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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brassen bis bratapfel (Bd. 2, Sp. 307 bis 309)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brassen, prassen, heluari, schlemmen und demmen, schwelgen, nnl. brassen, bei Dasypodius 307d und Henisch 478, 9 noch brassen geschrieben: sitze nicht bei eines andern weib und herze dich nicht mit ir und prasse nicht mit ir. Sir. 9, 12; denn die heiden schwelgeten und prasseten im tempel. 2 Macc. 6, 4; und zog ferne uber land und daselbst bracht er sein gut umb mit prassen. Luc. 15, 13; dise unfläter prassen von euren almosen one scheu. Judä 12; niemands wolt nicht geben und doch prassen, saufen, kleiden und müszig gehen. Luther 3, 146; nicht das sie drauf prassen und prangen. 327;

in sünden haben si geprast.
Schwarzenberg 101, 2;

hab ich mein hab und gt verthan
mit blen, prassen. 144, 1;

die prasten gt kapaunen. Frank chron. 222b; der trunkenheit täglichem prassen und vollsein nicht ergeben. Kirchhof mil. disc. 92;

bisz der könig mit groszem prassen
sprang auf die hausthür nach der gassen. froschm. 1, 2, 2;

hat sein erbtail verprasset gar.
Schmelzl verl. sohn 25b;

des hoflebens pracht und prassen.
Weckherlin 577;

schwelgen und prassen. Pierot 2, 108;

sehen sie, sie prassen
von ihres mündels anvertrautem gut.
Schiller 251b;

wir haben uns feste hier oben erlaubt.
und weil wir dich weit in der ferne geglaubt,
so dachten wir eben zu prassen.
Göthe 1, 196;

und es prasten bei uns die obern und raubten im groszen,
und es raubten und prasten bis zu dem kleinsten die kleinen. 40, 291;

sagt eurem herrn, der frölich prast,
dasz er den reigen meide.
Platen 1;

goldner, herziger derwisch, der du unsre häuser mit fremden füllst, die in erwartung des todes und ihrer auferweckung uns fetter und reicher prassen. Klingers theater 3, 111.
Das nnl. brassen bedeutet auszerdem die segel stellen, de zeilen aanhalen. danach:

die ebbe widerstund uns auch,
wir musten dann die segel brassen
und unsre anker fallen lassen.
Brockes 8, 186.


 
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brasser, prasser, m. heluo: sei nicht ein prasser. Sir. 18, 33; die pfaffen fresser, brasser, hurentreiber. Luther 3, 517b; nach der vollen prasser manier. Kirchhof wendunm. 142a;

Marx der prasser,
der keinen tag kont nüchtern sein.
Weckherlin 818;

verlange keinen schwärmer und prasser. Salinde 163;

er asz kein fleisch, er trank nicht wein,
liesz wurzeln seine nahrung sein
und seinen trank das helle wasser,
bei allem appetit kein prasser.
Lessing 1, 113;

mit fremdem gut ist leicht ein prasser sein.
Platen 207.


 
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brasserei, f. heluatio: wo sie von einer prasserei, oder da die braten zischen sollen hören. Kirchhof wendunm. 212b; seine vorige prasserei durch gesparsamkeit wieder herein zu bringen. Abele 4, 244.
 
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brast, ablaut von bresten, gebrechen, mangeln, z. b. wenn im luft brast, so weiget er mit dem wadel luft und wind z dem mul z. Keisersb. brösamlin 83c; es was ein priester, der hett an dem rechten zu schaffen und im brast ein zeuge. schimpf und ernst 1550, 78d.
 
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brast, m. fragor, strepitus von bresten, bersten: prast eins pawms. voc. 1482 z 5b. geht über in die vorstellung von geräusch, lärm. menge, plunder. Schmeller 1, 266:

so wie ich prophezeit, so ist es auch ergangen.
was hilft ihr aller prast von kleidern, perl und spangen,
wenn kein geruhig herz davon genieszen kan?
Günther 694;

in diesem sinn sagt auch Lessing: und nun noch ein paar anmerkungen, die ungefehr eben so wichtig sind, als der ganze brast, mit dem ich diesen brief voll gepfropfet habe. 8, 168. es kann aber auch mit zugefügtem T das vorausgehende bras sein, welchem dieselbe bedeutung zusteht.

[Bd. 2, Sp. 308]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brast, m. aerumna, cura, schwerer kummer und sorge, scheint bald aus dem begrif des mangels und entbehrens, bald aus dem des krachens und seufzens, bald der last und menge hervorgegangen. Maaler und Henisch haben diese bedeutung nicht, zuerst hat sie Stieler 237. durch schwermut und brast gestorben. Kirchhof wendunm. 300b; inmittelst wollten ew. gn. deroselben väterliches gemüt meinetwegen gnädig zufrieden stellen und ihro keinen brast zu ziehen. schreiben landgr. Wilhelms an Moritz, jan. 1627 bei Rommel 7, 672;

blies aller bläste brast auf unsre häupter los.
von Birken Guelfis 27;

wenn ein kummerherz den brast
nit kan lassen aus. 332;

dieser abend soll ein schlusz meines brastes, ein finis aerumnarum, und ein anfang vollkommenes gaudii sein. ped. schulfuchs 237;

der hohen felsen last
erschüttert sein dardurch mit erschröcklichem prast (fragore).
Schottelius lament.

ich kan für herzen prast kaum aus dem staube mumlen. das.;

mit herzen prast, mit quelen. das.;

das must dem könig ein groszer brast, ein groszes herzleid gewesen sein. Schuppius 124. noch heute: das ist mir ein rechter brast, ein wahrer herzensbrast, und mit unrecht enthalten sich neuere schriftsteller des kräftigen ausdrucks, den auch Stalder 1, 218 hat. s. DWB brasten.
 
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brasteln, crepitare, ags. brastlian, mhd. brasteln, zumal von brennenden dörnern, wie noch heute prasseln, Schm. 1, 266: brastelonder wite, prasselndes holz;

brasteln unde krachen
hôrte er vil vor ime dâ,
dar under enzunte sich sâ
ein ze mâle grôʒeʒ viure. krone 27401;

ein tumbe brastelt in sîme zorn,
als underm haven rösche dorn. Renner 13980;

nhd. als die dorn brastelent under dem feuer, also das lachen ist ein bott der torheit. Keisersb. s. d. m. 54a; das hab ich oft erfaren, das bei den zornigen zu wonen geleich ein sollich ding ist, als wann ein wetterstral daher brastlet, ist wol ein grausams ding, gehet aber bald dohin. Wirsung Cal. L 4b;

als ich dem prünlein nahen kam,
ein groszes prastlen ich vernam.
H. Sachs I, 538d;

hört zu wie sie prastlen und krachen. III. 1, 230c;

ein grausam starker sturmewind,
der stiesz an die vier eck geschwind,
das das haus mit brastlen und knalln
zu grunde gar ist eingefalln. II. 1, 5a,

wo der spätere druck 3a prastlen schreibt;

darz ists auch ein grober sitt,
ein brastlen mit der nas zu machen,
das mans im ganzen haus hör krachen.
Scheit grob. B 1a;

sein red prastelt als wann ein gewelb einfelt. Frank sprichw. 1, 15a. spätere ziehen vor prasseln, vgl. DWB bresten und DWB gebrästel.
 
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brasten ,
1) crepare, prasten. voc. 1482 z 5b. ahd. prastôn (Graff 3, 274).
2) sich brasten, sich brästen, maerere, sollicitum esse, reddi: darumb brastet er sich und thet ein gebet, dasz er starb. Helvicus 1, 122;

so bräste dich nicht drob, und wiltu haben brast,
so bräste dich, dasz du den eid gebrochen hast.
Werders Ar. 1, 27;

fasz hier dich erstlich wol, eh ich in wald dich bringe,
damit der wankelmut dich nicht nachher bezwinge,
und das hernachmal dich dein lebelang es präst,
als du aus schlimmigkeit den zaubrer leben lest. 13, 51.


 
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brat, n. bair. schweiz. brät, pl. bräter, pulpa, caro, das weiche fleisch, ahd. prât (Graff 3, 284), mhd. brât (Ben. 1, 233), altn. brâð pinguedo und esca, die vorstellung des bratens scheint nicht darin zu liegen, vgl. ir. bruith caro.
1) das eszbare fleisch der thiere und fische, vgl. wildbrät; brät, schweinfleisch, im gegensatz zum speck. Stald. 1, 218; um Johannis ist er (der scheiden) am besten, hat ein fettes und gutes brät. Hohberg 2, 513b; sein (des hausen) brät vom rucken schmäcket wie ein kälbernes, vom bauch aber wie ein schweinen fleisch. 2, 524a; seud das ingereusch und die prett, hack es klein. küchenmeist. b 8.
2) das weiche fleisch am menschen, namentlich der hintere, die schenkel und waden: die lutherischen werber haben mich herplescht jämmerlich, bist nit gweiht dahinten habns gsagt,

[Bd. 2, Sp. 309]


und hinein ghaut ins brat. Buchers kinderlehre 54. Henisch 478, 67.
3) pulpa pomorum, das brat, fleisch der äpfel und birnen.
4) carnosum in arbore, das brät oder kalb im holz. Schm. 1, 268.
 
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brataal, m. anguilla assa.
 
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bratapfel, m. pomum assum, nnl. braadappel.

 

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