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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brast bis bräteln (Bd. 2, Sp. 308 bis 310)
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[Bd. 2, Sp. 308]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brast, m. aerumna, cura, schwerer kummer und sorge, scheint bald aus dem begrif des mangels und entbehrens, bald aus dem des krachens und seufzens, bald der last und menge hervorgegangen. Maaler und Henisch haben diese bedeutung nicht, zuerst hat sie Stieler 237. durch schwermut und brast gestorben. Kirchhof wendunm. 300b; inmittelst wollten ew. gn. deroselben väterliches gemüt meinetwegen gnädig zufrieden stellen und ihro keinen brast zu ziehen. schreiben landgr. Wilhelms an Moritz, jan. 1627 bei Rommel 7, 672;

blies aller bläste brast auf unsre häupter los.
von Birken Guelfis 27;

wenn ein kummerherz den brast
nit kan lassen aus. 332;

dieser abend soll ein schlusz meines brastes, ein finis aerumnarum, und ein anfang vollkommenes gaudii sein. ped. schulfuchs 237;

der hohen felsen last
erschüttert sein dardurch mit erschröcklichem prast (fragore).
Schottelius lament.

ich kan für herzen prast kaum aus dem staube mumlen. das.;

mit herzen prast, mit quelen. das.;

das must dem könig ein groszer brast, ein groszes herzleid gewesen sein. Schuppius 124. noch heute: das ist mir ein rechter brast, ein wahrer herzensbrast, und mit unrecht enthalten sich neuere schriftsteller des kräftigen ausdrucks, den auch Stalder 1, 218 hat. s. DWB brasten.
 
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brasteln, crepitare, ags. brastlian, mhd. brasteln, zumal von brennenden dörnern, wie noch heute prasseln, Schm. 1, 266: brastelonder wite, prasselndes holz;

brasteln unde krachen
hôrte er vil vor ime dâ,
dar under enzunte sich sâ
ein ze mâle grôʒeʒ viure. krone 27401;

ein tumbe brastelt in sîme zorn,
als underm haven rösche dorn. Renner 13980;

nhd. als die dorn brastelent under dem feuer, also das lachen ist ein bott der torheit. Keisersb. s. d. m. 54a; das hab ich oft erfaren, das bei den zornigen zu wonen geleich ein sollich ding ist, als wann ein wetterstral daher brastlet, ist wol ein grausams ding, gehet aber bald dohin. Wirsung Cal. L 4b;

als ich dem prünlein nahen kam,
ein groszes prastlen ich vernam.
H. Sachs I, 538d;

hört zu wie sie prastlen und krachen. III. 1, 230c;

ein grausam starker sturmewind,
der stiesz an die vier eck geschwind,
das das haus mit brastlen und knalln
zu grunde gar ist eingefalln. II. 1, 5a,

wo der spätere druck 3a prastlen schreibt;

darz ists auch ein grober sitt,
ein brastlen mit der nas zu machen,
das mans im ganzen haus hör krachen.
Scheit grob. B 1a;

sein red prastelt als wann ein gewelb einfelt. Frank sprichw. 1, 15a. spätere ziehen vor prasseln, vgl. DWB bresten und DWB gebrästel.
 
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brasten ,
1) crepare, prasten. voc. 1482 z 5b. ahd. prastôn (Graff 3, 274).
2) sich brasten, sich brästen, maerere, sollicitum esse, reddi: darumb brastet er sich und thet ein gebet, dasz er starb. Helvicus 1, 122;

so bräste dich nicht drob, und wiltu haben brast,
so bräste dich, dasz du den eid gebrochen hast.
Werders Ar. 1, 27;

fasz hier dich erstlich wol, eh ich in wald dich bringe,
damit der wankelmut dich nicht nachher bezwinge,
und das hernachmal dich dein lebelang es präst,
als du aus schlimmigkeit den zaubrer leben lest. 13, 51.


 
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brat, n. bair. schweiz. brät, pl. bräter, pulpa, caro, das weiche fleisch, ahd. prât (Graff 3, 284), mhd. brât (Ben. 1, 233), altn. brâð pinguedo und esca, die vorstellung des bratens scheint nicht darin zu liegen, vgl. ir. bruith caro.
1) das eszbare fleisch der thiere und fische, vgl. wildbrät; brät, schweinfleisch, im gegensatz zum speck. Stald. 1, 218; um Johannis ist er (der scheiden) am besten, hat ein fettes und gutes brät. Hohberg 2, 513b; sein (des hausen) brät vom rucken schmäcket wie ein kälbernes, vom bauch aber wie ein schweinen fleisch. 2, 524a; seud das ingereusch und die prett, hack es klein. küchenmeist. b 8.
2) das weiche fleisch am menschen, namentlich der hintere, die schenkel und waden: die lutherischen werber haben mich herplescht jämmerlich, bist nit gweiht dahinten habns gsagt,

[Bd. 2, Sp. 309]


und hinein ghaut ins brat. Buchers kinderlehre 54. Henisch 478, 67.
3) pulpa pomorum, das brat, fleisch der äpfel und birnen.
4) carnosum in arbore, das brät oder kalb im holz. Schm. 1, 268.
 
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brataal, m. anguilla assa.
 
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bratapfel, m. pomum assum, nnl. braadappel.
 
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bratbirn, f. auch bregelbirn, fregelbirn. Henisch 480, 10. 1199, 8.
 
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bratbock, m. gestell zum auflegen des bratspieszes, dän. bradebuk.
 
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brätchen, n. kleiner brate:

ein speisetischchen
täglich bietend wein und brot,
auch wol brätchen oder fischchen.
Bürger 83b.


 
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brate, m. caro assa, ahd. prâto (Graff 3, 284), mhd. brâte (Ben. 1, 233b), den übrigen deutschen sprachen fehlend, nnl. sagt man dafür gebraad.
1) gilt von allem eszbaren fleisch: rindsbrate, kalbsbrate, hammelsbrate, rehbrate, und die einzelnen stücke unterscheidend, lendenbrate, nierenbrate, rippenbrate; es heiszt aber nicht apfelbrate, fischbrate, sondern bratapfel, bratfisch. wir essen heute mittag braten; der brate hat genug gebraten; er brät einen braten und settiget sich. Es. 44, 16; den braten spicken, mit fett beträufen; man hielt in der küche einen jungen, den braten zu wenden, am spiesze zu drehen: mitten in diesem elend wande ich braten. Simpl. 1, 20; den braten anstecken mahnt ans altn. steikja, schw. steka, dän. stege assare:

steck an den schweinen praten,
dazu die hüner jung,
darauf wird mir geraten
ein guter frischer trunk. Garg. 95b;

wär ich daheim pei meines vaters stalle,
so hätt ich wol ain praten aus ainem kalbe. fastn. sp. 436, 22;

tht ers, ich schenk im ein schweinin braten.
Murner luth. narr 907.


2) redensarten:

sitzen am tisch, verschlafen den braten. froschmeus. L 5a;

also verlor ich den braten (unterlag ich in der sache). Jucundissimus 178; ein guter brate, guter fang;

nur frisch, mein liebchen!
deine hand und guten mut,
so ist der braten unser!
Göthe 11, 133,

so haben wir gewonnen. weil ein bratengeruch aus der küche durch das ganze haus dringt, so heiszt den braten riechen, schmecken, merken einen anschlag merken, vgl. DWB lunte riechen: ei lieber, reuchstu den braten? Luther 4, 405a; das höret der bapst gern, das ich sage, er solle sein was er wil, das er aber das evangelium seiner pflicht nach solle frei und rein lassen gehen, dazu auch fördern, das höret er nicht gern, denn er reuchet meuse und schmeckt den braten wol, sorget er künde damit nicht bapst bleiben. 6, 359b; er musz freilich keinen schnuppen haben, der solchen braten riechen kan. 8, 6b;

schmack den praten oder nit.
Murners schelmenz. cap. 18;

aber sie kamen nit und hetten, als wol zu gedenken, wie man sagt, den braten geschmäckt. Götz von B. leben 18; die haben den braten geschmeckt und (sind) ausgerissen. Schärtlins leben 335;

mich dunkt ich schmack den rechten braten,
ich hoff, mir soll ein beut geraten. zug wider den Türken a 2a;

noch schmeck ich den versalzen praten.
H. Sachs I, 517a;

ich merkt den braten, ehe mir der geruch fur die nasen kam. Alberus wider Witzeln K 6a; die h. römische kirche, die den braten zeitlich gschmackt, habs für ketzerisch gestraft und verdampt. bienenk. 10b;

ander patrioten
rochen die braten.
Soltau 486 (a. 1631);

ich merkte aber den braten einigermaszen. Felsenb. 2, 107; meine gemahlin hätte um ein haar den braten gerochen. ehe eines mannes 418;

sie merkten also wol den braten?
und haben ihn gar dem papa verraten?
Lessing 1, 117;

nur weiter, ich rieche den braten schon. Schiller 127b; vielleicht hat er den braten gerochen, denn selten, dasz er mit schnuppen behaft ist, und ist einen andern weg gezogen. Göthe 42, 4;

[Bd. 2, Sp. 310]


der wahre schmecker,
der tellerlecker,
er riecht den braten,
er ahnet fische. 41, 31.

man sagt auch es ist ein magerer brate, davon nichts tropft.
3) brate steht aber auch wie brat für das rohe fleisch:

der pförtner thet mir dbraten schmieren,
der weinschenk schlug mich an den thüren.
Joh. Römold chr. spiel G 5a.


 
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bräteln, paulum assare, fumare, nachbraten:

als nun gar es gebraten, da trug ers hin vor Odysseus
brätelnd noch an den spieszen.
Voss Od. 14, 77;

einige kalt nach der regel und einige brätelnd auf marmor. werke 2, 220.

 

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