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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bratbirn bis bratenfeuer (Bd. 2, Sp. 309 bis 311)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bratbirn, f. auch bregelbirn, fregelbirn. Henisch 480, 10. 1199, 8.
 
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bratbock, m. gestell zum auflegen des bratspieszes, dän. bradebuk.
 
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brätchen, n. kleiner brate:

ein speisetischchen
täglich bietend wein und brot,
auch wol brätchen oder fischchen.
Bürger 83b.


 
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brate, m. caro assa, ahd. prâto (Graff 3, 284), mhd. brâte (Ben. 1, 233b), den übrigen deutschen sprachen fehlend, nnl. sagt man dafür gebraad.
1) gilt von allem eszbaren fleisch: rindsbrate, kalbsbrate, hammelsbrate, rehbrate, und die einzelnen stücke unterscheidend, lendenbrate, nierenbrate, rippenbrate; es heiszt aber nicht apfelbrate, fischbrate, sondern bratapfel, bratfisch. wir essen heute mittag braten; der brate hat genug gebraten; er brät einen braten und settiget sich. Es. 44, 16; den braten spicken, mit fett beträufen; man hielt in der küche einen jungen, den braten zu wenden, am spiesze zu drehen: mitten in diesem elend wande ich braten. Simpl. 1, 20; den braten anstecken mahnt ans altn. steikja, schw. steka, dän. stege assare:

steck an den schweinen praten,
dazu die hüner jung,
darauf wird mir geraten
ein guter frischer trunk. Garg. 95b;

wär ich daheim pei meines vaters stalle,
so hätt ich wol ain praten aus ainem kalbe. fastn. sp. 436, 22;

tht ers, ich schenk im ein schweinin braten.
Murner luth. narr 907.


2) redensarten:

sitzen am tisch, verschlafen den braten. froschmeus. L 5a;

also verlor ich den braten (unterlag ich in der sache). Jucundissimus 178; ein guter brate, guter fang;

nur frisch, mein liebchen!
deine hand und guten mut,
so ist der braten unser!
Göthe 11, 133,

so haben wir gewonnen. weil ein bratengeruch aus der küche durch das ganze haus dringt, so heiszt den braten riechen, schmecken, merken einen anschlag merken, vgl. DWB lunte riechen: ei lieber, reuchstu den braten? Luther 4, 405a; das höret der bapst gern, das ich sage, er solle sein was er wil, das er aber das evangelium seiner pflicht nach solle frei und rein lassen gehen, dazu auch fördern, das höret er nicht gern, denn er reuchet meuse und schmeckt den braten wol, sorget er künde damit nicht bapst bleiben. 6, 359b; er musz freilich keinen schnuppen haben, der solchen braten riechen kan. 8, 6b;

schmack den praten oder nit.
Murners schelmenz. cap. 18;

aber sie kamen nit und hetten, als wol zu gedenken, wie man sagt, den braten geschmäckt. Götz von B. leben 18; die haben den braten geschmeckt und (sind) ausgerissen. Schärtlins leben 335;

mich dunkt ich schmack den rechten braten,
ich hoff, mir soll ein beut geraten. zug wider den Türken a 2a;

noch schmeck ich den versalzen praten.
H. Sachs I, 517a;

ich merkt den braten, ehe mir der geruch fur die nasen kam. Alberus wider Witzeln K 6a; die h. römische kirche, die den braten zeitlich gschmackt, habs für ketzerisch gestraft und verdampt. bienenk. 10b;

ander patrioten
rochen die braten.
Soltau 486 (a. 1631);

ich merkte aber den braten einigermaszen. Felsenb. 2, 107; meine gemahlin hätte um ein haar den braten gerochen. ehe eines mannes 418;

sie merkten also wol den braten?
und haben ihn gar dem papa verraten?
Lessing 1, 117;

nur weiter, ich rieche den braten schon. Schiller 127b; vielleicht hat er den braten gerochen, denn selten, dasz er mit schnuppen behaft ist, und ist einen andern weg gezogen. Göthe 42, 4;

[Bd. 2, Sp. 310]


der wahre schmecker,
der tellerlecker,
er riecht den braten,
er ahnet fische. 41, 31.

man sagt auch es ist ein magerer brate, davon nichts tropft.
3) brate steht aber auch wie brat für das rohe fleisch:

der pförtner thet mir dbraten schmieren,
der weinschenk schlug mich an den thüren.
Joh. Römold chr. spiel G 5a.


 
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bräteln, paulum assare, fumare, nachbraten:

als nun gar es gebraten, da trug ers hin vor Odysseus
brätelnd noch an den spieszen.
Voss Od. 14, 77;

einige kalt nach der regel und einige brätelnd auf marmor. werke 2, 220.


 
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braten , assare, torrere, ahd. prâtan priat, mhd. brâten briet, nnl. braden bried und braadte, ags. brædan brædde (was sich mit brædan brædde, dilatare, unserm breiten mischt). altn. brâða bedeutet pice illinere, pichen. abgesehn vom auslautenden T stimmt unser brägeln, bregeln, das lat. frigere, gr. φρύγειν, ir. bruighim und skr. bhraǵǵ (Bopp 252a), welchen vielleicht unser backen durch eingeschaltetes R näher rückt. entweder ist eine fortbildende lingualis zugetreten und die gutturalis weggefallen, braten f. brakten, oder K und T haben getauscht braten für braken? zwar bedeutet brat auch das ungebratene fleisch, doch kann die vorstellung zum grund liegen, dasz es für das braten bestimmt ist. πρήθειν entflammen und anblasen scheint verschieden. man musz aber auch bradem, vapor in erwägung ziehen.
1) transitiv, wo einige das praet. bratete bilden. braten assare, torrere steht dem sieden coquere gegenüber: er ist weder zu sieden noch zu braten. Keisersb. omeis 11c; dann sudet man die eier, dan brat man sie. s. d. m. 4b;

darumb ich mir nit wünschen wölt
ewer (gen.) gesotten oder praten.
H. Sachs I, 515a,

ich mag dich nicht weder gesotten noch gebraten; die sein (des ehmanns) sparhäflin sei, sein fewr im winter, das mit gesottens und gebratens umbgeben ist. Garg. 69b; allerlei auswürflinge, die in der welt weder zu sieden noch zu braten taugen. Simpl. 1, 187; er dient weder zu sieden noch zu braten. Weise Floretto 46. und solt also fleisch essen in derselben nacht am fewr gebraten. 2 Mos. 12, 8; ir solts nicht roh essen, noch mit wasser gesotten, sondern am fewr gebraten. 12, 9; gib mir das fleisch dem priester zu braten. 1 Sam. 2, 15; er brät einen braten und settiget sich. Es. 44, 16; und hab auf den kolen brot gebacken und fleisch gebraten. 44, 19; und etliche stuck vom fisch brieten sie. Tob. 6, 7; hett ein hanen abgenummen und gebraten. Keisersb. s. d. m. 19b; an dem feuer, woran der rohe naturmensch seine fische bratete. Schiller 691;

brieten sodann vorsichtig und zogen es alles herunter
Voss Od. 14, 431;

fische und eier werden am feuer und in der pfanne gebraten:

(die haut) spielt er mit dem swert enzwei,
als eʒ wære ein gebrâten ei. krone 15169;

dâ lac ein ei gebrâten.
Haupt 7, 368;

auch äpfel und birnen, man sagt, er kann mehr als birnen braten:

hascha drauf wöllen wirs wagen,
wie Steffel Fätinger thut sagen,
weil er mehr kan als bieren braten.
der bäpstlich gott helf den soldaten. Fadingerlied von 1626 in
Görres hist. pol. bl. 33, 951;

haben wir den vogel nit, so braten wir das nest. Fischart bienenk. 133a; als du kanst dein narung mit deiner arbeit gewinnen und wilt hinder dem ofen sitzen, bisz dir ein gebrotene tub in das mul flüget. Keisersb. s. d. m. 41b;

wer es begert, thut auf sein mund,
ein gebratne taub kompt im ze stunt.
Zarnckes Brant cxxiia;

man brät nicht allen gleiche hering. Lehmann 23. auch von menschen, die den feuertod erleiden, gilt braten: der herr thu dir wie Zedekia und Ahab, welche der könig zu Babel auf fewr braten liesz. Jer. 29, 12; als er nun so zerstümmelt war, liesz er ihn zum fewr füren und in der pfanne braten. 2 Macc. 7, 5; der herzog liesz die ketzer braten;

aber da, wo menschen menschen braten,
weil sie andres glaubens sind als du.
Gökingk 3, 109.


2) intransitiv, der apfel brät (pfeift) im ofen, nnl. de appelen braden reeds, die fische braten in der pfanne, die sünder in der hölle:

und mst ümb deinen falschen trost
dort praten auf der hölle rost.
Schwarzenberg 141, 1;

[Bd. 2, Sp. 311]



so machen wir uns mut und kraft,
und mit dem schwarzen brüderschaft,
der in der hölle bratet.
Schiller 133a;

auch läszt sich wahrheit nicht so leicht verjagen:
Johannes Husz und andre ketzer brieten,
ihr wort jedoch erklang von ort zu orte.
Platen 322;

die unabsehbare reihe dieser bepackten geschöpfe, hinter denen man schleichen und in der herankommenden sonne zwischen felsen braten sollte. Göthe 23, 49; wir braten hier vor hitze.
Man sagt, es brät etwas, es ist etwas im werk, wird etwas böses angestiftet: wuich, ich habe gehöret, es sol ja was braten, mein vater, der alte geck hat seine gelarten zu sich bescheiden, da werden sie vielleicht eine glocken uber mich gieszen wollen. trag. Hichadbel von einem ungeratenen sohn. Wolfenb. 1594 A 2.
 
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braten, m. vapor, für bradem, brodem, auch begegnet fraten (wie fregeln für bregeln): sie solten sie nun aus dem bette heben und mit denen füszen auf die schindel setzen, dasz der braten von dem wasser ihr an den leib gienge. Ettners unw. doct. 100.
 
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bratenbrühe, f. sauce.
 
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bratenbrühnapf, m. unbeholfen für saucière.
 
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bratenfett, n., das aus dem braten trieft, auch bratfett, nnl. braadvet.
 
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bratenfeuer, n., wie es der brate fordert.

 

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