Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bottichhefe bis box (Bd. 2, Sp. 279 bis 281)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bottichhefe, f.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bottichreif, m. groszer faszreif.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
böttner, m. was bötticher, vgl. DWB bütte und DWB büttner.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
botz, papae, heute potz geschrieben, ein nie allein erscheinender, immer noch von einem subst. gefolgter ausruf, der sich scheinbar von botz = bosz, schlag herleiten liesze, wie z. b. Fischart tonnerbotz für donnerschlag Garg. 219b. 270b (Stieler 206 botz für bosse) setzt, und donner! selbst einen ausruf bildet. doch richtiger wird man botz, wie bocks und box (sp. 202. 203) für euphemismus oder parodie von gottes nehmen, wozu auch das gleichbedeutige kotz stimmt. in manchen formeln tauschen alle diese wörter, z. b. in potz tausend und kotz tausend, botz blut und kotz blut, in bocks marter und botz marter, bocks leber und botz leber; auch findet sich das mit bocks oft verbundne verbum schende, blende gleichfalls hinter botz. nachfolgende aufzählung der üblichsten formeln wird sich aus büchern des 16 jh. vielfach ergänzen lassen.
botz angst, wie eben recht, bei dieser farzbüchsen erinnere ich mich eben unsers landwüstiers fest und feldgeschützes. Garg. 57a; botz laus, botz angst! Thurneissers archidoxa 65;

botz blut! s. oben sp. 173;

botz bock, heiszt das auf hasen lauszen?
Gilhusius 81;

botz buszment, wer mir nit frid gbotten.
Murners schelmenz. 10b;

ich schwür botz darm und auch botz lung. 5b;

was bgerst du da? botz bluotigen darm,
beger das nit, mein tochter, nit. trag. Joh. R 2;

ei dasz dich denn botz degen!
Hoffm. gesellsch. 282;

aber botz duft, diese hudler haben die reben nicht gebawet. Garg. 204b; botz eilf bar schock! Hayneccius drei neue com. 1582 act 5 sc. 6; botz element!; botz elen guckguck! Garg. 235b;

botz fledderwisch, botz bürlebaus,
es ist warlich fürst Hetzerus.
Joh. Römolt C 5a;

ei potz glück! Simpl. 2, 375; potz henker!

ei dasz dich denn botz flechte!
Hoffm. gesellsch. 281;

botz hirn! botz schweisz!
Ruefs Adam 477;

dasz dich botz horn als (1, 229) buben schend!
Gilhusius 104;

botz hosenlatz und nestelglimpf!
es wird alls gredt in ernst und schimpf.
Ruefs Adam 1136;

botz Hurt Jemi! du redst war.
Ruefs Heini, vorsp. 237;

das uns botz hr schend! schimpf und ernst (...) cap. 125; das euch botz jammer schend! das. cap. 214;

botz Koren, wir kommen jetzt zu glück.
Gilhusius 45;

botz krabaten! eselkönig 310;

ei potz krös und botz milz!
H. Sachs I, 232a;

botz angst, botz krös! III. 3, 67a;

aber botz chüwunden, es kost disz göttelkindlein manchen feinen Abbezeller chnaben. Garg. 110b;

botz lung, botz leber, wo bin ich doch?
H. Sachs III. 3, 61d;

sihe botz lung, er ist schon da.
Murner schelmenz. ha;

kein wunder wers, sammer botz lung,
das mir vor leid mein herz zersprung. trag. Joh. L 5;

botz leberwürst, ir lieben lüt,
die erberen wisen ich nit meinen. A 2;

[Bd. 2, Sp. 280]



botz lung, botz leber, sacrament,
potz marter, potz herstock (herrgott) wunden,
das sacrament flucht man bei pfunden,
dein (Christi) marter, leiden rücken sie dir auf,
sie fluchen, schweren gottes tauf,
dein lung, leber, dein heiligs sterben,
davon sich wol möcht entferben
die sonn und mond am firmament,
das man dein glieder so lesterlich schendt.
Conrad Hase vom lauf der welt (16 jh.);

potz fut, ich ward gar zeitlich wund. fastn. sp. 387;

botz lus! womit kumpst, lieber fründ?
Ruefs Adam 4639;

botz laus, botz angst! Thurneisser archid. 65; botz macht! was wolt der hinkend büntelträger damit gethan haben. Garg. 244; potz macht! Simpl. 2, 398;

botz marter, thut euch doch bedenken.
H. Sachs III. 3, 50c;

botz marter, wo sol wir hinausz? III. 3, 71a;

botz maus, wo kompt ir her so spat? II. 4, 1b;

botz mäusnest, wie müst das zugehn? Fischart bienenk. 160b; botz sackermenschenkopf, das ist ein zunselgespenst! Garg. 231a;

im herzen, o ich han in gern (den wein)
gar usz ists best, botz morgenstern. trag. Joh. Q 5;

ee dwiber schwigend still, botz mus,
ee brech es in zum hindren usz. L 3;

botz münch, botz nonnentröster! Pasquillus 1546. B 1b;

botz ofengabel und botz magen!
min bar mir thut gen himmel ragen.
Ruefs Adam 1152;

botz rinderzan und ochsenhorn,
nit einist hett ich darumb zorn. 1200;

das dich potz omacht schent!
Joh. Römolt E 8a;

msz ich ontrunken sin, botz sägen?
das mirs einkeiner bringen wil. trag. Joh Q 5;

potz schlapperment schänd, haltet bessere ordnung. bauernstands lasterprobe s. 93; potz tausend! heute fast die einzige von diesen formeln übrig gebliebne; botz todenbaum! Garg. 202a;

botz treckigen gestank,
so musz er ubel des engelten. trag. Joh. A 2;

aber botz Urbans leiden, was hilfts wann kein kraft hernach folget? bienenk. 83b;

ei dasz dich all botz Velten!
wie ist das geld so theur,
und kommt so wunderselten
an arme leute heur.
Hoffm. gesellsch. 281;

botz Veltenssucht! eselkönig 310, vgl. Veltins beulen 1, 1746;

was ligt dann dran, botz Verden blt!
der wein ist allen menschen gt.
Scheit grob. G 3a;

Verden blt! das sein gte mer.
Murner luth. narr 3720;

botz Verden blut! Garg. 154a;

botz Färden darm!
vom für der hell ist mir so warm.
Ruefs Adam 477;

botz Verden willen, luogend umm,
was groszen volks hie zuo uns kumm. trag. Joh. B 2;

botz laus, botz angst, botz Verden krös!
Thurneissers archidoxa 65;

potz welt! potz wetter!; ha der potz Velten! Schlampampe tod 7;

ei dasz dich denn botz zähren!
was frag ich denn darnach?
das geld soll mich nit bschweren,
will haben gut gemach!
Hoffm. gesellsch. 282.

noch andere beispiele dieses botz wurden schon unter alles (1, 229. 230), aller (1, 220), allers (1, 227) angeführt. die absichtliche verdrehung von herrgott in herstock, von Velten in Verden, Ferden u. s. w. lassen kaum zweifeln, dasz auch botz aus gotts, einigemal vielleicht aus götze (1, 220) entsprang, wie teufel in deuxel, deixel gemildert zu werden pflegte. das heilige oder böse wort sollte damit geschont, verkleidet und unschädlicher werden; auf ähnlichem grund beruht, dasz die hirten den wolf nicht so, sondern wul, feind, ungeziefer oder hölzing und graubein, den bären goldfusz, groszvater nennen, worüber Reinhart livlvi mehreres gesammelt ist. die Finnen gebrauchen Pekko d. i. Petrus von jedem thier des waldes, bären oder hase. Was uns heute an der alten ausdrucksweise grob und roh erscheint, gieng gerade aus einem wolmeinenden oder abergläubischen bestreben hervor, die härte und nachtheit kräftiger namen zu mäszigen oder zu verhüllen. die französische sprache hat oder hatte ähnliche euphemismen, z. b. vertubleu! für vertudien, gottes macht = botz macht, und aus diesem vertubleu liesze sich auch botz verden leiten, statt aus botz Velden. vgl.bocks und DWB box.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
botzkugel, f. was boszkugel: der christen sig steht in still ligen, leiden, und sich wie ein igel an ein botzkugel legen (d. i. zusammen kugeln). Frank spr. 1, 52a.

[Bd. 2, Sp. 281]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bötze, f. was bitze, oben sp. 58, kraut- oder kohlgarten, grasgarten. rübenfeld.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bötzefeld, n. krautfeld, das beste land eines hofguts.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bötzel, s. DWB bützel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bötzig, m. in salinen, der abfall an gips, welcher gebrannt und als dünger verwandt wird.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
box, was bocks (sp. 202. 203), wofür hier noch einige stellen:

pox pauch, das wer ein guter arzt. fastn. sp. 61, 6;

samer pox haut! 73, 3;

pox leichnam! 38, 1; 90, 2; 176, 4;

samer pox leichnam! 69, 11; 339, 35;

das dich pox leichnam schend! 73, 13;

ei pox leichnams willen io. 331, 5;

box esel, das gebratens ist noch roh
und schmeckt sehr übel!
Alberus 11b;

der eilft kunnt wol box marter schwern. 50;

auf erdreich kundt er sonst nichts mehr,
dann dasz er schwur box marter sehr. das.;

der esel sprach, box angst und gnad! 76;

pox grint, ich mein wir gen nit recht. fastn. sp. 283, 5;

samer pox trost! 42, 23;

für angst und schweisz kam rausz getroffen,
als wer er aus eim ofen gschloffen,
und sprach, box grind und heilger wund!
was ghörn viel wort zu einer stund?
Waldis Es. 4, 76;

box marder (l. marter), itzt gedenk ich dron.
Ayrer fastn. sp. 8b.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
box, m. heiszt den müllern das zweitheilige holzstück im bodenstein; gehört zu bock 10, und scheint aus dem gen. zum nom. geworden. s. DWB boxnagel.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: