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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brachwaid bis bracke (Bd. 2, Sp. 289 bis 290)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brachwaid, m. waid, der im frühling, oder im brachmonat gesät wird?
 
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brachweide, f. weide auf dem brachfeld.
 
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brachwein, m. bei Fischart Garg. 58a neben ehrwein, landwein, traberwein u. s. w. aufgezählt.
 
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brachwurm, m. die larve des brachkäfers.
 
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brachwurz, f. euphorbia: brachwurz oder wolfsmilch, titimallum, esula minor. vocab. 1482 z 6a.
 
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brachzeit, f. die zeit der brache.
 
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brack, n. rejiculum, ausschusz, was als untauglich in seiner art von dem guten ausgeschossen, abgesondert, ausgebrackt wird (1, 834): 'es ist nur brack', ausschusz, von vieh, waaren und jeder sache, s. DWB brackschaf, DWB brackvieh, das im herbste verkauft oder verschlachtet wird. den kürschnern heiszt die geringere waare brack; nach Frisch 1, 124b auch die geringere asche (s. DWB bracksbrack). im forstwesen heiszen bracken und abständer abgestandne, zu nutzholz untaugende bäume. scheint ursprünglich nd., entweder von breken, braken im sinne von ausbrechen, oder mit übergang des W in B aus wraken rejicere, auswerfen abzuleiten, vgl. wrak bei Schütze 4, 376. nnl. wrak, schw. vräk, dän. vrag.
 
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bracke, m. pes, tatze, lat. brachium, it. braccio: uber ein kleine weil ein löw mit einem kranken pracken oder fusz für das loch oder hölen kam. Fronsp. 1, 115a.
 
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bracke, m. canis, catulus, ein altes, deutsches, schon frühe in die romanischen sprachen eingegangnes wort. Gregor von Tours in vitis patrum 2, 12: adolescens quidam nomine Bracchio, quod in eorum lingua interpretatur ursi catulus; hist. 5, 12 meldet er, dasz dieser Bracchio, von geburt ein Thüring und einst jäger in diensten herzogs Sigivald als abt des klosters Menat (in der zweiten hälfte des sechsten jh.) starb. hieraus folgt, dasz bracchio, wie sonst welf, das junge der löwen, bären, wölfe, füchse, hunde bezeichnete, was eben auch berwelf hiesz. bracchio schiene nichts als fortbildung von bëro selbst und wäre gekürzt aus bëracchio, bëracho, junger bär, bärchen, wobei sich ags. bulluca vitulus, engl. bullock, ahd. anicho avus, it. avolo, franz. ayeul d. i. groszväterchen, vielleicht das goth. brôþraha fraterculus anschlagen liesze. gleich welf und dem lat. catulus wäre bracchio auf das junge vieler thiere erstreckt, zuletzt vom sprachgebrauch auf den jungen hund, spielhund, schoszhund, jagdhund eingeschränkt worden. ein vater konnte passend seinen sohn Bracchio, wie Welf nennen.
Hierzu stimmt was Schmeller 1, 251 anführt, dasz brack in Baiern das männchen gewisser thiere, besonders der hunde, im gegensatz zu mätz, dem weibchen bezeichnet. der katzenbrack ist der kater. die bewohner des bairischen walds (an der Nab und Vilz) machen sich nichts daraus, dem priester, der bei der taufe um das geschlecht des kindes frägt, zu antworten, 'es ist ein matzel oder brackel'. Hazzi statist. von Baiern 4, 259; nimb von einem fuchs, der ein prack sei. Seuter 100.
Die lex Frision. 4, 3 hat bracconem parvum, quem barmbraccum vocant, d. i. schoszhund. andere stellen über bracco bringt Ducange 1, 753a. das it. bracco, prov. brac, bracon (Raynouard 1, 246), altfranz. bracon, heute braque, brachet, für welche auch Diez s. 66 deutsche wurzel annimmt, gehn vorzugsweise auf den jagdhund, spürhund, und braconnier, jäger, wilddieb, braconner verstolen jagen leitet sich daher. ahd. glossen geben bracho liciscus (Graff 3, 277), mhd. bracke ist jagdhund und spielhund (Ben. 1, 231b. 232a) und dasz auch den Altsachsen bracka geläufig war, erhellt aus Dietrichssaga

[Bd. 2, Sp. 290]


cap. 257. 263, wo Bracka (altn. Bracki) den eigennamen eines jagdhunds bildet. engl. brach.
Der nord. sprache selbst fehlt bracki, doch gewährt sie das ähnlichlautende racki, canis plautus, odorisequus, das auch im finnischen rakki canis minor und schottischen rache (Jamieson 1, 261) erscheint, und auf die wurzel reka rak, pellere, agere, treiben zurückgeführt werden könnte, rekja spor ist vestigia legere. dann würde die vorhin gegebene deutung aus bërachio wieder wankend und das vorschlagende B in brachio liesze sich verstehn birachio von birëchan, goth. birikan. sollte aber ein so einfacher name mit der partikel gebildet und nicht umgedreht von racki das wurzelhafte B abgesprungen sein? ohne dasz man rikan und reka einzumischen hätte. weder die bedeutung des jagenden, noch des spürenden, witternden hundes (man hat auch fragrare verglichen), sondern die des jungen thiers scheint die ursprüngliche.
Heute wird das in mhd. gedichten so oft begegnende bracke unter uns wenig gehört. brack ein spilhunt, culpar (?) oder frawenhundlein. brack ein pirsprack oder pirshund, melampus. vocab. 1482 e 3a; birsbrack. Mörin 15 und oben s. 40. Henisch 472 erklärt brack jaghund mit langen ohren. vogelhund und bracke. Keisersb. bilg. 24c; es beiszt kein brack ein breckin. Frank spr. 2, 159b; hat zween hund von einer bräckin und einem bracken mit einander aufgezogen. 20; es (die mönche) sind die bracken, die auf den polstern ligen und pfeifen mit dem hindern. Luther 5, 153b;

klug schaut auf den herrn der bracke.
Tieck 10, 308.


 
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bracke, m. mala für backe (1, 1063)? die ahd. glossen der leibestheile (bei Goldast 2, 89) haben bracchon malae, und Dronkes Fulder glossen s. 20 wiederholen malae id est bracchon. Frisch 1, 124 denkt dabei an die hangenden backen der leithundelippen, also an bracke hund; Schmeller 1, 251 ans bair. bracket, dickbackig, pausbackig, dickleibig, wozu bei Stalder 1, 214 bragg, brack, brackig dick, untersetzt gehalten werden musz. doch liegt in diesem brack mehr die vorstellung des dicken als der backen.
Sollte nun in dem gewöhnlichen ahd. mhd. nhd. paccho, backe R ausgefallen sein, wie specan für sprecan, speot für spreot, wase für wrase u. a. m., so liesze sich zwar die bedeutung mala aus brechen, wie mandibulum aus mandere, ags. ceáce maxilla, engl. cheek aus chew kauen erklären, aber hinterbacke und die berührung mit bache perna widerstreben seltsam auch, dasz kein volksdialect bracke für backe bewahrt. wie, wenn selbst backen torrere ein R ausgestoszen hätte und unmittelbar zu brägeln und frigere fiele? vgl. DWB braten.
 
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bracke, f. frangibulum, was sonst breche, oder ein andres gerät?

den kelterbaum, die windstang, schraub, weinstand,
die bracken, düelen, bütt.
Weckherlin 772.

Hamann 4, 3, 228 hat die bracken, atteloire, pièces pour atteler, ein auf bracke zurückgehender pluralis.

 

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