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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brachtlich bis bracke (Bd. 2, Sp. 288 bis 289)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brachtlich, prächtlich, was brachtig: wie sich dazumal die verordneten und geschickten von Nürnberg so brechtlich und stolz mutiglich haben gehalten, das lasz ich jetztmals auf im selbs besteen. urk. des Götz von Berl. a. 1512; aber das man armen dürftigen gibt nach Christi gebot, das elend werk musz solcher prechtlicher belohnung beraubt, nur an gottes lohn ihm gnügen lassen. Luther 1, 191b; ja sie sollen dieselbigen zustund öffentlich und prechtlich (hier noch manifesto) in gegenwart der geistlichkeit und der leien, bei allen und jeden obgenanten penen, verbrennen. 1, 260a; derhalben ists je verdrieszlich, das man die hohe geistliche starke köstliche wort so schendlich martert, und zeucht sie auf den müszigen, prachtlichen, lustreichen gewalt des bapsthums. 1, 423b; welcher geschmuck sei nicht auswendig in harflechten und umbhang des goldes oder anlegung der kleider, sondern der verborgen mensch des herzen in der unverrückligkeit eines sanften und stillen geistes, welcher für gott prechtlich ist. 2, 355a; daher sein die prachtlichen lobe der gesetzen und natürlichen weisheit entsprungen. Melanchth. annot. Römer verdeutscht 9, 19; das dem cardinal alle fursten prächtlich mit viel pferden entgegen geritten. Kresz bei Melanchth. 2, 55; und beweist das selb prechtlich, statlich und ansehenlich. Melanchth. hauptartikel verdeutscht bl. 16; prächtlich, statlich und ansehenlich. anweis. in der h. schr. deutsch von Spalatin bl. 23; gwaltig, prachtlich, vil von im selbs haltende. Frank weltb. 46a; das volk gastfrei, schlecht und nit brachtlich an kleidung. 63a; träumen und fürdichten ein brächtlichen, gewaltigen got. paradoxa 110b; sein (des Ennius) gedicht was nit mit zu überscharpfen latein aufgezämt und prechtlich geplümt. chron. 109a; grosze prächtliche ding. krigbüchl. des frides 220; prächtlich haushalten. Paracelsus chir. schr. 287c; da hat er sich als einen könig prächtlich erzeigt. Reiszner Jerus. 2, 89a.
 
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brachvogel, m. ein vogel, der sich gern auf brache und saatfeld hält, dessen erscheinung regen andeuten soll, daher auch DWB regenvogel, DWB regenpfeifer, DWB windvogel, wettervogel geheiszen. den naturforschern werden damit mehrere vögel bezeichnet,
1) charadrius apricarius, ackervogel, brachlerche, franz. le pluvier, regenvogel, das volk nennt ihn auch titchen, dietchen,

[Bd. 2, Sp. 289]


ein schönes, buntes vöglein. aber auch die wiesenlerche, alauda pratensis heiszt zuweilen brachvogel.
2) tringa squatarola, vanellus griseus, brachamsel, grauer kibitz.
3) scolopax arquata, brachhuhn, gieszhuhn, gieszvogel, vgl. deutsche mythol. 1221.
4) turdus viscivorus, mistler, schnärre, schnarrdrossel.
5) otis tetrax, kleiner trappe, groszer brachvogel.
alle brachvögel sind eszbar und jagdbar (Döbel 1, 50. 3, 95) und zumal dem letzten stellen die jäger nach, wahrscheinlich er ist gemeint in der vogeler ordnung von 1499 (Mones zeitschr. 4, 85), wo es heiszt: vasant, velthüner, antvogel, brofogel (brachvogel), drittvogel (trittvogel, anas clangula) u. s. w. auch Fischart unter dem federwildbret vergiszt der prachvögel nicht. Garg. 236b;

der prachvogel tanzt mit der grasmucken.
H. Sachs I, 426c.

geht wol auf den charadrius.
 
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brachwaid, m. waid, der im frühling, oder im brachmonat gesät wird?
 
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brachweide, f. weide auf dem brachfeld.
 
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brachwein, m. bei Fischart Garg. 58a neben ehrwein, landwein, traberwein u. s. w. aufgezählt.
 
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brachwurm, m. die larve des brachkäfers.
 
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brachwurz, f. euphorbia: brachwurz oder wolfsmilch, titimallum, esula minor. vocab. 1482 z 6a.
 
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brachzeit, f. die zeit der brache.
 
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brack, n. rejiculum, ausschusz, was als untauglich in seiner art von dem guten ausgeschossen, abgesondert, ausgebrackt wird (1, 834): 'es ist nur brack', ausschusz, von vieh, waaren und jeder sache, s. DWB brackschaf, DWB brackvieh, das im herbste verkauft oder verschlachtet wird. den kürschnern heiszt die geringere waare brack; nach Frisch 1, 124b auch die geringere asche (s. DWB bracksbrack). im forstwesen heiszen bracken und abständer abgestandne, zu nutzholz untaugende bäume. scheint ursprünglich nd., entweder von breken, braken im sinne von ausbrechen, oder mit übergang des W in B aus wraken rejicere, auswerfen abzuleiten, vgl. wrak bei Schütze 4, 376. nnl. wrak, schw. vräk, dän. vrag.
 
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bracke, m. pes, tatze, lat. brachium, it. braccio: uber ein kleine weil ein löw mit einem kranken pracken oder fusz für das loch oder hölen kam. Fronsp. 1, 115a.
 
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bracke, m. canis, catulus, ein altes, deutsches, schon frühe in die romanischen sprachen eingegangnes wort. Gregor von Tours in vitis patrum 2, 12: adolescens quidam nomine Bracchio, quod in eorum lingua interpretatur ursi catulus; hist. 5, 12 meldet er, dasz dieser Bracchio, von geburt ein Thüring und einst jäger in diensten herzogs Sigivald als abt des klosters Menat (in der zweiten hälfte des sechsten jh.) starb. hieraus folgt, dasz bracchio, wie sonst welf, das junge der löwen, bären, wölfe, füchse, hunde bezeichnete, was eben auch berwelf hiesz. bracchio schiene nichts als fortbildung von bëro selbst und wäre gekürzt aus bëracchio, bëracho, junger bär, bärchen, wobei sich ags. bulluca vitulus, engl. bullock, ahd. anicho avus, it. avolo, franz. ayeul d. i. groszväterchen, vielleicht das goth. brôþraha fraterculus anschlagen liesze. gleich welf und dem lat. catulus wäre bracchio auf das junge vieler thiere erstreckt, zuletzt vom sprachgebrauch auf den jungen hund, spielhund, schoszhund, jagdhund eingeschränkt worden. ein vater konnte passend seinen sohn Bracchio, wie Welf nennen.
Hierzu stimmt was Schmeller 1, 251 anführt, dasz brack in Baiern das männchen gewisser thiere, besonders der hunde, im gegensatz zu mätz, dem weibchen bezeichnet. der katzenbrack ist der kater. die bewohner des bairischen walds (an der Nab und Vilz) machen sich nichts daraus, dem priester, der bei der taufe um das geschlecht des kindes frägt, zu antworten, 'es ist ein matzel oder brackel'. Hazzi statist. von Baiern 4, 259; nimb von einem fuchs, der ein prack sei. Seuter 100.
Die lex Frision. 4, 3 hat bracconem parvum, quem barmbraccum vocant, d. i. schoszhund. andere stellen über bracco bringt Ducange 1, 753a. das it. bracco, prov. brac, bracon (Raynouard 1, 246), altfranz. bracon, heute braque, brachet, für welche auch Diez s. 66 deutsche wurzel annimmt, gehn vorzugsweise auf den jagdhund, spürhund, und braconnier, jäger, wilddieb, braconner verstolen jagen leitet sich daher. ahd. glossen geben bracho liciscus (Graff 3, 277), mhd. bracke ist jagdhund und spielhund (Ben. 1, 231b. 232a) und dasz auch den Altsachsen bracka geläufig war, erhellt aus Dietrichssaga

[Bd. 2, Sp. 290]


cap. 257. 263, wo Bracka (altn. Bracki) den eigennamen eines jagdhunds bildet. engl. brach.
Der nord. sprache selbst fehlt bracki, doch gewährt sie das ähnlichlautende racki, canis plautus, odorisequus, das auch im finnischen rakki canis minor und schottischen rache (Jamieson 1, 261) erscheint, und auf die wurzel reka rak, pellere, agere, treiben zurückgeführt werden könnte, rekja spor ist vestigia legere. dann würde die vorhin gegebene deutung aus bërachio wieder wankend und das vorschlagende B in brachio liesze sich verstehn birachio von birëchan, goth. birikan. sollte aber ein so einfacher name mit der partikel gebildet und nicht umgedreht von racki das wurzelhafte B abgesprungen sein? ohne dasz man rikan und reka einzumischen hätte. weder die bedeutung des jagenden, noch des spürenden, witternden hundes (man hat auch fragrare verglichen), sondern die des jungen thiers scheint die ursprüngliche.
Heute wird das in mhd. gedichten so oft begegnende bracke unter uns wenig gehört. brack ein spilhunt, culpar (?) oder frawenhundlein. brack ein pirsprack oder pirshund, melampus. vocab. 1482 e 3a; birsbrack. Mörin 15 und oben s. 40. Henisch 472 erklärt brack jaghund mit langen ohren. vogelhund und bracke. Keisersb. bilg. 24c; es beiszt kein brack ein breckin. Frank spr. 2, 159b; hat zween hund von einer bräckin und einem bracken mit einander aufgezogen. 20; es (die mönche) sind die bracken, die auf den polstern ligen und pfeifen mit dem hindern. Luther 5, 153b;

klug schaut auf den herrn der bracke.
Tieck 10, 308.

 

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