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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bratwurstieren bis brauchbar (Bd. 2, Sp. 313 bis 315)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bratwurstieren, was wittern, spüren, braten riechen: ich bratwurstiere wider betrügerei. Weise Isaacs opf. 5, 7.
 
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bratwurstmaul, n. os tumidum.
 
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bratwurstscherer, m. ein schimpfwort: du bratwurstscherer! Jucund. 123.
 
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bratze, f. tatze, vom bären u. s. w. auf die menschenhand übertragen: wolriechende handschuh tragen und darinnen krätzige bratzen. Abr. a s. Cl. 1, 90;

beim anblick dieser bestien wird auch der kühneste verstummen,
man stutzt, man hält sich in gefahr, die schwere bratzen regen sich.
Brockes 6, 235;

an seiner (des tigers) schweren bratzen sich ängstlich spreizendem
gewühle. 7, 414;

das wäre wol ewig schade, wenn ein so hübscher junger herr einem solchen meerkalb in den bratzen liegen sollte. Wieland 11, 131; in eben dem augenblicke, da er sich mit grauenvollem ekel aus den bratzen der zwergin losreiszen wollte. 12, 288.
 
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bratzeln, crepitare, was brasseln und brasteln: so wirt das schmalz pratzeln und sieden. reib die pfann oft umb, das das schmalz pratzelt und popelt vom sieden. kuchenmeist. cap. 5; wenn der salpeter aber pratzlet und wallet uber sich, als das salz in dem fewer. Fronsp. kriegsb. 2, 212a; er macht ein bratzeln, wie ein lorbeerzweig im fewr. Spangenb. lustg. 586.
 
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brau, m. was bierbrau (bei Schm. 1, 243 bräu f.):

(poltergeist), durch den der brau misräth
(and sometime makes the drink to bear no barm).
Schlegel im sommernachtstr. 2, 1.


 
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brauacker, m. grundstück, auf dem die braugerechtigkeit ruht: ein groszes haus nebst brauäckern. Felsenb. 2, 429.
 
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brauberechtigt.
 
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braubottich, m. cupa ad coquendam cerevisiam necessaria.
 
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brauch, m. usus, mos, ahd. prûh, nur einmal bei N. (Graff 3, 281), mhd. gar nicht erscheinend, nhd. haben es Dasypodius 308a, Maaler 76a.b, Henisch 481, auch die schriftsteller allenthalben. nnl. kein bruik, doch gebruik; altn. brûk, schw. bruk, dän. brug häufig. zwei bedeutungen:
1) usus, utilitas, die anwendung, verwendung einer sache zu ihrem zweck, ihr nutze, wofür heute gebrauch, verbrauch vorgezogen wird: und ein töpfer, der den weichen thon mit mühe arbeitet, machet allerlei gefäsz zu unserm brauch. weish. Sal. 15, 7; die männer haben verlassen den natürlichen brauch des weibes, τὴν φυσικὴν χρῆσιν. Röm. 1, 27; wer aber weisz den gemeinen brauch der schrift. Luther 3, 80; wenn man gegen einander helt den misbrauch des sacraments, gegen den rechten christlichen und evangelischen brauch, den Christus eingesetzt hat. 3, 156b; die wort haben zweierlei brauch. 3, 229b; die hand dazu thun und mit öffentlichem brauch ins werk bringen. 3, 269b; David redet nicht von der creatur an ir selbs, sondern von dem brauch der creatur. 3, 299; in solchem brauch sind sie nichts. 3, 299; dreck hat seinen brauch, aber das er solt gott gleich sein, das ist nichts.

[Bd. 2, Sp. 314]


2, 300; wie der brauch itzt gehet und stehet. 3, 326b; das niemand weisz, wenn und durch wen der éiner gestalt brauch ist eingerissen. 3, 516; umb solchen hinlässigen brauch des schwerts. br. 2, 541; wolten uns doch die papisten zu Augsburg lassen beider gestalt brauch recht sein, wo wir hetten widerumb lassen éiner gestalt brauch auch recht sein. 6, 18a; gott sei lob und dank, das ich die zeit erlebt habe zu sehen den reinen christlichen brauch des heiligen sacraments. 6, 103a; und nemen entweder das natürliche wesen der taufe oder je den rechten brauch derselben hinweg. 6, 296b; die kinder haben nit vernunft noch derselben brauch. tischr. 291a; aus dem brauch heben, antiquare, aus dem brauch kommen, obsolere. Dasypodius 308a; also hab ich den brauch, mihi sic est usus. Maaler 76b; im brauch sein, in usu esse; korn dient zum brauch und nutz der menschen. 76c; ein reicher bawer der hatte gar ein groszen brauch (bedarf) von knechten und mägden. Wickram rollw. 76b;

ich ler des gsatzes rechten bruch. trag. Joh. B 5;

das gelt hat kein brauch bei ihnen. Frank weltb. 143b; den brauch sollicher verzeichnissen werden wir wol sehen hernach in sonderlichen exempeln. Mich. Stifel 62; dasz die mess sehr alt seie, dieweil sie zu Vergilii zeiten albereit im brauch war. bienenk. 73a; drumb ligt es als nur an dem brauch, wies einer genieszt. Ismenius vorb. 225;

du weist den rechten brauch von beider medizin.
Fleming 85;

schau alle mittel an,
durch welcher brauch ein mensch zurechte kommen kan.
Opitz;

waffen und ihr brauch.
Logau 1, 1, 4;

jedoch woll einsamkeit zur einigkeit nicht kommen,
noch eures lebens brauch euch eher sein benommen,
bis dasz sich denn zur zeit die süsze zeit erweist,
die eltervater euch und eltermutter heiszt. 1, 1, 17;

weiland war die lieb ein feuer, wärmen war ihr nützer brauch. 2, 4, 48;

wer hofegunst geneust und nimmt taback in brauch,
dem bleibt zum meisten asch, und das er neuszt ist rauch. 2, 5, 65;

und dann die kirchengüter widerumb in ihren rechten brauch gebracht werden. Schuppius 384; und ohne allen brauch angebotener medicamente dahin stirbt. Leipz. avant. 1, 14;

warum, wozu das ungeheure ros?
wer gab es an? warum so riesengrosz?
zu welchem brauch? sprich, welchem gott zu ehren?
Schiller 30a.

man sagt noch, ich weisz nicht den rechten brauch davon; die schuhe sind noch in brauch, doch lieber gebrauch.
2) mos, aus langer, wiederholter übung entspringt gewohnheit, die tägliche und allgemeine anwendung wird zur sitte und weise: da sind für augen unser brauch und weise in unsern kirchen. Luther 6, 19a; es ist nit mein brauch, non est meae consuetudinis. Maaler 76b;

begert die land all z erspähen,
ir breuch und gattung zu ersähen.
Wickram bilg. 65;

er hett auch ein brauch an im. rollw. 58; hat wenig von weltlichem brauch erfahren. 82; nach gemeinem brauch. 82b; blinde, die mit dem brauch ümgehen. exp. in truphis cap. 11; man sihet ja die practik dises stucks in täglichem prauch. bienenk. 17a; nach dem prauch der kühe in Schweizerland, da geht die erste, so aus dem stall für den hirten kommt, vor und die letzten folgen nach. 22a; dasz wir ire präuch und ordinanzen einem binenkorb vergleichen. 235a;

aber wo aus der art man schlägt
und täglich newe bräuch erregt. gl. schif 158;

nach andrer wasservögel brauch. ganskönig F 3;

und helts gleich mit dem gmeinen brauch. H 5;

wir wollens bei den alten bräuchen bleiben lassen. Kirchhof wendunm. 393b; in feldzügen den brauch gehabt. mil. disc. 218;

die liebe hält den brauch,
theilt herz und sinn mit dem, an den sie ist verbunden.
Fleming 127;

eines morgens schaut ich gehen
Phyllis vor den rosenstrauch,
da sie nach gewohntem brauch
seine zierden sahe stehen.
Logau 1, 1, 15;

der schlaf hat diesen brauch, dasz ihn nicht sehen kan
wer siht, und dasz ihn der, der nicht siht, sihet an. 1, 5, 96;

die besatzung in dem haupte, die besatzung in dem bauche,
die vernunft und die begierden, haben immer krieg im brauche. 2, zug. 11;

[Bd. 2, Sp. 315]



Gulo hat gedärm im kopf und gehirn im bauche,
dann zu sorgen für den bauch hat er stets im brauche. 3, zug. 84;

sie weisz, dasz der, dem land und reich zu dienste stehen,
nicht stets könn auf der bahn gemeiner bräuche gehen.
Gryphius 1, 426;

dasz mich ein teutscher reuter vor einen jungen mitnahm, bei dem ich der pferde warten und fouragieren, das ist stehlen helfen sollte, ich nennete mich Janco und konte ziemlich teutsch lallen, aber ich liesze michs aller Böhmen brauch nach drumb nicht merken. Simpl. 2, 121; ich hab zwar oft gewünscht, es sollte der brauch sein, wann ein alter mann ein junges weibsbild zur wittib macht und dannoch, so viel an ihm ist, ihr die jungfrauschaft noch lassen, dasz sie nach seinem tod dessen sohn heiraten sollte. 2, 258; doch ist es der alten väter brauch. Weise erzn. 323;

vor diesem war es brauch, dasz man die bauren schur,
jetzt aber pfeift es schon aus einem andern loche.
Günther 1023;

ein junges nönnchen war dem alten brauch gewogen,
und sagt ich liebe nicht dergleichen neuerung.
Hagedorn 2, 149;

komm o frölichkeit und fülle
unsre gläser an nach altem brauch.
Gökingk 1, 61;

schon kommt, nach liebem brauch, ein trupp
visiten angezogen.
Gotter 1, 94;

Sibylle war so eine mutter
nach altem brauch. 1, 151;

wissen viel, was der brauch ist im krieg.
Schiller 326a;

ein tiefer sinn wohnt in den alten bräuchen. 413a;

das röslein hat gar stolzen brauch
und strebet immer nach oben.
Göthe 1, 190;

begeht den alten heilgen brauch
allvater dort zu loben. 1, 232;

und raubt man uns den alten brauch,
dein licht wer will es rauben? 1, 235;

die fromme blutgier löst den alten brauch
von seinen fesseln los. 9, 36;

o weiser brauch der alten! 9, 320;

er wedelt, alles hunde brauch. 12, 63;

das ist ein allgemeiner brauch. 12, 145;

das ist des landes nicht der brauch. 12, 152;

es ist ein alter brauch,
so weit die sonne scheint, so weit erwärmt sie auch. ...

auch in diesem sinn kann gebrauch stehen, das einfache brauch klingt aber edler.
 
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brauchbar, utilis, aptus, nützlich, nutzbar, dienlich, diensam, bequem, anwendbar, deren jedes doch seine bestimmten bezüge hat. es heiszt ein brauchbarer mensch, diener, die schuhe sind noch brauchbar, können noch gebraucht werden, das buch enthält viel brauchbares und nützliches. aber eine nützliche einrichtung ist mehr als eine brauchbare, dieser mann ist dem ganzen lande nützlich, heilsam. das nutzbare land, nutzbare eigenthum, vom schwein ist alles nutzbar, kann alles genutzt werden. eine diensame, heilsame arznei, eine anwendbare regel, der grundsatz ist hier nicht anwendbar, leidet keine anwendung. für brauchbar hatte die alte sprache das schönere, einfache goth. brûks, ahd. prûchi, ags. brŷce. nnl. bruikbar.

 

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