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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brahne bis brame (Bd. 2, Sp. 292 bis 293)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brahne, s. DWB brane.
 
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brähnen, aprum appetere, weidmännisch von der wilden sau. engl., zumal schott. ist brawn a male swine, a boar (Jamieson 1, 154) und so könnte brähnen gesagt sein, wie von der kuh stieren, von der ziege bocken. doch fehlt die nachweisung von brähn für eber in unsern mundarten. wahrscheinlich ist H bloszes dehnzeichen.
 
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bralle, f. squalor, sordes, scheint zusammengezogen aus bradel, brodel. schafbralle, oesypum, immundities haerens in velleribus ovium, ungewaschne wolle. Maaler 344 und aus ihm Steinbach 1, 178. Stalder 1, 215 hat den pl. brällen, umherhängende mistknollen am vieh. brodel ist der anklebende, ausdünstende schmutz, vgl. DWB aschenbrödel. bei Stalder bralle, brälle auch starktönende stimme. s. das folgende.
 
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brallen, clamare, schweiz. brallen, brällen, heftig schreien, franz. brailler. Stalder 1, 215; brallen fulminare, invehi, empsig auf der kanzel schreien und vermanen. Maaler 76a; erbrallen, percrepare, erschallen. 108c. die volle form scheint wiederum bradeln, brodeln, dunsten, sieden und wir sahen bei brägeln ähnlichen übergang aus dem begrif des siedens in den des schallens.

ihr mark in beinen wallet,
und wiederlebend blut
in süszem sod erbrallet (= erbrodelt)
und färbet herz und mut.
Spee trutzn. 66.

der donnernde kanzelredner ist also der bradelnde, sprudelnde. man vergleiche wallan sieden, quellen, sprudeln und wadalôn fluctuari, vagari, errare = wallôn (Graff 1, 777. 797). aber auch unser prahlen musz mit diesem brallen eins und dasselbe sein, wie auch nnl. brallen und pralen zusammen fallen. im Simpl. 1, 461 erscheinen beide verbunden, wenn es heiszt: ein anderer pralet und prallet daher. das nähere wird auf PR verspart.
 
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bram, m. spartium, juncus, ginster, s. DWB brame:

komm, o komm in unsern kamp,
da wächst das gras wie bram so lang!
Annette von Droste ged. 72.


 
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bram, m. fuligo, sordes, gleichviel mit rahm, ahd. hrâm = lat. cremor, von cremare, schwarz brennen, vgl. ahd. hrâmac furvus (Graff 2, 511), mhd. râm, welchem hier ein B vorschlägt. bram, ruszfleck hat Stalder 1, 215. s. hernach bramen und brämseln, brämsen.
 
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bram, n. margo, fimbria, limbus. daher augbram, windbram (wimper). Schmeller 1, 258 für augbraue, windbraue, s. DWB brane. dann auch, was bräme, pelzeinfassung: mit einem präme. Münster 741. vgl.gebräm.
 
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bramarbas, m. homo gloriosus, groszsprecher, prahlhans, soll von Holberg aufgebracht sein, wenigstens kennen es Stieler, Steinbach und Frisch noch nicht, auch klingt es ans dän. bram prahlerei, bramme prahlen.

sarmatische bramarben.
Pfeffel 4, 136.

[Bd. 2, Sp. 293]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bramarbasieren, magnifice gloriari: der wein bramarbasiert aus deinem gehirne. Schiller 108a.
 
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brambeere, f. rubum, s. DWB brombeere und das folgende.
 
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brame, f. rubus, vepris, ahd. prâmo m. und prâmâ f. (Graff 3, 304), mhd. brâme (Ben. 1, 232b), nnl. braam; ags. fortgebildet bremel und brember, engl. bramble. brame bezeichnet aber mehrere rankende und stachlichte sträuche, namentlich rubus fruticosus und idaeus, woran die brombeeren und himbeeren wachsen, dann aber spartium scoparium, brambesen, besenpfrieme, besenkraut und genista, ginster, pfriemkraut; auch junge hopfenranken heiszen bramen. überhaupt jedes gesträuch, an dem das gewand hängen bleibt und die hände sich kratzen:

etslîcher grôʒe wunden
ahte als einer brâmen kraz. Wh. 449, 15.

sollte nicht auch die stechende pfrieme verschiebung desselben wortes sein? gerade wie franz. framboise deutlich zurückgeht auf nnl. brambezie, bramboos. darum liegen ahd. primma, brimma myrica, heide, ginster (Graff 3, 305), phrimma (3, 367) unmittelbar nahe. mhd. brimme fehlt bei Benecke, steht aber Mauritius 1680:

die rôsen und die brimme
bluoten alle en widerstrît.

alle diese formen suchen ein ablautendes brëmen bram brâmun und daraus ein brimman bram brummun, welche aber gleich dem entsprechenden lat. fremere die vorstellung des tönens, rauschens, nicht des stechens gewähren, aus der sich das kratzen der bramen am leichtesten erklären würde. doch die brummende bremse, ahd. prëmo oestrus sticht zugleich und wol noch in andern wörtern wird der ausdruck des schalls dem des stichs begegnen.
Unsere sprache sollte sich wieder angewöhnen, das einfache brame, wie es noch die schweizerische mundart kennt (Stald. 1, 215), statt der schleppenden zusammensetzung brombeerstrauch, brombeerstaude zu verwenden.

 

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