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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brand bis brandblatter (Bd. 2, Sp. 294 bis 297)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brand, m. pl. brände, ahd. prant, prentî (Graff 3, 309), mhd. brant, brende (Ben. 1, 253a), nnl. brand, branden, ags. engl. brand, altn. brandr, schw. dän. brand. kommt gothisch nicht vor. gebildet von brinnan, wie rand (das umronnene, umflossene) von rinnan, vielleicht land (das endende, aufhörende) von linnan.
1) titio, torris, das brennende stück oder scheit, ein glimmender, flammender, halbverkohlter, gelöschter brand, löschbrand, mlat. brando, franz. brandon:

ich lebe als ein erloschen brant,
so brinnent ander brende.
Hartm. erstes büchl. 1692;

swarz als ein ander brant. Wh. 318, 20;

ich armer rauchender brand, der vom fewer ist uberblieben. Luther 3, 514b;

lât niht die brende vallen ûf iwer helmbant. Nib. 2056, 2;

vil keʒʒele wart gerüeret, zerfüeret manic brant. 900, 3;

du muost heizen mîn phiesel und selbe schürn die brende. Gudr. 996, 4;

bränd schüren ist ein feine art.
Murners narrenb. cap. 35;

alle brende helfen schüren.
Ringwald tr. Eck. G 5a;

und Simson gieng hin und fieng dreihundert füchse und nam brende und keret ie einen schwanz zum andern und thet einen brand ie zwischen zween schwenze und zündet die an mit fewer. richt. 15, 4; meine gebeine sind verbrant wie ein brand. ps. 102, 4; brände schleudern, werfen, schwingen; einen brand aus dem feuer ziehen;

wüst ich mein herz an zeitlich gut gefesselt,
den brand würf ich hinein mit eigner hand.
Schiller;

dasz die lieb ein feuer sei, bleibt daher bekant,
dasz so viel aus ihrer glut nehmen einen brand.
Logau 3, zug. 87.

dem nachbar darf man einen brand nicht versagen, d. h. soll ihm ein brennendes stück holz mittheilen, dasz er sich auch ein feuer zünden könne: denn wie man spricht, ein nachbar ist dem andern ein brand schuldig. Luther 3, 147b. 4, 85b. einer hat freien brand, wenn ihm brennholz umsonst gegeben wird; den freien brand aus der mark überlassen. Möser 1, 378; ob noch ein gemeiner wald oder moor den brand gibt (brennmaterial darreicht). Stüve landgem. 165; daher auch prant stips im vocab. 1482 z 6a. salzig wie ein brand ist brennend, beiszend salzig. man sagt, die brände bei seite thun oder legen; sich aus den bränden machen, der gefahr entfliehen: auch hatte sich der doctor mit der nasen aus den brenden gemacht. Kirchhof wendunm. 121b; um die brände schlagen (ob noch funken sprühen) was auf den busch klopfen (ob vögel daraus fliegen) = sich nach etwas umhören; einem auf den bränden liegen, ihn nicht aus den augen lassen, was Adelung aus brante klaue deuten will, wozu doch 'auf' nicht stimmt. vgl. DWB feuerbrand, DWB höllenbrand.
2) ensis. das schwert flammt und heiszt brand, wie in der edda für schwert benennungen des feuers und lichts gesetzt werden: liomi, eldr, logi und namentlich auch brandr. so steht auch bei Helbling 1, 333 brant für schwert und in einer östr. mautordnung bei Rauch 2, 108: de duobus gladiis dictis brant i denarium, nicht anders galt altfranz. brand oder brandon. bekanntlich führte des spanischen helden Cid schwert den namen Tizon, d. i. titio.
3) incendium. ein furchtbarer brand hat die stadt verheert; auf mord und brand denken; mit raub und brand das land verwüsten, wie rauben und brennen; die brände wiederholen sich, ein brand folgt auf den andern; brand umb

[Bd. 2, Sp. 295]


brand, wunde umb wunde, beule umb beule. 2 Mos. 21, 25; sage Eleasar, das er die pfannen aufhebe aus dem brand. 4 Mos. 16, 37; wenn eine thewrung oder pestilenz oder brand im lande sein wird. 1 kön. 8, 37; ja man kunde keinen brand an inen riechen. Dan. 3, 27; ich rieche brand, es musz ein feuer ausgekommen sein;

die mutter, schlau in liebeshändeln,
roch bald den brand.
Gotter 1, 153;

wenn sie sehen werden den rauch von irem brand. offenbar. 18, 9; ist das dort drunten brand, der schein? Göthe 8, 149.
Man sagt brand stiften, anstiften, anlegen, erwecken, nähren, ausgieszen; ein haus in brand stoszen. Reinhard Werth. gegenschr. 2, 193; die stadt in brand stellen. Lonicers Remigius 337; wie die städte in den brand gesteckt werden. Opitz poeterei 9; mit was feurwerk er den brand gethan hab. HGO. 51;

wie er die Griechenschif hat in den brand gesetzt.
Opitz 1, 224;

heute ohne artikel, in brand setzen; eilf flecken in hellen brand brachten. Serben und Kroaten 20; das feuer im brand erhalten; das licht, das feuer musz erst recht in brand kommen; das haus, die stadt geräth in brand, steht in brand; das haus stund in hellem brand. Lonicers Remig. 334; das haus sinkt in brand; der brand greift um sich;

oft reiszt der brand die stärksten balken nieder.
Günther 799;

den brand löschen; man sollte meinen die leute löschten einen brand, so ein geschrei ist. bauernst. lasterpr. 184. in den feuersprüchen lautet es:

brand brenne aus und ein!
brand setze dich nieder!

wenn die abgebrannten leute almosen einsammeln um wieder aufzubauen, heiszt das: sie betteln auf den brand, gehen auf den brand betteln.
4) novale, ubi silva eradicata et ligna inutilia combusta sunt, neubruch, schwende, die stelle wo im wald gereutet und gebrannt worden ist: neugereute und brände; du solt sie (die hirsche) auch schen auf den gehäuen, auf den wälden, auf den bränden und auf den reuten. Sebiz 571. auch der zufällige waldbrand kann damit gemeint sein.
5) laesio igni facta, morbus:

wir haben rechte salb auf diesen brand gefunden.
Gryphius 1, 145;

dasz er der schwätzer war, der durch das ganze land
hat kräuter, theriac und salben für den brand
den bauern oft verkauft. 2, 97.

der heisze brand, gangraena, inflammatio, fieberhitze; brand in den därmen, vgl. goth. brinnô, fieber; der brand ist dazu geschlagen, inflammatio accessit; brand, der die knochen angreift, knochenfrasz, knochenbrand, caries; der kalte brand, sphacelus; ist euch kurze lähmung nicht lieber, als fühlloser, sanfter, kalter brand? J. P. nachdämm. 101; der trockne und der feuchte brand; der fliegende brand, herzbrand, krankheit des rindviehs; kalter brand bei pferden. Seuter 70; der schwarze, weisze brand. weidmännisch heiszt der schwarze fleck der hirsche zur brunftzeit unter der zunge der brand.
6) uredo, ustilago, der brand an pflanzen und bäumen: der brand ist im getraide, rubigo (s. DWB flugbrand, DWB staubbrand, DWB steinbrand und mutterkorn); die weinstöcke haben den brand und man unterscheidet einen rothen, den laubrausch, wobei das laub roth wird, von dem schwarzen, der schwarze flecken an holz und beeren hervorbringt.
7) exustio solis, brand der sonnenhitze, sonnenbrand:

der sonne belebender brand.
Brockes 5, 92;

nur nicht zu eng die räume,
ein wenig himmel, etwas grün der bäume
zum schatten vor der sonne brand.
Karl Lappe.


8) aestus maris, gewöhnlich die brandung:

und an dem ufer ruhig mögen mir
den brand der wellen mit verwundrung schauen.
Schiller 669a.


9) brand, bildlich auf innere oder äuszere zustände bezogen:

dämpfet die brände der irdischen lust!
Gryphius;

es ist doch ein geheimer brand
die liebe zu dem vatterland. Simpl. 1, 9;

er hat einen heimlichen brand von ruhmbegierde im leibe. Heinse an Jacobi 2, 90; ein brand an meinem herzen seitdem. Fr. Müller 3, 114; Bastian, der seine augen von dem brande der meinigen wegwandte. Thümmel 3, 22; aber wenn der seinen

[Bd. 2, Sp. 296]


brand im kopf hatte, setzte er sich in der abenddämmerung vors haus, fluchte und haselierte da mutterseels allein. der a. mann im Tockenb. 132;

sie müste sich in meinen armen finden,
dann wär ich ihr in brand und heiszem lieben.
Tieck 2, 116;

der brand eines bürgerkrieges. man sagt auch brand für rausch: er hat einen rechten brand, starken rausch. Tobler 73, wie in jener stelle aus dem a. m.
10) brand, combustio, der leichenbrand, der scheiterhaufe: und er starb an bösen krankheiten, und sie machten nicht über im einen brand, wie sie seinen vettern gethan hatten. 2 chron. 21, 19. daher auch die strafe des feuertodes: er solle herr Leonharten mit dem brand richten lassen. Luther 3, 418; bei Adam was der brauch, dasz er tochter und bruder zusammen gab, das ist jetzt nimmer, sondern beim brand verbotten. Paracelsus 2, 226c.
11) brand, mola, unzeitig abgehende leibesfrucht: es ist ein brand von ihr gegangen. Stalder 1, 215; ein ungeformet stück fleisch, so z zeiten in der weiberen bärmuter wachst one mannssamen. 76a. gleichsam verbrannte frucht oder gestocktes, schwarzes blut. Tobler 74. s. brandknolle.
12) brand, holzblock, armdickes schlageholz von buchen, erlen, im gegensatz von DWB reis; vielleicht weil man ihn anbrennt, hartbrennt? brände heiszen auch die zwei hölzer im rauchfang, woran man das fleisch hängt. Stalder 1, 215.
13) brand heiszt den feuerwerkern materia incendiaria, ein zünder, der so lang brennet, bis eine brandkugel an den rechten ort kommt, wo sie zünden soll und den brandsatz erreicht.
14) brand, coctura ollarum, laterum, auch quantum una vice in fornace coqui potest. der töpfer sagt, mein brand ist wol geraten; der ganze brand ist umgeschlagen, misraten; ich verkaufe keinen kalk von diesem brand; der ganze brand ziegel ist schon verkauft; wie viel tausend steine sind in éinem brand?; zwei brände thongeschirres.
15) brand, coctura vitri, glasbrand, gebranntes glasgemählde, s. DWB brente.

und doch nam er ain prant
und ging damit zu ainer want,
darein mit pech ain spiegelglas
do an die want gepichet was,
er plies den prant und hielt in daran
bis es da spiegelglas gewan. der spiegel mit dem bech (Gieszener hs. 24a);

abt Casper (zu Constanz) liesz einen schönen brand historien des alten und neuen bundes machen; der schöne brand heiliger geschichten ward von den aufrürischen bauern zergengt (zertreten, in stücke zerbrochen).
16) den bergleuten ist brand die reinigung des silbers; dann auch ein erz reich an silber und kupfer, ein gemisch von eisenschlacke, kohlen, lehm, das sich beim eisenschmelzen bildet; die grundlage des steinkohlenlagers. auch bei den goldschmieden ist vom brand des silbers die rede: so gibt uns das gt z ersatz ein silberen stück uf siben lot Friburger brand und Troyer gewicht. Geszler reth. 44a.
17) brand, das den thieren, namentlich den pferden eingebrannte zeichen. Hohberg 2, 154a handelt vom brand, nasenschlitzen, ohrabschneiden und schweifstutzen der pferde; es ist auch sonst eine andere art, ohne feuer (d. h. mit vitriol u. dgl.) einen brand zu machen. 2, 155a.
18) brand, der schmutz, der sich beim schieszen im gewehr bildet. daher, auf den brand laden, ohne das gewehr zu reinigen. s. DWB brandschusz.
 
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brandader, f.
1) vena cruralis, die schenkelader, vena iliaca, weil man diese beiden adern in der krankheit des brandes schlägt.
2) in der landwirtschaft ein unfruchtbarer fleck auf dem acker, wo das getraide keine körner ansetzt und trocknet, s. DWB brandfleck und verblühn.
 
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brandaltar, m. altaria.
 
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brandapfel, m. ein schöner hellrother apfel, an dem man oft brandflecken wahrnimmt.
 
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brandast, m. ramus iliacus, ein ast der vena iliaca.
 
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brandauge, n. entzündetes auge, augenbrand.
 
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brandbeschädigt, abgebrannt: bericht wegen brandbeschädigter unterthanen. Rabener 2, 250. s. DWB brandschade.
 
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brandbettler, m., der auf brand bettelt.
 
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brandbeule, f. carbunculus.
 
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brandblase, f. pustula adustione orta.

[Bd. 2, Sp. 297]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brandblatter, f. bulla venerea.

 

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