wenn einer dir leihet ein ros sechs meilen wegs zu reiten, und du brauchest das ros acht meilen und rittest zwo meilen weiter, der ist auch ein dieb. Keisersb. s. d. m. 16b.
c) vom leib. den arm, die hand, die finger brauchen; die füsze brauchen, gehen; die zähne brauchen, essen; können das maul wol brauchen. exp. in truphis cap. 8; sie wuste ihre zunge zu brauchen; das sie ire zungen nit mögen bruchen. Keisersb. s. d. m. 29a; wann groszer nutz erwachset einem menschen darusz, wenn er sein zung recht brucht. 82b. 83a; da du dan die waffel (das maul) ze vil bruchest, schwetzhaftig und klapperig bist. 80b.
d) er weisz sein schwert, seine feder zu brauchen; du wollest dein schwert verbergen und nicht brauchen als in der gerechtigkeit. Schuppius 735; den stock brauchen, schläge ertheilen; du brauchst schon eine brille?
e) land und meer brauchen, wandern und schiffe. landstreicher, die alle land brauchen. exp. in truphis cap. 8; wer das meer brauchet und schiffet. Steinhöwel fabeln 141. das bad, den brunnen, die arznei brauchen:

kurz es gedeiht zum schlusz,
dasz Agnes ungesäumt den brunnen brauchen musz.
Hagedorn 2, 106;

vor einigen tagen reiste sie nach Pisa, das bad zu brauchen. Klinger 1, 380; eine arznei, ein heilmittel recht brauchen; wie brauchet man arznei. Keisersb. s. d. m. 11b; wiltu das gift vertreiben, das es dir nit schaden bring, so brauch baumöl. 68a.
f) seine zeit wol brauchen; ich brauche die morgenstunden zu dieser arbeit;

dem könig anzusagen,
wie seine königin mit ihrem schönen freund
die nächte braucht.
Wieland 10, 279.


g) er versteht es seine worte zu brauchen, zu wählen; ich brauche das wort im eigentlichen sinn; man brucht gemeinlich onunterscheidlich eins fur das ander, also wil ich es hie auch bruchen. Keisersb. s. d. m. 36a; so redest du kurze wort und bruchst wenig wort. 28a; nit me oder minder wort braucht, weder er brauchen sol. 52b; rechnung geben von groben worten, die ir da on scham brauchent. 62b; das tht der schelter und der spötter auch und brauchen gerad dieselbigen wort, die der hinderreder braucht, aber ir meinung ist anders. der spötter braucht gerad die wort, wie der eerabschneider und schelter. 43b; wie wol er braucht kein wüst wort, dan allein schimpfwort (scherzworte). Aristoteles spricht, schimpf sol man brauchen als salz. 53a; sie brauchte alle schimpfwörter hintereinander, die sie nur wuste.
h) sein recht brauchen; und aller der privilegien genieszen, und die sie von manchen hundert jahren her allezeit gebraucht, behalten. bienenk. 222b; Henriette brauchte ihr altes recht und liesz sich in Woldemars vorzimmer nieder. Wold. 226; o brauchen sie doch keine umstände. Lessing 1, 265; brauche hier dein ganzes ansehen; du must ernst brauchen; braucht respect und wiszt mit wem ihr redet! Stillings jugend s. 80 (95); darum sol er vernunft brauchen. Keisersb. s. d. m. 57b; sehent das verderbt uns, das wir in allen dingen kein vernunft wellen brauchen. 77a; ein mensch der msz vernunft bruchen. 26b; davon wirt die vernunft geirret

[Bd. 2, Sp. 317]


und dunkel, das ein solicher mensch sie nit bruchen mag. 8b.
i) die liebe, ruhe brauchen, der liebe, ruhe pflegen, sich ihnen überlassen, verrat, list u. s. w. brauchen, üben, verüben: und also ohn mindere scheuhung (ohne scheu) ihre lieb brauchten, weder sie vom anfang gethan hetten. Bocc. 1, 75b; wolt ir gott verteidigen mit unrecht und fur in list brauchen? Hiob 13, 7; falsch (falschheit) brauchen. buch der liebe 45, 1;

wenn du ie brauchen wilt den trutz.
H. Sachs III. 2, 18c;

Pigritta brauchet gerne ruh. wie so? sie hat vernummen,
der mensch sei nur in diese welt wie in ein gasthaus kummen.
Logau 3, 4, 92;

so braucht sein mutwilln jedermann.
Alberus fabeln 144b;

wer recht geht, gehe weiter und frage nichts darnach,
ob hasser oder spötter braucht list, verleumdung, schmach.
Logau 2, 2, 35;

was groszen übels und verräterei mit euch gebrauchet wird. Galmy 232; es ist entweder keine treu noch glaube mehr in der welt, oder so sie ja ist, wird sie doch von den menschen nicht mehr gebrauchet. pers. rosenth. 1, 30;

woltstu brauchen solche untreu?
Ayrer fastn. 93a;

wär das si laster brauchten nit.
Schwarzenberg 113, 1;

eingeschrieben sein in frevlen raubebund,
der durch gebrauchten trotz der welt hilft auf den grund.
Logau 1, 5, 3;

der sagt an dem ort, das lüginen kein sünde sei, wenn sie aus groszer notturft geschehe, und sol sie bruchen als nieswurz. Keisersb. s. d. m. 23b; sie bruchen schmeichelen, das sie etwas uberkummen. 33b; nun habt ir wol verstanden den neid und hasz, so mit dem edlen ritter gebraucht ward. buch der liebe 49, 3; der mutwille eurer cammeraden, welchen sie oftmals brauchen im fensterausschlagen, in zerschlagung der öfen, der thür und thor. Schuppius 248; da braucht dann der teufel sein meisterstück, dasz er einen menschen in einem augenblick zu falle bringe. 154; das man kein zauberei, abersegen noch beschwerung der creaturen soll prauchen. bienenk. 19b.
k) anwenden, üben: ich hab aber in meinen fabeln nie den vortheil brauchen wöllen. Alberus s. X; und ein ewigwärende reinigkeit und mäszigkeit sein lebenlang brauche. bienenk. 198b; der ritter erst alle seine manheit braucht. Galmy 146;

bei peen des lebens schaft und wolt,
das niemant unvergünnet solt
mit seinen feinden brauchen that.
Schwarzenberg 118, 1,

d. h. thätlich werden; glaubet mir sicherlich, dasz kein ritter in diser welt ietzund ist, der harnisch füret und ritterspiel brauchet, der also glücklich sei als ihr. buch der liebe 35, 2; fechterpossen und kunzenjägerspiel prauchen. bienenk. 20a; brauchen die werk der barmherzigkeit, exercere opera misericordiae. Keisersb. s. d. m. 86a; wann er etwas sahe, dadurch gottes ehre verletzet wurde, brauchte er kein sanftmut, kein gedult, sondern erzürnet sich gewaltiglich. Schuppius 296.
l) es ist nicht genug eine sache zu brauchen, man soll sie auch recht brauchen; so er seine zunge recht braucht und in meisterschaft kan halten. Keisersb. s. d. m. 82b; das man andrer leut schaden nützlich kan brauchen. Lehmann 205; ich brauchte alle mittel vergeblich.
m) brauchen = verbrauchen, ausgeben: hätte er eine geheiratet, welche zehn gulden verdientes geld gehabt, er wäre weit besser gefahren, die wüste nicht blosz zu brauchen, sondern zu verdienen und zwar mehr als sie brauchte. Gotthelf schuldenb. 16; er hat von jeher viel gebraucht.
n) zu etwas brauchen: ich find wol siben stück, die darz ze bruchen seind. Keisersb. s. d. m. 10b; und ist z allen dingen ze bruchen. 32b; das wir solten brauchen z handhabung der freiheit, das brauchen wir z undertruckung der freiheit und der warheit. 69a; dasselbige praucht unser muter die heilige kirch zur beweisung, dasz. 106b; das kann ich zu gar nichts brauchen.
2) brauchen, indigere, auch mit dem acc. aus der vorstellung des nutzens flieszt die des bedarfs, wenn ich geld verwende, habe ich es nöthig (vgl. 1, m), wenn ich die brille brauche, d. i. trage, bedarf ich ihrer auch; doch besteht diese bedeutung in der älteren sprache noch nicht, mangelt namentlich bei Luther, Maaler, Henisch, zuerst stellt Stieler 220 auf: ich brauch ietzund kein geld, pecunia opus non habeo,

[Bd. 2, Sp. 318]


und noch entschiedner Frisch 1, 128a brauchen = indigere. die frühste stelle, wo es begegnete, könnte diese sein;

kümt vom weinen, kümt vom weihen, kümt vom wein weihnachten
her?
so wie jeder sie ihm brauchte, kamen sie ihm ohngefehr.
Logau 3, 4, 92.

wir sagen: ich brauche zu dieser arbeit zeit; ich brauche dich nicht dazu; der kranke braucht ruhe und schlaf; er sei wieder besser, aber er brauche noch schlaf. Woldemar 219; ich brauche noch ein und das andere buch; er braucht viel geld (entsprungen aus verbraucht v. g.); er braucht monatlich ein paar schuhe; das brauche ich nicht erst zu sagen, das braucht nicht ausgesprochen zu werden; eine frau braucht nicht gelehrt zu sein;

noch braucht er eine grabschrift nicht.
Hagedorn 1, 113;

wir brauchen nur verstellt zu weinen,
so thun sie ihre schuldigkeit.
Gellert ...

im einzelnen kann nun zweideutig scheinen, in welchem sinn brauchen zu nehmen sei, z. b. ich brauche deine hülfe sowol ausdrücken ich bediene mich ihrer, als ich habe sie vonnöthen; ich brauche ruhe bald ich pflege der ruhe, bald ich bedarf ihrer; er braucht das geld bald er verwendet, bald er hat das geld nöthig. dies wird gehoben dadurch, dasz man in der ersten bedeutung gebrauchen setzt, welches nicht zugleich egere ausdrückt.
Zumeist aber gilt brauchen im sinn des vonnöthen sein, franz. falloir, unpersönlich, und darf dann wiederum nicht mit gebrauchen tauschen: es wird zeit brauchen = kosten. Simpl. 1, 37; derowegen braucht es mühe (kostet es m.) dasz du wahre freund erwehlest. Schuppius 756; es braucht nur einen Dion, der sich zu einer solchen zeit einem misvergnügten pöbel an den kopf wirft, so haben wir einen aufruhr in seiner ganzen grösze. Wieland 2, 321; es brauchte nur einen augenblick (il ne fallait qu'un moment), um das schreckliche ihrer lage in seiner ganzen grösze zu übersehen. 7, 98; es braucht nur einen schlauen spitzbuben, um hundert dumme knaben bei der nase hin zu führen, wohin er will. 8, 102; es braucht nicht (il ne faut pas), dasz ihr immer zusammen seid. Hippel 12, 34;

(vor) gewissen menschen sie zu warnen, doch
das braucht es nicht bei ihnen.
Schiller 282a;

es brauchte diesen thränenvollen krieg,
so vieler helden ruhmgekrönte häupter
in éines lagers umkreis zu versammeln. 332a;

willst du, dasz alle chefs zugegen seien?
'das brauchts nicht'. 341b;

(meinte), es brauche das nicht zwischen dir und ihm.
'es braucht das nicht, er hat ganz recht'. 361b. 362a;

es braucht ein groszes beispiel, die armee
ihm nachzuziehn. 374b;

es braucht nun gezeigt zu werden, dasz dieser prinz einer solchen abscheulichkeit fähig war. 966b;

es brauchts nicht eben just, dasz einer tapfer ist,
man kommt auch durch die welt mit schleichen und mit list.
Göthe 7, 69;

bewacht ihn. G. was brauchts das! 8, 141 (was brauchts bedenken. 42, 413);

bereitung braucht es nicht voran,
beisammen sind wir, fanget an. 12, 75;

sie machen kein geheimnis daraus, und es braucht es auch nicht, dasz sie unter ihrem gewand, auf ihrer brust ein miniaturbild tragen. 17, 82; sie verwünschte die zeit, die es braucht um die schmerzen zu lindern. 17, 129; was brauchts da weiter? rief Wilhelm aus. 20, 209; diese personen begegneten mir sämtlich auf das allerartigste und es brauchte kein groszes zureden, künftig mit ihnen den tisch zu theilen. 25, 87; was brauchts dir denkmal! 39, 339.
3) brauchen mit dem gen.
a) in der bedeutung von uti, frui: mache dir zwo drometen von tichtem silber, das du ir brauchest die gemeine zu berufen. 4 Mos. 10, 2; der gerechte braucht seins guts zum leben. spr. Sal. 10, 16; brauche des lebens mit deinem weibe, das du lieb hast. pred. Sal. 9, 9; brauche unsers diensts, wie dirs gefällt. Judith 3, 5; lasset uns unsers leibs brauchen, weil er jung ist. weish. Sal. 2, 6; liebes kind, brauche der zeit. Sir. 4, 23; brauchten der hülfe, βοηθείαις ἐχρῶντο. apost. gesch. 27, 17; und die dieser welt brauchen, das sie derselbigen nicht misbrauchen. 1 Cor. 7, 31; das mir nicht noth sei, der kühnheit zu brauchen. 2 Cor. 10, 2; so brauchen wir billich auch solcher seiner regel. Luther 3, 64; zum

[Bd. 2, Sp. 319]


andern braucht er nicht des worts glauben. 3, 82; gleichwie wir des worts unglück auch auf zwo weise brauchen. 3, 229; des (bösen) brauchet gott als stacheln umb sich her, das er bei seiner majestet bleibe. 6, 48a; wie auch unter uns noch viel sind, die das evangelium mit uns hören und leren, brauchen derselben sacrament. 6, 49b; denn was ist ein herr anders auch in der welt, wenn er seines ampts recht brauchet, denn eine helfende gewalt seiner unterthanen. 6, 70a; die christen aber mügen allerlei weltliche ordnung so frei brauchen, als sie der luft gebrauchen. Melanchth. im corp. doctr. chr. 105;

der rühmt sich groszer freundschaft vil
und braucht des namens nur zum schein.
Alberus fab. 122b;

wir brauchen des worts auch auf die person (wenden es an auf d. p.). schöne weise klugr. 110a;

der fänget an zu streiten und brauchet seiner faust.
Fleming 49;

und wann er sodann müde wird, so braucht er gerne seiner ruh.
Logau 2, zug. 92;

brauche deines lebens.
Gökingk 1, 42;

die herliche wirkung der seulen traf dich, du woltest auch ihrer brauchen und mauertest sie ein. Göthe 39, 141.
b) für indigere, erst im 18 jh.: ich brauche deiner dienste nicht; solche leute brauchen keiner vertheidigung. Liscov 475; was der ehrgeiz für unglück stiftet, braucht keines beweises. E. von Kleist 2, 166; er versprach etwas zu beweisen, wobei wir alle die ohren spitzten, und currente calamo bewies er etwas, was keines beweises braucht. Lessing 6, 246;

ich wollte dir wie Amors wunde sticht
ein wenig zu versuchen geben,
allein bei meiner mutter leben!
es braucht hier meiner pfeile nicht.
Wieland 10, 136;

es braucht keines tiefsinnigen nachdenkens, um den grund heraus zu bringen. 29, 457; ich brauche der krücken nicht. Klinger 11, 224;

es braucht hier keiner vollmacht.
Schiller 345b;

brauchts dazu meiner? 374a;

was brauchts
des edelmanns? laszts uns allein vollenden. 524a;

wie wenn wir sein jetzt brauchten in der noth? 540b;

laszt uns bleiben, herr, ihr braucht unser. Göthe 8, 98 (42, 125 unsrer); was geschehen ist, ist in der ersten hitz geschehen und brauchts deiner nicht uns künftig zu hindern. 8, 41. 42, 414.
4) sich brauchen, in zwiefachem sinn,
a) wenn es ohne casus steht, se exhibere, sich erweisen, sich halten, anstrengen:

truw, frid und lieb sich bruchen dt.
Brant narrensch. 99, 73;

uns in aller christlicher lere uben und brauchen. Luther 3, 113; dasz der soldat wider auf sein ros kam und brauchte sich noch fester denn vor. buch der liebe 26, 1; so dem ritter gebürt, der sich am mannlichsten gehalten und gebraucht hat. 30, 4; dasz mich aber ew. gn. bitten, dasz ich mich in eim solchen ehrlichen stechen auch brauchen wöll, mich ganz ohn not sein daucht. 54, 3; als aber die herzogin solchs alles gesehen hatt, nam sie grosze freud an ihrem liebsten ritter, als sie sahe, dasz sich der ritter so mannlich gebraucht hat. 56, 1; keiner sich minder denn der ander brauchet. 57, 1. Galmy 137; sie brauchten sich als manlich, das sie mit gewalt die heiden durchdrungen. Fierabras E 6;

ein jung man sol ja brauchen sich.
Scheit grob. D 4b;

entbeut dein dienst und brauch dich sehr. E 1a;

brauche dich knebel! K 4a (randglosse);

so brauch du dich! M 2b;

der hund brauchet sich gar weidelich,
dasz er den fuchs brächt unter sich.
Alberus fab. 75;

da antwort im der krebs sechsfüszig,
du brauchst dich fast und bist unmüszig
und gar hönisch belachest mich.
Waldis 4, 79;

ein ieder in menschlicher verstentnis umb brüderlicher liebe sich üben und brauchen solle. Seitz lustseuche s. 11; und brauchten sich mit irem leib und hurenlohn, und mit groszem versprechen des kirchenschatzes, tapfer und weidlich. bienenk. 211a; mit guter hülf will ich mich brauchen. Garg. 103a; liefen die junge mönchlin alle an das ort, da bruder Jan sich brauchet, und fragten frater Johannes, können wir dir helfen? 206b;

[Bd. 2, Sp. 320]


sie (die sonne) praucht sich auch so emsiglich,
das sie bei Rheinau in (ihnen) vorstrich. gl. schif 661;

und preisten die Züricher knaben,
das sie so wol sich gprauchet haben. 835;

wir wollen sein redlich kriegsleut,
uns auch brauchen wie sichs gebürt.
Ayrer 306b;

ich bin gewesen ein kriegsman,
hab mich gebrauchet vor dem feind.
Ayrer fastn. 89b;

keins wil ietz andern weichen,
sich brauchens grosz und klein.
Spee trutzn. 108;

ach blaset her und hauchet,
fort fort, euch weidlich brauchet! 213;

und mich unter dem geträng fast brauchete, einem hie dem andern da einen stosz gab und der vorderste sein wolte. Philand. 1, 14.
b) mit dem gen. der sache, sich bedienen, uti:

wer eigens kopfs sich bruchen will.
Brant 36, 26;

si brauchen sich keins fürgeschribenen rechtens. Frank weltb. 7a; sie braucheten sich mancherlei kurzweil mit rennen, stechen, turnieren. buch der liebe 383, 2;

brauchet sich zimlich und meszig
wein und bier oder ander gaben.
H. Sachs I, 505c;

fürbasz sich brauchen guter sitten. I, 525c;

sich frefel und mutwillens braucht. III. 1, 153c;

gtlichs ansehens brauch dich nicht.
Scheit grob. A 4;

wenn ich wieder heim kam, so brauchte ich mich des weidewerks. Schweinichen 1, 63; brauchte mich des medicus doctor Baudis von der Liegnitz, welcher auch alle treue an mir thät. 2, 184; der monat kompt in eim jar nimmer, derhalben so brauch dich sein wol. Fischart groszm. 115;

wer des honigs will brauchen sich,
musz nicht achten der immen stich. ehz. 6;

danzen, springen und saitenspil,
der ich mich nie gebrauchet vil.
Ayrer 146a;

braucht ich mich gar thörichter red. 312b;

dasz er die ganze zeit seins lebens
des einkommens sol brauchen sich. 384b;

alles braucht sich seiner ruh.
Fleming 366;

drum dich deins amts gebrauchen th.
Schmelzl David 8b;

er braucht sich seiner füsz und hände gar geschwind.
Rompler 105;

der ochs aber brauchete sich seines starken halses, hob den beren empor. eselkönig 205; uber dis brauchte sich der erfahrne Melo hier dieses vortheils. Lohenst. Arm. 2, 252; wann man der sternkunst sich recht braucht, so kan selbige kunst niemand tadeln. Butschky kanzl. 336; wo du dich des heutigen tages recht annimst und brauchest. 367; also brauchte sie sich einer gesandtschaft durch einen diener. pol. stockf. 129; als er von ihnen verfolget und fälschlich verklaget wurde, brauchte er sich ordentlicher rechtsmittel. Schuppius 306; du bist noch ein junges, blutreiches weib, brauche dich deiner jahre. 309; da sie anders der tripelallianz sich brauchen wollten. Leibnitz 163. vgl. DWB aufbrauchen, DWB gebrauchen, DWB verbrauchen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brauchig, bräuchig, solitus, receptus: gewonlich und brauchig. Keisersb. post. vi; durcheinander gemischt und geben wie breuchig. Seuter 97; ist ganz breuchig zu Rom. Forer fischb. 29a; die in den Nordländern bräuchigen rennthiere. Lohenst. Arm. 1, 444.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bräuchlich , nach beiden bedeutungen von brauch,
1) utilis, nützlich: der wird ein geheiligt fasz sein, dem hausherrn breuchlich. 2 Tim. 2, 21; Christus am creuze war auch ein gemacht werk, das gott wol gefiel, aber es sind drüber gefallen die jüden bis auf diesen tag, darumb das sie nicht ein breuchlich werk im glauben draus machten. Luther 1, 206a; und summa summarum, weil hie s. Paulus sagt, die gewalt sei gottes dienerin, musz man sie lassen nicht allein den heiden, sondern allen menschen breuchlich sein. 2, 195b; daneben dem rat auch ernstlich befohlen, das sie es breuchlich und on abbruch zurichten. 3, 391; sind bräuchlich zu der speis und narung der menschen. Forer fischb. 139b; was ist aber notwendiger und bräuchlicher (dasz ich so sage) dann eben wasser? Kirchhof mil. disc. 165.
2) solitus, hergebracht, üblich, heute meist gebräuchlich:

alter sprichwörter eins,
ein breuchlichs und gemeins.
H. Sachs II. 2, 63d;

wie bei ritterrechten bräuchlich. Schweinichen 1, 21; habe in einem samtröcklein, wie dieselbe zeit bräuchlich, aufwarten helfen müssen. 1, 36; wie es hiemit nach jeder nation oder

[Bd. 2, Sp. 321]


landsweis bräuchlich. Kirchhof mil. disc. 96; weil es aber nunmehr wenig bräuchlich. 217; dasz er dem kaiser und des röm. reichs freiheiten zuwider den herzogen von Florenz, nie präuchlicher weis zum groszherzogen gemacht. bienenk. 132b; gelt einnemen wird dis jahr für den reichthumb bräuchlicher sein und mehr im brauch schweben, dann das ausgeben. groszm. 125; wie breuchlich war. Opitz 1, 5a;

ein rinderner verstand und kälberne geberden,
dabei ein wölfisch sinn sind bräuchlich jetzt auf erden.
Logau 1, 5, 53;

wie ehemals zu Rom bräuchlich gewesen. Zinkgr. 31, 12; sitten und ceremonien, so an einem ort bräuchlich, soll man halten. Lehmann 131; nun muste der dienst, wie bräuchlich, zu hofe gesucht werden. colica 177; dasz von unterschiedenen thürmen, wie des morgens umb drei uhr bräuchlich ist, geblasen werde. Schuppius 90;

herr, das ist also bräuchlich bei den schützen.
Schiller 538b.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bräuchlichkeit, f. consuetudo, was brauch, angewöhnung: eines anständigen gesicherten einkommens ohne sorge zu genieszen, dagegen aber auch nicht das geringste von den bisherigen bräuchlichkeiten fahren zu lassen. Göthe 22, 75.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brauchsam, aptus, diensam: es müste aber dise bildnus die namen der bchstaben so eigentlich in irem geschrei (laut) oder andrer anzeigung geben, das einem ieden menschen so gmein und brauchsam were, das er darin nit irren kündt. Ickelsamer B 7a (C 2); das man durch die ganz Türkei dise zungen redt und vor andern brauchsam ist. Frank weltb. 31a; warz brauchsam. 101a; grosze, hohe, fürschreitige, doch brauchsame leut. 235a; zu der säligkeit brauchsam und nutz. heilosigk. 73; kaum ein tier mer brauchsam als der esel. 83.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brauchsam, apte, utiliter: Erasmus hat sprüchwörter brauchsam zsamen tragen. Frank chron. 390b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brauchung, f. usus, gebrauch, anwendung: die kind künnen das nit brauchen, denn sie haben nit brauchung der vernunft. Keisersb. s. d. m. 16b; brauchung der barmherzigkeit. Bocc. 1, 77b; nach kurzer brauchung. Schwarzenb. 153, 1; ein platz zu der schanz sampt dem groszen geschütz mit seiner brauchung. Fronsp. 1, 44a; brauchung der salben. Butschky Patm. 296.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brauchvieh, n. im haushalt nutzbares vieh: wir erben sie nur gar zu oft in einem zustand wie vieh, das man mit hunden und jägern zusammentreiben musz, wenn man auch nur erträglich gutes stall- und brauchvieh aus ihnen machen will. Pestalozzi Lienhard und G. 3, 141.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
braue, f. supercilium. die älteren und urverwandten formen wurden schon 1, 788. 804 bei den üblicheren zusammensetzungen augbraue, augenbran, augenbraune angegeben. das einfache wort verwenden ältere und neuere:

der stier starzt seine brawen,
und gab im noch ein stich.
Halbsuter bei
Wackernagel 926;

alle wimpern umher und die brauen ihm sengte die lohe.
Voss Od. 9, 389;

das schwarze schelmenaug dadrein,
die schwarze braue drauf.
Göthe 1, 19;

und wie es (das land) dar sich seinen augen stellt,
verfügt er drüber mit dem wink der brauen.
Rückert 237;

wer ist sie, die so bedenklich über den augen die stirne erhebt, tiefes nachdenken auf den brauen andeutet? Göthe 39, 38. heute steht der unterschied fest zwischen brauen und wimpern, doch wie im letzten wort selbst windbraue liegt, bezeichnete sonst auch das einfache die wimper, palpebra, z. b. wenn es in Forers thierb. 19a heiszt: den augliden, so die brawen ausgefallen, ist bärenschmalz gut. vgl. braune.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: