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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bradem bis brallen (Bd. 2, Sp. 291 bis 292)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bradem, m. vapor, ahd. prâdam (Graff 3, 299), mhd. brâdem (Ben. 1, 232a); bradem, tampf oder swadem, i. e. exhalatio oder rauch, der von heiszem wasser geet. vocab. 1482 e 3a; bradem, brodem (wie adem, odem). Henisch 373, 19; bradem, brodem, brudem. Stieler 62. Parz. 171, 23 liest statt entseben unde dræhen gerade D

entseben unde bræhen,

welches wichtige, bei Ben. ganz übersehene wort leicht den vorzug verdient hätte. es scheint auf ein ahd. prâhan odorari, olfacere zu weisen, woraus sich prâdam für prâhadam duft, dampf, dunst erklärt; sogar verwandtschaft mit ags. brägen, engl. brain, fries. brein, nd. bregen cerebrum wäre denkbar. nicht anders folgt auch swadem, schwadem aus einem verlornen suâhen, swæhen, nnl. zwaajen, vgl.suëchan fragrare, welches lat. wort zu prâhan stimmt, aber auch brëhen. auszer brägen zu beachten ist ags. bræð odor, spiritus, engl. breath.
Im buch von guter speise cap. 12. 14. 22: bedecke den hafen und becleibe eʒ mit teige, daʒ der bradem iht uʒ müge;

er legt sich gar genau hin an,
liesz kein posen pradem hin ein gan. fastn. sp. 214, 1;

die bauren und hirten lobens (das kraut) gar sehr wider alle schädliche luft und bradem. Tabern. 875. s. DWB brodem.
 
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bradmen, vaporare, dünsten, ahd. prâdamôn (Graff 3, 299), mhd. brâdmen; bradmen, timpfen oder swadmen, riechen als von wasser, vaporare, exhalare. vocab. 1482 e 3a; pradmen oder timpfen, vaporare. z 5b.
 
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brägel, m. puls, dickgekochte früchte, schweiz. chriesiprägel, mehlbrei mit kirschen, heidelbeeren vermengt, von dem folgenden brägeln. bei Schm. 1, 256 das breglet, dickgekochte hollunder oder heidelbeeren. dann abstract für haufe, menge, einen brägel voll geben, einen brägel zu essen haben, ein gutes mahl. Stalder 1, 214 hat es auch in der bedeutung von blatternarben. scheint verwandt mit brei.
 
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brägeln, frigere, braten, sieden, schmoren, deutlich dem lat. ausdruck urverwandt: es bräglet, das wasser siedet, das fleisch im kessel brutzelt. bei Schm. 1, 256 bregeln, gelind braten oder kochen, brutzeln, ein geräusch machen, wie etwas das brät oder aufkocht. das dampffleisch bregelt im tiegel. auch röcheln: er bregelt schon, röchelt, rasselt, wird bald sterben.

[Bd. 2, Sp. 292]


Maaler 319d präglen, so man überbliben fleisch noch einmal in heiszem anken kochet, d. h. in butter aufwärmt; anbrägeln, anbraten, rösten, auch anbrennen; wenn man einen nabel von einer alten sau prägelt und ein biszchen schwefel darunter schmieret. Weise comöd. 30; obersächs. bräkeln langsam braten, transitiv und intransitiv;

man schindet baum und thier, man prägelt, brennt und röstet
fett, erz und mumien.
Günther 383.


Aus der bedeutung des geräusches und rasselns entsprang aber die des niederfallens mit geräusch: es bräglet, wenn hagel auf das dach, auf die bäume fällt, wenn früchte vom baum fallen. Stalder 1, 213; depfel breglid recht aba, die äpfel fallen nieder. Tobler 75b. auf das getöse von menschen angewandt: luo, wiesi use präglit! sieh wie sie hinaus strömen; lueg, wie dlüt usabreglid, wie die leute hinaus tummeln, stürzen. auch transitiv: er hed öpfel, birre abebrägelt, hat äpfel, birnen herabgeworfen. mehr noch unter DWB bregeln.
 
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bragen, ausbragen, heiszt den kürschnern die felle über ein scharfes eisen ziehen. wahrscheinlich eins mit braken, ausbraken. s.brak.
 
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brägendin, n. paludamentum, lorica. Maaler 75d; prägedin, bilix lorica, doppelpanzer. Henisch 730, 23 aus dem romanischen brigandina, eine rüstung, deren sich die brigancii, brigands, praedatores bedienten. Ducange 1, 777; allesamt mit guten brägendinen, welche man selbiger zeit zu tragen pflegte. Stettler 71.
 
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brägesin, n. dasselbe. Maaler 75d; prägesin. Dasypodius 395d; pregeisen. Alberus.
 
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brahne, s. DWB brane.
 
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brähnen, aprum appetere, weidmännisch von der wilden sau. engl., zumal schott. ist brawn a male swine, a boar (Jamieson 1, 154) und so könnte brähnen gesagt sein, wie von der kuh stieren, von der ziege bocken. doch fehlt die nachweisung von brähn für eber in unsern mundarten. wahrscheinlich ist H bloszes dehnzeichen.
 
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bralle, f. squalor, sordes, scheint zusammengezogen aus bradel, brodel. schafbralle, oesypum, immundities haerens in velleribus ovium, ungewaschne wolle. Maaler 344 und aus ihm Steinbach 1, 178. Stalder 1, 215 hat den pl. brällen, umherhängende mistknollen am vieh. brodel ist der anklebende, ausdünstende schmutz, vgl. DWB aschenbrödel. bei Stalder bralle, brälle auch starktönende stimme. s. das folgende.
 
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brallen, clamare, schweiz. brallen, brällen, heftig schreien, franz. brailler. Stalder 1, 215; brallen fulminare, invehi, empsig auf der kanzel schreien und vermanen. Maaler 76a; erbrallen, percrepare, erschallen. 108c. die volle form scheint wiederum bradeln, brodeln, dunsten, sieden und wir sahen bei brägeln ähnlichen übergang aus dem begrif des siedens in den des schallens.

ihr mark in beinen wallet,
und wiederlebend blut
in süszem sod erbrallet (= erbrodelt)
und färbet herz und mut.
Spee trutzn. 66.

der donnernde kanzelredner ist also der bradelnde, sprudelnde. man vergleiche wallan sieden, quellen, sprudeln und wadalôn fluctuari, vagari, errare = wallôn (Graff 1, 777. 797). aber auch unser prahlen musz mit diesem brallen eins und dasselbe sein, wie auch nnl. brallen und pralen zusammen fallen. im Simpl. 1, 461 erscheinen beide verbunden, wenn es heiszt: ein anderer pralet und prallet daher. das nähere wird auf PR verspart.

 

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